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Stock und Stäbe

© Norbert Lüdtke, https://reisegeschichte.de, Oktober 2020

Ein guter Stock ist das beste Recept vor böse Hunde. 
Ein derber Stock ist gut bei unsicherem Wege.
K.F.W. Wander, Deutsches Sprichwörter-Lexicon ...

Seit frühester Zeit greifen Reisende bevor sie aufbrechen zu Stab und Beutel, Hut, Sandalen und Gürtel. Mehr Reisegepäck zeugt von Luxus, weniger weist auf Bettler oder Asketen hin. Diese einfache Ausrüstung entspricht auch den Attributen der Reisegötter wie etwa Hermes. Den Wanderstab soll jedoch der Gott des Weines Bacchus eingeführt haben.

Im alten germanischen Recht war nur derjenige voll geschäftsfähig, der sich »ungehabt und ungestabt« fortbewegen konnte. In der Neuzeit wurde dagegen der Spazierstock zum Symbol der bürgerlichen Freizeit, des Nicht-Arbeitens. In den heutigen städtischen Gesellschaften hat der Stab allerdings abgewertet und ist als Krückstock nicht erstrebenswert. Nur wer die Stadt verlässt, greift gerne zum (Teleskop-)stock fürs Wandern, für Nordic Walking, Skifahren, Trailrunning.

In den Bergen oder im afrikanischen Busch gehört der Stock dagegen zur Standardausstattung, dient stützend als drittes Bein, zum Tasten oder zur Abwehr. Stock und Stein sind die ältesten Werkzeuge und Waffen. Ungeformt liegen sie bereit. Erkennt man ihren Nutzen, so sind sie verfügbar. Mit dem Stein lässt sich schlagen; er verstärkt die Faust. Mit dem Stock lässt sich stoßen; er verlängert den Arm. Das können auch Primaten. Zeigt man im afrikanischen Busch mit einem Stock auf einen Pavian, so zieht sich dieser zurück. Er versteht das Konzept und erkennt die Macht des Stocks. Löwen und Antilopen reagieren nicht so.

Der Stab als Werkzeug

Aus dem Stock lässt sich eine Keule 1) machen, aus dem Stein ein Keil. Geformte Werkzeuge bringen zusätzlichen Nutzen, erweitern die eigenen Fähigkeiten im Vergleich zu anderen und ermöglichen damit Macht auszuüben. Dieses Konzept erkennen Affen kaum. Es erfordert, im natürlich gewachsenen Stock den gewünschten Stab zu erkennen, den bestmöglichen zu suchen oder ihn gezielt zu formen. Vorstellung und Herstellung sind durch Arbeit verbunden und erfordern technisches Wissen und Handeln:

  • Der Grabstock war eines der ersten Werkzeuge auf der Suche nach Nahrung im Boden, bereits vor 171.000 Jahren härteten Neandertaler solche Stöcke im Feuer 2).
  • Der Spieß zum Stoßen als einfachste Stangenwaffe stand am Anfang der Stabwaffentechnologie 3).
  • Den steinernen Faustkeil mit einem hölzernen Stiel oder Schaft als verlängertem Arm zu versehen, war eine Innovation, denn sowohl die Wucht der Schläge als auch deren Reichweite nahmen erheblich zu.
  • Der Speer zum Werfen überträgt die Idee des Schaftes auf ein neues Werkzeug, die Speerspitze. Die ältesten bisher gefundenen Speerspitzen sind eine halbe Million Jahre alt 4).
  • Der Drehstab war Teil des steinzeitlichen Feuerzeuges; die Glut wurde im Narthex-Stock oder im Behälter aus Birkenrinde transportiert.
  • Stäbe ermöglichten neue Gepäckarten und den Transport schwerer Lasten:
    Aus Weidenruten entstanden die ersten Körbe 5).
    Der gebogene Haselnussstab bildete den Rahmen des ältesten bekannten Rucksacks.
    Stangenschleife und Schlitten auf Kufen sind die ältesten Fuhrwerke.
  • Der Hirtenstab war das erste Werkzeug der Viehhaltung, der Zaun(stab) hielt das Vieh zusammen.
  • Aus dem gezogenen Grabstock enstand der Pflug und damit die Ackerwirtschaft; das Getreide wurde mit Stangen gedroschen, später mit dem Dreschflegel. Zur gleichen Zeit wurde der Wagen erfunden und dabei der Stab (Stangenschleife) durch das Rad ergänzt.

Die Anforderungen

Der Haselstecken ist ein Wunderding,
er macht den Rücken geschmeidig und die Hände flink.
K. F. W. Wander, Deutsches Sprichwörter-Lexicon  

Aus einem Zweig lässt sich eine Rute anfertigen, aus einem Ast eine Keule, aus einem Haselnussstämmchen ein Wanderstock, doch alle bestehen aus Handhabe (Griff), Schuss (der gerade Teil) und Zwinge (Endstück, die Kapsel darauf engl. ferule). Dabei ist jeder Stab anders, wenn er optimal an seinen Zweck und seinen Nutzer angepasst ist, denn er

  • ist nicht schwerer als nötig;
  • hat die erforderliche Länge;
  • hat die nötige Festigkeit;
  • und einen sicheren Griff.

Als natürlich zuhandene Ausgangsmaterialien dienen Zweige, Äste, junge Stämmchen, Wurzeln, Rohrstängel. Als objektive Auswahlkriterien lassen sich heranziehen:

  • Die Form: eher gleichbleibende Dicke, rutenartig dünner werdend oder keulenartig dicker werdend, knotig, mit Wurzel- oder Astansatz, Zwieselformen.
  • Der Durchmesser, denn die Größe der Hand bestimmt den Umfang des zu suchenden Stockes, also etwa bis zu 4 Zentimeter, bei Ruten weniger. Die Esche benötigt dazu 1-2 Jahre, Eberesche, Edelkastanie, Hainbuche 2 Jahre, Weißdorn 3 Jahre, Eibe 6 Jahre.
  • Die Haptik, also ein »handschmeichelnder« Griff, den harzige und narbige Hölzer nicht bieten, auch ausgeprägte Borke und anfälliges Splintholz stören. Geeignete »periderme« Hölzer ohne Borke mit glatter Rinde sind Buchen, Eberesche, Hainbuche, Haselnuss.
  • Widerstandsfähiges Splintholz haben Eibe, Esche, Edelkastanie, Hainbuche, Wacholder; Eiche dagegen nicht; die Splintholzarten - erkennbar an durchgehend gleicher Farbe - sind ungeeignet.
  • Die Beständigkeit gegen Sonne, Wasser, Handschweiß, Insekten. Als extrem witterungsbeständig gelten Edelkastanie und Wacholder.
  • Die Dauerhaftigkeit ist bei einer Holzart höher, wenn sie im Winter geschlagen wird; auch ist Astholz eines alten Baumes beständiger als das junge Stämmchen derselben Art 6).
  • Die physikalischen Holzeigenschaften werden je nach Zweck unterschiedlich gewichtet:
    Festigkeit, Zähigkeit, Elastizität, Härte, Abriebfestigkeit, Spaltbarkeit.

Darüber hinaus basieren subjektive Auswahlkriterien auf Tradition, Symbolik, persönlichem Geschmack:

  • Die Form: Natürlich gewachsen oder geformt; idealtypisch oder mit Zwiesel und Knoten.
  • Die Farbe nach dem Schälen der Rinde: rot (Eberesche), weiß (Haselnuss), gelblich (Buchs), grau-gelb (Esche) wird bereits in der Bibel beschrieben 7).
  • Eine hohe »Lebenskraft« wird vor allem immergrünen Pflanzen wie Buchs, Eibe, Myrte, Wacholder und Frühblühern wie Weißdorn, Kornelkirsche, Schlehe und Esche nachgesagt: »Wenn die Esche Knospen trägt, gibt's keinen Frost mehr.« 8)
  • Als besonders schützend erscheinen wenig blitzgefährdete Bäume wie Eibe, Hainbuche, Hasel 9).
  • Besondere pharmazeutische Eigenschaften (Gift, Medizin, Psychopharmaka) der stabliefernden Pflanzen zeigen beispielsweise Buchs, Eibe, Wacholder.

Die Auswahl der Holzart

Der beste Wanderstab ist der Buchstab.
Peter Rosegger: Nixnutzig Volk, 1914
  • Buchsbaumholz (Buxus sempervirens) für Grabstöcke, denn er hat das härteste europäische Holz. Bekannt sind 171.000 Jahre alte Grabstöcke, von Neandertalern hergestellt 10). Später wurden aus Buchs (engl. boxtree) auch „Büchsen“ gemacht.
    Der immergrüne Buchs gilt als Lebensbaum, er ist pharmazeutisch hochwirksam und giftig; die Pfeile Amors bestehen daraus. Er ist Attribut von Merkur, war dem Hades und der Kybele geweiht.
    Ersatzweise: Eichen, Wacholder, Eschen.
  • Edelkastanie (Castanea sativa, engl. chestnut) für Pilgerstöcke, denn das Holz ist äußerst witterungsbeständig, die Frucht ein Grundnahrungsmittel.
    Die Kastanie steht in der christlichen Symbolik für Güte, Keuschheit und Stärke gegen die Versuchung; in der Antike war sie Zeus geweiht.
  • Eberesche (Sorbus aucuparia, engl. Rowan, auch: wayfarer's, traveler's tree) fürs Kälberquicken mit dem Spieß oder dem Partholz, denn das Holz ist sehr dicht, hochfest mit hoher Elastizität.
    Die Vogelbeere oder Quitsche, Quecke, `lebendig, schnell´ ist keine Esche, galt aber als Lebensrute, vermutlich weil sie im Frühjahr zu den ersten sich belaubenden Baumarten zählt und damit zum Symbol des Wiedererwachens nach dem Winter wurde.
    Thor rettete sich mit Hilfe einer Eberesche aus dem Fluss, sie symbolisiert den Blitz 11).
    Ersatzweise: Kreuzdorn, Weißdorn, Kranewittbir (Wacholder).
  • Eibe (Taxus) für Spieße, Speere, Lanzen und Bögen, denn das Eibenholz ist schwer und fäulnisresistent und vereint rotes, hartes, auf Druck belastbares Kernholz mit hellem, elastischem, auf Zug belastbarem Splintholz. Bekannt ist ein rund 120.000 Jahre alter Speer, mit dem Neandertaler jagten 12).
    Odins Speer Gungnir, die Heilige Lanze des Römischen Reiches und die irischen Bischofstäbe bestehen aus Eibe (lat. Taxus baccata, engl yew) 13)
    Die Eibe verbindet in vielen Kulturen Diesseits und Jenseits, hängt mit Tod und Wiedergeburt zusammen und ist vermutlich identisch mit dem Weltenbaum Yggdrasil aus der germanischen Mythologie 14), sie war der heilige Baum der Hekate.
  • Esche (Fraxinus excelsior, engl. ash) für die Tragstange (furca) der römischen Soldaten ebenso wie für Ballettstangen, denn sie liefert eines der wertvollsten hemischen Edellaubhölzer wegen ihrer Dauerhaftigkeit, Elastizität, Biegsamkeit, Festigkeit, Splitterfreiheit,
    In der griechischen Mythologie das Holz für den Speer des Kentauren Chiron, mit dem Achilles in der Schlacht von Troja Hektor tötete.
  • Hainbuchen (Carpinus betulus, engl. hornbeam) für Spieße 15), denn sie liefert das dichteste Holz aller heimischen Nutzholzarten und ist nur schwer spaltbar: »Er ist von Hainbuchen, woran man die Schweinspiesse schäftet« 16).
    Im Mittelalter galt sie als das »Holz der weisen Frauen«, wohl weil die »Hagenbuche« als Hecke (Einfriedung) zur Wildnis angebaut wurde und die Hagazussa (Heckenreiterin, Hexe) als Grenzgänger in diesem Bereich zuhause war.
  • Haselnuss (Corylus avellana, engl. hazel), junge Haselstämmchen (»Sommerlatte«) ergeben die qualitativ besten Wanderstäbe; auch der älteste erhaltene Abtstab des Germanus aus dem 8. Jahrhundert besteht daraus. Der Haselstecken muss geschält werden, damit sich keine Hexen zwischen Holz und Rinde einnisten können.
    Ersatzweise: Eberesche, Weißdorn, Esche, Wacholder.
    Wenn sie als Zwiesel geschnitten werden, sind sie auch die zauberkräftigsten Stäbe: »Eine einjährige Haselrute, kurz vor Mitternacht geschnitten, kann unterirdische Metallvorkommen anzeigen« 17). Auch die germanischen Seherinnen besaßen solche Stäbe 18).
    Ersatzweise Eberesche oder Mistel. 19).
  • Kornelkirsche (Cornus mas, `virga sanguinea´) für die römische Lanze hasta sanguinea, für Knotenstöcke, und Ziegenhainer, denn das Holz des Hartriegelgewächses verwächst knorrig, ist sehr hart und so dicht, dass es im Wasser untergeht.
    Die Knotenstöcke aus Ziegenhain bei Jena dienten seit dem 18. Jahrhundert zuerst den Jenaer Studenten als Schlagwaffe (»Stenz«) und wurden dann auch zum Gruppensymbol. 20).
  • Mispelholz (Mespilus germanica, engl. medlar) für den baskischen Makila,
    einen Kampfstock mit einer Spitze aus Stahl, Metallhülse und einer Klinge im Griff 21), wohl weil das Holz sehr hart ist und dennoch gut zu verarbeiten.
    Ein Stock aus Mispelholz verjagt Zauberer 22)
  • Myrtenholz (Myrtus communis, engl. myrtle) für kurze Spieße 23)
    In Vergils Aeneis trägt die Kriegerin Camilla »selber den lykischen Köcher … und den Myrtenholzspeer der Hirten mit eiserner Spitze« 24).
    Die κεντρ-ιάδαι, οἱ, Priester in Athen, trieben die Ochsen mit dem Rinderstachel (κεντρ-ίζω, κεντέω) bei der `Dipolia´-Feier zum Altar 25). Der Rinderstachel, Ochsenstecken, Ochsenspieß war ein robustes Werkzeug, das wiederholt als Waffe genannt wird.
  • Schwarzdorn, Schlehe (Prunus spinosa, engl. sloetree) für den keulenartigen Shillelagh. Über den Zeitpunkt der Blüte lassen sich Aussaat und Ernte bestimmen. Schlehdorn schützt vor Hexen und diente daher für Hecken.
  • Die verzwieselte Spitze junger Tannen mit deren Astansätzen (Querl) für Rührstäbe;
    Quirl entstammt indogermanisch `tu̯er-1 ´, also `rasch drehen, wirbeln´.
  • Wacholderbäumchen (Juniperus) als Knotenstock:
    Sein Wachstum ließ ihn als »Lebensbaum« erscheinen: immergrün, jung, kräftig, frisch, lebendig, daher auch: Quechholder, Queke; aus ihm bestand auch die Lebensrute der Holda (Frau Holle). Wacholderstäbe sind äußerst witterungsbeständig. »Vor einem Kranawetstrauch (Wacholder) soll man den Hut abnehmen, vor einem Hollerbüschen niederknien« 26)
  • Weißdorn (Crataegus, engl. hawthorn, quickthorn), denn das Holz ist sehr hart und elastisch
    dem Mythos nach der Wanderstab des Joseph von Arimathäa 27). Er steht oft in der Nähe von Quellen, blüht weiß im Mai und manchmal ein zweites Mal im Dezember. Wohl daher werden ihm schützende magische Kräfte zugeschrieben.
  • Ahornbrett & Lindenbohrer, Efeubrett & Ulmenbohrer, Athragene (Waldrebe) & Lorbeerbohrer, Pappelbrett & Haselbohrer zum Feuerreiben; der Vorgang des Feuerbohrens pyreia mit Stock (trepanon) und Bogen wird von Theophrast und Plinius genau beschrieben 28)

Umfangreiche vorwissenschaftliche Erfahrungen wurden jedoch auch vorwissenschaftlich in der Kultur verankert als Vorstellungen über die spirituelle »Kraft«, in Erzählungen und Mythen. Die Tatsachen wurden leichter tradiert, wenn sie in Geschichten weitergegeben werden konnten. Das Wissen zu speichern war Sache von Druiden oder weisen Frauen. 29). So oder so: Die technische Analyse oder das Anwenden traditioneller Methoden führen zu ähnlichen Ergebnissen.

Das Anfertigen

Guter Spiess will auch einen guten Stiel.
K.F.W. Wander, Deutsches Sprichwörterlexicon ...

Geeignete Äste oder Stämmchen suchen, also ohne Astansätze und rißfrei, mit oder ohne Knorren, Knoten oder Zwiesel. Entrinden und die Bastschicht entfernen, das Kernholz nicht verletzen. Im Griffbereich ist ein verbleibender Durchmesser von maximal etwa 5 cm nötig, für die Länge etwa Schulterhöhe, kürzer schneiden kann man später. Mindestens ein Jahr trocken und flach liegend lagern, über Wasserdampf formen. Schließlich in gewünschter Länge schneiden (im Griffbereich muss der Durchmesser handgerecht sein), polieren, ölen, wachsen und am dünneren Ende mit einer metallenen Spitze, Kapsel oder Rohrstück gegen Abnutzung schützen; siehe auch woodcarvers.

