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Anhang von Twiss 1777 Reise durch Irrland im Jahr 1775

  • 1779 Twiss, Richard, 1741−1821
    A tour in Ireland in 1775
    With a view of the salmon-leap at Ballyshannon.
    [2], 228 S. Tafeln. Dublin 1776 (2.A.): printed for Messrs. Sheppard, Corcoran, Cross, Potts, Chamberlaine et al. 1777 (3.A.)
    • S. 177-202 in: [Appendix to Twiss's Tour of Ireland]
    • Reise durch Irrland im Jahr 1775. Nebst einem Anhange
      [Meilenverzeichnis] 142 S. Leipzig 1777: Junius.

Anhang.

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Da ich nun den größten Theil von England, Schottland, Irrland, Holland, Flandern, Frankreich, Schweiz, Teutschland, Böhmen, Italien, Portugal und Spanien besucht habe, und wenn ich sechzehen Seereisen hinzusetze, auf 27000 Meilen (englische) gereiset bin, welches 2000 Meilen mehr macht, als der Umkreis der Erde beträgt, so will ichs wagen, einige wenige Bemerkungen über das Reisen mitzutheilen.

Vielleicht hält man einen Reisegefährten für eine nothwendige und angenehme Sache; allein man wird diesen Gedanken nicht völlig richtig finden, wenn man mehr ins Besondere hineingehet. Soll ein Reisegefährte angenehm seyn, so muß er mit dem Reisenden beynahe von gleichem Alter und Stande seyn, ein gleiches Vermögen besitzen, auf eine gleiche Art erzogen seyn, und mit seinem Geschmack in Ansehung der kleinen Zeitvertreibe übereinstimmen. Gesetzt, man fände nun eine solche Person, so ist es leicht moglich, daß seine Gesundheit in der Folge angegriffen, und er durch Krankheiten im Reisen aufgehalten werden kann; er kann dem Spiel, dem Wein, dem Zank, dem Frauenzimmer ergeben seyn; er kann Lust haben, sich lange an einem Ort aufzuhalten, nach einem andern zurück zu gehen; er kann bey anscheinenden Gefahren verzagt; in Ansehung seiner Diät gar zu zärtlich; er kann geizig oder verschwenderisch seyn: alle diese Eigenschaften würden

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schon hinreichen, die Fortdauer des guten Verstandnisses zwischen den Reisenden zu stören, und früher oder später ihrer Gesellschaft ein Ende zu machen. Da überdem einer vor den andern ganz naturlich mehr Gaben haben und fähiger seyn wurde, sich beliebt zu machen, so wurde die Aufnahme der beiden Reisenden in fremden Ländern sich nach diesem Unterschiede richten, und der am wenigsten vollkommene wurde blos als ein Begleiter des andern angesehen werden, welches wiederum Gelegenheit zur Uneinigkeit geben könnte.

Gouverneurs oder Hofmeister auf Reisen scheinen nur wenig nutz zu seyn, denn insgemein sind sie entweder pedantische oder unwissende Geistliche, die selbst einen Bärenführer 1) nöthig haben, und wegen ihrer Dürftigkeit leicht beredet werden können, die schlechte Aufführung ihrer Untergebnen zu übersehen, oder gar die Augen dabey zuzuthun: folglich sind sie üble Anführer zur Erwerbung von Kenntnissen. 2)

Wenn ein junger Mensch die Reise durch Europa allein macht, und sich unanständig beträgt, so können seine Eltern oder Vormünder, den ihn hier und dort gemachten Credit leicht einziehen; oder hat er schon über sein Vermögen freye Hand, so wird ers vermuthlich bald verschwenden, und so hören in beiden Fallen seine Reisen auf. Die Erfahrung eines Menschen ist

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allemal das beste, wenn sie nur nicht zu theuer erkauft wird. Die gewöhnliche Art unserer jungen Herren, gleichsam auf der Post Frankreich und Italien durchzustreifen, kann kein Reisen genannt werden. Sie halten nur mit ihren Landesleuten, gefälligen Frauenzimmern und Betrügern Umgang, und dadurch bringen sie dem Adel in jenen Ländern, der täglich mit Empfehlungsbriefen gequält wird, ein Vorurtheil gegen alle englische Reisende bey. Hingegen in Spanien und Portugal, das nicht von solchen Leuten überschwemmet ist, sind die Einwohner außerordentlich höflich und gastfrey. 3)

