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wiki:phantasieorte

Liste der phantastischen Orte

I haven’t been everywhere but it’s on my list.
Susan Sontag (1933 - 2004)

Zu phantastischen Orten führen meist Imaginäre Reisen. Diese werden meist in Utopien oder Dystopien beschrieben oder als Märchen und Sagen. Sie beschreiben »Nirgendorte« (im Unterschied zu verschwundenen Länder) und mythische Landschaften meist als Paradiese, den locus amoenus, die Wildnis, die einsame Insel.

Aufgeführt sind im Folgenden der Ort, den es nicht gibt (U-Topos `Nirgendheim, Nicht-Ort´), dessen kurze Beschreibung und der literarische Ursprung dieser Phantasie (Autor, Quelle, Jahr) sowie Metaphern, die zwar im Ungefähren verortet werden können, jedoch beliebig mit der Phantasie zu füllen sind wie etwa Wilder Westen.

(Reise-)Bilder lassen sich phantasiefördernd aufrufen durch Weiße Flecken, terra incognita, terra nullius oder Niemandsland. Sie alle fordern den Möglichkeitssinn heraus und fördern pseudomobiles balconing.

Zum Bereisen dieser Orte werden oft empfohlen sich Siebenmeilenstiefel oder ein Fliegender Teppich, in jedem Fall aber der Schutz durch Reisegötter, nachdem man seine Siebensachen gepackt, den Wanderstab gegriffen und sein Bündel geschnürt hat mit dem Wörterbuch der unübersetzbaren Reisebegriffe darin und einen letzten Blick zurück auf Balkonien geworfen hat.

Zeitleiste

2./3. Jahrtausend vor Christus

  • Dilmun
  • Punt

1. Jahrtausend vor Christus

  • Delphi
  • Inseln der Glückseligen, »Insulae Fortunata«:
    Junionia/Purpuraria, Canaria/Planaria, Nivaria/Convallis, Capraria, Ombrios/Pluvalia.
  • Ophir
  • Scylla und Charybdis
  • Säulen des Herakles, zuvor phönizisch: Säulen des Melkart/Baal

1. Jahrtausend nach Christus

  • 330 BC Thule
  • um 150 Mondinsel und Wolkenkuckucksheim, Nephelokokkygia
  • 2. Jahrhundert Mondberge

ab dem 13. Jahrhundert

  • 13. Jahrhundert Land of Cockaygne (Cockaigne, Cockayne, Cucaniensis, Paese della Cuccagna)
  • 1300 Capitanien
  • 1497 Narragonien

16. Jahrhundert

  • 1504 Arkadien, Arcadia
  • 1516 Abraxa/Utopia
  • 1530 Schlaraffenland
  • 1534 Tohu und Bohu
  • 1567 Luilekkerland
  • 1596 El Dorado
  • 1596 Moana
  • 1597 Schilda

17. Jahrhundert

  • 1623 Sonnenstaat (Teocrazia solare)
  • 1627 Nuevo Atlantis
  • 1650 Mondstaaten und Sonnenreichen
  • 1685 Lubberland

18. Jahrhundert

  • 1716 Formosa
  • 1719 Robinsons Insel
  • 1724 Libertalia auf Madagaskar
  • 1726 Mildendo, die Hauptstadt von Liliput
  • 1726 Lorbrulgrul, Die Hauptstadt von Brobdingnag.
  • 1726 Glubdrubdrib, Die Insel der Zauberer
  • 1731 Insel Felsenburg
  • 1799 Ohnewitz

19. Jahrhundert

  • 1801 Krähwinkel
  • 1812 Zipfelstadt
  • 1832 Orplid
  • 1865 Wunderland
  • 1872 Erewhon
  • 1881 Treasure Island Schatzinsel
  • 1890 Nowhere
  • 1895 Big Rock Candy Mountains

20. Jahrhundert

  • 1919 Blauer Nebel großer Fernen
  • 1933 Shangri-La
  • 1937 Auenland
  • 1937 Gondor und Mordor auf Mittelerde
  • 1947 Bullerbü
  • 1964 Earthsea, Erdsee
  • 1979 Phantasiën

A bis Z

A wie Abraxa

  • Abraxa/Utopia
    Der englische Lordkanzler entwarf zwar nicht als erster ein Bild des idealen Staates, doch wurde seine Beschreibung zum Oberbegriff einer Gattung, denn »u topos« ist der Ort, der nirgendwo ist. Diesen Ort sollen seine Bewohner früher »Abraxa« genannt haben.
    Thomas Morus (auch: More), (1478 - 1535) : Utopia 1516
  • Arkadien
    Immer wieder hat man versucht, die Arkadier einem bestimmten Wohngebiet zuzuweisen, doch gelingt dies nicht. Man findet sie in ganz Europa, vorzugsweise in dichten Wäldern und schattigen Hainen, in einsamen Tälern mit klaren Quellen, abseits der Städte und Regierungen, auf lavendelduftenden Hochplateaus voller Schaf- und Ziegenherden oder am Rande irisbunter Flußauen. Daß Arkadien ein Landstrich in Griechenland sein soll, entspringt wohl nur der Phantasie des Dichters: Auch ich in Arkadien …
    Jacopo Sannazar (1456 - 1530): Arcadia (Die Idee fand jedoch viele Nachahmer.) 1504
  • Nuevo Atlantis
    Das neue Atlantis des englischen Rechtsanwalts liegt auf der Insel Bensalem. Er schrieb die erste neuzeitliche Utopie, die sich direkt auf Platons Atlantis bezieht und war bereits der zweite Lordkanzler Englands, der eine Staatsutopie verfaßte, allerdings mit technisch-wissenschaftlichen Ideen.
    Francis Bacon (1561 - 1626) : Nova Atlantis 1627
  • Auenland siehe Mittelerde

