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wiki:walz

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 ===== 2 Meister, gebt mir die Papiere ===== ===== 2 Meister, gebt mir die Papiere =====
 Was bewog junge Burschen nach der Lehre dazu, Monate und Jahre auf die Walz zu gehen, die Sicherheit von Heimat, Beruf, Elternhaus aufzugeben zugunsten Hunger und Not, einer ungewissen Zukunft, ausgeliefert dem Wetter und der Willkür fremder Menschen? Die Antwort ist vielschichtig:\\  Was bewog junge Burschen nach der Lehre dazu, Monate und Jahre auf die Walz zu gehen, die Sicherheit von Heimat, Beruf, Elternhaus aufzugeben zugunsten Hunger und Not, einer ungewissen Zukunft, ausgeliefert dem Wetter und der Willkür fremder Menschen? Die Antwort ist vielschichtig:\\ 
-//„Schon in der frühesten Jugendzeit war mein [Heinrichs] sehnlichster Wunsch, zu reisen. Nicht per Bahn oder per Schiff, nein, auf Schusters Rappen wollte ich die Welt durchwandern. Durch meiner Hände Arbeit wollte ich mir mein Brot verdienen. Abwechselnd arbeiten und weiterziehen war mein Vorhaben. Darum erlernte ich auch das Handwerk, das mir, obgleich meinen Wünschen nicht ganz entsprechend, zum Wandern am vortrefflichsten schien: ich wurde Friseur, oder, wie es unter Walzbrüdern heißt, `Doktor der Schaumschlägerkunst´.“// \\  +//„Schon in der frühesten Jugendzeit war mein [Heinrichs] sehnlichster Wunsch, zu reisen. Nicht per Bahn oder per Schiff, nein, auf Schusters Rappen wollte ich die Welt durchwandern. Durch meiner Hände Arbeit wollte ich mir mein Brot verdienen. Abwechselnd arbeiten und weiterziehen war mein Vorhaben. Darum erlernte ich auch das Handwerk, das mir, obgleich meinen Wünschen nicht ganz entsprechend, zum Wandern am vortrefflichsten schien: ich wurde Friseur, oder, wie es unter Walzbrüdern heißt, `Doktor der Schaumschlägerkunst´.“//\\  
-Seine Vorstellung einer Walz entspringt alten Zeiten: //„Den derben [[wiki:stock_stab|Knotenstock]] in der Hand und das Ränzel auf dem Rücken, wurde die Welt durchkreuzt. Frohgemut ging es von Stadt zu Stadt, von Ort zu Ort; bald allein, bald in Gesellschaft von mehreren lustigen Brüdern.“// ((Heinrichs, S. 8)) \\ +Seine Vorstellung einer Walz entspringt alten Zeiten: //„Den derben [[wiki:stock_stab|Knotenstock]] in der Hand und das Ränzel auf dem Rücken, wurde die Welt durchkreuzt. Frohgemut ging es von Stadt zu Stadt, von Ort zu Ort; bald allein, bald in Gesellschaft von mehreren lustigen Brüdern.“// ((Heinrichs, S. 8))\\ 
 Dieses Ideal ist nicht durch praktische Erfahrungen getrübt und Heinrichs kennt nur drei Dinge, die es stören: Dieses Ideal ist nicht durch praktische Erfahrungen getrübt und Heinrichs kennt nur drei Dinge, die es stören:
   * die moderne Technik: //„Schnellfahrende Eisenbahnen haben das poesievolle Wanderleben verdrängt. Im Zeitalter des Treibriemens und Rädergerassels geht das Sehnen und Trachten so manchen jungen Mannes nicht mehr hinüber nach den Städten unbekannter Länder, wo ihm Gelegenheit geboten würde, sein Fach zu vervollkommnen.“// ((Heinrichs, S. 7))   * die moderne Technik: //„Schnellfahrende Eisenbahnen haben das poesievolle Wanderleben verdrängt. Im Zeitalter des Treibriemens und Rädergerassels geht das Sehnen und Trachten so manchen jungen Mannes nicht mehr hinüber nach den Städten unbekannter Länder, wo ihm Gelegenheit geboten würde, sein Fach zu vervollkommnen.“// ((Heinrichs, S. 7))
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   * die [[wiki:vagabund|Vagabunden]]://„Und wie oft gelingt es nicht leider jenen frivolen Brüdern, deren einziger Wahlspruch Betteln und Stehlen, aber nur nicht arbeiten heißt, den biedern und guten Handwerksburschen die Lust am Wandern zu nehmen.“// ((Heinrichs, S. 8))   * die [[wiki:vagabund|Vagabunden]]://„Und wie oft gelingt es nicht leider jenen frivolen Brüdern, deren einziger Wahlspruch Betteln und Stehlen, aber nur nicht arbeiten heißt, den biedern und guten Handwerksburschen die Lust am Wandern zu nehmen.“// ((Heinrichs, S. 8))
 Fachliche Fortbildung spielt keine Rolle - im Verlauf der Reise gibt es nur drei Situationen, in denen er sein Handwerk einsetzt. Ihm dient die Walz als Mittel zum Zweck, zur Legitimation, reisen zu können.\\  Fachliche Fortbildung spielt keine Rolle - im Verlauf der Reise gibt es nur drei Situationen, in denen er sein Handwerk einsetzt. Ihm dient die Walz als Mittel zum Zweck, zur Legitimation, reisen zu können.\\ 
-Alfred Pfarre kann auf Erfahrungen aus dem Wandervogel-Milieu zurückblicken. Er will seiner Kündigung zuvorkommen, denn es gibt keine Arbeit für Bildhauer in Hamburg://„Meister, gebt mir die Papiere, ich will in die Welt hinaus!“// Doch er ist Handwerker und Ästhet, kein [[wiki:liste_kundige|Kunde]] (( wandernde Handwerksgesellen, Landstreicher, Vagabunden bezeichnet)): er mag sich nicht erniedrigen und demütigen lassen, versagt sich das Betteln. Er ist ein Träumer, der Italien sehen und die Kunst studieren will. ((Pfarre, S. 156)) Ihn treibt die Reiselust, doch fehlt es ihm an Mut: //„Gern wäre auch ich in Afrika gewesen, er [ein [[wiki:vagabund|Vagabund]]] drängte mich, mitzufahren, doch ich hatte den Mut nicht mehr, ich mußte ja mehr einsetzen als er.“// ((Pfarre, S. 178)) \\  +Alfred Pfarre kann auf Erfahrungen aus dem Wandervogel-Milieu zurückblicken. Er will seiner Kündigung zuvorkommen, denn es gibt keine Arbeit für Bildhauer in Hamburg://„Meister, gebt mir die Papiere, ich will in die Welt hinaus!“// Doch er ist Handwerker und Ästhet, kein [[wiki:liste_kundige|Kunde]] (( wandernde Handwerksgesellen, Landstreicher, Vagabunden bezeichnet)): er mag sich nicht erniedrigen und demütigen lassen, versagt sich das Betteln. Er ist ein Träumer, der Italien sehen und die Kunst studieren will. ((Pfarre, S. 156)) Ihn treibt die Reiselust, doch fehlt es ihm an Mut: //„Gern wäre auch ich in Afrika gewesen, er [ein [[wiki:vagabund|Vagabund]]] drängte mich, mitzufahren, doch ich hatte den Mut nicht mehr, ich mußte ja mehr einsetzen als er.“// ((Pfarre, S. 178))\\  
-Als Schroeder seine Ausbildung zum Installateurgesellen bei den städtischen Gas- und Wasserwerken abgeschlossen hat, liest er am schwarzen Brett://„Den Installateurgesellen, die bei uns gelernt haben, wird anheimgestellt, sich anderweitig in ihrem Fach fortzubilden.“// ((Schroeder, S. 1)) Die Gelegenheit nimmt er gerne wahr und hat noch am selben Abend seine Papiere in der Tasche. Beweggründe finden sich genug: Die Kollegen sind ihm gleichgültig, Abenteuer findet er prickelnd, die Vorstellung zu reisen, durch Deutschland, * [[wiki:europa|Europa]], die * [[wiki:welt|Welt]] fesselt ihn. Er flieht Vater und Stiefmutter ((Schroeder, S. 13)) und brennt heimlich durch. Das vorgebliche Ziel der Weiterbildung legitimiert sein [[wiki:unterwegs-sein|Unterwegs-sein]]: der ihn verabschiedende Ingenieur versteht es und auch gegenüber den Polizisten am Kölner Hauptbahnhof schützt er sich durch die Behauptung, sich „im Handwerk weiterbilden“ zu wollen. ((Schroeder, S. 17)) Er sucht ungleich intensiver nach Arbeit als Pfarre, hat aber den gleichen Erfolg: nämlich keinen. Antrieb bleibt dennoch die Reiselust: //„...ich, an keinen andern Menschen gebunden, frei wie ein Vogel, soll nicht durchkommen, nicht vorankommen? Das wäre gelacht! Ich ... fühle niegeahnte Kräfte in mir.“// ((Schroeder, S. 20)) Tatsächlich arbeitet er einige Monate in Solingen, doch in der einsetzenden Wirtschaftskrise 1922/1923 schließen viele Betriebe und er sitzt wieder auf der Straße. Ohne langes Zögern sucht er nach Arbeit: in Hamburg, in München, aber vergebens. Schnell entscheidet er sich für die Walz, denn das Geld ist alle und zu Fuß kostet das Reisen nichts. Selbst Verlockungen sind nicht imstande, seine Wanderjahre zu unterbrechen: //„Längst bin ich auf dem Berg. Im Tal unten winkt das Mädel, hinter dem Bach schwenkt der Soldat sein Gewehr. Allzu gerne wäre ich in die Arme des blonden Dirndls geeilt, der Soldat und ich wären gute Freunde geworden, - doch vor mir liegt die Welt! - Das war der erste trübe Tag ...“// ((Schroeder, S. 96)) Später will ein Polizist von ihm wissen, warum er walzt: //„Die alten Gesellen und unsere Meister erzählen uns oft von der Wanderschaft, und hat man dann seine Lehre beendet, ist man warm gemacht und will selbstverständlich auch tippeln. Und was heißt Stellenvermittlung? Gar nichts. Kommt man zu der Stelle hin, ist es meistens ein Krauter ((Krauter wird der Handwerksmeister genannt, insbesondere der zunftlose auf dem freien Land)), der in der Stadt verrufen ist und keine heimischen Gesellen mehr bekommen kann. Das merkt man aber erst, wenn man bei ihm ist. Geld zum Zurückfahren hat man aber nicht mehr, dann wird eben getippelt.“// ((Schroeder, S. 318)) \\ +Als Schroeder seine Ausbildung zum Installateurgesellen bei den städtischen Gas- und Wasserwerken abgeschlossen hat, liest er am schwarzen Brett://„Den Installateurgesellen, die bei uns gelernt haben, wird anheimgestellt, sich anderweitig in ihrem Fach fortzubilden.“// ((Schroeder, S. 1)) Die Gelegenheit nimmt er gerne wahr und hat noch am selben Abend seine Papiere in der Tasche. Beweggründe finden sich genug: Die Kollegen sind ihm gleichgültig, Abenteuer findet er prickelnd, die Vorstellung zu reisen, durch Deutschland, * [[wiki:europa|Europa]], die * [[wiki:welt|Welt]] fesselt ihn. Er flieht Vater und Stiefmutter ((Schroeder, S. 13)) und brennt heimlich durch. Das vorgebliche Ziel der Weiterbildung legitimiert sein [[wiki:unterwegs-sein|Unterwegs-sein]]: der ihn verabschiedende Ingenieur versteht es und auch gegenüber den Polizisten am Kölner Hauptbahnhof schützt er sich durch die Behauptung, sich „im Handwerk weiterbilden“ zu wollen. ((Schroeder, S. 17)) Er sucht ungleich intensiver nach Arbeit als Pfarre, hat aber den gleichen Erfolg: nämlich keinen. Antrieb bleibt dennoch die Reiselust: //„...ich, an keinen andern Menschen gebunden, frei wie ein Vogel, soll nicht durchkommen, nicht vorankommen? Das wäre gelacht! Ich ... fühle niegeahnte Kräfte in mir.“// ((Schroeder, S. 20)) Tatsächlich arbeitet er einige Monate in Solingen, doch in der einsetzenden Wirtschaftskrise 1922/1923 schließen viele Betriebe und er sitzt wieder auf der Straße. Ohne langes Zögern sucht er nach Arbeit: in Hamburg, in München, aber vergebens. Schnell entscheidet er sich für die Walz, denn das Geld ist alle und zu Fuß kostet das Reisen nichts. Selbst Verlockungen sind nicht imstande, seine Wanderjahre zu unterbrechen: //„Längst bin ich auf dem Berg. Im Tal unten winkt das Mädel, hinter dem Bach schwenkt der Soldat sein Gewehr. Allzu gerne wäre ich in die Arme des blonden Dirndls geeilt, der Soldat und ich wären gute Freunde geworden, - doch vor mir liegt die Welt! - Das war der erste trübe Tag ...“// ((Schroeder, S. 96)) Später will ein Polizist von ihm wissen, warum er walzt: //„Die alten Gesellen und unsere Meister erzählen uns oft von der Wanderschaft, und hat man dann seine Lehre beendet, ist man warm gemacht und will selbstverständlich auch tippeln. Und was heißt Stellenvermittlung? Gar nichts. Kommt man zu der Stelle hin, ist es meistens ein Krauter ((Krauter wird der Handwerksmeister genannt, insbesondere der zunftlose auf dem freien Land)), der in der Stadt verrufen ist und keine heimischen Gesellen mehr bekommen kann. Das merkt man aber erst, wenn man bei ihm ist. Geld zum Zurückfahren hat man aber nicht mehr, dann wird eben getippelt.“// ((Schroeder, S. 318))\\ 
 Schroeder berichtet von zweien seit zwei Jahren wandernden Zimmerern. Schroeder berichtet von zweien seit zwei Jahren wandernden Zimmerern.
 > „`Noch ein Jahr´, sagt der mit dem steifen Hut, `dann geht´s nach Hause.´ > „`Noch ein Jahr´, sagt der mit dem steifen Hut, `dann geht´s nach Hause.´
 >`Dann sind unsere Fremdenjahre um`, ergänzt der andere.  >`Dann sind unsere Fremdenjahre um`, ergänzt der andere. 
