wiki:walz
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| ===== 2 Meister, gebt mir die Papiere ===== | ===== 2 Meister, gebt mir die Papiere ===== | ||
| Was bewog junge Burschen nach der Lehre dazu, Monate und Jahre auf die Walz zu gehen, die Sicherheit von Heimat, Beruf, Elternhaus aufzugeben zugunsten Hunger und Not, einer ungewissen Zukunft, ausgeliefert dem Wetter und der Willkür fremder Menschen? Die Antwort ist vielschichtig: | Was bewog junge Burschen nach der Lehre dazu, Monate und Jahre auf die Walz zu gehen, die Sicherheit von Heimat, Beruf, Elternhaus aufzugeben zugunsten Hunger und Not, einer ungewissen Zukunft, ausgeliefert dem Wetter und der Willkür fremder Menschen? Die Antwort ist vielschichtig: | ||
| - | //„Schon in der frühesten Jugendzeit war mein [Heinrichs] sehnlichster Wunsch, zu reisen. Nicht per Bahn oder per Schiff, nein, auf Schusters Rappen wollte ich die Welt durchwandern. Durch meiner Hände Arbeit wollte ich mir mein Brot verdienen. Abwechselnd arbeiten und weiterziehen war mein Vorhaben. Darum erlernte ich auch das Handwerk, das mir, obgleich meinen Wünschen nicht ganz entsprechend, | + | //„Schon in der frühesten Jugendzeit war mein [Heinrichs] sehnlichster Wunsch, zu reisen. Nicht per Bahn oder per Schiff, nein, auf Schusters Rappen wollte ich die Welt durchwandern. Durch meiner Hände Arbeit wollte ich mir mein Brot verdienen. Abwechselnd arbeiten und weiterziehen war mein Vorhaben. Darum erlernte ich auch das Handwerk, das mir, obgleich meinen Wünschen nicht ganz entsprechend, |
| - | Seine Vorstellung einer Walz entspringt alten Zeiten: //„Den derben [[wiki: | + | Seine Vorstellung einer Walz entspringt alten Zeiten: //„Den derben [[wiki: |
| Dieses Ideal ist nicht durch praktische Erfahrungen getrübt und Heinrichs kennt nur drei Dinge, die es stören: | Dieses Ideal ist nicht durch praktische Erfahrungen getrübt und Heinrichs kennt nur drei Dinge, die es stören: | ||
| * die moderne Technik: // | * die moderne Technik: // | ||
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| * die [[wiki: | * die [[wiki: | ||
| Fachliche Fortbildung spielt keine Rolle - im Verlauf der Reise gibt es nur drei Situationen, | Fachliche Fortbildung spielt keine Rolle - im Verlauf der Reise gibt es nur drei Situationen, | ||
| - | Alfred Pfarre kann auf Erfahrungen aus dem Wandervogel-Milieu zurückblicken. Er will seiner Kündigung zuvorkommen, | + | Alfred Pfarre kann auf Erfahrungen aus dem Wandervogel-Milieu zurückblicken. Er will seiner Kündigung zuvorkommen, |
| - | Als Schroeder seine Ausbildung zum Installateurgesellen bei den städtischen Gas- und Wasserwerken abgeschlossen hat, liest er am schwarzen Brett:// | + | Als Schroeder seine Ausbildung zum Installateurgesellen bei den städtischen Gas- und Wasserwerken abgeschlossen hat, liest er am schwarzen Brett:// |
| Schroeder berichtet von zweien seit zwei Jahren wandernden Zimmerern. | Schroeder berichtet von zweien seit zwei Jahren wandernden Zimmerern. | ||
| > „`Noch ein Jahr´, sagt der mit dem steifen Hut, `dann geht´s nach Hause.´ | > „`Noch ein Jahr´, sagt der mit dem steifen Hut, `dann geht´s nach Hause.´ | ||
| >`Dann sind unsere Fremdenjahre um`, ergänzt der andere. | >`Dann sind unsere Fremdenjahre um`, ergänzt der andere. | ||
| > `Werden euch denn drei Fremdenjahre vorgeschrieben? | > `Werden euch denn drei Fremdenjahre vorgeschrieben? | ||
| - | >`Wir müssen sie nachweisen, und nicht nur Walzjahre, sondern drei volle Arbeitsjahre. Ohne diesen Nachweis können wir keine Meisterprüfung machen ...´“ ((Schroeder, | + | >`Wir müssen sie nachweisen, und nicht nur Walzjahre, sondern drei volle Arbeitsjahre. Ohne diesen Nachweis können wir keine Meisterprüfung machen ...´“ ((Schroeder, |