B wie Brobdingnag

  • Big Rock Candy Mountains
    Das Traumland des amerikanischen Hobo, wie es auch in anderen Songs der Zeit beschrieben wurde: Hobo's Paradise, Hobo Heaven, Sweet Potato Mountains, Little Streams of Whiskey. Darin legen die Hühner weichgekochte Eier und Zigaretten pflückt man vom Baum. Ideengeschichtlich vergleichbar ist es mit dem Land of Cockaign oder dem Schlaraffenland (siehe dort).
    Harry McClintock (Hoboname »Haywire Mac«) nahm das Lied 1928 auf und sagte selber, er habe es 1895 komponiert.
    Hal Rammel
    Nowhere in America
    The Big Rock Candy Mountain and Other Comic Utopias.
    Champaign 1990: University of Illinois Press. ISBN 978-0-252-01717-9
  • Blauer Nebel großer Fernen
    »… wie der blaue Nebel großer Fernen, den man im Traume sieht.« Das Thema des berühmten Autors sind immer wieder die großen Fernen, Einsamkeit, die Weite des Meeres, Naturgewalten – demgegenüber müssen die Protagonisten seiner Geschichten immer und immer wieder ihre Menschlichkeit beweisen, ihre Stärke und ihren Mut.
    Joseph Conrad : Der goldene Pfeil 1919
  • Brobdingnag
    Turmgroße, grausig anzuschauende, doch flachgeistige Wesen bewohnen dieses Land.
    Jonathan Swift (1667 - 1745) : Gullivers Reisen 1726

C wie Capitanien

  • Capitanien
    Das Rätselgedicht des alemannischen fahrenden Dichters beschreibt die Haare auf dem Kopf als Land (Capitanien) mit dichtem Wald (Lausitanien, anspielend auf das Land Lusitanien), von Ungeheuern, also Läusen, bevölkert: »Dar inne wont ein wurm von wunderlicher ahtsin munt hat gran (Stacheln) und niender zene, sin hals ist kurz, oren und ougen klene …«
    Meister Boppe (vor 1300) : Capitanien 1300
  • Land of Cockaygne (Cockaigne, Cockayne, Cucaniensis)
    Der Titel eines Buches aus dem 13. Jahrhundert 1), das vermutlich in Irland von einem Wandermönch geschrieben wurde und im Stile der Vagantendichtung lebenslustig nichts auslässt, was Spaß macht: Es regnet Käse, Nonnen entblößen sich, Äbte werden von Mönchenverprügelt. Dionysische Entgrenzung, Völlerei und Überfluss werden dabei im Land of Cockaygne angesiedelt, das als englische Metapher für Schlaraffenland (siehe unter S) gelten kann oder für das italienische Paese della Cuccagna. »Ego sum abbas Cucaniensis« (Ich bin der Abt von Cockaygne) ist ein Sauflied der Vaganten in der Carmina Burana betitelt.

D wie Delphi

  • Delphi
    Apoll ist der Gott des griechischen Ortes Delphi, dort stand der Haupttempel des Kultes. Auf einem Dreifuß sitzend verkündete Pythia das Orakel – »Erkenne Dich selbst!« lautete die Inschrift über dem Tempel.
    Überlieferung : Griechische Mythologie
  • Dilmun
    erscheint erstmals in der sumerischen Erzählung von der Sintflut als Ort der Rettung im Sinne eines Paradieses, als Sitz der Göttin Ninlil, später wiederholt als blühender Ort mit Süsswasser, möglicherweise zeitweise mit der Insel Bahrain zu identifizieren, deren Name auf Wasser verweist. Später belegt durch Sargon von Akkad (um 2356 bis 2300 BC) Schiffe aus Dilmun in den Hafen seines Reiches und ab 2050 BC wird ein Königreich von Dilmun wiederholt genannt, das möglicherweise identisch ist mit dem Garten Eden der Bibel.
    • Howard-Carter, Theresa
      Dilmun: At Sea or Not at Sea? A Review Article.
      Journal of Cuneiform Studies. 39.1 (1987) 54–117. doi:10.2307/1359986
    • W. F. Albright
      The Location of the Garden of Eden.
      The American Journal of Semitic Languages and Literatures. 39.1 (October 1922) 15–31.
      doi:10.1086/369964
    • Hamblin, Dora Jane
      Has the Garden of Eden been located at last? Smithsonian Magazine. 18.2 (Mai 1987)
  • El Dorado
    Vermutlich irgendwo im Amazonas- oder Orinoko-Quellgebiet liegendes Königreich mit der Hauptstadt Manoa, die am goldsandbedeckten Ufer eines Sees liegt. Stadt, Häuser und Mobiliar sind vollständig mit Gold überzogen, so daß tagsüber eine Schneebrille unverzichtbar ist.
    Walter Raleigh (1552? - 1618) : The Discoverie of the lovlie, rich and beautiful Empyre of Guiana with a relation of the great and golden City of Manoa 1596

E wie Erewhon

  • Erdsee
    Hunderte bewohnter und unbewohnter Inseln mit Havnor, dem Sitz des Königs und Rok, der Insel der Magier, im Zentrum.
    Ursula K. Le Guin : A Wizard of Earthsea
  • Erewhon
    Liegt vermutlich in Australien, die genaue Lage ist unbekannt. Technik und Maschinen des Landes wurden eines Tages in ein großes Museum verbannt, weil ein Professor für Hypothetik bewies, daß sie letzten Endes ein Eigenleben entwickeln und die Menschen verdrängen würden. Gewaltige Auswirkungen hatten seine weiteren Schlußfolgerungen: Ohne Unvernunft, sagte er, gäbe es auch keine Vernunft. Also müsse man die Unvernunft fördern, damit auch die Vernunft zunähme. Dazu dienen die »Akademien der Torheit«.
    Samuel Butler (1835 - 1902) : Erewhon 1872
  • Fliegender Holländer
    Vermutlich durch treibende »Geisterschiffe« bei vielen seefahrenden Völkern entstandene Sage: Kapitäne, die sich anmaßten besonderen Gefahren zu trotzen, sollten zur Strafe bis in alle Ewigkeit auf den Meeren segeln müssen. Gilt auch für Kapitäne, die Karfreitags auslaufen.
    Richard Wagner (1813 - 1883) : Der fliegende Holländer. Roman­tische Oper 1842