Doch gesetzt, man fände es durchaus nöthig, einem jungen Reisenden einen Hofmeister zu geben, sollte nicht ein älterlicher Officier geschickter dazu seyn, dessen Weltkenntniß, freye Denkungsart, und persönliche Tapferkeit seinem Untergebenen ungemein dienlich seyn könnte; der ihn aller Orten begleitete, und seine heftige Leidenschaften, die sich nicht ganzlich unterdrücken lassen, wenigstens in Ordnung hielte. Wie dienlich

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oder vielmehr wie undienlich ein Geistlicher als Hofmeister auf Reisen seyn mag, lehrt Sterne in seiner Predigt vom verlornen Sohn sehr nachdrücklich:

„Wenn die Weisheit in keiner andern Sprache, als in der griechischen oder lateinischen reden kann, wenn man durch die Mathematik ein artiger Mann wird, oder wenn die natürliche Philosophie nichts anders lehret, als eine Verbeugung zu machen, so kann er einige Dienste leisten, aber wenn es um und um kommt, wird es gemeiniglich da hinaus laufen, daß der unglückliche Jüngling in denjenigen Fällen, wo es am nothwendigsten ist, sich schicklich zu betragen, den Hofmeister, wenn er ein bloßer Büchergelehrter ist, führen muß, und nicht von ihm geführet werden kann.“

Noch ist hiebey anzumerken, daß bey den Römischcatholischen eine große Anzahl der berühmtesten Gelehrten Priester sind; deren Umgang sich ein steifer englischer Prediger nicht nur entziehen wird, sondern auch sich und seinen Untergebenen durch seine thörichte und hartnäckige Nichtübereinstimmung in viele gefährliche Schwierigkeiten verwickeln kann.

Eine andere Gattung von Hofmeistern lieset man gemeiniglich unter abgedankten schweizerischen Kammerdienern auf; der etwa schreyet, er habe die Reise durch Europa mit gutem Erfolg gemacht: das ist, wie Sterne fortfährt, “ohne daß er oder sein junger Herr den Hals gebrochen haben„. Dieser weiß allemal auf einen halben Pfennig, was eine jede Poststation von Calais bis Rom kostet; er weiß wo. die besten Gasthöfe sind, wo man die besten Weine haben kann, und eine Abendmahlzeit kostet seinem

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Untergebenen einen Liver weniger, als wenn er die Reise allein gethan, und für sich ausgezahlt hatte. Und hier hat sein Stolz, seine Kenntniß und seine Nutzbarkeit ein Ende.

Endlich gesetzt, der junge Mensch ist mit Empfehlungsschreiben gut versehen, und erhält dadurch zu den besten Gesellschaften Zutritt, so drückt sich Sterne darüber in folgenden Worten aus, zu denen man so wenig etwas hinzuthun darf, als man dawider Einwendungen machen kann:

„Gesellschaften, die wirklich gut sind, finden sich aller Orten sehr wenige, „und sie sind gar nicht bekannt. In keinem Stuck betrugen wir uns so sehr, als in den Vortheilen, die man uns als Folgen unsrer Bekanntschaften und Unterredungen mit Gelehrten u. s. w. in fremden Länder anpreiset, besonders wenn wir reisen, ehe wir durch die Jahre oder durch das Studiren reif geworden sind. Der Umgang ist ein Handel; wenn ihr ihn mit einem gewissen Vorrath von Kenntnissen anfangt, damit die Rechnungen zwischen euch und euren Gesellschaften immer gleich seyn, so hört der Handel mit einmal auf, und dies ist auch die Ursache, man mag noch so sehr pralen, daß man das Gegentheil erfahren habe, warum die Reisenden in so wenig (besonders in guten) Gesellschaften mit den Eingebornen kommen. Diese vermuthen nämlich, oder sind vielleicht durch häufige Erfahrungen wirklich überzeugt, daß von dem Umgang mit jungen Reisenden nichts zu holen ist, das sich der Mühe verlohnte, auf ihre schlechte Sprache aufmerksam zu seyn, oder sich durch

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ihre Besuche stören zu lassen. Beide Parteyen werden in solchen Fällen gemeiniglich mit einem gleichstarken Ekel für fernern Besuchen erfüllet; und dies hat die Wirkung, daß der Jüngling, der sich in seiner Hoffnung betrogen sieht, eine angenehmere Gesellschaft sucht, und da der Zutritt in schlimmere Gesellschaften allezeit offen ist, so ist die Reise bald zu Ende.“

Ich will nicht hoffen, daß ich mich wegen Anführung obiger Stellen so wohl, als der gleich folgenden werde entschuldigen dürfen, besonders da sie aus Predigten genommen, und daher jungen Leuten vermuthlich nicht so bekannt sind, als sie es zu seyn verdienen.

