Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


wiki:reisegenerationen

Inhaltsverzeichnis

Zeitleiste der Reisegenerationen

Es fällt auf, dass zu unterschiedlichen Zeiten bestimmte Reiseformen gesellschaftlich besondere Bedeutung erhielten und sich mit bestimmten zeittypischen Lebensstilen verbanden. Solche jeweiligen Arten des Unterwegs-Seins erzeugten eigene Lieder, schufen Protagonisten, gerannen zu Geschichten und Erzählungen, wurden ideologisch überhöht oder abgelehnt, soziologisch untersucht und verfilmt.

Diese Sicht auf das Phänomen »Reisen« zeigt zwar nur die Schaumkronen auf einem bewegten Meer des Unterwegs-Seins, doch zeugen diese von weithin wirksamen und zeittypischen Kräften. Die folgende Übersicht benennt solche Kategorien und stellt sie mehr oder weniger grob in eine Zeitleiste, denn Voraussetzungen und Folgen lassen sich nicht scharf abgrenzen.

Und niemals war der Homo viator zu trennen von Homo portans und Homo faber. Reisen zu verstehen bedeutet auch, die Umstände zu kennen, etwa:

  • Beim Aufbruch waren Stöcke und Stäbe als Werkzeug & Waffe immer schon Teil des Reisegepäcks und bilden ein bisher unbeachtetes »Leitfossil« der Reiseformen.
  • Reisegepäck erfordert immer Trage- und Transporttechniken.
  • Der Mensch als Gepäckträger entlastete sich durch Nutztiere, Rad und Wagen.
  • Das Klima löste Wanderungsdruck für Migrationen aus, formte jedoch auch Reisewege:
    Behringer, Wolfgang. Kulturgeschichte des Klimas von der Eiszeit bis zur globalen Erwärmung. 352 S., München dtv 2020

21. Jahrhundert

Real life oder virtual reality?

20. Jahrhundert

Reisen zu Zielen der Phantasie

Mobilmachung: Das amerikanische Jahrhundert

  • Backpacker
    ein amerikanisches Magazin seit 1973, in der ZEIT seit 1991, im Spiegel ab 2000, eine australische TV-Serie seit 2006.
  • New Age Traveller
    • Davis Jim
      Out of Site, out of Mind. New Age Travellers and the Criminal Justice and Public Order Bill.
      London 1994: Children's society
    • Earle, Fionna; Dearling, Alan et al
      A time to Travel? An introduction to Britain's newer travellers.
      Dorset (GB) 1994: Enabler Publications
    • Lowe, Richard; Shaw William
      Travellers. Voices of the new age nomads.
      London 1993 Fourth Estate
  • Alternativ Reisende und Globetrotter ab 1975
    Deutschland & Westeuropa, Globetrotterclubs
    Dritte-Welt-Bewegung, Friedensbewegung, Solidaritätsreisen (Kuba, Nicaragua) > Reise ans Ende der Utopie: »la nouvelle génération perdue« 1)
    • Peter Schneider (1940 -)
      Lenz Berlin 1973 Rotbuch
    • Gilcher-Holtey, Ingrid (Hg.)
      „1968“ - eine Wahrnehmungsrevolution?
      Horizont-Verschiebungen des Politischen in den 1960er und 1970er Jahren.
      Tagungsband 134 S., München: Oldenbourg, 2013, insbes. S. 97
  • Hippies ab 1964
    Kalifornien, London, Hippie Trail, San Francisco, Summer of Love, Gammler
    • Tiny Stricker (1948 - )
      Trip Generation Augsburg Maro 1970
  • Beat Generation ab 1950
    USA, Tanger, Beatniks
    • Jack Kerouac (1922 - 1969) > Biographie
      On the Road 1957
    • Paul Bowles (1910 - 1999)
      The Sheltering Sky 1949, Yallah 1957, Without stopping 1973
    • James A. Michener (1907 - 1997)
      Die Kinder von Torremolinos (The Drifters) 1971
  • Auf der FluchtLiteraturliste über Fluchtreisen nach 1914 und nach 1939
    Reisende, die vom Ausbruch der beiden Weltkriege überrascht wurden, also keine »Heimatlosen«, sondern vom Fremden zum Feind wurden oder sich in eine Robinsonade retteten.
    • Heinrich Harrer
      Sieben Jahre in Tibet
      Wien: Ullstein 1953
      zusammen mit Peter Aufschnaiter, Rolf Magener, Friedel Sattler und Hans Kopp.
    • Martin, Henno
      Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste
      Eine Robinsonade in der Namib.
      Stuttgart: Union Deutsche Verlagsgesellschaft 1956
    • Pritzke, Herbert
      Nach Hause kommst du nie.
      Wien Ullstein 1956
    • Enzensberger, Hans Magnus (Hg.)
      Europa in Trümmern. Augenzeugenberichte aus den Jahren 1944-1948
      (=Andere Bibliothek Bd. 65), Frankfurt/M.: Eichborn 1990, OPppbd, 301p, 11,5×22
    • Freyermuth, Gundolf S.
      Reise in die Verlorengegangenheit. Auf den Spuren deutscher Emigranten 1933-1940
      (=dtv 30345), München: Dt. Taschenbuch-Vlg. 1993, 298p, Pers.-register, Lit.-verz., Quellen
      Spuren von Überlebenden des Exodus der kulturellen Elite Deutschlands mit Interviews der letzten noch lebenden Zeitzeugen.
  • Lost Generation
    »Vous êtes tous une génération perdue«. Gertrude Stein über Ernest Hemingway.
    Die vor 1914 geborene Kriegsgeneration.
    • Ernest Hemingway (1899 - 1961) > Biographie
      The Green Hills of Africa 1937, The Short Happy Life of Francis Macomber 1936 > Querencia
    • John Dos Passos (1896 - 1970) Rosinante to the Road Again (Essay 1922), Orient-Express (Reisebericht 1927), In All Countries (1951), Journeys between wars (1938) 2)

Der Blick zurück: Themen, Epochen, Perspektiven

  • Ulla Biernat
    „Ich bin nicht die erste Fremde hier“
    Zur deutschsprachigen Reiseliteratur nach 1945
    Würzburg: Königshauen & Neumann 2004
  • Peter Mierau
    Nationalsozialistische Expeditionspolitik
    Deutsche Asien-Expeditionen 1933-1945

    (=Münchner Beiträge zur Geschichtswissenschaft Bd. 1)
    Diss., Utz München, 2006, 555 S.
  • Spode, Hasso
    „Der deutsche Arbeiter reist“
    Massentourismus im Dritten Reich
    in: Gerhard Huck (Hg.): Sozialgeschichte der Freizeit: Untersuchungen zum Wandel der Alltagskultur in Deutschland, Wuppertal 1982, S. 281–306.
  • Spode, Hasso
    Die NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ – ein Volk auf Reisen?
    in: Hasso Spode (Hg.): Zur Sonne, zur Freiheit! Beträge zur Tourismusgeschichte: Berichte und Materialien Nr. 11, Berlin 1991, S. 79–93.
  • Nomadische Existenzen.
    Vagabondage und Boheme in Literatur und Kultur des 20. Jahrhunderts.
    Mit einer Artur-Streiter-Bibliographie.
    Tagungsband, Symposion des Fritz-Hüser-Instituts 11. Mai 2007. Klartext, 2007.
  • Autsch, Sabiene
    Erinnerung – Biographie – Fotografie.
    Formen der Ästhetisierung einer jugendbewegten Generation im 20. Jahrhundert.
    Potsdam: Verlag für Berlin-Brandenburg, 2000.
  • Ada Bieber, Stefan Greif, Günter Helmes (Hrsg.)
    Angeschwemmt - Fortgeschrieben
    Robinsonaden im 20. und beginnenden 21. Jahrhundert
    267 Seiten Königshausen & Neumann 2009

Ab dem 19. Jahrhundert

  • Reisende und ihre Anleitungen zum Reisen nach 1800
  • Reisen in Deutschland:
  • Reisen durch Sibirien:
    Fridtjof Nansen [1861-1930],
    Anton Čechov [1860-1904],
    Christopher Hansteen [1784-1873],
    Ernst Hofmann [1801-1871],
    Kennan, George [1845-1924],
    Robert Graf Keyserling,,
    Kate Marsden [1859-1931]
  • Am 19. Mai 1845 brachen Sir John Franklin und 128 Mann Besatzung mit den beiden Dreimastern HMS Erebus und HMS Terror vom Hafen Greenhithe in Kent auf. Ihr Ziel war die Suche nach einer Nordwestpassage durch die Arktis, nördlich Amerika umschiffend. 1846 wurden sie von Walfängern letztmals in der Baffin-Bucht gesichtet. Erst 2014 fand man vor der Nordküste Kanadas das Wrack der HMS Erebus, nahe der OʼReilly-Insel im Süden von King William Island; 2016 fand man die HMS Terror in der Terror Bay (die bereits vorher so hieß).
    • Nadolny, Sten
      Die Entdeckung der Langsamkeit
      Roman. 369 S., München 1983: Piper, erschien bis heute in 53 Auflagen.
    • Palin, Michael
      Erebus.
      Ein Schiff, zwei Fahrten und das weltweit größte Rätsel auf See.
      400 S., München Goldmann 2021

Reisen zu Zielen der Phantasie

Wandervögel aller Art

Im »Jahrhundert der Vereine« entstanden zahlreiche Gebirgs-, Mittelgebirgs- und Wandervereine mit ihren meist regionalen Mitgliederzeitschriften und Jahrbüchern, die größten waren:

  • 1857 wurde der britische Alpenverein gegründet
  • 1862 entstand der Österreichische Alpenverein
  • 1869 entstand der Deutsche Alpenverein
  • 1875 wurde der Campingclub von London gegründet.
  • Die erste Gruppe der Naturfreunde wurde 1885 in Wien von Georg Schmiedl gegründet.
  • Zu Fuß in der Natur unterwegs:
    Alpen, Schweiz und Toskana
    Alpinisten & Wandervögel, Wandervereine, Naturfreunde
    • Seume, Johann Gottfried
      Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802
      Nördlingen Greno 1985
    • Lauterbach, Burkhart
      Der Berg ruft
      Alpentourismus und Kulturtransfer seit dem 18. Jahrhundert
      in: European History Online (EGO), published by the Leibniz Institute of European History (IEG), Mainz 2018-08-30. Online .
    • Lauterbach, Burkhart
      Alpentourismus im 19. Jahrhundert als Thema der Europäischen Ethnologie
      in: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde 2006, S. 115–122
    • Grupp, Peter
      Faszination Berg.
      Die Geschichte des Alpinismus.
      Köln: Böhlau 2008.
  • Zu Fuß in der Stadt unterwegs:
    Flaneure, Spaziergänger, Passanten und ab etwa 1840 wird auch der Strand zur bürgerlichen Promenade.
  • Bushranger, ab 1788 bis etwa 1850 Waldläufer in Australien
  • Overlander ab etwa 1830 bis etwa 1880 in Australien
    eine Art Waldläufer internationaler Herkunft im Outback als merchant adventurer
  • Hoboes & Tramps nach dem amerikanischen Bürgerkrieg 1861-65 bis 1950, USA
    • Mark Twain (=Samuel Langhorne Clemens) (1835 - 1910) > Biographie
      A Tramp Abroad 1880
    • Jack London (1876 - 1916) > Biographie
      The Road 1907
    • Charlie Chaplin (1889 - 1977)
      The Tramp 1915, The Vagabond 1916, The Adventurer 1917, The Pilgrim 1927
    • John Steinbeck (1902 - 1969)
      Of Mice and Men 1937 > Vacilando
    • Ein Leatherman (* um 1839 - 1889) wanderte von 1856 bis 1889 die immergleiche Strecke zwischen Connecticut River und Hudson River, in selbstgemachter Lederkleidung und in in einer Höhle wohnend:
      Deluca, Dan W., Dione Longley
      The old leather man
      Historical accounts of a Connecticut and New York legend.
      Middletown, Conn, 2008: Wesleyan University Press.
  • Vagabunden 1848 bis 1933, Europa
    • Gregor Gog (1891 - 1945), Bruderschaft der Vagabunden 1927, Armee du Salut, Bresprisornijs, Confédération Compagnonnages, Trimards
    • Vagabund, Regie: Fritz Weiß, Österreich 1930, 49 Minuten, Stummfilm mit Gregor Gog
    • Uracher Kreis (»Matrosenkreis«), Expressionisten, Anarchisten, Lebensreformer, Nacktkultur um:
      Karl Raichle, Theodor Plivier (der »deutsche Jack London«), Alexander Abusch, Erich Mühsam, Wanderprophet Gusto Gräser (»der europäische Gandhi«, Monte Verità)
    • Hermann Hesse
      Die Morgenlandfahrt.
      Eine Erzählung. Berlin: Fischer 1932
    • Johannes R. Becher
      Urach oder Der Wanderer aus Schwaben

Der Blick zurück: Themen, Epochen, Perspektiven

  • Prein, Philipp
    Bürgerliches Reisen im 19. Jahrhundert
    Freizeit, Kommunikation und soziale Grenzen
    Münster 2003 (Kulturgeschichtliche Perspektiven 3).
  • Schivelbusch, Wolfgang
    Geschichte der Eisenbahnreise
    Zur Industrialisierung von Raum und Zeit im 19. Jahrhundert
    Frankfurt am Main 1989.
  • Bötefür, Markus
    Bei Amazonen, Haremsdamen und Kopfjägern
    Westliche Frauen auf Reisen in Südostasien, 1851-1952.
    121 S. Gossenberg 2010: Ostasien Verlag.
  • Ayrout, Jeannette
    Voyageuses et aventurières en Egypte au XIXe siècle
    Revue du Caire, no. 69, août 1944, 390–402
  • In der Fremde will ich lernen
    Biografien bayrischer Handwerker aus den letzten beiden Jahrhunderten [1806-2006]
    Haus der Bayrischen Geschichte Augsburg 2006, Text: Falk Ohorn, ISBN 3-937974-13-x
    Der Historiker Ohorn recherchierte die Reisegeschichte von acht Handwerkern: Ludwig Köck (»Abu El Kismet«), Seraphin Hoegner, Thomas Wimmer aus Siglfing, Martin Irl aus Erding, Georg David Bilgram aus Memmingen und anderen.

18. Jahrhundert

  • Aufklärung, Orientreisen, Provinzreise, Sibirienreisen, Spaziergang
  • Reisende und ihre Anleitungen zum Reisen nach 1700
    • Kutter, Uli
      Apodemiken und Reisehandbücher.
      Bemerkungen und ein bibliographischer Versuch zu einer vernachlässigten Gattung.
      In: Das achtzehnte Jahrhundert 4 (1980) 116–131.
    • Kutter, Uli
      Der Reisende ist dem Philosophen, was der Arzt dem Apotheker.
      Über Apodemiken und Reisehandbücher.
      In: Hermann Bausinger, Klaus Beyrer, Gottfried Korff (Hrsg.): Reisekultur. Von der Pilgerfahrt zum modernen Tourismus. München 1991, S. 38–47.
    • Siebers, Winfried
      Johann Georg Keyßler [1693 - 1743] und die Reisebeschreibung der Frühaufklärung.
      Zugl. Diss. Univ. Osnabrück 1998. Würzburg 2009.
  • Reisen durch Sibirien:
    Johann Georg Gmelin [(1709–1755)],
    Chappe d'Auteroche [1728-1769],
    Jakob Fries [1774–1776],
    Johann Eberhard Fischer [1697-1771]
  • 1788 landete die First Fleet mit Siedlern und Sträflingen auf elf Schiffen in Australien.
  • Etappen des Wagenbaus: 1769 fährt das erste Automobil, ein dreirädriger Dampfkraftwagen aus Holz, der »Fardier«, entwickelt von Nicholas Cugnot (1725–1804).

Reisen zu Zielen der Phantasie

  • 1716 Formosa
  • 1719 Robinsons Insel
  • 1724 Libertalia auf Madagaskar
  • 1726 Mildendo, die Hauptstadt von Liliput
  • 1726 Lorbrulgrul, Die Hauptstadt von Brobdingnag.
  • 1726 Glubdrubdrib, Die Insel der Zauberer
  • 1731 Insel Felsenburg
  • 1799 Ohnewitz
    mehr dazu siehe Liste der phantastischen Orte und die Abenteuerliteratur vor 1800

Aufklärung: Orientreisende und »Morgenlandfahrer«

  • Mary Wortley Montagu (1689–1762)
    Briefe der Lady Marie Worthley Montague
    geschrieben während ihren Reisen in Europa, Asia und Afrika, an Personen vom Stande, Gelehrte etc. in verschiedenen Theilen von Europa geschrieben; welche außer andern Merkwürdigkeiten Nachrichten von der Staatsverwaltung und den Sitten der Türken enthalten; aus Quellen geschöpft, die für andre Reisende unzugänglich gewesen.
    3 Bände, Weidmanns Erben und Reich, Leipzig 1763, urn:nbn:de:gbv:3:1-190478.
    Lady Montagu reiste 1717 nach Konstantinopel und schuf einen neuen Blick auf den Orient.
  • Harbsmeier, Michael
    Orientreisen im 18. Jahrhundert.
    Carsten Niebuhr [1733-1815] und seine Zeit
    Beiträge eines interdisziplinären Symposiums vom 7.-10. Okt. 1999 in Eutin. Franz Steiner 2003.
  • Krause, Jürgen
    Orient Teil 2: die Gegenwelt der Wüsten und Basare:
    Orientreisen vom späten 18. Jahrhundert bis zum Anbruch der Moderne.
    Orte der Sehnsucht / LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Westfälisches Landesmuseum 2008. Hrsg. Von Hermann Arnhold. S. 217-219.
  • Brünings, Friedrich
    Die Orientreisen der französischen Romantiker.
    88 S., Würzburg, Univ., Diss., 1923
  • Heimann, Regelind
    Wilhelm Gentz (1822-1890)
    Ein Protagonist der deutschen Orientmalerei zwischen realistischer Anschauung und poesievoller Erzählkunst. Mit einem Verzeichnis der Ölgemälde, -Skizzen Und -studien. Berlin 2011: Logos. Literaturverzeichnis S. 355-365 (Orientalismus, französische Orientalisten) Online .
  • Uwe Pfullmann
    Durch Wüste und Steppe. Entdeckerlexikon arabische Halbinsel. Biographien und Berichte
    Berlin: trafo Verlag
    560 Seiten, 220 Textabb., 41 Karten, Anmerkungen, Literaturverzeichnis (16 Seiten), Ortsregister, Verzeichnis der biographierten Reisenden
  • Polaschegg, A.
    Die Regeln der Imagination.
    Faszinationsgeschichte des deutschen Orientalismus zwischen 1770 und 1850.
    In: Der Deutschen Morgenland. Leiden 2008: Brill. Online
  • Agai, Bekim, Zita Ágota Pataki
    Orientalische Reisende in Europa - Europäische Reisende im Nahen Osten.
    Bilder vom Selbst und Imaginationen des Anderen.
    Tagungsband. Bonner Islamstudien 19. 295 S., 22 Tafeln. Berlin 2010: EB-Verlag. Inhalt:
    • Bekim Agai:
      Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Der Reisebericht als kulturübergreifende inszenierte Grenzerfahrung: ein Vergleich der Reiseberichte des Ägypters Ṭahtāwī, des Osmanen Muḥibb Efendi und des Preussen von Moltke.
    • Gülbahar Erdem:
      Sefāretnāme-i Yirmisekiz Mehmed Çelebi Efendi: eine Liaison der Diplomatie mit der Literatur. Ein Reisebericht als Anfangspunkt eines langen Weges des Osmanischen Reiches in seiner Orientierung an Europa.
    • Abdullah Güllüoğlu:
      Die Wahrnehmung des Anderen in den Berichten des osmanischen Gesandten Ahmed Resmi Efendi [1694/95-1783].
    • Olcay Akyıldız:
      Was offizielle Reiseberichte ihren Lesern zu sagen haben.
    • Alev Meltem Masarwa:
      Kanonisierung des Selbst. Reisen und der Aufbau von intellektuellem Prestige bei Abū t̲-T̲anā' al-Ālūsī [1802-1854].
    • Andreas Pflitsch:
      Aufbruch in eine vertraute Fremde: Ṭāhā Ḥusain in Paris.
    • Britta Frede:
      Nur ein Nomade kann ein Held sein. Drei gemeinsame Saharareisen von Odette du Puigaudeau [1894-1991] und Marion Sénones (alias Marcel Borne-Kreutzberger, 1886-1977).
    • Gülschen Sahatova:
      Reisen im Dienste der Ideologie: ein Gespräch nach einer Reise.
    • Zita Ágota Pataki:
      Reisen bildet. Orientreisen und Stereotypen in Text und Bild.
    • Silke Förschler:
      Neue Einsichten. Über den Wandel der Darstellungen des Harems in Konstantinopel vom Reisebericht Paul Rycauts (1670) zu den Stichen des Recueil Ferriol (1714).
    • Roger Diederen:
      Fakt, Fiktion und Fantasie: Montesquieus Les lettres persanes und der Traum des Eunuchen.
    • Susann Schlemmer:
      Das deutsche Orientbild in der Malerei: Bilder des Fremden und Konstruktion des Eigenen.
    • Barbara Stempel:
      3 x Asien in den Fotoreportagen Annemarie Schwarzenbachs [1908-1942].
    • Nicola Müllerschön:
      „Was Agadir nicht ist“. Dokumentationen des Reisens bei Hubert Fichte [1935-1986] und Leonore Mau [1916-2013].

Sehen und Beschreiben: Das deutsche Jahrhundert

Mündigkeit, Spaziergang als Gangart der Aufklärung, Suchen und Wissen als Methode zur Orientierung zwischen Illusion und Wirklichkeit.

  • Bödeker, Hans Erich
    Reisebeschreibungen im historischen Diskurs der Aufklärung.
    In: Ders., u.a. (Hg.): Aufklärung und Geschichte. Studien zur deutschen Geschichtswissenschaft im 18. Jahrhundert. 2. A. Göttingen 1992, S. 276–298.
  • Andreas Bürgi
    Weltvermesser
    Die Wandlung des Reiseberichts in der Spätaufklärung

    Bonn, 1989
  • Griep, Wolfgang (Hrsg.)
    Sehen und Beschreiben.
    Europäische Reisen im 18. und frühen 19. Jahrhundert.
    Heide 1991
  • Heidmann Vischer, Ute
    Die eigene Art zu sehen.
    Zur Reisebeschreibung des späten achtzehnten Jahrhunderts am Beispiel von Karl Philipp Moritz [1756-1793] und anderen Englandreisenden.
    Zugl. Diss. Univ. Genf 1991. Bern 1993.
  • Hentschel, Uwe
    Die Reiseliteratur am Ausgang des 18. Jahrhunderts.
    Vom gelehrten Bericht zur literarischen Beschreibung.
    In: IASL (Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur) 16 (1991) H.2, S. 51–83.
  • Hentschel, Uwe
    „wo das Reisen zur wahren Reisewuth wurde, Reisebeschreibungen einander jagten, und Reiseleserei so epidemisch ward, als Romane oder Schauspielereien“
    oder Die Eroberung des literarischen Marktes durch die Reiseliteratur.
    In: H. Hartmann (Hrsg.): Populäre Literatur – Regionale Distribution – Innerliterarische Wirkung um 1800. Greifswald / Neubrandenburg 1992, S. 146–162.
  • Hentschel, Uwe
    Studien zur Reiseliteratur am Ausgang des 18. Jahrhunderts.
    Autoren – Formen – Ziele.
    Frankfurt/Main 1999.
  • Kutter, Uli
    Reisen – Reisehandbücher – Wissenschaft
    Materialien zur Reisekultur im 18. Jahrhundert.
    Neuried 1996.
  • Panzer, Bärbel
    Die Reisebeschreibung als Gattung der philanthropischen Jugendliteratur in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
    334 S. Zugl. Diss. Univ. Köln 1983. Frankfurt am Main Lang 1983.
  • Piechotta, Hans Joachim (Hrsg.)
    Reise und Utopie.
    Zur Literatur der Spätaufklärung.
    300 S. Frankfurt/Main: Suhrkamp 1976.
  • Ria Omasreiter
    Travel Through the British Isles
    Die Funktion des Reiseberichts im 18. Jahrhundert

    Heidelberg, 1982
  • Boris I. Krasnobaev, Gert Robel, Herbert Zeman (Hrsg.)
    Reisen und Reisebeschreibungen im 18. und 19. Jahrhundert als Quellen der Kulturbeziehungsforschung.
    403 S. Berlin: Camen 1980
  • Sauerland, Karol
    Der Übergang der gelehrten zur aufklärerischen Reise im Deutschland des 18. Jahrhunderts.
    In: Joseph P. Strelka, Jörg Jungmayr (Hrsg.): Virtus et Fortuna. Zur Deutschen Literatur zwischen 1400 und 1720. Festschrift für Hans-Gert Roloff zu seinem 50. Geburtstag. Bern 1983, S. 557–570.
  • Stewart, William E.
    Die Reisebeschreibung und ihre Theorie im Deutschland des 18. Jahrhunderts.
    Diss. Univ. Köln 1978. 341 S. Bonn: Bouvier 1978.
  • Wuthenow, Ralph Rainer
    Die erfahrene Welt
    Europäische Reiseliteratur im Zeitalter der Aufklärung
    457 S. Frankfurt am Main: Insel 1980

Die »Provinzreise«: agrarökonomisch, medizinisch oder bildungsmotiviert

  • Schmidt, Harald
    Fremde Heimat
    Die deutsche Provinzreise zwischen Spätaufklärung und nationaler Romantik und das Problem der kulturellen Variation
    Friedrich Nicolai [1733 - 1811],
    Kaspar Riesbeck [1754 - 1786],
    Ernst Moritz Arndt [1769 - 1860]
    In: Helmut Berding (Hrsg.): Nationales Bewußtsein und kollektive Identität. Studien zur Entwicklung des kollektiven Bewußtseins in der Neuzeit. Bd. 2. 2. Aufl. Frankfurt/Main 1996, S. 394–442.
  • Siebers, Winfried
    Die Provinzreise als Entdeckungsfahrt.
    Johann Friedrich Zöllners [1753 - 1804] Reiseberichte über Schlesien und Pommern.
    In: Ursula Goldenbaum, Alexander Košenina (Hrsg.): Berliner Aufklärung. Kulturwissenschaftliche Studien. Bd. 3. Hannover 2007, S. 199–236.