Typologie 1 - Die Mechanik

Kraftschlüssige Stabwerkzeuge

Krafteinleitung Zweck Eigenheit Primär-Werkzeug Beispiel
Zug Furchen Haken Grabstock Wühlstock
Zug Führen Krümme Krummstab Hirtenstab
Zug Tragen Biegemoment Tragstange Alpenstange, Tragjoch
Zug & Druck Tragen Gleitreibung Kufe Stangenschleife
Druck, stat. Stützen Festigkeit Krücke Wanderstab, Hagelstecken
Berg-, Spazierstock
Druck, dyn. Stoßen Härte, Form Stange Stecken
Druck, dyn. Stechen Spitze Spieß Partholz, Rinderstachel
Ochsenstecken
Druck, dyn. Stechen Doppelspitze Gabel Furca
dynamisch Schlagen Masse Keule Mörserkeule
Knoten-, Schlagstock
Knüttel, Knüppel, Prügel
dynamisch Schlagen Elastizität Rute Zuchtrute, lat.
baculatoria argumenta
dynamisch Werfen Masse, Form Wurfholz Lagobolon, Bumerang
dynamisch Werfen Masse, Form Wurfspieß Hasta
dynamisch Werfen Spitze Speer Pilum, Assegai

Formschlüssige Stab-Werkzeuge

Formschluß Tasten Abstand Blindenstock
Formschluß Maßgabe Länge Richtscheit Schieblehre, Lineal
Formschluß Maßgabe Länge Strickholz f. Netze
Formschluß Führen & Drehen Form Leitholz, Seilerlehre Warbelholz
Formschluß Modell Bogenradius Lehrgerüst (archit.)

Form- und Kraftschlüssige Stab-Werkzeuge

Drehmoment Rühren Form Quirl Butterstab
Drehmoment Reiben Härte, Form Drehstab pramantha
Drehmoment Reiben Härte, Form Drehstab mit Bogen (Feuer-)bohrer 30)
Nabastock
Drehmoment Hebeln Hebelgesetze Stange mit Drehpunkt Brechstange,
Wippe, Waage
Drehmoment Rollen Rollreibung symmetrische Stange Walze
Drehmoment Rollen Rollreibung Stangenschleife mit Rad Schubkarre
Drehmoment Rollen Rollreibung Achse mit Rädern Karre

Schilfrohr, Steckenkraut und Rohrstock

Der hohle Stab, also ein Rohrstock, heißt in vielen Sprachen cane (engl.), canne (frz.), canna (lat.) bis hin zur indogerman. Wurzel kanna. Erstaunlicherweise hat er in den semitischen Sprachen ebenfalls die Wurzel q-n 31) immer als `Rohr, Schilfrohr´ und verweist damit auf ein sehr hohes Alter 32).

Das sumerische `gin´ mit dem Ideogramm »Halm« war ein (Schilf-)rohr mit einer definierten Länge von etwa drei Metern, gelangte über das akkadische qanu ins Griechische xaváv und schließlich als kanon ins lateinische mit der bis heute gleichbleibenden Bedeutung, nämlich als verbindlicher Maßstab, als strenge Vorgabe 33). Als canna blieb es bis in die Neuzeit ein italienisches Längenmaß von etwa 2 m und als canne ein französisches Längenmaß etwa 2,3 m.

Die Stängel der Steckenkräuter (Ferula) eignen sich als leichte Stäbe, da sie recht stabil sind, extrem leicht, bis zu vier Meter lang und zudem als Behälter nutzbar. Solche Stäbe sind erkennbar am geraden Wuchs und an den Rohrknoten. Aus einer Ferula-Pflanze, (z.B. Riesenfenchelstängel) wurden Thyrsos (akkadisch, Kultstab) und Narthex (hebräisch, Stab als Behälter) hergestellt und in den Kulten der Weingötter verwendet; die drei Begriffe wurden in Griechenland oft synonym verwendet. Die Ursprünge verweisen auf Mesopotamien und Israel. Im Laufe der Zeit wird die Ferula als Stab zur strafenden Zuchtrute für römische Sklaven, aber auch von Büßern in den Vorhallen (Ferula, Narthex) der Kirchen und zum Stab des Papstes.

Systemstöcke

Die Komplexität des Werkzeugs nimmt zu, wenn der Stab nurmehr zum Schaft oder Stiel wird, also zum Werkzeugträger für etwas.

  » ... der Erfindung des Mechanikus Eckler in Berlin, war; denn [der Reisestock] 
enthielt erstens: sich selbst, nämlich einen Reisestock; 
zweitens: nochmals sich selbst, einen Malerstock; 
drittens: nochmals sich selbst, einen Meßstock; 
viertens: nochmals sich selbst, ein Richtscheit; 
fünftens: nochmals sich selbst, ein Blaserohr; 
sechstens: nochmals sich selbst, ein Tabakspfeifenrohr; 
siebentens: nochmals sich selbst, einen Angelstock; 
darin aber waren noch ein Stiefelknecht, 
ein Barometer, ein Thermometer, ein Perspektiv, ein Zeichenstuhl, ein chemisches Feuerzeug, 
ein Reißzeug, ein Bleistift und das Brauchbarste von allem, 
eine approbierte hölzerne Hühneraugenfeile, angebracht; 
das Ganze aber war so eingerichtet, daß man die Masse des Inhalts durch 
den Druck einer Feder aus diesem Stocke, wie aus einer Windbüchse, 
seinem Feind auf den Leib schießen konnte.
Clemens Brentano
Die mehreren Wehmüller und ungarischen Nationalgesichter, 1817

Darüber hinaus und mit zusätzlichen Werkzeugfunktionen und angepasster Griffform entsteht der »Systemstock« als Stock »mit Seele«, der mittels »Innenleben« zum ersten multifunktionalen Werkzeug und zur Vielfachwaffe wird, etwa zum Kämpfen mit

  • Canne de Combat (Fechten mit dem Spazierstock, franz. la canne)
  • Makila (bask.)
  • Stockdegen
  • Zulfikar (arab.)

Wortfelder um den `Stab´

Indogermanische Wortwurzeln

Die indogermanischen Wortwurzeln siehe bei Pokorny

Sprache Begriff ig. Wurzel Bedeutung
Deutsch Stock (s)teu-1
*(s)teug-
`stoßen, schlagen; Stumpf
abgeschlagener Ast, Stamm´
Deutsch Stecken steig- stechen ortsfest wie Pfahl, Pfosten
Deutsch Stange (s)teg-2 die Länge betonend
Deutsch Stab steb(h)- stützen, stemmen, stampfen
starr, festwerden, halten, hindern
Kraft, Stärke, Gewalt
Deutsch Rute u̯(e)rād-
u̯erəd-, u̯rəd-
Zweig, Rute, Wurzel
Deutsch Keule *geu-, gū- biegen, krümmen, wölben > Kugel
Deutsch Knüttel gn-eu-t- etwas verdicktes > Knotenstock
Deutsch Krücke ger-3
> greu-g-
*krukjō(n)
`drehen, winden´
sich krümmen, kriechen
> Krummstab
Deutsch Gabel ghabh(o)lo-Astgabel, Gabelung, Gabel > Dreizack
Deutsch Ger *ĝhaiso > *gaiza antreibend > Gerte
Speer, Wurfspieß
Deutsch Speer (s)per-1 verspreizen, stützen
stemmen, sperren
> Sparren
Latein Baculum bak- stützen, stechen,
stoßen, schlagen
als Gegenteil von
schwach, zerbrechlich
Pegel als Maßstab
Latein Fustis bhā̆u-1 schlagen, stoßen > Strunk, Knorren, Stumpf
Latein Pertica perth- Stange, Schößling Weinstock
Latein Pedum pē̆d-2, pō̆d- Fuß, gehen, fallen Fuß als Maß
Latein Stimulus ĝhasto-1 Rute, Stange > Hasta, Gerte, Meßrute

Bei allen Übergängen zeigt im Deutschen `Stock´ ältere Wortwurzeln und verweist in der Regel auf natürliche rohe, grobe, Formen. Der Stock bleibt in seiner ursprünglichsten Form erkennbar, wenn Nebenbedeutungen auf Holz, Stamm, Wurzel, Ast, Zweig, Schößling verweisen (s.o.). Das hebräische ʽez bedeutet Baum, aber auch Speer; das griechische xýlon bedeutet Holz, aber auch Knüppel.

`Rute´ verweist auf ebenfalls natürliche, jedoch leichte und biegsame Formen, während `Stab´ eine zweckgerichtet bearbeitete Form meint, ohne den konkreten Zweck zu bezeichnen.

Mit dem Bezeichnen des Primärzwecks - also etwa die ortsfeste Verwendung als Stecken, das Schlagen mit Keule oder Knüttel, das Stützen mit der Stange, das Stoßen mit Spieß, Gabel, Speer - ist eine Bearbeitung als Werkzeug oder Waffe zu erkennen; der Stab unterscheidet sich damit sachlich und begrifflich vom rohen Stock. Im Lateinischen werden drei von fünf Begriffen - baculum, fustis, pertica - auch im Sinne von `Dreschflegel´ benutzt und betonen so die frühe Bedeutung dieser Anwendung 34), die auch alttestamentarisch erwähnt wird (Jes 28:27), dort ähnlich auch zum Ernten von Oliven (5Mo 24:20; Jes 24:13).

Zwei sekundäre Werkzeugzwecke wiederholen sich, nämlich
erstens insbesondere die Verbindung mit Transport und Behältern 35). Das altgriechische `ζυγός zygos´ umfasste mit den Bedeutungen `Gabel, Tragstange, Schultertrage, Joch, Bügel´ eine ganze Reihe von Tragwerkzeugen.
zweitens im Lateinischen die Verwendung zum Messen (z.B. Länge, Pegel).

Stöcke und Stäbe in anderen Sprachen

Deutsch Engl. Franz. Latein Griech. Russ. Norw. Hebräisch
Stock stick canne scēptrum σκῆπτρον
skêptron
ски́петр
skípetr
stock מַקֵּל maqqel
shärvet
Stecken stake bâton radius τρίστεγον
tristegon
прут
prut
pinne motil
Stange rod rondin
barre
pertica δορᾰ́τιον стержень stérženʹ stang mot(ah)
Stab staff bâton baculum ῥάβδος rhabdos
βάκτρον bactron
брусок
brusok
stav שֵׁבֶט
ševæṭ
2Sa 18:14; 21:19
Rohrstock cane canne
rotin
canna νάρθηξ
narthex
камышо́вая
трость tróstʹ
kjepper shot
s(h)vot
Rute ferule verge virga νάρθηξ
narthex
прут
prut
ris
riset
זנב
zanáv
Keule club, bat batte
massue
clava ῥόπαλον
robalon
дубина
dubína
klubba תּוֹתָח
tôtāḥ
Knüttel cudgel gourdin
massue
fustis σκύταλον
skutalon
дуби́на
dubína
knoke Matt.
26:47, 55
Krücke
Krummstab
crook crosse lituus ῥάβδος
rhabdos
клюка́
kljuká
krykke kaw
Gabel fork fourche vara, furca ζυγός
zygos
вилка
vílka
gaffel masleg
kilschon
Dreizack, -zahn trident trident tridens
fuscina
Τρίαινα
Thrinakíe
Трезу́бец trefork 2Sa 18:14 טריידנט
Trident
Spieß goad, pike pique stimulus λόγχη
logchē
копьё
kopʹjó
spyd כִּידוֹן
kîdôn
Speer spear lance hasta δόρυ
dory
копьё
kopʹjó
spjut חֲנִית ḥǎnît
רֹמַח romaḥ
hastate
Ast branche branche ramus φρύγανον
phrýganon
сук
súk
gren onaf
Zweig twig brindille ramus τρίβος
tribos
ве́тка
vétka
kvist Chotär
Schilfrohr reed roseau calamus
arundo
κάλαμος
kalamos
камы́ш
kamýš
takrør kanäh

Die Formen der Stäbe

Für die nachfolgende Typologie von Stöcken und Stäben findet sich in der Fachliteratur kein Anknüpfungspunkt und so ist dies der vielleicht erste Versuch einer systematischen Analyse dieses Gegenstandsfeldes. Dieser Versuch fokussiert auf Stöcke, die dem »Wesen« des Stabes als Werkzeug und Waffe entsprechen, indem sie tragbar sind und die mechanischen Grundfunktionen (s. Typologie 1) ermöglichen: Stützen, Schlagen, Stoßen; die meisten solcher Stäbe reichen bis in Brusthöhe, plus minus einem halben Meter und lassen sich bequem mit der Hand umfassen. Überlange Stöcke (z.B. Lanzen wie die hasta sanguinea), überschwere (z.B. Mast), kurze (z.B. Zeigestab) und ortsfeste (z.B. Pfosten, Stangen wie das pilum murale) bleiben hier unbeachtet.

Des weiteren spiegelt sich in der Typologie die Annahme, diese Stöcke und Stäbe im Laufe der Zeit vielfältiger wurden, weil neue Entwicklungsstufen hinzukamen, nämlich:

  1. Natürliche Wuchsformen: Beim Verwenden eines Werkzeugs lehrt die Erfahrung, dass bestimmte Formen sich für einen Zweck besser eignen als andere, also werden Schößlinge, Zweige, Äste, Stämmchen gesucht, die durch ihren Wuchs besser geeignet scheinen als andere.
  2. Gestaltete Wuchsformen: Der Wuchs lässt sich beeinflussen durch die Umgebung, durch Licht und Schatten, durch Binden, durch Pflege - so, wie dies Baumschulen praktizieren.
  3. Geformte Stäbe durch Wässern und Biegen, Härten im Feuer, schnitzen, geformte Handhabe
  4. Ergänzte Stäbe mit zusätzlichen Komponenten und anderen Materialien wie Knochen, Leder, Steine, Kristalle, Metallspitze, Schlaufe, Bleche; das erfordert Kleben, Flechten, Nähen, Nageln …
  5. Konstruierte Stäbe, also mehrteilig mit Holz und Metallkomponenten, die Naturformen nachahmen, sich dabei jedoch von ihrer ursprünglichen Funktion entfernen, diese allenfalls noch symbolisch zeigen.

Typologie 2

Kategorie Kennzeichen Beispiele Bezüge
oben Schuss unten
Wuchsform 1 n 1
Stange
lat. pertica
gerade ḫaṭṭu, šibirru Babylons Könige
Spieß
lat. stimulus
gerade 1-spitzig Partholz, Schweinespieß Viehhirten
Rohrstock
lat. ferula
hohl, Knoten
regelmäßig
Thyrsos, Narthex
Ferula, Kerykeion
Bacchus, Dionysos
Papst, Patriarch
Rute
lat. ferula
biegsam, dünn Gerte, Zuchtrute
Lebensrute
Ruprecht, Perchta
Nerthus, Herta
Knotenstock verdickt ungleichmäßig Stenz
Ziegenhainer
Wandergesellen
Studenten
Lagobolon verdickt, gekrümmt dünner werdend Pan, Wurfstock, Amtsstab etrusk., griech.
Keule
lat. fustis
dicker werdend verdickt Kolben, Shillelagh
Knobkierie
Wilder Mann,
phön. Melkarth,
Baal, gr. Herakles
heth. Berggötter
bearbeitet
Keule
lat. pilum
dicker werdend Griff mittig dicker werdend Mörserkeule Salii, Silvanus
Ritus `pilo ferire´
Zwieselformen n 1 n
Grabstock ungleichmäßig ᴧ-Form spitzer Haken Jäger & Sammler
(Ast-)gabel
lat. furca
∪-Form Heu-, Mistgabel phön. Moloch
»Blitz«
lat. fulmen, fulgur
Astform
gezwirbelt
Vorform für Caduceus etrusk. Turms
Blitzsymbol
Wünschelrute
lat. virgula divina
Y-Form
??? r-Form Kultstab 36) Etrusker
Schächerkreuz Y-Form Tragstange
Furca, Deichsel
Legionäre
Krummstäbe gebogen
Heqa- ∩-Form Versatz Hekat-ZepterPharao, Magier
Krümme
lat. curvatura
∩-Form Gamlu(m) akkad. Könige, Exorzist
Hirtenstab
lat. virga
∩-Form Auet-Zepter
lat. pedum
baculum pastorale
Pan, Faunus, Thaleia, Hirten
Abt, Bischof
Volutenstab
∩-Form
spiralig
Abt, Bischof
Baselstab ∩-Form 3-spitzig BaslerstabBischof
Lituus ∩-Form
spiralig
Kalmuš
Lituus
Hethiterkönig
Etrusker, Auguren
röm. Könige
Stab mit Erweiterung
Tau-Stab, lat.
crux commissa
T-Form gegabelt Was-Zepter
ägypt. Kreuz
Pharao, Antonius
Eremiten
Henkel
lat. crux ansata
Anch-Aufsatz kopt. Kreuz kopt. Christen
Kugel O-Aufsatz Zepter Herrscher
scipio eburneus
Kugel O-Ende Streitkolben
Knoten 1 Nodus
Knoten min. 3 Rohrstock Ferula, Bambus
Eisenspitze 1-spitzig Speer
Ferule Metallkapsel
Stab mit Halbkreis-Kreis
Sichel ∪-Aufsatz Mondsichel Hekate
Schlangen
Mond-Sonne
∪ auf o
∪ auf oo
Was-Zepter, Caduceus
Kerykeion, Dikanikion
Hermes, Äskulap
Patriarch
Dreizack
lat. tridens
gr. θρῖναξ
Ψ-Aufsatz ind. Shiva, ägypt. Serapis
gr. Poseidon, Triton, röm. Neptun
Dreieck ∇-Aufsatz Hacke? Schaufel? babyl. Marduk, Schäfer
Korb Metall/Bronze Seiðr-Stab germ. Seherinnen völva
Attribut
Bänder, Tuch Pannisellus, sudarium Bischof-, Abtstab
Laub & Zweige Efeu, Wein gr. Apollon, Bacchus
röm. Fidius
Pinienzapfen Thyrsos gr. Dionysos
Ring kippatu babylon. Stadtgott
Vogel röm. Fidius, Juno

Zwiesel und Knoten

Stämmchen oder Äste, die nicht gerade gewachsen sind, ermöglichen neue Werkzeuge, etwa als zwei- oder dreizinkige Gabel (ahd. gaffel, lat. furca) für Heu oder für Wünschelruten, als Tragstange oder Folterinstrument 37). Solche gestörten Wuchsformen heißen allgemein Zwiesel (z.B. im 12. Jh.: furca zvisela, furgca haggo vel zuisilla); V-förmige Gabelungen sind instabil und neigen zum Spalten; U-förmige Zwiesel sind stabil.
Solchen Gabelformen wurden oft magische Eigenschaften zugeschrieben, vielleicht weil die Gabel als abstrakte Form des menschlichen Körpers erscheint wie das chinesische Zeichen für Mensch. Solche Vorstellungen spiegeln sich in Bezeichnungen wie Alpruthen oder niedersächsich Marentakken. Insbesondere die krüppelig wachsende und immergrüne Stechpalme wird sachlich Zwieseldorn genannt, englisch aber Holly-tree (Baum der Frau Holle), dänisch Maretorn. Auch die immergrüne Mistel wächst wild als Zwiesel, ist pharmazeutisch wirksam und zeigt im Volksmund als Albranke, Donnerbesen, Druidenfuß, Hexenbesen ebenfalls den Glauben an übernatürliche Kräfte 38).