 > `Werden euch denn drei Fremdenjahre vorgeschrieben?´ > `Werden euch denn drei Fremdenjahre vorgeschrieben?´
->`Wir müssen sie nachweisen, und nicht nur Walzjahre, sondern drei volle Arbeitsjahre. Ohne diesen Nachweis können wir keine Meisterprüfung machen ...´“ ((Schroeder, S. 83)) \\  +>`Wir müssen sie nachweisen, und nicht nur Walzjahre, sondern drei volle Arbeitsjahre. Ohne diesen Nachweis können wir keine Meisterprüfung machen ...´“ ((Schroeder, S. 83))\\  
-Winnig fühlt sich unreif: //„Es war mein Kummer, daß ich so oft in die Weise der Kindheit zurückfiel und Erlebnisse ersann, wie ich sie mir wünschte, denn ich sagte mir, daß man dem Leben seinen ganzen Ernst schuldig ist.“// ((Winnig, S. 124)) Er weiß das und will auf der Walz an Reife gewinnen: //„ein Gefühl, daß ich in den sechs Monaten meiner Wanderschaft doch nicht nur älter geworden sei, sondern ebenso irgendwie innerlich gewonnen hätte, gewonnen an Besitz und an Kräften, die mit Erfahrung und Reife wohl angedeutet, aber noch nicht erfaßt sind. Es war wohl ein Wachsen, und nun mußte ich, um weiter zu wachsen, weiter wandern und das Leben hinnehmen, wie es war und wie es zu mir kam ...“// ((Winnig, S. 125)) Man kann lange wandern und dennoch kein Wanderer sein - nach einem Jahr auf der Landstraße stellt Winnig fest://„In Köln merkte ich zum erstenmal, wie wenig ich zum Leben unter fremden Menschen taugte. Bis zu dieser Zeit war es mir nie aufgegangen, daß ich auf allen Arbeitsstätten unter Fremden geblieben war ... Später war mir mein Kamerad genug gewesen.“// Welch ein Unterschied zu Schroeder - der tippelte zwar nur ein knappes halbes Jahr, doch nahm er die Menschen viel intensiver wahr, fühlte sich überall zuhause! ((Winnig, S. 202)) \\  +Winnig fühlt sich unreif: //„Es war mein Kummer, daß ich so oft in die Weise der Kindheit zurückfiel und Erlebnisse ersann, wie ich sie mir wünschte, denn ich sagte mir, daß man dem Leben seinen ganzen Ernst schuldig ist.“// ((Winnig, S. 124)) Er weiß das und will auf der Walz an Reife gewinnen: //„ein Gefühl, daß ich in den sechs Monaten meiner Wanderschaft doch nicht nur älter geworden sei, sondern ebenso irgendwie innerlich gewonnen hätte, gewonnen an Besitz und an Kräften, die mit Erfahrung und Reife wohl angedeutet, aber noch nicht erfaßt sind. Es war wohl ein Wachsen, und nun mußte ich, um weiter zu wachsen, weiter wandern und das Leben hinnehmen, wie es war und wie es zu mir kam ...“// ((Winnig, S. 125)) Man kann lange wandern und dennoch kein Wanderer sein - nach einem Jahr auf der Landstraße stellt Winnig fest://„In Köln merkte ich zum erstenmal, wie wenig ich zum Leben unter fremden Menschen taugte. Bis zu dieser Zeit war es mir nie aufgegangen, daß ich auf allen Arbeitsstätten unter Fremden geblieben war ... Später war mir mein Kamerad genug gewesen.“// Welch ein Unterschied zu Schroeder - der tippelte zwar nur ein knappes halbes Jahr, doch nahm er die Menschen viel intensiver wahr, fühlte sich überall zuhause! ((Winnig, S. 202))\\  
-Winnig sinnierte über den Sinn des Wanderns und unterschied zwischen dem Sinn für sich selbst und dem Sinn für die Gesellschaft durch //„den Austausch handwerklicher Erfahrungen, die Förderung im Beruf, das Kennenlernen fremder Länder und Leute. Diese Zwecke meinten wir und meinten, damit den Sinn der Wanderschaft getroffen zu haben, im Grunde aber wußten wir wohl, daß er woanders lag ... Die Wanderschaft war vom Menschen her gesehen eine Probe seines Mutes und seines Selbstvertrauens. An jeden jungen Gesellen war mit der Wanderschaft die Frage gestellt, ob er den Mut hatte, auf den Rückhalt der Heimat zu verzichten, auf die Behütung und Sicherung im Elternhause, auf Rücksicht und Beistand, wie die heimatlichen Verbundenheiten sie gaben, und ohne jeden Rückhalt, ohne Behütung und ohne Schonung zu leben. Denn das hieß Fremde. Die Fremde war grundsätzlich nur Verneinung der Heimat. Wer in die Fremde ging .... mußte alles, was er an Hilfsbereitschaft, Freundschaft und Wärme brauchte, neu erwerben. ... und wurde er mit der Fremde fertig, so kam er mit Kräften zurück, die er vorher nicht gehabt hatte und die ihn nicht nur im Beruf über die Daheimgebliebenen hinaushoben. Es war der Sinn der Fremde, daß man sie annahm und verstand.“// ((Winnig, S. 245)) \\  +Winnig sinnierte über den Sinn des Wanderns und unterschied zwischen dem Sinn für sich selbst und dem Sinn für die Gesellschaft durch //„den Austausch handwerklicher Erfahrungen, die Förderung im Beruf, das Kennenlernen fremder Länder und Leute. Diese Zwecke meinten wir und meinten, damit den Sinn der Wanderschaft getroffen zu haben, im Grunde aber wußten wir wohl, daß er woanders lag ... Die Wanderschaft war vom Menschen her gesehen eine Probe seines Mutes und seines Selbstvertrauens. An jeden jungen Gesellen war mit der Wanderschaft die Frage gestellt, ob er den Mut hatte, auf den Rückhalt der Heimat zu verzichten, auf die Behütung und Sicherung im Elternhause, auf Rücksicht und Beistand, wie die heimatlichen Verbundenheiten sie gaben, und ohne jeden Rückhalt, ohne Behütung und ohne Schonung zu leben. Denn das hieß Fremde. Die Fremde war grundsätzlich nur Verneinung der Heimat. Wer in die Fremde ging .... mußte alles, was er an Hilfsbereitschaft, Freundschaft und Wärme brauchte, neu erwerben. ... und wurde er mit der Fremde fertig, so kam er mit Kräften zurück, die er vorher nicht gehabt hatte und die ihn nicht nur im Beruf über die Daheimgebliebenen hinaushoben. Es war der Sinn der Fremde, daß man sie annahm und verstand.“// ((Winnig, S. 245))\\  
-Zettler sinniert://„Denn wie soll ein junger Mann Erfahrungen und [[wiki:wissen|Wissen]] sammeln, wenn er nicht seine Heimat verläßt und fremde Länder bereist? Wie soll er sich in seinem Berufe fortbilden, ohne die Meinung anderer Menschen gehört zu haben? ... Bin ich vielleicht anders, als die sonstigen jungen Männer meines Alters? Sollte ich ein besonders starkes Fernweh haben?“// ((Zettler, S. 53)) \\  +Zettler sinniert://„Denn wie soll ein junger Mann Erfahrungen und [[wiki:wissen|Wissen]] sammeln, wenn er nicht seine Heimat verläßt und fremde Länder bereist? Wie soll er sich in seinem Berufe fortbilden, ohne die Meinung anderer Menschen gehört zu haben? ... Bin ich vielleicht anders, als die sonstigen jungen Männer meines Alters? Sollte ich ein besonders starkes Fernweh haben?“// ((Zettler, S. 53))\\  
-Hasemann erlebt eine geschützte, freie Kindheit, lebt ungezügelt. Zur Qual wird ihm allerdings die Schule mit dem damit verbundenen Zwang, den Strafen und dem Arbeiten im Internat, der Presse://„Hier war die Welt des Zwanges. ... Es kann kein Mensch begreifen, wie schmerzlich der Verlust der Freiheit auf solche Waldkinder, wie wir es doch waren, wirkte. Gefangen, eingemauert.“// ((Hasemann S. 2)) Er flieht, die Flucht gelingt: //„Ich wollte Maler werden oder Bildhauer oder irgend so etwas, ein Beruf mußte es sein, der keinen Zwang im Gefolge führte.“// \\  +Hasemann erlebt eine geschützte, freie Kindheit, lebt ungezügelt. Zur Qual wird ihm allerdings die Schule mit dem damit verbundenen Zwang, den Strafen und dem Arbeiten im Internat, der Presse://„Hier war die Welt des Zwanges. ... Es kann kein Mensch begreifen, wie schmerzlich der Verlust der Freiheit auf solche Waldkinder, wie wir es doch waren, wirkte. Gefangen, eingemauert.“// ((Hasemann S. 2)) Er flieht, die Flucht gelingt: //„Ich wollte Maler werden oder Bildhauer oder irgend so etwas, ein Beruf mußte es sein, der keinen Zwang im Gefolge führte.“//\\  
-Doch es bedarf mehr, einen Gesellen zur Wanderschaft zu bewegen: persönliche [[wiki:motive_des_reisens|Motive]] geben den Ausschlag. Begleitet werden sie von einer Neigung zum Reisen, einem Hang irgendwo im Spektrum zwischen Leidenschaft und Lust, der mehr oder minder für den Trieb, unterwegs zu sein, verantwortlich ist. Bei Hasemann wird es gar zum Lebensprinzip://„Nur der erwirbt das Recht aufs Jenseits, der den Kampf mit der Gottheit ausgefochten, der den Handschuh der Unmöglichkeit lächelnd aufnimmt.“// ((Hasemann, S. 9)) \\ +Doch es bedarf mehr, einen Gesellen zur Wanderschaft zu bewegen: persönliche [[wiki:motive_des_reisens|Motive]] geben den Ausschlag. Begleitet werden sie von einer Neigung zum Reisen, einem Hang irgendwo im Spektrum zwischen Leidenschaft und Lust, der mehr oder minder für den Trieb, unterwegs zu sein, verantwortlich ist. Bei Hasemann wird es gar zum Lebensprinzip://„Nur der erwirbt das Recht aufs Jenseits, der den Kampf mit der Gottheit ausgefochten, der den Handschuh der Unmöglichkeit lächelnd aufnimmt.“// ((Hasemann, S. 9))\\ 
  
 ==== Die Walz als Ritus und Prüfung ==== ==== Die Walz als Ritus und Prüfung ====
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 ==== Felleisen und Berliner  ==== ==== Felleisen und Berliner  ====
  
-Unsere Handwerksburschen sind alle Neulinge auf dem Reisesektor, bis auf Pfarre. Über die [[wiki:ausruestung|Ausrüstung]] wird nicht viel geredet, man beschränkt sich und nimmt, was man hat. Als Schroeder fluchtartig Trier verläßt, packt er Zahnbürste, Anzug, Selbstbinder ((Der Selbstbinder ist eine stets neu zu bindende Schleife, die nicht fest vernäht ist.)) und Kragen in seinen Koffer ((Schroeder, S. 6)) und vermißt schon bald Handtuch und Seife. ((Schroeder, S. 41)) Über den Koffer schimpft er oft, irgendwann zerfällt er ihm buchstäblich in der Hand und er improvisiert - bindet die Hosenbeine seiner zweiten Hose unten ab und stopft alles hinein, was er hat. Das ganze bezeichnet er als [[wiki:berliner|Berliner]] ((Der Berliner war leichter als das ältere [[wiki:felleisen|Felleisen]]. Die ersten, die ihn trugen, waren die Klempner - sie hatten grüne Berliner. Maurer und Zimmerleute banden den Berliner in ein großes, buntbedrucktes Taschentuch, Schmiede hüllten das Bündel in ihr Schurzfell, sonstige Kunden in ein Wachstuch. (s. Wolf) Der [[wiki:berliner|Berliner]] wurde als Rolle gebunden und sah aus wie ein übergroßes Knallbonbon mit etwa dreißig Zentimter im Durchmesser, ungefähr siebzig Zentimeter lang. Das Wort ist seit etwa 1880 bekannt und dürfte aus dem jiddischen „be alil“ (mit der Werkstätte) entstanden sein: eine ironische Bezeichnung für die Gesellen, die in ihrem Bündel das Werkzeug mit sich trugen.)) und ist äußerst zufrieden damit, spürt gar nicht, daß er etwas auf dem Rücken trägt; andere tragen ein Felleisen ((Das Felleisen, ein Behältnis, in dem Fußreisende ihre Siebensachen transportierten, war bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts gebräuchlich. Es bestand meist aus Leder, war innen mit grober Leinwand gefüttert und bis-weilen mit einem Schloß gesichert. Manche Felleisen der Handwerksburschen um 1840 hatten Räder, so daß sie mit einem [[wiki:stock_stab|Stock]] geschoben oder gezogen werden konnten. [Meyers Conversations-Lexikon 1840-1855] Bei der Fahrpost dienten zylindrische Felleisen als Behälter für Briefe und Pakete. Der [[wiki:begriff|Begriff]] [[wiki:felleisen|Felleisen]] hat nichts mit Fell oder Eisen zu tun, sondern entstammt dem französischen //valise// (Handkoffer, Reisetasche) und dem älteren valisa (lat., ital.). Er wird synonym für [[wiki:ranzen|Ranzen]], [[wiki:rucksack|Rucksack]], [[wiki:mantelsack|Mantelsack]], Reisetasche, Reisesack, Packsattel benutzt. Manchmal wird er über die Achseln geworfen (Simplicissimus), mal auf den Rücken geschnallt und als [[wiki:tornister|Tornister]] getragen (Dewald). Das Wort ist seit dem Beginn des [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#14. Jahrhundert|14. Jahrhunderts]] schriftlich bekannt als fellis)). 15 Monate, nachdem er Trier verlassen hat, filzt ihn die Polizei und wir erfahren, was er in seinen Taschen trägt: Gesellenbrief, Zeugnis, zwei Briefe, Paß, Geleitschein, Rasiermesser, Zahnbürste, Seife ... Viel ist es nicht. Vor Lindau trifft er einen sächsischen Kunden, der Vorräte für den Winter unter seiner Jacke trägt://„An seinem Bauchriemen hängen aus kleinen Konservendosen zurecht geschusterte Blecheimerchen. In einem ist Fett, im anderen Butter, im dritten Schmalz; Öl verwahrt er in Flaschen. An einem Fleischerhaken, den er in der obersten Westentasche eingehakt, pendeln zwei Würste.“// ((Schroeder, S. 132)) \\  +Unsere Handwerksburschen sind alle Neulinge auf dem Reisesektor, bis auf Pfarre. Über die [[wiki:ausruestung|Ausrüstung]] wird nicht viel geredet, man beschränkt sich und nimmt, was man hat. Als Schroeder fluchtartig Trier verläßt, packt er Zahnbürste, Anzug, Selbstbinder ((Der Selbstbinder ist eine stets neu zu bindende Schleife, die nicht fest vernäht ist.)) und Kragen in seinen Koffer ((Schroeder, S. 6)) und vermißt schon bald Handtuch und Seife. ((Schroeder, S. 41)) Über den Koffer schimpft er oft, irgendwann zerfällt er ihm buchstäblich in der Hand und er improvisiert - bindet die Hosenbeine seiner zweiten Hose unten ab und stopft alles hinein, was er hat. Das ganze bezeichnet er als [[wiki:berliner|Berliner]] ((Der Berliner war leichter als das ältere [[wiki:felleisen|Felleisen]]. Die ersten, die ihn trugen, waren die Klempner - sie hatten grüne Berliner. Maurer und Zimmerleute banden den Berliner in ein großes, buntbedrucktes Taschentuch, Schmiede hüllten das Bündel in ihr Schurzfell, sonstige Kunden in ein Wachstuch. (s. Wolf) Der [[wiki:berliner|Berliner]] wurde als Rolle gebunden und sah aus wie ein übergroßes Knallbonbon mit etwa dreißig Zentimter im Durchmesser, ungefähr siebzig Zentimeter lang. Das Wort ist seit etwa 1880 bekannt und dürfte aus dem jiddischen „be alil“ (mit der Werkstätte) entstanden sein: eine ironische Bezeichnung für die Gesellen, die in ihrem Bündel das Werkzeug mit sich trugen.)) und ist äußerst zufrieden damit, spürt gar nicht, daß er etwas auf dem Rücken trägt; andere tragen ein Felleisen ((Das Felleisen, ein Behältnis, in dem Fußreisende ihre Siebensachen transportierten, war bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts gebräuchlich. Es bestand meist aus Leder, war innen mit grober Leinwand gefüttert und bis-weilen mit einem Schloß gesichert. Manche Felleisen der Handwerksburschen um 1840 hatten Räder, so daß sie mit einem [[wiki:stock_stab|Stock]] geschoben oder gezogen werden konnten. [Meyers Conversations-Lexikon 1840-1855] Bei der Fahrpost dienten zylindrische Felleisen als Behälter für Briefe und Pakete. Der [[wiki:begriff|Begriff]] [[wiki:felleisen|Felleisen]] hat nichts mit Fell oder Eisen zu tun, sondern entstammt dem französischen //valise// (Handkoffer, Reisetasche) und dem älteren valisa (lat., ital.). Er wird synonym für [[wiki:ranzen|Ranzen]], [[wiki:rucksack|Rucksack]], [[wiki:mantelsack|Mantelsack]], Reisetasche, Reisesack, Packsattel benutzt. Manchmal wird er über die Achseln geworfen (Simplicissimus), mal auf den Rücken geschnallt und als [[wiki:tornister|Tornister]] getragen (Dewald). Das Wort ist seit dem Beginn des [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#14. Jahrhundert|14. Jahrhunderts]] schriftlich bekannt als fellis)). 15 Monate, nachdem er Trier verlassen hat, filzt ihn die Polizei und wir erfahren, was er in seinen Taschen trägt: Gesellenbrief, Zeugnis, zwei Briefe, Paß, Geleitschein, Rasiermesser, Zahnbürste, Seife ... Viel ist es nicht. Vor Lindau trifft er einen sächsischen Kunden, der Vorräte für den Winter unter seiner Jacke trägt://„An seinem Bauchriemen hängen aus kleinen Konservendosen zurecht geschusterte Blecheimerchen. In einem ist Fett, im anderen Butter, im dritten Schmalz; Öl verwahrt er in Flaschen. An einem Fleischerhaken, den er in der obersten Westentasche eingehakt, pendeln zwei Würste.“// ((Schroeder, S. 132))\\  
