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     * Vittorio Sella     * Vittorio Sella
     * Theodor Karl Wilhelm von Wundt     * Theodor Karl Wilhelm von Wundt
 +  * ''Michael Niehaus''\\ //Der Begriff des Wissens im Wissensmanagementdiskurs. Materialien zur Begriffsgeschichte unter Berücksichtigung der klassischen griechischen Philosophie.//\\ (=Beiträge aus der Forschung, 104) 86 S. Dortmund, 2004: Landesinstitut Sozialforschungsstelle Dortmund [[https://forschungsnetzwerk.ams.at/dam/jcr:da5f9364-6565-4f76-8790-81da5a8b36df/begriff%20des%20wissens.pdf|Online]] 
 ==== Translatio studii ==== ==== Translatio studii ====
  
-Der französische Autor ''Chrétien de Troyes'' (1140 bis 1190) benannte vor fast 900 Jahren als Erster die Idee des Wissenstransfers (wie man heute sagen würde) als //Translatio studii// von den Griechen an die Römer und von diesen an die Franken und er verband diese These mit dem Reisen [[wiki:einzelne|Einzelner]]. In //Cliges// beschreibt er, wie der Byzantiner ''Alexander'' nach Britannien an den Hof von ''König Artus'' reist, eine Braut suchend. Stoff für große Gefühle, wilde Abenteuer und Geschichten mit Erfahrungswissen. Dazu gehören drei Aspekte: +Der französische Autor ''Chrétien de Troyes'' (1140 bis 1190) benannte vor fast 900 Jahren als Erster die Idee des Wissenstransfers (wie man heute sagen würde) als //Translatio studii// von den Griechen an die Römer und von diesen an die Franken und er verband diese These mit dem Reisen [[wiki:einzelne|Einzelner]]. In //Cliges// beschreibt er, wie der Byzantiner ''Alexander'' nach Britannien an den Hof von ''König Artus'' reist, eine Braut suchend. Stoff für große Gefühle, wilde Abenteuer und Geschichten mit Erfahrungswissen. Dazu gehören drei Aspekte (→ [[dynamik_intentionalen_fortbewegung|Die Dynamik der intentionalen Fortbewegung im Raum]])
-  * **Transport**: die körperliche Reise aus einer vertrauten in eine fremde Region oder Sphäre; +  * **[[Transport|Transport]]**\\ als körperlicher Reise aus einer vertrauten in eine fremde Region oder Sphäre; 
-  * **Translation** (engl., lat. traductio): die Übersetzung zwischen zwei Sprachen; +  * **[[Translation|Translation]]**\\ (engl., lat. traductio) als Übersetzung zwischen zwei Sprachen; 
-  * **Transfer**: die Übertragung inhaltlicher Konzepte und Werte in eine neues (auch sozio-technisches) Handlungssystem.+  * **[[Transfer|Transfer]]**\\ als Übertragung inhaltlicher Konzepte und Werte in eine neues (sozio-technisches) Handlungssystem.
