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wiki:gehen

Gehen

`Gehen´ dient hier als Kategorie für zahlreiche Umschreibungen (Periphrasen) der Fortbewegung zu Fuß, die sich allenfalls vordergründig durch ihre Bewegungstechnik unterscheiden, vielmehr aber durch Einstellungen und Zuordnungen geprägt sind, durch Attribute (Wanderstab, Pilgerstock, Hut, Rucksack u.a.) bezeichnet werden, manchmal Stereotypen erkennen lassen und sich hier und da mit Formen der Fußreise verbinden lassen:

  • Bummeln
  • FlanierenFlaneur
  • Fußwandeln 1)
  • Laufen
  • Lustwandeln
  • Migrieren
    als Form der frühen Ausbreitung des Menschen über die Erde.
  • Nomadisieren
  • Ojle Regel sein
    jüdisch-deutsche Redensart: Die jüdischen Hauptfeste Ostern, Pfingsten und Laubhütten werden auch die drei Wallfahrten (Regulim) genannt; das Wallfahren nach Jerusalem während dieser Feiertage hiess »Olje Regel«. Da „Regel“ auch Fuss bedeutet, übertrug sich die Bedeutung auch auf `Reise´. 2)
  • Passant
  • Schreiten
  • Schusters Rappen
    Auf seiner Mutter Fohlen
    Auf dem Apostelpferd
  • Tippeln
    Sprache des Fahrenden Volkes (Rotwelsch), der walzenden Handwerksburschen im Sinne von `weite Strecken zu Fuß gehen´, in ständiger Bewegung sein, rasch schreitend, bettelnd umherziehen; seine Zeche berappen, also bezahlen 3); eher abwertend als Tippelbruder im Sinne von Landstreicher und Tippelschickse im Sinne von Dirne der Handwerksburschen.
  • Traballieren
  • Trott(en)
  • Umherschweifen
  • Wandeln
  • Niederländisch 1851:
    te voet gaan met een stok in de hand 4)

  • Karin Krohn
    Hand und Fuß.
    Eine kontrastive Analyse von Phraseologismen im Deutschen und Schwedischen
    Acta Universitatis Gothoburgensis Göteborg 1994, 182 S.
  • Mumot, André
    Irrwege zum Ich.
    Eine kleine Literaturgeschichte des Gehens.
    294 S., Literaturverz. S. 281 - 289. Zugl. Diss. Univ. Hildesheim 2007. Marburg 2008. Betrachtungen zu und über:

Petrarcas Brief, Schiller: „Spaziergang„, Adalbert Stifter: „Hagestolz“, Bergbesteigungen als Umkreisung des Ich, Das Mengenmenschenphänomen, Edgar Allan Poe, Thomas Bernhard: „Am Ortler„, Paul Auster: „City of Glass“, Christoph Ransmayr: „Der fliegende Berg„.

1)
Johann Gottfried Seume
Mein Sommer »Ich halte den Gang für das Ehrenvollste und Selbständigste in dem Manne und bin der Meinung, daß alles besser gehen würde, wenn man mehr ginge. Man kann fast überall bloß deswegen nicht recht auf die Beine kommen und auf den Beinen bleiben, weil man zuviel fährt. Wer zuviel in dem Wagen sitzt, mit dem kann es nicht ordentlich gehen«
2)
Karl Friedrich Wilhelm Wander
Deutsches Sprichwörterlexikon
Brockhaus, Leipzig 1867–1880
4)
J. M. Calisch
Neues, vollständiges deutsch-holländisches und holländisch-deutsches Wörterbuch
Tielkemeijer, 1851
wiki/gehen.txt · Zuletzt geändert: 2021/08/03 08:47 von norbert