Insbesondere der Begriff »Knoten« ist mehrdeutig. Beim Knotenstock ist der Knoten eine natürliche Verwachsung, die sich als Verdickung zeigt. Als Knoten wird aber auch der Übergang des Stabes zur Wurzel oder des Astes zum Stamm bezeichnet. Botanisch korrekt werden mit Knoten (engl. node) die Stellen am Rohrgewächs bezeichnet, an denen die Blätter sprießen und die sich als ringförmige Verdickung zeigen. So bezeichnet man auch oft die künstlichen Verdickungen an Stäben, die gleichwohl mehrere Ursachen haben können als Dekoration, Tradition, Verbindungselement oder als Hinweis auf einen ursprünglichen Rohrstock.

Übergänge zwischen den Formen

Diese Typologie differenziert nach den Formen des Stabes, daher zeigen sich ursprüngliche Eigenschaften des Materials oder der Kräfte nur angedeutet oder indirekt. Äußerlichkeiten wie Krümme oder Knoten können auf ein biegsames Material oder ein hohles Rohr schließen lassen, können jedoch täuschen.

Griechischer Kerykeion 39) und römischer caduceus 40) sind im Prinzip identisch, werden jedoch über die Jahrhunderte äußerst unterschiedlich dargestellt. Je nach Genauigkeit einer Darstellung ist es schwer oder auch unmöglich ähnliche Symbole zu unterscheiden: zwei Spitzen könnten Triebe sein, eine Mondsichel, stilisierte Schlangen 41). Die Darstellung mit zwei Schlangen - bis heute Zeichen der heilenden Berufe - ist die jüngste und vieldeutigste, sie vereint: den Äskulapstab, den Patriarchenstab Kerykeion, den Bischofstab von Otto von Bamberg, den Caduceus von Hermes, Merkur, Turms, die Stäbe von Moses und Aaron, die Stäbe der ägyptischen Pharaos und Magier. Ob der Schlangenstab in Ägypten (dem Mutterland der Magie und Chemie) wurzelt oder in Mesopotamien 42) sei dahingestellt.
Ältere Darstellungen zeigen Halbkreise und Kreise, die sich als Sichel, Mond, Sonne oder Acht deuten ließen. Die Vielzahl der Caduceus-Formen hat de Waele zusammengestellt und geordnet 43) und führt die abstrahierten geometrischen Formen letztlich zurück auf den `gegabelten Ast´, dessen lange Zweigspitzen mehr oder weniger gekrümmt, gebogen, verzwirbelt wachsen oder so geformt werden. Stäbe, denen diese natürliche Form des Astes noch anzusehen ist, führt der etruskische Reisegott Trums und selten sind sie auch in griechischen Motiven zu finden 44). Die verzwirbelte Astgabel dient oft auch als Symbol für den Blitz.

Der Stab als Zeichen und Symbol

Der Stab als Informationswerkzeug

Bei dieser Art von Stäben geht es nicht um Kraft, Hebel oder Drehmoment. Diese Art von Werkzeug setzt Regeln und Normen in einer Gesellschaft voraus; diese festzusetzen und durchzusetzen erfordert Herrschaft; sie zu verstehen erfordert Bildung.

Informationen … durch Beispiel
… erfassen Vergleichen Elle, Jakobsstab, Meßstab
… erfassen Skalieren Meterstab, Zollstock, Messlatte
… speichern Zeichnen Buchstabe, Runenstab,
Eibenstäbe mit Ogham-Schrift,
Kerbholz (lat. festuca)
… anzeigen Systemwissen Zeiger, Polstab (Sonnenuhr), Richtungsweiser …
… anzeigen Systemwissen Schulzenstab als Einladung
mit Kerben als Zeichen des Erhalts

Bis ins 19. Jahrhundert ersetzten Zeichen und Riten das Lesen und Schreiben. Wollte der Dorfschulze die Gemeinde zusammenrufen, so ließ er einen geschälten Weidenast von Haus zu Haus gehen, in den jeder seine Hausmarke bestätigend einritzte: »De Knüppel geit um« 45). Dieser Brauch scheint uralt zu sein, denn er findet sich von Litauen bis Island 46) als:

  • Schulzenhand, Schulzenkeule in Pommern, Schulzenstock in Siebenbürgen
  • Kringel, Kriwule, Grivule in Ostpreussen;
  • Kull(e) in Ostpreussen, Klapak (Köppel, Schlägel) bei den Sorben, Kunna in Polen, Klucke, Kluka (`Krummholz´) in Pomerellen und Tschechien;
  • buokafli auf Island, buthkafli in Skandinavien, budstikke in Norwegen
  • Nabastock (> Drehholz, Nabenstock), Tingvol in Schleswig

Seine Bedeutung hat er als Botenstab, weil er ein Gebot darstellt, doch mahnt er durch seine bäuerlich-derbe Form auch mit an Gewalt. Als »kafli« verweist er auf eine Urform `Kiefer´, die sich in den gekrümmten Formen von Kringel und Kriwule erhalten hat 47). Als Amtszeichen wurde er zum baculus nuntiatorius oder tabellarii, zum Kerykeion und Caduceus.

Der Stab als Kennzeichen für Gruppenzugehörigkeit

In der griechischen Mythologie schenken die Musen dem Hirten Hesiod einen Krummstab zum Führen und Lenken 48). Die griechische Göttin Athene schenkt dem blinden Theiresias einen Krummstab als Blindenstock 49). Das σκῆπτρον skeptron (> Zepter) der griechischen Sänger legitimerte deren Auftritt vergleichbar dem rhabdos der Barden (rhapsodos).
An Stäben war erkennbar, ob jemand zu einer bestimmten Gruppe gehörte oder auch nicht. Dann dient der Stab als Kennzeichen im Sinne einer reinen Information über den Stabträger:

  • Der Äskulapstab kennzeichnete heilende Berufe, Ärzte und Apotheker 50)
  • Der Bettelstab, baculus mendici, im Schwedischen hieß der Bettler stafkarl, Stabkerl,
  • Der Knotenstock (»Stenz«, Knüttel, Knotenholz) kennzeichnete wandernde Gesellen.
  • Der Spazierstock als Zeichen für Freizeit zeigte in der Moderne an, dass man nicht arbeiten muss und Zeit verschwenden konnte, etwa als Flaneur.
  • Der Waller- oder Pilgerstab kennzeichnete Wallfahrer oder Reisende.
  • Der Ziegenhainer kennzeichnete Studenten.

Der Stab als Rechtssymbol und Insigne

In manchen Sprachen findet sich ein expliziter Begriff für `Stabträger´ 51) . Dann ist der Stab mehr als ein Kennzeichen und eine Auszeichnung mit Rechten oder eine Ausgrenzung mit Rechtlosigkeit. Die Gültigkeit der Zuordnung leitete sich dabei von einer höheren hierarchischen Macht ab; der Stab ist Insigne, die gegeben und entzogen werden kann.

  • Als Zeichen für erweiterte Rechte für Befehlshaber als Kommandostab (Stabsoffizier), Marschallstab.
  • Als Zeichen für Rechtsprechung: Den Stab zu zerbrechen, beendete einen Zustand, also einen Auftrag, ein Rechtsverhältnis oder ein Urteil des Richters. 52)
  • Als Rednerstab Zeichen für das Rederecht des Redners vor einer Versammlung.
  • Als Zeichen für beschränkte Rechte:
    Ein weißer Stab kennzeichnete immer ein außergewöhnliches Rechtsverhältnis:
    der Bettlerstab (Lasterstab) war weiß (»an den weißen Stab kommen«, besagt eine alte Redensart),
    Verstoßene erhielten einen weißen Stab,
    aber auch Büttel, Boten und Botschafter, weil sie auf fremdem Territorium rechtlos waren,
    ebenso Wächter an Schwellen nach außen.
  • Als Zeichen der Schwäche die Krücke oder Stütze für Alte und Gebrechliche und damit einhergehend dem Verlust von Rechten. Im germanischen Rechtssystem war nur der »ungestabte« rechtlich vollwertig.

Der Stab als Zeichen für Macht und Herrschaft

Als Zepter wird der Stab zum Zeichen für absolute Macht von Herrschern, Priesterkönigen und Gottkönigen. Einerseits zeigte das Zepter die Aufgabe des Königs sein Volk wie ein Hirte zu behüten. Andererseits wurde davon die delegierte Macht (»im Namen des Herrn«) abgeleitet und gleichfalls durch (geringere) Stäbe als Insignien symbolisiert. Indem sich der Besitz eines Zepter von einem höheren Wesen ableitet, wird es schwer, dessen Gültigkeit anzuzweifeln. Derart verbinden sich weltliche und geistige Macht und Machthaber (engl. rulers & dignitaries).

Der Begriff Zepter ist ein Lehnwort aus dem Griechischen σκήπτω `stützen´ und σκίπων, σκῆπτρον skeptron `Stab´. Wie die deutschen Begriffe `Schaft´ und `schaben´ führt dies zurück auf indogermanisches `(s)kā̆p-´, also `mit scharfem Werkzeug schneiden, spalten´, hier im Sinne eines abgeschnittenen Astes als Stab. Seine Bedeutung als Zeichen für absolute Macht im Sinne von `Zepter´ erfolgte in Europa in der römischen Antike, wo zuerst das `scipio eburneus´ als Insigne der `viri triumphalis´ erscheint, hat sich also als elfenbeinerner Stab weit entfernt von einem ursprünglichen Ast.

Älter ist das Zepter in den altorientalischen Gesellschaften. Herrschaft bedeutete zwischen Nil und Euphrat den Zugang zum Wasser zu kontrollieren. Ägyptische Göttinen tragen ein Papyruszepter mit glatten Blütenrändern, Götter und andere einen Lotosblütenstab mit gezackten Blatträndern, weil die Wasser-Hieroglyphe gezackt ist.

In den europäischen Waldgebieten konnte es ein solches zentrales System nicht geben. Der Herzog oder König zeigte hier stattdessen das Schwert und der nordische Gott Thor führt den Hammer.

Der Stab in Ritus, Kult, Magie

Vor den Eiben kein Zauber kann bleiben.
K.F.W. Wander, Deutsches Sprichwörter-Lexcon

In der »weißen« Magie ist der Stab kein Zeichen, an ihm hängen keine Rechte und er steht auch nicht für Macht, denn die magische Wirkung ist dem Stab nicht immanent, sondern dieser vermittelt lediglich zwischen seinem Benutzer und höheren Mächten, setzt also Fähigkeit und Bereitschaft voraus. Daher ist der Stab auch nicht heilig und kein Gottesstab, sondern ein in der Natur verfügbarer, der jedoch besondere Eigenschaften aufweisen muss und in ritualisierter Weise gefunden, geschlagen, hergestellt werden muss 53).

Dennoch gibt es eine Hierarchie der Benutzer:
Eine Lebensrute kann sich jeder suchen und damit sein Vieh schlagen;
der Kultstab setzt Zugehörigkeit zum Kult sowie Kenntnis der und Teilhabe an den Riten voraus;
der erfolgreiche Einsatz der Wünschelrute setzt eine gewisse Disposition des Benutzers voraus;
aber nur Berufene wie Hohepriester, Seherinnen, Schamanen in Zentralasien und Nordamerika (Poro) 54) können über den Zauberstab verfügen, wie dies in Goethes Zauberlehrling sehr anschaulich geschildert wird.

  • als Abwehrzauber zum Schutz vor »bösen Geistern« im Stall, über der Haustür, auf dem Misthaufen;
  • als Kultstab
    wie Pilum im Geburtsritus, Lituus, Bacchos (eleusinische Mysten) und Thyrsos (Dionysien) für die Teilnehmer; hasta fetialis, mit der die römischen Priester (Fetialen) einen Krieg erklärten;
  • als Lebensrute
    zum Beschwören der Fruchtbarkeit von Vieh und Feld 55) vor und nach dem Winter von Knecht Ruprecht zu Sankt Martin oder am Walburgiabend schützt das Vieh über den Winter bis zum Frühjahr, dann erfolgt das Austreiben mit derselben Rute;
  • als Gegenzauber: Noch im Mittelalter kämpften die italienischen Benandanti 56) als Boten des Guten mit den Stängeln des Riesenfenchels gegen Hexen.
  • als Reittier für Schamanen und Hexen (Hexenbesen);
  • als Hilfe zum Wahrsagen
    bei der Rhabdomantie mithilfe von Stäben (griech. ῥάϐδος rhabdos `Stab´);
  • als Wünschelrute (lat. virgula furcata, engl. dowsing rod) zum Finden oder Wiederfinden;
  • als Zauberstab (lat. virga thaumaturgica, engl. wand) zum Beschwören 57), wie ihn die griechischen Götter nutzen: Hermes, Kirke, Athena.
  • als Zerschmetterer wie die Mörserkeule (pilum) als Blitzsymbol des Jupiter (`Der Zerschmetterer´) und des Blitzgottes Pistor (`Der Zerstampfer´) 58)

Der Stab als Attribut von Gottheiten und Heiligen

in Arbeit

Kultur Archetyp Ur-Funktion Stab Merkmale Vorläufer
ägyptisch Osiris Vegetationsgott Krummstab Wedel
phönizisch Astarte
hebräisch Aaron Hohepriester(Aaronstab)blühender (Mandelholz)stab
etruskisch Turms Bote Astgabel
griechisch Asklepios Heiler Äskulapstab Schlangen
griechisch Chronos
griechisch Circe Zauberin Zauberstab
griechisch Hermes Bote Botenstab
Iris
römisch Bacchus Weingott Thyrsos Fenchelstängel
römisch Merkur Marktschützer Caduceus Hermes
römisch Janus liminal deitie Stab Schlüssel
römisch Urania Muse der Sternenkunde Zeigestab Himmelskugel
christlich Christophorus Träger
germanisch Hertha Erdgöttin Baldrianrute Blüte, hohl Frau Holle

Die kulturelle Bedeutung besonderer Stäbe

Der Stab bei den Germanen

Ein den antiken Herrscherstäben in seiner Bedeutung vergleichbarer Stab ist bei den keltischen und germanischen Völkern nicht zu finden, auch kein »Gottesstab«: Thor führte den Hammer, die Könige das Schwert. Außergewöhnliche Stäbe kennzeichneten die germanischen Seherinnen und waren vermutlich auch magisches Instrument, durch ihre Gestaltung aber kein Alltagswerkzeug. Namentlich bekannte Seherinnen sind Albruna, Ganna, Veleda, Waluburg; letztere findet sich auf einer Liste in Ägypten. Solche Seherinnen wurden als `Stabträgerin´ bezeichnet : altisländisch vǫlva, völva 59), gotisch Waluburg, langobardisch Gambara, Gambaruc 60). Abgeleitet werden `vǫlr´ und got. walus `Stab´ von einer gemeinsamen indogermanischen Wurzel `u̯el-7 , also `runder Stab'.

Die Saga von Erik dem Roten erwähnt im dritten Kapitel eine Seherin mit einem bemerkenswerten »Stab mit Knauf, Kupfer und Steinen«. Ein außergewöhnliches Frauengrab der Frühlatènezeit wurde in Reinheim gefunden. Ein darin enthaltenes fünfteiliges Objekt mit Bernsteinperlen und Silberketten mit Klapperperlen wurde als Stab einer Seherin gedeutet und verglichen mit einem spindelförmigen Gerät aus Bronze und Eisen aus Dürrnberg bei Hallein sowie zahlreichen weiteren ähnlichen Objekten 61). Die meisten 62) dieser Stäbe in Frauengräbern sind aus Eisen, 45 bis 82 Zentimeter lang, mit Bronzebeschlägen und zum Käfig aufgeweiteten Korb. Es liegt nahe, dass dort Seherinnen bestattet wurden 63).

Die Weissagung einer vǫlva bildet das erste Lied Voluspá der älteren Edda. Die Edda 64) berichtet, dass die Jötin Griðr (Gridur, Greth, Graith > `Gier, Heftigkeit´) dem Thor Waffen lieh, nämlich den Stab Gridarvölur, den Stärkegürtel und die Eisenhandschuhe. Solche Frauen mit Stab (vǫlva oder gandull) waren geachtet und gefürchtet, weil sie `ränkekundige Frauen´ (skollvis kona) sein konnten. Als »Walküren« sind sie sowohl Schutzengel als auch Todesengel, deren eine auch Göndul heißt, abgeleitet von gandr `Zauber, Zauberstab´ 65), das als Göndlir auch Beiname von Odin ist im Sinne von `Zauberstab, Phallus´ 66). Völva und Walküren sind Jungfrauen, virgines silvestres 67), die dem Kampfbereiten Waffen bringen. Wie andere Reisegötter sind die Völva also Beschützer und Begleiter an Übergängen, auch zum Jenseits.

Zu den magischen Ritualen (Seiðr) gehören Runenzauber, die Weissagung (Spádom) und útiseta. Letzteres ist eine Art nächtlicher Totenbeschwörung an Wegeskreuzungen 68). Die Rolle des Stabes bleibt dabei im Dunkeln, jedoch spricht die Fachwelt von Seiðr-Stäben 69) In der Edda und anderen Schriften findet sich wiederholt der Begriff `gandr´ für `Zauberkraft´. Ob diese an den `Stock, Stab´ gebunden ist, dieser also zum magischen Werkzeug wird, ist umstritten 70). Gandr, von indogerm. `gʷhen-2(ə)-´, bedeutet `schlagen´ im gewaltsamen Sinne von `kämpfen, töten´.

