wiki:walz
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| - | Die reisenden Helden aller Zeiten sind meist tragische Gestalten: der Ritter Don Quijote, der Tramp Charlie Chaplin oder Dennis Hopper in Easy Rider. | + | Der Mensch sehnt sich nach Reisen – und nach Sicherheit. Reisende aus Berufung verzichten jedoch auf das soziale Netz. Warum vergeuden sie scheinbar unnütz ihre Zeit und verehren die Helden von Karl May, Jack London oder B. Traven? |
| - | Der Mensch sehnt sich nach Reisen – und nach Sicherheit. Reisende aus Berufung verzichten jedoch auf das soziale Netz. Warum vergeuden sie scheinbar unnütz ihre Zeit und verehren die Helden von Karl May, Jack London oder B. Traven? | + | |
| - | Kein Museum setzt diesen Rittern der Landstraße ein Denkmal, seit das *[[wiki: | + | Kein Museum setzt diesen Rittern der Landstraße ein Denkmal, seit das [[wiki: |
| ===== Fahrendes Volk ===== | ===== Fahrendes Volk ===== | ||
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| Um 1900 sind auf den Straßen Deutschlands viele Menschen zu Fuß unterwegs, aus Not, durch Zwang, mehr oder weniger freiwillig: Randgruppen mit ähnlichen Nöten und eigenen Gesetzmäßigkeiten. Insbesondere drei große Gruppen lassen sich erkennen, wenn auch nicht immer unterscheiden: | Um 1900 sind auf den Straßen Deutschlands viele Menschen zu Fuß unterwegs, aus Not, durch Zwang, mehr oder weniger freiwillig: Randgruppen mit ähnlichen Nöten und eigenen Gesetzmäßigkeiten. Insbesondere drei große Gruppen lassen sich erkennen, wenn auch nicht immer unterscheiden: | ||
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| Wie reiste das fahrende Volk? Was waren ihre Techniken des [[wiki: | Wie reiste das fahrende Volk? Was waren ihre Techniken des [[wiki: | ||
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| ===== 2 Meister, gebt mir die Papiere ===== | ===== 2 Meister, gebt mir die Papiere ===== | ||
| Was bewog junge Burschen nach der Lehre dazu, Monate und Jahre auf die Walz zu gehen, die Sicherheit von Heimat, Beruf, Elternhaus aufzugeben zugunsten Hunger und Not, einer ungewissen Zukunft, ausgeliefert dem Wetter und der Willkür fremder Menschen? Die Antwort ist vielschichtig: | Was bewog junge Burschen nach der Lehre dazu, Monate und Jahre auf die Walz zu gehen, die Sicherheit von Heimat, Beruf, Elternhaus aufzugeben zugunsten Hunger und Not, einer ungewissen Zukunft, ausgeliefert dem Wetter und der Willkür fremder Menschen? Die Antwort ist vielschichtig: | ||
| - | //„Schon in der frühesten Jugendzeit war mein [Heinrichs] sehnlichster Wunsch, zu reisen. Nicht per Bahn oder per Schiff, nein, auf Schusters Rappen wollte ich die Welt durchwandern. Durch meiner Hände Arbeit wollte ich mir mein Brot verdienen. Abwechselnd arbeiten und weiterziehen war mein Vorhaben. Darum erlernte ich auch das Handwerk, das mir, obgleich meinen Wünschen nicht ganz entsprechend, | + | //„Schon in der frühesten Jugendzeit war mein [Heinrichs] sehnlichster Wunsch, zu reisen. Nicht per Bahn oder per Schiff, nein, auf Schusters Rappen wollte ich die Welt durchwandern. Durch meiner Hände Arbeit wollte ich mir mein Brot verdienen. Abwechselnd arbeiten und weiterziehen war mein Vorhaben. Darum erlernte ich auch das Handwerk, das mir, obgleich meinen Wünschen nicht ganz entsprechend, |