Der Blick zurück: Themen, Epochen, Perspektiven

  • Gerteis, Klaus
    Das „Postkutschenzeitalter“.
    Bedingungen der Kommunikation im 18. Jahrhundert.
    In: Aufklärung 4 (1989) H. 1, S. 55–78.
  • Griep, Wolfgang; Hans-Wolf Jäger (Hrsg.)
    Reise und soziale Realität am Ende des 18. Jahrhunderts.
    Heidelberg 1983
  • Griep, Wolfgang (Hrsg.)
    Reisen im 18. Jahrhundert. Neue Untersuchungen.
    Heidelberg 1986
  • ders.: Annäherungen.
    Über Reisen und Aufklärung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
    In: Georg Forster [Biographie] in interdisziplinärer Perspektive. Beiträge des Internationalen Georg Forster-Symposions in Kassel, 1. bis 4. April 1993. Hrsg. im Auftrag der Georg Forster-Gesellschaft e. V. von Claus-Volker Klenke in Zusammenarbeit im Jörn Garber und Dieter Heintze. Berlin 1994, S. 103–112.
  • Hagglund, Elizabeth
    Reviews of travel in the monthly review
    1749–1758: An introductory survey
    Studies in Travel Writing 2.1 (1998) 1-45.
  • Jäger, Hans-Wolf (Hrsg.)
    Europäisches Reisen im Zeitalter der Aufklärung.
    391 S. Heidelberg 1992.
  • Keller, Susanne B.:
    Gipfelstürmer, Künstler und Wissenschaftler auf der Suche nach dem Überblick
    in: Jenns E. Howoldt u.a. (Hg.): Expedition Kunst: Die Entdeckung der Natur von C. D. Friedrich bis Humboldt: Katalog zur Ausstellung … vom 25. Oktober 2002 bis 23. Februar 2003 in der Hamburger Kunsthalle, Hamburg u.a. 2002, S. 27–36.
  • Behrmann, Alfred
    Das Tramontane oder die Reise nach dem gelobten Lande
    Deutsche Schriftsteller in Italien 1755-1808.
    214 S. Beiträge zur neueren Literaturgeschichte. Dritte Folge; Band 145. Heidelberg: Universitätsverlag Winter 1996
  • Eva-Maria Auch, Stig Förster (Hg.)
    „Barbaren“ und „Weiße Teufel“.
    Kulturkonflikte und Imperialismus in Asien vom 18. bis zum 20. Jahrhundert
    Paderborn, München, Wien, Zürich 1997
  • Osterhammel, Jürgen
    Die Entzauberung Asiens.
    Europa und die asiatischen Reiche im 18. Jahrhundert.
    München 1998.

Ab dem 17. Jahrhundert

  • Waldläufer (Coureurs des bois, voyageurs, Promyšlenniki), Weltumrunder, Gentleman's Tour, Kavalierstour, Junkerfahrt, Patrizierreise, Peregrinatione Italica, Empfindsame Reise, Künstlerreisen, Reisläufer, Landsknechte, Söldner, Vagabunden
  • Reisende und ihre Anleitungen zum Reisen nach 1600
    • Henner, Johann
      Politischer Discurs de arte apodemica seu vera peregrinandi ratione.
      84 S., Getruckt zu Tübingen in der Cellischen Truckerey(IS), Cellius, Johann Alexander 1609 und Hamburg 1644:
      »Das ist: Eigentliche Beschreibung der Peregrination, ob dieselbe nützlich? Auch Fürsten vnd Herren zu rahten? Wann/ vnd wie Sie dieselbe anstellen? … ; Allen Peregrinanten, insonderheit aber Fürsten/ Graven/ Herrn/ vom Adel/ Abgesandten/ vnnd andern Politices Studiosis zu gutem vnd bessern Vnterricht in Truk verfertigt.«
  • Begriff und Phänomen des Heimwehs beschrieb als Erster Johann Hofer 1678.
  • Etappen des Wagenbaus

Reisen zu Zielen der Phantasie

Europa im Dreißigjährigen Krieg

  • Reisläufer, Landsknechte, Söldner (engl. mercenary)
    • Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (1622 - 1676)
      Der abentheuerliche Simplicissimus teutsch und Continuatio des abentheuerlichen Simplicissimi
      LXXII, 587 S. Tübingen Niemeyer 1984 [=Simplicius Simplicissimus]
    • Die Begriffe Habersack, Knapsack und Schnappsack für Reisegepäckformen erscheinen ab Mitte des 17. Jahrhunderts in mehreren europäischen Sprachen.
  • Um 1600 fährt der erste Wagen mit »Außenantrieb« in Europa, siehe Zeitleiste Geländewagen.
  • 1621-1628 Die erste Weltumsegelung eines Passagiers: Der Österreicher Christoph Carl Fernberger umrundete als erster die Erde, allerdings unfreiwillig, denn eigentlich heuerte er als Hilfskoch auf einem Schiff an, das ihn von Holland nach Venedig bringen sollte. 3)
  • Die Postkutsche wird nach dem Dreißigjährigen Krieg 1648 eingeführt und läutet die Postkutschenzeit ein, also ein öffentliches Verkehrsmittel mit Routen, »Postkurs«, Fahrplänen, Raststationen, Tarifen usw. Voraussetzung war die gefederte Kutsche, ein Import aus Ungarn im 15. Jahrhundert. Sie endet öffentlichkeitswirksam mit der Fahrt des Eisernen Gustav nach Paris 1928 in seiner Droschke.
  • 1670-1679 Erste Weltumrundung weitgehend auf dem Landweg von Pedro Cubero: Paris, Venedig, Warschau, Moskau, Istanbul, Astrachan, Isfahan, Bandar Abbas, Surat, Goa, Colombo, Mylapore, Malakka, Philippinen, Peking, Molukken, Acapulco, Veracruz, Havanna, Cádiz. 4).

Grand Tour: Das europäische Jahrhundert

  • Grand Tour (groote tour, große Tour) etwa 1660 bis etwa 1848 (Revolution & Eisenbahnreisen)
    ausgehend von England (Gentleman's Tour) zunächst als Bildungsreise des Adels (Kavalierstour, Junkerfahrt), dann auch des gehobenen Bürgertums (Patrizierreise).
    • Attilio Brilli
      Als Reisen eine Kunst war
      Vom Beginn des modernen Tourismus: die „Grand Tour“.
      223 S. Berlin Wagenbach 1997/2012 [Quando viaggiare era un'arte]
    • Grosser, Thomas
      Reisen und soziale Eliten.
      Kavalierstour – Patrizierreise – bürgerliche Bildungsreise.
      In: Michael Maurer (Hrsg.): Neue Impulse der Reiseforschung. Berlin 1999, S. 135–176.
    • Klein, Ulrich
      Der Kavalier und die Fremde.
      Drei Spielarten von Reiseberichten über Kavaliersreisen im 17. Jahrhundert und ihre Notierungsmuster.
      In: Euphorion 85 (1991) 85–97.
    • Mathis Leibetseder
      Die Kavalierstour. Adlige Erziehungsreisen im 17. und 18. Jahrhundert
      Köln 2004
    • Mathis Leibetseder
      Kavalierstour – Bildungsreise – Grand Tour
      Reisen, Bildung und Wissenserwerb in der Frühen Neuzeit
      in: Europäische Geschichte Online (EGO), hg. vom Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG), Mainz 2013-08-14. URL: http://www.ieg-ego.eu/leibetsederm-2013-de URN: urn:nbn:de:0159-2013070226 [JJJJ-MM-TT].
    • Lipsius, Justus
      Epistola de Peregrinatione Italica. [1592]
      In: Adami Henrici Lackmanni: Miscellanea Litteraria. Hamburg 1721.
    • Shackleton, Robert
      The Grand Tour in the Eighteenth Century.
      In: Studies in Eighteenth Century Culture 1 (1971) 127–142.
    • Stannek, Antje
      Telemachs Brüder.
      Die höfische Bildungsreise des 17. Jahrhundert.
      Frankfurt/Main 2001
    • White, Christopher
      Die Grand Tour
      in: John Gage (Hg.): Zwei Jahrhunderte englische Malerei: Britische Kunst und Europa 1680–1880: Haus der Kunst München, 21. November 1979 bis 27. Januar 1980, München 1979, S. 163–216.

Empfindsame Reisen

Künstlerreisen, Italienreisen, Suche nach Arkadien

  • John Milton [1608 - 1674]
    Paradise Lost 1667
  • Laurence Sterne [1713 - 1768]
    Eine empfindsame Reise durch Frankreich und Italien von Mr. Yorick 1768
  • Johann Wolfgang von Goethe [1749 - 1832]
    Wilhelm Meisters Lehrjahre 1795/96
    Wilhelm Meisters Wanderjahre oder die Entsagenden 1821/29
  • Frübis, Hildegard
    Künstlerreisen: Das Beispiel Ägypten
    in: Europäische Geschichte Online (EGO), hg. vom Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG), Mainz 2015-12-11. URL: http://www.ieg-ego.eu/fruebish-2015-de URN: urn:nbn:de:0159-2015121108
  • Plagemann, Volker
    Von der Pilgerfahrt zur „Reise ins Licht“
    Künstlerreisen nach Italien
    in: Hermann Arnhold (Hg.): Orte der Sehnsucht: Mit Künstlern auf Reisen: Anlässlich der Ausstellung im LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, vom 28. September 2008 bis zum 11. Januar 2009, Münster 2008, S. 36–45.
  • Conrad Wiedemann (Hrsg.)
    Rom – Paris – London
    Erfahrung und Selbsterfahrung deutscher Schriftsteller und Künstler in den fremden Metropolen.
    739 S., DFG-Symposion 1985 Stuttgart 1986. Darin u.a.:
    • Conrad Wiedemann:
      „Supplement seines Daseins“? Zu den kultur- und identitätsgeschichtlichen Voraussetzungen deutscher Schriftstellerreisen nach Rom-Paris-London seit Winckelmann.
    • ders.: Zur hermeneutischen und geschichtlichen Problematik des Gegenstands.
    • Manfred Beller:
      Typologia reciproca. Über die Erhellung des deutschen Nationalcharakters durch Reisen.
    • Erich Kleinschmidt:
      Die Ordnung des Begreifens. Zur Bewußtseinsgeschichte urbaner Erfahrung im 18. Jahrhundert
    • Horst Günther:
      Reisen in die Zeitalter der Welt.
    • Peter Boerner:
      Rom, Paris und London aus der Ferne gesehen: Beobachtungen über den Interessen- und Erfahrungshorizont Nicht-Reisender, dargestellt am Beispiel Goethes
    • Ralph-Rainer Wuthenow:
      Reisende Engländer, Deutsche und Franzosen
    • Karl Riha:
      Großstadt-Korrespondenz. Anmerkungen zur Zeitschrift „London und Paris“.
    • Helmut Kiesel:
      Das nationale Klima. Zur Entwicklung und Bedeutung eines ethnographischen Topos von Renaissance bis zur Aufklärung
    • Wolfgang Griep:
      Die reinliche Stadt. Über fremden und eigenen Schmutz
    • Jörg Jochen Berns:
      Peregrinatio academica und Kavalierstour. Bildungsreisen junger Deutscher in der frühen Neuzeit.

Der Blick zurück: Themen, Epochen, Perspektiven

  • Percy G. Adams
    Travelers and Travel Liars 1660-1800
    Berkeley, 1962
  • Bender, Eva
    Die Prinzenreise
    Bildungsaufenthalt und Kavalierstour im höfischen Kontext gegen Ende des 17. Jahrhunderts
    Berlin 2011 (Schriften zur Residenzenkultur 6).
  • Kollodzeiski, Ulrike
    Die Ordnung der Religionen.
    Die Vermittlung von Okzident und Orient im Reisebericht „Viaggi“ von Pietro Della Valle [1586-1652].
    374 S., Diss. Uni Frankfurt a.M. 2019 Baden-Baden: Ergon 2020, doi.org/10.5771/9783956506536
  • Oechslen, Simone
    Wandern und Wissen in der Frühen Neuzeit
    Fortbewegung und Wissensvermittlung bei Martin Opitz und Johann T. Hermes.
    IX, 589 S., Diss. Uni Tübingen, Stuttgart: J.B. Metzler, 2019.
    Hermes, Johann Timotheus [1738-1821] Sophiens Reise von Memel nach Sachsen.
    Opitz, Martin (1597-1639) Schäfferey von der Nimfen Hercinie
  • Wilhelm Treue
    Zum Thema der Auslandsreisen im 17. Jahrhundert
    in: Archiv für Kulturgeschichte, Berlin 1953, Heft 2, 199-211
  • Sarnowsky, Jürgen
    Wahrnehmung und Realität.
    Vorstellungswelten des 12. bis 17. Jahrhundert.
    Göttingen V&R unipress 2018

Ab dem 16. Jahrhundert

  • Reisende und ihre Anleitungen zum Reisen nach 1500
    • Johannes Butzbach (1478-1516) schrieb 1505 das Odeporicon, welches als erste Reisedichtung dieser neuen Gattung der Hodoeporica gilt und später auch als Wanderbüchlein veröffentlicht wurde.
    • 1574 Hieronymus Turler:
      De Peregrinatione Et Agro Neapolitano Libri II. Straßburg
    • 1577 Theodor Zwinger (1533–1588)
      Methodus apodemica in eorum gratiam, qui cum fructu in quocumque tandem vitae genere peregrinari cupiunt. 12 Bl., 400 Seiten, 12 Bl., Basileae 1577: Eusebii Episcopii opera atque impensa.
    • Viktor Hantzsch
      Deutsche Reisende des sechzehnten Jahrhunderts
      VII, 140 p. Leipzig : Duncker, 1895. Leipziger Studien aus dem Gebiet der Geschichte Bd. 1 Heft 4.

Reisen zu Zielen der Phantasie

Entdeckungsfahrten: Das iberische Jahrhundert

  • Franz Hümmerich
    Die erste Deutsche Handelsfahrt nach Indiën 1505-1506.
    Ein Unternehmen der Welser, Fugger und anderer Augsburger sowie Nürnberger Häuser.
    Historische Bibliothek Bd. 49, 150 S., München 1922: Oldenbourg.
  • Der Kosak Jermak Timofejewitsch (um 1532 bis 1585) leitet die Eroberung Sibiriens ein.

1519–1522 Erste Weltumsegelung unter Ferdinand Magellan (vor 1485 - 1521) mit 18 überlebenden Weltumrundern auf der Victoria, darunter war mit Hans (aus Aachen) auch ein Deutscher sowie Hans Barge, ein Deutscher, der in der Haft in Lissabon starb. Bis 1600 vier weitere Weltumsegelungen unter

  • Andrés de Urdaneta (1498 - 1568)
  • Francis Drake (1540 - 1596)
  • Thomas Cavendish (1555 - 1592)
  • João da Gama (1540 - nach 1591)
  • Martín Ignacio de Loyola (1550 - 1606)
    umrundete als Erster zweimal die Erde: in östlicher (1580–1584) und westlicher (1585–1589) Richtung.

Der Blick zurück: Themen, Epochen, Perspektiven

  • Abbattista, Guido
    Europäische Begegnungen im Zeitalter der Expansion
    in: Europäische Geschichte Online (EGO), hg. vom Institut für Europäische Geschichte (IEG), Mainz 2011-03-14. Online
  • Eggert, Marion
    Vom Sinn des Reisens.
    Chinesische Reiseschriften vom 16. bis zum frühen 19. Jahrhundert.
    Wiesbaden 2004. Online-Rezension von Natascha Gentz in: Connections. A Journal for Historians and Area Specialists, 23.06.2006.
  • Frübis, Hildegard
    Die Wirklichkeit des Fremden
    Die Darstellung der Neuen Welt im 16. Jahrhundert
    Berlin 1995.
  • Henschel, Christine
    Italienische und französische Reiseberichte des 16. Jahrhunderts und ihre Übersetzungen
    315 S., 90 Tab., (=Beiträge zur Romanistik 9) Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2005
    Die Bedeutung von übersetzten Reiseberichten in der Frühen Neuzeit wird dargestellt und am Beispiel von Fracanzano da Montalboddo (Paesi novamente retrovati 1507) sowie Nicolas de Nicolay (Navigations et Peregrinations Orientales 1567/68) analysiert.
  • Mączak, Antoni
    Eine Kutsche ist wie eine Straßendirne.
    Reisekultur im alten Europa.
    Paderborn 2017 Ferdinand Schöningh.
    Die Erfahrung des Unterwegsseins zwischen 1500 und 1700 auf knappen 180 Textseiten innerhalb Europas, erstmals erschienen 1978 [Zycie codzienne w podrozach w Europie x XVI i XVII wieku], deutsch 2017. Thematisch einzigartig in deutscher Sprache ist das Kapitel »Polen in Europa«. Die gut gegliederte Thematik ist inhaltlich sehr knapp gehalten und führt nicht immer in Anmerkungen und Quellen (219–232) weiter; ein Personenregister ist vorhanden, ein Ortsregister nicht:
    Der halbblinde Spiegel: Reise und Reisebericht im frühneuzeitlichen Europa / Wege und Verkehr / Herbergen und Bewirtung / Reisekosten / Hygiene / Grenzen / Reisegefährten / Instruktionen und gute Ratschläge / Gefahren / Reiselektüre / Gelehrte / Kunst und Künstler / Reliquien / Die Grenzen des Schicklichen / Maße und Vergleiche / Hohe Erwartungen und alltägliche Eindrücke / Früchte der Reisen.
  • Justin Stagl
    Ars Apodemica
    Bildungsreise und Reisemethodik von 1560 bis 1600.
    In: Xenja von Ertzdorff, Dieter Neukirch (Hrsg.): Reisen und Reiseliteratur im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. Vorträge eines interdisziplinären Symposiums vom 3.–8. Juni 1991 an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Amsterdam 1992, S. 141–188.
  • Justin Stagl
    Der Wohl unterwiesene Passagier
    Reisekunst und Gesellschaftsbeschreibung vom 16. bis zum 18. Jahrhundert
    in: Kranobar/Röbel/Zia (Hg.): Reise und Reisebeschreibungen 1987. S. 353-384
  • Hermann Wiegand
    Hodoeporica
    Studien zur neulateinischen Reisedichtung des deutschen Kulturraums im 16. Jahrhundert
    Mit einer Bio-Bibliographie der Autoren und Drucke
    Saecula spiritalia. Band 12. Koerner, Baden-Baden 1984

Ab dem 15. Jahrhundert

  • Gelehrtenreisen, peregrinatio academica, Reise zu den Osmanen, Der Seeweg nach Indien
  • Reisende und ihre Anleitungen zum Reisen nach 1400
  • Etappen des Wagenbaus: Das Wort Kutsche wird aus dem Ungarischen entlehnt, weil man dort die Bauform mit gefedertem Aufbau entwickelt hatte. Damit kündigt sich die »Postkutschenzeit« an, siehe 1648.
  • Die Bedeutung von `Wandern´ erweitert sich im 15. Jahrhundert auf das Zurücklegen einer größeren Strecke durch die Natur.

Reisen zu Zielen der Phantasie

Bildungshunger: Das italienische Jahrhundert

  • Irrgang, Stephanie
    Peregrinatio academica
    Wanderungen und Karrieren von Gelehrten der Universitäten Rostock, Greifswald, Trier und Mainz im 15. Jahrhundert.
    Freie Univ., Diss. Berlin 2001. 310 S. Stuttgart 2002: Steiner.
  • Berns, Jörg Jochen
    peregrinatio academica und Kavalierstour.
    Bildungsreisen junger Deutscher in der Frühen Neuzeit.
    In: Conrad Wiedemann (Hrsg.): Rom – Paris – London: Erfahrung und Selbsterfahrung deutscher Schriftsteller und Künstler in den fremden Metropolen. Stuttgart 1988, S. 155–181
  • Herbers, Klaus
    Der Reisebericht des Hieronymus Münzer
    Ein Nürnberger Arzt auf der „Suche nach der Wahrheit“ in Westeuropa (1494/95).
    Narr Francke Attempto Verlag, 2020.

Reisen zu den Osmanen nach dem Fall von Byzanz

  • Bartolomaeus de Jano (= Bartolomeo da Giano) [um 1402-1483] 1438/39 5)
  • Georgius de Hungaria [=Georg von Ungarn, 1422 - 1502]
    Reinhard Klockow (Hg.)
    Tractatus de moribus, condictionibus et nequicia Turcorum
    Traktat über die Sitten, die Lebensverhältnisse und die Arglist der Türken
    .
    420 S., nach der Erstausgabe von 1481. Köln: Böhlau, 1994.
    Lebte 1438 bis 1458 in osmanischer Gefangenschaft.
  • Karl Stehlin, Rudolf Thommen
    Aus der Reisebeschreibung des Pero Tafur, 1438-1439.
    Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde vol. 25 (1926) [45]-107 (=Festgabe zur 80. Jahresversammlung der AGG)
  • Babinger, Franz
    Die Aufzeichungen des Genuesen Jacopo de Promontorio de Campis [etwa 1405-1487] aus Genua über den Osmanenstaat um 1475.
    94 S. München 1957: Beck.
  • Andrea Gritti
    Die Berichte des venezianischen Gesandten 1503
    in: Albèri, Eugenio. Relazioni degli ambasciatori veneti al Senato: raccolte, annotate.
    Firenze 1839: All' Insegna di Clio.
  • Valentin Langmantel (Hg.)
    Hans Schiltbergers [um 1380 - 1427] Reisebuch: nach der Nürnberger Handschrift.
    V, 200 S. Bibliothek des Literarischen Vereins in Stuttgart Tübingen 1885
    Der Teilnehmer am Kreuzzug von Nikopolis 1396 war danach 30 Jahre Gefangener im osmanischen Reich sowie Söldner unter Timur östlich des Urals und kehrte 1427 nach Bayern zurück.
  • Busbecq, Ogier Ghislain de
    Reysen und Bottschafften, welche auff gnedigsten Befelch, beyder Unüberwindlichsten Keyser Ferdinandi und Maximiliani II. der gantzen Christenheit zu höchsten nutzen glücklich vollendet hat der Edel Ehrnvest unn hochgelert Augerius Gislenius Busbeck, ihrer Maiest. Rath und bestellter Orator, an Soleiman den Türckischen Kayser
    sampt beygefügtem Rathschlag, welchen der hoch und wolgeborne Fürst und Her, Herr Carle Graff zu Mansfeld, wie in der Prefation zusehen, vor der Festung Gran, Ritterlich ins werck gerichtet hat. 536 S. Franckfurt am Mayn Andreas Weichelo Erben 1596 (=Legationis Turcicæ Epistolæ quatuor)
    • E. S. Forster
      The Turkish letters of Ogier Ghiselin de Busbecq, imperial ambassador at Constantinople, 1554-1562
      translated from the Latin of the Elzevir edition of 1663. xxvi, 265 S., Baton Rouge 2010: Louisiana State University Press. (Reprint Oxford 1927)
  • Siehe auch »Entlehnungswege und Quellen« in:
    Wolfgang Schweickard
    Osmanismen in den europäischen Sprachen.
    Vorüberlegungen zu einem vergleichenden historischen Wörterbuch.
    in: Lexicographica, 27 (2011) 221-240.
  • Melville, Gert
    Die Wahrheit des Eigenen und die Wirklichkeit des Fremden.
    Über frühe Augenzeugen des osmanischen Reiches.
    in: Zeitschrift für historische Forschung. Beiheft 20 (1997) (=Europa und die osmanische Expansion im ausgehenden Mittelalter).
  • Poppe, Patrick
    „Translatio Europae?“
    Kulturelle Transferdiskurse im Kontext des Falls von Konstantinopel.
    Dissertation Saarbrücken 2019 http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:291--ds-279079.
  • Konrad, Felix
    Von der 'Türkengefahr' zu Exotismus und Orientalismus
    Der Islam als Antithese Europas (1453–1914)?
    in: Europäische Geschichte Online (EGO), hg. vom Institut für Europäische Geschichte (IEG), Mainz 2010-12-03. URL: http://www.ieg-ego.eu/konradf-2010-de URN: urn:nbn:de:0159-20101025120.
  • Lorke, Christoph
    Der „Balkan“ in deutschsprachigen Reiseberichten (ca. 1800–1880)
    in: Europäische Geschichte Online (EGO), hg. vom Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG), Mainz 2020-11-17. URL: http://www.ieg-ego.eu/lorkec-2020-de URN: urn:nbn:de:0159-2020062418.
  • Yerasimos, Stephane
    Les voyageurs dans l'empire ottoman (XIVe - XVIe siècles)
    bibliographie, itinéraires et inventaire des lieux habités.
    494, 68 S. Diss. Université de Lille 1986, Ankara: Société turque d'histoire, 1991.

Der Seeweg nach Indien

1.890 BC ließ der Pharao Sesostris II. einen Kanal zwischen dem Nil und dem Roten Meer anlegen. Damit waren von ägyptischen Häfen Asien und Europa erreichbar. Später hatte das römische Reich Handelsniederlassungen in Indien. Die islamische Expansion und die feindliche Begegnung beider Religionen führte dazu, dass christliche Händler und Reisende schwierig bis gar nicht das nördliche Afrika, Vorderasien oder Zentralasien durchqueren konnten. Nach dem Rückzug der Ritterorden aus dem Heiligen Land bis 1396 und der türkischen Eroberung von Byzanz 1453 blieben nur noch der Seeweg um Afrika (Vasco da Gama) oder die Umsegelung der Erde in östlicher Richtung (Christoph Columbus).

