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wiki:reisebuch

Reisebuch

Reisebericht

Als Reisebericht gilt eine subjektive Schilderung des Autors in der ICH-Form mit dem Anspruch: Das habe ich erlebt! Meist nicht überprüfbare authentische Erlebnisse sind in geographischen Räumen und Routen (Reisewege, Ziel) lokalisierbar, oft chronologisch angeordnet, oft in Form eines Tagebuches. Fotos, Landkarten und Reisepartner belegen den Wahrheitsgehalt.

Übergangsformen zur Travel-Fiction

a) Nicht der Reisende, sondern jemand anders beschreibt dessen Erlebnisse, folgt der Erzählung oder dem Tagebuch des Reisenden, wird zur imaginären Reise, vielleicht nach Phantasieorten. Authentizität geht verloren, die Phantasie des Autors füllt Lücken. b) Die subjektive Schilderung des Autors in der ER-Form deutet eine Distanzierung zum Erlebten an, den Rückzug in die Innerlichkeit, eine Loslösung von äußeren Ereignissen.

Übergangsformen zur Länder- oder Völkerkunde bzw. zu Reiseführern

Der Reisende versteht sich selbst mehr oder weniger als Medium, das objektivierbare Informationen übermittelt. Dazu dient häufig eine MAN- oder ES-Form, die das Land, die Menschen oder ein Thema in den Vordergrund rückt. Eigene Erlebnisse dienen nur dazu, verallgemeinerte objektive Sachverhalte am erfahrenen Einzelbeispiel zu belegen. Weltanschaulich ist das in kommunistischen oder sozialisten Systemen zu beobachten: Individualistisches Reisen ist verpönt, der »wurzellose Kosmopolit« gilt als Abweichler 1) nur im Rahmen »internationaler Solidarität« wird Reisen wertvoll, siehe etwa die Reiseberichte in der DDR.

Länder- und Völkerkunden

Länder- und Völkerkunden generalisieren eine Vielzahl subjektiver Erfahrungen. Das führt im Idealfall zu naturwissenschaftlich exakten und dauerhaften Aussagen über Geologie, Geographie, Fauna, Flora … Meist wird jedoch ein schein-objektives Bild der Welt (Afrika, Orient), der Länder und Menschen entworfen: die ökonomischen und politischen Interessen einer Epoche formen das Bild, sie spiegeln ein zeittypisches Weltverständnis. Hier werden die Begriffe definiert, mit denen Menschen und Regionen zu erkennen und zu beschreiben sind: „So siehst Du die Welt richtig!“

Reiseführer

Reiseführer bieten dem Reisenden Sicherheit. Dazu enthalten sie objektivierte Angaben mit Anspruch auf relative Allgemeingültigkeit. Kriterium zur Bewertung von Inhalten ist deren Nützlichkeit (Preise, Adressen, Zeiten). Verallgemeinerungen sollen helfen, eine Beziehung zum Land herzustellen (Regeln, Verhaltenstips). Sie sind meist zielgruppenorientiert, also geschrieben für eine bestimmte Art der Aktivität (Skifahren, Tauchen, Bergsteigen …) oder für ein besonderes Verkehrsmittel (Auto, Fahrrad, Motorrad, zu Fuß …), für Männer, Frauen, Familien … Sein Ziel ist die Minimierung von Geld und Zeit bei der Maximierung von Bedürfniserfüllung.

Zusammenfassung

1.1 Travel-Fiction als imaginäre Erfahrung von Welt
1.2 Reiseberichte als experimentelle Erfahrung von Welt
1.3 Karten & Atlanten als empirische gesammelte und nützliche Sicht auf die Welt
1.4 Landes- & Völkerkunden als gesellschaftlich anerkannte Rekonstruktion von Welt
1.5 Reise- & Sprachführer
1.6 Autoreisebuch
Fachliteratur
Reisetechnik zum Optimieren von Sachsystemen

Beispiele

  • 1985: Durch die Libysche Wüste: Von Ägypten in den Sudan
  • 1985: Von Bulawayo (Simbabwe) zum Okavango-Delta (Botswana) mit einem Ford Fiesta
  • 1999: Auf vergessenen Pfaden von Köln nach Indien: Impressionen aus dem Iran
  • 1999: Auf vergessenen Pfaden von Köln nach Indien. Teil 3: Von Kashgar nach Lhasa auf chinesischen Lastkraftwagen
  • 1999: Auf vergessenen Pfaden von Köln nach Indien: Nachdenkliches aus Delhi

1)
»Kosmopolit« Prawda 28. Januar 1949
wiki/reisebuch.txt · Zuletzt geändert: 2022/01/12 12:15 von norbert