F wie Felsenburg

  • Insel Felsenburg
    »Wunderliche Fata einiger See-Fahrer, absonderlich Albert Julii, eines geborenen Sachsens, welcher in seinem 18den Jahre zu Schiffe gegangen, durch Schiffbruch selb 4te an eine grausame Klippe geworffen worden, nach deren Übersteigung das schönste Land entdecket, sich daselbst mit seiner Gefährtin [Concordia Plürs] verheyrathet, aus solcher Ehe eine Familie von mehr als 300 Seelen erzeuget … usw.usf.« Dieser Titel des Originals wurde in späteren Ausgaben, ebenso wie das vierbändige Werk selbst, stark gekürzt.
    Johann Gottfried Schnabel (1692 - 1750?) : Insel Felsenburg 1731 - 1743
  • Formosa
    • Psalmanazar, George
      Herrn Georg Psalmanaazaars eines gebohrnen Formosaners Historische und Geographische Beschreibung der Insul Formosa
      nebst beygefügten Ursachen, warum sich derselbe zur christl. Religion bekannt.
      Aus dem Englischen übers. von Philipp Georg Hübnern. [8] Blätter, 561 Seiten, [6] Blätter, Illustrationen, Karten. Frankfurt und Leipzig 1716: Walder.
    • Rachel van Kooij
      Menschenfresser George\\. Jungbrunnen Verlag, Wien 2012. 352 S. Rezension: Hans-Martin Gauger: Ein Hochstapler-Leben. FAZ 08.03.2013

G wie Glubdrubdrib

  • Glubdrubdrib
    Die Insel der Zauberer liegt etwa 500 Meilen süwestlich von Balnibarbi.
    Jonathan Swift (1667 - 1745) : Gullivers Reisen 1726
  • Houhnhnms
    Edle und anmutige, vernünftige und sprachbegabte Wesen, die aussehen wie Pferde und die widerwärtigen, allesfressenden Yahoos im Zaum halten, die im Gegensatz zu ersteren Charakterschweine sind, jedoch äußerlich menschenähnlich.
    Jonathan Swift (1667 - 1745) : Gullivers Reisen 1726

H wie Glubdrubdrib

I wie Insulae Fortunata

  • Inseln der Glückseligen
    Die »Insulae Fortunata« sind in der Antike auch als »Inseln der Seligen« im vierten Gesang einer berühmten Irrfahrt als Paradies an den Grenzen der Erde beschrieben worden, in dem es alle Genüsse, aber keine Mühen gäbe: Junionia/Purpuraria, Canaria/Planaria, Nivaria/Convallis, Capraria, Ombrios/Pluvalia.
    Homer : Odysee (Odysseia), 8. Jh. v. Chr.

J wie Jotunheim

  • Jotunheim

K wie Krähwinkel

  • Krähwinkel
    Krähwinkel, eine gemütliche deutsche Kleinstadt in einem nicht zu abgelegenen Mittelgebirge, mit schlechten Zugangsstraßen, die das lokale Handwerk fördern sollen, und berühmt für die dort befindliche, auf Abenteuerliteratur spezialisierte Bibliothek. Ihre Existenz gilt als gesichert, da gleich drei Dichter sie als Lieblings-Wohnstätte beschränkter deutscher Kleinbürger beschrieben haben.
    Jean Paul (1763 - 1825): Das heimliche Klagelied der jetzigen Männer, 1801; Johann N. Nestroy (1801 - 1862): Freiheit in Krähwinkel, 1848; August von Kotzebue (1761 - 1819): Die deutschen Kleinstädter, 1802.

L wie Liliput

  • Libertalia auf Madagaskar
    Daniel Defoe, Autor des Robinson Crusoe, soll unter dem Pseudonym Captain Charles Johnson 1724 A General History der Piraten verfasst haben, darin geht es auch um die Piratenrepublik „Libertalia“ auf Madagaskar. Wahr oder nicht?
    • Meves, Helge
      Libertalia: die utopische Piratenrepublik
      Aus der Allgemeinen Geschichte der Piraten zusammen mit den Piratensatzungen der Kapitäne Roberts, Lowther und Phillips in deutscher Erstausgabe sowie
      Die Beschreibung der Regierung, Gewohnheiten und Lebensart der Seeräuber auf Madagaskar von Jacob de Bucqouy.
      Übersetzt von David Meienreis und Arne Braun. Herausgegeben und eingeleitet von Helge Meves
      238 S. Berlin Matthes & Seitz 2015
  • Liliput
    Das Land der winzigen aber höchst ehrgeizigen Liliputaner. Sie haben arge Probleme mit ihren Nachbarn, die nicht imstande sind, Eier auf die einzig richtige Art zu öffnen.
    Jonathan Swift (1667 - 1745) : Gullivers Reisen 1726
  • Lorbrulgrul
    Die Hauptstadt von Brobdingnag.
    Jonathan Swift (1667 - 1745) : Gullivers Reisen 1726
  • Lubberland Im Schwedischen die volkstümliche Bezeichnung für Schlaraffenland oder Land of Cockaigne. Im Amerikanischen bekannt durch eine Hobo-Ballade, 1685 erstmals gedruckt, möglicherweise entstand daraus die Idee für Big Rock Candy Mountain.
    • [Anonym] An invitation to Lubberland,
      with an account of the great plenty of that fruitful country.
      There is all sorts of fowl and fish, with wine, and store of brandy; ye have there what your hearts can wish, the hills are sugar-candy. The tune of, Billy and Molly. Or, The journey-man shoe-maker. This may be printed, R.P. 1685. [London]: Printed for J. Deacon, at the Angel in Gilt-spur-street. [Auch unter den Titeln Billy and Molly. Journey-man shoe-maker.
  • Luilekkerland Im Niederländischen die volkstümliche Bezeichnung für Schlaraffenland.
    • 1567 entstand das gleichnamige Gemälde von Pieter Bruegel dem Älteren, Öl auf Holz, 52×78cm, Alte Pinakothek, München, Online