-Winnig gräbt auf dem Speicher den Ranzen seines Großvaters und dessen [[wiki:stock_stab|Eichenstock]] aus: //„Die Zeit schrieb damals einen Schnürbeutel aus schwarzem Wachstuch mit schwarzgrünen Traggurten vor, welches Behältnis in der Sprache der reisenden Burschen Berliner hieß, und auf solchen Berliner war mein Sinn gerichtet, nur war dergleichen in unserer kleinen Stadt nicht zu beschaffen.“// ((Winnig, S. 5)) Bei seiner ersten Arbeitsstelle fällt er auf wegen seiner derben Wanderschuhe mit den breiten Nägeln und seiner Arbeitsjacke aus krausem Wollstoff, die den Regen abwies. ((Heinrichs, S. 24)) \\ +Winnig gräbt auf dem Speicher den Ranzen seines Großvaters und dessen [[wiki:stock_stab|Eichenstock]] aus: //„Die Zeit schrieb damals einen Schnürbeutel aus schwarzem Wachstuch mit schwarzgrünen Traggurten vor, welches Behältnis in der Sprache der reisenden Burschen Berliner hieß, und auf solchen Berliner war mein Sinn gerichtet, nur war dergleichen in unserer kleinen Stadt nicht zu beschaffen.“// ((Winnig, S. 5)) Bei seiner ersten Arbeitsstelle fällt er auf wegen seiner derben Wanderschuhe mit den breiten Nägeln und seiner Arbeitsjacke aus krausem Wollstoff, die den Regen abwies. ((Heinrichs, S. 24))\\ 
 Wie auch heute, ist die [[wiki:ausruestung|Ausrüstung]] ein Erkennungszeichen und ein Maßstab für den Grad der [[wiki:vertrauen|Vertrautheit]]://„Er mochte um einige Jahre älter sein als ich, doch das hielt mich nicht ab, denselben anzureden; trug er ja auch [[wiki:ranzen|Ränzel]] und [[wiki:stock_stab|Knotenstock]]. Nicht lange währte es, und wir hatten Freundschaft geschlossen.“//  Wie auch heute, ist die [[wiki:ausruestung|Ausrüstung]] ein Erkennungszeichen und ein Maßstab für den Grad der [[wiki:vertrauen|Vertrautheit]]://„Er mochte um einige Jahre älter sein als ich, doch das hielt mich nicht ab, denselben anzureden; trug er ja auch [[wiki:ranzen|Ränzel]] und [[wiki:stock_stab|Knotenstock]]. Nicht lange währte es, und wir hatten Freundschaft geschlossen.“// 
 Alfred Pfarre zieht los mit einer nagelneuen Ausrüstung: Lodenjoppe und [[wiki:rucksack|Rucksack]], [[wiki:stock_stab|Stock]] und Gamaschen ((Pfarre, S. 9)), mit Hirschtalg werden die Stiefel wasserfest gemacht ((Pfarre, S. 50)), eine Pelerine ((ein ärmelloser Regenmantel)) dient als Regenschutz. ((Pfarre, S. 52))\\  Alfred Pfarre zieht los mit einer nagelneuen Ausrüstung: Lodenjoppe und [[wiki:rucksack|Rucksack]], [[wiki:stock_stab|Stock]] und Gamaschen ((Pfarre, S. 9)), mit Hirschtalg werden die Stiefel wasserfest gemacht ((Pfarre, S. 50)), eine Pelerine ((ein ärmelloser Regenmantel)) dient als Regenschutz. ((Pfarre, S. 52))\\ 
 Winnig trägt sein Handwerkszeug mit sich: Kelle, Hammer, Lotwaage. Dies dient als Kennzeichen der Wanderschaft, und auch Schroeder zeigt ab und an seinen Zollstock. Heinrichs hat Scheren und Kämme dabei, verkauft sie aber bald zur Finanzierung seiner Reise.\\  Winnig trägt sein Handwerkszeug mit sich: Kelle, Hammer, Lotwaage. Dies dient als Kennzeichen der Wanderschaft, und auch Schroeder zeigt ab und an seinen Zollstock. Heinrichs hat Scheren und Kämme dabei, verkauft sie aber bald zur Finanzierung seiner Reise.\\ 
-Winnig wandert im Winter nur mit Jacke und Hemd. Unterwäsche gibt es nicht, selbst ein Halstuch hat er nicht. //„Heikel war die Versorgung mit sauberer Wäsche. Im Sommer wusch man das zweite Hemd in einem Bach, hängte es auf einen Busch zum Trocknen und legte sich daneben. Das war im Winter nicht möglich, und die Herbergen hatten noch keine Einrichtungen, in denen man die Wäsche vom Abend bis zum Morgen hätte waschen und trocknen können; dazu blieb dann nur der Sonntag ... Wenn der Herbergswirt aber niemand hatte, der den Sonntag am Waschfaß mit Wanderburschenwäsche verbringen wollte, so mußte man sein Hemd solange tragen, bis es einmal besser paßte. In diesem Punkte waren die konfessionellen Herbergen, von den Wanderburschen Heiligkeit genannt, am besten eingerichtet; nach ihrem Vorbilde haben von 1900 an die Gewerkschaften ein eigenes Herbergswesen aufgebaut.“// ((Winnig, S. 169)) \\ +Winnig wandert im Winter nur mit Jacke und Hemd. Unterwäsche gibt es nicht, selbst ein Halstuch hat er nicht. //„Heikel war die Versorgung mit sauberer Wäsche. Im Sommer wusch man das zweite Hemd in einem Bach, hängte es auf einen Busch zum Trocknen und legte sich daneben. Das war im Winter nicht möglich, und die Herbergen hatten noch keine Einrichtungen, in denen man die Wäsche vom Abend bis zum Morgen hätte waschen und trocknen können; dazu blieb dann nur der Sonntag ... Wenn der Herbergswirt aber niemand hatte, der den Sonntag am Waschfaß mit Wanderburschenwäsche verbringen wollte, so mußte man sein Hemd solange tragen, bis es einmal besser paßte. In diesem Punkte waren die konfessionellen Herbergen, von den Wanderburschen Heiligkeit genannt, am besten eingerichtet; nach ihrem Vorbilde haben von 1900 an die Gewerkschaften ein eigenes Herbergswesen aufgebaut.“// ((Winnig, S. 169))\\ 
  
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 Deutlich wird aber, daß solche Herbergen die Ausnahme waren. Roltsch erzählt://„Wohl traf ich auf meiner Wanderung ganz gute Obdachlosenasyle, wie in Berlin, Chemnitz und Nürnberg an (von Hamburg, Köln, Frankfurt/Main will ich lieber schweigen), wohl auch einige Herbergen zur Heimat, in denen man sich wirklich heimisch fühlen konnte, wie in Soest, Glauchau, Erlangen - aber im großen und ganzen erblickte ich, wohin ich schaute, Unsauberkeit und Unwirtlichkeit. Diese Pennen, wie besonders die sogenannten wilden ... sind ... die Verbreitungsherde aller möglichen ansteckenden Krankheiten und Seuchen.“// ((Roltsch „Von unterwegs“, in: Trappmann, S. 135)) Jeder Kunde, der dort übernachten will, wird abends abgebient (»entlaust«).\\  Deutlich wird aber, daß solche Herbergen die Ausnahme waren. Roltsch erzählt://„Wohl traf ich auf meiner Wanderung ganz gute Obdachlosenasyle, wie in Berlin, Chemnitz und Nürnberg an (von Hamburg, Köln, Frankfurt/Main will ich lieber schweigen), wohl auch einige Herbergen zur Heimat, in denen man sich wirklich heimisch fühlen konnte, wie in Soest, Glauchau, Erlangen - aber im großen und ganzen erblickte ich, wohin ich schaute, Unsauberkeit und Unwirtlichkeit. Diese Pennen, wie besonders die sogenannten wilden ... sind ... die Verbreitungsherde aller möglichen ansteckenden Krankheiten und Seuchen.“// ((Roltsch „Von unterwegs“, in: Trappmann, S. 135)) Jeder Kunde, der dort übernachten will, wird abends abgebient (»entlaust«).\\ 
 Eine wichtige Rolle spielen für Heinrichs die Unterkünfte des katholischen Gesellenvereins: //"Erst auf meiner mühevollen Reise habe ich diese großartige Einrichtung kennen gelernt. ... Wie oft kam es nicht vor, daß ich abends ermüdet, ermattet, durchnäßt, ja oft mittellos in einer fremden Stadt ankam. Zeigte mir dann mein "Wanderbüchlein" die frohe Botschaft an, daß die Stadt der Sitz eines katholischen Gesellenvereins war, so wußte ich sofort, wohin ich meine Schritte zu lenken hatte."// ((Heinrichs, S. 11)) Dort gab es dreimal täglich Essen und eine Übernachtung umsonst: //„Doch das Zahlgeld brauchte nicht aus der Börse geholt zu werden, es bestand in einem einfachen Dank an den Hausmeister und in dem schlichten, aber schönen Abschiedsgruße: Gott segne das ehrbare Handwerk.“ ((Heinrichs, S. 17))// ((Durch den richtigen Gruß identifizierten sich fremde Gesellen, zum Beispiel die Schuster: „Guten Tag! Gott ehre das Reich, Gott ehre das Handwerk, das Gelage und die Bruderschaft. Gott ehre den Herr Vater, die Frau Mutter, Brüder und Schwestern und alle ehrbaren frommen Schusterknechte, wie sie versammelt sein, sei gleich, ob hier und anderswo.“ zit. nach Völger, S. 37)) Die Gesellenvereine findet er in Österreich und Ungarn bis nach Dunaföldvar an der serbischen Grenze, dann gibt es sie erst wieder in Rom und in der Schweiz. Für Protestanten wie Pfarre waren die katholischen Gesellenvereine geschlossen.\\  Eine wichtige Rolle spielen für Heinrichs die Unterkünfte des katholischen Gesellenvereins: //"Erst auf meiner mühevollen Reise habe ich diese großartige Einrichtung kennen gelernt. ... Wie oft kam es nicht vor, daß ich abends ermüdet, ermattet, durchnäßt, ja oft mittellos in einer fremden Stadt ankam. Zeigte mir dann mein "Wanderbüchlein" die frohe Botschaft an, daß die Stadt der Sitz eines katholischen Gesellenvereins war, so wußte ich sofort, wohin ich meine Schritte zu lenken hatte."// ((Heinrichs, S. 11)) Dort gab es dreimal täglich Essen und eine Übernachtung umsonst: //„Doch das Zahlgeld brauchte nicht aus der Börse geholt zu werden, es bestand in einem einfachen Dank an den Hausmeister und in dem schlichten, aber schönen Abschiedsgruße: Gott segne das ehrbare Handwerk.“ ((Heinrichs, S. 17))// ((Durch den richtigen Gruß identifizierten sich fremde Gesellen, zum Beispiel die Schuster: „Guten Tag! Gott ehre das Reich, Gott ehre das Handwerk, das Gelage und die Bruderschaft. Gott ehre den Herr Vater, die Frau Mutter, Brüder und Schwestern und alle ehrbaren frommen Schusterknechte, wie sie versammelt sein, sei gleich, ob hier und anderswo.“ zit. nach Völger, S. 37)) Die Gesellenvereine findet er in Österreich und Ungarn bis nach Dunaföldvar an der serbischen Grenze, dann gibt es sie erst wieder in Rom und in der Schweiz. Für Protestanten wie Pfarre waren die katholischen Gesellenvereine geschlossen.\\ 
-In Städten bleibt lediglich das Asyl. Nur wer weniger als eine Mark fünfzig hat (Pfarre), darf dort übernachten. Und Geld läßt sich nicht verbergen: Sämtlicher Besitz mitsamt [[wiki:reisekleidung|Kleidung]] muß abgegeben werden, dann erhält man für eine Nacht Hemd, Hose, Jacke, Pantoffel, Topf, Löffel, Suppe und Brot. Morgens gibt es wieder Suppe, einen Gutschein für das Mittagessen kann man in der Herberge zur Heimat einlösen. In München darf Pfarre drei Nächte im Nachtasyl verbringen, dann drei Tage im Stadtasyl. Anschließend bleibt nur die Straße. In Berlin gibt es dann die „Palme“, das Städtische Obdachlosenasyl in der Fröbelstraße, in das jede Nacht tausende von Obdachlosen hineingepfercht wurden: ausziehen, duschen, trocknen, entlausen, anziehen, essen fassen ... all das lief industriemäßig ab, unter der Aufsicht von Beamten. ((Schroeder, S. 308 ff.)) \\ +In Städten bleibt lediglich das Asyl. Nur wer weniger als eine Mark fünfzig hat (Pfarre), darf dort übernachten. Und Geld läßt sich nicht verbergen: Sämtlicher Besitz mitsamt [[wiki:reisekleidung|Kleidung]] muß abgegeben werden, dann erhält man für eine Nacht Hemd, Hose, Jacke, Pantoffel, Topf, Löffel, Suppe und Brot. Morgens gibt es wieder Suppe, einen Gutschein für das Mittagessen kann man in der Herberge zur Heimat einlösen. In München darf Pfarre drei Nächte im Nachtasyl verbringen, dann drei Tage im Stadtasyl. Anschließend bleibt nur die Straße. In Berlin gibt es dann die „Palme“, das Städtische Obdachlosenasyl in der Fröbelstraße, in das jede Nacht tausende von Obdachlosen hineingepfercht wurden: ausziehen, duschen, trocknen, entlausen, anziehen, essen fassen ... all das lief industriemäßig ab, unter der Aufsicht von Beamten. ((Schroeder, S. 308 ff.))\\ 