Ein kleiner sprachlicher Rest hat sich in der `Wallfahrt´ erhalten, denn das altfriesische walu-berа `Stabträger´ bezeichnet einen »Fahrenden Mann, Wanderer, Pilger, Wallfahrter«, Waller, also dessen spirituelle Ziele ohne Hinweise auf Macht oder Magie.

Hüter, Hirte, Herrscher: Krummstab

Der Stab mit Krümme (lat. volute, curvatura) ist ursprünglich ein Werkzeug und seiner Herkunft nach ein Hirtenstab (baculum pastorale), dessen Krümme dazu diente, die Tiere an den Beinen oder Hörnern zu halten und zu lenken. In der Heraldik ist der Schäferstab eine »Gemeine Figur«. Etwa mannshoch zeigt er als Funktionsteil eine Schaufel und einen abgerundeten Haken zum Ziehen.

Aarons blühender Stab - der Mandelzweig ( Num 17,18)) - wurde in der lateinischen Übersetzung `virga´ genannt und galt im Mittelalter als Symbol der wunderbaren Geburt Christi aus der Jungfrau (lat. virgo) Maria. Im sizilianischen Dialekt bedeutet `verga´ heute noch `Hirtenstab´. Die Ähnlichkeit von `Virga´ mit `virgo´ (Jungfrau), `vir´ (Mann), `viridere´ (grün) führt zu einer gemeinsamen ursprünglichen Bedeutung `jung, grün, lebendig´, so dass `verga´ nichts anderes ist als der junge und noch grüne Stock, der sich biegen lässt 71).

Jesus befahl den Aposteln ihren Stab zu nehmen und sandte sie in die Welt hinaus den Glauben zu verbreiten (»Aussendung«). Die Nachfolger der Apostel waren über Jahrhunderte hinweg »Gesandte Gottes« 72), also Wanderprediger, die den Stab als Wanderstock führten, bis die stabilitas loci zur Seßhaftigkeit rief und der Wanderstab in die Ecke gestellt wurde. Ein in der christlichen Kirche liturgisch verwendeter Stab wird erstmals 623-633 erwähnt 73) und entwickelt sich langsam zum heutigen Krummstab als Abt- und Bischofsstab 74); er steht für `lenken, aufrichten, strafen´ 75) und zeigt mit seinen Namen - oft mit dem Zusatz pastoralis - :

  • seinen natürlichen Ursprung aus lat. virga, also `Rute, Zweig, Ast, Gerte´
  • seinen primären Zweck als lat. pedum, also `Krücke, Stütze´ 76)
  • seine Werkzeugform als lat. baculus retortus, also `krummer Stab´
  • und gr. καμπύλη, also `krummer Stab´ 77)
  • sowie seine Herstellungsweise als cambuta (cambutta, cambuca, cambucca, gambutta, gabuta, cambotta, camputa, camboca, sambuca) 78), also aus indogermanisch kam-p- `biegen'.

Der Krummstab der Äbte und Bischöfe 79) kam vom Papst. Dieser scheint wie der Patriarch der Ostkirche ursprünglich zwei Stäbe geführt zu haben; zumindest einer einer kam »ex apparatu imperiali«, also vom römischen Kaiser und führt daher zum Lituus.

Der Lituus: hethitisch, etruskisch, römisch

Der Lituus des römischen Kaisers war ein stark gekrümmter bis spiralförmig endender Kultstab ohne Knoten, jedoch unten leicht verdickt 80). Dieser stand für weltliche Herrschaft aber auch für dessen Eigenschaft als Augur 81) zur Deutung des Vogelflugs 82). Unter Kaiser Augustus wurde er zum häufigsten religiösen Symbol und verdrängte den Thyrsos 83). Etymologisch wird `lituus´auf `krümmen, biegen´, aber auch `verbergen´ zurückgeführt 84). Der Sage nach soll der Stadtgründer Romulus damit die Bezirke der Stadt gekennzeichnet haben 85). Tatsächlich übernahmen die Römer diesen Stab von den Etruskern, deren Wurzeln zu den Hethitern führen 86). In der etruskischen Religion diente der Lituus als Kultstab und wurde dabei auch zum Werkzeug, weil damit die Himmelsrichtungen bestimmt wurden. Im Hieroglyphenluwischen (wie das Hethische zur anatolischen Sprachengruppe gehörig) ist der Lituus als Hieroglyphe HH 378 ungedeutet, findet sich jedoch beteiligt an den Begriffen für Auge, Pupille, beobachten, bewachen, kennen, finden, sehen und wird mit den Hieroglyphen für Oculus (Auge), Caelum (vom Himmel), Avis (Vogel) kombiniert , dann vereinzelt mit Bezug auf Augenheilung und den Sturmgott 87). Als Hieroglyphe steht der Lituus zu Beginn der Schriftentwicklung als symbolisches Zeichen 88)
Das zugrundeliegende Primär-Werkzeug kann kein Hirtenstab gewesen sein, da der Lituus durch Länge und spiralige Krümme dazu ungeeignet ist. Der Name ist in den Quellen gleichbleibend stabil, die Darstellungen im Wesentlichen ebenfalls.

Altorientalisch: Gamlum, Kalmus und Kalmi

Die ältesten Darstellungen von Stäben zwischen Anatolien und Zweistromland werden immer Herrschern und Göttern zugeschrieben, unterscheiden sich jedoch.

Der Kalmuš ist Attribut der hethitischen Könige von Hattuša und des Sonnengottes 89); etymologisch gedeutet als `Holzscheit´ aus einem indogermanischen `schlagen, hauen, schneiden 90) und wird meist mit dem Lituus gleichgesetzt, weil er stärker gekrümmt ist als der Gamlum. Krummstab (kalmus) und Krummschwert (engl. scimitar) waren die Attribute der hethitischen Herrscher. Beide wurden auch in Westschweden gefunden, als Felszeichnung in Bohuslän, und werden dort von einem Sonnenwagen getragen 91). Die ersten Götterstäbe (von Rasap, Hadda, Ilam, Kamis) werden im Kult von Ebla erwähnt, danach im Kult von Hattusa sind sie belegt für mehrere Wetter-, Schutz-, Berg- und Kriegsgötter 92).

Der hethitische Kalmi, Kalmar wird dagegen als `Feuerholz´ im Sinne eines Narthex gedeutet, also als ein Rohr (griechisch κάλαμος kalamos `Rohr´), in welchem Glut bewahrt wurde 93).
Ein kurzes gekrümmtes Wurfholz diente als Hilfsmittel bei der Jagd mit Falken; der Name ist unbekannt, ein Vergleich mit dem etruskischen Lagobolon möglich.

Zu den fünf königlichen Insignie der babylonischen Herrscher gehörten neben Krone und Bogen drei Stäbe: eine Keule, ein Zepter (ḫaṭṭu) und ein einfacher, langer und gerader Stab (šibirru) 94).

Der akkadische Gamlu, Gamlum (sumer. gam, zubi, zubu) war zwar auch Zeichen für Herrscher und für Götter, gleichzeitig aber auch Waffe und Werkzeug. Ein Siegel zeigt das Symbol kalbum, einen Hund mit Krummstab `gamlu´. Dieser zeigt zwar die typischen Knotenringe des Rohrstabes und am Übergang von Krümme und Schuss einen (verbindenden?) Doppelring, doch bedeutet akkadisch gamlu `Krummholz´. Das Symbol steht für magische Kraft, weil die Heilgöttinnen (z.B. Nininsina oder Ninkarak) auch als Beschwörerinnen auftraten; der Hund mit Stab ist das Symboltier der Gula und des Marduk 95). Das Gamlu kennzeichnet Exorzisten, die mit ihrem Gamlu als ğiš-­búr erlösend wirken. Sehr eingehend werden die vorderasiatischen Krummstäbe von Ambos & Krauskopf diskutiert und mit den etruskischen verglichen 96)

Die Ferula des Papstes in Rom

Der Stab des Papstes wird im 10. Jahrhundert »ferula quam manu gestabat« 97) genannt und ist kein Hirtenstab wie ihn die Bischöfe tragen sondern eine Ferula „ex apparatu imperiali“, also vom römischen Kaiser übernommen. Der Papst bedient sich des Bischofsstabes nur dann, wenn er sich auf dem Gebiet der Diözese Trier befindet, also dort wohin der Legende nach Petrus seinen Hirtenstab an Eucharius - den ersten Bischof von Trier - übergeben hat. Dieser Petrusstab wird heute im Limburger Domschatz aufbewahrt 98). Tatsächlich nutzte der Papst den Krummstab noch bis um 1200 99).

Statt des Krummstabes ist die »Ferula« (lat. Gerte, Rute, Stock) gerade und in den ältesten Darstellungen oben kugelförmig verdickt 100) - so wie der Petrusstab. Zum Kreuzstab wurde die Ferula erst später, zumal das Kreuzzeichen als christliches Symbol sich erst im angehenden Mittelalter entwickelte. Formal entspricht die Ferula des Papstes als Oberhaupt der Westkirche dem Kerykeion des Patriarchen als Oberhaupt der Ostkirche. Beide sind Rohrstöcke, weil sie ursprünglich aus einer pseudo-verholzenden Pflanze hergestellt wurden, etwa aus Riesenfenchel (ferula communis).

Kerykeion und Dikanikion des Patriarchen von Konstantinopel/Byzanz

Die altgriechische Stabbezeichnung Kerykeion (κηρύκειον kērýkeion) leitet sich mythologisch ab von einem Priestergeschlecht Kerykes, das von Keryx abstammt, dem Sohn des Hermes (daher auch κῆρυξ kēryx `Herold´) und der Pandrosos und bezeichnete ursprünglich das Amt der Opferschlächter 101). Der Stab des Hermes ist der `Caduceus´, also ein Tau-Stab; auf den ältesten Abbildungen noch ohne die später typischen Schlangen.

Die griechische Stabbezeichnung Dikanikion verweist vielleicht auf Dike, die Göttin der Gerechtigkeit, die ihren Stab zum Züchtigen einsetzte 102). Diesen »Stab des Patriarchen« - also des Oberhauptes der Ostkirche - führte dieser neben dem Hirtenstab 103). Dieser Stab zeigt (Abb.) oben zwei gegeneinander gerichtete Schlangen (die oft auf eine T-Form reduziert sind) 104) sowie sechs »Knöpfe« (Verdickungen, Knoten) auf seiner ganze Länge, die auf einen Rohrstock wie die Ferula hinweisen.

Die Stäbe von Moses und Aaron: Hirtenstab, Magierstab, Gottesstab

Hirtenstab und Ferula finden ihre Vorbilder in den Stäben von Moses 105) und Aaron 106), die mit ihren Stäben gegen die beiden ägyptischen Zauberer Jannes (der von Gott Gesandte) und Jambres (der Widerspenstige) (2 Tim., 3,8) und deren Stäbe kämpfen. Alle vier haben ähnliche Eigenschaften, sind vergleichbar stark und können ihre Stäbe in Schlangen verwandeln und zurück 107). Moses ist wie Jannes von Gott gesandt, Aaron und Jambres sind `widerspenstig´. Alle vier treten als Magier auf, also als `Wissende´, Heiler, Priester. Letztlich siegt Moses mit dem von Gott erhaltenen Hirtenstab (2 Mose 4,2-5). Dieser ist stärker als die `heidnischen´ Schlangenstäbe der Magier 108).

Die unterschiedlichen Stäbe spiegeln die Ambivalenz der Personen und ihrer wechselhaften Rollen, dabei spielen die Stäbe eine wesentliche Rolle: Zwar siegt der Gottesstab (Hirtenstab) des Moses über die Magierstäbe (Schlangenstäbe), doch führt Aaron weiterhin den Magierstab als Hohepriester: Herrscher und Hohepriester besetzen zwei Ämter. Die altägyptische Bezeichnung für Herrschaft, heqa ḥq3 wird durch das heqa-Zepter symbolisiert, einen Krummstab 109).

Das mit heqa fast identische Zeichen heka ḥk3 steht für `Magie´ und wird durch das was-Zepter symbolisiert, einen Schlangenstab, wie er seit etwa 3.600 v. Chr. belegt ist. 110).

Der Stab des Pharao wurde nach seinem Tod vor dem Sarkophag abgelegt. Der Stab des Hohepriesters Aaron wurde vor der Bundeslade abgelegt; die Stäbe von Papst (Ferula) und Patriarch (Kerykeion) werden ihnen vorangetragen - anders als der Krummstab. Der gekrümmte Hirtenstab kennzeichnet den Herrscher und Beschützer, die hohle Ferula den Magier und den Hohepriester.

Die Stäbe der Steckenkräuter: Ferula, Thyrsos und Narthex

Seit dem 18. Jahrhundert dient Ferula als Gattungsname der `Steckenkräuter´ in der Familie der Doldenblütler (Apiaceae) mit mehr als 150 Arten zwischen dem Mittelmeerraum und Zentralasien. Ursprünglich bezeichnete `Ferula´ lediglich die Fenchelpflanze `sesel´ und ist in diesem Sinne ein Lehnwort aus dem Arabischen `fiyārlah´ 111).

Der Riesenfenchel (heute: ferula communis) lieferte einen hohlen Stab, gerade gewachsen und mit den typischen Verdickungen (Knoten) eines Rohrstängels oder Rohrstocks. Theophrast 112) beschreibt diese Ferula communis, den bis zu drei Meter hohen und gelb blühenden Riesenfenchel mit einem zwar hohlen, doch stabilen Stängel, dieser heißt bei ihm Narthex (griechisch νάρθηξ) oder Thyrsos 113). Auch Euripides benutzt in seiner Tragödie die Bakchen die Bezeichnungen Thyrsos und Narthex synonym für Fenchelstängel.

Ferula, Thyrsos und Narthex sind fremde Lehnworte im Griechischen, weil sie mit Eigenschaften verbunden sind, die den Griechen neu waren. Es sind drei verschiedene Namen, weil hinter der gleichen Pflanzenart drei verschiedene Zwecke stehen. Der Stängel dieser pharmazeutisch und ökonomisch wertvollen Pflanze 114) wurde zum Symbol für die Macht des Heilens und zum Kennzeichen der Magier. Beschränkt auf den medizinischen Aspekt wurde er zum Äskulapstab (Caduceus) mit den zwei Schlangen und als hohler Rohrstängel (Ferula) zum Behälter (Narthex) für Arzneien (Galbanum) und Bücherrollen; in einer solchen bewahrte Alexander der Große seine Ilias von Homer auf 115). Und `Narthex´ hießen auch die medizinischen Werke von Heras, Cratippus, Soranus.

Die Ferula als Zuchtrute

Die Rute zum Züchtigen der Kinder und Sklaven wird bereits im Alten Testament erwähnt 116); es gab sie bis in die Neuzeit, wahrscheinlich in den meisten Haushalten; mit dem »Tatzenstecken« gab es Schläge auf die Handflächen oder Fingerspitzen, in Deutschland noch bis 1970.

Die Ferula war in der römischen Antike das mildeste Werkzeug zum Strafen und Züchtigen für Sklaven ebenso wie für Kinder und insbesondere in der Schule als »Zepter der Pädagogen« 117). Der getrocknete und wieder eingeweichte Rohrstängel der Ferula wurde elastisch und ermöglichte schmerzhaftere Hiebe (Tragödie), während der trockene Stängel auch bei heftigem Zuschlagen lediglich laut krachend zerbarst (Komödie).

Im deutschen Dialekt gab es das `Batzenferl´ 118) und im Englischen heißt der Rohrstock heute noch ferule im Sinne von `Zuchtrute´; fachsprachlich ist die Ferrule eine Metallhülse am Stabende. Eingeweicht waren die Ferulastängel elastisch und die Schläge schmerzhaft; trocken zerbrechen sie extrem laut ohne weh zu tun, solche Schläge waren scherzhafter Natur: »Warte nur, die Ruthe ist schon eingeweicht.« 119) Vor diesem Hintergrund wird Ferula wird oft von lateinisch ferire `schlagen´ hergeleitet. Das klingt belastbar, wird aber etymologisch abgelehnt 120); wahrscheinlicher ist ein Lehnwort aus dem Arabischen `fiyārlah´ 121).

Seltsamerweise wird auch die Vorhalle von Kirchen architektonisch mit Narthex und Ferula bezeichnet. Diese Vorhalle war für die Büßenden vorgesehen, die die Kirche nicht betreten durften und stattdessen angesichts eindringlicher Bilder - oft sind dort die drei Jünglinge im Feuerofen abgebildet - büßen sollten. Im Sinne von Narthex würde dort das Feuer aufbewahrt, im Sinne einer Ferula wäre es plausibel, dass sich die Büßenden hier möglicherweise mit der Ferula schlugen und sühnten 122). Die Selbstgeißelung als Buße und Sühne ist alt, denn »Flagellanten« gab es bereits im jüdischen Glauben, bei den Dionysien und im Isis-Kult.

Thyrsos: Der Rohrstock als Behälter

Mit diesem Stängel konnte man zwar schlagen, aber kaum verletzen und so wurden solche Rohrstöcke zum scherzhaften Schlagen beim wildem Feiern (Bacchanalien, Dionysien, Karneval) eingesetzt, dann aber meist Thyrsos genannt, weil dieser Name das hohle Rohr in seiner Nutzung als Trinkgefäß für `(neuen) Wein´ bezeichnet und aus dem Ugaritischen und Hethitischen ins Griechische gelangt ist 123). Teile des Kultes haben sich im Brauchtum bis heute erhalten. Auf der Insel Naxos stellen die Hirten (koudhounáti) aus dem Riesenfenchel »sómbes« her, die den Thyrsos-Stäben genau gleichen und tanzen damit beim Karneval lärmend durch die Straßen von Apíranthos. Der heutige Karneval soll auf die Dionysien zurückzuführen sein.