M wie Mittelerde

  • Mildendo
    Die Hauptstadt von Liliput, geschützt durch eine gewaltige, siebenundzwanzig Zentimeter hohe Mauer. Belohnt wird jeder, der beweisen kann, dreiundsiebzig Monate alle Gesetze befolgt zu haben. Akzeptierte Währungen sind Sprug, Durr und Glumggluff.
    Jonathan Swift (1667 - 1745) : Gullivers Reisen 1726
  • Mittelerde
    Gandalf der Graue trägt einen der Drei Ringe und durchwandert seit Äonen Berge und Ebenen von Mittelerde. Besonders gern ist er im Auenland, bei Frodo und Bilbo Beutlin, den Hobbits, die in Erdhöhlen leben, und am liebsten feste Feste feiern, sich was schenken lassen oder ein Pfeifchen rauchen. John Ronald Reuel Tolkien (1892 - 1973) : Der Herr der Ringe 1937
  • Moana
    Die von Flüchtlingen aus Atlantis gegründete Hauptstadt des Goldlandes in Südamerika.
    Walter Raleigh (1552? - 1618) : The Discoverie of the lovlie, rich and beautiful Empyre of Guiana with a relation of the great and golden City of Manoa 1596
  • Mond
    Der Philosoph mit der übergroßen Nase findet auf seiner ersten Reise zum Mond unter anderem das Paradies – wird aber daraus verstoßen in ein Land, in dem man mit selbstgefertigten Gedichten zahlt und sich musikalisch verständigt: »… wenn also einer Hungers stirbt, so ist das immer nur ein Schafskopf, und die Leute mit Geist können alle gut leben …«
    Cyrano de Bergerac (1619 - 1655) : Reise zu den Mondstaaten und Sonnenreichen 1650
  • Mondberge
    Das Mondgebirge wurde bereits vor 2400 Jahren in der römischen (Lunae Montes) und indischen (Soma Giri) Antike mehrfach beschrieben als das Gebirge, das die Quellseen des Nils speist. Dabei kann es sich um äthiopische Berge oder, wahrscheinlicher, um das Ruwenzorigebirge handeln.
    Claudius Ptomeläus (85-160) : Geographia
  • Mordor
    Das öde Land von Mittelerde, östlich von Gondor. Falls es, selten genug, für Reisende geöffnet ist, betritt man es über den Paß von Cirith Ungol. Größte Sehenswürdigkeit ist der Schicksalsberg, der Vulkan Orodruin. Reisende sollten ständig auf der Hut sein, mit dem, was sie sagen oder denken, denn Sauron der Dunkle, der Herrscher von Mordor, könnte gerade in Deine Richtung schauen …
    John Ronald Reuel Tolkien (1892 - 1973) : Der Herr der Ringe 1937

N wie Narragonien

  • Narragonien
    100 Narren machen sich auf den Weg nach Narragonien und stellen sich vor, etwa als St. Grobian. In 112 Kapiteln wird beschrieben, was Menschen falsch machen können: Habsucht, Schwätzerei, Ehebruch, Laster, Fehlverhalten, Unvernunft.
    Sebastian Brant (1457–1521): Das Narrenschiff, lat. von Jakob Locher. Johann Bergmann von Olpe, Basel 1497, Digitalisat deutsch
  • Nephelokokkygia siehe Wolkenkuckucksheim
  • Nowhere
    William Morris (1834 - 1896)
    News from Nowhere (1890). Kunde vom Nirgendwo. Roman. Edition Nautilus, Hamburg 2016

O wie Orplid

  • Odyssee
    Einer der großen Reisenden: Die Abreise war kein Problem (»Was schert mich Weib, was schert mich Kind, mich treibt weit besseres Verlangen.«, Goethe), doch die Rückkehr fiel schwer.
    Homer : Odysee (Odysseia), 8. Jh. v. Chr.
  • Ohnewitz
    Der sehr eigenwillige Plan einer Reise durch Europa, ausgehend von dem zentral gelegenen Ort »Ohnewitz«, ist in Gedichtform verfaßt und wird von einer noch absonderlicheren Karte begleitet:
    »Aber alsdann etwa nach Siberien wandern
    Und von da aus über Wien zu Schiffe nach Flandern,
    Und so hätte er dann, auf die kürzeste Weise beinah
    Besehen das ganze Europia. …
    Über diese Antwort des Kandidaten Jobses
    Geschah allgemeines Schütteln des Kopfes …«

    Carl Arnold Kortum (1745 - 1824) : Jobsiade 1799
  • Orplid
    Die Insel mit der gleichnamigen Stadt liegt im Stillen Ozean, östlich von Neuseeland. Sie war den Göttern unterworfen, nur von Feen und Kobolden besiedelt, als 75 europäische Kolonisten sie fanden und besiedelten. Die Stadt zu umwandern dauert sechs Stunden, dabei stößt man auf drei gewaltige Sonnenkeile aus Stein, die eine Sonnenuhr bilden.
    Eduard Mörike (1804 - 1875) : Maler Nolten 1832

P wie Papierstraße

  • Papierstraßen sind nicht-existente Straßen auf gedruckten Karten, die dazu dienen ungenehmigte Raubdrucke nachzuweisen, also ein kartographischer Trick, der ein erster Schritt hin ist zu Papierorten, Papierinseln und Papierkontinenten 2)
  • Phantasiën
    Ende, Michael
    Die unendliche Geschichte.
    428 S. illustriert von Roswitha Quadflieg. Stuttgart 1979: Thienemanns Verlag.
    Die Initiationsreise des jugendlichen Helden Bastian Balthasar Bux führt entlang der Grenze von Phantasie und Wirklichkeit. Nach Phantasien gelangt nicht jeder; aber einmal dort gelangt auch nicht jeder zurück bleibt im Wahn gefangen. Stark und gesund ist, wer in beiden Welten zuhause sein kann.
  • Punt
    In altägyptischen Inschriften umfasst das Goldland auch Ta Neher `Gottesland´ und war der Göttin Hathor geweiht. Zwar berichten die Inschriften von mehreren Expeditionen dorthin, jedoch ist deren geographisches Ziel schwer zu fassen; wahrscheinlich handelt es sich um Gebiete im Raum Eritrea - Äthiopien - Nordwest-Somalia. Möglicherweise ist Punt identisch mit dem Goldland der Bibel, Ophir, oder mit Opone Οπώνη, einem Handelsort, der von Claudius Ptolemäus 3) und im Periplus Maris Erythraei aufgezählt wird.
    • Das sagenhafte Goldland Punt. 2011. BILD DER WISSENSCHAFT. 2011 (9): 68-75.
    • Bard, Kathryn A., Rodolfo Fattovich
      Egyptian Seafaring Expeditions and the Land of Punt
      Long-Distance Trade in the Red Sea During the Middle Kingdom. 249 S., Boston: Brill 2018 Online