 [[wiki:vagabund|Vagabunden]], Luden, Speckjäger und Fuselbrüder treffen sich hier, bringen ihr Essen mit, spielen Schach und kümmern sich um die täglichen Bedürfnisse: //„Hier wird rasiert, werden Haare geschnitten, werden andern die Kleider am Leibe geflickt, es werden Selbstbinder verkauft, Schuhe gegen Herausgabe eines Stück Brotes vertauscht, man handelt mit Antiquitäten ... und es scheint, als gehe das die ganze Nacht so durch.“// ((Schroeder, S. 309 f.)) Jede Nacht überprüft die Polizei drei Säle: Razzia! Jede Nacht werden drei andere Säle stichprobenartig geräumt und die Bewohner zum „Alex“ geschafft. Nachtasyle gab es nicht nur in Deutschland, sondern auch in Italien //(Asilo notturno).// ((Pfarre, S. 54 f.)) Außerdem fanden sich damals in Italien //„Dormitori economici“//. Pfarre beschreibt: //„Dies war kein Obdachlosenasyl, sondern ein großes öffentliches Schlafhaus. Für zwei Soldi konnte man sich ein Bett mieten. Man wurde weder gebadet, noch durchgeräuchert ... Zwar sah das Bett ganz reinlich aus, doch glaubte ich schon Wanzen und Läuse zu verspüren. ... Es war noch früh und doch standen in dem langen Schlafsaal mit hunderten von Betten viele auf. Auch mein Nachbar. Ich fragte nach dem Grund. Er sagte, er sei Maurer und müsse um sieben Uhr schon weit draußen an der Arbeit sein. Ich erstaunte über den geringen Sinn der Italiener für ein eigenes Heim, für ein eigenes Zimmer. Selbst viele ordentliche Handwerker und Arbeiter haben keine Wohnung, sie essen auf der Straße, wohnen auf der Straße und schlafen in einer Anstalt.“// ((Pfarre, S. 65 f.)) Im öffentlichen Schlafhaus von Padua sind gar die ersten drei Nächte kostenlos. Auf dem Land ist es in Italien schwierig mit der Unterkunft. Wer da kein Geld hat, schläft im Freien, denn Fußreisende werden in Italien oft von vornherein verachtet. Hin und wieder macht man sich den Spaß, sie in die Irre zu schicken, ein anderes mal gibt man vor, nichts zu verstehen.\\  [[wiki:vagabund|Vagabunden]], Luden, Speckjäger und Fuselbrüder treffen sich hier, bringen ihr Essen mit, spielen Schach und kümmern sich um die täglichen Bedürfnisse: //„Hier wird rasiert, werden Haare geschnitten, werden andern die Kleider am Leibe geflickt, es werden Selbstbinder verkauft, Schuhe gegen Herausgabe eines Stück Brotes vertauscht, man handelt mit Antiquitäten ... und es scheint, als gehe das die ganze Nacht so durch.“// ((Schroeder, S. 309 f.)) Jede Nacht überprüft die Polizei drei Säle: Razzia! Jede Nacht werden drei andere Säle stichprobenartig geräumt und die Bewohner zum „Alex“ geschafft. Nachtasyle gab es nicht nur in Deutschland, sondern auch in Italien //(Asilo notturno).// ((Pfarre, S. 54 f.)) Außerdem fanden sich damals in Italien //„Dormitori economici“//. Pfarre beschreibt: //„Dies war kein Obdachlosenasyl, sondern ein großes öffentliches Schlafhaus. Für zwei Soldi konnte man sich ein Bett mieten. Man wurde weder gebadet, noch durchgeräuchert ... Zwar sah das Bett ganz reinlich aus, doch glaubte ich schon Wanzen und Läuse zu verspüren. ... Es war noch früh und doch standen in dem langen Schlafsaal mit hunderten von Betten viele auf. Auch mein Nachbar. Ich fragte nach dem Grund. Er sagte, er sei Maurer und müsse um sieben Uhr schon weit draußen an der Arbeit sein. Ich erstaunte über den geringen Sinn der Italiener für ein eigenes Heim, für ein eigenes Zimmer. Selbst viele ordentliche Handwerker und Arbeiter haben keine Wohnung, sie essen auf der Straße, wohnen auf der Straße und schlafen in einer Anstalt.“// ((Pfarre, S. 65 f.)) Im öffentlichen Schlafhaus von Padua sind gar die ersten drei Nächte kostenlos. Auf dem Land ist es in Italien schwierig mit der Unterkunft. Wer da kein Geld hat, schläft im Freien, denn Fußreisende werden in Italien oft von vornherein verachtet. Hin und wieder macht man sich den Spaß, sie in die Irre zu schicken, ein anderes mal gibt man vor, nichts zu verstehen.\\ 
 Doch auch in größeren Dörfern gibt es ein Asyl: //„Das war ein elendes Gebäude, ohne Decke, ohne Zimmer, kahl im Innern bis zum Dachgiebel. Mit rohem Bretterverschlag brannte im Kamin ein qualmendes Feuer von nassem Reisig. ... Man brachte uns Wasser aus alten Konservendosen zu trinken. Vorne, gegenüber dem Eingang, lagen auf niedrigem Gestell zwei schmutzige Strohsäcke, unsere Betten. Zwar waren die wanzenverdächtig, nackend, wie in solchem Falle üblich, konnte man auch nicht schlafen, der [[wiki:literaturliste_frauen_unterwegs|Frauen]] wegen ... Dann lachten wir weidlich über die rostige Konservendose, die uns eine alte Frau sorglich unter das Bett gestellt hatte.“// ((Pfarre, S. 169)) In Neapel gibt´s die berüchtigte Kundenpenne //„Hotel Bengasi“.//\\  Doch auch in größeren Dörfern gibt es ein Asyl: //„Das war ein elendes Gebäude, ohne Decke, ohne Zimmer, kahl im Innern bis zum Dachgiebel. Mit rohem Bretterverschlag brannte im Kamin ein qualmendes Feuer von nassem Reisig. ... Man brachte uns Wasser aus alten Konservendosen zu trinken. Vorne, gegenüber dem Eingang, lagen auf niedrigem Gestell zwei schmutzige Strohsäcke, unsere Betten. Zwar waren die wanzenverdächtig, nackend, wie in solchem Falle üblich, konnte man auch nicht schlafen, der [[wiki:literaturliste_frauen_unterwegs|Frauen]] wegen ... Dann lachten wir weidlich über die rostige Konservendose, die uns eine alte Frau sorglich unter das Bett gestellt hatte.“// ((Pfarre, S. 169)) In Neapel gibt´s die berüchtigte Kundenpenne //„Hotel Bengasi“.//\\ 
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 Die Fußreise war ein Privileg der Unterschichten, ihr Verkehrsmittel war der Trittling ((Stiefel)); sie wurden geringgeschätzt ((Bausinger, S. 173)); besonders schlechte Erfahrungen machte Pfarre in Italien, dort schlägt ihm oft Verachtung entgegen. Hin und wieder sind andere Beförderungsmittel nötig. So versucht sich Heinrichs, krank, zwei Stunden an der Gotthardstraße, kehrt erschöpft um und nimmt die Gotthardbahn://„Hier besteht nun die hochlöbliche Einrichtung, einem jeden Handwerksburschen, der von Italien kommt und nach Deutschland will, eine Freikarte für die Gotthardbahn zur Verfügung zu stellen. ... Doch welch eintönige [[wiki:fahrt|Fahrt]]! 15 Kilometer ohne auch nur die Felsen zu sehen, die einen umgeben ...“// ((Heinrichs, S. 308))\\  Die Fußreise war ein Privileg der Unterschichten, ihr Verkehrsmittel war der Trittling ((Stiefel)); sie wurden geringgeschätzt ((Bausinger, S. 173)); besonders schlechte Erfahrungen machte Pfarre in Italien, dort schlägt ihm oft Verachtung entgegen. Hin und wieder sind andere Beförderungsmittel nötig. So versucht sich Heinrichs, krank, zwei Stunden an der Gotthardstraße, kehrt erschöpft um und nimmt die Gotthardbahn://„Hier besteht nun die hochlöbliche Einrichtung, einem jeden Handwerksburschen, der von Italien kommt und nach Deutschland will, eine Freikarte für die Gotthardbahn zur Verfügung zu stellen. ... Doch welch eintönige [[wiki:fahrt|Fahrt]]! 15 Kilometer ohne auch nur die Felsen zu sehen, die einen umgeben ...“// ((Heinrichs, S. 308))\\ 
-Ein alter Kunde erklärt Winnig in einer Bremerhavener Herberge, wie man nach Jerusalem gelangt: //„In Genua mußt du zum Hafen gehen und ausmachen, ob ein Schiff nach Alexandria fährt. ... Dann gehst du abends spät die Hafentreppe hinunter, springst leise ins Wasser und schwimmst nach dem Schiff. Du mußt dir das Schiff aber vorher angesehen haben und wissen, wo das Fallreep ist, denn am Fallreep mußt du in die Höhe klettern. Und oben mußt du dich verstecken. Dann mußt du warten, bis das Schiff auf hoher See ist. Das kann lange dauern, aber du mußt es aushalten, du darfst dich nicht eher blicken lassen. Wenn sie dich sehen, solange noch Land in der Nähe ist, geben sie ein Signal, und dann kommt ein Polizeiboot und holt dich weg. Wenn du aber aushältst, kommst du ohne Geld hinüber; sie geben dir ein paar Maulschellen, aber auch zu essen, und dann tust du, was sie dir sagen. Und du mußt willig sein und immer springen, wenn sie dich rufen oder schicken. Wenn du faul bist, setzen sie dich unterwegs an Land ...“// ((Winnig, S. 137))\\+Ein alter Kunde erklärt Winnig in einer Bremerhavener Herberge, wie man nach Jerusalem gelangt: //„In Genua mußt du zum Hafen gehen und ausmachen, ob ein Schiff nach Alexandria fährt. ... Dann gehst du abends spät die Hafentreppe hinunter, springst leise ins Wasser und schwimmst nach dem Schiff. Du mußt dir das Schiff aber vorher angesehen haben und wissen, wo das Fallreep ist, denn am Fallreep mußt du in die Höhe klettern. Und oben mußt du dich verstecken. Dann mußt du warten, bis das Schiff auf hoher See ist. Das kann lange dauern, aber du mußt es aushalten, du darfst dich nicht eher blicken lassen. Wenn sie dich sehen, solange noch Land in der Nähe ist, geben sie ein Signal, und dann kommt ein Polizeiboot und holt dich weg. Wenn du aber aushältst, kommst du ohne Geld hinüber; sie geben dir ein paar Maulschellen, aber auch zu essen, und dann tust du, was sie dir sagen. Und du mußt willig sein und immer springen, wenn sie dich rufen oder schicken. Wenn du faul bist, setzen sie dich unterwegs an Land ...“// ((Winnig, S. 137))\\ 
 Drei Monate hatte jener Kunde auf ein passendes Schiff gewartet. Hasemann geht direkter vor: //„Eine Stunde vor Abfahrt an Bord, hatte mir mal ein Kunde gesagt, dann in den Kohlenkasten oder Segelkajüte, bestimmtes Auftreten; wenn dir der Kapitän begegnet, nach dem Koch fragen!“// ((Hasemann, S. 190 f.)) Winnig setzt sich im allgemeinen kleine Tagesziele, selten fünf Meilen oder mehr und veranschlagt dafür eine Mark für Unterkunft und Essen. Bei fünf Meilen und mehr rechnet er eine weitere Mahlzeit, dann wird es teurer. ((Winnig, S. 169)) Fast zwei Jahre ist er so unterwegs, von Norddeutschland zum Bodensee, also eher gemütlich. In der gleichen Zeit tippelt Heinrichs nach Jerusalem und zurück, 15.000 Kilometer in 455 Reisetagen, das macht einen Schnitt von mehr als 30 Kilometern pro Tag mit Spitzen von 60, 70 Kilometern und alles mit großem Gepäck (20-40 kg).\\  Drei Monate hatte jener Kunde auf ein passendes Schiff gewartet. Hasemann geht direkter vor: //„Eine Stunde vor Abfahrt an Bord, hatte mir mal ein Kunde gesagt, dann in den Kohlenkasten oder Segelkajüte, bestimmtes Auftreten; wenn dir der Kapitän begegnet, nach dem Koch fragen!“// ((Hasemann, S. 190 f.)) Winnig setzt sich im allgemeinen kleine Tagesziele, selten fünf Meilen oder mehr und veranschlagt dafür eine Mark für Unterkunft und Essen. Bei fünf Meilen und mehr rechnet er eine weitere Mahlzeit, dann wird es teurer. ((Winnig, S. 169)) Fast zwei Jahre ist er so unterwegs, von Norddeutschland zum Bodensee, also eher gemütlich. In der gleichen Zeit tippelt Heinrichs nach Jerusalem und zurück, 15.000 Kilometer in 455 Reisetagen, das macht einen Schnitt von mehr als 30 Kilometern pro Tag mit Spitzen von 60, 70 Kilometern und alles mit großem Gepäck (20-40 kg).\\ 
 Interessant ist, daß gerade zu Beginn der Wanderschaft erst einmal ein schnelles Beförderungsmittel benutzt wird, z.B. der Zug. Vielleicht hat Schroeder das gemeint, als er sagte: //„Wenn man auf Wanderschaft geht, muß man für sein ganzes Geld eine Fahrkarte kaufen und losfahren, dann kann man nicht mehr zurück, und ob man will oder nicht, man muß sich durchschlagen.“// ((Schroeder, S. 61)) Zettler verdient gut und kann sich die Reise im Zwischendeck nach Amerika leisten. Wie jeder Reisende muß er sich sein Mobiliar selbst besorgen://„ein Strohsack, ein Seegraskopfkissen, zwei wollene Decken, Eß-, Wasch- und Trinkgeschirr und noch einige Kleinigkeiten.“// ((Zettler, S. 85)) Die Unterbringung ist spartanisch, 24 Personen befinden sich in jeder Kajüte, in vier Reihen zu je sechs Schlafplätzen. Interessant ist, daß gerade zu Beginn der Wanderschaft erst einmal ein schnelles Beförderungsmittel benutzt wird, z.B. der Zug. Vielleicht hat Schroeder das gemeint, als er sagte: //„Wenn man auf Wanderschaft geht, muß man für sein ganzes Geld eine Fahrkarte kaufen und losfahren, dann kann man nicht mehr zurück, und ob man will oder nicht, man muß sich durchschlagen.“// ((Schroeder, S. 61)) Zettler verdient gut und kann sich die Reise im Zwischendeck nach Amerika leisten. Wie jeder Reisende muß er sich sein Mobiliar selbst besorgen://„ein Strohsack, ein Seegraskopfkissen, zwei wollene Decken, Eß-, Wasch- und Trinkgeschirr und noch einige Kleinigkeiten.“// ((Zettler, S. 85)) Die Unterbringung ist spartanisch, 24 Personen befinden sich in jeder Kajüte, in vier Reihen zu je sechs Schlafplätzen.
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 Gern zogen die Handwerksburschen im [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#Ab dem 19. Jahrhundert|19. Jahrhundert]] nach Frankreich, Italien, Österreich. Es gab dort weniger Grenzen als in den Fürstentümern Deutschlands.//„Diese ewigen Grenzen im Deutschen Reich sind wahrhaft vom Teufel erfunden. Das unaufhörliche Passieren von Schlagbäumen, und das Durchschnüffeln des Wanderbuches von Constablern und Stadtsoldaten aller Art ist mit viel Verdruß verbunden und lästig genug für einen ordentlichen Gesellen, der nichts will, als sich in der Welt umsehen und sein Metier tüchtig erlernen.“// ((Hoffmann, S. 81))\\  Gern zogen die Handwerksburschen im [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#Ab dem 19. Jahrhundert|19. Jahrhundert]] nach Frankreich, Italien, Österreich. Es gab dort weniger Grenzen als in den Fürstentümern Deutschlands.//„Diese ewigen Grenzen im Deutschen Reich sind wahrhaft vom Teufel erfunden. Das unaufhörliche Passieren von Schlagbäumen, und das Durchschnüffeln des Wanderbuches von Constablern und Stadtsoldaten aller Art ist mit viel Verdruß verbunden und lästig genug für einen ordentlichen Gesellen, der nichts will, als sich in der Welt umsehen und sein Metier tüchtig erlernen.“// ((Hoffmann, S. 81))\\ 
-Ab 1839 reisten die Gesellen auch vermehrt in den nahen Osten. ((Der türkische Sultan Mahmud II. und sein Nachfolger öffneten ab 1839 die Grenzen vermehrt dem Westen.)) Dabei stand sicher nicht die handwerkliche Fortbildung in Palästina im Vordergrund, eher Abenteuerlust. Das Motiv der Pilgerschaft und der Glaube, auf der Wanderschaft durch Gott beschützt zu sein, verbanden sich mit der Idee der Walz. Später baute sogar das preußische Konsulat in Jerusalem eine eigene Gesellenherberge. Etwa 25 protestantische Gesellen suchten Jerusalem jährlich auf. \\ +Ab 1839 reisten die Gesellen auch vermehrt in den nahen Osten. ((Der türkische Sultan Mahmud II. und sein Nachfolger öffneten ab 1839 die Grenzen vermehrt dem Westen.)) Dabei stand sicher nicht die handwerkliche Fortbildung in Palästina im Vordergrund, eher Abenteuerlust. Das Motiv der Pilgerschaft und der Glaube, auf der Wanderschaft durch Gott beschützt zu sein, verbanden sich mit der Idee der Walz. Später baute sogar das preußische Konsulat in Jerusalem eine eigene Gesellenherberge. Etwa 25 protestantische Gesellen suchten Jerusalem jährlich auf.\\ 