  • Heinrich der Seefahrer (1394 - 1460) förderte die systematische Erforschung der afrikanischen Westküste.
  • Christoph Kolumbus (ca 1451 - 1506) Biographie
    Columbus, Christoph
    Schiffstagebuch [1492-1493].
    Übersetzt von Roland Erb. Frankfurt a. M.: Röderberg, 1981.
  • Ludovico de Varthema (um 1470 - 1517) 6)
  • Meshullam da Volterra (1443-1507) Reisebeginn 1481 7)
  • Bernal Díaz del Castillo (ca 1485 - 1584)
  • Vasco da Gama (ca 1469 - 1524)
  • Leo Africanus (ca 1490 - ?)
  • Antonio Pigafetta (vor 1492 - nach 1524), Weltumsegelung mit Magellan
  • Pietro della Valle (1586 - 1652)
  • James Cook (1728 - 1779)
  • Burkhardt, Mike
    Fremde im spätmittelalterlichen Deutschland
    Die Reiseberichte eines unbekannten Russen, des Kastiliers Pero Tafur [etwa 1410 - 1484] und des Venezianers Andrea de' Franceschi [etwa 1473- nach 1535] im Vergleich.
    Concilium Medii Aevi 2003. 239-290.
    Itinerario de Germania delli Magnifici Ambasciatori Veneti
  • Gräf, Holger Th. / Pröve, Ralf
    Wege ins Ungewisse
    Reisen in der Frühen Neuzeit 1500–1800
    Frankfurt am Main 1997
  • Urs Bitterli
    Alte Welt - neue Welt.
    Formen des europäisch-überseeischen Kulturkontakts vom 15. bis zum 18. Jahrhundert.
    242 S., München: dtv 1992

Raum & Orientierung

  • Amslinger, Julia
    Orientierungssysteme und Nirgendorte.
    Zur Metaphorik von Kompass und Karte in der Frühen Neuzeit.
    S. 181–200 in: Lose Leute, (Leiden, Niederlande: Brill, Fink, 2019) doi: https://doi.org/10.30965/9783846761724_013
  • Uwe Schnall
    Navigationstechnische Voraussetzungen der Entdeckungsfahrten im 15. Jahrhundert
    Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 1991, S. 41-44
  • Ptolomaeus, Claudius
    Kosmographia. [=Geographike Hyphegesis]
    Rom 1478: C. [Konrad] Sweynheym.
    Claudius Ptolomaeus [etwa 100-160 n. Chr.], ein griechischer Mathematiker, ermittelte für 8000 Orte der damals bekannten Welt deren genaue Lage und legte dafür den Nullmeridian auf die Kanarischen Inseln; die Kugelform der Erde war ihm selbstverständlich. Er konnte zurückgreifen auf das Wissen von Apollonius von Perge, Eratosthenes, Poseidonius, Hipparch; Vorarbeiten dazu sind dem Geographen Marinos von Tyros (1./2. Jh. n. Chr.) zu verdanken; spätere Ergänzungen dem Agathodaimon von Alexandrien.
    Sein Werk wurde ins Arabische übersetzt und Almagest (Syntax mathematica) betitelt.
    Dieses Wissen wurde in der Frühzeit des Buchdrucks als »Wiegendruck« (Inkunabel) veröffentlicht, zuerst ins Lateinische übersetzt von Angelus Vadius und Barnabas Picardus in Vicenza 1475, dann von Dominicus de Lapis in Bologna 1477 und von Domitius Calderinus aus Verona in Rom 1478 erstmals mit Karten, die Konrad Sweynheym ab 1473 zeichnete und die nach seinem Tod Arnold Buckinck abschloss. 1482 gab Donnus Nicolaus Germanus das Werk in Ulm heraus auf 133 großformatigen Blättern als ersten in Deutschland gedruckten Atlas. Die 32 doppelseitigen Holzschnittkarten erstellte Johannes »Schnitzer« aus Armßheim.
    • Graßhoff, Gerd, Florian Mittenhuber, Elisabeth Rinner
      Of paths and places: the origin of Ptolemy’s Geography\\. Archive for History of Exact Sciences. 71.6 (2017) 483-508.
    • Kleineberg, Andreas, Christian Marx, Dieter Lelgemann, Eberhard Knobloch
      Germania und die Insel Thule.
      Die Entschlüsselung von Ptolemaios' „Atlas der Oikumene“.
      131 S., Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG) 2012
      Ein interdisziplinäres Team, unter anderem mit Geodäten und Wissenschaftshistorikern, hat versucht, die Städtenamen aus dem Werk von Ptomelaios zu identifizieren, indem sie die antiken geographischen Koordinaten entschlüsselte.
  • Dati, Gregorio
    La Sfera.
    Florenz Johannes Petri um 1472 und Bartolommeo di Libri 1482-1511.
    Gregorio Dati [1362-1435] verfasste ein Lehrwerk über die Erde und den Kosmos mit 48 Gedichten zu je drei Strophen mit jeweils acht Versen und zahlreichen Zeichnungen und Karten u.a.: Westasien, Marokko, westlcihes Mittelmeer, Tunis, Tripolis, Nilmündung, Palästina, kleinasien (Süd- und Westküste), Dardanellen, Schwarzes Meer, Asowsches Meer.
  • Berlinghieri, Francesco; Marsilius Ficinus (Apolog)
    Geographia di Francesco Berlinghieri Fiorentino in terza rima et lingva Toscana distincta con le sve tavole in varii siti et provincie secondo la geographia et distinctione dele tauole di Ptolomeo.
    244 S., 31 Kupferstich-Karten. Florenz vor 1482: Nicolaus Laurentii.
  • Doris Gebel
    Nikolaus von Kues und Enea Silvio Piccolomini
    Bilder der außereuropäischen Welt als Spiegelung europäischer Sozialverhältnisse im 15. Jahrhundert
    Diss. Hamburg 1977
  • Jerker Blomqvist
    The Geography of the Baltic as Seen by the Greeks
    From Claudius Ptolemy to Laskaris Kananos
    in Bettina Amden et al. (eds.), Noctes Atticae: 34 Articles on Graeco-Roman Antiquity and its Nachleben (Museum Tusculanum Press, 2002), pp. 36–51
    Laskaris Kananos oder Lascaris Cananus, vermutlich ein Kaufmann, bereiste etwa 1438/39 die Osteeländer, Großbritannien und Island.

Der Blick zurück: Das Mittelalter als Epoche

siehe auch: Die Vorstellungen von »der Welt« im Mittelalter

  • Günter Berger/ Stephan Kohl (Hg.)
    Fremderfahrung in Texten des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit
    Trier, 1993
  • Borgolte, Michael et al.
    Europa im Geflecht der Welt: Mittelalterliche Migrationen in globalen Bezügen.
    Tagungsband: „Integration und Desintegration der Kulturen im europäischen Mittelalter“ Mai 2011 Berlin. Berlin: Akademie Verlag 2015 https://doi.org/10.1524/9783050059846, Inhalt u.a.:
    • Imago Mundi und Funds of Knowledge
    • Völkerwanderung as Cross-Cultural Interaction
    • Interaction of Germanic Personal Names with Latin Onomastics in the Late-Roman West
    • Migration und ihre literarische Inszenierung
    • Migration und Konflikt in italienischen Städten (1350–1500)
    • Fromme Männer unterwegs
    • The Dynamics of Borders
    • Kommunikation und Identität in den diplomatischen Beziehungen zwischen Byzanz und der islamischen Welt
    • ‚Bantuwanderungen‘ in der Südhälfte Afrikas
    • Medieval Sicily and Japan
    • Die Mongoleneinfälle aus japanischer Sicht
  • Michael Borgolte (Hg.)
    Migrationen im Mittelalter
    Berlin: De Gruyter 2014. https://doi.org/10.1515/9783050064758.267.
    Zahlreiche Autoren schreiben in den Kapiteln: Japan, China, Indien, Steppenvölker, Byzanz, Afrika, Mittelmeerraum (Kolonisationen), Muslimische Welt, Türken im Okzident, Berber und Araber im Maghreb und in Europa, Reconquista, Slawen, Östliches Europa (Kolonisationen), Ostseeraum, Wikinger und Normannen, Britische Inseln, Völkerwanderung, Juden, Sklaven, Asketen, Missionare und Pilger, Gelehrte und Schüler, Händler und Exilierte, Heiratsmigrationen (westeuropäische Christenheit), Land-Stadt-Migration, Register
  • Wolfgang Harms
    Fremdes wahrnehmen - fremdes Wahrnehmen
    Studien zur Geschichte der Wahrnehmung und zur Begegnung von Kulturen in Mittelalter und früher Neuzeit
    Stuttgart, 1997.
  • Hassauer, Friederike
    Volkssprachliche Reiseliteratur: Faszination des Reisen und räumlicher Ordo.
    in: Hans Ulrich Gumbrecht, Ursula Link-Heer, Peter Michael-Spangenberg (Hg.), Grundriß der romanischen Literatur des Mittelalters. La litterature historiographique des origines a 1500.
    Heidelberg: Winter, 1986. S. 259-283.
  • Peregrine Horden (Hg.)
    Freedom of movement in the Middle Ages
    Proceedings of the 2003 Harlaxton Symposium.
    Tagungsband. XXXIV, 366 S., 32 Tafeln, Karten, Register. Donington 2007: Shaun Tyas.
  • Labarge, Margaret Wade
    Medieval travellers: the rich and restless.
    London 2005: Phoenix. [1985], 256 S., Inhalt u.a.
  • Götz Pochat
    Der Exotismus während des Mittelalters und der Renaissance, Voraussetzungen, Entwicklung und Wandel eines bildnerischen Vokabulars.
    Stockholm 1970 Almqvist & Wiksell
  • Novoa Portela, Feliciano; Joaquín M. Córdoba Zoilo
    Legendäre Reisen im Mittelalter.
    Stuttgart Theiss 2008
  • Novoa Portela, Feliciano; Francisco Villalba Ruiz de Toledo
    Viajes y viajeros en la Europa medieval.
    300 S., Madrid 2007: Consejo Superior de Investigaciones Científicas. Inhalt:
    • F. Javier Villalba Ruiz de Toledo:
      La percepción del mundo: los conocimientos geográficos, 21-54
    • Miguel Ángel Ladero Quesada:
      Mundo real y mundos imaginarios: John Mandeville, 55-76
    • Joaquín Córdoba Zoilo:
      La atracción por oriente, 77-100
    • Christiane Deluz:
      Los viajes de los mercaderes: Marco Polo (siglo XIII), 101-126
    • José Enrique Ruiz Domènec:
      Los viajes militares: expediciones y operaciones guerreras, 127-158
    • Feliciano Novoa Portela:
      Los viajeros de Dios en la edad media, 159-196
    • Folker Reichert:
      Los viajes políticos: embajadas y diplomacia, 197-232
  • Paravicini, Werner (Hg.)
    Europäische Reiseberichte des späten Mittelalters
    Eine analytische Bibliographie.
    Frankfurt am Main: P. Lang. Online mit 1130 Titeln (Bibliographie) und fast 200 Volltexten sowie Registern zu Orten.
    • 1: Deutsche Reiseberichte / bearbeitet von Christian Halm [2001], 5, 563 S.
    • 2: Französische Reiseberichte / bearbeitet von Jörg Wettlaufer 1999, 12, 270 S. Bibliogr.: S. 203-224.
    • 3: Niederländische Reiseberichte / bearbeitet von Jan Hirschbiegel 2000, XXIII, 414 S.
      39 Titel von Johannes Hese (1389) bis Jan Hendrikszoon van Beveren (1536), dazu das Brügger Itinerar (um 1380).
  • Schlesinger, Laura
    Reisen und Reiseliteratur in Mittelalter und Neuzeit:
    Eine Bibliographie.
    102 S., Hamburg : Edition Loges, 2011
  • Bob Scribner
    Wie wird man Außenseiter?
    Ein- und Ausgrenzung im frühneuzeitlichen Deutschland.
    Review zum Fahrenden Volk und der Rolle der Zünfte. S. 21-46 in:
    Goertz, Hans-Jürgen, Norbert Fischer, Marion Kobelt-Groch:
    Aussenseiter zwischen Mittelalter und Neuzeit.
    Festschrift für Hans-Jürgen Goertz zum 60. Geburtstag. VIII, 312 S., Leiden 1997: Brill.
  • Sievernich, Michael
    Mission, Kolonialismus und Wertewandel
    in: Europäische Geschichte Online (EGO), hg. vom Leibniz-Institut für Europäische Geschichte IEG Mainz, 2021-03-12. Online
  • Peter Wunderli (Hg.)
    Reisen in reale und mythische Ferne
    Reiseliteratur in Mittelalter und Renaissance

    Düsseldorf, 1993

Raum & Orientierung

  • Baumgärtner, Ingrid; Nirit Ben-Aryeh Debby, Katrin Kogman-Apel
    Maps and travel in the Middle Ages and the early modern period.
    X, 412 S., Berlin De Gruyter 2019
  • Evelyn Edson, Emilie Savage-Smith, Anna-Dorothee von den Brincken, Th. Ganschow
    Der mittelalterliche Kosmos.
    Karten der christlichen und islamischen Welt.
    Darmstadt: Primus 2011
  • Lilley, Keith D.
    Mapping medieval geographies.
    XIII, 333 S., 2016 Cambridge Univ. Inhalt u.a.:
    • Jesse Simon:
      An alternative approach to the Ptolemaic definition
    • Andy Merrills:
      Geography and memory in Isidore's Etymologies
    • Amanda Power:
      The cosmographical imagination of Roger Bacon
    • Marcia Kupfer:
      Reflections in the Ebstorf map: cartography, theology and dilectio speculationis
    • Margaret Small:
      Displacing Ptolemy? The textual geographies of Ramusio's Navigazioni e Viaggi
    • Karen C. Pinto:
      Medieval Islamic views of the West
    • Kathy Lavezzo:
      Mapping Jew and Christian in Thomas of Monmouth's Life and Miracles of St. William of Norwich
    • Veronica Della Dora:
      Holy mountain geographies in Byzantium
    • Sara V. Torres:
      Journeying to the world's end? Imagining the Anglo-Irish frontier in Ramon de Perellos's Pilgrimage to St. Patrick's Purgatory
  • Uta Lindgren, Battista Agnese
    Untersuchungen zu Problemen der mittelalterlichen Seekartographie und Beschreibung der Portulankarten
    Monumenta cartographica et topographica 2. (auch: Portulan-Atlas) 20 Farbmikrofiches. Nach dem Original von 1550, 60 S. München 1993
  • Oehlmann, Ernst
    Die Alpenpässe im Mittelalter
    Zürich: Höhr. Jahrbuch für schweizerische Geschichte, Band 3 (1878), S. 165-289 [Teil 1] Band 4 (1879), S. 165-323 (Fortsetzung und Schluss)
  • Tyler, J. E.
    The Alpine passes: the middle ages (962-1250).
    188 S. Oxford 1930: B. Blackwell.

14. Jahrhundert

  • Naturerleben 1336: »Mein« Weltbild:
    • Petrarca, Francesco (1304 - 1374)
      Die Besteigung des Mont Ventoux.
      Übers. und hrsg. v. Kurt Steinmann. Stuttgart 1995
  • Der Wanderzwang der Handwerksgesellen (»Walz«) wird in den Zunftstatuten ab dem 14. Jahrhundert festgeschrieben.

Reisen zu Zielen der Phantasie

Pilgerfahrten: Jubeljahre, Apostelgräber, Romfahrt, Via Francigena

Papst Bonifatius VIII. erklärte das Jahr 1300 zum »Jubeljahr« und zog damit erfolgreich Pilgerscharen nach Rom. Dieser Erfolg bewirkte immer häufigere Jubeljahre: 1350, 1390, 1400, 1413, 1423, 1450 und ab 1475 alle 25 Jahre. Auch das Ende der Kreuzzüge spätestens 1396 und die türkische Eroberung von Byzanz 1453 beeinflussten die Wahl des Pilgerziels, Rom wurde attraktiver.

  • Anonymus
    Mirabilia Romae.
    Santorso 1475: Johannes, de Reno, 1473-1482: auch: Rom 1495 Stephan Planck, dann mit Beilage: Divisiones decem nationum totius christianitis.
    Beispielhaft für die seit dem 13. Jahrhundert gedruckten Fremdenführer, die als »Mirabilia Romae« herausgebracht wurden und insbesondere die Interessen der Pilger bedienten. Das waren zunächst Beschreibungen der Gebäude und Örtlichkeiten, also Tore, Hügel, Friedhöfe, Kirchen usw. sowie natürlich Geschichte und Geschichten.
  • Arnold von Harff (1471 - 1505)
    Rom - Jerusalem - Santiago
    Das Pilgertagebuch des Ritters Arnold von Harff (1496-1498). 279 S. Köln: Böhlau, 2009.
    Dem Text der Ausgabe von Eberhard von Groote folgend, übersetzt, kommentiert und eingeleitet von Helmut Brall-Tuchel und Folker Reichert. Abbildungen der Handschrift 268 der Benediktinerabtei Maria Laach. Karte, Orts- und Personenregister.
  • Springer, Otto
    Mittelalterliche Pilgerwege von Skandinavien nach Rom.
    in: Springer, Otto: Arbeiten zur germanischen Philologie und Literatur des Mittelalters.
    München: W. Fink 1975 Seite 339-372
  • Zweidler, Reinhard
    Der Frankenweg - Via Francigena
    Der mittelalterliche Pilgerweg von Canterbury nach Rom.
    Stuttgart 2003: Theiss.
  • Ursula Ganz-Blättler
    Andacht und Abenteuer.
    Berichte europäischer Jerusalem- und Santiago-Pilger 1320-1520
    VII, 425 S., Zugl.: Diss. Universiẗat Zürich, 1988/89. Gunter Narr Verlag, 1990
  • Samson-Himmelstjerna, Carmen von
    Deutsche Pilger des Mittelalters im Spiegel ihrer Berichte und der mittelhochdeutschen erzählenden Dichtung.
    Berlin, Freie Univ., Diss., 2000. 328 S. Berlin Duncker und Humblot 2004
  • Zacher, Christian K.
    Curiosity and Pilgrimage.
    The Literature of Discovery in fourteenth-century England.
    Baltimore/London 1976.
  • Ariantzi, Despoina, Ina Eichner
    Für Seelenheil und Lebensglück: das byzantinische Pilgerwesen und seine Wurzeln.
    Tagungsband Mainz 2015. 386 S., Mainz: Verlag des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, 2018, Inhalt u.a.:
    • Penelope Mougoyianni
      Pilgrimage and Greek identity in Byzantine and Norman southern Italy (9th-12th century).
    • Angeliki Katsioti, Nikolaos Mastrochristos
      Aspects of pilgrimage in the eastern Mediterranean during the early Byzantine period
      Archaeological evidence from Rhodes.
    • Maria Gerolymatou
      D'Artemis à saint Christodule : le pèlerinage à Patmos (XIIe-XVe siècles).
    • Paschalis Androudis
      The Pilgrimage near and within the Valley of Tempi in Thessaly during the middle-Byzantine period: historical and archaeological data.
    • Kostadin Sokolov
      Die Verehrung des hl. Demetrios von Thessaloniki im Zweiten Bulgarischen Reich anhand archäologischer Funde.
    • Alexander Beihammer
      Pilgrimage and relics in the Byzantine-Arab borderland.
      The Hala Sultan Tekke in Cyprus.
    • Arne Effenberger
      Konstantinopel als Pilgerziel.
    • Anna Jouravel
      Antonij von Novgorod: schlechter Topograph oder „Reliquienpilger“?
      Über die Notwendigkeit der neuerlichen Lektüre eines vieldiskutierten Textes.
    • Andreas Külzer
      Pilgerzentren im westlichen Kleinasien: Heilige, Orte und Wege.
    • Andreas Victor Walser
      Germia: ein anatolischer Pilgerort in byzantinischer Zeit.
    • Stefan Albrecht
      Synaxar von Konstantinopel als Pilgerführer?
      Hypothesen zur Rolle des Synaxars bei der Verehrung von heiligen Orten in Byzanz.
    • Peter Grossmann
      Pilgerunterkünfte in Abû Mînâ.
    • Wolfgang Spickermann
      Die kirchliche Organisation des spätantiken Pilgerwesens.
    • Christian-Jürgen Gruber
      Xenodocheia. Eine Unterkunftsmöglichkeit für Pilger.
      Eine Untersuchung ihrer Verwaltung und Einbettung im byzantinischen Ägypten.
    • Despoina Ariantzi
      Römische Aristokratinnen als Pilgerinnen und Stifterinnen im Heiligen Land (4.-5. Jahrhundert).
    • Robert Schick
      Who came on pilgrimage to Jerusalem in the Mamluk and Ottoman periods?
      An interreligious comparison.
    • Georges Descœudres
      Aspekte von Pilgerschaft bei den Wüstenvätern Unterägyptens.
    • Fadia Abou Sekeh
      Syrische Eremiten und ihre Eremitagen als Pilgerziele.
    • Michel Kaplan
      Le pèlerinage auprès du saint vivant dans l'hagiographie byzantine jusqu'au XIe siècle.
    • Vangelis Maladakis
      Monastisches Pilgerwesen zum Athos im 10. und 11. Jahrhundert
      Die sozioökonomischen Faktoren.
    • Ewald Kislinger
      Pilger und Panegyreis: zwischen Kult und Kommerz.
    • Max Ritter
      Panegyric markets in the Byzantine Empire and their role in the Byzantine pilgrimage economy (5th-12th centuries).

Die Preußenreisen des europäischen Adels

auch Heidenfahrt, engl. prussian crusade , frz. le voyage de Pruce

  • Paravicini, Werner
    Die Preussenreisen des Europäischen Adels.
    Sigmaringen: Jan Thorbecke, 2 Bände: 396 S. & 345 S. 1989-1995, Zugl.: Überarb. und erw. Habil.-Schr. Universiẗat Mannheim, 1982.
    Der Untersuchungszeitraum umfasst 1304 bis 1413. Der zweite Band mit Kapitel 7 »Die Reise« behandelt detailliert alle reisetypischen Aspekte, Kapitel 8 die Finanzierung.
  • ders.: Adlig Leben im 14. Jahrhundert
    Weshalb sie fuhren: Die Preußenreisen des europäischen Adels.
    Teil 3. V&R unipress: Göttingen 2020. 807 S.
    Edelleute und Fürsten aus Deutschland, den Niederlanden, aus Schottland, England, Frankreich, Spanien, Italien reisten ein Jahrhundert lang immer wieder nach Preußen und kämpften mit dem Deutschen Orden gegen die Litauer. Die kriegerische Aristokratie Europas erscheint als autonome Adelskultur.
  • ders.: Ehrenvolle Abwesenheit.
    Studien zum adligen Reisen im späteren Mittelalter
    hg. v. Jan Hirschbiegel und Harm von Seggern. Redaktion Karolin Künzel, Lisa Leiber, Hauke Schneider, Eva-Maria Wessela. Ostfildern (Thorbecke) 2017, XI-757 S., 24 Farbtafeln
  • ders.: Von der Heidenfahrt zur Kavalierstour.
    Über Motive und Formen adligen Reisens im späten Mittelalter
    in: Wissensliteratur im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Bedingungen, Typen, Publikum, Sprache, Horst Brunner, Norbert Richard Wolf (Hg.), Wiesbaden 1993 (Wissensliteratur im Mittelalter 13), S. 91–130.
  • Drabek, Anna M.
    Reisen und Reisezeremoniell der römischdeutschen Herrscher im Spätmittelalter.
    127 S., Wien, 1964. Wiener Dissertationen aus dem Gebiete der Geschichte 3.
  • Babendererde, Paul
    Nachrichtendienst und Reiseverkehr des Deutschen Ordens um 1400.
    Diss. Elbing: E. Wernichs Druckerei, 1913. 57 S.
  • L. van Biervliet
    Duitse reisroutes als studiebron voor de Brugse Wegwijzer van 1380-1400.
    in: Biekorf 83 (Brügge 1983) 97-110
  • Marlon Bäumer
    Eyne gute reyse hin ken Littowen
    Die Litauenreisen in der Chronik des Johannes von Posilge. [um 1340–1405]
    in: Sarnowsky, Jürgen. 2018. Wahrnehmung und Realität Vorstellungswelten des 12. bis 17. Jahrhunderts Göttingen V&R unipress 2018, 269–300
  • Andre, Elsbeth
    Ein Königshof auf Reisen
    Der Kontinentaufenthalt Eduards III. von England 1338-1340.
    Köln: Böhlau, 1996. 287 S.

Der Blick zurück: Themen, Epochen, Perspektiven

  • Deutschsprachige Reiseberichte des 14. und 15. Jahrhunderts.
    Formen und Funktionen einer hybriden Gattung.
    in:Achnitz, Wolfgang (Hg.): Deutsches Literatur-Lexikon: das Mittelalter.
    Bd. 3: Reiseberichte und Geschichtsdichtung mit einführenden Essays von Gerhard Wolf und Christoph Fasbender (LI S., 1240 Spalten). Berlin New York De Gruyter 2013, cop. 2011-2016. U.a.:
  • Babel, Rainer u.a. (Hg.)
    Grand Tour
    Adliges Reisen und europäische Kultur vom 14. bis zum 18. Jahrhundert
    Ostfildern 2005 (Beihefte der Francia 60).
  • Schreiner, P.
    Byzantinische Orientreisende im 14. Jahrhundert.
    Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft. Suppl. VI. Wiesbaden 1985, 141.