R wie Robinsons Insel

  • Robinsons Insel
    Die Idee zu diesem Roman kam dem Autor, als er von den Erlebnissen des Matrosen Alexander Selkirk hörte, der mehr als vier Jahre allein auf der heute nach ihm benannten Insel des chilenischen Juan Fernández-Archipels verbrachte. Die Nachbarinsel heißt heute Robinson-Insel, und das Werk dieses Autors schuf den Namen für eine ganze Gattung.
    Daniel Defoe (1660 - 1731) : Robinson Crusoe 1719

Sch wie Schilda

  • Die Schatzinsel
    Seefahrt, Abenteuer, Freibeuter, Schatzsuche, Meuterei, Verrat, Gefahr, Sieg – knapper läßt sich dieser Abenteuerroman nicht zusammenfassen. Wie war noch der Anfang? Billy Bones stirbt, Jim Hawkins findet in dessen Seemannstruhe eine alte Schatzkarte …
    Robert Louis Stevenson (1850 - 1894) : Die Schatzinsel (Treasure Island) 1883
  • Schilda
    Die Schildbürger, die Schilda bevölkern, stammen aus einer Zeit, inder die Stadtmenschen den Landleuten recht seltsam vorkamen. Hohe Mauern rund um die Stadt verhinderten die Weitsicht, Höhlenbewohnern gleich mangelte es ihnen auch an Einsicht – sie säen Salz und tragen Licht in Säcken in fensterlose Häuser. Doch verfügten sie über Schild und Spieß, um ihr unbewegliches Hab und Gut zu verteidigen: Schild-Bürger und Spieß-Bürger kriechen aus dem gleichen Loch.
    Anonymus : Die Schildbürger 1597/98
  • Schlaraffenland
    Als Inbegriff der Liederlichkeit galten in alter Zeit die »slur affen« – sie fraßen sich durch einen Wall aus Hirsebrei hinein ins Land der wildwachsenden Delikatessen: im Gedicht bei Hans Sachs und im Märchen …: »Um iedes Haus so ist ein Zaungeflochten von Bratwürsten braun.Von Malvasier so sind die Brunnen,kommen einem selbs ins Maul gerunnen.«
    Hans Sachs (1494 - 1576) : Schlauraffenland 1530
    • Es gleicht damit dem englischen Land of Cockaigne, dem italienischen Paese della Cuccagna, dem flämischen Luilekkerland, dem schwedischen Lubberland, den amerikanischen Big Rock Candy Mountains, auch: The Lazy-Tasty Land.
  • Peter Schlemihl
    1815 bis 1818 nahm der Naturforscher und Dichter teil an einer russischen Expedition auf der »Rurik« und segelte um die Welt. In seinem Märchen tauscht Schlemihl, was jiddisch »Pechvogel« bedeutet, gedankenlos seinen ihm nutzlos erscheinenden Schatten beim Teufel gegen einen »Glückssäckel«. Fortan wird er jedoch wegen seines Makels von den Mitmenschen verstoßen und fühlt die Wehmut des Heimatlosen.
    Adalbert von Chamisso (1781 - 1838) : Peter Schlemihls wundersame Geschichte 1814

S wie Sonnenstaat

  • Säulen des Herakles \\Die Karten des Altertums zeigen eine geschlossene Welt rund um Mittelmeer und Schwarzes Meer, die Oikumene, das »Bewohnte Land«, mit nur einen Ausweg zwischen Marokko und Spanien. Archäologische Funde belegen die Anwesenheit der Phönizier bis zum 9. Jahrhundert BC; diese benannten die beiden Vorgebirge als Säulen des Melkart oder Baal. Die Griechen setzten diesen mit Herakles gleich, dem Helden mit den Attributen des Wilden Mannes.
    Die Säulen des Herakles führen in die grenzenlose Unendlichkeit des weltumfassenden Oceanos, heraus aus der Sicherheit des nahen Landes, sie bilden die Grenzen der Welt. Angst und Hoffnung liegen nah beieinander, und so finden sich dahinter die »Insulae Fortunata« und etwas weiter das nach dem welttragenden Atlas benannte und untergegangene Atlantis im Atlantischen Ozean.
    Überlieferung : Griechische Mythologie
  • Schatzinsel
    • Oak Island, eine der rund 350 Inseln in der Mahone Bay, Nova Scotia in Kanada, lockt seit dem 17. Jahrhundert Schatzsucher an.
      Reynolds, Mark
      The mystery of the Oak Island treasure
      Two hundred years of hope and despair.
      Toronto: James Lorimer 2014
    • Robert Louis Stevenson:
      Treasure Island (1881), deutsch: Die Schatzinsel mit den Abenteuern von Jim Hawkins und dem Bösewicht William „Bill“ Bones, auf der Suche nach Schatz des Piraten Captain Flint.
    • Treasure Island: Neun Inseln dieses Namens, davon 4 zu den USA gehörig, je eine zu Kuba (Isla de la Juventud ), China (Zhenbao ), Fidschi, Singapur, Kanada sowie die Inselgruppe der Treasury Islands südlich von Bougainville.
  • Scylla und Charybdis
    »Es verfällt der Scylla, wer der Charybdis entgehen will.« – Dreimal täglich zieht der Felsenabgrund Charybdis Wasser in seinen Strudel. Wer aber zuviel Abstand hält, gerät in die Fänge der gegenüber hausenden Scylla.
    Homer : Odysee (Odysseia), 8. Jh. v. Chr.
  • Shangri-La
    ist eine Utopie, die der englische Schriftsteller James Hilton (1900-1954)in seinem Roman »Der verlorene Horizont« (1933 engl. Lost Horizon) entwarf als ein abgeschiedenes Tal im Himalaya, in dem sich eine perfekte Gesellschaft entwickelt hatte. Im Mai 2002 wurde laut dpa bekannt, dass sich die Region Zhongdian im Westen Yunnans zu Shangri-La umbenannt hatte und dass der chinesische Staatsrat dem zugestimmt habe. Wörtlich übersetzt bezeichnet der Begriff einen Pass (La) in den zentraltibetischen (shang) Bergen (ri); die Lautähnlichkeit zu dem buddhistischen Mythos von Shamba-La könnte von Hilton beabsichtigt worden sein. Davon zu unterscheiden ist das epische Gedicht Paradise Lost von John Milton (1608–1674).
  • Sirenen
    Halbgöttinnen, die mit ihrem betörenden Gesang den berühmten Seefahrer auf ihre Insel locken wollen. Der aber stopfte sich und seinen Gefährten eine Art antikes Oropax in die Ohren und segelte vorbei.
    Homer : Odysee (Odysseia), 8. Jh. v. Chr.
  • Songlines
    „Alles, was wir über die Bewegung des Meeres wußten, war in den Strophen eines Liedes enthalten. Tausende von Jahren gingen wir, wohin wir wollten, und dank des Lieds fanden wir sicher zurück … Es gab ein Lied für den Weg nach China und ein Lied für den Weg nach Japan, ein Lied für die große Insel und ein Lied für die kleinere. Sie mußte nur das Lied kennen, und sie wußte, wo sie war. Wenn sie heimkehren wollte, sang sie das Lied einfach rückwärts. …“ (Worte einer alten Frau, einer sibirischen Schamanka)
    Bruce Chatwin (1940 - 1989) : Traumpfade
  • Sonnenstaat
    In langen Haftjahren formulierte der Dominikanermönch seine Vorstellungen des idealen Staates und der idealen Stadt: »Auf der nach außen gewölbten Mauer Seite dieser Mauer steht zunächst die vollständige und genaue Beschreibung der ganzen Erde. Darauf folgen besondere Darstellungen jeder einzelnen Gegend. …«
    Tommaso Campanella (1568 - 1639) : Der Sonnenstaat (Teocrazia solare) 1623