Die Hauptabsicht der Reisenden sollte dahin gerichtet seyn, die Sprachen, Gesetze und Gebräuche anderer Nationen zu lernen, von ihrer Regierung und Interesse Kenntniß einzuziehen; denn hievon kann ein vernünftiger Reisender folgende Vortheile erndten: „ein höfliches und zuversichtliches Betragen, welches den Verstand zum Umgange und zur Unterhaltung geschickter macht”; er wird den Irrthümern der Kinderstube entzogen; und bessert seine Beurtheilungskraft, da er neue Gegenstände, oder die alten in einem neuen Lichte siehet; er erkennet was gut ist, da er beständig die Veränderungen der Natur schmeckt; er begreift, was aufrichtig ist, da er die List und Künste der Menschen beobachtet; und indem er den Unterschied so vieler unterschiedenen Einfälle und Sitten sieht, thut er einen Blick auf sich selbst, und bessert die seinigen.

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Ohne diese ungeduldige Begierde zu reisen, würde der Verstand auf immer bey dem gegenwärtigen Blatt einschlummern, und wir würden uns nach Bequemlichkeit bey den Gegenständen aufhalten, die sich uns in dem Kirchspiel, wo wir zuerst Odem schöpften, darstellten, 4) aber der Trieb, neue Sachen zu sehen, nebst dem Verlangen, uns aller Lehren der Weisheit und Besserung zu Hause zu entziehen, jagt unsere Jugend zu zeitig in die Fremde.

Viele, die nie aus ihrer Heymath gewesen sind, bilden sich vielleicht ein, daß mit Reisen ungemeine Gefahren und Beschwerlichkeiten verknüpft sind; so wahr ist es, wie ein alter Reisender angemerket hat, daß Unwissenheit und Faulheit uns alles schrecklich machen; wir wollen nicht, weil wir nicht dürfen; und dürfen nicht, weil wir nicht wollen. Es ist möglich, außerhalb Landes zu ertrinken, den Hals zu brechen, ermordet zu werden, in eine Krankheit zu fallen; aber alle diese Möglichkeiten können uns auch daheim betreffen. 5) Ohnstreitig ist eine Reise außerhalb Europa

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gefährlich und unbequem; aber das kann ich versichern, daß mir in dem gesitteten Theil von Europa nie der geringste Zufall begegnet ist, ich auch nie durch Krankheit aufgehalten bin. Hingegen läßt sich natürlicher Weise vermuthen, daß die beständige Leibesübung, die Veränderung des Clima, und die abwechselnde Nahrungsmittel den Körper ungemein abhärten, und da die Gesundheit desselben gar sehr von dem Zustande des Gemüths abhängt, so kann vielleicht das Vergnügen der durch Reisen erlangten Kenntnisse, ein Vortheil, den wir nie verlieren können, und den uns niemand rauben kann, so lange wir Verstand und Gedächtniß behalten, kleine Krankheiten von uns entfernen, und

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uns in den Stand sehen, größere, die uns überkommen können, geduldig zu ertragen.

Wer mit Nutzen reisen will, muß zu Hause einer gelehrten Erziehung genossen haben. Er muß mit seinem Vaterlande wohl bekannt seyn, damit er es mit andern vergleichen könne; denn ohne einen gehörigen Grund wird er unmöglich sich solche Kenntnisse verschaffen können, die ihn Mühe, Zeit und Kosten ersehen: Alles ist blos vergleichungsweise gut oder bose, schön oder heßlich; je mehr Begriffe wir mit einander verbinden und vergleichen können, desto mehr Vergnügen und Einsicht verschaffen wir uns; folglich vermehren wir beständig die Anzahl unserer Begriffe und verlängern den Maasstab des Vergnügens des Geistes.