| - | Seine Vorstellung einer Walz entspringt alten Zeiten: //„Den derben [[wiki:stab|Knotenstock]] in der Hand und das Ränzel auf dem Rücken, wurde die Welt durchkreuzt. Frohgemut ging es von Stadt zu Stadt, von Ort zu Ort; bald allein, bald in Gesellschaft von mehreren lustigen Brüdern.“// | + | Seine Vorstellung einer Walz entspringt alten Zeiten: //„Den derben [[wiki:stock_stab|Knotenstock]] in der Hand und das Ränzel auf dem Rücken, wurde die Welt durchkreuzt. Frohgemut ging es von Stadt zu Stadt, von Ort zu Ort; bald allein, bald in Gesellschaft von mehreren lustigen Brüdern.“// |
| Dieses Ideal ist nicht durch praktische Erfahrungen getrübt und Heinrichs kennt nur drei Dinge, die es stören: | Dieses Ideal ist nicht durch praktische Erfahrungen getrübt und Heinrichs kennt nur drei Dinge, die es stören: | ||
| * die moderne Technik: // | * die moderne Technik: // | ||
| * die moderne Einstellung zum Leben: //„Nur Geld erwerben und wiederum erwerben ist sein steter Gedanke, unbekümmert um das, was über die Heimatscholle hinausreicht.“// | * die moderne Einstellung zum Leben: //„Nur Geld erwerben und wiederum erwerben ist sein steter Gedanke, unbekümmert um das, was über die Heimatscholle hinausreicht.“// | ||
| - | * die [[wiki: | + | * die [[wiki: |
| Fachliche Fortbildung spielt keine Rolle - im Verlauf der Reise gibt es nur drei Situationen, | Fachliche Fortbildung spielt keine Rolle - im Verlauf der Reise gibt es nur drei Situationen, | ||
| - | Alfred Pfarre kann auf Erfahrungen aus dem Wandervogel-Milieu zurückblicken. Er will seiner Kündigung zuvorkommen, | + | Alfred Pfarre kann auf Erfahrungen aus dem Wandervogel-Milieu zurückblicken. Er will seiner Kündigung zuvorkommen, |
| - | Als Schroeder seine Ausbildung zum Installateurgesellen bei den städtischen Gas- und Wasserwerken abgeschlossen hat, liest er am schwarzen Brett:// „Den Installateurgesellen, | + | Als Schroeder seine Ausbildung zum Installateurgesellen bei den städtischen Gas- und Wasserwerken abgeschlossen hat, liest er am schwarzen Brett:// |
| Schroeder berichtet von zweien seit zwei Jahren wandernden Zimmerern. | Schroeder berichtet von zweien seit zwei Jahren wandernden Zimmerern. | ||
| > „`Noch ein Jahr´, sagt der mit dem steifen Hut, `dann geht´s nach Hause.´ | > „`Noch ein Jahr´, sagt der mit dem steifen Hut, `dann geht´s nach Hause.´ | ||
| >`Dann sind unsere Fremdenjahre um`, ergänzt der andere. | >`Dann sind unsere Fremdenjahre um`, ergänzt der andere. | ||
| > `Werden euch denn drei Fremdenjahre vorgeschrieben? | > `Werden euch denn drei Fremdenjahre vorgeschrieben? | ||
| - | >`Wir müssen sie nachweisen, und nicht nur Walzjahre, sondern drei volle Arbeitsjahre. Ohne diesen Nachweis können wir keine Meisterprüfung machen ...´“ ((Schroeder, | + | >`Wir müssen sie nachweisen, und nicht nur Walzjahre, sondern drei volle Arbeitsjahre. Ohne diesen Nachweis können wir keine Meisterprüfung machen ...´“ ((Schroeder, |
| - | Winnig fühlt sich unreif: //„Es war mein Kummer, daß ich so oft in die Weise der Kindheit zurückfiel und Erlebnisse ersann, wie ich sie mir wünschte, denn ich sagte mir, daß man dem Leben seinen ganzen Ernst schuldig ist.“// ((Winnig, S. 124)) Er weiß das und will auf der Walz an Reife gewinnen: //„ein Gefühl, daß ich in den sechs Monaten meiner Wanderschaft doch nicht nur älter geworden sei, sondern ebenso irgendwie innerlich gewonnen hätte, gewonnen an Besitz und an Kräften, die mit Erfahrung und Reife wohl angedeutet, aber noch nicht erfaßt sind. Es war wohl ein Wachsen, und nun mußte ich, um weiter zu wachsen, weiter wandern und das Leben hinnehmen, wie es war und wie es zu mir kam ...