 Auf individueller Ebene heißt das: die Erfahrungen der Reisenden werden zu Geschichten; erfolgreiche Geschichten werden zum Vorbild und prägen Denken und Handeln, Sprache und Literatur wie etwa die Idee des [[wiki:abenteuer|Abenteuers]] ((''Federico  Celestini, Mitterbauer Helga'' (Hg.)\\ //Ver-rückte Kulturen. Zur Dynamik kultureller Transfers.//\\ Tübingen 22011)).\\  Auf individueller Ebene heißt das: die Erfahrungen der Reisenden werden zu Geschichten; erfolgreiche Geschichten werden zum Vorbild und prägen Denken und Handeln, Sprache und Literatur wie etwa die Idee des [[wiki:abenteuer|Abenteuers]] ((''Federico  Celestini, Mitterbauer Helga'' (Hg.)\\ //Ver-rückte Kulturen. Zur Dynamik kultureller Transfers.//\\ Tübingen 22011)).\\ 
   * ''D. Kaltbrunner''\\ //Der Beobachter. Allgemeine Anleitung zu Beobachtungen über Land und Leute für [[wiki:tourist|Touristen]], [[wiki:ausflug|Exkursionisten]] und [[wiki:erforscher|Forschungsreisende]].//\\ XVII, 23, 904 S. zahlr. Ill. Zürich 1882: Wurster   * ''D. Kaltbrunner''\\ //Der Beobachter. Allgemeine Anleitung zu Beobachtungen über Land und Leute für [[wiki:tourist|Touristen]], [[wiki:ausflug|Exkursionisten]] und [[wiki:erforscher|Forschungsreisende]].//\\ XVII, 23, 904 S. zahlr. Ill. Zürich 1882: Wurster
-Die Idee der translatio studii lässt sich zurückverfolgen ins [[wiki:reisegenerationen#9. und 10. Jahrhundert|9. Jahrhundert]] und wirkt nach in der //travelling theory// von ''Edward Said'' (1978, //[[wiki:bild_orient|Orientalism]]//). Damit erweiterte sich der [[wiki:moeglichkeitssinn|Möglichkeitsraum]] des [[wiki:reisen|Reisens]], es wurde legitim das [[wiki:staunen|Staunen]] über und das Interesse des //Selbst// an der [[wiki:welt|Welt]] zum Antrieb werden zu lassen ((''Kollodzeiski, Ulrike''// Die Ordnung der Religionen. Die Vermittlung von [[wiki:okzident|Okzident]] und [[wiki:orient|Orient]] im [[wiki:reisebuch|Reisebericht]] "Viaggi" von Pietro Della Valle (1586-1652).// Baden-Baden 2020: Nomos Verlagsgesellschaft. http://public.eblib.com/choice/PublicFullRecord.aspx?p=6405942)) im Unterschied zum fremdbestimmten Reisen der [[wiki:sendung|Gesandten]] & [[wiki:bote|Boten]], Händler, Krieger, [[wiki:flucht|Flüchtenden]]. Nirgends wird das so deutlich wie in den //Riddarasögur// Islands am nördlichen Ende Europas ((''Geraldine Barnes''\\ //Reisen und Translatio studii in den isländischen Riddarasögur//\\ in: Glauser, Jürg, Susanne Kramarz-Bein, Isabelle Ravizza\\ Rittersagas: Übersetzung, Überlieferung, Transmission.\\ = Beiträge zur nordischen Philologie Bd. 45. Tübingen 2014: Francke, 203-218\\  +Die Idee der translatio studii lässt sich zurückverfolgen ins [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#9. und 10. Jahrhundert|9. Jahrhundert]] und wirkt nach in der //travelling theory// von ''Edward Said'' (1978, //[[wiki:bild_orient|Orientalism]]//). Damit erweiterte sich der [[wiki:moeglichkeitssinn|Möglichkeitsraum]] des [[wiki:reisen|Reisens]], es wurde legitim das [[wiki:staunen|Staunen]] über und das Interesse des //Selbst// an der [[wiki:welt|Welt]] zum Antrieb werden zu lassen ((''Kollodzeiski, Ulrike''\\ // Die Ordnung der Religionen. Die Vermittlung von [[wiki:okzident|Okzident]] und [[wiki:orient|Orient]] im [[wiki:reisebuch|Reisebericht]] "Viaggi" von Pietro Della Valle (1586-1652).// Baden-Baden 2020: Nomos Verlagsgesellschaft. http://public.eblib.com/choice/PublicFullRecord.aspx?p=6405942)) im Unterschied zum fremdbestimmten Reisen der [[wiki:sendung|Gesandten]] & [[wiki:bote|Boten]], Händler, Krieger, [[wiki:flucht|Flüchtenden]]. Nirgends wird das so deutlich wie in den //Riddarasögur// Islands am nördlichen Ende Europas ((''Geraldine Barnes''\\ //Reisen und Translatio studii in den isländischen Riddarasögur//\\ in: Glauser, Jürg, Susanne Kramarz-Bein, Isabelle Ravizza\\ Rittersagas: Übersetzung, Überlieferung, Transmission.\\ = Beiträge zur nordischen Philologie Bd. 45. Tübingen 2014: Francke, 203-218\\  