 Die Mehrzahl der Wanderer jedoch blieb in Deutschland, denn man brauchte einen Paß, um die Grenze (offiziell) zu passieren. //„Alte Kunden hielten sich an einen bestimmten Landstrich, in dem sie mit Art und Brauch der Bewohner vertraut waren, die Wege und die Herbergen, die guten und die schlechten Orte, die Gendarmen und die Gefängnisse kannten. Diesen Landstrich, der selten über die Grenzen einer Provinz hinausgriff, verließen sie nicht oder nur notgedrungen, etwa wenn ihnen eine hohe Bettelstrafe drohte. Weder junge [[wiki:Wanderbursche|Wanderburschen]] noch alte Kunden wichen dem Wetter aus, sie kürzten die täglichen Wege, aber sie zogen morgens ab. Der Krankheit gaben wohl junge Burschen nach, aber nicht die alten Reisläufer ((Reisläufer ist hier in übertragenem Sinne zu verstehen. Der [[wiki:begriff|Begriff]] meint ursprünglich junge Burschen (meist Schweizer), die sich ab dem [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#Ab dem 15. Jahrhundert|15. Jahrhundert]] zusammenschlossen, um in anderen Ländern Kriegsdienste zu leisten. Diese umherziehenden Gruppen wurden Reiseläufer oder Reisläufer genannt. [Grimms Wörterbuch])) der Landstraße, ich habe nie gehört, daß einer in der Herberge krank zurückgeblieben oder ins Krankenhaus geschafft worden sei; sie wanderten auch dann, wenn sie den [[wiki:grenze_zwischen_leben_und_tod|Tod]] in den Knochen fühlten, und suchten sich lieber draußen einen geschützten Winkel zum Sterben, als daß sie sich in Menschenhände gegeben hätten.“// ((Winnig, S. 164 f.)) Winnig schreibt diese Gedanken angesichts eines eisigen Winters nieder, in dem er draußen auf der Landstraße selber viel gefroren hat und zudem einen toten Kunden im Schutz einer Feldscheune fand.\\  Die Mehrzahl der Wanderer jedoch blieb in Deutschland, denn man brauchte einen Paß, um die Grenze (offiziell) zu passieren. //„Alte Kunden hielten sich an einen bestimmten Landstrich, in dem sie mit Art und Brauch der Bewohner vertraut waren, die Wege und die Herbergen, die guten und die schlechten Orte, die Gendarmen und die Gefängnisse kannten. Diesen Landstrich, der selten über die Grenzen einer Provinz hinausgriff, verließen sie nicht oder nur notgedrungen, etwa wenn ihnen eine hohe Bettelstrafe drohte. Weder junge [[wiki:Wanderbursche|Wanderburschen]] noch alte Kunden wichen dem Wetter aus, sie kürzten die täglichen Wege, aber sie zogen morgens ab. Der Krankheit gaben wohl junge Burschen nach, aber nicht die alten Reisläufer ((Reisläufer ist hier in übertragenem Sinne zu verstehen. Der [[wiki:begriff|Begriff]] meint ursprünglich junge Burschen (meist Schweizer), die sich ab dem [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#Ab dem 15. Jahrhundert|15. Jahrhundert]] zusammenschlossen, um in anderen Ländern Kriegsdienste zu leisten. Diese umherziehenden Gruppen wurden Reiseläufer oder Reisläufer genannt. [Grimms Wörterbuch])) der Landstraße, ich habe nie gehört, daß einer in der Herberge krank zurückgeblieben oder ins Krankenhaus geschafft worden sei; sie wanderten auch dann, wenn sie den [[wiki:grenze_zwischen_leben_und_tod|Tod]] in den Knochen fühlten, und suchten sich lieber draußen einen geschützten Winkel zum Sterben, als daß sie sich in Menschenhände gegeben hätten.“// ((Winnig, S. 164 f.)) Winnig schreibt diese Gedanken angesichts eines eisigen Winters nieder, in dem er draußen auf der Landstraße selber viel gefroren hat und zudem einen toten Kunden im Schutz einer Feldscheune fand.\\ 
 Da das fahrende Volk auch weit hinter den Grenzen oft kontrolliert wurde, fiel man früher oder später auf, wenn man ohne Paß im Ausland war. Heinrichs schildert einen solchen Fall: //„Kaum eine Stunde waren wir von Deutschlands Grenzen entfernt. ... Plötzlich standen ... zwei dieser gefürchteten Beamten vor uns. Wieder hieß es kurz: `Papier vorzeigen.´ Wiederum konnte ich ungefährdet weiterziehen, aber mein treuer Kamerad? [Ihm] wurde der Schub prophezeit, das heißt, er würde vom nächsten Orte per Bahn zur Grenze befördert werden.“// ((Heinrichs, S. 55 f.))\\  Da das fahrende Volk auch weit hinter den Grenzen oft kontrolliert wurde, fiel man früher oder später auf, wenn man ohne Paß im Ausland war. Heinrichs schildert einen solchen Fall: //„Kaum eine Stunde waren wir von Deutschlands Grenzen entfernt. ... Plötzlich standen ... zwei dieser gefürchteten Beamten vor uns. Wieder hieß es kurz: `Papier vorzeigen.´ Wiederum konnte ich ungefährdet weiterziehen, aber mein treuer Kamerad? [Ihm] wurde der Schub prophezeit, das heißt, er würde vom nächsten Orte per Bahn zur Grenze befördert werden.“// ((Heinrichs, S. 55 f.))\\ 
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 ==== Informationen ==== ==== Informationen ====
  
-Pfarre zitiert den Baedeker, den Gsell Fels ((Meyers Reisebücher: Gsell Fels, „Italien in sechzig Tagen“ 2 Bde. 10. A. Leipzig 1912)), den Werl, den Grieben und kritisiert diese häufig. Gerade die für ihn nutzvollen Adressen und Hinweise fänden sich darin nicht: die billige Volksküche in Florenz vermißt er ebenso wie die Adresse eines Dormitoris oder eines Asyls. ((Pfarre, S. 102)) Mit der Nutzung solcher Reiseführer scheint er die Ausnahme zu sein, Grund dafür ist eher sein Interesse an Kunst und Kultur. Heinrichs findet in seinem „Wanderbüchlein“ die Adressen der katholischen Gesellenvereine. \\  +Pfarre zitiert den Baedeker, den Gsell Fels ((Meyers Reisebücher: Gsell Fels, „Italien in sechzig Tagen“ 2 Bde. 10. A. Leipzig 1912)), den Werl, den Grieben und kritisiert diese häufig. Gerade die für ihn nutzvollen Adressen und Hinweise fänden sich darin nicht: die billige Volksküche in Florenz vermißt er ebenso wie die Adresse eines Dormitoris oder eines Asyls. ((Pfarre, S. 102)) Mit der Nutzung solcher Reiseführer scheint er die Ausnahme zu sein, Grund dafür ist eher sein Interesse an Kunst und Kultur. Heinrichs findet in seinem „Wanderbüchlein“ die Adressen der katholischen Gesellenvereine.\\  
-Die wichtigsten Informationen gibt es auf der Straße, in den Asylen und sonstigen Treffpunkten der Kunden. Auch die einzelnen Berufsgruppen haben ihre Anlaufstellen, so gibt es in Rom einen deutschen Künstlerverein ((Die deutsche römische Künstlerzunft wurde 1895 von deutschen katholischen Künstlern, vorwiegend Malern und Bildhauern, zur Pflege und Förderung kirchlicher Kunst gegründet. (s. „Der Rompilger“, S. 69))) ((Pfarre, S. 114)), die katholischen Gesellenvereine u.a.m. Schroeder weiß zu berichten: //„Oft begegnen uns andere Handwerksburschen. Wir fragen nach dem Woher und Wohin. Dann erzählen sie von selbst, was sie wissen, nennen uns Dörfer, wo man gut essen kann, warnen uns vor geizigen Bauern, scharfen Gendarmen und gefährlichen Strecken. Mit „Servus!“ geht es dann wieder weiter.“// ((Schroeder, S. 77)) //„Alle Speckjäger gleichen sich, alle sind bedächtig in ihren Bewegungen, und nur dort, wo es etwas zu hapern gibt, handeln sie schnell und sind durch nichts aufzuhalten. Sie alle haben ein zehntausend Kilometer langes Landstraßennetz im Kopf, kennen jeden Grünen, jeden Baum ihres Landes, wissen von dem Ungeziefer aller Pennen und Polizeipritschen und wissen auch fette Gegenden, wo man nur von einem Haus ins andere hineinzulaufen braucht. Für jede Jahreszeit haben sie eine bestimmte Gegend.“// ((Schroeder, S. 77; Schroeder, S. 245; Francé, S. 16)) \\ +Die wichtigsten Informationen gibt es auf der Straße, in den Asylen und sonstigen Treffpunkten der Kunden. Auch die einzelnen Berufsgruppen haben ihre Anlaufstellen, so gibt es in Rom einen deutschen Künstlerverein ((Die deutsche römische Künstlerzunft wurde 1895 von deutschen katholischen Künstlern, vorwiegend Malern und Bildhauern, zur Pflege und Förderung kirchlicher Kunst gegründet. (s. „Der Rompilger“, S. 69))) ((Pfarre, S. 114)), die katholischen Gesellenvereine u.a.m. Schroeder weiß zu berichten: //„Oft begegnen uns andere Handwerksburschen. Wir fragen nach dem Woher und Wohin. Dann erzählen sie von selbst, was sie wissen, nennen uns Dörfer, wo man gut essen kann, warnen uns vor geizigen Bauern, scharfen Gendarmen und gefährlichen Strecken. Mit „Servus!“ geht es dann wieder weiter.“// ((Schroeder, S. 77)) //„Alle Speckjäger gleichen sich, alle sind bedächtig in ihren Bewegungen, und nur dort, wo es etwas zu hapern gibt, handeln sie schnell und sind durch nichts aufzuhalten. Sie alle haben ein zehntausend Kilometer langes Landstraßennetz im Kopf, kennen jeden Grünen, jeden Baum ihres Landes, wissen von dem Ungeziefer aller Pennen und Polizeipritschen und wissen auch fette Gegenden, wo man nur von einem Haus ins andere hineinzulaufen braucht. Für jede Jahreszeit haben sie eine bestimmte Gegend.“// ((Schroeder, S. 77; Schroeder, S. 245; Francé, S. 16))\\ 
 Pfarre will auf seiner Wanderung nach Italien Italienisch lernen und schimpft über seinen Sprachführer: //„Dienstmann, kommen Sie her!, Kutscher, nach dem Grand-Hotel!, Darf ich um die Speisekarte bitten?, Ich ziehe ein Dutzend Austern vor! .... Wie aber heißt: Armer Reisender bittet um eine kleine Gabe?“//\\  Pfarre will auf seiner Wanderung nach Italien Italienisch lernen und schimpft über seinen Sprachführer: //„Dienstmann, kommen Sie her!, Kutscher, nach dem Grand-Hotel!, Darf ich um die Speisekarte bitten?, Ich ziehe ein Dutzend Austern vor! .... Wie aber heißt: Armer Reisender bittet um eine kleine Gabe?“//\\ 
 Nur Winnig reist mit einer Landkarte, alle anderen gehen der Nase nach, [[wiki:orientierung|orientieren]] sich an der [[wiki:orientierung#Richtung und Himmelsrichtungen|Himmelsrichtung]], ja können oft nicht einmal * [[wiki:kartographie|Landkarten]] lesen. Das führt zu Umwegen, die allerdings nur von Winnig als solche betrachtet werden, und dazu, daß man schon mal abends kein Dorf zum Übernachten findet. Nur Winnig reist mit einer Landkarte, alle anderen gehen der Nase nach, [[wiki:orientierung|orientieren]] sich an der [[wiki:orientierung#Richtung und Himmelsrichtungen|Himmelsrichtung]], ja können oft nicht einmal * [[wiki:kartographie|Landkarten]] lesen. Das führt zu Umwegen, die allerdings nur von Winnig als solche betrachtet werden, und dazu, daß man schon mal abends kein Dorf zum Übernachten findet.
  
 ==== Tippelfreunde ==== ==== Tippelfreunde ====
-Ein Wunder ist es nicht, auf andere Reisende zu treffen. 1924 haben angeblich 700.000 Reisende Italien besucht, darunter 69.000 Deutsche. Um 1900 sind in Rom etwa 1.000 Deutsche ansässig, weitere 2.000 halten sich dort zu Studienzwecken auf, mehrere tausend besuchen die Stadt als Touristen oder Pilger. ((Der Rompilger, S. 49)) \\  +Ein Wunder ist es nicht, auf andere Reisende zu treffen. 1924 haben angeblich 700.000 Reisende Italien besucht, darunter 69.000 Deutsche. Um 1900 sind in Rom etwa 1.000 Deutsche ansässig, weitere 2.000 halten sich dort zu Studienzwecken auf, mehrere tausend besuchen die Stadt als Touristen oder Pilger. ((Der Rompilger, S. 49))\\  
-Alfred Pfarre ist es ein besonderes Bedürfnis, in Gesellschaft zu sein und kaum einmal reist er alleine. Auch in Italien trifft er immer wieder auf Gesellen, Kunden, [[wiki:vagabund|Vagabunden]]. In Venedig den Luxemburger Journalisten Matthias Kientgen und einen badischen Gymnasiasten namens Wilhelm, einen dänischer Gärtner, einen deutschen Maler, dessen Freundin Helene Weil, den Sibirier, den Kanadier, den Russen, den großen Josef, den Heiland, einen Kundenphilosophen. In Rom findet er eine große Anzahl Kunden, die es sich dort heimisch gemacht haben, teilweise wohnen sie in den Katakomben, nicht so viele Kunden treiben sich in Neapel herum. Nur einmal trifft er in den vielen Monaten einen französischen Kunden, andere Nationalitäten sind etwas häufiger vertreten, doch die meisten sind Deutsche, sie sind oft //„...eine ganze Gruppe Heimatloser ..., Kunden, versumpfte Künstler, abgemusterte und weggelaufene Seeleute aus aller Herren Länder ... einen alten Speckjäger ... den kleinen buckligen Michael.“// \\ +Alfred Pfarre ist es ein besonderes Bedürfnis, in Gesellschaft zu sein und kaum einmal reist er alleine. Auch in Italien trifft er immer wieder auf Gesellen, Kunden, [[wiki:vagabund|Vagabunden]]. In Venedig den Luxemburger Journalisten Matthias Kientgen und einen badischen Gymnasiasten namens Wilhelm, einen dänischer Gärtner, einen deutschen Maler, dessen Freundin Helene Weil, den Sibirier, den Kanadier, den Russen, den großen Josef, den Heiland, einen Kundenphilosophen. In Rom findet er eine große Anzahl Kunden, die es sich dort heimisch gemacht haben, teilweise wohnen sie in den Katakomben, nicht so viele Kunden treiben sich in Neapel herum. Nur einmal trifft er in den vielen Monaten einen französischen Kunden, andere Nationalitäten sind etwas häufiger vertreten, doch die meisten sind Deutsche, sie sind oft //„...eine ganze Gruppe Heimatloser ..., Kunden, versumpfte Künstler, abgemusterte und weggelaufene Seeleute aus aller Herren Länder ... einen alten Speckjäger ... den kleinen buckligen Michael.“//\\ 
 Der Kontakt zu anderen war so ausgeprägt, wie man es wünschte. Im Gegensatz zu Schroeder, der fast nie allein war und Gruppen bevorzugte, floh Winnig die Gesellschaft der Handwerksburschen und Kunden: //„Ein halber Tag in Gesellschaft gewandert war eine willkommene Abwechslung, aber danach nahm ich mir wieder meine [[wiki:freiheit|Freiheit]], die Freiheit des Wanderns und [[wiki:rast|Rastens]] und die Freiheit der Gedanken.“// ((Winnig, S. 244)) Interessant ist eine hingeworfene Bemerkung Winnigs, als ihm in der Rüdesheimer Herberge ein Fremder auffällt://„...er war zwar wandermäßig angezogen, aber in der Art vornehmer Leute ... daß ich ihn für einen Touristen hielt, der hier die Gelegenheit zu sozialen Studien wahrnahm, wozu sich manche Leute damals bewogen fühlten, nachdem Pastor Göhre drei Monate Fabrikarbeiter gewesen war und ein Buch darüber geschrieben hatte.“// ((Winnig, S. 248))\\  Der Kontakt zu anderen war so ausgeprägt, wie man es wünschte. Im Gegensatz zu Schroeder, der fast nie allein war und Gruppen bevorzugte, floh Winnig die Gesellschaft der Handwerksburschen und Kunden: //„Ein halber Tag in Gesellschaft gewandert war eine willkommene Abwechslung, aber danach nahm ich mir wieder meine [[wiki:freiheit|Freiheit]], die Freiheit des Wanderns und [[wiki:rast|Rastens]] und die Freiheit der Gedanken.“// ((Winnig, S. 244)) Interessant ist eine hingeworfene Bemerkung Winnigs, als ihm in der Rüdesheimer Herberge ein Fremder auffällt://„...er war zwar wandermäßig angezogen, aber in der Art vornehmer Leute ... daß ich ihn für einen Touristen hielt, der hier die Gelegenheit zu sozialen Studien wahrnahm, wozu sich manche Leute damals bewogen fühlten, nachdem Pastor Göhre drei Monate Fabrikarbeiter gewesen war und ein Buch darüber geschrieben hatte.“// ((Winnig, S. 248))\\ 