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Ein Reisender muß nothwendig alle Sprachen der Länder, die er besucht, verstehen, und geläufig reden können; sonst wird er immer einsam und unwissend bleiben.

Man hält dafür, daß die französische Sprache aller Orten verstanden wird, und ein Reisender mit derselben durch ganz Europa fortkommen kann, aber dies ist ein Irrthum. Ich will mich nur auf England berufen; kann ein Fremder mit Vergnügen und Nußen dieses Land besuchen, wenn er blos jene Sprache redet? Wenn aber ein Fremder sich die Mühe gegeben, eine critische Kenntniß der englischen Sprache zu erhalten, und die Werke der besten Schriftsteller in derselben gelesen hat, so läßt der Engländer eine gewisse Partheylichkeit für ihn blicken, und ist viel williger, ihm alle Nachricht, die er nur verlangen mag, mitzutheilen, als wenn er mit stolzer Verachtung einer Sprache und der Bücher, die er nicht verstehet, ihnen die seinige aufzudringen sucht.

Wer mit Anstand reisen will, muß nicht nur die Sprache, sondern auch die Sitten, die Kleidung, die Gebräuche des Landes annehmen, in welchem er sich befindet; er muß so gar geduldig, und ohne Widerspruch die Meinungen in Religions- und Staatssachen, die zufälliger Weise in einer Gesellschaft vorkommen, anhören, wenn sie auch von den seinigen noch so sehr unterschieden sind.

Die niedrigen Stände des Volks verstehen in allen Ländern blos ihre Muttersprache: da nun ein Reisender derselben nicht entbehren kann, sondern Wirthe,

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Postknechte, Handwerker und dergleichen nöthig hat, welche alle zum Denken oder Ueberlegen nicht sehr geschickt sind, so siehet man deutlich genug, daß er sich unzähligen Beschimpfungen und Betrügereyen aussehen wird, wenn er ihre Sprache nicht kennet; in gegenseitigem Falle aber wird er sich sogleich ihre Achtung er werben, und eine Ehrfurcht erregen, die ihm oft vortheilhaft ist, besonders wenn er sich nicht hochmüthig beträgt: denn wenn diese Leute finden, daß ein Reisender sich von seiner Würde (die sie in ihm vermuthen) herabläßt, sich ihnen gleich stellet, an ihren Belustigungen Theil nimmt, ihnen von seinen überflüßigen Bequemlichkeiten mittheilet, so werden sie alles thun, ihm zu dienen, was in ihren Kräften stehet; dahingegen bey einem gegenseitigen Betragen oft sein Leben in Gefahr ist.

Wenn ein Reisender nur bedenket, daß, so erhaben sein Stand, so achtungswürdig seine Verbindungen, so groß sein Vermögen in seinem Vaterlande seyn mag, er außer demselben ganz allein ist, und sich oft weder auf Freunde noch Beschützer verlassen kann; so wird er einsehen, wie nöthig es ist, sich unter den Einwohnern Freunde und Beschützer zu erwerben, die ihm, wenn sie gleich geringer sind, als er, im Fall der Noth unendliche Dienste leisten können, und bisweilen willig sind, Fremden eher kleine Unachtsamkeiten zu verzeihen, als ihren Landesleuten. In Ansehung der Reisekosten will ich noch einige Anmerkungen hinzusetzen, die aber denen nicht gelten, deren unermeßliches Vermögen sie über alle Regeln der

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Oeconomie wegsetzt; denen ist alles erlaubt, denn sie machen gleichsam eine von den übrigen Menschen ganz verschiedene Klasse aus; da ihre Anzahl aber nicht groß ist, so kann ihr Beyspiel zum Glück auf den größten Theil der Reisenden wenig Einfluß haben, die wir als Personen ansehen, die nur ein mittelmäßiges Vermogen besitzen.

Ein solcher kann für achthundert Pfund des Jahrs, im Durchschnitt genommen, (weil in einigen Ländern die Kosten größer, in andern geringer sind) in einem Wagen mit zwey Pferden, von einem Bedienten begleitet, reisen; er kann alles sehen, alle öffentliche Oerter und Lustbarkeiten besuchen, wohl gekleidet erscheinen, in den Städten, wo er einige Zeit zu bleiben gedenket, eine Kutsche und Lohnbedienten halten, und mit der besten Gesellschaft von Europa Umgang haben.

