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wiki:fahrendes_volk

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norbert
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norbert
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 ====== Fahrendes Volk ====== ====== Fahrendes Volk ======
-So lange Menschen in der [[wiki:wildnis|Wildnis]] heimisch wurden, gab es kein [[wiki:fahrendes_volk|Fahrendes Volk]], denn man gehörte dazu oder nicht, war verstoßen als [[wiki:outlaw|Outlaw]] oder [[wiki:heimatlos|heimatlos]].+Solange Menschen in der [[wiki:wildnis|Wildnis]] heimisch wurden, gab es kein [[wiki:fahrendes_volk|Fahrendes Volk]], denn man gehörte dazu oder nicht, war verstoßen als [[wiki:outlaw|Outlaw]] oder [[wiki:heimatlos|heimatlos]]. Allerdings gab es Figuren am Rande der Gemeinschaft, die zwar dazu gehörten, jedoch mit der Wildnis verbunden waren wie Köhler, [[wiki:voelva#Völundr, der weise Wanderschmied|Schmied]], [[wiki:voelva|Seherin]] und sich darin zurecht fanden: Wissende, Kundige, [[wiki:waldlaeufer|Waldläufer]]. Der Wald war jedoch der Zufluchtsort der Geächteten und Friedlosen, dort hausten der dämonsiche [[wiki:wilde_jaeger|Wilde Jäger]] und der animalische [[wiki:man_of_the_bush|man-of-the-bush]].
  
-Ursprünglich bezeichnete der Begriff (útlegðútlægrags. útlega, útlahim alten Norwegischen und Isländischen jemandender ein schweres Verbrechen begangen hat und sich dem nicht mannhaft um den Preis seines Lebens stellt.  Damit konnte und durfte dieser nicht mehr in der Gemeinschaft leben. Der Wald (skógr) liegt außerhalb der bewohnten Welt der Menschen. Dorthin wurden Menschen verbannt: //búa i scógum//. Sie wurden zu  //Waldgangsmenschen// (skóggangsmennskóggangrskågarmađr) ((Skógr `Wald´ im Sinne von `Zufluchtsort der Geächteten´siehe ''Breidbach'' S. 168, Fußnote 530)) oder gar zum `[[wiki:vargr|varga´]] (Würger >  Wolf > Werwolf), zum Friedlosen in der [[wiki:wildnis|Wildnis]], der gejagt und erschlagen werden durfte ((''Karl von Amira''\\ //Nordgermanisches Obligationenrecht//\\ Leipzig: Veit 1882-1895. XIII, 788; XV, 964 p.\\ Bd. 1. Altschwedisches Obligationenrecht ; Bd. 2. Westnordisches Obligationenrecht. S. 215-217)).+Dort aber, wo Zentren entstanden (FürstenhöfeKlösterStädte), waren dies mit den dazugehörigen gemeinschaften verbunden und Teil eines Netzwerks zu anderen Zentren und erforderten handwerkliche ArbeitsteilungWarenverkehrNachrichtenaustauschalso Mobilität von Dienstleistern.
  
-Der Unhold in der Wildnis wird umschrieben mit //mearcstapa// `Mark-Stapfer´ ((''Marquardt, Martha''\\ //Die altenglischen Kenningar//\\ ein Beitrag zur Stilkunde altgermanischer Dichtung.\\  N.Niemeyer, 1938, S. 14)), dem weglos Umherstapfenden in der Wildnis außerhalb der Gemeinschaft, dessen Name ihn mit den wilden Tieren verbindet: mórstapa `Auerochs´, hárðstapa `Wolf´, [[wiki:man_of_the_bush|man-of-the-bush]], dem [[wiki:wilde_jaeger|Wilden Jäger]]. Außer ihm fanden sich dort nur jagende [[wiki:waldlaeufer|Waldläufer]], Schmiede und Köhler sowie Seherinnen [[wiki:voelva|Völva]]. Diesen boten sich dort des nachts an Wegeskreuzungen Zugang zum Reich der Toten ((''Bonnetain, Yvonne''\\ //Loki Beweger der Geschichten//\\ 467  S. Rudolstadt: Roter Drache. = Diss. u.d.T.: Der nordgermanische Gott Loki aus literaturwissenschaftlicher Perspektive, Tübingen, 2005. hier S. 189)). +Zum Fahrenden Volk gehörten im [[wiki:reisegenerationen#Der Blick zurückDas Mittelalter als EpocheMittelalter]] zunächst //[[wiki:vaganten|Vaganten]]// im Sinne von //clerici vagi// und christlichen //[[wiki:scholar|Scholaren]]// (lat. clerici  vagi) ((''Glanz, Rudolf''\\ //Geschichte des niederen jüdischen Volkes in Deutschland//.\\  Eine Studie über historisches Gaunertum, Bettelwesen und Vagantentum.\\  New York 1968, S. 2)). Hinzu kamen mehr und mehr reisende //Höker// und //Hausierer//, die von Hof zu Hof und von Weiler zu Weiler zogen sowie //[[wiki:landfahrer|Landfahrer]]// (seit dem [[wiki:reisegenerationen#Ab dem 12. Jahrhundert|13. Jahrhundert]] belegt). Auch sie wurden später als Vaganten bezeichnet.  