“// ((Winnig, S. 125)) Man kann lange wandern und dennoch kein Wanderer sein - nach einem Jahr auf der Landstraße stellt Winnig fest:// „In Köln merkte ich zum erstenmal, wie wenig ich zum Leben unter fremden Menschen taugte. Bis zu dieser Zeit war es mir nie aufgegangen, | + | Winnig fühlt sich unreif: //„Es war mein Kummer, daß ich so oft in die Weise der Kindheit zurückfiel und Erlebnisse ersann, wie ich sie mir wünschte, denn ich sagte mir, daß man dem Leben seinen ganzen Ernst schuldig ist.“// ((Winnig, S. 124)) Er weiß das und will auf der Walz an Reife gewinnen: //„ein Gefühl, daß ich in den sechs Monaten meiner Wanderschaft doch nicht nur älter geworden sei, sondern ebenso irgendwie innerlich gewonnen hätte, gewonnen an Besitz und an Kräften, die mit Erfahrung und Reife wohl angedeutet, aber noch nicht erfaßt sind. Es war wohl ein Wachsen, und nun mußte ich, um weiter zu wachsen, weiter wandern und das Leben hinnehmen, wie es war und wie es zu mir kam ...“// ((Winnig, S. 125)) Man kann lange wandern und dennoch kein Wanderer sein - nach einem Jahr auf der Landstraße stellt Winnig fest:// |
| - | Winnig sinnierte über den Sinn des Wanderns und unterschied zwischen dem Sinn für sich selbst und dem Sinn für die Gesellschaft durch //„den Austausch handwerklicher Erfahrungen, | + | Winnig sinnierte über den Sinn des Wanderns und unterschied zwischen dem Sinn für sich selbst und dem Sinn für die Gesellschaft durch //„den Austausch handwerklicher Erfahrungen, |
| - | Zettler sinniert:// „Denn wie soll ein junger Mann Erfahrungen und [[wiki: | + | Zettler sinniert:// |
| - | Hasemann erlebt eine geschützte, | + | Hasemann erlebt eine geschützte, |
| - | Doch es bedarf mehr, einen Gesellen zur Wanderschaft zu bewegen: persönliche [[wiki: | + | Doch es bedarf mehr, einen Gesellen zur Wanderschaft zu bewegen: persönliche [[wiki: |
| ==== Die Walz als Ritus und Prüfung ==== | ==== Die Walz als Ritus und Prüfung ==== | ||
| Gemeinsam scheint den Handwerksburschen, | Gemeinsam scheint den Handwerksburschen, | ||
| Die Walz ist auch Prüfstein für die Persönlichkeit: | Die Walz ist auch Prüfstein für die Persönlichkeit: | ||
| - | Für jeden bringt die Reise einen persönlichen Fortschritt, | + | Für jeden bringt die Reise einen persönlichen Fortschritt, |
| ==== Felleisen und Berliner | ==== Felleisen und Berliner | ||
| - | Unsere Handwerksburschen sind alle Neulinge auf dem Reisesektor, | + | Unsere Handwerksburschen sind alle Neulinge auf dem Reisesektor, |
| - | Winnig gräbt auf dem Speicher den Ranzen seines Großvaters und dessen [[wiki:stab|Eichenstock]] aus: //„Die Zeit schrieb damals einen Schnürbeutel aus schwarzem Wachstuch mit schwarzgrünen Traggurten vor, welches Behältnis in der Sprache der reisenden Burschen Berliner hieß, und auf solchen Berliner war mein Sinn gerichtet, nur war dergleichen in unserer kleinen Stadt nicht zu beschaffen.“// | + | Winnig gräbt auf dem Speicher den Ranzen seines Großvaters und dessen [[wiki:stock_stab|Eichenstock]] aus: //„Die Zeit schrieb damals einen Schnürbeutel aus schwarzem Wachstuch mit schwarzgrünen Traggurten vor, welches Behältnis in der Sprache der reisenden Burschen Berliner hieß, und auf solchen Berliner war mein Sinn gerichtet, nur war dergleichen in unserer kleinen Stadt nicht zu beschaffen.“// |
| - | Wie auch heute, ist die [[wiki: | + | Wie auch heute, ist die [[wiki: |
| - | Alfred Pfarre zieht los mit einer nagelneuen Ausrüstung: | + | Alfred Pfarre zieht los mit einer nagelneuen Ausrüstung: |
| Winnig trägt sein Handwerkszeug mit sich: Kelle, Hammer, Lotwaage. Dies dient als Kennzeichen der Wanderschaft, | Winnig trägt sein Handwerkszeug mit sich: Kelle, Hammer, Lotwaage. Dies dient als Kennzeichen der Wanderschaft, | ||