Man siehet es leicht ein, daß die Ausgaben für Gemälde, Bücher, Statuen, die er Lust zu kaufen haben möchte, in obiger Summe nicht begriffen sind, so wenig als wenn er ausschweifend spielt, oder das Frauenzimmer ihn viel kostet.

Wenn er jährlich fünfzig bis sechzig Pfund auf eine vernünftige Art in Kleinigkeiten anlegt, so kann er sich den Ruhm der Freygebigkeit erwerben, der ihm in vielen Stücken vortheilhaft seyn kann.

Es ist rathsam, daß ein Reisender gleich nach seiner Ankunft in einer Hauptstadt dem Gesandten oder Minister seines Landes aufwarte. Hat er Empfehlungsbriefe an denselben, oder eine persönliche Bekanntschaft

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schaft mit ihm, so kann ihm dieselbe in seinem Umgang mit den Einländern von großem Nutzen seyn. Hat er keine Empfehlungsbriefe, und er hat sich bey dem Gesandten nicht gemeldet, so kann er auch auf den Schutz desselben keinen Anspruch machen.

Es giebt verschiedene Eigenschaften, die Kleinigkeiten zu seyn scheinen, und dennoch dem Reisenden große Dienste leisten können. Es ist nicht ganz unnöthig, daß er Degen, Flinten und Pistolen ziemlich gut zu gebrauchen weiß, und es würde nicht übel seyn, wenn er sich oft im Fechten, oder nach der Scheibe zu schießen übte. 6) Auch kann ein Reisender durch die Uebung geschickt werden, einen Raum durch regelmässige Schritte im Gehen zu messen, oder von unersteiglichen Höhen oder Entfernungen ziemlich richtig zu urtheilen.

Er wird es sehr bequem finden, wenn er beständig in Stiefeln geht, und auf der Landstraße gleich fertig ist, auf Pferden, Eseln und Mauleseln zu reiten, da viele interessante Gegenstände an Orten sich befinden, dahin er mit keinem Wagen kommen kann; ingleichen, wenn er sowohl als sein Bedienter eine Kutsche entweder vom Bock oder auf dem Pferde zu regieren weiß, wenn etwa dem Postknecht ein Zufall begegnete; überdem kann er sich ein abwechselndes Vergnügen damit machen, wenn er bald dieses thut, bald spazieret.

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Wenn der Reisende in eine Stadt gekommen ist, so kann er seine Besichtigung damit anfangen, daß er das höchste Gebäude und die höchste Erhöhung in der Nachbarschaft besteigt. Ist ein Grundriß von der Stadt vorhanden, und er hat denselben bey sich, so wird er sich eine deutliche Vorstellung von ihr machen können. Hernach kann er sich einige dahin gehörige Bücher und Kupfer kaufen. Auch die Calender und Zeitungen, 7) die in derselben gedruckt werden, können ihn unterrichten, und die Besichtigung alles dessen, was er darinn angezeigt findet, und die Nachrichten, die er durch seinen Umgang mit den Einwohnern erhält, können seine Kenntnisse vollkommen machen.

Jede Gabe, die der Reisende besitzt, kann ihm neue Vergnügen gewähren: hat er einen Geschmack am Ackerbau, Botanik, Naturgeschichte, Musik, Malerey, Bildhauerkunst, Baukunst, u. s. w. so kann er denselben auf Reisen im höchsten Grad befriedigen,

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und seine Kenntniß von derselben unaufhörlich vermehren. Die Musik ist unter diesen der angenehmste Zeitvertreib, indem sich viele Personen zu gleicher Zeit daran vergnügen können. Wenn überdem der Reisende selbst musikalisch ist, so kann er sich nicht nur in einsamen Augenblicken ein unschuldiges Ergohen verschaffen, sondern sich auch dadurch den Zutritt zu vielen angenehmen Gesellschaften bahnen, von denen er ohne dieses Talent wahrscheinlich ausgeschlossen geblieben wäre.