Ab dem 12. Jahrhundert

  • Aventiure, Gesandte, Goliarden, Handwerker, merchant adventurer, Kreuzzügler, Scholaren, Wandermönche
  • Reisende und ihre Anleitungen zum Reisen nach 1100

Reisen zu Zielen der Phantasie

Aventiure & Fortuna

  • Chrétien de Troyes (um 1140 † um 1190), vielleicht der Schöpfer der „modernen Abenteueridee„ (Michael Nerlich)
    • Benjamin von Tudela (nach 1100 bis 1173)
      • Benjamin, Michael A. Signer, Marcus N. Adler, A. Asher
        The itinerary of Benjamin of Tudela: travels in the Middle Ages.
        169 S. [Malibu, CA]: J. Simon. 1983
        Kompiliert Kommentare bisheriger Ausgaben: Signer introduction, 1983; Alder introduction, 1907; Ashler introduction, 1840; Vorwort der hebräischen Ausgabe; Bibliographie von Asher.
    • Johannes de Plano Carpini (ca. 1185 - 1252)
      • Gießauf, Johannes Die Mongolengeschichte des Johannes von Piano Carpine
        Einführung, Text (lat., dt.), Übersetzung, Kommentar.
        265 S. Zugl.: Graz 1995, Univ., Diplomarbeit.
      • Johannes de Plano Carpini, Felicitas Schmieder (Hg.)
        Kunde von den Mongolen 1245 - 1247.
        165 S. [Wiesbaden] Ed. Erdmann 2015
  • Wilhelm von Rubruk (ca. 1215 - 1270)
  • Riccoldo da Monte di Croce (um 1243-1320)
    reiste 1288 als Prediger nach Bagdad via Akkon, Kilikien, Erzurum, Täbriz und kehrte um 1300 nach Florenz zurück.
  • Marco Polo (ca. 1254 - 1324)
    Die Wunder der Welt (=Il Milione) [1298/1299].
    Übers. von Elise Guignard. Frankfurt a.M.: Insel 2003.
  • Odorich von Portenau (ca 1265 - 1331)
  • Jordanus Catalanus de Severac (um 1290 - 1336)
    reiste 1320 über Persien nach Indien, 1328 zurück nach Avignon und 1330 erneut nach Indien und schrieb die »Mirabilia Descripta«.
    • PARK, Yong-Jin
      „중세 말 수도사들의 여행기와 독자 : 요르다누스 카탈라의 여행기의 사례“.
      =Travel Account of Missionaries and the Reader in the Late Medieval Europe: the Case of Jordanus Catala’s Travel Account.\\Journal of Western Medieval History. 45 (2020) 111-131.
  • Giovanni de Marignolli (1290 - um 1358)
    reiste 1338 als päpstlicher Legat an den Hof des Kaisers von China. Später bereiste er die Krim, das Land Usbek, durchquerte die Gobi, erreichte Peking, fuhr zur Malabarküste, nach Java und Sumatra, zur Koromandelküste, dann über See durch den Persischen Golf, nach Syrien, Palästina und Ägypten.
    • Marignolli, Giovanni dei: Christine Gadrat
      Au jardin d'Eden. Toulouse 2009: Anacharsis.
      Jean de Marignolli; traduit du latin, présenté et annoté par Christine Gadrat.
      Marignollis Aufzeichnungen erschienen nie separat, sondern als Teil seiner Cronica Boemorum.
  • Ibn Battuta (ca. 1304 - 1368)
  • Münkler, Marina
    Erfahrung des Fremden.
    Die Beschreibung Ostasiens in den Augenzeugenberichten des 13. und 14. Jahrhunderts [1245 bis 1370]
    Berlin, Boston 2000/2017: Akademie Verlag, https://doi.org/10.1515/9783050078557

Schola migrationis: Wandernde Gesellen & Handwerker

Ortsfeste Handwerker gab es nur dort, wo diese mit ihrer Arbeit genug Kunden fanden, also eher in Städten als in Dörfern; manche Gewerke wie etwa Steinmetze wanderten dagegen zu den Baustellen. Das Zunftwesen entstand zur Zeit der hochmittelalterlichen Städtegründungen; eine Wanderpflicht der Gesellen entstand erst in der frühen Neuzeit 8).

  • Binding, Günther
    Wanderung von Werkmeistern und Handwerken im frühen und hohen Mittelalter
    Unter besonderer Berücksichtigung des Rhein-Main-Gebietes
    .
    Stuttgart 2005: Franz Steiner Verlag. (= Sitzungsbericht der Wissenschaftlichen Gesellschaft an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main, 43, 1.) 46 S. mit 11 Tafeln
  • Rainer S. Elkar
    Umrisse einer Geschichte der Gesellenwanderungen im Übergang von der Frühen Neuzeit zur Neuzeit.
    Problemskizze und Zwischenergebnisse.
    In: Rainer S. Elkar (Hrsg.): Deutsches Handwerk in Spätmittelalter und Früher Neuzeit (Göttinger Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Bd. 9), Göttingen 1983, 85–116.
  • ders.: Wandernde Gesellen in und aus Oberdeutschland.
    Quantitative Studien zur Sozialgeschichte des Handwerks vom 17. bis zum 19. Jahrhundert.
    In: Ulrich Engelhardt (Hrsg.): Handwerker in der Industrialisierung, Stuttgart 1984, 262–293.
  • ders.: Schola migrationis.
    Überlegungen und Thesen zur neuzeitlichen Geschichte der Gesellenwanderung aus der Perspektive quantitativer Untersuchungen.
    In: Klaus Roth (Hrsg.): Handwerk in Mittel- und Süd-osteuropa (Südosteuropa-Studien Bd. 38), München 1987, 87–108.
  • ders.: Lernen durch Wandern?
    Einige kritische Anmerkungen zum Thema »Wissenstransfer« durch Migration. In: Knut Schulz (Hrsg.): Handwerk in Europa, München 1999, 213–232

Die Weisheit der Straße: Goliarden, Scholaren, Wandermönche

  • Goliarden
    in Frankreich, singende und dichtende > Vaganten
    • Archipoeta [Anonymus 12. Jh.], ordo vagorum (mythol.)
    • Carmina Cantabrigiensia (10.-11. Jh.)
    • Carmina Burana (11.-12. Jh.)
    • François Villon (1431-1463): Der Poet des »Ich«
      • Schreier-Hornung, Antonie
        Spielleute, Fahrende, Außenseiter
        Künstler der mittelalterlichen Welt.
        Diss. Zürich. Göppingen 1981: Kümmerle. 224 S. (Göppinger Arbeiten zur Germanistik. 328.)
  • Scholaren zunehmend nach den Laterankonzilen von 1179 und 1215
    Scholar vagus, goliardus, ioculator > Burschen > Schreiber
  • Bettelorden bis 1274 & Wandermönche (engl. mendicant friars)
    Verbot beim Konzil von Lyon 1274
    • Petrus Valdes († vor 1218):
      Werner Raupp
      Petrus Waldes – mit Holzsandalen um die Welt
      in: Ders.: Werkbuch Kirchengeschichte. 52 Personen aus zwei Jahrtausenden
      Gießen/Basel: Brunnen Verlag 1987, S. 166–171
      • Fenger, Ole
        „Kirker rejses alle vegne“: 1050-1250.
        391 S. Copenhagen 2002: Gyldendal.

»Kreuzzüge«, expeditio, iter, peregrinatio, frz. croisades 1095/99 bis 1396

Ins Heilige Land über Land via Byzanz oder per Schiff, z.B. via Venedig z.B. nach Akko

  • Anton Chroust, Ansbertus
    Quellen zur Geschichte des Kreuzzuges Kaiser Friedrichs I. [1122-1190]
    München: Monumenta Germaniae Historica, 1989.
    Frühere Titel: Historia de expeditione Friderici imperatoris et quidam alli rerum gestarum fontes eiusdem expeditionis; Historia peregrinorum; Epistola de morte Friderici imperatoris; Narratio itineris navalis ad Terram Sanctam
  • J. C. M. Laurent (Hg.)
    Wilbrands von Oldenburg [1180 - 1233]
    Reise nach Palaestina und Kleinasien lateinisch und deutsch mit erklärenden Anmerkungen und einer Biographie des Verfassers
    .
    Jahresbericht Johanneum Hamburg, 1858/59 Hamburg: T.G. Meissner, 1859
    auch als: Peregrinatio. Reise nach Palaestina und Kleinasien. Wilbrandi de Aldenborch … Peregrinatio

Raum & Orientierung

  • Anna-Dorothee von den Brincken
    Das geographische Weltbild um 1300
    Politik im Spannungsfeld von Wissen, Mythos und Fiktion.
    hrsg. v. Peter Moraw. Berlin 1989, S. 9-32 (Zeitschrift f. histor. Forschung, Beiheft 6)
  • 1285 erscheint erstmals der Begriff Portolan, zeitgleich für die Pisaner Karte und den Compasso di navigare, die aus den antiken Periploi hervorgingen und anders als dieser vermehrt nautische Informationen enthielten, später auch als Portolankarten mit einem Liniennetz zur Kompassnavigation.

Der Blick zurück: Themen, Epochen, Perspektiven

  • Marianne O’Doherty, Felicitas Schmieder (Hg.)
    Travels and Mobilities in the Middle Ages
    From the Atlantic to the Black Sea (International Medieval Research 21)
    XLIII, 344 S. Turnhout, Brepols, 2015
  • Friedman, John Block
    Trade, travel and exploration in the Middle Ages. An encyclopedia.
    New York [u.a.] 2000/2017: Routledge. xxxix, 715 S. [525 - 1492] Inhalt:
    Sequence of Events; Kings, Popes and Rulers; Contributors; Maps; The Encyclopedia; Bibliography; Register.
  • Gassert, Michael
    Kulturtransfer durch Fernhandelskaufleute
    Stadt, Region und Fernhandel in der europäischen Geschichte: eine wirtschaftshistorische Untersuchung der Beziehungen zwischen wirtschaftlichen Vorgängen und kulturellen Entwicklungen anhand von Karten 12. bis 16. Jahrhundert.
    377 S. Lüneburg. Diss., 2001. Frankfurt a.M. 2001: P. Lang. Anhang mit 78 Karten.
  • Moraw, Peter
    Unterwegssein im Spätmittelalter.
    Berlin: Duncker & Humblot, 1985. Zeitschrift für historische Forschung. Beiheft 1. 108 S. Vier Vorträge, gehalten auf dem 35. Deutschen Historikerkongress:
    • Ludwig Schmugge: Die Pilger
    • Jürgen Miethke: Die Studenten
    • Knut Schulz: Die Pilger
    • František Graus: Die Randständigen
  • Folker Reichert
    Erfahrung der Welt
    Reisen und Kulturbegegnung im späten Mittelalter.
    314 S. Stuttgart 2001: Kohlhammer. Literatur S. 274 - 301
  • Schmieder, Felicita
    Europa und die Fremden
    Die Mongolen im Urteil des Abendlandes vom 13. bis in das 15. Jahrhundert
    Beiträge zur Geschichte und Quellenkunde des Mittelalters 16, Sigmaringen 1994.
  • Wolfzettel, Friedrich
    Die Entdeckung des „Anderen“ aus dem Geist der Kreuzzüge.
    Sigmaringen: J.Thorbecke Verlag, 1993 und in: Wolfzettel, Friedrich
    Reiseberichte und mythische Struktur
    romanistische Aufsätze 1983-2002.
    Stuttgart: F. Steiner, 2003.

Byzanz als Kreuzweg in aller Herren Länder

  • Byzanzreisende, 4. Jh. bis spätestens 1453 > türkische Eroberung (Istanbul)
    Byzanz (Konstantinopel) als Drehscheibe zwischen den Kontinenten mit Wegen zum Balkan, zu den Donauländern und nach Skandinavien, Indien, Jerusalem und Ägypten, Griechenland und Italien; Ziel unter anderem für Händler, Söldner, Pilger, Gelehrte, Gesandte. Der byzantinische Goldsolidus war die Leitwährung im Mittelmeerraum vom 4. bis zum 11. Jahrhundert; die lingua franca war Verkehrssprache im Mediterraneum.
    • Ciggaar, Krijna Nelly
      Western travellers to Constantinople
      the West and Byzantium, 962-1204 : cultural and political relations. 396 S. Leiden 1996: E.J. Brill. Inhalt:
      Travelling to Byzantium - The attractions of Constantinople - Auctoritates and Translationes - The northern countries - Britain - France - The Holy Roman empire - The Italian peninsula - The Iberian peninsula - Byzantium: fountain of life and learning.
    • Korpela, Jukka
      Russische Heilige und Byzanz im Mittelalter.
      in: Knotenpunkt Byzanz, Andreas Speer, Philipp Steinkrüger (Hg.), Berlin, Boston: De Gruyter, 2012, pp. 574-588. https://doi.org/10.1515/9783110272314.574
    • Ohnsorge, Werner
      Abendland und Byzanz
      gesammelte Aufsätze zur Geschichte der byzantinisch-abendländischen Beziehungen und des Kaisertums. 570 S. Darmstadt: Wissenschaftliche Buch-gesellschaft, 1958/1979.
    • Hennig, Richard
      Zur Verkehrsgeschichte Ost- und Nordeuropas im 8. bis 12. Jahrhundert
      Historische Zeitschrift, 115,1 (1916) 1-30. https://doi.org/10.1524/hzhz.1916.115.jg.1
    • Bengtsson, Frans G., Röde Orm
      Gesehenes wird Bericht wird Dichtung wird Quelle.
      in: Menschenbilder-Menschenbildner: Individuum und Gruppe im Blick des Historikers 2 (2002): 69.
    • Sorg, Marion
      Byzanz als Drehscheibe des merowingerzeitlichen Handels zwischen Ost und West.
      Das Beispiel Granat.
      in: Vermitteln–Übersetzen–Begegnen: Transferphänomene im europäischen Mittelalter und der frühen Neuzeit. Interdisziplinäre Annäherungen, Vandenhoeck & Ruprecht Unipress, Göttingen, Germany (2011): 137-165.
  • Amin, Abbas
    Ägyptomanie und Orientalismus
    Ägypten in der deutschen Reiseliteratur (1175-1663).
    Mit einem kommentierten Verzeichnis der Reiseberichte (383-1845).
    507 S. Tübingen, Univ., Diss., 2011. Berlin: De Gruyter, 2013, u.a. mit den Kapiteln:
    Reisende, die nicht in Ägypten waren; Edward W. Said und die Orientalismus-Debatte; pharaonische, biblische, orientalische Komponenten des Ägyptenbildes; Kulturkontakte und Reisewege.
    • Egerias biblisches Ägypten und Frauenreisen in Ägypten
    • der Pilger von Piacenza [Anonymus 6. Jh.];
    • Arkulf [7./8. Jh.];
    • Bernardus Monachus (876);
    • Burchard von Straßburg (1175);
    • Burchardus von Monte Sion (1283/5);
    • Wilhelm von Boldensele (1334);
    • Lorenz Egen aus Augsburg (1385);
    • Graf Philipp von Katzenellenbogen (1433);
    • Hans Tucher (1479);
    • Löwenstein und Wormser (1561);
    • Nützel (1586) und Fernberger (1588);
    • Michael Heberer von Bretten (1585-1588);
    • Nicolaus Schmidt (1605-1611);
    • Christian von Wallsdorff (1660-1663)

Seit dem 11. Jahrhundert

  • 1021 Die Wikinger errichten die erste europäische Siedlung auf dem amerikanischen Kontinent.
    Nature, 2021; doi: 10.1038/s41586-021-03972-8

Durch Europa ans Ende der Welt: Jakobspilger & Jakobswege

  • ab 997 Camino de Santiago, europäische Jakobswege
    > Grab des Apostels Jakob; peregrinatio apostolorum
    > Kap Finisterre, das »Ende der Welt« (lat. finis terra, port. Cabo fisterra)
  • Ab 1179 (?) das Heilige Compostelanische Jahr (spanisch Año Santo Compostelano, Año Santo Jacobeo), sicher seit dem 15. Jahrhundert mit verstärktem Pilgerstrom: 1428, 1434, 1445, 1479 - immer, wenn der Geburtstag (25. Juli) des Heiligen auf einen Sonntag fiel.
    • Luis Vázquez de Parga etal.
      Las peregrinaciones a Santiago de Compostela.
      Madrid, 1948-49. Nachdruck 1998
      T. 1. Introducción. Desarrollo de la peregrinación; los peregrinos. Organización de la peregrinación. Las consecuencias sociales y culturales de la peregrinación.
      T. 2. Los caminos de Compostela.
      T. 3. Apéndice, bibliografía (p. 167-194) índices y láminas.
    • Plötz, Robert
      Europäische Wege der Santiago-Pilgerfahrt.
      232 S. Tübingen 1990/1993: G. Narr.
      Deutsche St. Jakobus-Gesellschaft 29. Sept. bis 2. Okt. 1988. Inhalt:
      • Klaus Herbers:
        Via peregrinalis
      • Hermann Kellenbenz:
        Das Strassensystem in Mitteleuropa, bes. während des Mittelalters und der frühen Neuzeit
      • André von Mandach:
        Neues zum „Pilgerführer der Jakobswege“
      • Fernando Lopez Alsina:
        Die Entwicklung des Camino de Santiago in Kastilien und León (850-1050)
      • Dirk Aerts:
        Aller à Compostelle en passant par les anciens Pays-Bas
      • Hedwig Röckelein, Gottfried Wendling:
        Wege und Spuren der Santiago-Pilger im Oberrheintal
      • Paolo Caucci von Saucken:
        La Via Francigena e gli itinerari italiani a Compostella
      • Franz-Heinz Hye:
        Tirol und die Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela
      • H.P. Schneider:
        Das Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz IVS und dessen Zusammenhang mit den Jakobswegen
      • Christian Krötzl:
        Wege und Pilger aus Skandinavien nach Santiago de Compostela
      • Robert Plötz:
        Pilger und Pilgerfahrt gestern und heute am Beispiel Santiago in Compostela

9. und 10. Jahrhundert

  • Reisende und ihre Anleitungen zum Reisen nach 900
  • Im Jahre 802 verbot Karl der Große, dem Fremden das Gastrecht vorzuenthalten. 9).
  • Im westlichen Europa forderte das Reformkonzil in Aachen 816 von den Bischöfen die Stifte und Klöster mit einem Hospitium für pauperes und peregrini zu versehen, dem Pendant und Nachfolger des Xenodochiums.
  • ; so findet sich auf dem Klosterplan von St. Gallen in der Schweiz ein domus peregrinorum et pauperum ist auf dem karolingischen Klosterplan St. Gallens zu finden 819 oder um 827/830, Sign. Cod. Sang. 1092.

Orientalen im Okzident

  • Jestice, Phyllis G.
    Imperial Ladies of the Ottonian Dynasty
    Women and Rule in Tenth-Century Germany.
    XI, 300 Seiten, Cham : Palgrave Macmillan 2019
    Heiratspolitik zwischen Brauweiler und Byzanz
  • Ibn Chordadhbeh (um 820 - um 912) schrieb 847 das Kitāb al-Masālik wa l-Mamālik (= Buch der Wege und Länder), ein Itinerar mit Handelsrouten, Kurierstrecken und Poststationen der islamischen Welt zwischen Kaspischen Meer, europäischem Russland bis nach Nordwestafrika und Spanien, Digitalisat.
    • Abou'l Qasîm Obaïd Allâh ibn Abd Allâh Ibn Khordadhbah
      Le livre des routes et des provinces
      übersetzt und hrsgg. von Charles Barbier de Meynard Pari: Impr. impériale, Journal Asiatique, 1865 Reprint 1990
    • Khordadbekh, Ibn
      Kniga putei i stran. 1986.
  • Togan, Ahmed Zeki Velidi
    Ibn-Faḍlān's Reisebericht
    XXXIV, 336, 45 S. [Leipzig, Brockhaus 1939] Reprint Franfurt am Main 1994: Institut für Geschichte der Arabisch-Islamischen Wissenschaften.
    Aḥmad ibn Faḍlān ibn al-ʿAbbās ibn Rāšid ibn Ḥammād أحمد بن فضلان بن العباس بن راشد بن حماد‎ (um 879–960) berichtet über eine Gesandtschaftsreise 921 - 922 des Kalifen al-Muqtadir von Bagdad zu den Wolgabulgaren.

Raum & Orientierung

  • Staples, Eric
    Indian Ocean navigation in Islamic sources 850-1560 CE
    History Compass 16.9 (2018)
  • Friedrich Heinrich Dieterici
    Die arabische Anschauung der Welt und der Erde im 10. Jahrhundert unserer Zeitrechnung.
    Zeitschrift für allgemeine Erdkunde, N. F. 11 (1861) S. 40-57

Der Blick zurück: Themen, Epochen, Perspektiven

  • Gereon Sievernich, Hendrik Budde (Hg.)
    Europa und der Orient 800­ bis 1900.
    Gütersloh/München 1989

Ab dem 8. Jahrhundert

Wikinger - Normannen - Waräger: Austrwegr & norðrvegr

Viking expansion, Drengir, Vargr, landnama: Färöer, Island, Grönland, Vinland

  • Viking expansion ab 793 10)
    entlang der europäischen Küsten sowie transkontinental auf dem Austrwegr durch die Kiewer Rus bis zum Schwarzen Meer (Byzanz) und Kaspischem Meer (Daylam), siehe Karte
  • Drengir und vargr
    Lið, leding, landevaern
    Die skandinavischen »Drengir« drängte es in die Welt, sie suchten Ruhm und Ehre in der Ferne mittels Handel, Söldnertum, Raubzügen, Landnahme. Dutzende Runensteine sind Wikingern/Warägern gewidmet, die in der Fremde starben, die meisten im Byzantinischen Imperium.
    • Sawyer, Birgit
      The Viking-age rune stones
      Custom and commemoration in early medieval Scandinavia.
      276 S. Oxford 2008: Oxford University Press.
      Der erste Versuch 2.300 der rund 3.000 Runensteine in ihrer Gesamtheit zu erfassen, darunter in Kapitel 9 Travellers.
    • Scheel, Roland
      Jenseits der »Warägergarde«
      Skandinavien zwischen Byzanz und dem Westen.
      in: Skandinavien und Byzanz 2 Bde. 803 S., 812/1343 S., Göttingen Vandenhoeck & Ruprecht 2015, S. 153-170.
    • Waßenhoven, Dominik
      Skandinavier unterwegs in Europa (1000 - 1250)
      Untersuchungen zu Mobilität und Kulturtransfer auf prosopographischer Grundlage. Erlangen-Nürnberg, Univ., Diss. 2005. 460 S. Berlin 2006: Akad.-Verl. Literaturverz. S. 371-415
      Eine Zusammenstellung von 855 Personen aus Skandinavien, die durch Europa reisten mit 617 Reisen und einem Biogramm zu jeder Person. Die dabei gefundenen Wege und Stationen der Reisenden werden einem Itinerar des isländischen Mönchs Nikulás von Munkathverá zugeordnet, der um 1150 nach Rom und Jerusalem reiste. Als Fallbeispiel zum Kulturtransfer wurde Erzbischof Øystein Erlendsson ausgewählt.
    • Connections of the Nordic peoples in the Viking period and early Middle Ages
      1970. Copenhagen: Munksgaard. University of Aarhus 7th-11th October 1968
  • Vom norðrvegr, dem »Weg nach Norden«, in den Westen
    • Erik „der Rote“ Thorvaldsson (um 950 - 1005)
    • Power, Rosemary
      „Magnus Barelegs' [1073-1103] Expeditions to the West“.
      The Scottish Historical Review. 65 (180) 1986: 107-132.
    • Mykland, Knut, Per Sveaas Andersen
      Samlingen av Norge og kristningen av landet 800-1130.
      Handbok i Norges historie. Bd 2. Bergen 1977: Univ.-forl.
    • Mohr, Lutz, Robert Liese
      Wikinger zwischen Pommern und Polarkreis
      Sagas oder Wahrheit.
      321 S. Horn-Bad Meinberg 2000: Leo-Verl.
    • Manfred Schnell
      Wikinger am Wegesrand.
      Historische Plätze der europäischen Wikingerzeit in Deutschland, Dänemark und Südschweden.
      BoD Norderstedt 2018, ISBN 978-3-7431-2471-4
  • Wikinger in Nordamerika 875 bis nach 1021
    via Färöer, Island, Grönland
    • Gunnbjörn Úlfsson
      sichtete um 875 als Erster die Gunnbjarnarsker (Gunbjörnsschären) an der grönländischen Küste.
    • Bjarni Herjúlfsson
      sichtete 986 als Erster „bewaldete Hügel im Westen“ auf dem nordamerikanischen Festland.
    • Leif Eriksson
      betrat als erster Europäer um das Jahr 1000 das amerikanische Festland.
    • Thorvald Eriksson
      begegnete amerikanischen Ureinwohnern (Skraelinger).
    • Thorfinn Karlsefni
      gründete 1021 als Erster eine Siedlung in Vinland.
    • Zwischen 1360 und 1460 zogen sich die Wikinger aus Grönland zurück, klimatische Gründe waren jedoch nicht die Ursache 11).
    • Die Vinland-Sagas berichten von den Entdeckungsfahrten der skandinavischen Bewohner Grönlands (Grænlendingar) zu den Küstenabschnitten von Helluland, Markland und Vinland auf dem amerikanischen Kontinent:
      • Grænlendinga saga
      • Grænlendinga þáttr (=Einars þáttr Sokkasonar af Grænlandi) im Flateyjarbók
      • Eiríks saga rauða
    • Vinland-Karte (umstritten)
    • Landnámabók:
      • Sturlubók von Sturla Þórðarson
      • Hauksbók von Haukr Erlendsson
      • Melabók
      • Skarðsárbók
      • Þórðarbók
  • Waräger auf dem austrvegr, der »Weg nach Osten«
    • D'Amato, Raffaele, Giuseppe Rava
      The Varangian Guard 988-1453
      48 S. Oxford 2010: Osprey.
    • Varangian problems
      Report on the first international symposium on the theme „The eastern connections of the Nordic peoples in the Viking period and Early Middle Ages“, Moesgaard, University of Aarhus, 7th-11th October 1968. Hg. Knud Hannestad u.a. 216 S. Copenhagen 1970: Munksgaard.
    • Hilda Roderick Ellis Davidson
      The Viking road to Byzantium.
      London 1976: George Allen & Unwin.
      Rez. von Richard Perkins in: Saga-Book 19 (1974) 485-488
    • Ebel, Else
      Die Waräger
      Ausgewählte Texte zu den Fahrten der Wikinger nach Vorderasien.
      108 S. Tübingen 1978: Niemeyer. Glossar 30 S.
    • Heller, Klaus
      Die Normannen in Osteuropa.
      Osteuropastudien der Hochschulen des Landes Hessen. Reihe 1, 195
      Berlin 1993: Duncker & Humblot.
    • Noonan, Thomas S.
      The Dnieper Trade Route in Kievan Russia (900-1240 A.D.)
      Diss. Indiana University, 1965
    • Riant, Paul Edouard Didier
      Expeditions et pelerinages des Scandinaves en Terre Sainte au temps des croisades.
      Paris, 1865 (XIII, 448 S.) & 1869 (LXXVI S.)
    • Wikander, Stig
      Araber, vikingar, väringar.
      103 S. [Nyhamnsläge]: Svenska Humanistiska Förbundet 1978, 90

6./7. Jahrhundert

  • 540 verpflichtete die Benediktinerregel 58 (lat. regula Benedicti) des Benedikt von Nursia die Mönche zur Beständigkeit, also Seßhaftigkeit (stabilitas loci) durch Bindung an ein bestimmtes Kloster.
  • Goffart, Walter
    Foreigners in the Histories of Gregory of Tours [etwa 538 bis 594].
    Florilegium. 4.1 (1982) 80-99.
    Zusammenfassung eines Kolloqiums an der Universität Toronto: »Travellers, Traders and Foreigners: The Mediaeval View of the Outsider [lat. extraneus].«

Iroschottische / Angelsächsische Mission

  • Wandermönche im Christentum
    Die »Iroschottische Mission« im 6./7. Jahrhundert in der Tradition der Apostel führte zu rund 300 Klostergründungen. > apostolischer Reiseroman
    • Patrick (385–461), Sohn des Calpurnis, missionierte in Irland
    • Columban von Iona (521–597) missionierte in Schottland
    • Columban von Luxeuil ( bis 615) missionierte im fränkischen Reich zusammen mit Gallus, Domoal, Comininus, Eunocus und Equonanus
    • Gallus (um 550–620/640), Abt zu St. Gallen
    • Eustasius (* um 560 - 629), Abt zu Luxeuil, missionierte in Bayern
    • Landelin von Ettenheimmünster (bis 640) missionierte in der Ortenau
    • Fursa (bis 649) und sein Bruder Foillan (bis etwa 655/6) missionierten im Raum Frankreich/Belgien.
    • Ingbert (bis 650) missionierte im Saarland
    • Trudpert (bis 653) missionierte im Breisgau
    • Bonifatius (673 bis 755) missionierte bei den Friesen
    • Disibod (bis 700) missionierte an der Nahe
    • Willibrord (~658-739) missionierte bei den Friesen
    • Virgil (Ferghil) (700-784) »Geometer« wegen seiner geographischen Kenntnisse 12), wurde Bischof von Salzburg.
      • Rudolf Leeb
        Der Missionsgedanke im frühen Mittelalter.
        Untersuchungen zu Missionsmotivation und universalmissionarischem Gedanken bis Bonifatius. Habilitationsschrift Universität Wien. Wien 1995.
      • Meyer-Sickendiek, Ingeborg
        Gottes gelehrte Vaganten
        Auf den Spuren der irischen Mission und Kultur in Europa.
        300 S., Stuttgart 1980: Seewald.
      • Peter R. Müller
        Columbans Revolution.
        Wie irische Mönche Mitteleuropa mit dem Evangelium erreichten und was wir von ihnen lernen können. 94 S. Schwarzenfeld 2008.
      • Stephanie Neuhofer
        Die iroschottische Mission auf dem Kontinent.
        Diplomarbeit bei Prof. Dr. Andreas Schwarcz, Universität Wien 2013

Raum & Orientierung

  • Otto Prinz (Hrsg.)
    Die Kosmographie des Aethicus [=Aethicus Ister].
    Monumenta Germaniae Historica Band 14, München 1993
    Eine im 7./8. Jahrhundert zusammengestellte Weltbeschreibung ohne eigenes Erleben (daher auch »Reiseroman«), falsch dem Hieronymus zugeschrieben. Der Autor muss vielsprachig gewesen sein mit Zugang zu zahlreichen Quellen. Manche vermuten einen Autor iro-schottischer Herkunft, andere eine Herkunft aus Istrien oder Rumänien.
    • G. Hays
      'Important if True': Lucan's Orpheus and Aethicus Ister'
      in: Notes and Queries, (2010) [contra the interpretation by R. Pollard “'Lucan' and 'Aethicus Ister'„, Notes and Queries, 53 (2006), pp. 7-10].