- +Diese Gruppe wuchs in dem Maße, wie sich im Hochmittelalter städtische Gesellschaften entwickelten. Zum Fahrenden Volk gehörten:
-Davon unterschieden wurde der //waer-genga// ((lgbd. *wäregang, afrk. wargenga, ae. waergenga, an. vaeringi, uuaregang)), der Fremde, aus dem Ausland kommend, bezeichnete, die Schutz suchten unter dem geltenden Recht ((''Van der Rhee, Florus''\\ //Die Germanischen Wörter in den langobardischen Gesetzen//\\ Diss. Rotterdam 1970, S. 134 u.a.\\  +
-''Thomsen, Wilhelm Ludwig Peter''\\ //Der Ursprung des russischen Staates//\\ drei Vorlesungen ... Gotha 1879: F.A. Perthes.\\ S. 116 bis 129 ausführlich über mögliche Zusammenhänge zwischen den Wanderungen der Skandinavier durch die Rus nach Konstantinopel und nach Griechenland einerseits sowie zwischen den Bezeichnungen Waräger, waergenga, russ. varjag', griech. warangos, waraggoi, arabisch warank\\  +
-''Forssman, Julius''\\ Skandinavische Spuren in der altrussischen Sprache und Dichtung: ein Beitrag zur Sprach- und Kulturgeschichte des ost- und nordeuropäischen Raums im Mittelalter. München 1967/1997: Kitzinger\\ S. 20: Die Herkunft des Wortes *vārgengi bleibt ungeklärt.\\  +
-''Taylor, Marion Ann''\\ //A New look at the old sources of "Hamlet"//\\ The Hague 1968: Mouton. Studies in English literature, 42\\ »waergenga, which probably meant originally “sworn men” or “men of brotherhood”«\\  +
-''Schramm, Gottfried''\\ //Altrusslands Anfang//\\ historische Schlüsse aus Namen, Wörtern und Texten zum 9. und 10. Jahrhundert.\\ Freiburg im Breisgau 2002: Rombach\\ S. 165: væringi kann mit ags. waergenga abstammungsgleich sein analog zu anord. foringi > Anführer  mit ags. foreganga)).\\  +
-Der //wildr-waergenga// bleibt mehrdeutig ((''Winfried Breidbach''\\ //Reise - [[wiki:fahrt|Fahrt]] - Gang. Nomina der Fortbewegung in den altgermanischen Sprachen.//\\ Peter Lang 1994. Diss. Köln, S. 166 Fußnote 516, mit Verweisen)), erscheint jedoch im Zusammenhang mit der Verbannung Nebukadnezars in den Wald. +
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-  ortsfest in der  +
-Nach dem Ende der Völkerwanderung blieben manche Gruppen mobil; deren Anteil wuchs in der spätmittelaterlichen Stadtgründungsphase teils, weil die Städte die Landbevölkerunge anzogen, teils aber auch, weil neue soziale Gruppen entstanden. +
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-Zum Fahrenden Volk gehörten im Mittelalter in erster Linie //Vaganten// im Sinne von christlichen //Scholaren// (lat. clerici  vagi) ((''Glanz, Rudolf''\\ //Geschichte des niederen jüdischen Volkes in Deutschland//.\\  Eine Studie über historisches Gaunertum, Bettelwesen und Vagantentum.\\  New York 1968, S. 2)). +
-Hinzu kamen mehr und mehr reisende //Hausierer//, die von Hof zu Hof und von Weiler zu Weiler zogen sowie //[[wiki:landfahrer|Landfahrer]]// (seit dem 13. Jh. belegt). Auch sie wurden später als Vaganten bezeichnet.  +
-Diese Gruppe wuchs in dem Maße, wie sich städtische Gesellschaften entwickelten. Zum Fahrenden Volk gehörten:+
   * solche, die gewerbsmäßig unterwegs waren wie Händler, Hausierer;   * solche, die gewerbsmäßig unterwegs waren wie Händler, Hausierer;
   * Gruppen, deren Wanderstatus gesellschaftlich anerkannt war wie \\ Pilger, Handwerksgesellen, Scholaren;   * Gruppen, deren Wanderstatus gesellschaftlich anerkannt war wie \\ Pilger, Handwerksgesellen, Scholaren;
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   * gesellschaftlich Ausgestoßene (*[[wiki:Gauner|Gauner]]);   * gesellschaftlich Ausgestoßene (*[[wiki:Gauner|Gauner]]);
   * unerwünschte Fremde aus der Fremde mit abweichender Sprache und Kultur (Welsche, Zigeuner).   * unerwünschte Fremde aus der Fremde mit abweichender Sprache und Kultur (Welsche, Zigeuner).