Außer der Kenntniß der Sprachen ist es eine höchst nöthige Eigenschaft eines Reisenden, daß er im Zeichnen geübt sey, auch einigen Begriff von der Geometrie, Trigonometrie, und der Perspectivkunst habe; denn so wird er Grundrisse, und Aussichten aufnehmen, und seltne naturliche oder künstliche Gegenstände abzeichnen können. Er sollte deswegen allemal mit einem kleinen Teleskop, oder Taschenmicroscop, Barometer, Charten, und so ferner, und allem, was zum Zeichnen und Schreiben gehört, versehen seyn.

In manchen wenig bewohnten Gegenden von Europa, muß ein Reisender in seinem Aufzug sehr behutsam seyn. Er handelt am sichersten, wenn er ein offenes Kleid trägt, und unter keinem Vorwand Juwelen, Uhren, Geschmeide, oder Geld sehen läßt, noch eine wichtige Mine annimmt.

Es ist nicht allemal klug, seine Empfehlungsbriefe gleich abzugeben, ohne wegen der Personen, an

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die sie gerichtet sind, Erkundigung einzuziehen, welches seiner eignen Einsicht überlassen bleibt.

Die Erfahrung lehrt, daß die Einwohner der südlichen Gegenden insgemein auf ihre Geliebte, nicht aber auf ihre Weiber eifersuchtig sind; und man dort, so wie allenthalben, weit eher zu einem Frauenzimmer kommen, als sie, wenn man wegreist, los werden kann. In den Gasthöfen oder Läden dieser Länder findet man selten Frauenzimmer, da aber ein Reisender häufige Gelegenheit hat, dergleichen Mädgen anzutreffen, die nicht unerbittlich sind, so will ich ihn nur erinnern, daß es für seine Gesundheit, Ruhe und Beutel desto besser seyn wird, je weniger er sich mit ihnen einläßt.

Auch hat der Reisende sich in allen Ländern in Acht zu nehmen, daß er nicht mit jungen Leuten zu vertraute Bekanntschaft macht, denn es könnte ihm in viele Schwierigkeiten verwickeln. Vor allen Dingen aber bedenke er, daß er allenthalben, durch Geduld, gute Worte, und gelinde Mittel, seinen Zweck weit sicherer erhält, und alle Gefahr vermeidet, als wenn er in ungeduldige Hitze und Schmähungen ausbricht. Das Sprichwort Heinrich des Vierten, Königs von Frankreich, hat seine gute Richtigkeit:

Parole douce et main au bonnet
Ne coute rien et bon est.
8)

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Nachdem wir nun die Vortheile des Reisens auf merksam erwogen haben, so mussen wir auch an der andern Seite bedenken, daß wir desto weniger mit dem Umgange der mehresten Menschen zufrieden seyn werden, je mehr Kenntnisse wir besitzen, da der größte Theil aus Unwissenden oder Lasterhaften besteht: und daß unser Geschmack durch die Betrachtung der verschiedenen Schönheiten der Natur und der Kunst so verfeinert werden wird, daß ihm die meisten Sachen, die ihm in dem Laufe eines ruhigen und einheimischen Lebens vorkommen, unbedeutend und abgeschmackt scheinen werden, und er an dem größten Theil dessen, was man Vergnügen nennet, wenig Geschmack finden wird.

Ich komme zum Schluß: Wenn der verständige Reisende ein Engländer ist, wenn er Europa besehen hat, und nun die verschiedenen Himmelsgegenden, Producten und Regierungsarten, die den verschiedenen Nationen eigen sind, in Erwägung zieht, da einige von der Dürre, die ein halbes Jahr anhaät, verbrannt werden; andre das Ansehen haben, als wenn sie unter einem Tropfstein lägen; andere unter dem Schnee begraben, dem Erdbeben unterworfen, dem Wüten feuerspeyender Berge oder unwiderstehlichen Ueberschwemmungen ausgeseht; andere mit wilden oder giftigen Thieren überhäuft sind, so wird er einsehen, daß er in England weit mehr Tage in der freyen Luft zubringen kann, als in einem andern Lande. Wenn er ferner die willkührlichen und tyrannischen Regierungsarten, die unnatürliche Gewalt der

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Inquisition, die Sclaveren und Armuth des Pöbels, den Stolz und die Unwissenheit der Vornehmen, den Aberglauben und die Andachteley von beiden, die in verschiedenen Ländern in Schwange gehen, betrachtet, und sie mit den Vortheilen vergleicht, die seinem Vaterlande einen so erhabnen Vorzug geben, wo das Clima gemäßigt, der Boden fruchtbar, die Regierung milde, die Einwohner beiderley Geschlechts verständig, das Frauenzimmer vorzüglich schon ist, so wird er mit der Glückseligkeit, die er genießt, daß er den Rest seiner Tage in England zubringen kann, zufrieden seyn.