Nach Isidorus Hispalensis (ca. 560 - 636) hat der römische Weingott Bacchus (gr. Bakchos, Βάκχος) den Stab (baculus) eingeführt 124). Die Bacchanten (auch: Narthekophoren, Thyrsophoren) nutzten den »Bacchos« bei den eleusinischen Mysterin ebenso wie Anhänger des griechischen Weingottes Dionysos den Thyrsos bei den Dionysien 125) und feierten die Hochzeit von Dionysos und Ariadne. Beide Kulte zeichneten sich aus durch zügellose Ausgelassenheit, im Sinne von `Wein, Weib und Gesang´ 126).

Narthex: Der Rohrstock als Feuerzeug

Als Narthex 127) wird die Bedeutung der Ferula als Behälter (Akkadisch > talm. nastik und nartik `Büchse´, hebr. nār >Licht, Lampe) für Feuer (arabisch `nar´) 128) betont, denn der Sage nach soll Prometheus den Menschen das Feuer in einem Fenchelstängel gebracht haben: »Iápetos’ Sohn (Prometheus), der berühmte, stahl dem allweisen Zeus nun dieses zurück für die Menschen in einem hohlen Narthex, dem Donnerfrohen verborgen.« 129). Tatsächlich läßt sich das trockene innere Mark entzünden und glimmt dann stundenlang ohne das Rohr zu beschädigen. So diente es unter anderem den Seeleuten als Feuerzeug. 130). Dies zeigt an, dass der Narthex etwas Neues war, das die üblichen griechischen Begriffe für `Behälter´ nicht vermittelten, also etwa der Rohrstängel als Glutbehälter: »Zu den Wundern Ägyptens ge­hört ein Kraut, das man al Dis 131) nennt. … es wird wie die Kerze angezündet, dann löscht man es aus und es bleibt so die ganze Nacht. Wollen sie es benutzen, so nehmen sie sein Ende und drehen es um wie ein Michrâq (miḫrāq, Spielschwert) und es brennte« 132). Schon die vorchristlichen hebräischen Schriften wie Talmud und Targum erwähnen wiederholt den Narthek als `Lichtbehälter´, δηπη 133). »Das Sumerogramm GIBIL6, bestehend aus GI „Rohr“ und BIL „Brennen“wird auch als Götternamen d-GIBIL4 gelesen und als das vergöttlichte „brennende Rohr“, „das brennende Schilf“ gedeutet« 134).

Die Säfte der Steckenkräuter: Silphium und Galbanum

Das Galbanum (auch: Galmum) der Bibel (Ex 30, 34) ist ein Harz, das aus »Silphium« gewonnen 135) wurde. Die Silphiumpflanze ist aus antiker Zeit als Ferula überliefert und durch Abbildungsvergleiche als solche bestätigt worden 136). Deren Saft war wohlriechend (odos), wohlschmeckend und neutralisierte viele Gifte 137). Als »Mutterharz« wurde es bei Frauenkrankheiten verwendet und erleichterte die Geburt; wahrscheinlich wurde auch ein Verhütungsmittel daraus hergestellt 138), ebenso Abtreibungsmittel 139). Im Judentum durfte es nur innerhalb des Jahwe-Kults - dessen Hohepriester Aaron war - als Räucherwerk benutzt werden, formal also dem Weihrauch vergleichbar. Bei den Touareg galt es als »Enthexungsmittel« und wurde bei exorzistischen Riten als Räuchermittel verwendet 140). Die Region um Cyrene wurde damit reich, denn das Harz wurde nach Plinius mit Silber aufgewogen. Der Stängel dieser pharmazeutisch und ökonomisch wertvollen Pflanze wurde so zum Symbol für die Macht des Heilens und zum Kennzeichen der guten Magie. Beschränkt auf den medizinischen Aspekt wurde er zum Äskulapstab (Caduceus) mit den zwei Schlangen und als hohler Rohrstängel (Ferula) zum zylindrischen Behälter (Narthex) für Wein, Arzneien (Narthecium), gerollte Dokumente und als Feuerzeug; er diente zur Vertreibung böser Kräfte insbesondere nach dem Ende des Winters in Bacchanalien, Dionysien und im Karneval, war Lebensrute und Zuchtrute.

  • Hebräisch Chelbeneh > griechisch Chelbane 141), Chalbane > Galbanum erklärt sich aus hebr. chelb `Milch, Schleim, Gummi´ und könnte durch lateinisches galbanus `grüngelb´´ geformt worden sein 142).
  • Die Griechen nannten die der Petersilie ähnlichen Blätter `maspetum, maspeton´; Stängel/Wurzel `magydaris´, die Pflanze `metopium´.
  • Die Römer nannten den Saft Laserpitium und das Harz Laser.
  • Die Touareg nannten es Fásūh, Hilbina 143).

Exkurs: Die Nachfolger des Silphium

Das antike Wundermittel Silphium wuchs ausschließlich in der heutigen libyschen Provinz Kyrenaika an der Grenze zu Ägypten. Hier lebten Berber, es herrschten Phönizier, Griechen und Ägypter; diese Kulturen nutzten die Pflanze. Nach dem Aussterben dieser Pflanze suchte man nach Pflanzensäften und Harzen bei verwandten Arten, auch solchen aus entfernteren Regionen wie Syrien, Iran und Pakistan, etwa Ferula gummosa 144), so dass zwar weiterhin Galbanum angeboten wurde, jedoch waren diese Sorten nicht identisch mit dem antiken Galbanum 145). Es ist daher nicht offensichtlich, welche Bezeichnungen sich wann und wo auf welche Ferualaart oder welches Harz beziehen 146). Die Vieldeutigkeit gab es bereits in der Antike. Bereits Theophrast 147) verwies darauf, dass es im syrischen Raum die Pflanze Magydaris 148) gäbe, die zwar kein Silphium sei, jedoch auch so genannt würde. Diese Verhältnisse haben sich in Algerien erhalten149):

  • Magydaris tomentosa Koch = Kabyl. Berb. Ouffel; Arab. K'elakh, Kelek'h
  • Ferula communis = Kabyl. Berb. Ouffal; Arab. Kelkha, Besber-Ar'ami

Die vielen Ferulaarten im arabischen Sprachraum 150) führen zu einer kaum überschaubaren Begriffsvielfalt mit arabischen, persischen und berberischen Wurzeln 151):

  • kašam kunğah, šiminjti qanah, zarī´ aθu `il kalhu, zawfirrāh 152), Kalh, Kelkha, syrisch qelahllaha
  • Im marokkanischen Arabisch heißt das Harz: ilk el kelakh, علك الاكلخ, Fessoukh, Ouchk oder ähnlich zur Wurzel L-fasuh, Ammoniacum, Gummiharz von Ferula communis,
    jedoch l-hantita, Asant, Gummiharz von Ferula Assa (asa `hart, dürr´) foetida 153)
  • in Andalusien Elkinnat 154)

In der Gegenwart finden sich für die ferula communis die Bezeichnungen 155):

  • Marokk. Arabisch: Besbâs h'arami, Kelkh(a), Kechboûr;
  • Marokk. Berber.: Aboubal, Aouli, Kechbour, Ouffal, Taddrat (die Dolde), Taggou(e)lt, Tarel'ra, Touf(f)alt, Zekelak
  • Boubal 156), Fassoukh, Takoult, Lkellikha 157)
  • Anatheka (Zypern), Ferolaggine, Finachiaccio, Finocchiacchio (Italien), Canaheja (Spanien) 158)

Identisch bei wechselhafter Schreibung erscheinen:

  • für Kalh: K'elakh, Kelek'h, Kelakha كلخة|, Kelkh(a), Lkellikha
  • für Qanna: qinna, Elkinnat, (šiminjti) qanah, qanā
  • für Galbanum: Chalbani, Chelbeneh

Identisch bei unterschiedlichen Sprachwurzeln sind :

  • arabisches Kalh, assyrisches Qanna, Qanu (assyr.), Käneh (hebr.)
  • Asal 159) al-quinna `Galbanumhonig´ mit röm. Laserpitium als flüssigem Galbanum `qinna sā‘ ila´

Namen, Produkte und Pflanzenarten

Name identisch mit Produkt Botanisch
Anedjouane
انجعان
Angudān
Anjudān
Blätter? Ferula assa-foetida L., Apiaceae
Teufelsdreck, Devil's Dung
Hantita Hiltīt, Hinetite حينطيط Harz Ferula Asa foetida
`ud ar-riqqa Mahrāt Wurzel Silphium? Ferula Asa foetida?
Kalh (1) Kelakha كلخة Pflanze Ferula communis L., Apiaceae
Riesenfenchel, Giant Fennel
L-fasuh Fassoukh Harz, »falsches
gummi arabicum«
Ferula communis
aus dem Maghreb
sukk Parfum, »mixture
employeé en magie« 160)
Oberbegriff?
zarī´ aθu `il kalhu sīsālīyus? Same Kalh
Kelkh(a) berb. Zekelak der trockene Stängel
Kalh (2) qinna‘, qanna Harz, Galbanum Ferula narthex, Apiaceae
Tsamkh-n-echaderi Pflanze Ferula tingitana L., Apiaceae
(w)uschschaq wuššaq (g),
uššaq, atmag
`Ausscheidung´
Harz, Ammongummi
Oberbegriff? Dorema ammon.
Ferula tingitana L. u.a.
Pers. Sakbīnah Sikbinadsch Harz Ferula persica, Apiaceae
(tal-)bārzad, bāzard pers. bīrzad
tabari
Harz Ferula galbaniflua B.& B.,
Apiaceae
Besbâs h'arami
Besber-Ar'ami
arab. basbās
pers. rāziyānah
Pflanze Fenchel
Foeniculum vulgare
besbas Fenchel
hārmākaraht ein indisches Heilmittel
Touf(f)alt tūfālt Pflanze Thapsia villosa L., Apiaceae
zarira Pflanze Acorus calamus, Kalmus
zawfirrāh zūfarā Pflanze Echinophora tenuifolia
(Umb), Apiaceae
ilk `ilk Harz Oberbegriff
kašam kunğah kundur, χόυδρος Weihrauch Oberbegriff

Die Evolution der Stäbe

Alltagstätigkeiten drehen sich primär um Nahrung, Wärme, Schutz gegen Umwelteinflüsse wie Wind, Regen, Kälte, Hitze sowie Fortplanzung und Schutz der Gemeinschaft vor Bedrohungen. Nahrung bedeutete ursprünglich sammeln mit dem Grabstock, jagen mit dem Spieß, zerkleinern von Wurzeln mit der Mörserkeule usw. Die aus dem Stock entwickelten Stabwerkzeuge zeigen die Entwicklung der Menschheit vom Sammler und Jäger über nomadische Viehtreiber zum sesshaften Hirten und Ackerbauern. Die Stabwerkzeuge ermöglichten das Hüten, Jagen, Strafen, Transportieren und Feuermachen, und später getreidewirtschaftlich das Dreschen und Stampfen. Die Nutzung im Alltag bestimmte die primäre Gestalt des Stabwerkzeugs.

Der Stab als Mittel zum Überwinden natürlicher Grenzen

Der Stab als einfaches mechanisches Werkzeug
… verhalf zu Nahrung und sicherte das Überleben. Der bessere Stab und die bessere Technik im Umgang damit brachten Vorteile, also war der Stab gleichzeitig Zeichen für Überlegenheit. Die Quelle dieser Überlegenheit musste höheren Mächten zugeschrieben werden, solange der Verstand keine technische Analyse der Zusammenhänge erstellen konnte. Die Vielfalt der unterschiedlich geeigneten Materialien und die zahlreichen daraus erstellbaren Formen ermöglichten immer wieder neue technische Anwendungen. Im praktischen alltäglichen Anwenden werden Werkzeuge seit je ergonomisch erprobt und nachfolgend optimiert, denn ein Werkzeug das denselben Nutzen mit geringerem Aufwand liefert, wird bevorzugt.

Der Stab als Transporthilfe:
Nahrung ist manchmal im Überfluss verfügbar, etwa durch Obsternte, Pilzschwemme, große Jagdbeute. Dann sind Behälter für das Sammeln, Transportieren und Lagern erforderlich: ein Tierbalg, ein Bastnetz, ein Korb usw. machen den Menschen zum Lastenträger.
Im nächsten Schritt bilden Stäbe und Behälter eine neue Einheit, das »Gepäck« und führen zu Tragestangen, Stangenschleife und Schlitten, zu Kiepe und Rucksack, zu Walze und Rolle.
Der ergonomische Transport höherer Lasten durch erweiterte Tragetechniken ermöglicht eine höhere Mobilität und Vorsorge durch das Horten von Vorräten.

Der Stab zur Energieerzeugung:
Die Kunst, mit einem Drehstab Feuer durch Reibung auf einer hölzernen Unterlage zu erzeugen, ist weltbekannt, die Anforderungen an das dazu nötige technische Verständnis sind minimal: einmal gesehen, sofort verstanden. Technisch betrachtet wird das übertragene Drehmoment maximal in Reibungswärme umgewandelt. Als optimiertes Gerät erhält der Drehstab eine Führung, mehr Druck durch eine Last und einen stärkeren Antrieb über die Sehne eines Bogens. Dieses Gerät war nicht nur Feuerbohrer sondern erweiterte die technischen Möglichkeiten durch einen neuen Werkzeugtyp, denn damit konnten auch runde Löcher gebohrt werden, etwa zur Herstellung von Spinnwirteln.

Der Stab zur Energieübertragung:
Das Verzwirbeln von Fasern erzeugt Fäden, aus Fäden oder Rindenbast können Seile gedreht werden, dabei vereinfachen spezielle Stäbe - Seilerlehre, Handspindel mit Spinnwirtel - die Herstellung. Im Unterschied zu anderen Stabwerkzeugen kommt es hier auf gleichmäßige Rotation an. Dabei wird das Produkt geformt, indem ein Drehmoment zerstörungsfrei übertragen wird. Eine höhere Drehmomentübertragung findet auch auf der drehbaren Töpferscheibe statt, weil eine stabförmige Achse mit der runden trägen Scheibenmasse form- und kraftschlüssig verbunden ist.
Drehmomentübertragung plus Transporthilfe plus Behälterkonstruktion ermöglichen die Idee des Wagens.

Der Stab zum Überwinden des Gegners

Die ursprünglichsten Werkzeuge wurden zu den ersten Waffen. Die Stäbe konnten das Leben vereinfachen, zu wirtschaftlichem Erfolg führen oder zu mehr Macht verhelfen. Dasselbe Gerät konnte nützliches Werkzeug sein oder tödliche Waffe. Gerät, Waffe und Tätigkeit wurden in archaischer Zeit als Einheit gedacht. Das griechische όπλα und das lateinische arma bezeichnen sowohl `Gerät´ als auch `Waffe´ und leiten sich ab von der kraftausübenden Tätigkeit des Armes (lat. armus). Es scheint, als diente jedes Alltagswerkzeug auch als Waffe, so in der griechischen Mythologie:

  • Dionysos bringt den Giganten mit einem efeuumrankten Stab um 161).
  • Echelatos schlägt mit dem Pflugstab 162).
  • König Laios verletzt Ödipos mit dem Ochsenstecken 163). .

Es waren hölzerne Stabwerkzeuge, die im Ausnahmezustand zu Waffen wurden. Anders verhält es sich, wenn von eisernen Stäben die Rede ist. Biblisch droht Jesus damit, die Völker `mit eisernem Stab´ zu hüten (Off 2:27; 12:5; 19:15). Da der schwere Eisenstab offensichtlich als Hütewerkzeug ungeeignet ist, wurde er als Waffe hergestellt, die eindeutig Gewalt verkörperte und nicht ambivalent war wie das Werkzeug. Der umgekehrte Gedanke wird ebenfalls in der Bibel beim Propheten Micha ( Mi 4,1–4 LUT) geäußert und bis heute als Gedanke des Friedens zitiert: »Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen.«
Sprichwörter belegen jedoch, dass auch der Volksmund im Alltag eher an Gewalt und Kampf dachte, wenn es um Stöcke ging 164):

  • Eine Gerte ist gut, ein Knotenstock besser.
  • Wenn ein Knüppel zum Schlagen kommt, so schlägt er hart.
  • Wiltu dich schlahen, kempffen, rauffen, .. nimb deins gleichen, denn grösser keulen brengen gross schleg vnd grösser bewlen.
  • Sachte mit der Gabel, sie macht auf drei Stiche neun Löcher.
  • Kein Spiess macht solche Wund', als gift'ge Zung' und böser Mund.
  • Es gibt mehr Spiessruthen als Lorbern.
  • Die Ruthe für die kleinen Kinder, den Stock für die grossen Rinder, der Tod für die argen Schinder.
  • Der Stab des Hirten soll an beiden Enden ein spitzes Eisen haben.
  • Ein Stock in der Hand wirkt mehr als zehn an der Wand.
  • Du bist mein Stecken und mein Stab, sagte der Mann, als seine Frau ihn schlug.

Stäbe der Macht

Die Vielfalt der Formen lässt erkennen, dass jeder Stab vom einfachen Werkzeug zu einem Objekt wurde, dem über die praktische Nutzung hinaus zusätzlicher Wert und eine erhöhte Bedeutung zugemessen wurde. Je mehr der Stab zum Zeichen und Symbol wurde, je mehr Magie und Herrschaft er verkörperte, desto mehr abstrahierte seine Form das ursprüngliche Werkzeug, wurde Insignie, Zauberstab oder Zepter. Umgekehrt sollte sich also jede Stabform auf eine ursprüngliche zurückführen lassen. Wiederholt lässt sich beobachten, wie sich ein einfaches Werkzeug über eine vielfach optimierte Waffe zum Symbol und zum Kultstab ausdifferenzierte:

Die symmetrische Mörserkeule war ein Werkzeug vornehmlich der Frauen und perfekt zum Stampfen der Getreidekörner. Dennoch wurde sie auch zur archaischen Waffe der Salii. Werkzeug und Waffe hießen `pilum´, ebenso wie der spätere Kurzspieß der römischen Legionäre. Schließlich wurde das pilum zum Kultstab im Geburtsritus `pilo ferire´ zur Abwehr des Waldgottes Silvanus 165).