T wie Tohu und Bohu

  • Thule
    Pytheas, griechischer Kapitän aus Massali, dem heuigen Marseille, segelte um 330 vor Christus nie europäische Atlantikküste nordwärts und fand »sechs Tagesreisen nördlich von Britannien« besiedeltes Land. Zurückgekehrt schrieb er seine Erfahrungen in Peri tou Okeanou `Über den Ozean´ nieder, nach deren Lektüre der Geograph Strabo den Pytheas als lügenhaftesten Menschen bezeichnete. Zutreffend beschreibt Pytheas jedoch die kurzen Nächte in den Ländern der Mitternachtssonne. Sein Werk ging bereits in der Antike verloren, es gibt nur Zitate, etwa in der Eisagoge des Geminos von Rhodos. Wer an Thule glaubt, findet es jedenfalls nordwestlich der Orkney-Inseln, wahlweise auf den Shetland-Inseln oder den Färöern oder irgendwo an der norwegischen Küste. Island kommt als damals unbewohnte Insel nicht in Frage.
    • Kleineberg, Andreas, Christian Marx, Dieter Lelgemann, Eberhard Knobloch
      Germania und die Insel Thule.
      Die Entschlüsselung von Ptolemaios' „Atlas der Oikumene“.
      131 S., Darmstadt Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG) 2012
      Ein interdisziplinäres Team, unter anderem mit Geodäten und Wissenschaftshistorikern, hat versucht, die Städtenamen aus dem Werk von Ptomelaios zu identifizieren, indem sie die antiken geographischen Koordinaten entschlüsselte.
  • Tohu und Bohu
    Gargantua, rauflustiger Saufbold und Vater des Pantagruel, ist weitgereist. Er kennt die Inseln Tohu und Bohu, die Stadt Kunterbuntenau, die Grafen von Filzlausitz, besiegt seine Feinde, die Fladenbäcker, und gründet im Lande Thelem eine Abtei über deren Eingang steht: »Tu, was Du willst …«
    François Rabelais (1494 - 1553) : Gargantua und Pantagruel 1534

U wie Utopia

  • Utopia
    Der englische Lordkanzler entwarf zwar nicht als erster ein Bild des idealen Staates, doch wurde seine Beschreibung zum Oberbegriff einer Gattung, denn »u topos« ist der Ort, der nirgendwo ist. Diesen Ort sollen seine Bewohner früher »Abraxa« genannt haben.
    Thomas Morus (auch: More), (1478 - 1535) : Utopia 1516
  • Die älteste Karte von Utopia zeichnete Abraham Ortelius (1527 bis 1598) um 1596 4) und nutzte dazu Dutzende von Ortsnamen aus dem Werk Utopia von Thomas Morus.

W wie Wolkenkuckucksheim

  • Wolkenkuckucksheim
    Nachdem Lukian im Hesperidischen Meer die Weininsel besucht hat, wirbelt ein Sturm sein Schiff über die Wolken, hinauf zur Mondinsel und seinen Bewohnern, den Hippogypen, die eben einen Krieg mit den Sonnenbewohnern führen. Auf dem Rückweg kommen sie durch die Lampenstadt und das berühmte Wolkenkuckucksheim, Nephelokokkygia.
    Lukian (120 - 180) : Wahre Geschichten (Athletes historia)
  • Wunderland
    Die Edamer Katze sitzt auf einem Ast, als Alice ihr begegnet. Sie grinst, und beginnt langsam zu verschwinden, bis schließlich nur noch das Grinsen übrig ist.
    Lewis Carroll (1832 - 1898) : Alice im Wunderland 1865

X wie Xanadu

  • Xanadu ist seit dem Mittelalter in Europa bekannt, vermutlich durch den Bericht des Marco Polo, der 1275 dort gewesen sein soll. Identifiziert wird es mit der Residenz des damaligen Kaisers von China, Kublai Khan: 上都, Shàngdū oder 元上都 Yuán Shàngdū. Xanadu wurde danach jedoch zum Überbegriff für einen Ort, der sich durch Luxus, Wohlstand und Überfluss auszeichnet, etwa
    • 1368 von Toghon Temur Khan in der mongolischen Chronik Altan Tobchi;
    • 1614 von Samuel Purchas in Purchas his Pilgrimes 5)
    • 1797/1816 in einem Gedicht von Samuel Taylor Coleridge, der nach der Lektüre des obigen Buches im Opiumrausch von Xanadu träumte;
    • 1816 im Film Citizen Kane (1941) von Orson Welles als Name des Schlosses, in dem Charles Foster Kane residierte.