 Gemeinsam wurde die Zeit kürzer, man konnte sich unterhalten, hatte jemanden, dem man *[[wiki:vertrauen|vertrauen]] konnte, ein Stück Heimat in der Fremde. Heinrichs und Pfarre finden richtige Freunde auf der Landstraße, Menschen, die ihnen viel bedeuten und von denen sie sich nur schwer trennen; Winnig dagegen fühlte sich nahezu immer unter Fremden. Kam eine Gruppe von mehreren Kunden in einen Ort, so teilte man ein, wer in welchem Haus zu fechten hatte. Hinter dem Dorf wurde zusammengeworfen und gerecht geteilt. Schroeder wird einmal unterwegs sehr krank und ohne die Kunden, die er eben erst getroffen hatte, wäre er am Wegesrand liegengeblieben: //„Jetzt weiß ich, was Kameradschaft ist. Wohl steht man dem Bruder näher, man tut etwas für ihn, weil er zur Familie gehört, man hintergeht ihn auch nicht, was man vielleicht bei einem fremden Menschen tun würde ... Beim Kameraden aber kommen solche Gedanken noch nicht einmal auf. Wahre Kameradschaft zerschmettert die Hölle!“// ((Schroeder, S. 212))\\  Gemeinsam wurde die Zeit kürzer, man konnte sich unterhalten, hatte jemanden, dem man *[[wiki:vertrauen|vertrauen]] konnte, ein Stück Heimat in der Fremde. Heinrichs und Pfarre finden richtige Freunde auf der Landstraße, Menschen, die ihnen viel bedeuten und von denen sie sich nur schwer trennen; Winnig dagegen fühlte sich nahezu immer unter Fremden. Kam eine Gruppe von mehreren Kunden in einen Ort, so teilte man ein, wer in welchem Haus zu fechten hatte. Hinter dem Dorf wurde zusammengeworfen und gerecht geteilt. Schroeder wird einmal unterwegs sehr krank und ohne die Kunden, die er eben erst getroffen hatte, wäre er am Wegesrand liegengeblieben: //„Jetzt weiß ich, was Kameradschaft ist. Wohl steht man dem Bruder näher, man tut etwas für ihn, weil er zur Familie gehört, man hintergeht ihn auch nicht, was man vielleicht bei einem fremden Menschen tun würde ... Beim Kameraden aber kommen solche Gedanken noch nicht einmal auf. Wahre Kameradschaft zerschmettert die Hölle!“// ((Schroeder, S. 212))\\ 
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 Pfarre geht mit Hamburger Wandervogel-Freunden auf eine vierwöchige Ferienfahrt durch die Rhön und den Thüringer Wald, dann sagt er sich: „Ihr habt eine Ferienfahrt gemacht als sorglose Wandervögel, nun kommt deine Reise als Handwerksbursche, vielleicht bald als Landstreicher. ... Beginne nun endlich deine [[wiki:fahrt|Fahrt]] und wage mutig den bedeutsamen Schritt vom Wandervogel zum Handwerksburschen.“ Er unterscheidet drei Arten zu reisen und hebt den Mut als bedeutsames Element der Walz hervor. Bereits klar im Blick ist der drohende Abstieg zum [[wiki:vagabund|Vagabunden]]. Die Polizei ist scharf hinter den Handwerksburschen her und kontrollieren peinlich genau, wer die Grenze zum Vagabunden überschreitet: //„Auf eine Fleppenkontrolle darf ich es nicht ankommen lassen, sonst bin ich verratzt ((Verratzen bedeutet im Rotwelschen verlieren, verraten und kommt von der Grundform „ratschen“)), denn ich habe bereits zwei Nächte auf eigene Faust, ohne Aufenthaltsstempel, im Heu geschlafen.“// ((Schroeder, S. 118))\\  Pfarre geht mit Hamburger Wandervogel-Freunden auf eine vierwöchige Ferienfahrt durch die Rhön und den Thüringer Wald, dann sagt er sich: „Ihr habt eine Ferienfahrt gemacht als sorglose Wandervögel, nun kommt deine Reise als Handwerksbursche, vielleicht bald als Landstreicher. ... Beginne nun endlich deine [[wiki:fahrt|Fahrt]] und wage mutig den bedeutsamen Schritt vom Wandervogel zum Handwerksburschen.“ Er unterscheidet drei Arten zu reisen und hebt den Mut als bedeutsames Element der Walz hervor. Bereits klar im Blick ist der drohende Abstieg zum [[wiki:vagabund|Vagabunden]]. Die Polizei ist scharf hinter den Handwerksburschen her und kontrollieren peinlich genau, wer die Grenze zum Vagabunden überschreitet: //„Auf eine Fleppenkontrolle darf ich es nicht ankommen lassen, sonst bin ich verratzt ((Verratzen bedeutet im Rotwelschen verlieren, verraten und kommt von der Grundform „ratschen“)), denn ich habe bereits zwei Nächte auf eigene Faust, ohne Aufenthaltsstempel, im Heu geschlafen.“// ((Schroeder, S. 118))\\ 
 Aufenthaltsstempel in Herbergen, Asylen, Arbeitsnachweise oder der Stempel: //„Inhaber hat sich heute vergeblich um Arbeit bemüht“// ((Pfarre, S. 22)) helfen der Polizei, Gesellen von [[wiki:vagabund|Vagabunden]] zu unterscheiden. Rein äußerlich gleichen sich Gesellen, Vagabunden, [[wiki:liste_wanderhandwerker|Wanderarbeiter]]: sie sind arm, zu Fuß unterwegs und bemühen sich Tag für Tag um Essen und ein Bett. Sie haben Zeit, kein Geld, selten Arbeit und übertreten alle das Verbot der Bettelei. Immer wieder wird die Walz verteidigt als: //„jene einfache und bescheidene Art, die Welt zu beschuen, welche weder in den ersten Cafes und Hotels der Residenz, noch in die verkommensten Schnapskneipen der Provinzstädtchen, sondern in die Werkstätten berühmter und geachteter Meister führt, nicht um den Prahlhans mit des Vaters Talern, noch den Schnapsbruder mit den erbettelten Pfennigen, sondern den soliden Sohn schlichter bürgerlicher Eltern zu spielen, der, seine Kenntnisse erweiternd und sich ausbildend, mit dem Zeitgeist heute vorwärts schreitet, wie sein Vater vor einem Mannesalter, mit dem Geiste jener Zeit vorwärts schreitend, sich zum wackren Geschäftsmann herangebildet hat.“// ((J.M. Hornstein „Das Wandern, eine Lebensfrage des Gewerbestandes“ Neuburg /Donau 1857, S.4))\\  Aufenthaltsstempel in Herbergen, Asylen, Arbeitsnachweise oder der Stempel: //„Inhaber hat sich heute vergeblich um Arbeit bemüht“// ((Pfarre, S. 22)) helfen der Polizei, Gesellen von [[wiki:vagabund|Vagabunden]] zu unterscheiden. Rein äußerlich gleichen sich Gesellen, Vagabunden, [[wiki:liste_wanderhandwerker|Wanderarbeiter]]: sie sind arm, zu Fuß unterwegs und bemühen sich Tag für Tag um Essen und ein Bett. Sie haben Zeit, kein Geld, selten Arbeit und übertreten alle das Verbot der Bettelei. Immer wieder wird die Walz verteidigt als: //„jene einfache und bescheidene Art, die Welt zu beschuen, welche weder in den ersten Cafes und Hotels der Residenz, noch in die verkommensten Schnapskneipen der Provinzstädtchen, sondern in die Werkstätten berühmter und geachteter Meister führt, nicht um den Prahlhans mit des Vaters Talern, noch den Schnapsbruder mit den erbettelten Pfennigen, sondern den soliden Sohn schlichter bürgerlicher Eltern zu spielen, der, seine Kenntnisse erweiternd und sich ausbildend, mit dem Zeitgeist heute vorwärts schreitet, wie sein Vater vor einem Mannesalter, mit dem Geiste jener Zeit vorwärts schreitend, sich zum wackren Geschäftsmann herangebildet hat.“// ((J.M. Hornstein „Das Wandern, eine Lebensfrage des Gewerbestandes“ Neuburg /Donau 1857, S.4))\\ 
-Winnig schafft es tatsächlich, sich zwei Jahre als Geselle über Wasser zu halten und findet Arbeit. Als er reist (um 1897) gibt es in Deutschland gerade einen Aufschwung, Arbeit ist leicht zu bekommen, das Ruhrgebiet boomt://„Nach 1896 ging es dann aber aufwärts - so schnell, daß 1912 ein angesehener Publizist ernsthaft behauptete, allein jenes Wirtschaftswunder rechtfertige schon den deutschen Anspruch auf eine Vormachtstellung in der Welt.“// ((Bieber, S. 2)) \\ +Winnig schafft es tatsächlich, sich zwei Jahre als Geselle über Wasser zu halten und findet Arbeit. Als er reist (um 1897) gibt es in Deutschland gerade einen Aufschwung, Arbeit ist leicht zu bekommen, das Ruhrgebiet boomt://„Nach 1896 ging es dann aber aufwärts - so schnell, daß 1912 ein angesehener Publizist ernsthaft behauptete, allein jenes Wirtschaftswunder rechtfertige schon den deutschen Anspruch auf eine Vormachtstellung in der Welt.“// ((Bieber, S. 2))\\ 
 Winnig ist Handwerker, sucht aber seine Identität stärker im Dichterdasein. Als er einmal einen Aristokraten kennenlernt, idealisiert er ihn, nimmt selber Züge eines abgehobenen Verhaltens an. Die Sprache der Kunden lehnt er ab, preist das ruhige, bürgerliche Benehmen. Und als er Hannover verläßt, stellt er fest: //„Es hat uns nicht gefallen, den langen Weg zur Stadt hinaus zu gehen; der Wanderbursche paßte schon damals nicht mehr in das Straßenbild der großen Städte.“// ((Winnig, S. 100)) Und das, obwohl es in Hannover 500 Baustellen gab? Immer wieder betont er, daß er nur notgedrungen mit Kunden zusammengehe, ihre Gesellschaft schätzt er nicht. Nach über einem Jahr auf der Landstraße zieht er tatsächlich mit drei Kunden los und übt gemeinsam mit ihnen in einem Dorf das Fechten. Dabei bleibt es dann auch. Er studiert und beobachtet das fahrende Volk, aber mit dem Herzen ist er nicht dabei.\\  Winnig ist Handwerker, sucht aber seine Identität stärker im Dichterdasein. Als er einmal einen Aristokraten kennenlernt, idealisiert er ihn, nimmt selber Züge eines abgehobenen Verhaltens an. Die Sprache der Kunden lehnt er ab, preist das ruhige, bürgerliche Benehmen. Und als er Hannover verläßt, stellt er fest: //„Es hat uns nicht gefallen, den langen Weg zur Stadt hinaus zu gehen; der Wanderbursche paßte schon damals nicht mehr in das Straßenbild der großen Städte.“// ((Winnig, S. 100)) Und das, obwohl es in Hannover 500 Baustellen gab? Immer wieder betont er, daß er nur notgedrungen mit Kunden zusammengehe, ihre Gesellschaft schätzt er nicht. Nach über einem Jahr auf der Landstraße zieht er tatsächlich mit drei Kunden los und übt gemeinsam mit ihnen in einem Dorf das Fechten. Dabei bleibt es dann auch. Er studiert und beobachtet das fahrende Volk, aber mit dem Herzen ist er nicht dabei.\\ 
 Pfarre und Schroeder dagegen finden kaum Arbeit und merken schnell, wie leicht man ins Vagabundenmilieu abrutschen kann://„Und es ist so leicht, auf die Landstraße zu gehen. Man tritt aus seiner Wohnung und wandert. Aber wie kommt man von der Landstraße wieder ab? wenn man keine Arbeit findet, wenn man kein Zuhause mehr hat? Die Eltern haben, sind glücklich; die keine haben, abgebrannt sind und sich in keiner Stadt festsetzen können, - die werden Speckjäger. ... Jeder hier hat etwas Rauhes und Hartes an sich, doch keinem ist der Grimm angeboren; alles ist aufgelegt, aufgesetzt, von der Landstraße, von dem Elend, das sie umgibt.“// ((Schroeder, S. 160)) Pfarre wird in Nürnberg gewarnt: //„Hüte Dich vor der Landstraße, Du gehst sicher kaputt!“ Ich erwiderte, daß mir die Gefährlichkeit der Landstraße übertrieben schien, ich sei doch schon einige Wochen getippelt. „Ja“, sagte der Maler, „bis jetzt mit Geld, und nun ohne.“// ((Pfarre, S. 13))\\  Pfarre und Schroeder dagegen finden kaum Arbeit und merken schnell, wie leicht man ins Vagabundenmilieu abrutschen kann://„Und es ist so leicht, auf die Landstraße zu gehen. Man tritt aus seiner Wohnung und wandert. Aber wie kommt man von der Landstraße wieder ab? wenn man keine Arbeit findet, wenn man kein Zuhause mehr hat? Die Eltern haben, sind glücklich; die keine haben, abgebrannt sind und sich in keiner Stadt festsetzen können, - die werden Speckjäger. ... Jeder hier hat etwas Rauhes und Hartes an sich, doch keinem ist der Grimm angeboren; alles ist aufgelegt, aufgesetzt, von der Landstraße, von dem Elend, das sie umgibt.“// ((Schroeder, S. 160)) Pfarre wird in Nürnberg gewarnt: //„Hüte Dich vor der Landstraße, Du gehst sicher kaputt!“ Ich erwiderte, daß mir die Gefährlichkeit der Landstraße übertrieben schien, ich sei doch schon einige Wochen getippelt. „Ja“, sagte der Maler, „bis jetzt mit Geld, und nun ohne.“// ((Pfarre, S. 13))\\ 
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  //„[Dirnen] sind keine Prostituierten, ... die sich verkaufen und ihren Körper zum Gegenstand eines Gewerbes machen. Die Dirne ... verkauft sich nicht, sie verschenkt sich.“// ((Gregor Gog, zit. nach: Sergej Tretjakow, Der König der [[wiki:vagabund|Vagabunden]], in: Trappmann, S. 330)) In nahezu allen Quellen über Vagabunden wird die Dirne als Teil des fahrenden Volkes genannt. Aus Italien berichtet Pfarre://„...eine Dreisoldidirne, die ihr Geld in den leeren Güterwagen verdient .... Die hat ein Körbchen mit drei, vier Apfelsinen, und wenn ein Schiff einläuft, dann läßt sie sich hinüberrudern, um Apfelsinen zu verkaufen. Nach zwei, drei Stunden kommt sie wieder. Sie war beim Kapitän, beim Steuermann, bei den Matrosen und oft auch bei den Schiffsjungen. Wenn sie zurückkehrt, hat sie noch ihre drei oder vier Apfelsinen im Korb.“// ((Pfarre, S. 195)) Hasemann nennt die Tippelschickse die „größte Seltenheit des Weges“. ((Hasemann, S. 64))\\   //„[Dirnen] sind keine Prostituierten, ... die sich verkaufen und ihren Körper zum Gegenstand eines Gewerbes machen. Die Dirne ... verkauft sich nicht, sie verschenkt sich.“// ((Gregor Gog, zit. nach: Sergej Tretjakow, Der König der [[wiki:vagabund|Vagabunden]], in: Trappmann, S. 330)) In nahezu allen Quellen über Vagabunden wird die Dirne als Teil des fahrenden Volkes genannt. Aus Italien berichtet Pfarre://„...eine Dreisoldidirne, die ihr Geld in den leeren Güterwagen verdient .... Die hat ein Körbchen mit drei, vier Apfelsinen, und wenn ein Schiff einläuft, dann läßt sie sich hinüberrudern, um Apfelsinen zu verkaufen. Nach zwei, drei Stunden kommt sie wieder. Sie war beim Kapitän, beim Steuermann, bei den Matrosen und oft auch bei den Schiffsjungen. Wenn sie zurückkehrt, hat sie noch ihre drei oder vier Apfelsinen im Korb.“// ((Pfarre, S. 195)) Hasemann nennt die Tippelschickse die „größte Seltenheit des Weges“. ((Hasemann, S. 64))\\ 
 Da gibt es für die überwiegend männlichen Kunden nur wenig Möglichkeiten, dem Bedürfnis nach Zärtlichkeit und Sex Befriedigung zu verschaffen. Nur aus diesem Grund melden sich manche auf die unbeliebten Stellen als Hopfenzupfer. Pfarre erfährt://„...wer nicht ganz weibstoll ist, hält das nicht aus. Für eine Reichsmark zwanzig von morgens fünf bis abends elf bei der flauen Brotsuppe tät´s keiner, wenn nicht das Nachtlager so schön wär. ... Mann und Weib, Kunde und Schickse, alles schläft bunt durcheinander in einer Scheune auf Heu und Stroh, so wie jeder will. Die paar Kinder, die dazwischen liegen, stören nicht. ... Aber auf Dauer wird´s zu ekelhaft.“// ((Pfarre, S. 15))\\  Da gibt es für die überwiegend männlichen Kunden nur wenig Möglichkeiten, dem Bedürfnis nach Zärtlichkeit und Sex Befriedigung zu verschaffen. Nur aus diesem Grund melden sich manche auf die unbeliebten Stellen als Hopfenzupfer. Pfarre erfährt://„...wer nicht ganz weibstoll ist, hält das nicht aus. Für eine Reichsmark zwanzig von morgens fünf bis abends elf bei der flauen Brotsuppe tät´s keiner, wenn nicht das Nachtlager so schön wär. ... Mann und Weib, Kunde und Schickse, alles schläft bunt durcheinander in einer Scheune auf Heu und Stroh, so wie jeder will. Die paar Kinder, die dazwischen liegen, stören nicht. ... Aber auf Dauer wird´s zu ekelhaft.“// ((Pfarre, S. 15))\\ 