| - | Winnig fühlt sich unreif: //„Es war mein Kummer, daß ich so oft in die Weise der Kindheit zurückfiel und Erlebnisse ersann, wie ich sie mir wünschte, denn ich sagte mir, daß man dem Leben seinen ganzen Ernst schuldig ist.“// ((Winnig, S. 124)) Er weiß das und will auf der Walz an Reife gewinnen: //„ein Gefühl, daß ich in den sechs Monaten meiner Wanderschaft doch nicht nur älter geworden sei, sondern ebenso irgendwie innerlich gewonnen hätte, gewonnen an Besitz und an Kräften, die mit Erfahrung und Reife wohl angedeutet, aber noch nicht erfaßt sind. Es war wohl ein Wachsen, und nun mußte ich, um weiter zu wachsen, weiter wandern und das Leben hinnehmen, wie es war und wie es zu mir kam ...“// ((Winnig, S. 125)) Man kann lange wandern und dennoch kein Wanderer sein - nach einem Jahr auf der Landstraße stellt Winnig fest:// | + | Winnig fühlt sich unreif: //„Es war mein Kummer, daß ich so oft in die Weise der Kindheit zurückfiel und Erlebnisse ersann, wie ich sie mir wünschte, denn ich sagte mir, daß man dem Leben seinen ganzen Ernst schuldig ist.“// ((Winnig, S. 124)) Er weiß das und will auf der Walz an Reife gewinnen: //„ein Gefühl, daß ich in den sechs Monaten meiner Wanderschaft doch nicht nur älter geworden sei, sondern ebenso irgendwie innerlich gewonnen hätte, gewonnen an Besitz und an Kräften, die mit Erfahrung und Reife wohl angedeutet, aber noch nicht erfaßt sind. Es war wohl ein Wachsen, und nun mußte ich, um weiter zu wachsen, weiter wandern und das Leben hinnehmen, wie es war und wie es zu mir kam ...“// ((Winnig, S. 125)) Man kann lange wandern und dennoch kein Wanderer sein - nach einem Jahr auf der Landstraße stellt Winnig fest:// |
| - | Winnig sinnierte über den Sinn des Wanderns und unterschied zwischen dem Sinn für sich selbst und dem Sinn für die Gesellschaft durch //„den Austausch handwerklicher Erfahrungen, | + | Winnig sinnierte über den Sinn des Wanderns und unterschied zwischen dem Sinn für sich selbst und dem Sinn für die Gesellschaft durch //„den Austausch handwerklicher Erfahrungen, |
| - | Zettler sinniert:// | + | Zettler sinniert:// |
| - | Hasemann erlebt eine geschützte, | + | Hasemann erlebt eine geschützte, |
| - | Doch es bedarf mehr, einen Gesellen zur Wanderschaft zu bewegen: persönliche [[wiki: | + | Doch es bedarf mehr, einen Gesellen zur Wanderschaft zu bewegen: persönliche [[wiki: |
| ==== Die Walz als Ritus und Prüfung ==== | ==== Die Walz als Ritus und Prüfung ==== | ||
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| ==== Felleisen und Berliner | ==== Felleisen und Berliner | ||
| - | Unsere Handwerksburschen sind alle Neulinge auf dem Reisesektor, | + | Unsere Handwerksburschen sind alle Neulinge auf dem Reisesektor, |
| - | Winnig gräbt auf dem Speicher den Ranzen seines Großvaters und dessen [[wiki: | + | Winnig gräbt auf dem Speicher den Ranzen seines Großvaters und dessen [[wiki: |
| Wie auch heute, ist die [[wiki: | Wie auch heute, ist die [[wiki: | ||
| Alfred Pfarre zieht los mit einer nagelneuen Ausrüstung: | Alfred Pfarre zieht los mit einer nagelneuen Ausrüstung: | ||
| Winnig trägt sein Handwerkszeug mit sich: Kelle, Hammer, Lotwaage. Dies dient als Kennzeichen der Wanderschaft, | Winnig trägt sein Handwerkszeug mit sich: Kelle, Hammer, Lotwaage. Dies dient als Kennzeichen der Wanderschaft, | ||
