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Das Ende der Welt

  1. Im weitestgehenden Sinne das Ende aller Welten, also im christlichen Glauben der Tag des Jüngsten Gerichts und für Naturwissenschaftler der Zeitpunkt maximaler Entropie, jedenfalls der Untergang der Welt: engl. doomsday, altnord. ragnarök
  2. Meist wird jedoch Welt gleichgesetzt mit »der uns bekannten, erlebbaren Welt«, also einem mehr oder weniger großen Raum auf der Erde, mit unterschiedlichen Sphären und Grenzen, an deren Enden das abolute Nichts (lat. vacuum) wartet, die gähnende Leere (altgr. χάος cháos, altnord. ginungagap) wartet, ein Maelstrom 1), eine Wüste 2).
    In Werner Herzogs Film Herz aus Glas (1976) wollen vier Männer ans »Ende der Welt« gelangen, um zu sehen, ob dort wirklich ein Abgrund ist:
    »Ja, und dann brechen sie auf, pathetisch und sinnlos, in einem viel zu kleinen Boot.«.
    Von der Leere geht ein Sog aus, der als Schwindel empfunden wird, als l'appel du vide, call of the void: gezogen und getrieben von einem unterschwelligen Impuls, von den Klippen in den Abgrund zu springen, daher auch: high place phenomenon.
  3. Kap Finisterre (lat. finis terra, das Ende der Erde) im Nordosten Spaniens an der galizischen Küste wurde in der Antike und im Mittelalter für das westliche Ende der bewohnten Welt gehalten.
  4. Etwa ab dem Jahr 100 galt Finis mundi (lat. das Ende der Welt) als westlichster Punkt Europas, die Halbinsel Punta de la Orchilla auf der Kanarischen Insel El Hierro in der Gemeinde El Pinar, bis der Weg zu den Kanarischen Inseln vergessen und erst im 14. Jahrhundert wiederentdeckt wurde. Hier wurde 1634 auch der geographische Nullmeridian festgelegt, bis dieser 1885 nach Greenwich verlegt wurde.
  5. Mit der Kartografierung der Kontinente wurden deren »Zipfelpunkte« zum Ende der Welt. So endet die Panamericana bei Ushuaia am südlichsten Zipfel Amerikas, dem Fin del mundo.
    Der südwestlichste Zipfelpunkt Europas findet sich bei Sagres in Portugal; die dort aufgefundene überdimensionale Windrose wird gerne mit Heinrich dem Seefahrer (1394-1460) verbunden und dessen Auftrag ins Unbekannte zu segeln.
  6. Seit die Erde als Kugel betrachtet wurde und seit ihre Oberfläche vermessen ist, wird immer der am weitesten entfernte Ort zum Ende der Welt. Damit wirbt Neuseeland als »schönstes Ende der Welt«.
  7. Als Metapher werden viele geographisch ausgesetzte Punkte in vielen Sprachen als Ende der Welt: World's End, World's View, Land's End, Edge of the World, Verdens Ende, Le Bout du Monde, Weltende bezeichnet. Umschrieben wird damit: einsam, schwer zu erreichen, abgelegen, nur eine Zufahrt, ausgesetzt durch Höhe oder umspült vom Wasser.
  8. So bildet das Ende der Welt immer auch eine Grenze zwischen Leben und Tod zur Wildnis, zum bush. Das Ende der Welt bringt auch ein Nicht-Wissen zum Ausdruck über unbekannte Welten (lat. Terrae incognitae), die zu Weißen Flecken schrumpfen, bevor sie als Niemandsland (lat. terrae nullius) abgegrenzt werden können. In der Antike bildete sich die Vorstellung von Zonen nmit bestimmten Eigenschaften (z.b. die verbrannte Zone, gemäßigte Zone, kalte Zone), die im Mittelalter als Sphaeren bezeichnet wurden, dann aber auch auf Himmlische Sphaeren erweitert wurden.
Anna-Dorothee von den Brincken
Fines Terrae
Die Enden der Erde und der vierte Kontinent auf mittelalterlichen Weltkarten
Hannover 1992 (Monumenta Germaniae Historica, Schriften 36)

Fritz Krafft
orbis (sphaera), circulus, via, iter, orbita
Zur terminologischen Kennzeichnung des wesentlichsten Paradigmawechsels in der Astronomie durch Johannes Kepler
Beiträge zur Astronomiegeschichte. Band 11, (Acta Historica Astronomiae, Vol. 43), S. 25–99
1)
Edgar Allan Poe
A Descent into the Maelström (Eine Fahrt in den Maelstrom)
Kurzgeschichte 1841
2)
Das Leere Viertel, die größte Sandwüste der Erde, die الربع الخالي ar-Rubʿ al-Chali
wiki/das_ende_der_welt.txt · Zuletzt geändert: 2021/05/17 11:33 von norbert