-Ein anderer [[wiki:vagabund|Vagabund]] weiß einiges zum Thema Frau: //„Aber etwas anderes läuft [den Kunden] lange nach. Hängt lange an ihnen und reibt sie auf. Gräbt tiefe Falten in ihre Gesichter, drückt ihnen den Kopf nach vorn und beugt ihnen den Rücken. das ist das Weib. ... es war allen eine Not. ... Sie verleugneten es. Einige hielten es nicht aus. Sie vergewaltigten, was ihnen die Not in die Arme trieb, alte Frauen, Kinder. Doch das sind die allerwenigsten. ... Andere nahmen Arbeit an. Auf einem Gut oder so - um ein Weib zu bekommen. ... Dann kämpfen sie an gegen die Forderung ihrer Natur. ... Sie unterliegen. Und sie möchten sich die Hand abschlagen. Öfter. Wie als Knabe. ... Das sind die Einsamen. Andere sind den gleichen Weg gegangen mit mehr Glück. Sie finden immer wieder mal einen Freund. Einen Jüngeren. Sie wissen, daß keiner um diese Not herumkommt.“// ((Helmut Klose „Der Andere“ in: Trappmann, S. 289 ff.)) \\ +Ein anderer [[wiki:vagabund|Vagabund]] weiß einiges zum Thema Frau: //„Aber etwas anderes läuft [den Kunden] lange nach. Hängt lange an ihnen und reibt sie auf. Gräbt tiefe Falten in ihre Gesichter, drückt ihnen den Kopf nach vorn und beugt ihnen den Rücken. das ist das Weib. ... es war allen eine Not. ... Sie verleugneten es. Einige hielten es nicht aus. Sie vergewaltigten, was ihnen die Not in die Arme trieb, alte Frauen, Kinder. Doch das sind die allerwenigsten. ... Andere nahmen Arbeit an. Auf einem Gut oder so - um ein Weib zu bekommen. ... Dann kämpfen sie an gegen die Forderung ihrer Natur. ... Sie unterliegen. Und sie möchten sich die Hand abschlagen. Öfter. Wie als Knabe. ... Das sind die Einsamen. Andere sind den gleichen Weg gegangen mit mehr Glück. Sie finden immer wieder mal einen Freund. Einen Jüngeren. Sie wissen, daß keiner um diese Not herumkommt.“// ((Helmut Klose „Der Andere“ in: Trappmann, S. 289 ff.))\\ 
 Der [[wiki:begriff|Begriff]] „schwul“ ist in der Kundensprache seit 1847 schriftlich nachgewiesen und Pfarre berichtet von Kunden, die auf der „schwulen Schiebung“ sind, sich als Strichjunge ihr Geld verdienen. Als einziger der Walzbrüder berichtet er von häufigen Begegnungen mit Homosexualität: mal platzt er in eine Toilette und weicht erschrocken zurück ((Pfarre, S. 200)), mal muß er sich selber den Nachstellungen reicher Italiener widersetzen ((Pfarre, S. 191)), dann wird er von einem anderen Kunden vor dem Übernachten in den römischen Katakomben gewarnt://„Weißt Du, was die Kunden hier einhaken nennen? Sieh, Du mit Deinem Kindergesicht wirst schon schamrot, ich merk, Du kennst den Ausdruck auch schon. Also deshalb lieber nicht, Du würdest eingehakt werden. Das wäre Dein Ende.“// ((Pfarre, S. 159)) Man erklärt ihm, daß es in Italien keinen unbequemen §175 gibt, und //„...deshalb sind eben hier, ganz besonders in Rom, viele Menschen, die in Deutschland nicht mehr sein dürfen. Du, feine Menschen sind es, sogar sehr vornehme.“// ((Pfarre, S. 148)) Der [[wiki:begriff|Begriff]] „schwul“ ist in der Kundensprache seit 1847 schriftlich nachgewiesen und Pfarre berichtet von Kunden, die auf der „schwulen Schiebung“ sind, sich als Strichjunge ihr Geld verdienen. Als einziger der Walzbrüder berichtet er von häufigen Begegnungen mit Homosexualität: mal platzt er in eine Toilette und weicht erschrocken zurück ((Pfarre, S. 200)), mal muß er sich selber den Nachstellungen reicher Italiener widersetzen ((Pfarre, S. 191)), dann wird er von einem anderen Kunden vor dem Übernachten in den römischen Katakomben gewarnt://„Weißt Du, was die Kunden hier einhaken nennen? Sieh, Du mit Deinem Kindergesicht wirst schon schamrot, ich merk, Du kennst den Ausdruck auch schon. Also deshalb lieber nicht, Du würdest eingehakt werden. Das wäre Dein Ende.“// ((Pfarre, S. 159)) Man erklärt ihm, daß es in Italien keinen unbequemen §175 gibt, und //„...deshalb sind eben hier, ganz besonders in Rom, viele Menschen, die in Deutschland nicht mehr sein dürfen. Du, feine Menschen sind es, sogar sehr vornehme.“// ((Pfarre, S. 148))
  
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 ==== Kunden und Vagabunden ==== ==== Kunden und Vagabunden ====
 Die Bezeichnung Kunden wird oft wahllos benutzt und meint alle Gruppen. Kunde heißt eigentlich Kundiger, im altniederrheinischen war der //cunde// ein Späher und Kundschafter. In jedem Fall weiß er mehr als andere, ist also ausgezeichnet gegenüber anderen. Das wird deutlich, wenn sich zwei Kunden auf der Straße begegneten. Der Frage //„Kunde?“// mußte geantwortet werden mit //„Ken Mathes?//“ ((Bis 1939 grüßten sich Kunden so auf der Landstraße, auch wenn vielen der Sinn dieser Grußformel nicht klarwar, denn oftmals wurde auch Ken Mathias oder Ken Mathilde geantwortet.)) Der Fragende möchte wissen, ob der andere überhaupt ein Kunde (=Kundiger) ist, ob er also evtl Auskunft geben kann. Die Antwort hat nichts mit dem Vornamen Mathes zu tun, sondern rührt von Medine (=Landstraße) und heißt daher soviel wie „Ich kenne die Landstraße“. ((Wolf, Stichwort Ken und Kunde))\\  Die Bezeichnung Kunden wird oft wahllos benutzt und meint alle Gruppen. Kunde heißt eigentlich Kundiger, im altniederrheinischen war der //cunde// ein Späher und Kundschafter. In jedem Fall weiß er mehr als andere, ist also ausgezeichnet gegenüber anderen. Das wird deutlich, wenn sich zwei Kunden auf der Straße begegneten. Der Frage //„Kunde?“// mußte geantwortet werden mit //„Ken Mathes?//“ ((Bis 1939 grüßten sich Kunden so auf der Landstraße, auch wenn vielen der Sinn dieser Grußformel nicht klarwar, denn oftmals wurde auch Ken Mathias oder Ken Mathilde geantwortet.)) Der Fragende möchte wissen, ob der andere überhaupt ein Kunde (=Kundiger) ist, ob er also evtl Auskunft geben kann. Die Antwort hat nichts mit dem Vornamen Mathes zu tun, sondern rührt von Medine (=Landstraße) und heißt daher soviel wie „Ich kenne die Landstraße“. ((Wolf, Stichwort Ken und Kunde))\\ 
-Obwohl Kunden und [[wiki:vagabund|Vagabunden]] sehr lax mit Moral umgehen, konnte man ihnen nicht unbedingt kriminelle Absichten unterstellen. Wohl waren sie [[wiki:outlaw|Outlaws]], Outcasts, Gesetzlose, die um ihr Überleben kämpften. Das ging oft nur außerhalb der bürgerlichen Moral und Gesetze. Doch hatten sie ihre Sprache, eigene Gesetzmäßigkeiten und Regeln. [[wiki:ehre|Ehre]] und Kameradschaft waren ihnen vertraut und viele waren stolz darauf, Kunde zu sein. Der Weg zurück in die Gesellschaft blieb ihnen nicht versperrt, auch wenn sie sozial ausgestoßen und heimatlos waren. \\ Andererseits war der Weg ins kriminelle Milieu einfach, da sich die Gauner in der gleichen Infrastruktur bewegten. Pfarre erinnert sich: „...lernte ich den Betrieb in der Herberge zur Heimat kennen. Aber waren das „Kunden“, „Monarchen“, „Speckjäger“ oder anders benannte „Ritter der Landstraße“? Nein! Soviel kannte ich nun doch schon die verlumpten, aber harmlosen Wandergestalten. Was sich hier zusammenfand, das kam nicht aus dem Chausseegraben, das gedieh nur auf dem Asphalt der Großstadt. Das nahe Oktoberfest hatte Nepper, Bauernfänger und Taschendiebe herangelockt.“ ((Pfarre, S. 12 f.)) \\ +Obwohl Kunden und [[wiki:vagabund|Vagabunden]] sehr lax mit Moral umgehen, konnte man ihnen nicht unbedingt kriminelle Absichten unterstellen. Wohl waren sie [[wiki:outlaw|Outlaws]], Outcasts, Gesetzlose, die um ihr Überleben kämpften. Das ging oft nur außerhalb der bürgerlichen Moral und Gesetze. Doch hatten sie ihre Sprache, eigene Gesetzmäßigkeiten und Regeln. [[wiki:ehre|Ehre]] und Kameradschaft waren ihnen vertraut und viele waren stolz darauf, Kunde zu sein. Der Weg zurück in die Gesellschaft blieb ihnen nicht versperrt, auch wenn sie sozial ausgestoßen und heimatlos waren.\\ Andererseits war der Weg ins kriminelle Milieu einfach, da sich die Gauner in der gleichen Infrastruktur bewegten. Pfarre erinnert sich: „...lernte ich den Betrieb in der Herberge zur Heimat kennen. Aber waren das „Kunden“, „Monarchen“, „Speckjäger“ oder anders benannte „Ritter der Landstraße“? Nein! Soviel kannte ich nun doch schon die verlumpten, aber harmlosen Wandergestalten. Was sich hier zusammenfand, das kam nicht aus dem Chausseegraben, das gedieh nur auf dem Asphalt der Großstadt. Das nahe Oktoberfest hatte Nepper, Bauernfänger und Taschendiebe herangelockt.“ ((Pfarre, S. 12 f.))\\ 
  
 ==== Schieben und Balance ==== ==== Schieben und Balance ====
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 Man kann spekulieren, was an dieser Geschichte stimmt, oder ob sie eine Mischung aus Wahrem, Halbwahrem und Erfundenem ist. Appelius hörte diese Geschichte im Kreise solcher Trimards in Alexandria/Ägypten, verbrachte einige Zeit mit ihnen und nennt ''George Colet'', einen Belgier, ''Abraham Rosenthal, Herbert Bradson'', einen Nordamerikaner, den Franzosen ''Pere Duval'' und Julien, ''Omar Adrajan'', einen Perser, den Finnen Kid-Kid, den Iren Allan und den deutschen Welsch. ((Appelius, S. 65 f.)) Appelius ist zu dieser Zeit etwa 16 Jahre alt und man schreibt das Jahr 1908. Da kann es auch angehen, daß man ihn mit einer Mischung aus Mythen und Märchen gefüttert hat, weit genug weg vom Ort der Handlung.\\  Man kann spekulieren, was an dieser Geschichte stimmt, oder ob sie eine Mischung aus Wahrem, Halbwahrem und Erfundenem ist. Appelius hörte diese Geschichte im Kreise solcher Trimards in Alexandria/Ägypten, verbrachte einige Zeit mit ihnen und nennt ''George Colet'', einen Belgier, ''Abraham Rosenthal, Herbert Bradson'', einen Nordamerikaner, den Franzosen ''Pere Duval'' und Julien, ''Omar Adrajan'', einen Perser, den Finnen Kid-Kid, den Iren Allan und den deutschen Welsch. ((Appelius, S. 65 f.)) Appelius ist zu dieser Zeit etwa 16 Jahre alt und man schreibt das Jahr 1908. Da kann es auch angehen, daß man ihn mit einer Mischung aus Mythen und Märchen gefüttert hat, weit genug weg vom Ort der Handlung.\\ 
 ==== Der Tramp ==== ==== Der Tramp ====
-Auch Kurt Faber hat so seine Erfahrungen mit dem fahrenden Volk: //„Jedes Land hat seine [[wiki:vagabund|Vagabunden]]. Das erbt sich fort wie eine Krankheit, solange es unruhige und abenteuerliche Menschen gibt. In Amerika aber, diesem Sammelbecken unruhiger Geister, hat sich eine besonders malerische Abart des Lumpazius Vagabundus herausgebildet: der Tramp. Der Name ist eindeutig. Man hört es förmlich aus den Buchstaben, wie sich ein Fuß vor den anderen setzt mit schwerfälliger Würde. Aber es ist trügerisch, wie oftmals die Namen. Wenn es etwas gibt, das dem amerikanischen Landstreicher in der Seele zuwider ist, so ist es eine lange Fußreise.  ... Nur entlang des Schienenstrangs kann er gedeihen. Die leeren Packwagen ... sind seine Heimat. ... Wer kein Geld hat oder nichts bezahlen mag, der muß sich schon der Mühe unterziehen, beim Herannahen des Zuges an die Station sich durch einen schnellen Sprung vom Wagen vor der Rache des Personals und den herumlungernden Bahndetektiven zu retten. Er versteckt sich in dem nahen Busch oder anderen Wagenreihen, um dann beim Abfahren auf denselben Zug wieder aufzuspringen, womöglich im selben Wagen, wo sich dieselbe Szene wiederholt. Und so vergeht mit Auf- und Abspringen die ganze lange Nacht. Aber zum Ziel kommt er so gut wie die anderen, denn ein echter Vagabund kommt stets dahin, wo er sich vorgenommen hat.“// ((Faber, Rund um die Erde, S. 114 f.)) \\ +Auch Kurt Faber hat so seine Erfahrungen mit dem fahrenden Volk: //„Jedes Land hat seine [[wiki:vagabund|Vagabunden]]. Das erbt sich fort wie eine Krankheit, solange es unruhige und abenteuerliche Menschen gibt. In Amerika aber, diesem Sammelbecken unruhiger Geister, hat sich eine besonders malerische Abart des Lumpazius Vagabundus herausgebildet: der Tramp. Der Name ist eindeutig. Man hört es förmlich aus den Buchstaben, wie sich ein Fuß vor den anderen setzt mit schwerfälliger Würde. Aber es ist trügerisch, wie oftmals die Namen. Wenn es etwas gibt, das dem amerikanischen Landstreicher in der Seele zuwider ist, so ist es eine lange Fußreise.  ... Nur entlang des Schienenstrangs kann er gedeihen. Die leeren Packwagen ... sind seine Heimat. ... Wer kein Geld hat oder nichts bezahlen mag, der muß sich schon der Mühe unterziehen, beim Herannahen des Zuges an die Station sich durch einen schnellen Sprung vom Wagen vor der Rache des Personals und den herumlungernden Bahndetektiven zu retten. Er versteckt sich in dem nahen Busch oder anderen Wagenreihen, um dann beim Abfahren auf denselben Zug wieder aufzuspringen, womöglich im selben Wagen, wo sich dieselbe Szene wiederholt. Und so vergeht mit Auf- und Abspringen die ganze lange Nacht. Aber zum Ziel kommt er so gut wie die anderen, denn ein echter Vagabund kommt stets dahin, wo er sich vorgenommen hat.“// ((Faber, Rund um die Erde, S. 114 f.))\\ 
 Die amerikanischen Tramps wurden als Massenphänomen etwa ab 1873 bemerkt, als durch eine Wirtschaftskrise zahllose Arbeitssuchende von der industrialisierten Ostküste in den Westen zogen, entlang der amerikanischen Hauptverbindungswege, den Eisenbahnen. ((Nikos)) Als Alois Zettler 1874 durch Amerika wandert, weiß er von der Wirtschaftskrise zu berichten und nutzt selbst die Züge als kostenloses Beförderungsmittel. ((Zettler, S. 102)) Sie waren vermutlich noch weniger gern gesehen als die Vagabunden in Europa. Beispielsweise gab es eine Gesetzesvorlage, die die Sterilisation der Tramps forderte, vermutlich im Bewußtsein, daß, wer so lebt, nur krank sein könne oder arbeitsunwillig. ((Nikos, S. 66)) Gesetze ahndeten das Trampen mit bis zu sechs Monaten Arbeitslager, Kurt Faber weiß davon ein Lied zu singen. Die Geschichte der amerikanischen Tramps läßt sich durch zwei Weltkriege bis in die heutige Zeit verfolgen. ((Nikos))\\  Die amerikanischen Tramps wurden als Massenphänomen etwa ab 1873 bemerkt, als durch eine Wirtschaftskrise zahllose Arbeitssuchende von der industrialisierten Ostküste in den Westen zogen, entlang der amerikanischen Hauptverbindungswege, den Eisenbahnen. ((Nikos)) Als Alois Zettler 1874 durch Amerika wandert, weiß er von der Wirtschaftskrise zu berichten und nutzt selbst die Züge als kostenloses Beförderungsmittel. ((Zettler, S. 102)) Sie waren vermutlich noch weniger gern gesehen als die Vagabunden in Europa. Beispielsweise gab es eine Gesetzesvorlage, die die Sterilisation der Tramps forderte, vermutlich im Bewußtsein, daß, wer so lebt, nur krank sein könne oder arbeitsunwillig. ((Nikos, S. 66)) Gesetze ahndeten das Trampen mit bis zu sechs Monaten Arbeitslager, Kurt Faber weiß davon ein Lied zu singen. Die Geschichte der amerikanischen Tramps läßt sich durch zwei Weltkriege bis in die heutige Zeit verfolgen. ((Nikos))\\ 