| - | Winnig wandert im Winter nur mit Jacke und Hemd. Unterwäsche gibt es nicht, selbst ein Halstuch hat er nicht. //„Heikel war die Versorgung mit sauberer Wäsche. Im Sommer wusch man das zweite Hemd in einem Bach, hängte es auf einen Busch zum Trocknen und legte sich daneben. Das war im Winter nicht möglich, und die Herbergen hatten noch keine Einrichtungen, | + | Winnig wandert im Winter nur mit Jacke und Hemd. Unterwäsche gibt es nicht, selbst ein Halstuch hat er nicht. //„Heikel war die Versorgung mit sauberer Wäsche. Im Sommer wusch man das zweite Hemd in einem Bach, hängte es auf einen Busch zum Trocknen und legte sich daneben. Das war im Winter nicht möglich, und die Herbergen hatten noch keine Einrichtungen, |
| ==== Die Penunse ==== | ==== Die Penunse ==== | ||
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| Deutlich wird aber, daß solche Herbergen die Ausnahme waren. Roltsch erzählt:// | Deutlich wird aber, daß solche Herbergen die Ausnahme waren. Roltsch erzählt:// | ||
| Eine wichtige Rolle spielen für Heinrichs die Unterkünfte des katholischen Gesellenvereins: | Eine wichtige Rolle spielen für Heinrichs die Unterkünfte des katholischen Gesellenvereins: | ||
| - | In Städten bleibt lediglich das Asyl. Nur wer weniger als eine Mark fünfzig hat (Pfarre), darf dort übernachten. Und Geld läßt sich nicht verbergen: Sämtlicher Besitz mitsamt [[wiki: | + | In Städten bleibt lediglich das Asyl. Nur wer weniger als eine Mark fünfzig hat (Pfarre), darf dort übernachten. Und Geld läßt sich nicht verbergen: Sämtlicher Besitz mitsamt [[wiki: |
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| Doch auch in größeren Dörfern gibt es ein Asyl: //„Das war ein elendes Gebäude, ohne Decke, ohne Zimmer, kahl im Innern bis zum Dachgiebel. Mit rohem Bretterverschlag brannte im Kamin ein qualmendes Feuer von nassem Reisig. ... Man brachte uns Wasser aus alten Konservendosen zu trinken. Vorne, gegenüber dem Eingang, lagen auf niedrigem Gestell zwei schmutzige Strohsäcke, | Doch auch in größeren Dörfern gibt es ein Asyl: //„Das war ein elendes Gebäude, ohne Decke, ohne Zimmer, kahl im Innern bis zum Dachgiebel. Mit rohem Bretterverschlag brannte im Kamin ein qualmendes Feuer von nassem Reisig. ... Man brachte uns Wasser aus alten Konservendosen zu trinken. Vorne, gegenüber dem Eingang, lagen auf niedrigem Gestell zwei schmutzige Strohsäcke, | ||
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| Die Fußreise war ein Privileg der Unterschichten, | Die Fußreise war ein Privileg der Unterschichten, | ||
| - | Ein alter Kunde erklärt Winnig in einer Bremerhavener Herberge, wie man nach Jerusalem gelangt: //„In Genua mußt du zum Hafen gehen und ausmachen, ob ein Schiff nach Alexandria fährt. ... Dann gehst du abends spät die Hafentreppe hinunter, springst leise ins Wasser und schwimmst nach dem Schiff. Du mußt dir das Schiff aber vorher angesehen haben und wissen, wo das Fallreep ist, denn am Fallreep mußt du in die Höhe klettern. Und oben mußt du dich verstecken. Dann mußt du warten, bis das Schiff auf hoher See ist. Das kann lange dauern, aber du mußt es aushalten, du darfst dich nicht eher blicken lassen. Wenn sie dich sehen, solange noch Land in der Nähe ist, geben sie ein Signal, und dann kommt ein Polizeiboot und holt dich weg. Wenn du aber aushältst, kommst du ohne Geld hinüber; sie geben dir ein paar Maulschellen, | + | Ein alter Kunde erklärt Winnig in einer Bremerhavener Herberge, wie man nach Jerusalem gelangt: //„In Genua mußt du zum Hafen gehen und ausmachen, ob ein Schiff nach Alexandria fährt. ... Dann gehst du abends spät die Hafentreppe hinunter, springst leise ins Wasser und schwimmst nach dem Schiff. Du mußt dir das Schiff aber vorher angesehen haben und wissen, wo das Fallreep ist, denn am Fallreep mußt du in die Höhe klettern. Und oben mußt du dich verstecken. Dann mußt du warten, bis das Schiff auf hoher See ist. Das kann lange dauern, aber du mußt es aushalten, du darfst dich nicht eher blicken lassen. Wenn sie dich sehen, solange noch Land in der Nähe ist, geben sie ein Signal, und dann kommt ein Polizeiboot und holt dich weg. Wenn du aber aushältst, kommst du ohne Geld hinüber; sie geben dir ein paar Maulschellen, |