Die römische hasta war in ihrer ursprünglichen Form nichts weiter als ein einfacher, kurzer Viehspieß zum Steuern des Viehs, zum Stochern oder als Partholz zum Ärgern, also ein vorne angespitzter Stock, die `hasta pura´ und begründete eine Waffengattung:
Mit im Feuer gehärteter Spitze wurde sie zur hasta praeusta und mit einer Eisenspitze zur hasta ferrata. Längere Lanzen hießen hasta longae, solche zum Werfen hasta velitaris und als Speerschleuder hasta amentata.
Die Hasta galt als sagenhafte Waffe des Romulus, die aus einer Cornusart hergestellt war, vielleicht als virga sanguinea (Kornelkirsche oder roter Hartriegel) und wurde über diese mythische Überhöhung zur frühesten Insigne der römischen Könige und zur Auszeichnung für Tapferkeit bei den Legionären.
Mit der hasta fetiale erklärten die Priester (Fetialen) den Krieg, indem sie sie auf Feindesland warfen.
Mit einer aufgestellten hasta zeigte die Obrigkeit das Recht auf Verkäufe (hasta frumentaria), Versteigerungen und Plünderungen (hasta cruenta) oder Gerichtsverhandlungen (hasta judicium) an.
Die Haare einer Braut mussten mit der hasta coelibaris gekämmt werden, einer Lanze, mit der bereits getötet worden war 166).

Der Krummstab bestand ursprünglich aus krumm gewachsenen Holz mit Ast- oder Wurzelansatz, denn dass Holz sich formen lässt, muss erst gelernt werden. Als Werkzeug muss er an seinem geraden Ende gehalten werden und die Krümme darf weder zu stark noch zu schwach sein. In jedem Fall ist er so alt wie das Halten von Nutztieren, während das nur leicht gekrümmte Lagobolon als Wurfholz zur Kleintierjagd weit älter sein kann. Die aus beiden Wurzeln abgeleiteten Formen wie etruskischer r-Stab und Lituus, hethitischer Kalmuš, akkadischer Gamlu eignen sich nicht mehr zum Jagen und Hüten, sondern dienen als Ausdruck von Stand, Amt und Macht. 167).

Wissen zur Macht

Den Künsten des Kampfes und des Handwerks ging die Suche nach dem richtigen Stab voraus und führte in das Reich der Pflanzen. Das Wissen über deren Eigenschaften - auch als Nahrungsmittel oder Pharmaka oder Gifte - lag bei Schamanen, Magiern, Hohepriestern oder weisen Frauen, die den Kriegern die Waffen brachten wie es die Walküren taten - der Stab war das Symbol ihrer Kraft. Weltliche Macht musste sich also auch aus dieser höheren Macht ableiten lassen und verband diese über Erzählungen, Mythen, Kulte und Rituale mit den der Pflanze innewohnenden Mächte, die heilsam waren oder tödlich wie die vergifteten Eibenpfeile der Germanen. Die Ambivalenz beim Herstellen und Verwenden von Stäben spiegelt sich in Bedeutungspaaren wie etwa:

Werkzeug Waffe
Hirten Helden
LebenTod
KraftSchwäche
Lebensrute Zuchtrute
Zugehörigkeit Ausgrenzung
gerade krumm
hart hohl
sichtbar verborgen
oben unten
WipfelWurzel
Himmel Erde
Herrschaft Magie
rulersdignitaries
Pharao Magier
Bischof Papst
Jannes Jambres
Moses Aaron

Anhang

Museen, Ausstellungen

Stockmachermuseum Lindewerra seit 1980

Der Spazierstock mit Geheimnis. Die unglaubliche Welt der Systemstöcke.
Spielzeug Welten Museum Basel
Sonderausstellung 18. April 2020 – 4. Oktober 2020

Desiderata der Forschung - Notizen

Mit dem Lituus wurden die Himmelsrichtungen bestimmt. Wie machte man das? War der Lituus Peilstab, Jakobsstab oder Teil einer Sonnenuhr? Welche Rolle spielte dabei seine Krümme?

Etymologisch zu prüfen wäre ein möglicher Zusammenhang zwischen dem etruskischen Turms, dem armenischen Tirs und dem Thyrsos über das indogermanische ter-4 `hinübergelangen, hindurchdringen; überqueren, überwinden, überholen, hinüberbringen, retten' im Sinne eines Fährmanns, Psychopompos.

Eine vergleichende Übersicht der skandinavischen Stäbe - insbesondere der möglichen Seherinnen-Stäbe - fehlt trotz ihrer nach Material und Form völlig isolierten Stellung innerhalb der Stäbe.

Die hebräischen Begriffe für `Stock, Stab, Rute´ sind weitgehend synonym aus biblischen Belegen übersetzt worden, dabei wurden präzisere Bedeutungen abgeschliffen: schévet (3Mo 27:32), mattéh (Jes 28:27), maqqél (1Mo 30:37; 1Sa 17:43), mischʽéneth (Ri 6:21; 2Kö 18:21), ʽez (Baum, Schaft) (2Sa 18:14; 21:19); einzelne Deutungsansätze bei Fraenkel 168).

Die Fachliteratur sagt verschiedentlich aus:
Nach der Kirchentrennung führten sowohl der Papst als auch der Patriarch zwei Stäbe.
Die Ferula des Papstes sei kleine Ferula.
Die Ferula des Papstes ist kein Krummstab, da der Papst seinen Krummstab abgegeben hat.
Die Ferula habe der Papst vom römischen Kaiser, ist offizielle Darstellung vatikanischer Quellen.
Der römische Kaiser führte keine Ferula, sondern das scipio eburneo (vermutlich etruskisch) und den Lituus (etruskisch).
Der Patriarch führt neben dem Krummstab den Caduceus, mit Merkmalen der Ferula (6 Knoten) und des Taustabs (2 Schlangen).
Der Krummstab ist der Gottesstab des Moses; die Ferula ist der Stab der Hohepriester (Aaron) und Magier.
Wie geht das zusammen?

Literatur

Dieter W. Banzhaf
Stöcke. Symbole der Macht und Hilfsmittel
Eigenverlag Heilbronn 2011
Romuald Bauerreis
Abtstab und Bischofsstab
In: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige
Band 68, 1957, ISSN 0303-4224, S. 215–226
Joseph Braun SJ
Bischofsstab (und Abtsstab)
In: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte. Band 2
Druckenmüller, Stuttgart 1948, S. 792
Franziska Dick
Lituus und Galerus
Dissertation Universität Wien, Wien 1973
Catherine Dike
Les cannes à système un monde fabuleux et méconnue
Paris; Genève: Ed de l'amateur, 1985
Frederick Feulner & Sönke Hartz
Ein Loch, sieben Ecken und 280 Kerben
Der Kultstab von Grube-Rosenhof in Ostholstein
In: Archäologische Nachrichten aus Schleswig-Holstein 2011 S. 22–25
Frederick Feulner
Die mesolithischen durchlochten Geweihstangen im südwestlichen Ostseeraum
Starigarder Jahresberichte des Fördervereins des Institut für Ur- und Frühgeschichte
CAU Kiel Bd. 6 2005 S. 7–14
Friedrich Focke
Szepter und Krummstab. Eine symbolgeschichtliche Untersuchung
In: Wilhelm Tack (Hrsg.): Festgabe für Alois Fuchs zum 70. Geburtstage am 19. Juni 1947
Schöningh, Paderborn 1950, S. 337–387
David Grant; Edward Hart
Shepherds' crooks and walking sticks
Skipton : Dalesman, 1995
Ali Hassan
Stöcke und Stäbe im pharaonischen Ägypten bis zum Ende des Neuen Reiches
(Münchener ägyptologische Studien, 33) München Dt. Kunstverl. 1976
Klauser, Theodor
Der Ursprung der bischöflichen Insignien und Ehrenrechte
Scherpe Krefeld 1953
Ulrich Klever
Stöcke
München : Heyne, 1980
Hans Nebel, Dieter W. Banzhaf
Der Stock als studentischer Dedikationsartikel
Einst und Jetzt, Bd. 60, 2015 S. 27–40
Nersinger, Ulrich
Der Kreuzstab des Papstes
L'Osservatore Romano 21. März 2008, S. 7
Nersinger, Ulrich
Insignien und Gewandung des Papstes einst und jetzt. Ferula und Kreuzstab
in: Pro Missa Tridentina Nr. 26, Juni 2003
Kurt Pieper; Adolf Rühe
Die Stockmacherei als Hausgewerbe im Werra-Leine-Gebiet
Göttinger Studentenschaft
Schriftenreihe des Hochschulkreises Niedersachsen., Hochschulkreis, 1935; 2
Anne Viola Siebert
Lituus
In: Der Neue Pauly (DNP)
Band 7, Metzler, Stuttgart 1999, ISBN 3-476-01477-0, Sp. 365–365
Salomon, Pierre
Mitra und Stab – Die Pontifikalinsignien im Römischen Ritus
Mathias-Grünwald-Verlag Mainz 1963
Sybille Schneiders
Baculus pastoralis
Bischofs- und Abtstäbe des 5. bis 12. Jahrhunderts in Irland und auf dem Kontinent
Typologie und Chronologie, Herkunft und Verbreitung, Besitzer und Gebrauch
Freiburg i. Brsg. 2017 (https://freidok.uni-freiburg.de/data/15776)
Adolf Leopold von Wolfskron
Der Bischofsstab, dessen liturgisch-symbolische Bedeutung und allmähliche Entwicklung seiner Gestalt
In: Mittheilungen der K.K. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale
Band 2, Nr. 10, 1857, ZDB-ID 220003-x, S. 256–262

