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wiki:balkonien

Balkonien

Ursprünglich spöttische Bezeichnung des Reiseziels, weil man nicht verreisen darf (eingeschränkte Reisefreiheit), kann (Leere im Portemonnaie) oder will (Oknophilie) und daher aus der Not eine Tugend macht, während alle anderen verreisen. Damit wird Balkonien zum trotzigen Distinktionsmerkmal der Unvermögenden, der auch durch den Spaziergang nicht ersetzt werden kann; als neuer Trend seit den 1990er Jahren erscheint balconing.

Der Begriff dürfte in der Weltwirtschaftskrise in Berlin entstanden sein und findet sich erstmals dort 1933 in der Presse 1) neben »Sommerfrische« und »Laubenkolonie«, 1964 als Gedichttitel 2) sowie später als Nische für »Heimat« in der DDR 3) neben Schrebergarten und Kleintierzüchter, also als Teil kleinbürgerlicher Lebensformen.

  • Felix Mitterer
    Die Piefke-Saga.
    Komödie einer vergeblichen Zuneigung.
    Haymon Verlag, Innsbruck 1991, ISBN 978-3-85218-089-2.
    Die Piefke-Saga wurde zwischen 1990 und 1993 als Vierteiler nach einem Drehbuch von Felix Mitterer produziert (NDR/ ORF, Regie Wilfried Dotzel und Werner Masten Teil 4). Gezeigt werden Begegnungen im Urlaub zwischen deutschen Touristen (Piefkes) und Österreichern, die als Komödie angelegt sind, satirisch bis absurd überhöht und manchmal provozierend, weil sie den »Heuhaufen wohlerworbener Klischees« (ORF) über »den Deutschen« und »den Österreicher« bedienen.

siehe auch
Liste der unübersetzbaren reiserelevanten Begriffe

1)
Berliner Lokal-Anzeiger vom 10. August 1933, siehe: Hans Schulz, Otto Basler: Deutsches Fremdwörterbuch 2. A. de Gruyter, Berlin/New York 1996, Stichwort »Balkon, Balkonien«
2)
Berndal, Franz. Det kann nur een Berliner sein Gedichte. Dannemaier Karlsruhe 1964
3)
Zehn Jahre danach: Bildungswesen und Erziehungswissenschaft in Deutschland und Polen in vergleichender Perspektive. 2004. Münster: Waxmann, S. 244
wiki/balkonien.txt · Zuletzt geändert: 2022/06/18 16:34 von norbert