| Drei Monate hatte jener Kunde auf ein passendes Schiff gewartet. Hasemann geht direkter vor: //„Eine Stunde vor Abfahrt an Bord, hatte mir mal ein Kunde gesagt, dann in den Kohlenkasten oder Segelkajüte, | Drei Monate hatte jener Kunde auf ein passendes Schiff gewartet. Hasemann geht direkter vor: //„Eine Stunde vor Abfahrt an Bord, hatte mir mal ein Kunde gesagt, dann in den Kohlenkasten oder Segelkajüte, | ||
| Interessant ist, daß gerade zu Beginn der Wanderschaft erst einmal ein schnelles Beförderungsmittel benutzt wird, z.B. der Zug. Vielleicht hat Schroeder das gemeint, als er sagte: //„Wenn man auf Wanderschaft geht, muß man für sein ganzes Geld eine Fahrkarte kaufen und losfahren, dann kann man nicht mehr zurück, und ob man will oder nicht, man muß sich durchschlagen.“// | Interessant ist, daß gerade zu Beginn der Wanderschaft erst einmal ein schnelles Beförderungsmittel benutzt wird, z.B. der Zug. Vielleicht hat Schroeder das gemeint, als er sagte: //„Wenn man auf Wanderschaft geht, muß man für sein ganzes Geld eine Fahrkarte kaufen und losfahren, dann kann man nicht mehr zurück, und ob man will oder nicht, man muß sich durchschlagen.“// | ||
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| Gern zogen die Handwerksburschen im [[wiki: | Gern zogen die Handwerksburschen im [[wiki: | ||
| - | Ab 1839 reisten die Gesellen auch vermehrt in den nahen Osten. ((Der türkische Sultan Mahmud II. und sein Nachfolger öffneten ab 1839 die Grenzen vermehrt dem Westen.)) Dabei stand sicher nicht die handwerkliche Fortbildung in Palästina im Vordergrund, | + | Ab 1839 reisten die Gesellen auch vermehrt in den nahen Osten. ((Der türkische Sultan Mahmud II. und sein Nachfolger öffneten ab 1839 die Grenzen vermehrt dem Westen.)) Dabei stand sicher nicht die handwerkliche Fortbildung in Palästina im Vordergrund, |
| Die Mehrzahl der Wanderer jedoch blieb in Deutschland, | Die Mehrzahl der Wanderer jedoch blieb in Deutschland, | ||
| Da das fahrende Volk auch weit hinter den Grenzen oft kontrolliert wurde, fiel man früher oder später auf, wenn man ohne Paß im Ausland war. Heinrichs schildert einen solchen Fall: //„Kaum eine Stunde waren wir von Deutschlands Grenzen entfernt. ... Plötzlich standen ... zwei dieser gefürchteten Beamten vor uns. Wieder hieß es kurz: `Papier vorzeigen.´ Wiederum konnte ich ungefährdet weiterziehen, | Da das fahrende Volk auch weit hinter den Grenzen oft kontrolliert wurde, fiel man früher oder später auf, wenn man ohne Paß im Ausland war. Heinrichs schildert einen solchen Fall: //„Kaum eine Stunde waren wir von Deutschlands Grenzen entfernt. ... Plötzlich standen ... zwei dieser gefürchteten Beamten vor uns. Wieder hieß es kurz: `Papier vorzeigen.´ Wiederum konnte ich ungefährdet weiterziehen, | ||
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| ==== Informationen ==== | ==== Informationen ==== | ||
| - | Pfarre zitiert den Baedeker, den Gsell Fels ((Meyers Reisebücher: | + | Pfarre zitiert den Baedeker, den Gsell Fels ((Meyers Reisebücher: |
