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Heiliges Abenteuer

Der Begriff basiert auf der Erfahrung, dass die Einsicht eines Momentes genügen kann, dem Leben einen Wendepunkt zu geben. Pablo Picasso hat diese Metapher bekannt gemacht 1) und vorausgesetzt, dass die Offenheit für solche Heiligen Abenteuer voraussetzt, sich im Ungewissen geborgen zu fühlen. Heute wird der Begriff theologisch, spirituell, in Selbsterfahrungs- und Managementkursen verwendet als Hinwendung zu Offenheit, experimentellem Handeln, dem Entwickeln des Möglichkeitssinnes, dem Stretching der Persönlichkeit.

Für den Reisenden bedeutet es, freudig aufzubrechen, eben weil Ungewissheit wartet. Die Kraft der Neugier überwindet Grenzen und bringt neue Einsichten für Entdecker, Forscher, Künstler. Für den Sesshaften mag die Heiligkeit des Gastrechtes in der Erkenntnis wurzeln, dass der Fremde auch immer etwas Neues bringt, ein Bote (griechisch angelos), also ein Engel mit wertvollem Wissens ist. Die Vermessenheit alles wissen zu wollen, birgt die Möglichkeit des Heils, aber auch des Untergangs in unbekannten Gewässern, auch im übertragenen Sinne als »Schiffbruch des Geistes«, wie es Augustinus nannte.

1)
Die Wendung findet sich vereinzelt bereits im 18. Jahrhundert, so bei Bettina von Arnim (1785-1859) in einem Brief an Goethe vom 17. September 1807
»Welch' heiliges Abenteuer, das unter dem Schutze des Eros sich kühn und stolz ausschwingt, kann ein herrlicher Ziel erreichen, als ich in Dir erreicht habe!«
und eher herabsetzend als Wertung des Pilgerunwesens:
»daß sie endlich nicht nur Schaarenweis, mit vieler Mühe, großen Kosten, und pflichtwidriger Hintansetzung ihrer bürgerlichen und häuslichen Berufsgeschäfte nach Palästina hinliefen, um dort auf heilige Abenteuer auszugehen, und Heiligenknochen zu sammeln«
in: Duttenhofer, C. F.
Geschichte der Religionsschwärmereyen in der christlichen Kirche.
Heilbronn, 1796-1799, Bd. 2. §4, S. 321
wiki/heiliges_abenteuer.txt · Zuletzt geändert: 2021/09/12 07:36 von norbert