Frontier

Frontier kann eine (Staats-)grenze synonym zu boundary bezeichnen und fällt dann mit `border´ zusammen. Ursprünglich liegt die frontier jedoch vor der border und ist der Zwischenraum (borderland) eines sich ausdehnenden Staatsgebietes, dessen Grenzen noch nicht festgeschrieben sind. Die Entstehung von Nationen, Staaten und weltweit anerkanntem Völkerrecht hat diesen Vorgang zu Beginn des 20. Jahrhunderts abgeschlossen.

Die Dynamik in der frontier war auf individueller Ebene bestimmt durch Träume, Hoffnungen, Vorstellungen, Weltanschauungen wie sie etwa in der Metapher des `Weiten Landes´ zu finden sind. Verkörpert wurde sie maßgeblich durch Waldläufer, Abenteurer, Entdecker, Schmuggler und nachfolgende Siedler, insbesondere in der `Neuen Welt´ mit dem `Wilden Westen´, aber auch in Sibiriens `Wildem Osten´, im südlichen Afrika, in Australien. In diesem Sinne bedarf die frontier der Grenzgänger auf der Grenze zwischen Leben und Tod.

Die Erschließung der frontier war in erster Linie Sache abenteuerlustiger Individualisten bevor Siedlerfamilien das Land aufteilten und bevor der Staat Grenzen zog. Das Selbst dieser frontiersmen wurde maximal gedehnt, weil sie der Wildnis und dem Fremden in nie gekanntem Ausmaß begegneten, Grenzgänger waren, immer auch an der Grenze zwischen Leben und Tod. Der Mythos dieser Ausdehnungserfahrung spiegelt sich in Literatur und Film 1).

Literatur

Russland mit Sibirien

1)
Dickinson, S.
Travel and National Culture in Russia From Peter I. to the Era of Pushkin
Amsterdam/New York 2006
Dickinson, S.
Imagining Space and the Self
Ann Arbor 1995