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Backcountry-Navigation
Die »Backcountry«-Navigation mit naturgegebenen Landmarken setzt dort ein, wo die Wege (falls es welche gibt) eher verwirren als eindeutig führen, in der unberührten Natur, in Landschaft und Wildnis. Dieses Wissen findet sich
- bei Waldläufern;
- in Steinhaufen (Steinmann, Cairns) sind dauerhafte Zeugen des uralten Versuches in der Wildnis Landmarken zu setzen;
- bei Expeditionen;
- andere Schwerpunkte setzen das Militär (Truppenbewegungen im Gelände), Naturschutz (wildlife corridor), Robotik (Mars Rover). Hierzu sind umfangreichere wissenschaftliche Untersuchungen vorhanden.
Sieht man sich an, wie Wasser bergab fließt, so zeigt sich Backcountry-Navigation anschaulich. Wasser löst das Problem den kürzesten Weg des geringsten Widerstandes zu finden auf rein physikalische Weise. Bergauf ist das schwieriger und ohne Erfahrung und Wissen nicht zu haben. Dann ist es meist eine gute Idee, Wasserläufen zu folgen.
Shumon T. Hussain
Mensch, Fluss und Raum: Überlegungen zur ökokulturellen Rolle großer Flusssysteme im europäischen Jungpaläolithikum.
Archäologisches Korrespondenzblatt 45.5 (2015) 439-458.
Der Autor benennt Affordanz, Fokalität und heuristisches Verhalten als Parameter für die Interaktion des Menschen in einem Naturraum, der das naturräumliche Potential nutzt, und begründet damit Flusssysteme als Achsen der Besiedlung Europas.- Affordanz als Angebotscharakter einer landschaftlichen Umgebung: Sicherheit, Nahrung, Wasser.
Chemero, Anthony
An Outline of a Theory of Affordances.
Ecological Psychology. 15.2 (2003) 181-195.
- Fokalität als Singularität einer landschaftlichen Form in einer großräumigen Umgebung: ein Flußtal, ein Monolith; s. auch Salienz als Eigenschaft von Landmarken.
Wemer Nohl
Über die Rezeption der Eigenart.
Berichte der ANL 21 (1997) 25-37
- Heuristisches Verhalten, also erfahrungsbasiertes Handeln, das Gelegenheiten erkennt und nutzt, s. auch Serendipity.
Corridor Ecology: Auch in einer weglosen Landschaft gibt es Tierpfade und Spuren; die breiten Elefantenpfade Afrikas führen immer zu natürlichen Ressourcen (Wasser, Nahrung, Lehm). Auch Tiere mögen es bequem und so zeigen ihre Spuren den Korridor der Bewegungsmöglichkeiten an, der je nach der Beschaffenheit der Landschaft mehr oder weniger breit ist.
Blake, Stephen,Clement Inkamba-Nkulu
Fruit, Minerals, and Forest Elephant Trails: Do All Roads Lead to Rome?
Biotropica 36.3 (2004) 392-401. DOI
Parsimonious movement: Der Widerstand, den eine Landschaft bietet, führt andererseits dazu, die Richtung zu wechseln.
Warntz, William
Transportation, Social Physics, and the Law of Refraction.
The Professional Geographer. 9.4 (1957) 2–7.
Literatur
Rockman, Marcy,James Steele
Colonization of unfamiliar landscapes the archaeology of adaptation.
London 2003: Routledge. Inhalt u.a.:- Marcy Rockman
Knowledge and learning in the archaeology of colonization - Reginald G. Golledge
Human wayfinding and cognitive maps - Robert L. Kelly
Colonization of new land by hunter-gatherers: expectations and implications based on ethnographic data - Wil Roebroeks
Landscape learning and the earliest peopling of Europe - Christopher Tolan-Smith
Social context of landscape learning and the lateglacial-early postglacial recolonization of the British Isles - James Steele, Marcy Rockman
„Where do we go from here?“ Modelling the decision-making process during exploratory dispersal - Stuart J. Fiedel, David W. Anthony
Deerslayers, pathfinders, and icemen: origins of the European Neolithic as seen from the frontier - Atholl Anderson
Entering uncharted waters: models of initial colonization in Polynesia - Dennis B. Blanton
Weather is fine, wish you were here, because I'm the last one alive: „learning“ the environment in the English New World colonies - Lee Hazelwood, James Steele
Colonizing new landscapes: archaeological detectability of the first phase