Y wie Ys

  • Ys (auch: Is, bretonisch Kêr-Is, französisch Ville d'Ys) ist in der sagenhaften Überlieferung eine in den Fluten untergegangene Stadt (ähnlich wie Vineta an der Ostsee) eine versunkene Stadt an der bretonischen Kanalküste, meist lokalisiert in der Bucht von Douarnenez.
    • Le Braz, Anatole (1923). „XI. Les villes englouties“. La Légende de la mort en Basse-Bretagne. Édition Définitive (in French). Paris: H. Champion. pp. 429–441.. Available at archive.org
    • Guyot, Charles; translated by Deirdre Cavanagh (1979). The Legend of the City of Ys. Amherst, Mass: University of Massachusetts Press.
    • Doan, James (1981). „The Legend of the Sunken City in Welsh and Breton Tradition“. Folklore. 92 (1): 77–83. doi:10.1080/0015587X.1981.9716187. JSTOR 1260254.
    • Thomas Harlan: Die Stadt Ys und andere Geschichten vom ewigen Leben, Eichborn 2007, ISBN 3-8218-0717-2

Z wie Zipfelstadt

  • Zipfelstadt
    Josua Zipplein reist durch die deutschen Lande und erzählt von Pfefferberg, Hamsterfeld, Fuchszwang, Pflockheim, … besonders aber von Zipfelstadt. Dort wird er ausgewiesen, weil er auf den Meldezettel schrieb: »Die Polizei von Zipfelstadt hat auch genau darauf zu vigilieren, daß ihr keine Eselsohren anwachsen.« Schließlich macht er Karriere als Redakteur der Tripstriller Krautblätter.
    Anonymus : Josua Zippleins Ferienreisen 1812

Liste der unschönen Orte

  • Bananenrepublik
  • Hintertupfingen
  • Jammertal
  • Kleinkleckersdorf
  • Operettenstaat
  • Posemuckel
  • Tal der Ahnungslosen

Literatur

Ein anerkanntes Verfahren, Nichtorte zu strukturieren, ist die Kartographie. Karten lassen sich als Modell lesen, transportieren jedoch auch Glaubenssysteme.

  • Jean Klare, Louise van Swaaij
    Atlas der Erlebniswelten
    Mit Texten von Ilja Maso und Saskia Sombeek
    Frankfurt am Main: Eichborn 2000
    95 S. zahlr. farb. Karten & Pläne, Ortsregister

Dieser Atlas erhielt in den beiden letzten Jahren zu Recht viel Aufmerksamkeit als nette und phantasievolle Kuriosität. Er ist unterhaltsam und ein hübsches Geschenk, mit dem man sich immer mal wieder ein paar Minuten beschäftigen kann. Ich war schon sehr verblüfft, als ich in meiner Bibliothek auf einen Vorläufer der »Erlebniswelten« stieß, der 1777 (!) erschien. Dieser Vorläufer sollte die öffentliche Aufmerksamkeit auf den Fortschritt der damaligen Drucktechnik lenken.

István Ráth-Végh beschreibt diesen Vorläufer in Die Komödie des Buches (Budapest 1967): »1777 gab der bekannte Leipziger Drucker Johann Gottlob Immanuel Breitkopf ein achseitiges Heft mit dem merkwürdigen Titel heraus: Das Reich der Liebe. Zweyter Landchartensatzversuch. Ich beginne die Erklärung beim Untertitel und gehe dann zum eigentlichen Titel über. Das Reich der Liebe ist eine Landkarte. Damals versuchte man in ganz Europa, Karten mit einer neuen Methode – mittels Handsatz – herzustellen. Auch Breitkopf stürzte sich auf das Problem, das seine Druckerphantasie erregen mußte. Als erster Versuch entstand eine Karte von der Gegend um Leipzig.

Der zweite Versuch mit derselben Technik war Das Reich der Liebe. Er entstand aus Anlaß einer Hochzeit, noch dazu innerhalb von drei Tagen. Offensichtlich war es Breitkopf darum zu tun gewesen, mit einem drucktechnischen Meisterstück zu brillieren – er wollte zeigen, was die Buchdruckerkunst leisten kann – dafür kam ihm die Hochzeit sehr gelegen. Wir wissen nicht, ob das Thema seiner eigenen Phantasie entsprang oder ob die Karte auf Bestellung ausgeführt wurde – das ist aber auch nicht wichtig.

»… Der Reisende nimmt seinen Weg vom Land der Jugend aus. (Es genügt, die wichtigsten Stationen anzuführen.) Hier entfaltet die Stadt der Freuden ihre Pracht, beschützt durch die Burg der Sorglosigkeit; hier entspringt der Fluß der Wünsche, doch erhebt sich hier auch der Fels der Mahnungen. Nordwärts vom Land der Jugend liegt das Land der fixen Ideen. Seine Sehenswürdigkeiten sind die Stadt der Träume, der Wunschhain und die Burg der Unruhe. Begeben wir uns nach dem Westen, gelangen wir ins Land der Trauernden Liebe, eine düstere Gegend. Dort schimmern von fern die Bergketten der Hoffnungslosigkeit, dort klafft die Höhle der Seufzer, und das ist der Ort, wo der Fluß der Tränen entspringt, der schließlich in das Meer der Verzweiflung mündet. Auch das Land der Lüste ist ein gefährliches Gebiet. Hier lauern dem Pilger Krankheit und Tod auf, so daß es wünschenswert erscheint, daß er sich, noch ehe es zu spät ist, besinnt und über die Brücke der Hoffnung in das Land der glücklichen Liebe hinüberspaziert. Dort findet er dann alles, was seinen Appetit anregt, und noch manches andere. Die Städte dieses Landes heißen Gute Aussicht, Erhörung, Wahre Liebe, Zärtlichkeit usw. Auch hier gibt es Berge wie den Berg der Einwilligung; etwas südwestlich von ihm grünt der Lusthain; die ganze Gegend wird vom Fluß der Wonne durchströmt, und als Folge all dessen lächelt an der nördlichen Grenze dem Wallfahrer der Liebe die Stadt des Kindersegens zu. Bleibt noch das Land der Hagestolze. Dort gibt es Städte, deren Namen auf die Unannehmlichkeiten des einsamen Lebens hinweisen – schließlich kann der Reisende im Land der Ruhe rasten. Deren Hauptstadt ist der Großvaterstuhl, aber noch besser ruht es sich in der Schlafmützenstadt. Der Leser verzeihe die humorlosen Allegorien, und denke daran, daß die alberne Landkarte ein ernst zu nehmender Beweis für die Nützlichkeit einer neuen Erfindung war.«