| - | Die wichtigsten Informationen gibt es auf der Straße, in den Asylen und sonstigen Treffpunkten der Kunden. Auch die einzelnen Berufsgruppen haben ihre Anlaufstellen, | + | Die wichtigsten Informationen gibt es auf der Straße, in den Asylen und sonstigen Treffpunkten der Kunden. Auch die einzelnen Berufsgruppen haben ihre Anlaufstellen, |
| Pfarre will auf seiner Wanderung nach Italien Italienisch lernen und schimpft über seinen Sprachführer: | Pfarre will auf seiner Wanderung nach Italien Italienisch lernen und schimpft über seinen Sprachführer: | ||
| Nur Winnig reist mit einer Landkarte, alle anderen gehen der Nase nach, [[wiki: | Nur Winnig reist mit einer Landkarte, alle anderen gehen der Nase nach, [[wiki: | ||
| ==== Tippelfreunde ==== | ==== Tippelfreunde ==== | ||
| - | Ein Wunder ist es nicht, auf andere Reisende zu treffen. 1924 haben angeblich 700.000 Reisende Italien besucht, darunter 69.000 Deutsche. Um 1900 sind in Rom etwa 1.000 Deutsche ansässig, weitere 2.000 halten sich dort zu Studienzwecken auf, mehrere tausend besuchen die Stadt als Touristen oder Pilger. ((Der Rompilger, S. 49)) \\ | + | Ein Wunder ist es nicht, auf andere Reisende zu treffen. 1924 haben angeblich 700.000 Reisende Italien besucht, darunter 69.000 Deutsche. Um 1900 sind in Rom etwa 1.000 Deutsche ansässig, weitere 2.000 halten sich dort zu Studienzwecken auf, mehrere tausend besuchen die Stadt als Touristen oder Pilger. ((Der Rompilger, S. 49))\\ |
| - | Alfred Pfarre ist es ein besonderes Bedürfnis, in Gesellschaft zu sein und kaum einmal reist er alleine. Auch in Italien trifft er immer wieder auf Gesellen, Kunden, [[wiki: | + | Alfred Pfarre ist es ein besonderes Bedürfnis, in Gesellschaft zu sein und kaum einmal reist er alleine. Auch in Italien trifft er immer wieder auf Gesellen, Kunden, [[wiki: |
| Der Kontakt zu anderen war so ausgeprägt, | Der Kontakt zu anderen war so ausgeprägt, | ||
| Gemeinsam wurde die Zeit kürzer, man konnte sich unterhalten, | Gemeinsam wurde die Zeit kürzer, man konnte sich unterhalten, | ||
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| Pfarre geht mit Hamburger Wandervogel-Freunden auf eine vierwöchige Ferienfahrt durch die Rhön und den Thüringer Wald, dann sagt er sich: „Ihr habt eine Ferienfahrt gemacht als sorglose Wandervögel, | Pfarre geht mit Hamburger Wandervogel-Freunden auf eine vierwöchige Ferienfahrt durch die Rhön und den Thüringer Wald, dann sagt er sich: „Ihr habt eine Ferienfahrt gemacht als sorglose Wandervögel, | ||
| Aufenthaltsstempel in Herbergen, Asylen, Arbeitsnachweise oder der Stempel: // | Aufenthaltsstempel in Herbergen, Asylen, Arbeitsnachweise oder der Stempel: // | ||
| - | Winnig schafft es tatsächlich, | + | Winnig schafft es tatsächlich, |
| Winnig ist Handwerker, sucht aber seine Identität stärker im Dichterdasein. Als er einmal einen Aristokraten kennenlernt, | Winnig ist Handwerker, sucht aber seine Identität stärker im Dichterdasein. Als er einmal einen Aristokraten kennenlernt, | ||
| Pfarre und Schroeder dagegen finden kaum Arbeit und merken schnell, wie leicht man ins Vagabundenmilieu abrutschen kann:// | Pfarre und Schroeder dagegen finden kaum Arbeit und merken schnell, wie leicht man ins Vagabundenmilieu abrutschen kann:// | ||
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| // | // | ||
| Da gibt es für die überwiegend männlichen Kunden nur wenig Möglichkeiten, | Da gibt es für die überwiegend männlichen Kunden nur wenig Möglichkeiten, | ||
| - | Ein anderer [[wiki: | + | Ein anderer [[wiki: |
| Der [[wiki: | Der [[wiki: | ||
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| ==== Kunden und Vagabunden ==== | ==== Kunden und Vagabunden ==== | ||