| - | Winnig wandert im Winter nur mit Jacke und Hemd. Unterwäsche gibt es nicht, selbst ein Halstuch hat er nicht. //„Heikel war die Versorgung mit sauberer Wäsche. Im Sommer wusch man das zweite Hemd in einem Bach, hängte es auf einen Busch zum Trocknen und legte sich daneben. Das war im Winter nicht möglich, und die Herbergen hatten noch keine Einrichtungen, | + | Winnig wandert im Winter nur mit Jacke und Hemd. Unterwäsche gibt es nicht, selbst ein Halstuch hat er nicht. //„Heikel war die Versorgung mit sauberer Wäsche. Im Sommer wusch man das zweite Hemd in einem Bach, hängte es auf einen Busch zum Trocknen und legte sich daneben. Das war im Winter nicht möglich, und die Herbergen hatten noch keine Einrichtungen, |
| ==== Die Penunse ==== | ==== Die Penunse ==== | ||
| - | Natürlich spielt das Geld, die Penunse ((das Wort kommt vermutlich aus dem Sorbischen pjenjezy oder dem polnischen penadz, wurde später auch zu Peseten verballhornt)) eine große Rolle. Keiner von den Gesellen zieht ohne Geld los, doch bei allen ist früher oder später der Geldbeutel leer. Dann gab es sehr verschiedene Strategien, sich Geld zu verschaffen. Am einfachsten machte es sich Alfred Pfarre: er fand keine Arbeit, mochte nicht betteln, also ließ er sich Geld von den Eltern schicken (in 8 Monaten 300 Mark), das allerdings nicht reichte. //„Über zwei Wochen ohne Geld, zwei Wochen Kampf um Brot und Bett, zwei lange, lange Wochen. Am zweiten Tag begann die Sorge, am dritten schon die Not.“// ((Pfarre, S. 176)) Und bald darauf:// „Nun kamen zwei Wochen ohne Geld. Von trockenen Brotknüsten allein konnte ich nicht leben, ich brauchte Geld zum Schlafen, jeden Tag acht Soldi ((Eine Lira ist einen Franc oder 80 Pfennige wert. Die Lira hat 100 Centesimi, fünf Centesimi sind ein Soldo. s. „Land u. Leute in Italien“)). Und auch an den Tagen wo der Brotknust fehlte, Geld zum Schlafen hatte ich auch da erhalten, wenn nicht um acht Uhr, dann um Mitternacht.“// | + | Natürlich spielt das Geld, die Penunse ((das Wort kommt vermutlich aus dem Sorbischen pjenjezy oder dem polnischen penadz, wurde später auch zu Peseten verballhornt)) eine große Rolle. Keiner von den Gesellen zieht ohne Geld los, doch bei allen ist früher oder später der Geldbeutel leer. Dann gab es sehr verschiedene Strategien, sich Geld zu verschaffen. Am einfachsten machte es sich Alfred Pfarre: er fand keine Arbeit, mochte nicht betteln, also ließ er sich Geld von den Eltern schicken (in 8 Monaten 300 Mark), das allerdings nicht reichte. //„Über zwei Wochen ohne Geld, zwei Wochen Kampf um Brot und Bett, zwei lange, lange Wochen. Am zweiten Tag begann die Sorge, am dritten schon die Not.“// ((Pfarre, S. 176)) Und bald darauf:// |
| Dann gab es kleine Hilfen von [[wiki: | Dann gab es kleine Hilfen von [[wiki: | ||
| Winnig arbeitet in den neunziger Jahren und erhält einmal einen Wochenlohn von 11 Mark, was ihm wenig erscheint, er staunt aber über einen Wochenlohn von 60 Mark, das sei das gleiche, was sein Vater im Monat verdiene. Umgerechnet bedeutet das einen Stundenverdienst von 22 bis 45 Pfennige bei einer 48-Stunden-Woche. ((Winnig, S. 22)) Ein Kunde erzählt ihm, wie er sich drei Monate in Genua über Wasser gehalten hat: //„Du darfst nicht warten, bis dir einer Arbeit gibt, du mußt einfach zufassen, wo du etwas siehst; wenn sie dich nicht wegjagen, bezahlen sie dich auch; das ist so Sitte.