Etwa ab dem 5. Jahrhundert

  • Vaganten erscheinen ab dem 5./6. Jahrhundert als umherziehende Geistliche (lat. clerici vagi) in vielen Formulierungen und Schreibformen, als Wanderbischöfe episcopi vagantes und Presbyteri vagantes.

Reisekönige

  • Das Reisekönigtum
    (engl. itinerant court, lat. corte itinerante) der fränkischen Könige ab dem 5. Jahrhundert
    Umritte mit Gefolge (100 - 400 Personen), Pfalzen auf Krongütern, Itinerare, auch in Irland, England, Frankreich, Burgund, Spanien, Skandinavien (veizla), Russland (poliudija).
    • Umfahrt der merowingischen Könige auf Ochsenkarren, siehe Einhard: Vita Caroli.
    • Helmrath, Johannes
      Reisekönigtum und Itinerarforschung\\. Geschichte in Köln. 5.1 (1979) 106-143.
    • Ludwig, Friedrich Franz Albert
      Untersuchungen über die Reise- und Marschgeschwindigkeit im XII. und XIII. Jahrhundert. I. Die Itinerare der deutschen Könige und Kaiser, der französischen Könige und der Päpste, VIII, 99 S., Diss. Berlin 1897: Hofbuchdruckerei von E.S. Mittler und Sohn.
    • Hans Conrad Peyer
      Das Reisekönigtum des Mittelalters.
      In: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. 51, 1964, S. 1–21 (online). Mit Beispielen für alle europäischen Länder, auch für Afrika und Südsee, aber nicht für Asien und Arabien.
    • Reinke, Martina
      Die Reisegeschwindigkeit des deutschen Königshofes im 11. und 12. Jahrhundert nördlich der Alpen.
      In: Blätter für deutsche Landesgeschichte 128 (1987) 225–251
    • Rigotti, Daniel
      Das merowingische Reisekönigtum nach den fränkischen Quellen.
      Lic. phil. Universiẗat Zürich, 1999
    • Bernd Schütte
      Das Reisekönigtum im ostfränkisch-deutschen Mittelalter, S. 74-81 in: Fikentscher, Rüdiger: Reisekulturen in Europa. Halle (Saale) Mitteldt. Verl. 2015
    • Stretton, Grace
      The travelling household in the Middle Ages.
      In: The Journal of the British Archaeological Association, new series, vol 40, 1935 London.
  • Rudolf Schieffer
    Von Ort zu Ort.
    Aufgaben und Ergebnisse der Erforschung ambulanter Herrschaftspraxis.
    In: Caspar Ehlers (Hrsg.): Orte der Herrschaft. Mittelalterliche Königspfalzen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2002, S. 11–23.

Der Blick zurück: Themen, Epochen, Perspektiven

  • Halfond, G.I.
    Transportation, Communication, and the Movement of Peoples in the Frankish Kingdom, ca. 500–900 C.E.
    History Compass 7 (2009) 1554-1569. https://doi.org/10.1111/j.1478-0542.2009.00644.x
  • Norbert Ohler
    Reisen im Mittelalter.
    Düsseldorf 1993/2004: Artemis & Winkler.
    Der Zeitraum von 406 (Die Vandalen überqueren den Rhein) bis 1521, Magellans Weltumsegelung.
  • Postel, Verena
    Die Ursprünge Europas
    Migration und Integration im frühen Mittelalter.
    296 S. Stuttgart: W. Kohlhammer, 2004.
  • Uelsberg, Gabriele; David Abulafia
    Europa in Bewegung. Lebenswelten im Mittelalter.
    Darmstadt wbg Theiss 2018. Begleitbuch zur Ausstellung 'Europa in Bewegung', LVR-LandesMuseum Bonn, 5.11.2018-25.08.2019, 208 S. 28 Beiträge u.a. zu Reisenden im Zeitraum 300 - 1000:
    • Oomkes, Robin:
      Abul Abbas: Der Elefant Karls des Großen, 28-29
      [Der erste Elefant nördlich der Alpen, † 810]
      Hack, Achim Thomas: Abul Abaz. Zur Biographie eines Elefanten. Stuttgart 2014: Steiner, Franz
    • ders.: Theophanu [ca 960-991]: eine byzantinische Prinzessin im ostfränkischen Reich, 46-47
      Schulze, Hans K.: Kaiserin Theophanu 972 - 991 eine junge Frau zwischen Orient und Okzident. Magdeburger Museen 2001
    • ders.: Martin von Tours: Soldat Christi, 102-103
    • ders.: Kaiserin Helena [um 249-330]: Die Christianisierung des Römischen Reiches, 126-127
      Fortner, Sandra, Andrea Rottloff: Auf den Spuren der Kaiserin Helena: Römische Aristokratinnen pilgern ins Heilige Land. Erfurt 2000: A. Sutton.
    • ders.: Olympiodoros von Theben [um 370 - nach 425]: Der Diplomat mit dem Papagei, 160-161
    • Montilla Torres, Irene:
      Chasdai Ibn Schaprut [um 915 - um 970]: Ein jüdischer Gelehrter am Kalifenhof, 64-65
    • Whiting, Marlena:
      Egeria [ 4. Jh.]: Eine aufmerksame Pilgerin im Heiligen Land, 76-77
    • Toplak, Matthias:
      Ahmad Ibn Fadlans [10. Jh.] „Rusaka“: Reisebericht eines arabischen Diplomaten, 94-95
    • Alcázar Hernández, Eva María:
      Sigrich der Ernste [† 994]: Erzbischof in gefährlichen Zeiten, 148-149
      Beschrieb als Erster die Via Francigena von Canterbury nach Rom.
    • Toplak, Matthias:
      Zwischen Nordatlantik und Schwarzem Meer: Wikingerzeit und Kiewer Rus, 86-93
    • Mostert, Marco:
      Wissen, Gelehrsamkeit und Wissenschaft in Europa (300-1000), 162-171
    • ders.: Ottar [fra Hålogaland, um 890]: Europa wächst zusammen, 172-173
      [Ottar erwähnte als Erster Norwegen und Dänemark und beschrieb eine Schiffreise bis zur Halbinsel Kola.]
  • Drews, Wolfram
    Migrants and Minorities in Merovingian Gaul.
    The Oxford Handbook of the Merovingian World (2020): 117-138
    peregrinatio religiosa, Scholaren, Juden

Zwischen Mittelalter und Antike

  • 398 trug das Konzil von Karthago den Bischöfen auf, Fürsorgepflicht für Fremde zu übernehmen. Dazu sollten auch Fremdenhäuser (gr. Xenodochium) errrichtet werden. Im oströmischen Raum bestanden zahlreiche Xenodochien bis ins 8. Jahrhundert, im weströmischen Reich gab es sie kaum.

Orakel, Opferstätten, Pilger

  • Elsner, Jaś
    Pilgrimage in Graeco-Roman & early Christian antiquity: Seeing the gods.
    XVII, 513 S., Tagungsband Oxford 2010: Oxford Univ. Press.
    Pilgerpraktiken im Übergang von der griechisch-römischen Antike zum frühen Christentum, von der Reise zum Orakel auf der Suche nach Heil zur Pilgerfahrt auf der Suche nach Erlösung, von lokalen Opferstätten zu Fernreisen. Inhalt u.a.:
    • Hiketai and Theoroi at Epidaurus
    • Pilgrimage to the Oracle of Apollo at Delphi
    • Pilgrimage and Greek Religion: Sacred and Secular in the Pagan Polis
    • Downstream to the Cat-Goddess: Herodotus on Egyptian Pilgrimage
    • Mucianus and a touch of the Miraculous: Pilgrimage and Tourism in Roman Asia Minor
    • A Journey to the End of the World
    • Pilgrims and Ethnographers: In Search of the Syrian Goddess
    • Divine and Human Feet: Records of Pilgrims Honouring Isis
    • Rabbi Aqiba [=Akiba, um 50/55 - 135] vomes to Rome: A Jewish Pilgrimage in Reverse
    • Urban Shrine and Rural Saint in Fifth-Century Alexandria

Peregrinatio in terram sanctam

  • Donner, Herbert
    Pilgerfahrt ins Heilige Land
    Die ältesten Berichte christlicher Palästinapilger (4. - 7. Jahrhundert)
    Stuttgart 2011: Verl. Kath. Bibelwerk
  • Eusebius von Caesarea (260/65–339/40)
  • Anonymus Burdigalensis (Pilger aus Bordeaux) um 333/4,
    Verfasser des Itinerarium Burdigalense (=Itinerarium Hierosolymitanum)
  • Egeria [auch Aetheria; zuerst missgedeutet als Silvia Aquitania],
    Itinerarium Egeriae, Peregrinatio Aetheriae 381 - 384
  • Sophronius Eusebius Hieronymus (347-420)
    reiste 386-420 durch das Heilige Land.
  • Der Anonymus von Piacenza
    pilgerte in den 570er Jahren durch das Heilige Land.
  • Arculf, ein fränkischer Bischof,
    strandete zwischen 670 und 680 auf der Rückfahrt aus dem Heiligen Land an der irischen Küste; seinen Bericht De locis sanctis veröffentlichte der Abt Adamnanus.
  • Sigurd I., Sigurðr Jórsalafari, der Jerusalemfahrer (um 1090 - 1130),
    König von Norwegen und der Isle of Man
  • Sæwulf, ein angelsächsischer Pilger,
    besuchte um 1102 das Heilige Land und berichtete davon in Relatio de peregrinatione Saewulfi ad Hierosolymam et Terram Sanctam.
  • Johannes von Würzburg
    reiste zwischen 1160 und 1170 durch das Heilige Land.
  • Röhricht, Reinhold
    Antonius de Cremona, Itinerarium Ad Sepulerum Domini (1327, 1330)
    Zeitschrift Des Deutschen Palästina-Vereins (1878-1945). 13 (1890): 153-174. Online
    Der Minoritenmönch reiste zwei Mal von Famagusta ins Heilige Land, einmal bis Ägypten.
  • Mats Homann
    Spirituelles Erleben im Angesicht der heyden.
    Die Wahrnehmung des Heiligen Landes und seiner muslimischen Umwelt in der
    Peregrinatio in terram sanctam 13) Bernhards von Breydenbach [um 1440 - 1497] und im Schleiertüchlein Hermanns von Sachsenheim [ 1366 /1369 - 1458]
    in: Sarnowsky, Jürgen: Wahrnehmung und Realität. Vorstellungswelten des 12. bis 17. Jahrhunderts Göttingen V&R unipress 2018, 213-244
  • Felix Fabri (um 1438 - 1502)
    Reichert, Folker u.a. (Hg.)
    Die Welt des Frater Felix Fabri.
    Reisen ins Heilige Land 1480 und 1483/84 .
    VI, 286 S., Weißenhorn 2018: Anton H. Konrad
    mit zahlreichen Beiträgen sowie Personen-, Orts- und Sachregister
  • Beebe, Kathryne
    Pilgrim and preacher
    the audiences and observant spirituality of Friar Felix Fabri (1437/8-1502).
    Oxford 2014: Oxford University Press.

Raum & Orientierung

  • Die Mosaikkarte von Madaba (ca. 542 bis 570) zeigt Pilgerstätten im Heiligen Land, zwischen Libanon und Nildelta.

Der Blick zurück: Themen, Epochen, Perspektiven

  • Klein, Richard
    Die Entwicklung der christlichen Palästinawallfahrt in konstantinischer Zeit.
    Römische Quartalschrift Für Christliche Altertumskunde Und Kirchengeschichte.\\Im Auftr. d. Priesterkollegs am Campo Santo Teutonico in Rom und d. Römischen Instituts der Görres-Gesellschaft Hrsg. 85 (1990) 145-181.
  • Lahrkamp, Helmut
    Mittelalterliche Jerusalemfahrten und Orientreisen westfälischer Pilger und Kreuzritter
    Westfälische Zeitschrift / Hrsg. Vom Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens. 106 (1956) 269-346.
  • Dietz, Maribel 1966-
    Wandering Monks, Virgins, and Pilgrims
    Ascetic Travel in the Mediterranean World, A.D. 300 - 800.
    University Park, Pa: Pennsylvania State University Press, 2005.
    Mit einem Kapitel über die frühesten iberischen Pilger Egeria, Orosius, Bachiarius, und einem Schwerpunkt auf der iberischen Halbinsel und in der frühen islamischen Periode.

Nordeuropa in antiker Zeit

Völkerwanderung

»Völkerwanderung« im engeren Sinne als Migration vorwiegend germanischer Völker zwischen 375/376 (Einfall der Hunnen aus dem Osten) bis 568 (Einfall der Langobarden in Italien).

  • 406/07 Rheinübergang der Goten bis Aquitanien und der Vandalen bis Nordafrika
  • Halsall, Guy
    Barbarian Migrations and the Roman West 376-568
    591 S. Cambridge: Cambridge University Press, 2014.
  • Wiedemann, Felix, Kerstin P. Hofmann, Hans-Joachim Gehrke
    Vom Wandern der Völker
    Migrationserzählungen in den Altertumswissenschaften.
    370 S. Tagungsband 2012 Berlin, Berlin 2017: Edition Topoi. Inhalt:
  • Felix Wiedemann, Kerstin P. Hofmann, Hans-Joachim Gehrke:
    Wanderungsnarrative. Zur Verknüpfung von Raum und Identität in Migrationserzählungen
  • Hans-Joachim Gehrke:
    Griechische Wanderungsnarrative und ihre Wirkung
  • Roland Steinacher:
    Wanderung der Barbaren? Zur Entstehung und Bedeutung des Epochenbegriffs ‚Völkerwanderung‘ bis ins 19. Jahrhundert
  • Anca Dan:
    The Sarmatians: Some Thoughts on the Historiographical Invention of a West Iranian Migration
  • Felix Wiedemann:
    Zirkuläre Verknüpfungen. Völkerwanderungen und das Motiv der Wiederkehr in den Wissenschaften vom Alten Orient um 1900
  • Matthias Jung:
    Wanderungsnarrative in der Ur- und Frühgeschichtsforschung
  • Elke Kaiser:
    Das Wandern ist des Hirten Lust! Der osteuropäische Steppenraum in der Diskussion um die Ausbreitung der indogermanischen Grundsprache
  • Franziska Torma:
    Auf der Suche nach der ‚Urheimat‘? Migration und Identität in der Turfan-Forschung des Kaiserreichs
  • Peter Rohrbacher:
    ‚Hamitische Wanderungen‘: Die Prähistorie Afrikas zwischen Fiktion und Realität
  • Susanne Grunwald:
    Metaphern – Punkte – Linien. Zur sprachlichen und kartographischen Semantik ur- und frühgeschichtlicher Wanderungsnarrative bei Gustaf Kossinna
  • Mijal Gandelsman-Trier:
    Migrationsforschung in der Ethnologie: von ethnischen Enklaven zu transnationalen Netzwerken
  • Jörg Feuchter:
    Mittelalterliche Migrationen als Gegenstand der ‚Genetic History‘

»Peripatetische Gruppen«: Bernsteinstraße und Schwarzmeerroute

Eisen, Bernstein, Salz: Terrestrisches Eisen setzt sich als Rohstoff für Gusseisen und Stahl und damit für die Herstellung von Werkzeugen (z.B. Sensen) und Waffen ab etwa 700/800 BC zwischen Levante und Nordeuropa zunehmend durch. Raseneisenerz- und Holzvorkommen sowie Wasser finden sich in insbesondere in den feuchten und sumpfigen Niederungsgebieten des nördlichen Europa westlich des Rheins und nördlich der Donau. Die von dort ausgehende Eisenverhüttung mit Rennöfen ab etwa 500 BC erforderte Wanderschmiede zum Know-How-Transfer.

  • Markolf Brumlich
    Schmiedegräber der älteren vorrömischen Eisenzeit in Norddeutschland.
    Ethnogr.-Arch. Zeitschr. 46.2, 2005, 189-220
  • Markolf Brumlich
    Germanische Schmiede bei Geisendorf?
    Ausgrabungen im Niederlausitzer Braunkohlenrevier 2007
    Arbeitsber. Bodendenkmalpfl. Brandenburg 20 (Wünsdorf 2008) 205-211.
  • Monica Neipert
    Der ‚Wanderhandwerker‘. Archäologisch-ethnographische Untersuchungen.
    Tübinger Texte 6. Rahden/Westf.: Leidorf, 2006: »peripatetische Gruppen«
  • Lehnhardt, Enrico
    Die Anfänge der Eisenverhüttung im Bereich der Przeworsk-Kultur.
    404 Seiten Diss. Freie Universität Berlin 2016. Berlin Edition Topoi 2019
    s. insbes. 2.1.6 Zur Diffusion der Eisenverhüttung; 2.2 Frühes Eisen – Modellregionen; 2.2.7 Ergebnis und Diskussion; 5 Überlegungen zum Technologietransfer in die Przeworsk-Kultur > Der Technologietransfer der Eisenverhüttung ging wahrscheinlich vom elbgermanischen und südskandinavischen Raum aus. Abb. 396 Aus der Literatur erschließbare Fundstellen mit Eisenverhüttung des 5.–1. Jh. v. Chr.; Abb. 405 Schematische Darstellung der Austausch-, Handels- und kulturellen Beziehungen in der frühen Eisenzeit (Metalle, Bernstein, Salz über Bernsteinstraße und Schwarzmeerroute)
  • Zenon Woźniak (Hrsg.)
    Kontakte längs der Bernsteinstrasse (zwischen Caput Adriae und den Ostseegebieten) in der Zeit um Christi Geburt.
    Materialien des Symposiums Kraków, 26.–29. April 1995. Kraków: Oficyna Cracovia, 1996.
  • Wanderschmiede der Eisenzeit > Völundr
    auf der Suche nach Raseneisenerz (engl. bog iron) in feuchten und sumpfigen Niederungsgebieten (Schwarzmeerküste 2.000 BC, nördliches Europa 1.300 BC) mit Holzvorkommen zur Verhüttung.
    • Wieland/Weyland, der Schmied
  • Wandernde Seherinnen mit Eisenstäben > Völva `Stabträgerin´
    • Veleda (um 70 nach Christus) in Westfalen
    • Ganna (1. Jh.) in Gallien und Rom
    • Waluburg (2. Jh.) in Ägypten
    • Þórbjörg lítilvölva (10. Jh.) in Grönland

Die griechisch-römische Antike

Reisen zu Zielen der Phantasie

Unterwegs im Römischen Reich

312 v. Chr. wird unter Appius Claudius Caecus die Via Appia als älteste Römerstraße gebaut, von Rom über Albano, Terracina, Fondi, Capua, Benevento/Beneventum, Venosa, Tarent/Tarantum nach Brindisi/Brundisium. Literarisch erscheint die Via Appia bei Horaz 14) als Iter Brundisium.

Römer auf Reisen
Institut für Archäologie der Ruhr-Universität Bochum 15.11.2003 bis 15.02.2004
Funde aus drei antiken Gasthöfen in Deutschland und Norditalien wurden als Zeugnisse des römisch-antiken Fremdenverkehrs

  • Chevallier, Raymond
    Roman Roads
    220 S., Berkeley: University of California Press, 1976/Reprint 2020. Online
  • Fron, Christian
    Bildung und Reisen in der römischen Kaiserzeit.
    Pepaideumenoi und Mobilität zwischen dem 1. und 4. Jh. n. Chr.
    IX, 332 S., 114 Diagramme, Karten. Berlin De Gruyter 2021 [U.a. zur Mobilität der Sophisten]
  • Halfmann, Helmut
    Itinera principum
    Geschichte und Typologie der Kaiserreisen im Römischen Reich.
    271 S., zugl. Habilitationsschrift Universität Heidelberg 1984. Stuttgart 1986: Steiner.
    [auch: »Provinzreise«]
  • Heinz, W.
    Reisewege der Antike. Unterwegs im Römischen Reich
    128 S. Darmstadt 2003
  • Hezser, Catherine
    Jewish travel in antiquity.
    X, 529 S. Tübingen 2011: Mohr Siebeck.
  • Hunt, E. D.
    Travel, Tourism and Piety in the Roman Empire
    A Context for the Beginnings of Christian Pilgrimage.
    Echos Du Monde Classique: Classical Views. 28.3 (1984) 391-417.
  • Junkelmann, M.
    Die Reiter Roms. 1: Reise, Jagd, Triumph und Cursusrennen
    293 S. Mainz 1990
    Transvectio Equitum: Alle Bewegung geht vom Pferd aus, z.B.: Wagen und Gespann, Reise und Verkehr, Post- und Kurierdienst.
  • Pomponius Mela
    Kreuzfahrt durch die alte Welt.
    Zweisprachige Ausgabe von Kai Brodersen.
    X, 198 Darmstadt 1994: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.
    Der spanische Geograph Pomponius Mela verfasste 44 nach Christus mit De chorographia libri tres, Cosmographia oder De situ orbis ein geographisches Standardwerk seiner Zeit.
  • Matthews, John
    The Journey of Theophanes
    Travel, Business, and Daily Life in the Roman East.
    XVII, 244 S. New Haven : Yale University Press, 2006. Online.
    Im frühen 4. Jahrhundert reiste ein Geschäftsmann aus Hermopolis am Nil nach Antiochia. Sechs Monate dauerte die Reise und jeden einzelnen Tag protokollierte er auf einem Papyrus, der sich erhalten hat. Mit Details zu alltäglichen Dingen wie Nahrung, Medizin, Entfernungen, Gebühren und anderes.
  • Olshausen, E.
    Gute Reise! Mit Cicero unterwegs
    in: ders./Holger Sonnabend (Hg.), Stuttgarter Kolloquium zur historischen Geographie des Altertums 7, 1999. Zu Wasser und zu Land. Verkehrswege in der antiken Welt, Geographica Historica 17, Stuttgart 2002, 251-262.
  • Rus, Tomislav
    Römische Reisewege in der Provinz Pannonien anhand der „Tabula Peutingeriana“.
    46 S., Magisterarbeit Universität Stuttgart 2010/ 2015
  • G. Radke
    Topographische Bemerkungen zum Iter Brundisium des Horaz.
    Rheinisches Museum N.F. 132 (1989) 54-72
  • Skeel, Caroline
    Travel in the first century after Christ
    With special reference to Asia Minor.
    X, 159 S. Cambridge 1901 University Press.
    Inhalt: Objects and mechanism of travel; Communication by land, sea and in Asia Minor

Sendung: Wanderradikale

  • clerici vagi
    episcopi vagantes, presbyteri vagantes
    umherziehende frühchristliche Kleriker
    • Arnold Angenendt
      Monachi Peregrini.
      Studien zu Pirmin und den monastischen Vorstellungen des frühen Mittelalters.
      München 1972.
  • Gyrovagen & koptische Sarakote
    in der christlichen Spätantike.
  • Apostel und Apostelschüler bis 130 nach Christus
    als Ausgesandte von Jesus.
    • Je nach Quelle waren mindestens 12 und bis zu 72 Jünger als Apostel unterwegs, deren letzte Apostelschüler um 130 nach Christus starben. Ihre Grablegen wurden später zu Pilgerzielen.
      • Petrus [Diaconus de Monte Cassino]
        Liber de locis sanctis
    • Apostel Thomas, auch: Didymos [bis um 72], Missionar in Indien (Chennai)
      • Wengst, Klaus
        Didache = (Apostellehre). [auch: Didaskalia]
        XII, 356 S. Darmstadt WBG 2004/2011
    • Apostellō, ἀποστέλλω (Gesandte)
    • Miyoshi, Michi
      Der Anfang des Reiseberichts: Lk 9,51-10,24
      Eine redaktionsgeschichtliche Untersuchung.
      176 S. Rome: Biblical Institute Press, 1974. Analecta biblica 60.
  • Wandercharismatiker < Wanderradikalismus
    in der jüdischen Antike.
  • Bactropērīta
    die Reiseform der Kyniker im antiken Griechenland.
    • Diogenes von Sinope [um 413 - 323 BC]
    • Silvia Montiglio
      Wandering Philosophers in Classical Greece
      The Journal of Hellenic Studies. 120 (2000) 86-105.
  • Brahmanische Bettel-Asketen dandamānava > Dandin `Stabträger´
  • Vedische Wandermönche
    seit dem 3. Jahrtausend vor Christus

Berufung: poeti vaganti - der Wanderer als Gast

Der professionelle Wanderer - Athlet, Arzt, Handwerker, Poet, Sophist - im antiken Griechenland war unterwegs von Stadt zu Stadt, von Fest zu Fest, von Wettbewerb zu Wettbewerb (athloi), von Gastgeber zu Gastgeber und wurde als Fremder (xenos) empfangen und als Gast aufgenommen. Solche Rundreisen (periodos) dienten idealerweise ausschließlich dem Ruhm (kleos), indem die besonderen Fähigkeiten (arete, techne) gewürdigt wurden, praktisch aber auch zum Lebensunterhalt. Das Muster gilt für den Sportler als Teilnehmer der Olympiade, aber auch für den Poeten, der diesen Sportler besingt und beide huldigen damit dem Muster der Heldenreise, der nach seiner Ausfahrt das Abenteuer besteht und den Ruhm nach der Rückkehr (nostos) empfängt. Das Konzept der Gastfreundschaft ermöglichte es dem fremden Wanderer, seine Dienste als Gastgeschenk anzubieten, denn in einer Rolle als Wanderarbeiter hätte er als unfrei gegolten und in einer Rolle als wandernder Bettler wäre er ein parasitos - der Unterschied ist äußerlich nicht sichtbar 15).