-''Bratu, Cristian''//Translatio, autorité et affirmation de soi chez Gaimar, Wace et Benoît de Sainte-Maure//\\ The Medieval Chronicle 8 (2013): 135-164\\ +''Bratu, Cristian''\\ //Translatio, autorité et affirmation de soi chez Gaimar, Wace et Benoît de Sainte-Maure//\\ The Medieval Chronicle 8 (2013): 135-164\\ 
 ''Edouard Jeauneau''\\ //Translatio studii. The Transmission of Learning//\\ A Gilsonian Theme, The Etienne Gilson series 18, Toronto, Pontifical Institute of Mediaeval Studies, 1995)). Die Helden der isländischen Sagas reisen nach// »Antiocha, Athen, Babylon, Bari, Bologna, Karthago, Köln, Konstantinopel, Damaskus, Florenz, Jerusalem, Novgorod, Paris, Rom, Troia, durch Arabien, Ägypten, England, Flandern, Frankreich, Galizien, Deutschland, Griechenland, Holstein, Ungarn, Indien, Irland, Italien, Lombardei, Libyen, Makedonien, Mesopotamien, Palästina, Russland, Sachsen, Spanien, Syrien ...«// ((''Kalinke, Marianne E.''\\ //The Foreign Language Requirement in Medieval Icelandic Romance.//\\ The Modern Language Review 78. London 1983, 853)). ''Edouard Jeauneau''\\ //Translatio studii. The Transmission of Learning//\\ A Gilsonian Theme, The Etienne Gilson series 18, Toronto, Pontifical Institute of Mediaeval Studies, 1995)). Die Helden der isländischen Sagas reisen nach// »Antiocha, Athen, Babylon, Bari, Bologna, Karthago, Köln, Konstantinopel, Damaskus, Florenz, Jerusalem, Novgorod, Paris, Rom, Troia, durch Arabien, Ägypten, England, Flandern, Frankreich, Galizien, Deutschland, Griechenland, Holstein, Ungarn, Indien, Irland, Italien, Lombardei, Libyen, Makedonien, Mesopotamien, Palästina, Russland, Sachsen, Spanien, Syrien ...«// ((''Kalinke, Marianne E.''\\ //The Foreign Language Requirement in Medieval Icelandic Romance.//\\ The Modern Language Review 78. London 1983, 853)).
   *  ''Schmale, Wolfgang''\\ //Kulturtransfer//\\ in: Europäische Geschichte Online (EGO), hg. vom Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG), Mainz 2012-10-31. URL: http://www.ieg-ego.eu/schmalew-2012-de URN: urn:nbn:de:0159-2012103101   *  ''Schmale, Wolfgang''\\ //Kulturtransfer//\\ in: Europäische Geschichte Online (EGO), hg. vom Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG), Mainz 2012-10-31. URL: http://www.ieg-ego.eu/schmalew-2012-de URN: urn:nbn:de:0159-2012103101
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   Adelbert von Chamisso, Dichter, Reisender und Naturforscher   Adelbert von Chamisso, Dichter, Reisender und Naturforscher
  
-Die Frage ist dabei, in welcher Welt Wissen individuell entsteht und in welcher Welt es erprobt wird. Im [[wiki:reisegenerationen#Der Blick zurück: Das Mittelalter als Epoche| Mittelalters]] übte die Welt des Glaubens ihre Deutungshoheit aus. Erfahrungswissen endete auf dem Scheiterhaufen. In der Neuzeit wurde die Welt des Wissens so mächtig, dass der Mensch ein neues Erdzeitalter schuf, das Anthropozän. Individuell konnte sich immer schon jeder seine eigene Welt bauen. Wer dabei von der Norm zu sehr abwich, galt entweder als Orakel oder als Dorfdepp, selten als Genie; institutionalisiert gab es ihn als Narren am Fürstenhof oder als [[wiki:abenteuer|Abenteurer]] - Sonderfälle und Einzelschicksale. Allerdings stoßen Naturphilosophen