“// ((Winnig, S. 137)) Winnig verdient immer genug, um davon leben zu können, er kalkuliert eine Mark täglich für Unterkunft und Essen: Abendessen, Nachtlager und Morgenkaffee für siebzig Pfennig, Brot und Zukost, Obst und Wurst für täglich zwanzig Pfennige, ein viertel Liter Bier kostet sechs, ein Branntwein drei Pfennige. ((Winnig, S. 169)) Einmal gerät er in Bedrängnis: | Winnig arbeitet in den neunziger Jahren und erhält einmal einen Wochenlohn von 11 Mark, was ihm wenig erscheint, er staunt aber über einen Wochenlohn von 60 Mark, das sei das gleiche, was sein Vater im Monat verdiene. Umgerechnet bedeutet das einen Stundenverdienst von 22 bis 45 Pfennige bei einer 48-Stunden-Woche. ((Winnig, S. 22)) Ein Kunde erzählt ihm, wie er sich drei Monate in Genua über Wasser gehalten hat: //„Du darfst nicht warten, bis dir einer Arbeit gibt, du mußt einfach zufassen, wo du etwas siehst; wenn sie dich nicht wegjagen, bezahlen sie dich auch; das ist so Sitte.“// ((Winnig, S. 137)) Winnig verdient immer genug, um davon leben zu können, er kalkuliert eine Mark täglich für Unterkunft und Essen: Abendessen, Nachtlager und Morgenkaffee für siebzig Pfennig, Brot und Zukost, Obst und Wurst für täglich zwanzig Pfennige, ein viertel Liter Bier kostet sechs, ein Branntwein drei Pfennige. ((Winnig, S. 169)) Einmal gerät er in Bedrängnis: | ||
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| ==== Hanf mit Unvernunft oder Lechum und Beza==== | ==== Hanf mit Unvernunft oder Lechum und Beza==== | ||
| - | Geld ist nur Mittel zum Zweck, und der heißt meist „essen“, | + | Geld ist nur Mittel zum Zweck, und der heißt meist „essen“, |
| - | Schroeder berichtet ähnliches: Er erhält in einem Dorf von einem Metzger eine Suppe vorgesetzt, nachdem er an dessen Türe betttelte:// | + | Schroeder berichtet ähnliches: Er erhält in einem Dorf von einem Metzger eine Suppe vorgesetzt, nachdem er an dessen Türe betttelte:// |
| ==== Die Kundenpennen ==== | ==== Die Kundenpennen ==== | ||
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| Die größten Ausgaben entstanden für die Unterkunft, die Penne ((Die Penne kann sowohl eine Schlafstelle als auch eine Herberge, ein Gasthaus, ein Nachtquartier bezeichnen. Ein anderer Name dafür ist `Nest´.)). Schroeder findet sein Unterkommen einmal in Solingen bei der Heilsarmee, eine Goldmark kostet die Übernachtung, | Die größten Ausgaben entstanden für die Unterkunft, die Penne ((Die Penne kann sowohl eine Schlafstelle als auch eine Herberge, ein Gasthaus, ein Nachtquartier bezeichnen. Ein anderer Name dafür ist `Nest´.)). Schroeder findet sein Unterkommen einmal in Solingen bei der Heilsarmee, eine Goldmark kostet die Übernachtung, | ||
| Andere Übernachtungsstellen findet er bei Mutter Grün ((Im Freien übernachten hieß „bei Mutter Grün“ oder „bei der grünen Bettfrau“, | Andere Übernachtungsstellen findet er bei Mutter Grün ((Im Freien übernachten hieß „bei Mutter Grün“ oder „bei der grünen Bettfrau“, | ||
| - | Winnig erzählt von einer Zunftherberge, | + | Winnig erzählt von einer Zunftherberge, |
| - | Deutlich wird aber, daß solche Herbergen die Ausnahme waren. Roltsch erzählt:// „Wohl traf ich auf meiner Wanderung ganz gute Obdachlosenasyle, | + | Deutlich wird aber, daß solche Herbergen die Ausnahme waren. Roltsch erzählt:// |
| Eine wichtige Rolle spielen für Heinrichs die Unterkünfte des katholischen Gesellenvereins: | Eine wichtige Rolle spielen für Heinrichs die Unterkünfte des katholischen Gesellenvereins: | ||
| - | In Städten bleibt lediglich das Asyl. Nur wer weniger als eine Mark fünfzig hat (Pfarre), darf dort übernachten. Und Geld läßt sich nicht verbergen: Sämtlicher Besitz mitsamt [[wiki: | + | In Städten bleibt lediglich das Asyl. Nur wer weniger als eine Mark fünfzig hat (Pfarre), darf dort übernachten. Und Geld läßt sich nicht verbergen: Sämtlicher Besitz mitsamt [[wiki: |
