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wiki:reparatur

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Reparatur

Ganz unterschiedliche Motive führen dazu, ein »Ding« reparieren zu wollen, etwa:

  • Bequemlichkeit, weil der Aufwand einen Ersatz zu finden, zu hoch erscheint
  • Bewahren-Wollen, also dem Ding einen ideellen Wert bis hin zur Einzigartigkeit zumessend
  • Gewohnheit, weil Mensch und Ding durch den Gebrauch in besonderer Weise harmonieren (Haptik, Optik, Geruch …)
  • Handwerkliches Können, weil man gerne macht, was man gut kann (Know-How)
  • Notwendigkeit, weil der Gebrauchswert unverzichtbar ist und keine Alternative verfügbar
  • Sparsamkeit, also Kosten vermeidend und die eigene Arbeitszeit nicht berechnend (Humankapital)
  • Technische Kreativität, weil sich das (er)finden einer Lösung gut anfühlt (Flow)
  • Umweltbewußtsein, also als Werterhalt durch Weiternutzung gegenüber stofflichem Recycling oder Abfallentsorgung

Der sich so manifestierende Wille zur Reparatur kann auf verschiedenen Wegen umgesetzt werden:

  • Das Flicken erfordert eine detaillierte Funktionsanalyse und sucht die Wurzel des Defektes. Dies erfordert einerseits handwerkliches Talent und Werkzeuge, andererseits minimiert es die Anforderungen an Hilfsmitteln, etwa durch Löten einer kalten Lötstelle.
  • Das Austauschen von Ersatzteilen oder Modulen erfordert lediglich eine saubere Fehleranalyse, die durchaus schematisch erfolgen kann, also auch von Laien umsetzbar ist. Allerdings erfordert es standardisierte Ersatzteile und verschiebt die Idee des Reparierens, denn: Wer repariert das ausgetauschte Teil?
  • Das Warten im Sinne der Pflege und Instanthaltung mit Blick auf die Endlichkeit des Dinges
  • Frickeln und Friemeln im Sinne von buschmechanischem Handeln löst ein Problem nicht unmittelbar, sondern findet eine funktionsfähige Lösung drumherum, daher neudeutsch workaround. Unter zeitlichem Druck muss ein akutes Problem mit dem gelöst werden, was zuhanden ist. Das Ergebnis sind trickreiche Zwischenlösungen und Provisorien.
  • Erst am Ende allen Reparierens steht das Recycling, also das Zerlgen, Sortieren und stoffliche Wiederverwenden von Bestandteilen
  • viertens Verfahren des Workarounds und der Umnutzung als Frage nach dem

Verhältnis von ›eigentlicher‹ und ›uneigentlicher‹ Reparatur und schließlich fünf- tens die Relation von Herstellen und Reparieren, was grundsätzlich die Dimension einer spezifischen Kreativität und Innovativität des Reparierens betrifft.

Viele Fehler lassen sich beheben, indem die Bedienungsanleitung gelesen, verstanden und befolgt wird oder indem ein Produkt gepflegt und gewartet wird, also Wartung und Instandhaltung. Die Hauptursachen von Autopannen sind ein leerer Tank und eine entladene Batterie. Dort, wo ein Laie eine Reparatur für nötig hält, ist also oft nur ein systematisches Nachdenken oder ein anderer Umgang mit der Technik nötig.

Andererseits ist der Wunsch nach einer »vorbeugenden Reparatur« verständlich, jedoch nicht umsetzbar. Aufträge auf der Basis von Befürchtungen helfen der Werkstatt, nicht dem Fahrzeug: »If it ain't broke, don't fix it!« Zum einen ist ein neues Ersatzteil nicht unbedingt besser als ein funktionierendes Altteil. Zum anderen sind bei jedem Eingriff Kollateralschäden fast unvermeidbar.

Pannen lassen sich manchmal durch Nachdenken und eine Fehleranalyse selber beheben. In unseren Breiten ist Hilfe meist nicht weit und mit dem Handy leicht zu organisieren. Das ist ärgerlich, aber nicht bedrohlich. In einsamen Gegenden sieht das anders aus: ein bushcamp kann erforderlich sein, der richtige Umgang mit der Notsituation erfordert ein nüchternes Problemlöseverhalten und buschmechanisches Handeln.

Wer gelernt hat, Dinge selber zu reparieren (*DIY), ist im Vorteil. Dies erfordert einerseits eine Wertschätzung der Dinge, andererseits eine positive Einstellung durch eigene Arbeit Werte zu erhalten. In Schlagworten ausgedrückt: Nachhaltigkeit statt Wegwerfmentalität. Das Reparieren zu kultivieren ermöglicht mehr Selbständigkeit und Autarkie in selbst geschaffenen Kreisläufen und mindert die Abhängigkeit von externer Versorgung (»Subsistenz«).

Reparieren ist dem Erschaffen von etwas Neuem nahe verwandt. Wer etwas repariert, muss die dem Ding innewohnende Idee des Erfinders nacherfinden und einen neuen, kreativen Weg finden sie wiederaufleben zu lasssen. Die Freude, etwas Altes kreativ zu neuem Leben zu erwecken, ist die eigentliche Quelle des Reparierens und unterscheidet es vom Flicken als dem behelfsmäßigen Wiederherstellen einer Funktion.

Dieser Einstellung entgegengesetzt ist die Entwertung als Abfall, das gedankenlose Wegwerfen. Der unentwegte Konsum von Neuem treibt den Wirtschaftskreislauf an, reduziert den Wert der Dinge aber auf deren Gebrauchswert. Etwas Altes zu erhalten wird aus dieser Sicht oft als »Sparen aus Geiz« abgewertet. Alte Dinge können jedoch durch den Gebrauch bei abnehmendem Gebrauchswert auch an Wert gewinnen. Viele Menschen nehmen das bei ihren Lieblings-Kleidungsstücken wahr: einer Jacke, einem T-Shirt oder einem Paar Schuhe.

Die Möglichkeit, ein Ding zu reparieren, wird häufig eingeschränkt, in einfachster Form verhindern etwa Sicherheitsschrauben oder Nieten das Öffnen eines Gehäuses. Begründet wird dies mit Qualitätssicherung, Sicherheit, Umweltschutz sowie Gesetzgebung. Umgekehrt wird argumentiert, dass der Kauf eines Dinges auch beinhalten muss, dieses Ding zu reparieren, siehe Right to repair.

Die Grenzen hin zur Optimierung verschwimmen, wenn es darum geht die Funktionen eines Dinges an die Bedürfnisse der Nutzer anzupassen. Das kann bedeuten Funktionen einzuschränken, abzuschalten oder zu erweitern, etwa durch Deaktivieren oder Abbauen von störenden Bestandteilen.

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