  • Brooke-Hitching, Edward
    Atlas der erfundenen Orte.
    Die grössten Irrtümer und Lügen auf Landkarten.
    A.d. Engl. von Lutz-Werner Wolff. München: dtv, 2019, Literaturverzeichnis: Seite 246-247
  • Nell, Werner
    Atlas der fiktiven Orte
    Utopia, Camelot und Mittelerde. Eine Entdeckungsreise zu erfundenen Schauplätzen.
    Berlin: Bibliographisches Institut 2014.
    Der Autor wählt Orte, Inseln, Kontinente aus, an die Kartographen und Geographen lange glaubten, also eine Welt wie sie nach deren Vorstellungen hätte sein sollen:
    • Ardistan und Dschinnistan
    • Atlantis
    • Auenland
    • Avalon: das Apfelland im Nebel
    • Camelot
    • Eldorado: das Goldland im Dschungel
    • Entenhausen: Tick, Trick und Track mit den Onkels Donald und Dagobert
    • Gondor
    • Lilliput
    • Lummerland: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer
    • Mahagonny
    • Metropolis: Stadt der Maschinenmenschen
    • Mittelerde: Heimat der Hobbits, Elfen, Orks
    • Niflheim: Eiswelt der Frostriesen.
    • Nimmerland
    • Olymp: Sitz der Götter
    • Paradies
    • Phantásien: Ein Land zwischen den Büchern
    • Robinson Crusoes Insel
    • Schatzinsel
    • Schilda: Stadt der klugen Narren
    • Schlaraffenland
    • Sonnenstadt
    • Springfield
    • Utopia
    • Walhall: Wohnstatt großer Krieger
    • Xanadu
    • Zauberberg
  • Berneri, Marie Louise
    Reise durch Utopia
    mit Plato, Plutarch, Aristophanes, Morus, Campanella, Andrea, Bacon, Rabelais, de Foigny, Cabet, Bellamy
    Berlin Kramer 1982
    Kapitel: Utopien der Antike, - der Renaissance, - der englischen Revolution, - der Aufklärung, - des 19. Jahrhunderts und Moderne Utopien; mit der Utopie eines Tramps: »The Big Rock Candy Mountains« (siehe unter B). Bibliographie 8 S.
  • Bichler, Reinhold
    Von der Insel der Seligen zu Platons Staat.
    VIII, 259 S., Wien 1995: Böhlau Verlag
  • Claeys, Gregory
    Ideale Welten
    Die Geschichte der Utopie.
    224 S. 131+75 Ill. Darmstadt WBG (Wissenschaftl. Buchges.) 2011
  • Dahl, Jürgen
    Reisen nach Nirgendwo.
    Ein geographisches Lügengarn aus vielerlei fremden Fäden.
    Düsseldorf 1965: Rauch.
    Atlantis, Capitanien, Erewhon, Krähwinkel, Mondland, Orplid, Schilda, Schlaraffenland, Sonnenstaat, Abtei Thelem, Utopia
  • Richard Hennig
    Wo lag das Paradies?
    Rätelfragen der Kulturgeschichte und Geographie
    Druckhaus Tempelhof Berlin 1950
  • Japp, Uwe, Hans Joachim Piechotta
    Reise und Utopie: zur Literatur der Spätaufklärung. 300 S., Frankfurt am Main 1976: Suhrkamp.
  • Manguel, Alberto, Gianni Guadalupi
    Von Atlantis bis Utopia
    ein Führer zu den imaginären Schauplätzen der Weltliteratur.
    Frankfurt/M. 1984: Ullstein. 3 Bde.
  • Seibt, Ferdinand
    Utopica Zukunftsvisionen aus der Vergangenheit
    München Orbis-Verl. 2001

1)
London, British Library, MS Harley 913, ff. 3r-6v
2)
Lukas Maisel
Buch der geträumten Inseln
Roman. Rowohlt Verlag Hamburg 2020
3)
Geographike Hyphegesis IV, 7
4)
380 x 475 mm, Plantin-Moretus Museum, Antwerpen: »AD SPECTATOREM.|En tibi delicias mundj:| regna ecce beata!|Queis melius, queis nil pulchrius orbis habet.|haec illa Vtopia est; arx pacis;nidus Amoris,|Justitiae, ac summi portus et ora bonj.|Lauda alias terras: istanc cole qui sapis. Isto|Vel nullo fixa est Vita beata loco.|I.M.W. à W.f.|Lustrauit Raphael: Descripsit Morus: Abrahamus
5)
Purchas, Samuel. 1625. Purchas his pilgrimes: In fiue bookes. The first, contayning the voyages and peregrinations made by ancient kings, patriarkes, apostles, philosophers, and others, to and thorow the remoter parts of the knowne world: enquiries also of languages and religions, especially of the moderne diuersified professions of Christianitie. The second, a description of all the circum-nauigations of the globe. The third, nauigations and voyages of English-men, alongst the coasts of Africa … The fourth, English voyages beyond the East Indies, to the ilands of Iapan, China, Cauchinchina, the Philippinæ with others … The fifth, nauigations, voyages, traffiques, discoueries, of the English nation in the easterne parts of the world … The first part. London: Printed by William Stansby for Henrie Fetherstone, and are to be sold at his shop in Pauls Church-yard at the signe of the Rose.
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