| [[wiki: | [[wiki: | ||
| Doch auch in größeren Dörfern gibt es ein Asyl: //„Das war ein elendes Gebäude, ohne Decke, ohne Zimmer, kahl im Innern bis zum Dachgiebel. Mit rohem Bretterverschlag brannte im Kamin ein qualmendes Feuer von nassem Reisig. ... Man brachte uns Wasser aus alten Konservendosen zu trinken. Vorne, gegenüber dem Eingang, lagen auf niedrigem Gestell zwei schmutzige Strohsäcke, | Doch auch in größeren Dörfern gibt es ein Asyl: //„Das war ein elendes Gebäude, ohne Decke, ohne Zimmer, kahl im Innern bis zum Dachgiebel. Mit rohem Bretterverschlag brannte im Kamin ein qualmendes Feuer von nassem Reisig. ... Man brachte uns Wasser aus alten Konservendosen zu trinken. Vorne, gegenüber dem Eingang, lagen auf niedrigem Gestell zwei schmutzige Strohsäcke, | ||
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| ==== In Trittlingen unterwegs ==== | ==== In Trittlingen unterwegs ==== | ||
| - | Die Fußreise war ein Privileg der Unterschichten, | + | Die Fußreise war ein Privileg der Unterschichten, |
| - | Ein alter Kunde erklärt Winnig in einer Bremerhavener Herberge, wie man nach Jerusalem gelangt: //„In Genua mußt du zum Hafen gehen und ausmachen, ob ein Schiff nach Alexandria fährt. ... Dann gehst du abends spät die Hafentreppe hinunter, springst leise ins Wasser und schwimmst nach dem Schiff. Du mußt dir das Schiff aber vorher angesehen haben und wissen, wo das Fallreep ist, denn am Fallreep mußt du in die Höhe klettern. Und oben mußt du dich verstecken. Dann mußt du warten, bis das Schiff auf hoher See ist. Das kann lange dauern, aber du mußt es aushalten, du darfst dich nicht eher blicken lassen. Wenn sie dich sehen, solange noch Land in der Nähe ist, geben sie ein Signal, und dann kommt ein Polizeiboot und holt dich weg. Wenn du aber aushältst, kommst du ohne Geld hinüber; sie geben dir ein paar Maulschellen, | + | Ein alter Kunde erklärt Winnig in einer Bremerhavener Herberge, wie man nach Jerusalem gelangt: //„In Genua mußt du zum Hafen gehen und ausmachen, ob ein Schiff nach Alexandria fährt. ... Dann gehst du abends spät die Hafentreppe hinunter, springst leise ins Wasser und schwimmst nach dem Schiff. Du mußt dir das Schiff aber vorher angesehen haben und wissen, wo das Fallreep ist, denn am Fallreep mußt du in die Höhe klettern. Und oben mußt du dich verstecken. Dann mußt du warten, bis das Schiff auf hoher See ist. Das kann lange dauern, aber du mußt es aushalten, du darfst dich nicht eher blicken lassen. Wenn sie dich sehen, solange noch Land in der Nähe ist, geben sie ein Signal, und dann kommt ein Polizeiboot und holt dich weg. Wenn du aber aushältst, kommst du ohne Geld hinüber; sie geben dir ein paar Maulschellen, |
| Drei Monate hatte jener Kunde auf ein passendes Schiff gewartet. Hasemann geht direkter vor: //„Eine Stunde vor Abfahrt an Bord, hatte mir mal ein Kunde gesagt, dann in den Kohlenkasten oder Segelkajüte, | Drei Monate hatte jener Kunde auf ein passendes Schiff gewartet. Hasemann geht direkter vor: //„Eine Stunde vor Abfahrt an Bord, hatte mir mal ein Kunde gesagt, dann in den Kohlenkasten oder Segelkajüte, | ||
| - | Interessant ist, daß gerade zu Beginn der Wanderschaft erst einmal ein schnelles Beförderungsmittel benutzt wird, z.B. der Zug. Vielleicht hat Schroeder das gemeint, als er sagte: //„Wenn man auf Wanderschaft geht, muß man für sein ganzes Geld eine Fahrkarte kaufen und losfahren, dann kann man nicht mehr zurück, und ob man will oder nicht, man muß sich durchschlagen.“// | + | Interessant ist, daß gerade zu Beginn der Wanderschaft erst einmal ein schnelles Beförderungsmittel benutzt wird, z.B. der Zug. Vielleicht hat Schroeder das gemeint, als er sagte: //„Wenn man auf Wanderschaft geht, muß man für sein ganzes Geld eine Fahrkarte kaufen und losfahren, dann kann man nicht mehr zurück, und ob man will oder nicht, man muß sich durchschlagen.“// |
