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wiki:kosmopolit

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wiki:kosmopolit [2020/09/01 06:40]
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norbert
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 Als Kosmos wurde im engsten Sinne die staatliche Ordnung in den griechischen [[wiki:staaten|Stadtstaaten]] (Poleis) bezeichnet ((''Rémi Brague''\\ //Die Weisheit der Welt. Kosmos und Welterfahrung im westlichen Denken//\\ Aus dem Franz. (La sagesse du monde) von Gennaro Ghirardelli. München Beck 2006)), als //polit// die darin ansässigen [[wiki:freiheit|Freien]]. Der Begriff des Weltbürgers geht darüber hinaus, zumal wir unter *[[wiki:welt|Welt]] heute etwas anderes verstehen. Neu war daran, dass sich ''Diogenes'' nicht als Teil eines Clans oder Stammes definierte, sondern als Teil einer größeren sozialen Ordnung, deren Angehörige nicht blutsverwandt waren, sondern dem gemeinsamen Selbstverständnis den Vorrang gaben. Als Kosmos wurde im engsten Sinne die staatliche Ordnung in den griechischen [[wiki:staaten|Stadtstaaten]] (Poleis) bezeichnet ((''Rémi Brague''\\ //Die Weisheit der Welt. Kosmos und Welterfahrung im westlichen Denken//\\ Aus dem Franz. (La sagesse du monde) von Gennaro Ghirardelli. München Beck 2006)), als //polit// die darin ansässigen [[wiki:freiheit|Freien]]. Der Begriff des Weltbürgers geht darüber hinaus, zumal wir unter *[[wiki:welt|Welt]] heute etwas anderes verstehen. Neu war daran, dass sich ''Diogenes'' nicht als Teil eines Clans oder Stammes definierte, sondern als Teil einer größeren sozialen Ordnung, deren Angehörige nicht blutsverwandt waren, sondern dem gemeinsamen Selbstverständnis den Vorrang gaben.
  
-In erweiterter Form wurde daraus im Humanismus der Weltbürger, wie ihn ''Erasmus'' verstand. Für die einen bedeutete dies, dass Heimat überall sein kann, für die anderen war es die Fähigkeit, sich die [[wiki:fremdes|Fremde]] vertraut zu machen, überall leben zu können. Weltbürger zu sein war modern im Zeitalter der [[wiki:erforscher|Entdeckungsreisen]], als die Welt in der ersten Globalisierungswelle immer größer wurde. Schließlich waren immer mehr Bürger unterwegs: Seeleute, Kaufleute, [[wiki:erforscher|Forscher]], [[wiki:abenteuer|Abenteurer]], Schriftsteller, Philosophen, Soldaten und Politiker.+In erweiterter Form wurde daraus im Humanismus der Weltbürger, wie ihn ''Erasmus'' verstand. Für die einen bedeutete dies, dass Heimat überall sein kann, für die anderen war es die Fähigkeit, sich die [[wiki:fremdes|Fremde]] vertraut zu machen, überall leben zu können. Weltbürger zu sein war modern im Zeitalter der [[wiki:erforscher|Entdeckungsreisen]], als die Welt in der ersten Globalisierungswelle immer größer wurde. Schließlich waren immer mehr Bürger unterwegs: Seeleute, Kaufleute, [[wiki:erforscher|Forscher]], [[wiki:abenteuer|Abenteurer]], Schriftsteller, Philosophen, Soldaten und Politiker.\\  
 +Deutschland und England bilden dabei einen interessanten Gegensatz, der wesentlich durch ihre Lage geprägt ist. Deutschland mit (heute) neun Nachbarländern ((Dänemark, Polen, Tschechien, Österreich, Liechtenstein, Schweiz, Frankreich, Belgien, Niederlande)) ist durch seine zentrale Lage in Europa ein Durchreiseland: Die Welt kommt hinein, ob man das will oder nicht. Vielleicht auch daher singt man hier: »Muss i denn zum Städtele hinaus?« und empfiehltz stattdessen: »Bleibe im Lande und nähre dich redlich«.\\  
 +England ist durch seine Insellage einerseits isoliert, andererseits als Seefahrernation und //Empire// mit der gesamten Welt stärker verbunden als Deutschland es je war: »Britannia rules the Waves«. Für einen deutlich höheren Anteil der Bevölkerung war es normal, eine berufliche Karriere im Empire anzustreben und sich damit für einen Platz irgendwo auf der Welt zu entscheiden.
  
 Gefährlich wurde es immer dann, wenn aus dem Kosmopolit ein //Kosmopolitismus// wurde, der wie alle -ismen ideologisch aufgeladen ist und sich damit von seiner Ursprungsidee entfernt. Als philosophisches Konzept entwickelte er dann politische Wirkung, etwa als Gegenentwurf zu Nationalismus oder Provinzialismus. Im Sozialismus galten Weltbürger als //entwurzelte Kosmopoliten//, die das System gefährdeten und man ersetzte ihn durch den //»proletarischen Internationalismus«// als Widerpart zum Nationalismus. Auch der Multikulturalismus der letzten Jahrzehnte steht mit ihm im ideologischen Wettstreit ((''Kenan Malik''\\ //Es ist notwendig, dass Menschen sich beleidigen//\\ SZZ 21. August 2018)). Gefährlich wurde es immer dann, wenn aus dem Kosmopolit ein //Kosmopolitismus// wurde, der wie alle -ismen ideologisch aufgeladen ist und sich damit von seiner Ursprungsidee entfernt. Als philosophisches Konzept entwickelte er dann politische Wirkung, etwa als Gegenentwurf zu Nationalismus oder Provinzialismus. Im Sozialismus galten Weltbürger als //entwurzelte Kosmopoliten//, die das System gefährdeten und man ersetzte ihn durch den //»proletarischen Internationalismus«// als Widerpart zum Nationalismus. Auch der Multikulturalismus der letzten Jahrzehnte steht mit ihm im ideologischen Wettstreit ((''Kenan Malik''\\ //Es ist notwendig, dass Menschen sich beleidigen//\\ SZZ 21. August 2018)).
wiki/kosmopolit.txt · Zuletzt geändert: 2021/04/06 06:41 von norbert