2) , 10)
Biancamaria Aranguren etal.
Wooden tools and fire technology in the early Neanderthal site of Poggetti Vecchi (Italy)
In: PNAS. Vorab veröffentlicht am 5. Februar 2018, doi:10.1073/pnas.1716068115
3)
Rick Weiss
For First Time, Chimps Seen Making Weapons for Hunting
Washington Post 23.02.2007
4)
Jayne Wilkins et al.
Evidence for Early Hafted Hunting Technology
In: Science. Band 338, Nr. 6109, 2012, S. 942–946, doi:10.1126/science.1227608
5)
Das italiensche `zaino´bedeutet heute Rucksack, im Mittelalter war es der Weidenkorb.
6)
G. A. Fintelmann
Über Nutzbaumpflanzungen
Horvath, Potsdam 1856
7)
1. Moses 30:37, je nach Übersetzung Pappel, Storax, Mandel, Platane, in jedem Fall weißes Holz
8) , 16)
K.F.W. Wander, Deutsches Sprichwörter-Lexicon
9)
Ernst Stahl
Die Blitzgefährdung der verschiedenen Baumarten
Fischer, Jena 1912
11)
`Eberesche´ < gall. eburos ‚Eibe‘ < idg. *erebʰ- ‚ dunkelrötlich, bräunlich‘ wegen der Rinden- und Beerenfarbe; für Werkzeugstiele, Schlitten, Baseballschläger, Billard-Queues, Wagnerei und Schiffbau: Maste, Bäume, Pinnen.
12)
Ein 2,38 m langer Speer aus Eibenholz (»Lehringer Lanze«) bewies erstmalig, dass vor etwa 128.000 bis 115.000 Jahren Neandertaler mit Waffen jagten. »Dieser ist am dünneren Ende scharf zugespitzt und im Feuer gehärtet. Der Schwerpunkt liegt hinter der Mitte, was auf seine Verwendung als Stoßwaffe hinweist.«
Karl Dietrich Adam
Der Waldelefant von Lehringen – eine Jagdbeute des diluvialen Menschen
Quartär 5, 1951, S. 79–92, pdf
Die Lanze von Lehringen, Der Spiegel 09.02.1955)
13)
Griffin Murray
Insular-type crosiers: their construction and characteristics
in: 2007, Making and Meaning in Insular Art: proceedings of the fifth international Conference on Insular Art, ed. by R. Moss, 79-94
14)
F. Hageneder
Die Weisheit der Bäume. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH, Stuttgart 2006, S. 198-205
E. Zürcher etal
Schweizerische Forstzeitschrift für Forstwesen 5/1998 (Themenheft zur Eibe). Schweizerischer Forstverein, Zürich, S. 313-327 „Die Eibe in der Mythologie und Volkskultur“
17)
Eduard Hoffmann-Krayer
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens
Gruyter 1974
Anleitung zum Herstellen einer Wünschelrute aus Eberesche in:
Adalbert Kuhn
Die Herabkunft des Feuers und des Göttertranks
ein Beitrag zur vergleichenden Mythologie der Indogermanen
Mythologische Studien 1 Dümmler Berlin 1859; S. 205; Gütersloh : Bertelsmann, 1886
18)
Tacitus, Germania
19)
Richard Schröder
Karl v. Amira, Der Stab in der germanischen Rechtssymbolik in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Germanistische Abteilung, Hrsg. von [Karl] G[eorg] Bruns …. Weimar: Böhlau. Bd. 30 (1909) S. 432
20)
Thomas Hamilton Haddington (6th earl of)
A Short Treatise on Forest-trees, Aquaticks, Ever-greens, Fences and Grass-seeds
Edinburgh 1756
Helmut Henne, Georg Objartel
Bibliothek zur historischen deutschen Studenten- und Schülersprache
Walter de Gruyter, Berlin 1984, 3165 S.
21)
Antxon Aguirre Sorondo
Palos, bastones y makilas
in: Cuadernos de etnología y etnografía de Navarra, nº 60 (1992), pags. 203-236
Ebeling
Die Basken und ihr Land
Neues Hausbuch für christliche Unterhaltung, Band 6, Lang, München 1861
S. 32 ff; ausführliche Beschreibung solcher Stöcke S. 42-43: Zeicehn werden noch am Baum hineingeschnitzt; das dicke Ende wird nach unten getragen
22)
Siegfried Seligmann
Die magischen Heil- und Schutzmittel aus der belebten Natur: das Pflanzenreich, Reimer, 1996, S. 215
Mispelholz hilft bei Entbindungen; ein Kreuz aus Mispelholz und Eisenkraut schützt das Kind in der Wiege; ein Mispelzweig im Stall schützt das Vieh.
24)
Vergil, Aeneis 7, 817, »pastoralem praefixa cuspide myrtum«
25)
Porphyrion de abstinentia 2, 30
26)
K. F. W. Wander, Deutsches Sprichwörter-Lexicon
27)
Claudia Schülke
Wilde Träume, starkes Herz
FAZ 05.07.2019
28)
Wolfgang Habermann
Brennstoffe im griechisch-römischen Ägypten (und darüber hinaus) I: Brennholz
in: „… vor dem Papyrus sind alle Gleich!“:
papyrologische Beiträge zu Ehren von Bärbel Kramer (P. Kramer)
Archiv für Papyrusforschung und verwandte Gebiete, Beiheft 27
Hg.: Raimar Eberhard, Holger Kockelmann, Stefan Pfeiffer, Maren Schentuleit
Walter de Gruyter, 2009, S. 32-71, hier: S. 57, Fußnote 62
29)
Max Höfler
Volksmedizinische Botanik der Germanen
Quellen und Forschungen zur deutschen Volkskunde Band 5
Ludwig, Wien 1908
Stefan Steinbrecher
Der Baum in der altwestnordischen Literatur
Masterarbeit an der Universität Wien 2018 pdf
M. Beuchert
Symbolik der Pflanzen
Insel Frankfurt am Main 1995
S. Fischer-Rizzi
Blätter von Bäumen
Hugendubel München 1993
H. E.Hengel
Heilpflanze Baum
Orac Wien 1987
D. Laudert
Mythos Baum
BLV München 2003
Vincenz Jacob von Zuccalmaglio
Die deutschen Volksfeste, Volksbräuche und deutscher Volksglaube in Sagen, Märlein und Volksliedern …
Bädeker , Iserlohn u. Elberfeld 1858, Digitalisat S. 148 ff. »Heilige Sträucher und Bäume
30)
ahd. naba-gēr `Nabenbohrer´
31)
ebl. ga-nu-wu, ga-nu-um, qanûm, akk. qanû, ug. QNY, gnh, pun. qnh, he. qānæh, aram. qanjā, ar. qana(n) aus: Mohammad Ali Hajouz
Der Wortschatz der Ebla-Texte
Morphologische und lexikalische Analyse
Diss. Universität Jena 2013, hier S. 554f.
32)
Isaac Mozeson
The Word
the dictionary that reveals the Hebrew source of English
New York : SPI Books, 2015, hier S. 40 `cane´
33)
Adalbert Kutz
Musikgeschichte und Tonsystematik
Studien zur Entwicklung der Musik in der Stadtkultur
Junker und Dünnhaupt, Berlin 1943
Hans Gerd Tuchel
Studien zur italienischen Phytotoponomastik
Diss. Philosophische Fakultät der Universität Köln 1961
= Kölner romanistische Arbeiten, Neue Folge 23
Ernst Wasserzieher, Werner Betz
Woher? Ableitendes Wörterbuch der deutschen Sprache
F. Dümmler, Bonn 1962
34)
K. D. White
Farm Equipment of the Roman World
Cambridge University Press 1975, 256 S., 205-211
35)
Baculum, Tragen von Flüssigkeitsbehältern, Furca, Narthex, Thyrsos
36)
Krauskopf: Krummstab Abb.8
37)
Hermann Ferdinand Hitzig: Furca
In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE)
Band VII,1, Stuttgart 1910, Sp. 305–307
38)
Tristan spranc enwec zehant:
eine zwisele hiu er an die hant,
daz die dâ furke nennent,
die die furkîe erkennent.
doch ist niht sunders an den zwein:
furk unde zwisele deist al ein
Gottfried v. Straszburg Tristan 2938 B
39)
Franz Beotzkes
Das Kerykeion
Diss. Münster 1913; später: Franz Boetzkes
Kerykeion, der Heroldstab im allg., im besonderen der Stab des Hermes
in: Paulys Real-Encyclopädie der classischen Altertumswissenschaft 1921. 1,11,1 S.330-342
40)
hebräisch kados `heilig´, siehe F. Nork
Vergleichende Mythologie zum nähern Verständniss vieler Bibelstelllen Leipzig 1836
41)
Percy Preston
Metzler Lexikon antiker Bildmotive
Metzler, Stuttgart, Weimar 1997
42)
A.L. Frothingham
The Babylonian Origin of Hermes the Snake-God, and of the Caduceus
AJA 20.2 (1916) 175‐211
43)
Ferdinand Joseph M. de Waele
The magic staff or rod in graeco-italian antiquity
Erasmus, Gent 1927
Die archaiste Form des Stabes erinnert an eine ebenfalls alte Darstellung des »Blitzbündels« durch den Gott Adad auf einem nicht datierten babylonischen Rollsiegel, siehe:
Charles J. Ball
Light from the east or the witness of the monuments\\: an introduction to the study of biblical archaeology.
London : Eyre & Spottiswoode, 1899, S. 12
44)
z.B. Anneliese Peschlow-Bindokat
Demeter und Persephone in der Attischen Kunst des 6. bis 4. Jahrhunderts v. Chr.,
Sonderdruck des Deutschen Archäologischen Instituts, Band 87, 1972; Berlin, Walter de Gruyter, S. 61-157, hier S. 96 Hermes mit Astgabel in einer sehr archaischen Szene, bei der Persephone aus dem Boden wächst und Pane tanzen
45)
Morgenblatt, 1860, Nr. 41 u. 42 »Mecklenburg«
46)
Heinrich Ankert
Amtszeichen, Ladungszeichen und Ähnliches irn nördlichen Theile Böhmens
Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Organ des Vereines fur österreichische Volkskunde in Wien 1901, S. 105 ff
47)
siehe auch die Kufe < Kiefer bei Schlitten
48)
Hes. theog. 29 f
49)
Apollod. bibl. 3, 6, 7
50)
Karl-Heinz Hunger
Der Äskulapstab. Zur Funktion präservativer Symbole in der Kommunikation
Spiess, Berlin 1978, ISBN 3-920889-76-2
51)
gr. ῥαβδοφόροι, rhabdophóroi, `staff-bearers´, ῥαβδοῦχοι, rhabdoûchoi, `staff-holders´; caducifer für Hermes
52)
Schröder, Richard: v. Amira, Karl, Der Stab in der germanischen Rechtssymbolik in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Germanistische Abteilung / Hrsg. von [Karl] G[eorg] Bruns …. - Weimar : Böhlau. Bd. 30 (1909) S. 432
Amira, Karl von: Der Stab in der germanischen Rechtssymbolik. München 1909. Abhandlungen: 25,1.
53)
Thomas Köves-Zulauf
Römische Geburtsriten
C.H.Beck, München 1990
hier Kapitel II. Intercidona, Pilumnus, Deverra - beschreibt die rituelle Fertigung und Verwendung des Pilum bei Geburten
Hans-Günter Buchholz
Mörsersymbolik
in: Acta Praehistorica et Archaeologica 7/8, Bruno Hessling Berlin 1976/77
54)
Galal R. Gough
The Shaman's Poro (Sacred Crook) in Native American Rock Art pdf
55)
Wilhem Mannhardt
Wald- und Feldkulte. Erster Teil: Der Baumkultus der Germanen und Ihrer Nachbarstämme. Zweiter Teil: Antike Wald- und Feldkulte aus Nordeuropäischer Überlieferung. Berlin 1875/77: Gebrüder Borntraeger. Lebensrute S. 251 ff
O. Weise
Der Schlag mit der Lebensrute und seine mundartlichen Bezeichnungen
In: Zeitschrift für Deutsche Mundarten. 5. Jahrgang, 1910, S. 113–116.
Kuhn S. 186 f.
Außerhalb Deutschlands: tschech. pomlázka, karabáč, slovak. korbáč, ung. siba, korbács
56)
Patrick Bahners
Der Jäger des verlorenen Sagenschatzes
FAZ 15.04.1999
Rezension über
Carlo Ginzburg
Die Benandanti. Feldkulte und Hexenwesen im 16. und 17. Jahrhundert
übers. v. Karl F. Hauber. Syndikat, Frankfurt am Main 1980, ISBN 3-8108-0160-7
Ippolito Marmai
Benandanti - Balavants Antropologia Dello Sciamanesimo Tra Le Alpi E Il Caucaso
Lulu Press 2016 ISBN 9781326880767; ausführliche antike Quellen zur Ferula S. 135
57)
Hugo Gressmann
Der Zauberstab des Mose und die eherne Schlange
In: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde 23, 1913, S. 18–35
58)
Thomas Köves-Zulauf
Römische Geburtsriten
C.H.Beck, München 1990
hier Kapitel II. Intercidona, Pilumnus, Deverra; insbesondere S. 108-109
R. Meringer
Die Werkzeuge der pinsere-Reihe und ihre Namen
(Keule, Stampfe, Hammer, Anke)
in: Wörter und Sachen I, 1909
59)
Stefan Schaffner
Zur Wortbildung und Etymologie von altisländisch vǫlva ‘Seherin, Prophetin’
M. Kozianka, R. Lühr, S. Zeilfelder (Hgg.), Indogermanistik-Germanistik-Linguistik, Akten der Arbeitstagung der Indogermanischen Gesellschaft, Jena 18.20.09 (2004): 2002.
60)
nach Saxo, s. Arnulf Krause
Die Götter und Mythen der Germanen
61)
aus Münsingen, Libna, Smarjeta, Vinkov, Magdalenska Gora, Dobrava, Vinkov vrh, Podzemelj, Sticna, Novo Mesto, Beremend, Szentlörinc, Velemszentvid, Venetien, siehe Fußnote 142 in:
Christa Stahl
Mitteleuropäische Bernsteinfunde von der Frühbronze- bis zur Frühlatènezeit: ihre Verbreitung, Formgebung, Zeitstellung und Herkunft
J.H.Röll Verlag, 2006
62)
Der Stab aus dem Oseberggrab ist aus Holz, 107 Zentimeter lang, hohl und in fünf gleich lange Abschnitte mit Schnitzereien unterteilt.
63)
Klaus von See u.a.
Kommentar zu den Liedern der Edda Band 4: Heldenlieder
Helgakviða Hundingsbana I, Helgokviða Hiǫrvarðssonar, Helgakviða Hundingsbana II
Winter, Heidelberg 2004, 810 Seiten ISBN: 978-3-8253-5007-9, hier: S. 270, 290 ff.
Helmut Birkhan, ‎Otto Gschwantler
Festschrift für Otto Höfler zum 65. Geburtstag Band 2
1968 Seite 419
Die Aktualität der Saga: Festschrift für Hans Schottmann
Walter de Gruyter, 1999
hier: S. 193 und 195
64)
Friedrich Wilhelm Bergmann
Die Edda-Gedichte der nordischen Heldensage
Strassburg, Trübner, 1879
65)
Rudolf Simek
Lexikon der germanischen Mythologie
Alfred Kröner Stuttgart 1984
66)
Matthias Egeler
Walküren, Bodbs, Sirenen
Gedanken zur religionsgeschichtlichen Anbindung Nordwesteuropas an den mediterranen Raum
Ergänzungsbände zum Reallexikon der Germanischen Altertumskunde Band 71, De Gruyter 2011
Thomas Steer
Morphologisch-etymologische Untersuchungen zu ai. methí- ‚Pfosten‚ Pflock‘, lat. mūtō ‚penis‘ und Verwandtem
Historische Sprachforschung / Historical Linguistics Bd. 120 (2007), pp. 142-158; dort 2.3.2 S. 154-155
67)
Saxo, Gesta Danorum III, ii, 4
68)
Neil Price
The Viking Way: Religion and War in Late Iron Age Scandinavia
Uppsala 2002: Department of Archaeology and Ancient History, Uppsala University. ISBN 91-506-1626-9
69)
L. Gardeła
A Biography of the Seiðr-Staffs. Towards an Archaeology of Emotions.
In L. P. Słupecki, J. Morawiec (eds.), Between Paganism and Christianity in the North
Rzeszów 2009: Rzeszów University, 190-219.
70)
Johannes Hoops
Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Band 28
Walter de Gruyter, 2005
Jan de Vries
Ginnungagap
in: Kleine Schriften, Walter de Gruyter, S. 113-132
71)
sehr ausführlich diskutiert https://latin.stackexchange.com/questions/5455/are-vir-and-virgo-etymologically-relatedhier;
Romain Garnier
Sur l’étymologie du latin virgō « vierge «
Studia Etymologica Cracoviensia, 2014, 19, 2, S. 59-70
72)
„Zieht daher zu allen Völkern“ lautete der Missionsbefehl in Mt 28,19 durch den auferstandenen Jesus: πορευθέντες οὖν μαθητεύσατε πάντα τὰ ἔθνη
73)
Franz Xaver Kraus, Joseph Sauer
Geschichte der christlichen Kunst
Herder Freiburg im Breisgau 1896, S. 500 - 501 mit der Abb. des Taustabes des Heiligen Heribert
74)
Josef Höfer, ‎Karl Rahner, Michael Buchberger
Lexikon für Theologie und Kirche
Band 2, S. 509 Herder, 1957
75)
Huic (Episcopo) autem dum consecratur datur baculus, ut ejus inclicio subditam plebem vel regat vel corrigat, vel infirmitates sustineat
76)
κορύνη, Theoc. 7.43 s. William Smith: A Dictionary of Greek and Roman Antiquities 1890
77)
Franz Bock
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters
Band 2, Cohen, Bonn 1866. Kap. Der bischöfliche Stab S. 218-231 mit speziellen Literaturhinweisen
Brinkmeyer
Glossarium diplomaticum zur Erläuterung schwieriger … Wörter und Formen
Band 1 Wolfenbüttel 1856
79)
Der älteste erhaltene Abtstab ist der des Germanus, dem ersten Abt des um 640 gegründeten Klosters Moutier-Grandval in der Schweiz
Andreas Staehelin
Herkunft und Entwicklung des Baselstabs bis zum Ende des 14. Jahrhunderts
in „Der Baselstab“, publiziert im Basler Stadtbuch 1975, Christoph Merian Stiftung (Hg.), Helbing & Lichtenhahn, Basel 1976, S. 148-156
Stékoffer, Sarah
La crosse mérovingienne de Saint Germain, premier abbé de Moutier-Grandval
Porrentruy : Office du patrimoine historique et Société jurassienne d'émulation, 1996; Cahiers d'archéologie jurassienne 6
80)
Erika Simon
The Religion of the Etruscans
Nancy Thomson de Grummond (Hg.)
University of Texas 2009 S. 38, Abb. 111.13
81)
Günter Neumann
Zur Etymologie von lat. augur
Würzburger Jahrbücher für die Altertumswissenschaft 1976, 219-230
82)
Edwin Flinck
Auguralia und Verwandtes
in: Ann. Acad. Scient. Fenn. Ser. B tom. XI, 10, Helsinki 1921
identisch in: Commentationes in honorem F. Gustafsson, Helsinki 1921
83)
Victoria Györi
The Lituus and Augustan provincial coinage
Acta Ant. Hung. 55, 2015, 45–60
84)
Rosemarie Lühr (Hg.)
Etymologisches Wörterbuch des Althochdeutschen, Band 5, Vandenhoeck & Ruprecht, 2014; Stichwort Lituus
Gertraud Breyer
Etruskisches Sprachgut im Lateinischen unter Ausschluss des spezifisch onomastischen Bereiches
Peeters Publishers, 1993, Vergleich der Deutungen S. 139-140: möglicherweise nicht etruskischen Ursprungs.
85)
Plutarch, Camillus 32
86)
Claus Ambos, Ingrid Krauskopf
The Curved Staff in the Ancient Near East as a Predecessor of the Etruscan Lituus
In: Lammert Bouke van der Meer (Hrsg.): Material aspects of Etruscan religion (= Babesch. Supplementband 16). Peeters, Leuven 2010, ISBN 978-90-429-2366-9, S. 127–153
S. Alp
La désignation du Lituus en Hittite
Journal of Cuneiform Studies Vol. 1, No. 2 (1947), S. 164-175
The University of Chicago Press
DOI: 10.2307/1359263, https://www.jstor.org/stable/1359263
S. Alp
Hitit Metinlerinde GIŠkalmuş „lituus“ ve ḪUB.BI „küpe“ GIŠkalmuş „Lituus“ and ḪUB.BI „earring“ in the Hittite texts
in: Belleten 12 301-319, 320-324
87)
Manu Raster
Hieroglyphenluwisches Lexikon
M.A. Münster, 2007 und http://pielexicon.hum.helsinki.fi/
Volltextsuche `lituus´In: eDiAna s.v. *sHógu̯-o-.http://www.ediana.gwi.uni-muenchen.de/dictionary.php?lemma=233
88)
Rieken, Elisabeth. “Bemerkungen Zum Ursprung Einiger Merkmale Der Anatolischen Hieroglyphenschrift.” Die Welt Des Orients, vol. 45, no. 2, 2015, pp. 216–231, hier 217. JSTOR, www.jstor.org/stable/43857899. Accessed 26 Oct. 2020.
89)
Volkert Haas
Handbuch der Orientalistik: The Near and Middle East. Brill 2007 S. 512-513
90)
Elisabeth Rieken
Untersuchungen zur nominalen Stammbildung des Hethitischen
Otto Harrassowitz Verlag, 1999, S. 211-213
Jaan Puhvel
Hittite Etymological Dictionary. Words beginning with K
Walter de Gruyter, 2011
91)
Lisbeth Bredholt Christensen, Olav Hammer, David Warburton
The Handbook of Religions in Ancient Europe
Routledge 2014
92)
s. Haas, aaO, S. 512
93)
Jaan Puhvel
Hittite Etymological Dictionary. Words beginning with K
Walter de Gruyter, 2011, S. 27
94)
Walther Sallaberger und Katharina Schmidt
Insignien des Königs oder Insignien des Gottes?
Ein neuer Blick auf die kultische Königskrönung beim babylonischen Neujahrsfest
in: Stories of long ago. Festschrift für Michael D. Roaf. Herausgegeben von Heather Baker, Kai Kaniuth und Adelheid Otto, Ugarit Verlag 2012, S. 567-594
95)
Ethymologisch ausführlich diskutiert von:
Elisabeth Rieken
Untersuchungen zur nominalen Stammbildung des Hethitischen
Otto Harrassowitz Verlag, 1999
Aïcha Rahmouni
Divine Epithets in the Ugaritic Alphabetic Texts
Brill, 2008
S. 102-105: Epithet 30: b'l gml »possessor of the gamlu-staff«, Epithet of hll. Dort mit ausführlicher Diskussion auch auf die Mehrfachdeutung und -verwendung des Stabes als Zeichen für Herrscher, für Götter, als sichelförmige Waffe und Werkzeug (Hirtenstab).
Gisela Stiehler-Alegría
Siegeleigentümerinnen in der Kassitenzeit
in: Isimu 20-21 (2017-2018), 321-343, ISSN 1575-3492 zeigt S. 336-337, Fußnote 51
Manfried Dietrich
Ex Mesopotamia et Syria lux
Festschrift für Manfried Dietrich zu seinem 65. Geburtstag
Ugarit-Verlag, 2002, darin:
die altbabylonische Göttin Ninisina (=Gula) mit Hund und Stab S. 160-163; ein Gott mit Krummstab und Peitsche S. 375
96)
Claus Ambos, Ingrid Krauskopf
The Curved Staff in the Ancient Near East as a Predecessor of the Etruscan Lituus
In: Lammert Bouke van der Meer (Hrsg.): Material aspects of Etruscan religion (= Babesch. Supplementband 16). Peeters, Leuven 2010, ISBN 978-90-429-2366-9, S. 127–153
97)
Franz Xaver Kraus, Joseph Sauer
Geschichte der christlichen Kunst
Herder Freiburg im Breisgau 1896, S. 500 - 501
98)
Überlegungen dazu bei Innocenz III., lib. I, de Mysterio Missae, cap. 62, und beim hl. Thomas von Aquin (q. 3, a. 3, d. 24, lib. IV. Sent.
Rolf Lauer
Stab (sogenannter Petrusstab). In: Peter van den Brink, Sarvenaz Ayooghi (Hrsg.): Karl der Große – Charlemagne. Karls Kunst.
Katalog der Sonderausstellung Karls Kunst vom 20. Juni bis 21. September 2014 im Centre Charlemagne, Aachen.
Sandstein, Dresden 2014, ISBN 978-3-95498-093-2, S. 200–202.
Franz Bock
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters
Band 2, Cohen, Bonn 1866
Kap. Der bischöfliche Stab S. 218-231 mit speziellen Literaturhinweisen
Philippe Depreux
Der Petrusstab als Legitimationsmittel. Zu Kommunikation, Erinnerungskultur und Autorität im Mittelalter
in: Geschichtsvorstellungen. Bilder, Texte und Begriffe aus dem Mittelalter.
Festschrift für Hans-Werner Goetz zum 65. Geburtstag, hrsg. von Steffen Patzold, Anja Rathmann-Lutz und Volker Scior,
Wien [u. a.] 2012, S. 412–430
99)
Franz Xaver Kraus, Joseph Sauer
Geschichte der christlichen Kunst
Herder Freiburg im Breisgau 1896, S. 500 - 501
100)
Pierre Salmon
Mitra und Stab. Die Pontifikalinsignien im römischen Ritus
Mainz, 1960 S. 96 f.
101)
Pierer
Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit
Band 8, 1851
Otto Adalbert Hoffmann
Hermes und Kerykeion
Studie zur Urbedeutung des Hermes
N.G. Elwert Marburg 1890
102)
Pausanias 5, 18, 1
103)
Heinrich August Pierer
Universallexikon der Gegenwart und Vergangenheit
Bände 7-8, 1841
Allgemeine Realencyklopädie, oder Conversationslexikon für alle Stände
Band 4 Georg Joseph Manz, Regensburg 1867
Frank Kämpfer
Dikanikion - posox: Some Considerations on the Royal Staff in Muscovy, in: FOG 24(1978) 9-19
104)
Ernst Benz
Patriarchen und Einsiedler: der tausendjährige Athos und die Zukunft der Ostkirche
E. Diederichs, 1964
105)
Klaus Magnoli, Franka Foresti
Mose - Stab und Schlange: Eine objektbasierte Untersuchung zu seiner Person und zum Exodus
BoD 2015
Carl Friedrich Keil
Biblischer Commentar über die Bücher Mose's
Dörffling und Franke, 1861, u.a. S. 314
106)
Heinrich Valentin
Aaron: eine Studie zur vorpriesterlichen Aaron-Überlieferung
Universitätsverlag, 1978
W.H. Propp
The Rod of Aaron and the Sin of Moses
JBL 107, 1988, 19-26
107)
Hans Egli
Das Schlangensymbol: Geschichte, Märchen, Mythos\ Patmos, 2003
Karl-Heinz Hunger
Der Äskulapstab: zur Funktion präsentativer Symbole in der Kommunikation
Spiess, 1978
108)
Magische Praxis wurde in Israel ausgeübt, siehe S. 181 in:
Heinrich Valentin
Aaron: eine Studie zur vorpriesterlichen Aaron-Überlieferung
Universitätsverlag, 1978
109)
Zum Hirtenvolk der Hyksos siehe
Manfred Bietak
Hyksos. In: Kathryn A. Bard (Hrsg.): Encyclopedia of the Archaeology of Ancient Egypt. Routledge, London 1999, ISBN 0-415-18589-0, S. 377
110)
Dazu ausführlich
Frank Förster
Der Abu Ballas-Weg: Eine pharaonische Karawanenroute durch die Libysche Wüste
28 Africa Praehistorica, Heinrich-Barth-Institut, Köln 2015, S. 265-266, dort auch Belege für die Funktion als Gerät zum Schlangen fangen.
111) , 121)
Andreas Karbstein
Die Namen der Heilmittel nach Buchstaben
Edition eines arabisch-romanischen Glossars aus dem frühen 17. Jahrhundert
Droz, Genf 2002, Diss. Köln, 2001, =Kölner romanistische Arbeiten, 81, hier: S. 172, 119, 132, 91-92, 146
112)
h. plant. 6, 2, 8f., Plin. nat. 13, 123
113)
J.F. Murr
Die Pflanzenwelt in der Griechischen Mythologie
Wagner Innsbruck 1890
S. 231 »Die heilige Pflanze des Prometheus«
114)
Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen, Springer 17 Bände
115)
Plinius Hist. nat. 7.29
116)
2Mo 21:20, Spr 10:13, 23:13-14, Apg 16:22
117)
sceptrum paedagogorum, Mart. 10,62,10
Oskar Jäger
Lehrkunst und Lehrhandwerk: aus Seminarvorträgen
Kunze, 1897; Rohrstock S. 249 ff.
Christian Hünemörder u.a.
Narthex
in: Der Neue Pauly, Herausgegeben von: Hubert Cancik etal. Consulted online on 31 August 2020 <http://dx.doi.org/10.1163/1574-9347_dnp_e817120>
118)
Die deutschen Mundarten
Eine Monatschrift für Dichtung, Forschung und Kritik. Begründet von J.A. Pangkofer, fortgesetzt von G.K. Frommann. Nürnberg 1857, Band 4, S. 50
119)
Eine (manchmal) scherzhafte Drohung, K.F.W. Wander, Deutsches Sprichwörterlexicon
120)
Helmut Genaust
Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen
3. Auflage. Birkhäuser, Basel/Boston/Berlin 1996, S. 247
122)
Jules Gailhabaud
Denkmäler der Baukunst: Denkmäler des Mittelalters
Band 2, Meissner, Hamburg 1852, S.75, Fußnote
123)
A Gregorio del Olmo Lete, Joaquín Sanmartín
Dictionary of the Ugaritic Language in the Alphabetic Tradition, 3.A. 2015, siehe `trt´ `Most, neuer Wein´ > `ti-ri-su´ > `tuwarsa´ mit Verweis auf die Belegstellen sowie
José-Ángel Zamora
La vid y el vino en Ugarit
Banco de Datos Filológicos Semíticos Noroccidentales, Monografias 6 (2000), Topoi. Orient-Occident Année 2001 11-2 S. 671-688, Fußnote 22
124)
Etymologiarum libri XX. De penu et instrumentis domesticis et rusticis. Caput XIII. DE RELIQUIS QUAE IN USU HABENTUR:
»Baculus a Bacco repertore vitis fertur inventus, quo homines moti vino inniterentur. Sicut autem a Bacco baculus, ita a baculo bacillum per diminutionem.« Der etruskische Vorläufer des Bacchus ist Fofluns und wird nicht mit dem Thyrsos dargestellt.
125)
umfassend dargestellt in Jean Charles Balty
Thesaurus Cultus et Rituum Antiquorum
Published by Getty Publications
Band V, Abschnitt Kultinstrumente S. 384-396
Ingrid Krauskopf
Thysthla, Thyrosoi und Narthekophoroi
Anmerkungen zur Geschichte des dionysischen Kultstabes
in: Thetis, 8 (2001), S. 47-52
126)
Otto Rank
Der Stab als Phallussymbol
S. 104, Fußnote 1, in: Psychoanalytische Beiträge zur Mythenforschung: Gesammelte Studien aus den Jahren 1912 bis 1914
127)
Walter Hatto Groß
Narthex
In: Der Kleine Pauly (KlP). Band 3, Stuttgart 1969, Sp. 1577f.
Werner Hartke
Narthex
In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XVI,2, Stuttgart 1935, Sp. 1770–1772.
Ferdinand-Gaudenz von Papen
Der Thyrsos in der griechischen und römischen Literatur und Kunst
Dissertation Bonn 1905 Digitalisat
Paulus Stephanus Cassel
Aus der Hagia Sophia
Ein akademisches Neujahrs-Programm
Erfurt, 1856, darin Kap. 3 `Narthex´, 15-21 ausführlich zum Narthex als Vorhalle der Kirche; zur sprachlichen Herkunft des Namens; und zur Verwendung, immer mit hebräischen Quellen. - Diese Schrift scheint wenig beachtet worden zu sein.
128)
Behnstedt, Wortatlas der arabischen Dialekte: Band I, S. 434, Kapitel `Feuer´
129)
Hesiod, Werke und Tage; 567; Plinius Nat. 7,198
130)
Fritz Hommel
Ethnologie und Geographie des alten Orients
Band 2 C. H. Beck, 1904, Das „Reis“ des Gilgamis S. 726
verbindet den Kult mit dem `Vorherwisser´ Prometheus, der das Feuer im Narthexstängel brachte, mit dem sumerischen `Vorherwisser´ Gilgamesch, der die Pflanze ildakku/nisdakku als Behälter benutzte und verbindet es mit talm. nastik und nartik `Büchse´.
Ein weiterer Deutungsansatz führt nach Indien, denn im Sanskrit steht nartaka vieldeutig für: Schilfrohr, eine Waffe aus der Mythologie, einen Herold, eine Tänzerin, die sich bewegt wie ein Schilfrohr im Wind und führt zur indogermanischen Wurzel ner-1(t)-, also ('magische) Lebenskraft'; `Mann', zu der auch die Namen `Nero´ und Nerthus, eine germanische Göttin, gehören.
131)
»drei Grasarten« s. Siggel, S. 36
132)
Eilhard Wiedemann
Beiträge zur Geschichte der Naturwissenschaften VI.
Zur Mechanik und Technik bei den Arabern
Erlangen: Junge, 1906 , 1- 56, hier S. 54. Der zitierte Ibn al Faqih beschreibt die Eigenschaften des Narthex als Rohr, Feuerzeug und zum Schlagen, ist aber vermutlich holprig übersetzt.
133)
Paulus Stephanus Cassel
Aus der Hagia Sophia