| ==== Kundenschall ==== | ==== Kundenschall ==== | ||
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| ==== Reisegebiete und -ziele ==== | ==== Reisegebiete und -ziele ==== | ||
| - | Gern zogen die Handwerksburschen im [[wiki:reisegenerationen#Ab dem 19. Jahrhundert|19. Jahrhundert]] nach Frankreich, Italien, Österreich. Es gab dort weniger Grenzen als in den Fürstentümern Deutschlands.// | + | Gern zogen die Handwerksburschen im [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#Ab dem 19. Jahrhundert|19. Jahrhundert]] nach Frankreich, Italien, Österreich. Es gab dort weniger Grenzen als in den Fürstentümern Deutschlands.// |
| - | Ab 1839 reisten die Gesellen auch vermehrt in den nahen Osten. ((Der türkische Sultan Mahmud II. und sein Nachfolger öffneten ab 1839 die Grenzen vermehrt dem Westen.)) Dabei stand sicher nicht die handwerkliche Fortbildung in Palästina im Vordergrund, | + | Ab 1839 reisten die Gesellen auch vermehrt in den nahen Osten. ((Der türkische Sultan Mahmud II. und sein Nachfolger öffneten ab 1839 die Grenzen vermehrt dem Westen.)) Dabei stand sicher nicht die handwerkliche Fortbildung in Palästina im Vordergrund, |
| - | Die Mehrzahl der Wanderer jedoch blieb in Deutschland, | + | Die Mehrzahl der Wanderer jedoch blieb in Deutschland, |
| Da das fahrende Volk auch weit hinter den Grenzen oft kontrolliert wurde, fiel man früher oder später auf, wenn man ohne Paß im Ausland war. Heinrichs schildert einen solchen Fall: //„Kaum eine Stunde waren wir von Deutschlands Grenzen entfernt. ... Plötzlich standen ... zwei dieser gefürchteten Beamten vor uns. Wieder hieß es kurz: `Papier vorzeigen.´ Wiederum konnte ich ungefährdet weiterziehen, | Da das fahrende Volk auch weit hinter den Grenzen oft kontrolliert wurde, fiel man früher oder später auf, wenn man ohne Paß im Ausland war. Heinrichs schildert einen solchen Fall: //„Kaum eine Stunde waren wir von Deutschlands Grenzen entfernt. ... Plötzlich standen ... zwei dieser gefürchteten Beamten vor uns. Wieder hieß es kurz: `Papier vorzeigen.´ Wiederum konnte ich ungefährdet weiterziehen, | ||
| - | Schroeder trifft häufig Kunden, an bestimmten Orten tummeln sie sich, beispielsweise in Lindau. Ihre Reiseziele sind Hamburg, Pommern, Wien. Weit- und Fernreisende waren damals die Ausnahme, doch es gab sie. Er trifft zwei, die durch den [[wiki:staunen_fremdheit_neues_neugier#Dort fängt der Balkan an|Balkan]] in die Türkei wollen: //„Diese [[wiki: | + | Schroeder trifft häufig Kunden, an bestimmten Orten tummeln sie sich, beispielsweise in Lindau. Ihre Reiseziele sind Hamburg, Pommern, Wien. Weit- und Fernreisende waren damals die Ausnahme, doch es gab sie. Er trifft zwei, die durch den [[wiki:fremdem_begegnen#Dort fängt der Balkan an|Balkan]] in die Türkei wollen: //„Diese [[wiki: |
| Winnig trifft in Bremerhaven einen alten Kunden, der ihm von seinen Reisen durch Dänemark, Holland, Frankreich, Schweiz, Österreich, | Winnig trifft in Bremerhaven einen alten Kunden, der ihm von seinen Reisen durch Dänemark, Holland, Frankreich, Schweiz, Österreich, | ||