Ende


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1)
Ein allgemeiner Name, den man Personen in England giebt, die junge Leute auf Reisen führen. d. Ueb.
2)
Ich habe nie einen Hofmeister, auch nur auf kleinen Streifereyen, und sonst nie einen Reisegefährten gehabt.
3)
Zu Ferney bey Genf hatte ich das Vergnügen, mit Voltaire hierüber zu reden; am Ende gab er mir schriftlich folgende Zeilen: an Englishman who goes to Italy, leaves men to see pictures. (Ein Englander, der nach Italien geht, verläßt Menschen, um Gemälde zu sehen.) Er wollte sich aber nicht erklären, ob er meynte, daß die Menschen in England geblieben, und in Italien nichts als Gemälde zu sehen wären, oder ob ein Engländer die Kenntniß der Menschen um die Kenntniß der Gemälde verabsäumte.
4)
Dieser gierige Durst nach Kenntnissen, und der Veränderung des Orts, scheint einer der glaubwürdigsten Beweise für die Unsterblichkeit der Seele zu seyn.
5)
Folgende noch niemals unternommene Reise würde denjenigen, die sie zu unternehmen Lust hatten, ver muthlich viel Vergnügen gewähren. Gesetzt, vier bemittelte Personeu wollten sie unternehmen, so könnten sie ein Schiff von hundert und fünfzig Tonnen kaufen oder miethen; es müßte sechs bis acht Canonen, und außer dem Schiffer fünfzehen bis zwanzig Mann führen. Jeder Reisende müßte seinen Bedienten haben, das Schiff mit Feuerröhren und andern Waffen, auch mit verschiedenen mathematischen und astronomischen Instrumenten, Büchern, Charten, und dergleichen; nicht weniger mit Lebensmitteln auf einige Monate und den gehörigen Pässen versehen seyn. Sie könnten alsdenn durch die Straße von Gibraltar gehen, und anstatt in Spanien, Frankreich oder Italien zu landen, die africanischen Häsen, Tangers, Ceuta, Melilla, Oran, Algiers, Tunis, Tripoli, Alexandria besuchen; einen Streif nach Großcairo und den Pyramiden thun, nachher in Joppe an Land gehen, Jerusalem, Damascus und Aleppo besehen; dann wieder auf Cypern und Rhodus landen, Smirna in Augenschein nehmen, und die Reise nach Constantinopel fortsetzen. Auf dem Rückwege könnten sie in allen vornehmsten Inseln des Archipelagus und auf Candia an Land gehen, von Athen nach Corinth reisen, und endlich die hauptsächlichsten Inseln in der mittelländischen See, Sicilien, Maltha, Sardinien, Corsica, Minorca und Majorca besuchen. Auf dieser Reise würden sie zwanzig Monate oder zwey Jahre zubringen, und sie konnte wohl viertausend Pfund kosten. Dieser Plan konnte noch sehr erweitert werden; ich gebe nur einen bloßen Fingerzeig, und ein jeder wird es einsehen, daß er sich von einer einzigen Person nicht ausführen läßt
6)
Ich besorge, daß man dies für Scherz aufnimmt, aber es ist mein völliger Ernst
7)
Eine englische Zeitung ist ein ganz außerordentliches literarisches Product, dem keine in fremden Ländern im Druck erscheinende Zeitung gleich kommt. Es ist zu bewundern, wenn man die ungemeine Mischung von wahren und falschen Neuigkeiten, Staatssachen, Privatverleumdungen, theologischen Abhandlungen und Anzeigen bedenkt, aus denen sie zusammengesetzt sind, daß willkührliche und abergläubische Regierungen, die so viele und mancherley Bücher verbieten, demungeachtet die englischen Zeitungen allemal einbringen und circuliren lassen
8)
Ein gutes Wort, und den Hut in der Hand, kostet nichts, und hilft allemal.
wiki/1775_twisse_anhang_reise_durch_irrland.txt · Zuletzt geändert: von Norbert Lüdtke

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