  • Pausanias
    Pausanias Reisen in Griechenland
    Gesamtausgabe in drei Bänden auf Grund der kommentierten Übersetzung von Ernst Meyer.
    Zürich 1986-: Artemis Verlag
  • Redfield, James
    Herodotus the Tourist.
    Classical Philology 80.2 (1985) 97-118.
  • Xenophon (ca 430 - 354 BC) erörterte in De Vectigalibus neue Wege, dem Staat Geld zu beschaffen, und empfahl unter anderem, für reisende Händler attraktive Angebote zu schaffen, Unterkünfte für Fremde einzurichten und deren Bedürfnissen entgegenzukommen 16). Als reisende Fremde werden auch Poeten und weise Männer (sophistiki) mit besonderen Fähigkeiten (techne) 17).
  • Stewart, Edmund
    Wandering poets and the dissemination of Greek tragedy in the fifth and fourth centuries BC.
    Diss., University of Nottingham 2013. Online
    »I consider the evidence for the travels of Athenian and non-Athenian poets, as well as actors, and examine their motives for travelling and their activities on the road. In doing so, I attempt to reconstruct, as far as possible, the circuit of festivals and patrons, on which both tragedians and other poetic professionals moved. … I suggest that tragic playwrights should be seen in the context of the ancient tradition of wandering poets, and that travel was a usual and even necessary part of a poet’s work.«
  • Montiglio, Silvia
    Wandering in ancient Greek culture.
    290 S. Chicago 2005: University of Chicago Press. Inhalt u.a.:
    • Pains and privations of wandering
    • To judge and to deceive: the wandering of the Gods
    • Itinerant sages in archaic and classical Greece
    • Choosing to be Odysseus: Herodotus and Ionian Theoria
    • Wandering along the journey to truth: from Parmenides to Plato
    • In praise of homeless wandering: the cynics
    • The world as home: cosmic citizens and godlike travelers
    • Epilogue: what Greek wanderers did not do.
  • Wilson, N. G.
    Travelling Actors in the Fifth Century?
    The Classical Quarterly 49.2 (1999) 625.

Der Blick zurück: Themen, Epochen, Perspektiven

  • Alexopoulou, Marigo
    The theme of returning home in ancient Greek literature
    The nostos of the epic heroes.
    VIII, 150 S., Lewiston, N.Y. 2009: Edwin Mellen Press.
  • Cameron, Alan
    Wandering poets and other essays on late Greek literature and philosophy.
    359 S., Oxford 2016: University Press.
    Das erste Kapitel beschäftigt sich mit den Wandering Poets im frühen byzantinischen Ägypten ab 395 nach Christus, eine Neubearbeitung der Fassung von 1965. Der umfangreichste Essay behandelt die »Schließung der Platonischen (Athener) Akademie« und die Reise der verbliebenen letzten sieben Philosophen 531 nach Christus an den Hof des Perserkönigs Chosrau I.
  • Constable, Olivia Remie
    Housing the stranger in the Mediterranean world
    Lodging, trade, and travel in late antiquity and the Middle Ages.
    XII, 427 S. Cambridge University Press 2003 Inhalt u.a.:
    • 'Accepting all comers': a cross-cultural institution in late antiquity
    • The transition from Byzantium to the Dar al-Islam
    • Commerce, charity, community, and the Funduq
    • Colonies before colonialism: western trade and the evolution of the Fondaco
    • Conquest and commercial space: the case of Iberia
    • Fondacos in Sicily, South Italy, and the crusader states
  • Compton, Todd
    Victim of the muses
    Poet as scapegoat, warrior, and hero in Greco-Roman and Indo-European myth and history.
    Washington, DC 2006: Center for Hellenic Studies, Trustees for Harvard University.
    Gegenstand des Bandes sind griechische Poeten, die wegen ihrer Schriften verbannt wurden, gefoltert oder hingerichtet. Weil beide ihr Leben riskieren, sucht der Autor nach Ähnlichkeiten zwischen solchen Poeten und Kriegern, beide spielen als Opfer (pharmakos) für die Götter eine gesellschaftliche Rolle: Aesop, Archilochus, Hipponax, Homer als Rhapsode, Hesiod, Hesiod, Sappho, Alcaeus, Theognis, Tyrtaeus, Aeschylus, Euripides, Aristophanes, Socrates und die römischen Dichter Naevius, Cicero, Ovid, Phaedrus, Seneca, Petronius, Lucan, Juvenal. Vergleichend herangezogen werden verstoßene Poeten in irischen Mythen und der Stab des Poeten.
  • Guarducci, Margherita
    Poeti vaganti e conferenzieri dell'età ellenistica ricerche di epigrafia greca nel campo della letteratura e del costume.
    Roma 1929: Bardi.
  • Hunter, Richard; Ian Rutherford (Hg.)
    Wandering Poets in Ancient Greek Culture
    Travel, Locality and Pan-Hellenism.
    328 S., Cambridge 2011: University Press. Online, Inhalt u.a.:
    • Mary R. Bachvarova:
      Hittite and Greek perspectives on travelling poets, texts and festivals, 23-45
    • Peter Wilson, William Ritchie:
      Thamyris the Thracian: the archetypal wandering poet? 46-79
    • Giovan Battista D'Alessio:
      Defining local identities in Greek lyric poetry, 137-167
    • Lucia Prauscello:
      Wandering poetry, ‘travelling’ music: Timotheus' muse and some case-studies of shifting cultural identities, 168-194
    • Andrej Petrovic:
      Epigrammatic contests, poeti vaganti and local history, 195-216
    • Sophia Aneziri:
      World travellers: the associations of Artists of Dionysus, 217-236
    • Ian Rutherford:
      Aristodama and the Aetolians: an itinerant poetess and her agenda, 237-248
    • Angelos Chaniotis:
      Travelling memories in the Hellenistic world, 249-269
  • Marasco, Gabriele
    I viaggi nella Grecia antica.
    165 S. Roma 1978: Edizioni dell'Ateneo & Bizzarri
  • Nicholas Purcell
    Mobility and the polis
    in: Oswyn Murray, S. R. F. Price: The Greek city from Homer to Alexander. Oxford 1991: Clarendon Press.
  • Sonnabend, Holger
    Fremde und Fremdsein in der Antike
    Über Migration, Bürgerrecht, Gastfreundschaft und Asyl bei Griechen und Römern.
    251 S., Wiesbaden: Marix 2021. Behandelt den Zeitraum vom achten Jahrhundert vor bis zum fünften Jahrhundert n. Chr.

Das Recht der Rede: Rhapsoden als Stabträger

  • Rhapsodoi (griechisch) `Stabträger´
    Fahrende Sänger des 16. bis 8. Jahrhunderts BC (Einführung der Schrift), die im Unterschied zu anderen, improvisierenden Sängern (wie Demodokos) kanonische Texte sicher repetieren konnten, erkennbar am σκῆπτρον `Szepter´, einem Stab, welcher das Recht der Rede verleiht wie auch Königen, Priestern, Sehern und Herolden. Als Rhapsoden wirkten möglicherweise:
    • Homer (vermutlich zwischen 750 und 650 BC)
    • Thamyris, der Thrakier (eine Figur bei Homer, Ilias 2,597-598)
    • Phemios (eine Figur bei Homer)
    • Hesiod (vor 700 BC)
    • Ion (eine Figur in einem Dialog von Platon)
    • Philitas (von Kos, um 340 bis um 275 BC)
    • Cynaethus (Sizilien um 500 BC)
  • Meyer-Kalkus, Reinhart
    Die Rückkehr der Aoiden und Rhapsoden.
    in: Geschichte der literarischen Vortragskunst.
    JB Metzler, Stuttgart, 2020, 65-81.
  • Martin Vöhler
    Vom Sänger zum Rhapsoden. Zum historischen Wandel ästhetischer Erfahrung
    in: Sonderforschungsbereich 626 (Hg.): Ästhetische Erfahrung: Gegenstände, Konzepte, Geschichtlichkeit, Berlin 2006
  • Martin Vöhler
    Dichtung als Begeisterungserfahrung. Zur Konzeption des Platonischen ‚Ion‘
    in: Gert Mattenklott (Hrsg.): Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste. Epistemische, ästhetische und religiöse Formen von Erfahrung im Vergleich.
    Hamburg 2004, 195-210.
  • Tomatsuri, Akiko
    The rhapsodoi
    A study of the development of their role, repertoire, and performance in society.
    Monitor ISH 5.1/2 (2003) 77-98.

Wissen ist Macht: Bematisten und Mensores

Die römischen mensores und griechischen Bematistes bildeten eine eigene militärische Einheit. Sie vermaßen das Gelände und erstellten Wegekarten (Itinerarien).

  • Michael Rathmann
    Die Vermessung der Oikumene - Mapping the Oikumene.
    In: H-Soz-Kult, 27.08.2010, <www.hsozkult.de/event/id/event-64517>. Tagung in Berlin 28.10.2010 - 30.10.2010 mit den Beiträgen:
    • Wolfgang Crom (Berlin)
      Die Geschichte der Kartographie zwischen Fälschung und Geheimhaltung
    • Konstantin Boshnakov (Toronto)
      On some Features of Periegesis, Periplous, Periodos, and their Originators
    • Veronica Bucciantini (Berlin)
      Die Länge der Schifffahrt: Messungen und Entfernungen im Periplus des Nearchos
    • Serena Bianchetti (Florenz)
      Gute und schlechte Verwendung von Reiseberichten in der Erdkarte des Eratosthenes
    • Johannes Engels (Köln)
      Kulturgeographie im Hellenismus: Die Rezeption des Eratosthenes und Poseidonios bei Strabon in den Geographika
    • Anne Kolb (Zürich)
      Die Erfassung und Vermessung der Welt bei den Römern
    • Michael Rathmann (Berlin)
      Räume und Grenzen auf der Tabula Peutingeriana
    • Florian Mittenhuber (Bern)
      Überlegungen zu einer Neuausgabe der spätantiken Itinerarwerke
    • Klaus Geus (Berlin)
      Einige Überlegungen zur „Erdmessung“ des Ptolemaios
    • Kai Brodersen (Erfurt)
      Mapping Pliny's Oikumene: How Solinus made Roman geography accessible
    • Richard Talbert (Chapel Hill)
      Diplomas Speak: The Worldview of Roman Auxiliaries and Sailors
    • Jan Stenger (Berlin)
      Eusebios von Caesarea und die Erfassung des Heiligen Landes
    • Ulrich Huttner (Berlin)
      Die große und die kleine Welt der Hagiographen. Sakrale Landschaften in Kleinasien
  • McPhail, Cameron; Robert Hannah
    The cartographers of the Taurus line.
    The Bematists, Dicaearchus [=Dikaiarchos=Messenius, ca. 375/350 - 285] and Eratosthenes [um 275 - 194].
    Geographia Antiqua. 20/21 (2011/2012) 163-177.
    • Beide waren Mathematiker; Dikaiarchos Peripatetiker. Eratosthenes, dritter Vorsteher der Bibliothek zu Alexandria, ermittelte um 240 vor Christus den Umfang der (kugelförmigen) Erde mit etwa 1% Genauigkeit, indem er die Strecke Assuan - Alexandria mit Hilfe eines Schattenstabes (Gnomon) und einer einer skalierten Halbkugelschale (Skaphe) vermaß, denn in Assuan (Wendekreis des Krebses) steht die Sonne um den 21. Juni senkrecht im Zenith und ein Gnomon wirft dorft keinen Schatten, zeitgleich in Alexandria jedoch sehr wohl. In der von Alexaner gegründeten Bibliothek hinterlegte er seine Vermessungsaufzeichung; um 250 BC soll die Bibliothek über rund 400.000 Papyri verfügt haben. Jeder Schiffsführer, der dort anlegte, musste einen Periplus abliefern. Ziel war es, dort das gesamte geographische Wissen der Zeit zu zentrieren.
    • Berger, Ernst Hugo
      Die geographischen Fragmente des Eratosthenes.
      Neu gesammelt, geordnet und besprochen von Dr. H. Berger. VIII, 393 S., Leipzig, 1880
    • Literarisch verarbeitet wurden Eratosthenes' Leistungen von Schmidt, Arno in: Enthymesis oder W. I. E. H. In: Arno Schmidt: Leviathan. Rowohlt, Hamburg 1949, S. 77–116.
  • Die Expedition Alexanders des Großen 336 bis 323 BC war auch ein Heeereszug des Wissens, begleitet von Handwerkern, Technikern, Philosophen, Geographen, Bematisten, Ärzten usw., das letztlich in der Bibliothek von Alexandria gesammelt wurde. Seine Route (Karte) führte über drei Kontinente, bis an den Nil in Afrika, bis zum Ferghana-Tal zwischen Tien-Schan und Pamir, bis zum Indus in Südasien.
  • Alexander sandte seinen Admiral Nearchos [um 360 - nach 314 BC] aus, den Ozean von der Indusmündung zu erkunden. Dieser segelte im Jahr 325 BC los, mit 150 Schiffen und 5.000 Männern. Auf seinem Logbuch (Periplus) basiert ein Bericht, der in Arrians Anabasis und Indika ausgiebig zitiert wurde. Nach 130 Tagen trifft er an der Küste des Persischen Golfes wieder auf Alexander.
  • Kolb, Anne
    Transport und Nachrichtentransfer im Römischen Reich
    (=Klio. Beihefte NF Bd. 2) Berlin: Akademie 2009. https://doi.org/10.1524/9783050048246.
    Beginnend mit Frühformen über den Cursus publicus, Nutzungsrecht, Finanzierung, Organisation und Infrastruktur, Beförderung der Annona [Lebensmittelversorgung: civica/militaria], Dienstreisen, Kuriere, Geschwindigkeiten u.a.m.
  • Sherk, R. K.
    Roman Geographical Exploration and Military Maps
    Aufstieg und Niedergang der römischen Welt. Band 1 Politische Geschichte (Allgemeines), Hrsg. Hildegard Temporini, Wolfgang Haase, Berlin, Boston: De Gruyter, 2016, 534-563.
  • Lemaire, André
    Les routes du Proche-Orient.\
    des séjours d'Abraham aux caravanes de l'encens
    [communications de la Journée d'étude et d'information UNESCO du 6 mai 1999]. Paris 2000: Desclée de Brouwer.
  • Angelós, ἄγγελος (Bote)
    Bereits im Altgriechischen mit fremder, also älterer sprachlicher Wurzel 18), übersetzt das hebräische mal'ach. Bedeutungsverwandt sind angelos (ἄγγελος `Bote´), kataskopos (κατάσκοπος `Kundschafter´), keryx (κῆρυξ `Herold´), erkennbar als Stabträger an Boten- und Heroldstab, siehe auch Kerykeion.
  • Götterboten sind beispielsweise auch: der ägyptische Thot, der griechische Hermes, der römische Mercur, der germanische Hermodr, der keltische Cissonius.
    • Röttger, Hermann
      Mal'ak - Angelos - Angelus - Engel
      Boten Gottes Im Alten Testament.
      Katechetische Blätter 109.11 (1984) 766-771.
    • Die Läufer (hebräisch ruts) der Bibel
    • Der Eilbote Hemerodromos im antiken Griechenland lief den ganzen Tag und transportierte daher Nachrichten über große Distanzen.
    • Der griechische Bematistes war Eilbote, Ausschreiter und Vermesser.
    • Der tabellarius als (amtlicher) Bote im Römischen Reich.
    • Berittene Kuriere hießen stratores, später auch speculatores.
    • Der einfache Botenläufer war ein corisator oder cursor, als Träger ein gerulus.
  • Meier, Samuel A.
    The messenger in the ancient Semitic world.
    (=Rev. version of thesis Harvard Univ., 1986) XVII, 269 S., Atlanta (Ga.) 1988: Scholars Press.
  • Karavites, Peter Homer and the Bronze age
    The reflection of humanistic ideals in diplomatic practices.
    XV, 260 S., (= Gorgias Studies in the Ancient near East) Piscataway, N.J. 2008: Gorgias Press.
    Messenger (Boten) und deren »diplomatische« Aufgaben stehen im Fokus der Betrachtung: »They treat practices such as envoy escorts, envoy protection and hospitality, symbolism of gift exchanges, royal marriages alliances, envoy credentials, and various other practices.« (Umschlagtext)

Siedlung: Die Fahrt der Argonauten und die griechischen »Kolonisten« ab dem 8. Jahrhundert BC

Jasons Fahrt der Argonauten (»Suche nach dem Goldenen Vlies«) dürfte vor den Gründungen der griechischen Kolonien am Schwarzen Meer im siebten Jahrhundert stattgefunden haben.

  • Scherer, Burkhard
    Mythos, Katalog und Prophezeiung
    Studien zu den „Argonautika“ des Apollonios Rhodios.
    232 S. Zugl.: Groningen, Univ., Diss., 2002. (=Palingenesia 87) Stuttgart Steiner 2006
  • Severin, Timothy
    Auf den Spuren der Argonauten. (The Jason voyage)
    300 S. Düsseldorf 1987: Econ.
  • Schildt, Göran
    Das goldene Vlies
    Auf den Spuren der Argonauten.
    Aus dem Schwedischen von Siegfried Kienitz. Frankfurt am Main 1969
  • Pseudo-Skylax (4. Jahrhundert BC)
    Der unbekannte Autor kompilierte wahrscheinlich aus mehreren Beschreibungen von Küstenfahrten diesen Periplus: Online.
    • Graham Shipley
      Pseudo-Skylax’s Periplous.
      The Circumnavigation of the Inhabited World. Text, Translation and Commentary.
      Bristol Phoenix Press, Exeter 2011.
  • Mauersberg, Martin
    Die „griechische Kolonisation“.
    Ihr Bild in der Antike und der modernen altertumswissenschaftlichen Forschung.
    382 S. Diss. Universität Innsbruck 2014. Bielefeld transcript 2019
  • Miller, Theresa
    Die griechische Kolonisation im Spiegel literarischer Zeugnisse.
    X, 337 S., Diss. Universität München 1995. Tübingen 1997: Gunter Narr.
  • Dan, Anca-Cristina, Didier Marcotte, Carlos Lévy, Jean-Louis Ferrary, Alexandru Avram, Patrick Gautier Dalché, Francesco Prontera.
    La plus merveilleuse des mers
    Rrecherches sur la représentation de la mer Noire et de ses peuples dans les sources antiques, d'Homère à Eratosthène.
    3 vol. (854 f.) Diss. Reims: 2009.
    Die Orte und Routen des Schwarzen Meeres lagen aus antiker griechischer Sicht nördlich der oikumene, im “Beyond” im skythischen Raum. Die Untersuchung entwirft eine eigene Taxonomie basierend auf “hodological”, “topological”, and “oekoumenological” Sichtweisen, analysiert die Quellen von Homer, Hesiod, Eumelus of Corinth, Hipponax, Aristeas of Proconnesus, Hecataeus of Miletus, Pindar, Aeschylus, Sophocles, Euripides, Herodotus's Histories, Hippocrates' De aere, Xenophon's Anabasis, Pseudo-Scylax's Periplus, Eratosthenes.

Die griechisch-römische Antike am Indischen Ozean/ Erythräischen Meer

  • Periplus Maris Erythraei Περίπλους τῆς Ἐρυθράς Θαλάσσης `Küstenbeschreibungen des Erythräischen Meeres´ [= Rotes Meer & Teile des Indischen Ozeans] aus dem 1. Jahrhundert nach Christus.
  • Boussac, Marie-Françoise, Jean-François Salles, Jean-Baptiste Yon
    Autour du Périple de la mer Erythrée.
    380 S., Tagungsband: 13./14.12.2010 Lyon Topoi. Orient-Occident 2012 Suppl. 11 Paris: Maison de l'Orient et de la Méditerraneé-Jean Pouilloux. Inhalt u.a.:
    • D. Marcotte:
      Le Périple de la mer Érythrée dans son genre et sa tradition textuelle.
    • P. Arnaud:
      Le Periplus Maris Erythraei: une œuvre de compilation aux préoccupations géographiques.
    • J. Desanges:
      L'excursus de Pline l'Ancien sur la navigation de mousson et la datation de ses sources.
    • B. Fauconnier:
      De l'Égypte à l'Inde. Graeco-Roman merchants in the Indian Ocean: Revealing a multicultural trade.
    • P. Pomey:
      Mer Rouge et Afrique. À propos des navires de la mer Érythrée: découvertes récentes et nouveaux aspects de la question.
    • S. Sidebotham & I. Zych:
      Results of Fieldwork at Berenike: A Ptolemaic-Roman Port on the Red Sea Coast of Egypt, 2008-2010.
    • V. Bucciantini:
      The Limits of Knowledge: Explorations of and Information from the Horn of Africa to the East African Coast in the Graeco-Roman Tradition.
    • M. Bukharin:
      The Coastal Arabia and the adjacent Sea-Basins in the Periplus of the Erythrean Sea (Trade, Geography and Navigation).
    • J. Schiettecatte:
      L'Arabie du Sud et la mer du IIIe siècle av. au VIe siècle apr. J.-C.
    • A. Rougeulle:
      Syagros et autres établissements côtiers du Hadramawt préislamique. Note archéologique.
    • J.-Fr. Salles:
      Le Golfe persique dans le Périple de la mer Érythrée: connaissances fondées et ignorances réelles?
    • F. De Romanis:
      On Dachinabades and Limyrike in the Periplus Maris Erythraei.
    • Cl. Allibert:
      Héritages. Les réseaux de navigation du début de l'ère chrétienne au XVIe siècle. Rencontre de populations, échanges commerciaux et matrimoniaux, concurrence à l'ouest et à l'est de Madagascar.
    • É. Vallet:
      Le Périple au miroir des sources arabes médiévales. Le cas des produits du commerce.
  • Christides, Vassilios
    Roman and Byzantine naval power in decline in the Red Sea and the Indian Ocean: research article. Ekklesiastikos Pharos. 95.1 (2013) 80-106.
  • Cohen, Getzel M.
    The Hellenistic Settlements in the East from Armenia and Mesopotamia to Bactria and India
    XV, 435 S., Berkeley: University of California Press, 2013
  • Hourani, George Fadlo Arab
    Seafaring in the Indian ocean and ancient and early medieval times.
    VIII, 131 S., Princeton, NJ: Princeton Univ. Press 1951
  • Rollinger, Robert
    Zur Bezeichnung von ‘Griechen’ in Keilschrifttexten.
    Revue d’Assyriologie 91 (1997) 167–172.
  • Seland, Eivind Heldaas
    Ports and political power in the Periplus
    Complex societies and maritime trade on the Indian Ocean in the first century AD.
    Univ. of Bergen 2006 VIII, 97 S. Oxford 2010: Archaeopress.
  • Seldeslachts, Erik
    The End of the Road for the Indo-Greeks?
    Iranica Antiqua. 39 (2004) 249-296.
  • De Romanis, Federico; André Tchernia
    Crossings: early Mediterranean contacts with India.
    283 S., New Delhi 2005 [1997]: Manohar. Inhalt:
    • Christian Robin:
      Date of the Periplus of the Erythraean sea in the light of South Arabian evidence.
    • Gerard Fussman:
      Periplus and the political history of India.
    • Santo Mazzarino:
      On the name of the Hipalus (Hippalus) wind in Pliny.
    • Federico De Romanis:
      Rome and the Nótia of India: relations between Rome and Southern India from 30 BC to the Flavian period.
    • Federico De Romanis:
      Romanukharaṭṭha and Taprobane: relations between Rome and Sri Lanka in the first century AD.
    • Andre Tchernia:
      Dromeday of the Peticii and trade with the East.
    • Andre Tchernia:
      Winds and coins: from the supposed discovery of the Monsoon to the Denarii of Tiberius.
  • Tarn, William Woodthorpe
    The Greeks in Bactria & India.
    2.A. XXIV, 561 S. Cambridge 1951: University Press.
  • Thapar, Romila
    Cultural pasts: essays in early Indian history.
    XI, 1156 S., New Delhi 2006: Oxford University Press.