Erfurt, 1856, darin Kap. 3 `Narthex´, S. 20
134)
Mohammad Ali Hajouz
Der Wortschatz der Ebla-Texte
Morphologische und lexikalische Analyse
Diss. Universität Jena 2013, hier S. 80
135)
Else Strantz
Zur Silphionfrage
Diss. Zürich : C. Brügel, Ansbach 1909; Eine umfassende Analyse, auch gute Abbildungen der Münzen mit dem Silphium
G.A. Zwanziger
Culturgeschichtliche Beiträge zur Pflanzenkunde
VI: das Silphium (lat. Laserpitium) von Cyrenaica, in: Carinthia, Band 67, Kleinmayr, Klagenfurt 1877, S. 218-219
Macé, Antonin
LES VOYAGEURS MODERNES DANS LA CYRÉNAÏQUE ET LE SILPHIUM DES ANCIENS
Revue Archéologique, vol. 14, no. 1, 1857, pp. 143–160. JSTOR, www.jstor.org/stable/41744479. Accessed 10 Oct. 2020.
136)
J.L. Tatman
Silphium, Silver and Strife: A History of Kyrenaika and Its Coinage
Celator 14.10 October 2000:6–24
Riddle, John M., Amigues, Suzanne
Le silphium - État de la question
Journal des Savants 2, 2004: 191–226. doi:10.3406/jds.2004.1685
A.C. Oerstedt
Beitrag zur Deutung der Silphium-Pflanze
in: Zeitschrift für Ethnologie und … Hrsg. von A(dolph) Bastian und R(obert) Hartmann, Band 3 Berlin 1871, S. 197- 203 mit bebilderten Vergleichen verschiedener Pflanzenarten und den antiken Abbildungen auf Münzen.
137)
Erläuterungen von K. Sprengel zur Naturgeschichte der Gewächse von Theophrast Teil 2, Hammerich Altona 1822, S. 224 - 228 sehr ausführlich
138)
Estes, J. Worth
Oral Contraceptives in Ancient and Medieval Times
American Scientist. 80 (3) 1992: 226–233
139)
Louis Lewin
Die Fruchtabtreibung durch Gifte und andere Mittel Ein Handbuch für Ärzte und Juristen
Springer, Berlin 1922
140)
Hans Ritter
Dictionnaire Touareg
Otto Harrassowitz Verlag, 2009
141)
Theophrast
142)
Ludwig August Kraus
Kritisch-etymologisches medicinisches Lexikon oder Erklärung des Ursprungs der aus dem Griechischen, dem Lateinischen und aus den Oriental. Sprachen in die Medicin
Deuerlich & Dieterich, Göttingen 1844, S. 403 f.
Helmut Genaust
Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen
Birkhäuser, Basel/Stuttgart 1976, S. 175
143)
s. Ritter, Dictionnaire Touareg
144)
M. Mahboubi
Ferula gummosa, a Traditional Medicine with Novel Applications
J Diet Suppl. 2016 Nov;13(6):700-18. doi: 10.3109/19390211.2016.1157715
145)
ʻAbd Allâh ibn Aḥmad al-Mālaqī Abū Muḥammad Ibn al-Bayṭār; Joseph von Sontheimer
Grosse Zusammenstellung über die Kräfte der bekannten einfachen Heil- und Nahrungsmittel von Abu Mohammed Abdallah Ben Ahmed aus Malaga bekannt unter dem Namen Ebn Baithar
Hallberger'sche Verlagshandlung, Stuttgart 1840-1843, 2 Bde.
hier:
Sikbinadsch, ein Harz aus der Ferula Persica
Kinnah (=Elkinnat) oder Baderd, Bubon, Metopion, persisch Barzat, griechisch Chalbane
Kana für die Ferula communis, im westlichen Afrika Elkalch, bei den Griechen Nardex und Mathobium
146)
Helga Venzlaff
Der marokkanische Drogenhändler und seine Ware
ein Beitrag zu Terminologie und volkstümlichen Gebrauch traditioneller arabischer Materia medica
Franz Steiner, Wiesbaden 1977; s. insbesondere den Beitrag zu l-fasuh S. 118 ff.
Eine umfassende Darstellung der Ferulaarten im Orient und deren Begriffen in:
Franz Stuhlmann
Beiträge zur Kulturgeschichte von Ostafrika …
D. Reimer, Berlin 1909, S. 608-611 zu Ferula Asa-foetida L., - galbaniflua B.B., - Sumbul H. u.a.
Harald Othmar Lenz
Botanik der alten Griechen und Römer …
Gotha, 1859, S. 563-565 über Ferula communis, - nodiflora, - ferulago, - persica, - asa foetida, - opopanax
Jacobus Jacobi etal.
D. Jacobi Theodori Tabernaemontani New und Vollkommen Kreuterbuch
2 Bde. Dreutel, Frankfurt am Main 1625 mit umfangreichen Darstellungen und Angaben auch zu arabischen Bezeichnungen in Band 1: Laserpitium, 209-213, Galbenkraut und sein Gummi, 213-217; Gummi Ammoniaco 217-222; Ferulkraut 222-224;
147)
Theophrast
Historia plantarum
Buch 6, Abschnitt 3, 7
148)
Magydaris Tomentosa, ein Doldenblütler wie die Ferula aus einer verwandten Familie
149)
Jean-Odon Debeaux
Flore de la Kabylie du Djurdjura
P. Klincksieck, Paris 1894, hier S. 155 und 157
DOI https://doi.org/10.5962/bhl.title.10953
150)
Die Ferulaarten sind in der Regel mehrjährig, vertragen keinen Schatten, wachsen auf sandigen bis festen Böden und vertragen Trockenheit. Sie sind mehr oder weniger medizinisch nutzbar, manchmal auch essbar.
151)
Abū al-Walīd Marwān Ibn Janāḥ; Gerrit Bos; Fabian Käs; Mailyn Lübke; Guido Mensching
Marwān ibn Janāḥ, On the nomenclature of medicinal drugs (Kitāb al-Taalkhīṣ)
Edition, Translation and Commentary, with Special Reference to the Ibero-Romance Terminology
Brill, Leiden 2020
Alfred Siggel
Arabisch-deutsches Wörterbuch der Stoffe
Akademie, Berlin 1950
152)
Andreas Karbstein
Die Namen der Heilmittel nach Buchstaben
Edition eines arabisch-romanischen Glossars aus dem frühen 17. Jahrhundert
Droz, Genf 2002, Diss. Köln, 2001, =Kölner romanistische Arbeiten, 81, hier: S. 172, 119, 132, 91-92, 146; `zaw´ Feuer in Usbekistan, Afghanistan s.Behnstedt I, 434
153)
Helga Venzlaff
Der marokkanische Drogenhändler und seine Ware
ein Beitrag zu Terminologie und volkstümlichen Gebrauch traditioneller arabischer Materia medica
Franz Steiner, Wiesbaden 1977; s. insbesondere den Beitrag zu l-fasuh S. 118 ff.
154)
'Abd Allāh ibn Aḥmad Ibn al-Bayṭār
Grosse Zusammenstellung über die Kräfte der bekannten einfachen Heil- und Nahrungsmittel, Band 2, Hallberger'sche Verlagshandlung, Stuttgart 1842, s. Gummi ammoniacum
155)
Nsekuye Bizimana
Traditional Veterinary Practice in Africa
GTZ Eschborn 1994
156)
Trabut, Répertoire: F. (2018, août 1). PlantUse Français . Retrieved 14:41, octobre 10, 2020
158)
Noursaid Tligui
Ferula Communis Variety Brevifolia Intoxication of Sheep
A study of the coagulopathy
Diss. University of Minnesota 1992, S. 11
159)
akk. ašlu(m) „Binse, Seil“, ar. asal „Rohr, Binse“, aram. ašlā, syr. īšlā „Seil“, s. S. 83:
Mohammad Ali Hajouz
Der Wortschatz der Ebla-Texte
Morphologische und lexikalische Analyse
Diss. Universität Jena 2013
160)
V. Loubignac
Textes arabes des Zaër
transcription, traduction, notes et lexique, Paris 1952
161)
Euripides Ion 215 f.
162)
Pausanias 1, 32, 4
163)
Sophokles Oid. T. 801 f.
164)
K.F.W. Wander, Deutsches Sprichwörter-Lexicon
165)
Thomas Köves-Zulauf
Römische Geburtsriten
C.H.Beck, München 1990
hier Kapitel II. Intercidona, Pilumnus, Deverra
166)
Johann Samuel Ersch; J. G. Gruber
Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste in alphabetischer Folge
J.F. Gleditsch, Leipzig, 1818-1889
167)
Charles Burney
Historical Dictionary of the Hittites
Rowman & Littlefield 2018, S. 186-187
diskutiert anhand der Bildbelege die Veränderungen des Lituus hin zum Wurfstock sowie seine Bedeutung als exklusiver Jagdwaffe des Herrschers in dessen Funktion als Versorger des Volkes.
Claus Ambos, Ingrid Krauskopf
The Curved Staff in the Ancient Near East as a Predecessor of the Etruscan Lituus
In: Lammert Bouke van der Meer (Hrsg.): Material aspects of Etruscan religion (= Babesch. Supplementband 16). Peeters, Leuven 2010, ISBN 978-90-429-2366-9, S. 127–153
Diskssion von Lagobolon, r-Stab und Lituus mit Bildbelegen und einer Fundtypologie (Abb. 39)
168)
Fraenkel, Meir
BEMERKUNGEN ZUM HEBRÄISCHEN WORTSCHATZ
Hebrew Union College Annual, vol. 31, 1960, pp. 55–102. JSTOR, www.jstor.org/stable/23506537. Accessed 21 Oct. 2020; zu sarbith/Zepter Nr. 1 S. 73, Nr. 50, zu tôtāḥ Nr. 23 S. 86, zu maqqel Nr. 31, S. 90
Kaw (Krücke und ein Hohlmaß, 1-2 Liter)
Mot (Tragstange), Motah (Tragholz; Schwankung), Matäh (Stab, Stamm)
Kidon, Kajn (Lanze, Spieß)
Kanäh, Ssuf (Schilfrohr)
Masleg (Gabel)
Kilschon (Heugabel)
Romach (Lanze, Speer)
Motil (Stange; Barren), Metajel (Wanderer): verwandt mit `Last, beladen´
Thothach (Keule, Knüppel): verwandt mit `zerlegen´
Onaf (Ast, Zweig)
Chotär (Zweig, Reis): verwandt mit `hacken´
Ez (Baum; Holz): verwandt mit `beraten´
Gäsa (Baumstumpf, Wurzelstock): verwandt mit `abschneiden, fällen´
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