| Die Bezeichnung Kunden wird oft wahllos benutzt und meint alle Gruppen. Kunde heißt eigentlich Kundiger, im altniederrheinischen war der //cunde// ein Späher und Kundschafter. In jedem Fall weiß er mehr als andere, ist also ausgezeichnet gegenüber anderen. Das wird deutlich, wenn sich zwei Kunden auf der Straße begegneten. Der Frage // | Die Bezeichnung Kunden wird oft wahllos benutzt und meint alle Gruppen. Kunde heißt eigentlich Kundiger, im altniederrheinischen war der //cunde// ein Späher und Kundschafter. In jedem Fall weiß er mehr als andere, ist also ausgezeichnet gegenüber anderen. Das wird deutlich, wenn sich zwei Kunden auf der Straße begegneten. Der Frage // | ||
| - | Obwohl Kunden und [[wiki: | + | Obwohl Kunden und [[wiki: |
| ==== Schieben und Balance ==== | ==== Schieben und Balance ==== | ||
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| Man kann spekulieren, | Man kann spekulieren, | ||
| ==== Der Tramp ==== | ==== Der Tramp ==== | ||
| - | Auch Kurt Faber hat so seine Erfahrungen mit dem fahrenden Volk: //„Jedes Land hat seine [[wiki: | + | Auch Kurt Faber hat so seine Erfahrungen mit dem fahrenden Volk: //„Jedes Land hat seine [[wiki: |
| Die amerikanischen Tramps wurden als Massenphänomen etwa ab 1873 bemerkt, als durch eine Wirtschaftskrise zahllose Arbeitssuchende von der industrialisierten Ostküste in den Westen zogen, entlang der amerikanischen Hauptverbindungswege, | Die amerikanischen Tramps wurden als Massenphänomen etwa ab 1873 bemerkt, als durch eine Wirtschaftskrise zahllose Arbeitssuchende von der industrialisierten Ostküste in den Westen zogen, entlang der amerikanischen Hauptverbindungswege, | ||
| ==== Der Kardasch ==== | ==== Der Kardasch ==== | ||
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| Die große Zeit der Handwerksgesellen ist spätestens seit dem 1. Weltkrieg vorbei. Mit der Aufhebung der Zünfte und der Einführung der [[wiki: | Die große Zeit der Handwerksgesellen ist spätestens seit dem 1. Weltkrieg vorbei. Mit der Aufhebung der Zünfte und der Einführung der [[wiki: | ||
| Vereinzelt wandern Handwerksgesellen noch heute mit // | Vereinzelt wandern Handwerksgesellen noch heute mit // | ||
| - | Und die andere Seite, die Vagabunden, Berber, Landstreicher? | + | Und die andere Seite, die Vagabunden, Berber, Landstreicher? |
| Was hat sich da schon viel geändert in den letzten 100 Jahren? Selbst Entromantisierung, | Was hat sich da schon viel geändert in den letzten 100 Jahren? Selbst Entromantisierung, | ||
| Zeile 270: | Zeile 270: | ||
| Seine Erinnerungen an die Walz schreibt er erst nach mehr als zwanzig Jahren aus der Erinnerung auf, sein Wandertagebuch ist teils weggeworfen, | Seine Erinnerungen an die Walz schreibt er erst nach mehr als zwanzig Jahren aus der Erinnerung auf, sein Wandertagebuch ist teils weggeworfen, | ||
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| - | **//Das Buch Wanderschaft// | + | **//Das Buch Wanderschaft// |
| Winnig hat darüber hinaus etwa 30 weitere Bücher geschrieben, | Winnig hat darüber hinaus etwa 30 weitere Bücher geschrieben, | ||
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| ===== Verweise ===== | ===== Verweise ===== | ||
| - | siehe auch: \\ | + | siehe auch: |
| → [[wiki: | → [[wiki: | ||
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| Abdecker\\ | Abdecker\\ | ||
| abgebient\\ | abgebient\\ | ||
| - | Adrajan \\ | + | Adrajan\\ |
| Ahasver\\ | Ahasver\\ | ||
| Albergo Populare\\ | Albergo Populare\\ | ||
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