und Physiker seit Jahrhunderten auf das Problem, Metaphysik und Mechanik sauber zu trennen. ((''Dieter Straub''\\ //Eine Geschichte des Glasperlenspiels. Irreversibilität in der Physik: Irritationen und Folgen//\\ 306 Seiten, Birkhäu­ser-Verlag 1990; [[https://www.ekkehard-friebe.de/Waibel.html|Rezension]]))+Die Frage ist dabei, in welcher Welt Wissen individuell entsteht und in welcher Welt es erprobt wird. Im [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#Der Blick zurück: Das Mittelalter als Epoche| Mittelalters]] übte die Welt des Glaubens ihre Deutungshoheit aus. Erfahrungswissen endete auf dem Scheiterhaufen. In der Neuzeit wurde die Welt des Wissens so mächtig, dass der Mensch ein neues Erdzeitalter schuf, das Anthropozän. Individuell konnte sich immer schon jeder seine eigene Welt bauen. Wer dabei von der Norm zu sehr abwich, galt entweder als Orakel oder als Dorfdepp, selten als Genie; institutionalisiert gab es ihn als Narren am Fürstenhof oder als [[wiki:abenteuer|Abenteurer]] - Sonderfälle und Einzelschicksale. Allerdings stoßen Naturphilosophen und Physiker seit Jahrhunderten auf das Problem, Metaphysik und Mechanik sauber zu trennen. ((''Dieter Straub''\\ //Eine Geschichte des Glasperlenspiels. Irreversibilität in der Physik: Irritationen und Folgen//\\ 306 Seiten, Birkhäu­ser-Verlag 1990; [[https://www.ekkehard-friebe.de/Waibel.html|Rezension]]))
  
 500 Jahre Wissensgesellschaft ermöglichten Demokratie und Freiheit, Überfluss und Selbstfindung. Mit den Möglichkeiten kamen Zweifel, ausgelöst durch Umweltzerstörung und Selbstoptimierung. Die Postmoderne ist geprägt durch Absurdität: Grenzenlose Freiheit öffnet auch Freiräume für Feinde der Freiheit. Grenzenlose  [[wiki:real_life_oder_virtual_reality|virtual reality]] öffnet auch Freiräume für Leugner des real life. Sachverhalte werden wegen Empfindungen verboten. Fakten stehen alternative Fakten gegenüber.\\  500 Jahre Wissensgesellschaft ermöglichten Demokratie und Freiheit, Überfluss und Selbstfindung. Mit den Möglichkeiten kamen Zweifel, ausgelöst durch Umweltzerstörung und Selbstoptimierung. Die Postmoderne ist geprägt durch Absurdität: Grenzenlose Freiheit öffnet auch Freiräume für Feinde der Freiheit. Grenzenlose  [[wiki:real_life_oder_virtual_reality|virtual reality]] öffnet auch Freiräume für Leugner des real life. Sachverhalte werden wegen Empfindungen verboten. Fakten stehen alternative Fakten gegenüber.\\ 
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 //„Alles, was wir über die Bewegung des Meeres wußten, war in den Strophen eines Liedes enthalten. Tausende von Jahren gingen wir, wohin wir wollten, und dank des Lieds fanden wir sicher zurück ... Es gab ein Lied für den Weg nach China und ein Lied für den Weg nach Japan, ein Lied für die große Insel und ein Lied für die kleinere. Sie mußte nur das Lied kennen, und sie wußte, wo sie war. Wenn sie heimkehren wollte, sang sie das Lied einfach rückwärts. ...“// (Die Worte einer alten Frau, einer sibirischen Schamanka, zit. nach ''Chatwin'' S. 380). //„Alles, was wir über die Bewegung des Meeres wußten, war in den Strophen eines Liedes enthalten. Tausende von Jahren gingen wir, wohin wir wollten, und dank des Lieds fanden wir sicher zurück ... Es gab ein Lied für den Weg nach China und ein Lied für den Weg nach Japan, ein Lied für die große Insel und ein Lied für die kleinere. Sie mußte nur das Lied kennen, und sie wußte, wo sie war. Wenn sie heimkehren wollte, sang sie das Lied einfach rückwärts. ...“// (Die Worte einer alten Frau, einer sibirischen Schamanka, zit. nach ''Chatwin'' S. 380).
