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wiki:wandermoench

Wandermönch

Wandermönche gab es in vielen Religionen; die griechischen Kyniker entwarfen mit der bactroperita einen philosophisch ähnlichen Lebensreisestil.

Im Christentum stehen Wandermönche ursprünglich in der Tradition der Aussendung der Apostel (`Gesandte´) durch Christus, so dass bis zum Konzil von Nicäa 323 n. Chr. christliche Gemeinden in Asien, Afrika und Europa bestanden, von Äthiopien bis Indien, vom Schwarzen Meer bis Britannien 1).

Die für das Mittelalter maßgebliche regula benedictini bewertete um 540 n. Chr. die Mönchsformen jedoch neu und setzte die stabilitas loci an erste Stelle:

Mönchsform Lebensweise Bewertung
Anachoreten Mönche als Einsiedler im Wald sehr gut & sehr schwer
Koinobiten Mönche im Kloster unter Regel und Abt gut
Sarabaiten Mönche außerhalb des Klosters schlecht
Gyrophagen Wandermönche sehr schlecht

Unabhängig davon zogen im Nordwesten Europas die irischen Wandermönche mit ihrem Stab ab dem 6. Jahrhundert missionierend durch Europa, der peregrinatio propter deum folgend. Columban von Luxeuil verließ als erster irischer Mönch mit einigen Begleitern die Britischen Inseln mit dem Ziel, auf dem Kontinent den christlichen Glauben zu verbreiten. Nach seinem Tod 615 vermachte er seinen Krummstab dem Gallus († 645), wie er ein irischer Wandermönch, der das Kloster Sankt Gallen gründete. Mit Columban, Gallus und Eustatius begann die »iroschottische Mission«, die im 7. Jahrhundert im fränkischen Raum zu rund 300 Klostergründungen führte. Anders als Asketen und Eremiten lebten sie ihren Glauben aktiv, wandernd und missionierend. Aus heutiger Sicht würde man ihnen Neugier, Wandertrieb und Abenteuerlust unterstellen. Die peregrinatio galt ihnen als erstrebenswert und vorbildhaft. Klöster wurden in ländlichen Regionen gegründet, so dass sich der Aufbau einer praktisch autarken Gemeinschaft mit der notwendigen Einfachheit der Lebensführung verband. Spätestens zu Beginn der Neuzeit galt die Lebensführung nicht mehr vorteilhaft und der Wandermönch Irides suchte bettelnd seine Vorteile.

Weit älter noch sind die Wandermönche Dandin (sanskrit `Stabträger´), der indischen Religionen. Das hinduistische Ideal kennt vier Lebenssstufen:

Das Wandergebot untersagte dem Bettelmönch über Nacht in einem Dorf zu bleiben, denn es sollten keine Bindungen aufgebaut werden. Der »Wanderstabträger« sollte sich von Almosen ernähren und klopfte an alle Türen, dort galt er als Atit, wörtlich `der unerwartete Gast´. Für sein Reisegepaeck galten sehr genaue, minimalistische Regeln, diese unterschieden sich im Einzelnen für

  • Veda-Schüler
  • Brahmanische Bettel-Asketen dandamānava
  • Jain-Novizen
  • Jain-Mönche
  • Buddhistische Mönche

Arnold Angenendt
Monachi peregrini
Studien zu Pirmin und den monastischen Vorstellungen des frühen Mittelalters
(= Münstersche Mittelalter-Schriften. 6). Fink, München 1972, ISBN 3-7705-0605-7 (Zugleich: Münster, Universität, Dissertation, 1969).
ders.
Die irische Peregrinatio und ihre Auswirkungen auf dem Kontinent vor dem Jahr 800\\. In: Heinz Löwe (Hrsg.): Die Iren und Europa im früheren Mittelalter Band 1. Klett-Cotta, Stuttgart 1982, ISBN 3-12-915470-1, S. 52–79.
ders.
Peregrinatio\\. In: Lexikon des Mittelalters. Band 6: Lukasbilder bis Plantagenêt. Artemis & Winkler, München u. a. 1993, ISBN 3-7608-8906-9, Sp. 1882–1883. Daniel Caner: Wandering, Begging Monks. Spiritual Authority and the Promotion of Monasticism in Late Antiquity (= The Transformation of the Classical Heritage. 33). University of California Press, Berkeley CA u. a. 2002, ISBN 0-520-23324-7.
Thomas M. Charles-Edwards
The Social Background to Irish Peregrinatio
In: David Greene, Brian Ó Cuív (Hg.): Myles Dillon Memorial Volume (= Celtica. Bd. 11, ISSN 0069-1399). The Dublin Institute for Advanced Studies, Dublin 1976, S. 43–59.
Jean Leclerq
Mönchtum und Peregrinatio im Frühmittelalter
In: Römische Quartalschrift für Christliche Altertumskunde und Kirchengeschichte. Bd. 55, 1960, S. 212–225.

1)
Adolf von Harnack
Die Mission und Ausbreitung des Christentums in den ersten drei Jahrhunderten
J.C. Hinrichs: Leipzig 1906
wiki/wandermoench.txt · Zuletzt geändert: 2021/04/13 05:30 von norbert