-Die Übergänge waren fließend. Unabhängig von diesen formalen Zuordnungen konnte jemand ehrlich unterwegs sein, als Bettler oder als Gauner, denn das Leben auf der Straße war nicht schwindelfrei. Ohne soziales Netz (das konnten auch Klöster sein) und ohne Netzwerk (wie etwa Zünfte) schlugen sich //[[wiki:trickster|Trickster]]// und //Kunden// mit List und [[wiki:taeuschung|Täuschung]] oftmals besser durch.\\ Im 18. Jahrhundert gehörten rund 10 Prozent der Bevölkerung zum Fahrenden Volk. Das Fahrende Volk verständigte sich mit »[[wiki:walz#Kundenschall|Rotwelsch]]«, einem auf Deutsch basierenden *[[wiki:jargon|Jargon]] mit eigenen Wortschöpfungen sowie zahlreichen Lehnwörtern aus dem Jiddischen und von den Zigeunern.\\ +Die Übergänge waren fließend. Unabhängig von diesen formalen Zuordnungen konnte jemand ehrlich unterwegs sein, als Bettler oder als Gauner, denn das Leben auf der Straße war nicht schwindelfrei. Ohne soziales Netz (das konnten auch Klöster sein) und ohne Netzwerk (wie etwa Zünfte) schlugen sich //[[wiki:trickster|Trickster]]// und //Kunden// mit List und [[wiki:taeuschung|Täuschung]] oftmals besser durch.\\ Im [[wiki:reisegenerationen#18. Jahrhundert|18. Jahrhundert]] gehörten rund 10 Prozent der Bevölkerung zum Fahrenden Volk. Das Fahrende Volk verständigte sich mit »[[wiki:walz#Kundenschall|Rotwelsch]]«, einem auf Deutsch basierenden *[[wiki:jargon|Jargon]] mit eigenen Wortschöpfungen sowie zahlreichen Lehnwörtern aus dem Jiddischen und von den Zigeunern.\\ 
 Das [[wiki:fahrendes_volk|Fahrende Volk]] benannte sich selbst oft ironisch als: //Chausseegrabentapezierer, Himmelsfechter, Kirchturmspitzenvergolder, Luftschiffbremser, Wolkenschieber, Zitronenschleifer// und mit ähnlichen Konstruktionen ((''Günter Puchner''\\ //Kundenschall//\\  Das Gekasper der Kirschenpflücker im Winter.\\ Heimeran München 1974, hier: S. 12)).  Das [[wiki:fahrendes_volk|Fahrende Volk]] benannte sich selbst oft ironisch als: //Chausseegrabentapezierer, Himmelsfechter, Kirchturmspitzenvergolder, Luftschiffbremser, Wolkenschieber, Zitronenschleifer// und mit ähnlichen Konstruktionen ((''Günter Puchner''\\ //Kundenschall//\\  Das Gekasper der Kirschenpflücker im Winter.\\ Heimeran München 1974, hier: S. 12)). 
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-  * ''Danckert, Werner''\\ //Unehrliche Leute. Die verfemten Berufe//\\ Bern, München: Francke 1963 
-  * ''Roeck, Bernd''\\ //Außenseiter, Randgruppen, Minderheiten, Fremde im Deutschland der frühen Neuzeit//\\   Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1993 
-  * ''Schindler, Norbert''\\ //Widerspenstige Leute. Studien zur Volkskultur in der frühen Neuzeit.//\\  Frankfurtam Main: Fischer 1992 
-  *   * ''Bob Scribner''\\ //Wie wird man Aussenseiter?//\\ Ein- und Ausgrenzung im frühneuzeitlichen Deutschland.\\ Review zum [[wiki:fahrendes_volk|Fahrenden Volk]] und der Rolle der Zünfte. S. 21-46 in: ''Goertz, Hans-Jürgen, Norbert Fischer, Marion Kobelt-Groch'':\\ //Aussenseiter zwischen Mittelalter und Neuzeit.// Festschrift für Hans-Jürgen Goertz zum 60. Geburtstag. VIII, 312 S., Leiden 1997: Brill.  
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 siehe auch: \\  siehe auch: \\ 
 * [[wiki:literaturliste_zum_fussreisen|Literaturliste zum Fussreisen]]\\  * [[wiki:literaturliste_zum_fussreisen|Literaturliste zum Fussreisen]]\\ 
wiki/fahrendes_volk.1629003054.txt.gz · Zuletzt geändert: 2021/08/15 06:50 von norbert