    
-Es hat einiges für sich, daß die ältesten [[wiki:orientierung|Wegbeschreibungen]] gesungen wurden. Das Gehen ist ein rhythmischer Vorgang ebenso wie Gesang, Sprechen dagegen erfolgt abgehackt. Mit Musik und Gesang lassen sich plätschernde Flüsse, Blätterrauschen, Vogelstimmen, polternde Steine hörbar beschreiben. Die ältesten überlieferten Dichtungen der Menschheit sind Gesänge: //Ilias, Odyssee, Nibelungenlied// – fahrende Sänger sorgten für ihre Verbreitung. Der //skop// war der weitgereiste Sänger an germanischen Königshöfen, das englische Epos //widsiht// besingt die weite Reise. ''Caesar'' berichtete, daß die Druiden eine große Anzahl Verse auswendig lernen, Schrift gelte als Übel. Seit zweitausend Jahren beklagen Übersetzer ''Homers'' Hexameter: sie seien für keine lebende Sprache geeignet. Die Spekulationen sind alt, daß sie auf eine nicht überlieferte Hirtensprache zurückgehen, die auf Rhythmus basierte. Einige wenige Gruppen auf der Welt verwenden heute noch melodische Nachrichtensysteme – das Jodeln in den Alpen gehört ebenso dazu wie die Pfeifsprache auf La Gomera: So kommunizieren Hirten in schwer begehbaren Gebieten. ''Odysseus'' verstopfte sich und seinen Gefährten die Ohren mit Wachs, da die Lieder der Sirenen sie vom richtigen Weg abbringen wollten.+Es hat einiges für sich, daß die ältesten [[wiki:orientierung|Wegbeschreibungen]] gesungen wurden. Das Gehen ist ein rhythmischer Vorgang ebenso wie Gesang, Sprechen dagegen erfolgt abgehackt. Mit Musik und Gesang lassen sich plätschernde Flüsse, Blätterrauschen, Vogelstimmen, polternde Steine hörbar beschreiben. Die ältesten überlieferten Dichtungen der Menschheit sind Gesänge: //Ilias, Odyssee, Nibelungenlied// – fahrende Sänger sorgten für ihre Verbreitung. Der //skop// war der weitgereiste Sänger an germanischen Königshöfen, das englische Epos //widsiht// besingt die weite Reise. ''Caesar'' berichtete, daß die Druiden eine große Anzahl Verse auswendig lernen, Schrift gelte als Übel. Seit zweitausend Jahren beklagen Übersetzer ''Homers'' Hexameter: sie seien für keine lebende Sprache geeignet. Die Spekulationen sind alt, daß sie auf eine nicht überlieferte Hirtensprache zurückgehen, die auf Rhythmus basierte. Einige wenige Gruppen auf der Welt verwenden heute noch melodische Nachrichtensysteme – das Jodeln in den Alpen gehört ebenso dazu wie die Pfeifsprache auf La Gomera: So kommunizieren Hirten in schwer begehbaren Gebieten. ''Odysseus'' verstopfte sich und seinen Gefährten die Ohren mit Wachs, da die Lieder der [[liste_anthropomorpher_mischwesen|Sirenen]] sie vom richtigen Weg abbringen wollten.