Yavanas: Griechen und Römer in Indien

Der Begriff Yavana (auch: yona(ka), javana) erscheint in Indien, während die Achämeniden im Industal herrschen. Aus dieser Richtung entstand das Wort aus dem persischen yauna und führt zurück auf das griechische Ionian. Damit bezeichnet wurden Einwanderer aus dem Westen, die letztlich auf zwei Routen nach Indien gelangen, über Land und übers Meer. Die südindische Stadt Muziris (heute: Kodungallur) wird in antiken Quellen oft genannt und ist auch auf der Tabula Peutingeriana zu finden; dort soll 52 n. Chr. der Apostel Thomas gelandet sein. Archäologische Funde bestätigen den intensiven Kontakt zum Mittelmeerraum. Bereits Ptolemaios II. [308 - 246 v. Chr.] sandte einen Dionysios ins indische Maurya-Reich, welcher später das Buch Indika verfasste, welches jedoch nicht erhalten ist. Dieser könnte aufgrund der Namengleichheit mit dem Dionysios von Alexandria [3. Jh. BC] identisch sein:

  • Dionysios von Alexandria
    Das Lied von der Welt
    Zweisprachige Ausgabe von Kai Brodersen, Gottfried Gabriel Bredow. Hildesheim 1994: Olms.
  • Jarl. Charpentier
    Antiochus, king of the Yavanas
    in: Charpentier, Jarl, Ralph Lilley Turner, Jules Bloch, Edward James Rapson: Indian studies: volume in honour of Edward James Rapson. Delhi 1931: Sri Satguru publications.
  • Cimino, Rosa Maria
    Ancient Rome and India Commercial and cultural contacts between the Roman world and India.
    Catalogue of an exhibition at the Museo della Civiltà Romana, Roma 1994. New Delhi: Italian Embassy Cultural Centre. XVIII, 263 S., LXXX+Tafeln. , darin u.a.
    R.M. Cimino: The Yavanas (westerners) in the Deccan 71-74.
  • Christopher P. Jones
    Apollonius of Tyana´s [um 40 - um 120 nach Chr.] passage to India.
    Greek, Roman and Byzantine Studies 42 (2001) 185-199
  • Karttunen, Klaus
    Yonas and Yavanas in Indian Literature.
    Helsinki: Finnish Oriental Society 2015. XVI, 454 S. 8° = Studia Orientalia 116. Rezension in: Orientalistische Literaturzeitung 114.6 (2020) 492-494.
  • Konow, Sten
    Goths in Ancient India.
    Journal of the Royal Asiatic Society of Great Britain and Ireland JRAS 1912, 379-385.
    Zwei Inschriften benennen Yavanas, die als `gatas´ genauer bezeichnet und mit den Personenanmen Irila and Ciṭa benannt werden; der Autor setzt gatas = Goten.
  • Mannlein-Robert I.
    Griechische Philosophen in Indien? Reisewege zur Weisheit.
    Gymnasium 116.4 (2009) 331-357
  • Meile, Pierre
    Les Yavanas dans l'Inde tamoule.
    in: „Mélanges asiatiques“ (1940-1941) 85-123
  • Puskás, I.:
    Myth or reality? Apollonius of Tyana in India
    Acta classica universitatis scientiarum Debreceniensis ACD 27 (1991) 115–123.
  • Ray, Himanshu P.
    The Yavana Presence in Ancient India.
    Journal of the Economic and Social History of the Orient. 31.3 (1988) 311-325.
  • O. Stein
    Yavanas in Early Indian Inscriptions
    Indian Culture 1 (1934/35) 343-357
  • Vasant, Suresh
    Yavanas in western India.
    Bulletin of the Deccan College Research Institute. 47-48 (1988) 331-338.

Das Reisen im antiken Mediterraneum

Reisen zu Zielen der Phantasie

  • Delphi
  • Inseln der Glückseligen, »Insulae Fortunata«:
    Junionia/Purpuraria, Canaria/Planaria, Nivaria/Convallis, Capraria, Ombrios/Pluvalia.
  • Ophir
  • Scylla und Charybdis
  • Säulen des Herakles, zuvor phönizisch: Säulen des Melkart/Baal

mehr dazu siehe Liste der phantastischen Orte

  • Adams, C. E. P., James Roy
    Travel, geography and culture in ancient Greece, Egypt and the Near East. VI, 208 S. Oxford: Oxbow Books, 2016. Inhalt u.a.:
    • John Baines:
      Travel in third and second millennium Egypt
    • Alan Lloyd:
      Egyptians abroad in the late period
    • Thomas Harrison:
      The place of geography in Herodotus' Histories
    • Jim Roy:
      Xenophon's Anabasis as a traveller's memoir
    • Yanis Pikoulas:
      Travelling by land in ancient Greece
    • Eleni Kourinou:
      The representation of means of transport on reliefs in the collection of the National Archaeological Museum in Athens
    • Madeleine Jost:
      Pausanias in Arkadia; an example of cultural tourism
    • Maria Pretzler:
      Greek intellectuals on the move: travel and Paideia [Erziehung] in the Roman Empire
    • Zahra Newby:
      Landscapes and identity in the mosaics of Antioch
  • Backhaus, Knut
    Religion als Reise
    Intertextuelle Lektüren in Antike und Christentum.
    Tübingen: Mohr Siebeck, 2014
    »Querlektüren« mit dem Ziel »Verstehen durch Vergleich« der Gegenstände »Reise und Religion« anhand des Gilgamesch-Epos, der Argonautika, Odyssee, Aeneis, Apostelgeschichte, der Wandercharismatiker sowie Apollonius von Tyana, Herakles, Orpheus, Dionysos.
  • Borutta, Manuel
    Mediterraneum
    in: Europäische Geschichte Online (EGO), hg. vom Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG), Mainz 2020-04-02. Online
  • Casson, Lionel
    Travel in the Ancient World.
    Baltimore: Johns Hopkins Univ. Press, 1995.
  • Giebel, Marion
    Reisen in der Antike.
    242 S. Düsseldorf 1999/2006: Artemis & Winkler. Bibliogr. S. 229 - 240
    Reisen in Griechenland und bis an die Grenzen der bewohnten Welt (Argonauten, Hekataios von Milet, Herodot, Xenophon, Nearchos, u.a.) und Reisen im römischen Reich.
  • Horden, Peregrine; Nicholas Purcell
    The corrupting sea.
    A study of Mediterranean history
    Oxford 2000: Wiley-Blackwell
  • Schlesier, Renate
    Mobility and travel in the Mediterranean from antiquity to the middle ages.
    154 S. Münster Lit 2004
  • Schmitt, Rainer
    Reisen bildet.
    Geschichten und Kulturen der Länder des Mittelmeerraumes.
    540 S., Norderstedt BoD 2020 * Ulf, Christoph, Robert Rollinger, Kordula Schnegg
    Kulturkontakte in antiken Welten: vom Denkmodell zum Fallbeispiel
    Proceedings des internationalen Kolloquiums aus Anlass des 60. Geburtstages von Christoph Ulf, Innsbruck, 26.-30. Januar 2009. Tagungsband: 19 deutsche u. 5 englische Beiträge. 584 S., Leuven: Peeters, 2014, Inhalt u.a.:
    • Alexander Fantalkin:
      Naukratis as a Contact Zone: Revealing the Lydian Connection
    • Peter Funke:
      Überregionale Heiligtümer. Orte der Begegnung mit dem Fremden
    • Erich Kistler:
      Die Phönizier sind Händler, die Griechen aber Kolonisatoren. Zwei alte Klischees, Ulfs Kulturkontakt-Modell und das archaische Westsizilien
    • Martin Mauersberg:
      Die komplexe Welt der Kolonisation. Mediterrane Beziehungsgeflechte am Beispiel Massalias
    • Mischa Meier:
      „Von fremd zu fremd“ Gelasius I., Anastasios und die verlorene Einheit der Mittelmeerwelt
    • Alessandro Naso:
      Griechen und Etrusker: Kulturtransfer zwischen Sitten und Mode
    • Kai Ruffing Das Mare Erythraeum als Kontaktzone in der Römischen Kaiserzeit
    • Christoph Schäfer:
      Kleopatra in Rom: Kulturkontakt oder Herausforderung?
    • Gocha R. Tsetskhladze:
      From the Pillars of Hercules to the Scythian Lands: Identifying Ethno-Cultural Interactions
    • Josef Wiesehöfer:
      Kontaktzonen, Grenzüberschreitungen und Grenzgänger: Kulturkontakte zwischen Parthern und Griechen
    • Maria Brosius:
      Goods/Commodities/Ideas: Waren im kulturellen Kontakt. Some Remarks on the Channels of the Transmission of Knowledge in the Ancient Mediterranean World
    • Herbert Graßl:
      Gütertransfer und Kulturkontakte
    • Johannes Haubold:
      Kulturkontakt aus der Sicht des Homerlesers
    • Bruno Jacobs:
      Bildkunst als Zeugnis für Orientierung und Konsens innerhalb der Eliten des westlichen Achämenidenreichs
    • Kurt A. Raaflaub:
      Ideen im Reisegepäck? Sachliche und methodologische Überlegungen zu frühgriechischen Gerechtigkeitsvorstellungen im interkulturellen Zusammenhang des Mittelmeerraumes
    • Christoph Ulf:
      Eine Typologie von kulturellen Kontaktzonen (»Fernverhältnisse« / middle grounds / dichte Kontaktzonen), oder: Rethinking Cultural Contacts auf dem Prüfstand
  • Baumann, Mario; Susanne Froehlich
    Auf segelbeflügelten Schiffen das Meer befahren.
    Das Erlebnis der Schiffsreise im späten Hellenismus und in der Römischen Kaiserzeit.
    In Zusammenarbeit mit Jens Börstinghaus. XIV, 432 S. Wiesbaden 2018: Harrassowitz. Der Inhalt umfasst den Zeitraum vom 1. Jahrhundert vor Christus bis zur Spätzeit des römischen Reiches, u.a.:
    • Thomas N. Kirstein, Sebastian Ritz, Alwin Cubasch
      Eine technikhistorische Betrachtung der Sicherheit römischer Handelsschiffe.
    • Nicola Zwingmann
      Frauen auf Schiffsreisen im literarischen Diskurs von Seneca bis Synesios (Synes. epist. 5).
    • Yasmina Benfer
      Reiseerfahrungen am Ende der Republik. Das Beispiel Ciceros in seinen Briefen.
    • Marcus Hellwing
      Die Schiffsreise in Ciceros erster Philippica.
    • Peter Pilhofer
      Paulus und das Mittelmeer.
    • Christian Fron
      Die Wahl des Schiffes und ihre Motivik zur Zeit der Zweiten Sophistik [2./3. Jh. n. Chr.]
      Ein Beitrag zur Sinnbildhaftigkeit des gewählten Verkehrsmittels für den Charakter einer Reise innerhalb kaiserzeitlicher Gelehrtenbiographien.
    • Isabell Höhler
      Eine knappe Poetologie der Seekrankheit bei Rutilius Namatianus [5. Jh. n. Chr., De reditu suo beschreibt eine Seereise von Rom nach Gallien im Jahr 416].
    • Helmut Krasser
      Mit Göttern reisen. Das Propemptikon für Maecius Celer (Statius silvae 3,2).
    • Boris Dunsch
      Die poetische Vision der gelungenen Seefahrt im Oceanus-Hymnus (Anth. Lat. 12, 718 R.).
    • Bernadette Descharmes
      Schutz- und Geleitvorstellungen am Beispiel der Aphrodite, Venus und Isis.
    • Jens Börstinghaus
      Seenot und die Hilfe der Götter bei Aelius Aristides [117 - 181 n. Chr.].
    • Karl Matthias Schmidt
      Die Schiffsreise des Apostels Paulus nach Puteoli und der Verweis auf die Dioskuren in Apostelgeschichte 28,11.
    • Doris Meyer
      Schiffbruch mit Homer und Hesiod. Ethisches und Poetisches in einigen frühhellenistischen Epigrammen.
    • Christian D. Haß
      Die Metapher der Seefahrt und die Metonymie der Erde in Vergil [70 vor - 19 n. Chr.] (Georgica 2,35-46).
    • Johannes Breuer
      Mare naufragum [das die Schiffe zerschellende Meer]. Motivik, Poetik und Funktion nautischer Szenen in Horazens [65 - 8 BC] lyrischen Gedichten.
    • Ulrike Egelhaaf-Gaiser
      Poeta und gubernator [Steuermann > Statthalter]. Eumolp und die Poetik des Schiffbruchs bei Petron [um 14 bis 66 n. Chr.] (Sat. 100-115).
    • Nina Mindt
      Die Schiffsreise in Flavischer Zeit [69–96 n. Chr]. Literarische Repräsentationen.
    • Cordula Bachmann
      Eine Kreuzfahrt in den Eikones Philostrats des Älteren.
  • Hanno »der Seefahrer« [vor 480 - 440 BC] umsegelte Afrika bis zum Golf von Guinea.
    Periplus Online
  • Millar, Fergus
    Caravan Cities: The Roman Near East and Long-Distance Trade by Land
    in:
  • ders.: Rome, the Greek World, and the East, 3: the Greek World, the Jews, and the East. Chapel Hill 2006: University of North Carolina Press.
  • Whately, Conor
    Camels, soldiers, and pilgrims in sixth century Nessana. [Negev, Israel] Scripta Classica Israelica 35 (2016): 121-135.

Die phönizische Zeit: Seevölker

Reisende und ihre Anleitungen zum Reisen

  • * Säulen des Herakles
    Die Karten des Altertums zeigen eine geschlossene Welt rund um Mittelmeer und Schwarzes Meer, die Oikumene, das »Bewohnte Land«, mit nur einen Ausweg zwischen Marokko und Spanien. Archäologische Funde belegen die Anwesenheit der Phönizier bis zum 9. Jahrhundert BC; diese benannten die beiden Vorgebirge als Säulen des Melkart oder Baal. Die Griechen setzten diesen mit Herakles gleich, dem Helden mit den Attributen des Wilden Mannes.
    Die Säulen des Herakles führen in die grenzenlose Unendlichkeit des weltumfassenden Oceanos, heraus aus der Sicherheit des nahen Landes, sie bilden die Grenzen der Welt. Angst und Hoffnung liegen nah beieinander, und so finden sich dahinter die »Insulae Fortunata« und etwas weiter das nach dem welttragenden Atlas benannte und untergegangene Atlantis im Atlantischen Ozean.
  • Pharao Necho (610–595 BC) beauftragt Phönizier damit, Afrika zu umsegeln; nach Herodot (4,42) gelang dies auch um 613-610 v.Chr. Die Formulierung, sie hätten auf ihrer Fahrt die Sonne zur Rechten gesehen, beweist, dass der Äquator überquert wurde.
  • Phönizische Seefahrer erkundeten als erste die westliche Küste Europas und sollen bis Norwegen gelangt sein. Das Wissen darüber sicherte ihenn das Handelsmonopol für den Zinnhandel mit dem Erz aus den Minen Britanniens und wurde daher geheimgehalten. Plinius der Ältere (um 23 – 79 n. Chr.) berichtet von einem Periplus des Himilco aus Karthago für diese Strecke.
  • Nünnerich-Asmus, Annette
    Die Wüste lebt. Händler und Nomaden als Botschafter zwischen Kulturen.
    Themenheft: Antike Welt 35.5 (2004): http://www.jstor.org/stable/44466020, darin u.a.:
    • Klaus S. Freyberger: Handel im Schutz der Götter.
      Die kaiserzeitlichen Heiligtümer in der östlichen Mittelmeerwelt waren Zentren religiösen und kaufmännischen Lebens, 8-18
    • Michael Sommer: Die Phönizier – Handelsherren der Eisenzeit.
      Macht und Mammon zwischen Orient und Okzident, 19-28
    • Jacopo Bonetto, Ida Oggiano, Bärbel Morstadt
      Reise nach Westen.
      Die Koloniestadt Nora auf Sardinien ist eindrucksvolle Zeugin des phönizischen Kulturtransfers.
  • Sommer, Michael
    Die Phönizier: Handelsherren zwischen Orient und Okzident.
    Stuttgart 2005: A. Kröner.
  • Sommer, Michael
    Wirtschaftsgeschichte der Antike.
    München C.H. Beck 2013.
    10.000 Jahre Wirtschaftsgeschichte von der Sesshaftwerdung des Menschen über die Anfänge des Ackerbaus bis zur Spätantike mit einem Blick auf die Figur des »Entrepeneurs«, des fahrenden Händlers.

Im 2. Jahrtausend BC

Reisende und ihre Anleitungen zum Reisen

  • Die von Homer niedergeschriebene Odyssee basiert auf mündlichen Überlieferungen über den Untergang Trojas. Archäologisch nachgewiesen ist die Zerstörung der Stadt durch Brandspuren in der Schicht Troja VII im 11./12. Jahrhundert BC. Das stimmt überein mit den Angaben von Eratosthenes, der 1194–1184 BC angibt, und mit dem Zusammenbruch vieler Zivilisationen im Mediterraneum zum Ende des Bronzezeitalters.
    • Lane Fox, Robin
      Travelling heroes. In the epic age of Homer.
      XIV, 513 S., 16 Bildtafeln, Karten. New York 2010: Vintage Books
    • Wolf, Armin; Hans Helmut Wolf
      Die wirkliche Reise des Odysseus
      Zur Rekonstruktion des Homerischen Weltbildes.
      304 S. 3.A. München Wien Langen Müller 1990, Literaturverz. S. 271 - 284
    • Armin Wolf
      Homers Reise.
      Auf den Spuren des Odysseus.
      Böhlau Verlag, Köln 2009. 410 S. Rezension

Ägyptisches Reisen

  • Um 1160 BC wird die älteste geologische Karte datiert, der Goldminenpapyrus zum Wadi Hammamat aus der 20. ägyptischen Dynastie auf Papyrus, 280 x 41 cm, im ägyptischen Museum Turin.
  • 1.890 BC lässt der Pharao Sesostris II. einen Kanal zwischen dem Nil und dem Roten Meer anlegen.
  • Bard, Kathryn A., Rodolfo Fattovich
    Egyptian Seafaring Expeditions and the Land of Punt
    Long-Distance Trade in the Red Sea During the Middle Kingdom. 249 S., Boston: Brill 2018
    Eine wissenschaftlich basierte Untersuchung insbesondere in der 12. Dynastie über »Egyptian Long-distance Trade, Pharaonic Expeditions and Direct Control of Sources of Raw Materials in Northeast Africa and the Sinai in the Middle Kingdom; Mining in the Sinai, Galena at Gebel Zeit, in the Wadi Hammamat«. Als Quellen dienen archäologische Untersuchungen über die Häfen in Ayn Soukhna, Mersa/Wadi Gawasis, Saww, Wadi el-Jarf, Artefakte, Abbildungen und Inschriften. Interessant erscheinen die Kapitel »Dates of Known Expeditions Based on Textual Evidence« und »Ship building«.
  • Volker Matthies Die Puntfahrten als Archetypus späterer Entdeckungsreisen.

Zur Rezeption der ägyptischen Puntfahrten in der entdeckungsgeschichtlichen Literatur.
05.06.2015 Online

Mensch & Rentier unterwegs

  • Das Rentier erscheint als Nutztier rund 1.000 BC (umstritten). Genetische Untersuchungen zeigen, dass die Sámi in Fennoskandinavien und Samojeden in Nordwestsibirien das Rentier wahrscheinlich unabhängig voneinander domestiziert haben. Seit wann Rentiere zum Reiten und als Zugtier für Schlitten eingesetzt wurden, ist offen.
  • Pelletier, M., Kotiaho, A., Niinimäki, S. et al.
    Identifying early stages of reindeer domestication in the archaeological record
    A 3D morphological investigation on forelimb bones of modern populations from Fennoscandia.
    Archaeol Anthropol Sci 12, 169 (2020). Online
  • Jettmar, Karl
    Zu den Anfängen der Rentierzucht.
    In: Anthropos, 42 (1952) 737-766. Online.

Mensch & Dromedar unterwegs

  • Das Dromedar erscheint zum Ende des Ende des 2. Jahrtausends BC auf der Arabischen Halbinsel als Nutztier; ein erster schriftlicher Beleg stammt von 1060 BC 19). Felsmalereien in Laas Geel, Somaliland, sollen auch Kamele zeigen; die Zeichnungen werden unsicher geschätzt auf 3.000 bis 4.000 BC.

Der Blick zurück: Themen, Epochen, Perspektiven

  • K. Kristiansen
    Kontakte und Reisen im 2. Jahrtausend v. Chr.
    In: M. Fansa/St. Burmeister (Hrsg.)
    Rad und Wagen. Der Ursprung einer Innovation
    Wagen im Vorderen Orient und Europa
    Beiheft der Archäologischen Mitteilungen aus Nordwestdeutschland 40 (Mainz 2004) 443-454
  • Braun-Holzinger, Eva Andrea; Hartmut Matthäus
    Die nahöstlichen Kulturen und Griechenland an der Wende vom 2. zum 1. Jahrtausend v. Chr.
    Kontinuität und Wandel von Strukturen und Mechanismen kultureller Interaktion
    Kolloquium des Sonderforschungsbereiches 295 „Kulturelle und sprachliche Kontakte“ der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, 11.-12. Dezember 1998.
    195 S. [Möhnesee] 2002: Bibliopolis, Inhalt:
    • Anthony Snodgrass
      The Rejection of Mycenaean Culture and the Oriental Connection
    • Nota Kourou
      Aegean and Cypriot Wheel-made Terracotta Figures of the early Iron Age
    • Günter Neumann
      Lehnwörter als Indizien für Kulturkontakte. Essay zur Geschichte der früh-griechischen Sprache
    • Sigrid Deger-Jalkotzy
      Innerägäische Beziehungen und auswärtige Kontakte des mykenischen Griechenland in nachpalatialer Zeit
    • Edgar Peltenburg
      East Mediterranean Faience: Changing Patterns of Production and Exchange at the End of the 2nd Millennium BC
    • Annie Caubet
      Le Travail de L'ivoire au Levant, De la Fin De L'âge Du Bronze au Début de L'âge du Fer: Continuité et Rupture
    • Karl Jansen-Winkeln
      Ägyptische Geschichte im Zeitalter der Wanderungen von Seevölkern und Libyern
    • J. David Hawkins
      Anatolia: The end of the Hittite Empire and after
    • Winfried Orthmann
      Die Bildkunst im Übergang von der Großreichszeit zur späthethitischen Periode
    • Alexander Pruss
      Ein Licht in der Nacht? Die Amuq-Ebene während der Dark Ages
    • Hans Georg Niemeyer
      Die Phönizier am Mittelmeer. Neue Forschungen zur frühen Expansion

Im 3. Jahrtausend BC

  • Um 2.200 BC begann die Frühe Bronzezeit in Mitteleuropa und erreicht Nordeuropa um 1.800 BC.
  • 2.600 BC ist die erste Seefahrt zwischen Ägypten und dem Hafen Byblos im Libanon belegt.
  • Die Städte der Sumerer liegen nicht nur im fruchtbaren Zweistromland, sondern verkehrsgünstig am Schnittpunkt der Wege nach Indien (Indus), Persien, Ägypten, Levante, Anatolien.
  • Die Wurzeln der ersten schriftlich gefassten Heldenreise, dem Gilgamesch-Epos, führen an den Anfang des 3. Jahrtausends zu seinem Vater Lugalbanda und seiner Mutter Ninsun, einer Göttin, auch Gula und sumerisch Ninisina, deren Attribute Hund und Stab sind.
  • Dilmun
    erscheint erstmals in der sumerischen Erzählung von der Sintflut als Ort der Rettung im Sinne eines Paradieses, als Sitz der Göttin Ninlil, später wiederholt als blühender Ort mit Süsswasser, möglicherweise zeitweise mit der Insel Bahrain zu identifizieren, deren Name auf Wasser verweist. Später belegt durch Sargon von Akkad (um 2356 bis 2300 BC) Schiffe aus Dilmun in den Hafen seines Reiches und ab 2050 BC wird ein Königreich von Dilmun wiederholt genannt, das möglicherweise identisch ist mit dem Garten Eden der Bibel.
    • Howard-Carter, Theresa
      Dilmun: At Sea or Not at Sea? A Review Article.
      Journal of Cuneiform Studies. 39.1 (1987) 54–117. doi:10.2307/1359986
    • W. F. Albright
      The Location of the Garden of Eden.
      The American Journal of Semitic Languages and Literatures. 39.1 (October 1922) 15–31.
      doi:10.1086/369964
    • Hamblin, Dora Jane
      Has the Garden of Eden been located at last? Smithsonian Magazine. 18.2 (Mai 1987)
  • Punt
    In altägyptischen Inschriften umfasst das Goldland auch Ta Neher `Gottesland´ und war der Göttin Hathor geweiht. Zwar berichten die Inschriften von mehreren Expeditionen dorthin, jedoch ist deren geographisches Ziel schwer zu fassen; wahrscheinlich handelt es sich um Gebiete im Raum Eritrea - Äthiopien - Nordwest-Somalia. Möglicherweise ist Punt identisch mit dem Goldland der Bibel, Ophir, oder mit Opone Οπώνη, einem Handelsort, der von Claudius Ptolemäus 20) und im Periplus Maris Erythraei aufgezählt wird.
    • Das sagenhafte Goldland Punt. 2011. BILD DER WISSENSCHAFT. 2011 (9): 68-75.
    • Bard, Kathryn A., Rodolfo Fattovich
      Egyptian Seafaring Expeditions and the Land of Punt
      Long-Distance Trade in the Red Sea During the Middle Kingdom. 249 S., Boston: Brill 2018 Online

Mensch & Pferd unterwegs

  • Das Pferd erscheint als Nutztier etwa um 3000 BC in Zentralasien, während die ältesten Pferdeskulpturen bereits im 5. Jahrtausend BC in der Samara-Kultur an der Wolga gefunden wurden. Die an der Wolga nachfolgende Chvalynsk-Kultur kennt bereits Szepter mit Pferdeornamentik.
    • Samašev, Zajnolla, Achan Ongar
      Die Nomaden der kasachischen Steppe in der Früheisenzeit.
      Unbekanntes Kasachstan. Archäologie im Herzen Asiens.
      Bochum: Deutsches Bergbau-Museum (2013): 555-573.