 ==== Der Kardasch ==== ==== Der Kardasch ====
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 Die große Zeit der Handwerksgesellen ist spätestens seit dem 1. Weltkrieg vorbei. Mit der Aufhebung der Zünfte und der Einführung der [[wiki:grundfreiheiten|Gewerbefreiheit]] im [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#Ab dem 19. Jahrhundert|19. Jahrhundert]] hatte diese Bewegung ihren Zenit überschritten. Winnig kam sich 1897 in den großen Städten fehl am Platze vor. Die Industrialisierung Europas und die sich zyklisch wiederholenden Wirtschaftskrisen führten in Schüben immer mal wieder zu einem Anstieg der Massen auf den Straßen. Doch nun nahmen Arbeiter, [[wiki:liste_wanderhandwerker|Wanderarbeiter]] und Lumpenproletariat die Stelle der Gesellen ein. 1927 waren 70.000 Menschen auf den Straßen Deutschlands unterwegs, sechs Jahre später waren es bereits wieder 450.000. ((Trappmann, S. 15)) Immer spiegelte sich in den Wanderungsbewegungen die gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Unsicherheit. Die Nationalsozialisten brachten ab 1933 die [[wiki:vagabund|Vagabunden]] mit allen Mitteln von der Straße: Arbeitslager, Verhaftung, Razzien, [[wiki:muendigkeit|Entmündigung]], Psychiatrisierung und sechs Jahre Krieg beseitigten fast alle Spuren der Heimatlosen. ((Kadereit)) Auch für die „Nicht-Seßhaften“ von heute ist die Landstraße meist ohne Romantik, sondern hat eher mit dem Teufelskreis von Arbeitslosigkeit, Wohnungslosigkeit und sozialem Abstieg zu tun.\\  Die große Zeit der Handwerksgesellen ist spätestens seit dem 1. Weltkrieg vorbei. Mit der Aufhebung der Zünfte und der Einführung der [[wiki:grundfreiheiten|Gewerbefreiheit]] im [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#Ab dem 19. Jahrhundert|19. Jahrhundert]] hatte diese Bewegung ihren Zenit überschritten. Winnig kam sich 1897 in den großen Städten fehl am Platze vor. Die Industrialisierung Europas und die sich zyklisch wiederholenden Wirtschaftskrisen führten in Schüben immer mal wieder zu einem Anstieg der Massen auf den Straßen. Doch nun nahmen Arbeiter, [[wiki:liste_wanderhandwerker|Wanderarbeiter]] und Lumpenproletariat die Stelle der Gesellen ein. 1927 waren 70.000 Menschen auf den Straßen Deutschlands unterwegs, sechs Jahre später waren es bereits wieder 450.000. ((Trappmann, S. 15)) Immer spiegelte sich in den Wanderungsbewegungen die gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Unsicherheit. Die Nationalsozialisten brachten ab 1933 die [[wiki:vagabund|Vagabunden]] mit allen Mitteln von der Straße: Arbeitslager, Verhaftung, Razzien, [[wiki:muendigkeit|Entmündigung]], Psychiatrisierung und sechs Jahre Krieg beseitigten fast alle Spuren der Heimatlosen. ((Kadereit)) Auch für die „Nicht-Seßhaften“ von heute ist die Landstraße meist ohne Romantik, sondern hat eher mit dem Teufelskreis von Arbeitslosigkeit, Wohnungslosigkeit und sozialem Abstieg zu tun.\\ 
 Vereinzelt wandern Handwerksgesellen noch heute mit //Ehrbarkeit// ((Früher Rotwelsch: Halsbinde, heute Krawatte)), //Staude// ((Hemd)), //Schlapphut, Stenz// (([[wiki:stock_stab|Stock]])) und schwarzen Cordhosen. Auch wenn sie nicht mehr Teil einer gesellschaftlichen Massenbewegung sind, so erhalten sie doch die Traditionen aufrecht. Sie werden „als Exoten bestaunt in einer durchtechnisierten, profitorientierten Welt“. ((Schiemann)) Sie tragen immer noch den //Berliner// mit Rasierpinsel, Unterwäsche, Schuhputzzeug, Hammer, Lot und Wasserwaage und //scheniegeln// ((Arbeiten, von Schinagole (jidd. = Schubkarre))) bei //Krautern// ((Krauter wird der Handwerksmeister genannt, insbesondere der zunftlose auf dem freien Land)). Etwa 3000 organisierte Gesellen gab es 1985: sie dürfen keine dreißig Jahre alt sein, weder verheiratet noch vorbestraft, dürfen keine Schulden haben, sollen charakterfest im Umgang mit Alkohol sein. Sogar eine „Confédération Compagnonnages“ der europäischen Gesellenzünfte gibt es.\\  Vereinzelt wandern Handwerksgesellen noch heute mit //Ehrbarkeit// ((Früher Rotwelsch: Halsbinde, heute Krawatte)), //Staude// ((Hemd)), //Schlapphut, Stenz// (([[wiki:stock_stab|Stock]])) und schwarzen Cordhosen. Auch wenn sie nicht mehr Teil einer gesellschaftlichen Massenbewegung sind, so erhalten sie doch die Traditionen aufrecht. Sie werden „als Exoten bestaunt in einer durchtechnisierten, profitorientierten Welt“. ((Schiemann)) Sie tragen immer noch den //Berliner// mit Rasierpinsel, Unterwäsche, Schuhputzzeug, Hammer, Lot und Wasserwaage und //scheniegeln// ((Arbeiten, von Schinagole (jidd. = Schubkarre))) bei //Krautern// ((Krauter wird der Handwerksmeister genannt, insbesondere der zunftlose auf dem freien Land)). Etwa 3000 organisierte Gesellen gab es 1985: sie dürfen keine dreißig Jahre alt sein, weder verheiratet noch vorbestraft, dürfen keine Schulden haben, sollen charakterfest im Umgang mit Alkohol sein. Sogar eine „Confédération Compagnonnages“ der europäischen Gesellenzünfte gibt es.\\ 
-Und die andere Seite, die Vagabunden, Berber, Landstreicher? Ihre Zahl nimmt zu, entsprechend der Arbeitslosenquote. 1971 lebte ein Reporter eine Woche lang als Penner, schlief im Düsseldorfer Nachtasyl der Franziskaner und in der Hamburger Mönckebergstraße. Acht Tage Betteln brachten ihm 31,88 Mark ein. Und die Gespräche im Asyl hätten auch 50 Jahre früher stattfinden können. Der eine will in den Süden, nach Spanien, //wo´s warm is´.// Eine Nutte schüttet sich die Bierreste aus den Gläsern zusammen, den //Klapperschluck//. ((Klappern bedeutet im rotwelschen betteln.)) 1975 ziehen wieder zwei Reporter mit den Pennern los. Da treffen sie dann beispielsweise den Ex-Söldner, der jedes Jahr sechs- bis achtmal kreuz und quer durch Deutschland zieht, zu Fuß, per Anhalter oder mit Zug und „Bahnbenutzungsgenehmigung“ des Sozialamtes, von einer der 700 Herbergen zur nächsten. Und sie werden immer noch „abgebient“, nach Läusen untersucht. In der Celler Herberge zur Heimat will der Diakon 1,30 Mark pro Nacht und für die Flasche Bier 1,10. Gegessen wird auf Kommando: nach sieben Minuten sind Graupensuppe und Brot verschlungen. Am nächsten Tag geht es weiter, denn in den meisten Herbergen darf man nur alle sechs bis zwölf Monate übernachten. //„Die meisten von uns wollen nicht auf die Straße, sie müssen - weil sie vor sich selbst und den anderen auf der Flucht sind. Deshalb sind die meisten Berber ((Mit Berber werden seit ein, zwei Jahrzehnten die modernen Landstreicher und [[wiki:vagabund|Vagabunden]] bezeichnet. Es scheint eine Neuschöpfung des Rotwelschen zu sein.)) Einzelgänger, die keinem trauen.“// ((Holzach)) \\ +Und die andere Seite, die Vagabunden, Berber, Landstreicher? Ihre Zahl nimmt zu, entsprechend der Arbeitslosenquote. 1971 lebte ein Reporter eine Woche lang als Penner, schlief im Düsseldorfer Nachtasyl der Franziskaner und in der Hamburger Mönckebergstraße. Acht Tage Betteln brachten ihm 31,88 Mark ein. Und die Gespräche im Asyl hätten auch 50 Jahre früher stattfinden können. Der eine will in den Süden, nach Spanien, //wo´s warm is´.// Eine Nutte schüttet sich die Bierreste aus den Gläsern zusammen, den //Klapperschluck//. ((Klappern bedeutet im rotwelschen betteln.)) 1975 ziehen wieder zwei Reporter mit den Pennern los. Da treffen sie dann beispielsweise den Ex-Söldner, der jedes Jahr sechs- bis achtmal kreuz und quer durch Deutschland zieht, zu Fuß, per Anhalter oder mit Zug und „Bahnbenutzungsgenehmigung“ des Sozialamtes, von einer der 700 Herbergen zur nächsten. Und sie werden immer noch „abgebient“, nach Läusen untersucht. In der Celler Herberge zur Heimat will der Diakon 1,30 Mark pro Nacht und für die Flasche Bier 1,10. Gegessen wird auf Kommando: nach sieben Minuten sind Graupensuppe und Brot verschlungen. Am nächsten Tag geht es weiter, denn in den meisten Herbergen darf man nur alle sechs bis zwölf Monate übernachten. //„Die meisten von uns wollen nicht auf die Straße, sie müssen - weil sie vor sich selbst und den anderen auf der Flucht sind. Deshalb sind die meisten Berber ((Mit Berber werden seit ein, zwei Jahrzehnten die modernen Landstreicher und [[wiki:vagabund|Vagabunden]] bezeichnet. Es scheint eine Neuschöpfung des Rotwelschen zu sein.)) Einzelgänger, die keinem trauen.“// ((Holzach))\\ 
 Was hat sich da schon viel geändert in den letzten 100 Jahren? Selbst Entromantisierung, Zerschlagung von Strukturen und Traditionen erreichen nicht die Wurzeln und Ursachen des Unterwegsseins. Der Wandertrieb findet sich in allen Menschen und bei vielen ist er stärker als das Bedürfnis nach Sicherheit. Hieraus nährt sich eine jede Wanderbewegung. Zeiten wie der Zweite Weltkrieg mögen einige Jahre nachbeben, so daß sich die meisten Menschen angesichts ihrer Erfahrungen für die Sicherheit entscheiden. Dann setzt erneut die Zeit der Wanderer ein. Das Wiederaufflackern der Wanderbewegungen begann etwa in den fünziger Jahren. Klaus Trappmann bringt es auf den Punkt://„Als langjährige Gammler hatten wir begonnen, aus der Enge der Fünfziger Jahre auszubrechen. Die Straße wurde zum Inbegriff unserer Wut und unserer Hoffnungen. Zwischen Kerouacs „On the road“, den frühen Liedern Bob Dylans und den ersten Vietnamdemonstrationen liegen nur wenige Jahre. Rocker, Trebegänger ((Trebegänger sind im Berlinerischen Herumtreiber)), Knackis und umherschweifende Haschrebellen (( Nach 1968 bis 1970 entstand in der K I und der Wieland-Kommune in Berlin aus politisch engagierten Leuten der „Zentralrat der umherschweifenden Haschrebellen“. Von dieser Gruppe aus führt eine Entwicklungslinie zur RAF)) interessierten uns nicht so sehr als Opfer des Kapitals, sondern weil wir uns einig glaubten in der Verweigerung und in unserer Verzweiflung.“// (( Trappmann, s. Vorwort)) Was hat sich da schon viel geändert in den letzten 100 Jahren? Selbst Entromantisierung, Zerschlagung von Strukturen und Traditionen erreichen nicht die Wurzeln und Ursachen des Unterwegsseins. Der Wandertrieb findet sich in allen Menschen und bei vielen ist er stärker als das Bedürfnis nach Sicherheit. Hieraus nährt sich eine jede Wanderbewegung. Zeiten wie der Zweite Weltkrieg mögen einige Jahre nachbeben, so daß sich die meisten Menschen angesichts ihrer Erfahrungen für die Sicherheit entscheiden. Dann setzt erneut die Zeit der Wanderer ein. Das Wiederaufflackern der Wanderbewegungen begann etwa in den fünziger Jahren. Klaus Trappmann bringt es auf den Punkt://„Als langjährige Gammler hatten wir begonnen, aus der Enge der Fünfziger Jahre auszubrechen. Die Straße wurde zum Inbegriff unserer Wut und unserer Hoffnungen. Zwischen Kerouacs „On the road“, den frühen Liedern Bob Dylans und den ersten Vietnamdemonstrationen liegen nur wenige Jahre. Rocker, Trebegänger ((Trebegänger sind im Berlinerischen Herumtreiber)), Knackis und umherschweifende Haschrebellen (( Nach 1968 bis 1970 entstand in der K I und der Wieland-Kommune in Berlin aus politisch engagierten Leuten der „Zentralrat der umherschweifenden Haschrebellen“. Von dieser Gruppe aus führt eine Entwicklungslinie zur RAF)) interessierten uns nicht so sehr als Opfer des Kapitals, sondern weil wir uns einig glaubten in der Verweigerung und in unserer Verzweiflung.“// (( Trappmann, s. Vorwort))
  
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 Seine Erinnerungen an die Walz schreibt er erst nach mehr als zwanzig Jahren aus der Erinnerung auf, sein Wandertagebuch ist teils weggeworfen, teils unleserlich. Auf der Reise lernt er, daß das Maurerdasein für ihn eine wichtige Erfahrung ist, ebenso wie das Reisen, daß er jedoch in beidem keine Erfüllung finden kann. Seine Erinnerungen an die Walz schreibt er erst nach mehr als zwanzig Jahren aus der Erinnerung auf, sein Wandertagebuch ist teils weggeworfen, teils unleserlich. Auf der Reise lernt er, daß das Maurerdasein für ihn eine wichtige Erfahrung ist, ebenso wie das Reisen, daß er jedoch in beidem keine Erfüllung finden kann.
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-**//Das Buch Wanderschaft//**.\\ Hanseatische Verlagsanst. Hamburg. 1941. 329 p. 8°. OHLn. 10 Textzeichn. (65. Tsd. Ex. bis 1954). \\ +**//Das Buch Wanderschaft//**.\\ Hanseatische Verlagsanst. Hamburg. 1941. 329 p. 8°. OHLn. 10 Textzeichn. (65. Tsd. Ex. bis 1954).\\ 
 Winnig hat darüber hinaus etwa 30 weitere Bücher geschrieben, vor allem politische und religiöse Sachbücher sowie Erzählungen und Romane. Da sich keines mit dem Thema Reisen beschäftigt, wird auf die Bibliographie dieser Publikationen an dieser Stelle verzichtet.\\  Winnig hat darüber hinaus etwa 30 weitere Bücher geschrieben, vor allem politische und religiöse Sachbücher sowie Erzählungen und Romane. Da sich keines mit dem Thema Reisen beschäftigt, wird auf die Bibliographie dieser Publikationen an dieser Stelle verzichtet.\\ 
  
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 ===== Verweise ===== ===== Verweise =====
  
-siehe auch: \\ +siehe auch:\\ 
 → [[wiki:Literaturliste Fahrendes Volk|Literaturliste Fahrendes Volk]] mit den Quellen zu diesem Beitrag\\  → [[wiki:Literaturliste Fahrendes Volk|Literaturliste Fahrendes Volk]] mit den Quellen zu diesem Beitrag\\ 
 → [[wiki:literaturliste_reiseliteratur|Literaturliste zur Reiseliteratur]]\\  → [[wiki:literaturliste_reiseliteratur|Literaturliste zur Reiseliteratur]]\\ 
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