  
 Ob Rede oder Gesang: Die direkte Kommunikation enthält Informationen, die im Schriftlichen verlorengehen. Tonhöhe und -fall, Gesichtsausdruck und Gestik, Kostümierung und Bewegung, Weihrauch und andere Gerüche verknüpfen die übermittelte Information mit zahlreichen anderen Eindrücken, die den Informationsgehalt verstärken und ein Erinnern erleichtern. Ob Rede oder Gesang: Die direkte Kommunikation enthält Informationen, die im Schriftlichen verlorengehen. Tonhöhe und -fall, Gesichtsausdruck und Gestik, Kostümierung und Bewegung, Weihrauch und andere Gerüche verknüpfen die übermittelte Information mit zahlreichen anderen Eindrücken, die den Informationsgehalt verstärken und ein Erinnern erleichtern.
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 ==== Welträtsel ==== ==== Welträtsel ====
-Der Begriff Welträtsel wird erst im [[wiki:reisegenerationen#Ab dem 19. Jahrhundert|19. Jahrhundert]]. Dem Alltagsmenschen war die Welt wohl zuvor ebenso rätselhaft wie heute, doch konnte er immer auf die unerklärlichen Beschlüsse Gottes hinweisen. Dieses Argument zog nach der französischen Revolution nicht mehr überzeugend. Welträtsel entstehen erst, wenn dem Verstand die Priorität gegenüber dem Glauben eingeräumt wird, wie es ''Kant'' in seiner //Kritik der reinen Vernunft// 1781 tat.  
  
-''Ernst Haeckel'' schreibt in seinem 1899 erschienen Buch //Die Welträtsel//auf Seite 12:\\ »Der ungebildete Kulturmensch ist noch ebenso wie der rohe Naturmensch auf Schritt und Tritt von unzähligen Welträtseln umgebenJe weiter die Kultur fortschreitet und die Wissenschaft sich entwickelt, desto mehr wird ihre Zahl beschränktDie monistische Philosophie wird schließlich nur ein einzigesallumfassendes Welträtsel anerkennen, das "Substanz-Problem".« ((''Ladendorf, Otto''\\ //Historisches Schlagwörterbuch: Ein Versuch.//\\ Strassburg und Berlin, 1906Stichwort Welträtsel))\\ +Der Begriff Welträtsel wird erst im [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#Ab dem 19. Jahrhundert|19. Jahrhundert]]. Dem Alltagsmenschen war die Welt wohl zuvor ebenso rätselhaft wie heute, doch konnte er immer auf die unerklärlichen Beschlüsse Gottes hinweisenDieses Argument zog nach der französischen Revolution nicht mehr überzeugendWelträtsel entstehen erst, wenn dem Verstand die Priorität gegenüber dem Glauben eingeräumt wird, wie es ''Kant'' in seiner //Kritik der reinen Vernunft// 1781 tat
  
-So ähnlich sehen das Physiker auch heute noch, während der Alltagsmensch täglich wiederholt kopfschüttelnd vor Welträtseln steht.+''Ernst Haeckel'' schreibt in seinem 1899 erschienen Buch //Die Welträtsel// auf Seite 12:\\ //»Der ungebildete Kulturmensch ist noch ebenso wie der rohe Naturmensch auf Schritt und Tritt von unzähligen Welträtseln umgeben. Je weiter die Kultur fortschreitet und die Wissenschaft sich entwickelt, desto mehr wird ihre Zahl beschränkt. Die monistische Philosophie wird schließlich nur ein einziges, allumfassendes Welträtsel anerkennen, das "Substanz-Problem".«// ((''Ladendorf, Otto''\\ //Historisches Schlagwörterbuch: Ein Versuch.//\\ Strassburg und Berlin, 1906Stichwort Welträtsel))\\ 
  
 +So ähnlich sehen das Physiker auch heute noch, während der Alltagsmensch täglich wiederholt kopfschüttelnd vor Welträtseln steht.
  
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- {{tag>Aufklärung Neugier Erforschen}} 
  
 + {{tag> Aufklärung Neugier Erforscher}}
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