Mensch & Trampeltier unterwegs

  • Das Trampeltier erscheint etwa 2.500 BC als Nutztier in Nord-Afghanistan/Turkestan/Iran.
  • Bulliet, Richard W.
    The camel and the wheel.
    XXIII, 327 S., New York Columbia University Press 1990 mit neuem Vorwort; EA 1975 Cambridge, Mass.: Harvard University Press

Der Blick zurück: Themen, Epochen, Perspektiven

  • H. Köpp
    Reisen in Prädynastischer Zeit und Frühzeit
    In: E.-M. Engel/V. Müller/U. Hartung
    Zeichen aus dem Sand.
    Streiflichter aus Ägyptens Geschichte zu Ehren von Günter Dreyer (Wiesbaden 2008) 401-412
  • H. Köpp
    Weibliche Mobilität im Alten Ägypten. Frauen in Sänften und auf Streitwagen
    In: Miscellanea in honorem Wolfhart Westendorf
    Göttinger Miszellen Beiheft 3 (Göttingen 2008) 34-44
  • H. Köpp
    Desert travel and transport in ancient Egypt
    An overview based on epigraphic, pictorial and archaeological evidence
    In: F. Förster/H. Riemer (eds.)
    Desert Road Archaeology in Ancient Egypt and Beyond
    Africa Praehistorica 27 (Köln 2013) 103-127

Raum & Orientierung

  • Züchner, Christian
    Kartenbilder des 3. und 2. Jahrtausends v. Chr.
    Mitteilungen der Fränkischen Geographischen Gesellschaft. 33/34 (1986/87) 321-344.

Im 4. Jahrtausend BC

Mensch & Esel unterwegs

  • Esel erscheinen als Nutztier im ausgehenden 4. Jahrtausend in der Levante und in Ägypten, der Heimat der Wildform Equus asinus.
  • Um 3.200 BC begann die Frühe Bronzezeit in Palästina.
    • Klaus-Rüdiger Mai
      Die Bronzehändler.
      Eine verborgene Hochkultur im Herzen Europas.
      Campus, Frankfurt am Main 2006
  • Um 3.300 BC stirbt ein Mann auf dem Hauslabjoch, bekannt als »Ötzi«, alleine unterwegs und mit erhaltenem Reisegepäck.
  • Um 3.400 BC begannen die Minoer mit der Seefahrt auf dem Mittelmeer.

Mensch & Wagen

  • Hamaxoikoi `Wagenbewohner´ als pontische Steppenbewohner/Skythen
  • Um 3.500 BC Wagenbau im nordwestlichen Europa, im donauländischen Raum und in Mesopotamien.
  • Um 3.700 BC Stangenschleifen als Dreieckswagen auf zwei Rädern.
    • Littauer, M., & Crouwel, J.
      Wheeled Vehicles and Ridden Animals in the Ancient Near East.
      Leiden 1979.
    • Pare, C.
      Wagons and Wagon-Graves of the Early Iron Age in Central Europe.
      Oxford University Commitee for Archaeology Monograph 35. Oxford 1992.
    • Schouvsbo, P. O.
      Oldtidens vogne i norden.
      Fredrikshavn 1987
    • S. Burmeister
      Rad und Wagen.
      Der Ursprung einer Innovation. Wagen im Vorderen Orient und Europa.
      Ausstellungsband: vom 28 März bis 11. Juli 2004 im Landesmuseum für Natur und Mensch. 531 S., Beiheft Archäologische Mitteilungen aus Nordwestdeutschland 40 Mainz 1987
    • Niklas Pfeiffer
      Pferd und Wagen auf Felsbildern.
      Die Darstellung von Radfahrzeugen und Zugtieren in der Felskunst der europäischen Bronzezeit. Ein paneuropäischer Vergleich einer problematischen Quellengattung.
      Freie Universität Berlin Institut für Prähistorische Archäologie Seminar: Transport in der Bronzezeit Prof. Dr. Elke Kaiser Berlin, 10.03.2016
    • Stefanie Leisentritt
      Welche Bedeutung hat die Darstellung wagenfahrender Gottheiten auf den Denaren der Römischen Republik?
      GRIN Verlag, 2009

In vorgeschichtlichen Zeiten

  • 6000 vor Christus: Seefahrende Polynesier besiedeln die pazifische Inselwelt im Dreieck zwischen Hawaii, Neuseeland und Osterinseln
  • vor etwa 22.000 Jahren: Menschen erreichen den amerikanischen Kontinent
  • vor etwa 55.000 Jahren: Menschen überqueren mit Wasserfahrzeugen dier 70 Kilometer breite Meerenge zwischen Asien und dem damaligen Südkontinent (heute: Australien, Tasmanien Neuseeland)

Steppennomaden

Im 7. Jahrtausend BC bildet sich bei den Steppennomaden im Raum der Wolga eine proto-indoeuropäische Sprache und Kultur. Um 3.000 BC beginnt die Migration insbesondere mit dem Hirtenvolk der Jamnaja nach Westen in der ponto-kaspischen Steppe. Der Genfluss zeigt Verbindungen zwischen sibirischen und skandinavischen Gruppen. Das korreliert mit der zunehmenden Rolle der Milch von Kühen, Schafen, Ziegen un in geringerem Maße von Pferden in der Ernährung. »Die Bevölkerungen der Steppe nutzten die Tiere nicht mehr nur für den Fleischkonsum, sondern auch wegen weiterer Eigenschaften: unter anderem wegen ihrer Milch oder als Transportmittel«, sagt Nicole Boivin, Direktorin der Abteilung für Archäologie am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte.

  • Wilkin, S., Ventresca Miller, A., Fernandes, R. et al.
    Dairying enabled Early Bronze Age Yamnaya steppe expansions.
    Nature (2021). DOI
  • Salque, M. et al.
    Earliest evidence for cheese making in the sixth millennium BC in northern Europe.
    Nature 493, 522–525 (2013).

Die proteinreiche Ernährung fördert die Domestikation der Tiere, domestizierte Pferde wurden eingesetzt als Zugtiere für Wagen und später als Reittiere. In der nachfolgenden Migration durch Europa gehen andere Völker auf, dabei bilden sich bis etwa 1000 BC die indoeuropäischen Sprachen zwischen Island und Indien.

  • Haak, W. et al.
    Massive migration from the steppe was a source for Indo-European languages in Europe.
    Nature 522, 207–211 (2015).
  • Anthony, D. W.
    The Horse, the Wheel, and Language
    Princeton Univ. Press, 2007
  • Maran, Joseph, Philipp Stockhammer
    Appropriating innovations entangled knowledge in Eurasia, 5000-1500 BCE.
    268 S. Oxbow Books, 2017
  • Chechushkov, I. V. & Epimakhov, A. V.
    Eurasian steppe chariots and social complexity during the Bronze Age.
    J. World Prehist. 31, 435–483 (2018).

Die »indoeuropäische Globalisierung« setzte zum Ende der letzten Eiszeit ein. Aus ihr die frühen Hochkulturen in Griechenland, Italien, Kleinasien, Persien und Indien hervor. Kohl, P. L. The Making of Bronze Age Eurasia (Cambridge Univ. Press, 2007).

  • Haarmann, Harald
    Auf den Spuren der Indoeuropäer
    Von den neolithischen Steppennomaden bis zu den frühen Hochkulturen.
    368 S., München: C.H. Beck 2016.
  • Elke Kaiser
    Rinder und Räder
    Zwei innovative Entwicklungen, die das Leben in der Steppe veränderten?
    S. 47-59 in: Gerd Graßhoff, Michael Meyer (Hg.)
    Innovationen der Antike Mainz: Philipp von Zabern, 2018
  • Klassen, Lutz
    Jade und Kupfer
    Untersuchungen zum Neolithisierungsprozess im westlichen Ostseeraum unter besonderer Berücksichtigung der Kulturentwicklung Europas 5500-3500 BC.
    Arhus 2004: Jutland Archaeological Society, Moesgard Museum

Mensch & Rind, Ochsenstachel, Joch & Pflug

Rinder erscheinen als Nutztier etwa um 6.500 BC in Anatolien und der Levante

  • Masson, Astrid, Eva Rosenstock
    Das Rind in Vorgeschichte und traditioneller Landwirtschaft
    Archäologische und technologisch-ergologische Aspekte.
    Mitteilungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte 32 (2011) 81-106.

Rinder und Pflug, Ackerbau und Siedlung sind nicht voneinander zu trennen und erfordern die Einteilung der nutzbaren Flächen in Bauland und Ackerland, in Mein und Dein. Mit den Werkzeugen des Vermessers - Meßstab und Meßseil - lassen sich Himmelsrichtungen (Indischer Kreis), Breitengrade (Schattenstab, Gnomon), Längen und rechte Winkel (Ägyptisches Dreieck) bestimmen. Die dazu nötigen mathematischen Fähigkeiten machen den Landvermesser auch zum Kundschafter, der die Orientierung ermöglicht und zum Geographen bei der Erkundung neuer Landschaften: Aufgaben, wie sie später die Bematisten von Alexander dem Großen wahrnahmen. In den sumerischen Stadtstaaten trugen Herrscher und Stadtgötter wie Marduk als Symbol Stab und Seilring.

Mensch & Ziege, Krummstab & Zaun

Hirten als Nomaden (»Pastoralnomaden«)
delegieren die Nahrungssuche an ihre Tiere, damit diese Milch liefern, Fleisch und Wolle; als Wegzehrung laufen sie selbständig mit. Hirten sind weniger mobil als Jäger & Sammler, können jedoch Besitz anhäufen und lassen das Gepäck von Tieren tragen.

  • Ziegen erscheinen als Nutztier etwa um 9.000 BC im Zagrosgebirge (Iran/Irak) & der Levante.
  • Schafe erscheinen als Nutztier etwa um 6.000 BC in Anatolien/Armenien
    • Ziegen, deren Hörner und Füße werden zu ikonischen Attributen liminaler Gottheiten: Ziegenfüßige (Wald-)geister wie die Satyrn, Halbgötter wie Pan oder Pushan, der Ziegenwagen von Mercur Cissonius und Hermes Kriophorus usw.
    • Graf, Martin Hannes
      Schaf und Ziege im frühgeschichtlichen Mitteleuropa
      Sprach-und kulturgeschichtliche Studien. Archaeolingua 19 (2006)
  • Der Krummstab als hirtenspezifisches Stabwerkzeug wird im 3. Jahrtausend BC zur ägyptischen Hieroglyphe heqa und zum Herrschersymbol und später zum Symbol für spirituelle Macht.
  • Etwa 10.000 BC Bau von dauerhaften Behausungen in der Levante.
  • Etwa 11.000 BC Übergang vom Wanderfeldbau zum Ackerbau in der Levante > Transhumanz

Der Blick zurück: Themen, Epochen, Perspektiven

  • Reichholf, Josef H.
    Warum die Menschen sesshaft wurden
    Das größte Rätsel unserer Geschichte.
    Frankfurt am Main Fischer 2016
  • Rösch, Manfred
    Vom Korn der frühen Jahre. Sieben Jahrtausende Ackerbau und Kulturlandschaft.
    Begleitheft zur Ausstellung des Landesamtes für Denkmalpflege in Zusammenarbeit mit dem Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen.
    Esslingen Ges. für Archäologie in Württemberg und Hohenzollern 2008
  • Stone Age Connections. Mobilität zu Ötzis Zeiten. Sonderausstellung im Südtiroler Archäologiemuseum 22. November 2021 bis 7. November 2022
    Anhand bedeutender Funde aus dem Alpenraum werden die Wege und Handelsbeziehungen im 4. und 3. Jahrtausend v.Chr. nachvollzogen.

In vorgeschichtlichen Zeiten: Wildbeuter

Mensch & Hund unterwegs

  • Jäger & Sammler
    mit hoher Mobilität, doch eingeschränkt durch die Fähigkeiten des Menschen als Gepäckträger.
    1. Transporthilfen: Balge, Beutel, Korb, ausgehöhlter Kürbis
    2. Transportmittel: Tragetechniken mit Stange, Netz, Schleife, Schlitten
    3. Stabwerkzeuge: Grabstock, Tragstange, Schlangenstab, Spieß, Speer, Wurfholz u.a.m.
    4. Domestikation: Seit mehr als 30.000 Jahren begleitet der Hund als erstes Nutztier den Menschen beim Jagen, half beim Tragen und beim Ziehen von Tragschleifen, später auch als Schlittenhund. Etwa 11.000 BC finden sich erste Hinweise auf den Einsatz von Schlittenhunden in Sibirien.

Von der Migration zum Reisen

Heute ist der Homo sapiens die einzige noch lebende Art der Spezies Homo. Lange Zeit lebten Homo sapiens und Homo neandertaliensis nebeneinander, bereits in Afrika; beider Vorfahr ist der Homo Erectus. Genetisch haben sich erstere vermischt, auch mit dem Denisova-Menschen in Asien. Die Migration des Homo sapiens begann vor rund 300.000 Jahren im südlichen und östlichen Afrika und führte auf alle Erdteile. In Europa und Vorderasien traf er auf andere Homo-Arten, doch Amerika und Antarktika betrat er als erster Mensch. In Australasien dürfte er dem Denisova-Menschen und dem Homo floresiensis begegnet sein.

Die ältesten Nachweise des Homo sapiens außerhalb Afrikas fanden sich in der Qafzeh-Höhle bei Nazareth/Israel (rund 125.000 Jahre alt) und im Süden der arabischen Halbinsel (125.000 Jahre alt) sowie auf dem Gebiet des Oman (106.000 Jahre). Die frühesten Migrationsrouten sind weltweit nur schwer bestimmbar, da sie insbesondere den Küstenlinien folgten, die jedoch durch den seither gestiegenen Meeresspiegel heute überflutet sind. Basierend auf genetischen Analysen zeigt sich:

  • Eine erste Migrationswelle erfolgte frühestens vor etwa 70.000 Jahren über Südasien nach Australasien.
  • Eine zweite Migrationswelle begann vor rund 40.000 Jahren und teilte sich auf der arabischen Halbinsel westlich Richtung Europa und östlich Richtung Indische Halbinsel. Die genetischen Spuren der heutigen Eurasier verweisen auf eine Herkunft über die Levante aus Ägypten. Im Raum des Hindukusch zeigen sich Zweige nach Osten Richtung China, nach Nordwesten durch Innerasien Richtung Europa und dort östlich über Beringia nach Amerika vor etwa 14.000 Jahren.

Die ältesten fossilen Fundstellen des modernen Menschen (»Cro-Magnon«) liegen alle in Europa: in der Höhle Peștera cu Oase (Rumänien, 40.500 Jahre), der Grotta del Cavallo (Italien: Apulien, etwa 44.000 Jahre), Buran-Kaya III (Krim, rund 31.900) sowie etwa gleichaltrig in Mladeč (Tschechien), Kent's Cavern (England) und Frankreich. Diesen Menschen werden Artefakte aus Höhlen der Schwäbischen Alb und Willendorf II (Österreich) zugeordnet, die bis zu 40.000 Jahre alt sind.

Migration war daher die meiste Zeit der Normalzustand. Diese Verbreitungs- und Bewegungsform konnte sich erst ausdifferenzieren, nachdem sich Menschengruppen räumlich banden, also etwa

  • durch regionalen Ressourcenreichtum (Wasser, Fisch, Wild);
  • durch Schutz und Geborgenheit in Höhlen, Tälern oder auf Almen;
  • durch den Bau von dauerhaften Behausungen, etwa 10.000 v. Chr. in der Levante;
  • über Hirtennomadismus zur Viehzucht und dem Domestizieren von Nutztieren, zuerst Ziegen etwa 11.000 v. Chr. in der Levante oder dem Zagrosgebirge;
  • über Wanderfeldbau zum Ackerbau, etwa 11.000 v. Chr. in der Levante.

»Reisen« setzt im Unterschied zur Migration voraus, dass sich regional ortsfeste Strukturen manifestierten, zwischen denen ein Austausch von Menschen, Waren, Informationen nötig war. Damit konnte zwischen Aufbruch, Fahrt und Heimkehr unterschieden werden. Diese Trinität ermöglicht reisespezifische Erfahrungen, die jedoch offensichtliche Analogien aufweisen mit Grenzerfahrungen an der Schwelle zwischen Leben und Tod sowie mit geographischen Übergängen. Die Attribute der liminal deitiesReisegötter«) spiegeln die Bedeutung dieser Erfahrungen:

Literatur zum Wandern der Völker

  • Wiedemann, Felix
    Am Anfang war Migration
    Wanderungsnarrative in den Wissenschaften vom Alten Orient im 19. und frühen 20. Jahrhundert.
    Tübingen 2021: Mohr Siebeck. http://public.eblib.com/choice/PublicFullRecord.aspx?p=6481234.
  • Wiedemann, Felix, Kerstin P. Hofmann, Hans-Joachim Gehrke
    Vom Wandern der Völker: Migrationserzählungen in den Altertumswissenschaften
    370 S., Berlin Edition Topoi 2017, darin:
    • Wanderungsnarrative. Zur Verknüpfung von Raum und Identität in Migrationserzählungen - Felix Wiedemann, Kerstin P. Hofmann, Hans-Joachim Gehrke
    • Griechische Wanderungsnarrative und ihre Wirkung - Hans-Joachim Gehrke
    • Wanderung der Barbaren? Zur Entstehung und Bedeutung des Epochenbegriffs ‚Völkerwanderung‘ bis ins 19. Jahrhundert - Roland Steinacher
    • The Sarmatians: Some Thoughts on the Historiographical Invention of a West Iranian Migration - Anca Dan
    • Zirkuläre Verknüpfungen. Völkerwanderungen und das Motiv der Wiederkehr in den Wissenschaften vom Alten Orient um 1900 - Felix Wiedemann
    • Wanderungsnarrative in der Ur- und Frühgeschichtsforschung - Matthias Jung
    • Das Wandern ist des Hirten Lust! Der osteuropäische Steppenraum in der Diskussion um die Ausbreitung der indogermanischen Grundsprache - Elke Kaiser
    • Auf der Suche nach der ‚Urheimat‘? Migration und Identität in der Turfan-Forschung des Kaiserreichs - Franziska Torma
    • ‚Hamitische Wanderungen‘: Die Prähistorie Afrikas zwischen Fiktion und Realität - Peter Rohrbacher
    • Metaphern – Punkte – Linien. Zur sprachlichen und kartographischen Semantik ur- und frühgeschichtlicher Wanderungsnarrative bei Gustaf Kossinna - Susanne Grunwald
    • Migrationsforschung in der Ethnologie: von ethnischen Enklaven zu transnationalen Netzwerken - Mijal Gandelsman-Trier
    • Mittelalterliche Migrationen als Gegenstand der ‚Genetic History‘ - Jörg Feuchter

Ansätze, Dies & das

Einen schönen Überblick über tourismusgeschichtliche Ansätze bildet dieser Review von Rüdiger Hachtmann, Stand 06.10.2011.
Als roter Faden erkennbar ist die Suche nach einem Lebensreisestil im Unterschied zu Lebensphasenreisen.

Untersuchungen zur Reisegeschichte sind auffallend einseitig Untersuchungen der Reiseliteratur mit kulturwissenschaftlichen Methoden. Das Geschriebene ist aber nur ein Schatten an der Wand, der das Wesen von Reisenden und Reisen auf Umrisse verflacht und geschrieben wurde für ein Publikum. Eine Methodik liefert jedoch nur Ergebnisse innerhalb des eigenen methodischen Raumes, hier also Aussagen über den Reisenden als Autor und sein Publikum. Aussagen über den Reisenden und dessen Reise sind daher nur in bescheidenem Maße möglich.

Mit zunehmender zeitlicher Distanz sinken Auflösung und Schärfe, mit der Reisephänomene erkannt und eingeordnet werden können.

  • Die mündliche Überlieferung speichert manches in Erzählungen, Sprichwörtern, Metaphern: Reisebilder halen fest, was gesellschaftlich bedeutsam war.
  • Bemerkenswertes wird von den Zeitgenossen schriftlich festgehalten, Selbstverständliches eher nicht.
  • Etymologisch lässt sich immerhin noch auf zeitliche Schichten schließen, wenn etwa Begriffe für Behälter und Tragetechniken in semitischen, protoindoeuropäischen und finno-ugrischen Sprachen gleiche Wurzeln zeigen.
  • Archäologisch sind alle organischen Materialien wie Leder oder Holz nur in Ausnahmefällen zu fassen - von Stäben und Beuteln bleibt nicht viel übrig. Möglicherweise weisen metallene Gürtelschnallen regelmäßig auf Reisende hin, denn das Gürtelgehänge ist eine wichtige Transporthilfe für einen Teil des Reisegepäcks.

Immerhin lässt sich von erfolgreichen Innovationen wie der Domestizierung von Tieren oder dem Wagenbau darauf schließen, dass dadurch neue Reiseformen möglich wurden wie dies der Digitale Atlas der Innovationen anschaulich zeigt.
Gerd Graßhoff, Michael Meyer (Hg.)
Innovationen der Antike Mainz: Philipp von Zabern 2018, darin u.a.:

  • Svend Hansen, Jürgen Renn: Technische und soziale Innovationen
  • Wolfram Schier and Susan Pollock: Die textile Revolution
  • Elke Kaiser: Rinder und Räder – Zwei innovative Entwicklungen, die das Leben in der Steppe veränderten?

Der Gegenstand »Reisen« lässt sich als soziotechnisches Handlungssystem 21) verstehen und strukturieren, etwa (hier nur beispielhaft angedeutet):

  1. Sachsysteme:
    1. Information > Orientierung
  2. Zielsysteme
    1. Handel > Höker, Märkte
    2. Beute > Krieg
    3. Wissen
  3. Handlungsablauf
    1. Zielsetzung > Lösen von Bindungen
      1. Motive: weg von & hin zu
    2. Aufbruch > Übergänge
    3. Fahrt
    4. Heimkehr
    5. Wertschätzung > soziale Integration

Das lässt sich weiter differenzieren, etwa als stoffliche Teilsysteme wie:

  1. Transporthilfen, also Behälterformen wie Netz, Korb, Balge, Beutel
  2. Transportmittel, also etwa Stange, Schleife, Schlitten, Wagen
  3. Tragetechniken wie Gürtelgehänge, Stirnriemen, Tragstange, Mantelsack, Rucksack
  4. Kleidung zum Schutz vor Sonne (Tuch, Mütze), Kälte (Umhang), Verletzung (Riemensandalen, Stiefel)
  5. Domestikation von Nutztieren als Lasttier, Reittier, Zugtier

siehe auch:
* Globetrotter
* Fahrendes Volk
* Liste der Reisestile
* Stereotypen
* Weltanschauung

1)
Pierre Viasson-Ponté, Le Monde 5./6.09.1976
2)
Dos Passos, John. Travel books and other writings 1916-1941. New York 2003, NY: Library of America 143
3)
Karl R. Wernhart, Helmut Lukas: Christoph Carl Fernberger. Der erste österreichische Weltreisende 1621–1628. Völlig überarb. und neu kommentierte Ausg. Mit erg. Kommentar für Indonesien und Südostasien. LIT, Wien 2011.
4)
Pedro Cubero Sebastián
Peregrinación del mundo. Madrid 1993
5)
Epistola de crudelitate Turcarum in Christianos
in: Migne, Jacques Paul (ed.), Patrologia Latina, Paris, Vrayet/Sirou 158 (1860) 1055-68
Pertusi, Agostino
La Situazione Dell' europa Orientale Dopo La Caduta Di Smederevo (1439) in Una Lettera Inedita Di Fra Bartolomeo Di Giano.
in: Byzance et les Slaves. Études de civilisation. Mélanges Ivan Dujcev
Paris 1979, S. [337]-372
6)
Ludovico de Varthema
Reisen im Orient
eingeleitet, übersetzt und erläutert von Folker Reichert, Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1996
7)
Volterra, Meshullam da
Von der Toskana in den Orient: ein Renaissance-Kaufmann auf Reisen.
Aus dem Hebräischen übersetzt, kommentiert und eingeleitet von Daniel Jütte. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2012. Ein halbes Jahr via Alexandria, Kairo, Jerusalem, Damaskus und Venedig
8)
Rudolf Wissell; Ernst Schraepler (Hg.)
Des alten Handwerks Recht und Gewohnheit.
Einzelveröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin, 7. 5 Bde. 2., erw. und bearb. Ausg. Berlin 1971
9)
Gerhard Köbler: Zielwörterbuch europäischer Rechtsgeschichte, 4. A. 2007, mit Hinweis auf: Söllner §§ 6, 7, 8, 9; Hübner 83, 460; Kroeschell, DRG 1; Köbler, DRG 71, 88, 120; Köbler, WAS;
L. v. Bar: Das Fremdenrecht u. seine volkswirtschaftliche Bedeutung, 1892; L’Étranger, 1958; Die Begegnung mit dem Fremden, M. Schister (Hg.) 1996; Seiring, C., Fremde in der Stadt (1300-1800), 1999; Cavallar, F.: The rights of strangers, 2002
10)
erster urkundlich bezeugter Einfall der Normannen in England am 8. Juni
11)
Science Advances, 2015; doi: 10.1126/sciadv.1500806
12)
Rettberg, F. W. 1846. Kirchengeschichte Deutschlands.
Goettingae, 1846-1848, II, 236
13)
Frühneuhochdeutscher Text und Übersetzung. Isolde Mozer (Hg.). Berlin/New York 2010
14)
Satiren 1,5
15)
Hesiod, Opus 26 und der Sänger Acestor als Bettler in Kolakes Κόλακες `Schmeichler´ von Eupolis
16)
De Vectigalibus 2.1-2., 3.3, 3.12
17)
Plato, Protagoras, 316) erwähnt, Athleten und Handwerker (demiourgoi) ((Odyssee 17, 384-385; Hesiod Opera et Dies 24-25
18)
Robert Beekes: Etymological Dictionary of Greek. 1. Auflage. Band 1: Α–Λ, Brill, Leiden, Boston 2010, ISBN 978-90-04-17420-7 (Band 10/1 der Leiden Indo-European Etymological Dictionary Series) Seite 9
Band 2: Μ–Ω στέλλω Seite 139
19)
Michael Herles
Kamele in assyrischen Quellen.
Ein Exot wird zur Selbstverständlichkeit.
In: Ute Pietruschka, Michael P. Streck (Hg.): Symbolische Repräsentation und Wirklichkeit nomadischen Lebens. Wiesbaden 2010: Dr. Ludwig Reichert, S. 127
20)
Geographike Hyphegesis IV, 7
21)
Günther Ropohl
Allgemeine Technologie
Eine Systemtheorie der Technik.
3.A. Karlsruhe 2009, online
wiki/reisegenerationen.txt · Zuletzt geändert: 2021/10/23 06:32 von norbert