| Tippelnde Deutsche waren bereits in den zwanziger Jahren keine Seltenheit mehr auf dem Weg nach Indien. Faber wendet sich in Istanbul auskunftssuchend an einen Bahnbeamten: | Tippelnde Deutsche waren bereits in den zwanziger Jahren keine Seltenheit mehr auf dem Weg nach Indien. Faber wendet sich in Istanbul auskunftssuchend an einen Bahnbeamten: | ||
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| ==== Informationen ==== | ==== Informationen ==== | ||
| - | Pfarre zitiert den Baedeker, den Gsell Fels ((Meyers Reisebücher: | + | Pfarre zitiert den Baedeker, den Gsell Fels ((Meyers Reisebücher: |
| - | Die wichtigsten Informationen gibt es auf der Straße, in den Asylen und sonstigen Treffpunkten der Kunden. Auch die einzelnen Berufsgruppen haben ihre Anlaufstellen, | + | Die wichtigsten Informationen gibt es auf der Straße, in den Asylen und sonstigen Treffpunkten der Kunden. Auch die einzelnen Berufsgruppen haben ihre Anlaufstellen, |
| Pfarre will auf seiner Wanderung nach Italien Italienisch lernen und schimpft über seinen Sprachführer: | Pfarre will auf seiner Wanderung nach Italien Italienisch lernen und schimpft über seinen Sprachführer: | ||
| Nur Winnig reist mit einer Landkarte, alle anderen gehen der Nase nach, [[wiki: | Nur Winnig reist mit einer Landkarte, alle anderen gehen der Nase nach, [[wiki: | ||
| ==== Tippelfreunde ==== | ==== Tippelfreunde ==== | ||
| - | Ein Wunder ist es nicht, auf andere Reisende zu treffen. 1924 haben angeblich 700.000 Reisende Italien besucht, darunter 69.000 Deutsche. Um 1900 sind in Rom etwa 1.000 Deutsche ansässig, weitere 2.000 halten sich dort zu Studienzwecken auf, mehrere tausend besuchen die Stadt als Touristen oder Pilger. ((Der Rompilger, S. 49)) \\ | + | Ein Wunder ist es nicht, auf andere Reisende zu treffen. 1924 haben angeblich 700.000 Reisende Italien besucht, darunter 69.000 Deutsche. Um 1900 sind in Rom etwa 1.000 Deutsche ansässig, weitere 2.000 halten sich dort zu Studienzwecken auf, mehrere tausend besuchen die Stadt als Touristen oder Pilger. ((Der Rompilger, S. 49))\\ |
| - | Alfred Pfarre ist es ein besonderes Bedürfnis, in Gesellschaft zu sein und kaum einmal reist er alleine. Auch in Italien trifft er immer wieder auf Gesellen, Kunden, [[wiki: | + | Alfred Pfarre ist es ein besonderes Bedürfnis, in Gesellschaft zu sein und kaum einmal reist er alleine. Auch in Italien trifft er immer wieder auf Gesellen, Kunden, [[wiki: |
| - | Der Kontakt zu anderen war so ausgeprägt, | + | Der Kontakt zu anderen war so ausgeprägt, |
| Gemeinsam wurde die Zeit kürzer, man konnte sich unterhalten, | Gemeinsam wurde die Zeit kürzer, man konnte sich unterhalten, | ||
| //„Die wandernden Schleifer hatten damals einen Brauch, den sie als Geheimnis behandelten: | //„Die wandernden Schleifer hatten damals einen Brauch, den sie als Geheimnis behandelten: | ||
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| ==== Vom Gesellen zum Vagabunden ==== | ==== Vom Gesellen zum Vagabunden ==== | ||
| Pfarre geht mit Hamburger Wandervogel-Freunden auf eine vierwöchige Ferienfahrt durch die Rhön und den Thüringer Wald, dann sagt er sich: „Ihr habt eine Ferienfahrt gemacht als sorglose Wandervögel, | Pfarre geht mit Hamburger Wandervogel-Freunden auf eine vierwöchige Ferienfahrt durch die Rhön und den Thüringer Wald, dann sagt er sich: „Ihr habt eine Ferienfahrt gemacht als sorglose Wandervögel, | ||
| - | Aufenthaltsstempel in Herbergen, Asylen, Arbeitsnachweise oder der Stempel: // | + | Aufenthaltsstempel in Herbergen, Asylen, Arbeitsnachweise oder der Stempel: // |
| - | Winnig schafft es tatsächlich, | + | Winnig schafft es tatsächlich, |
| Winnig ist Handwerker, sucht aber seine Identität stärker im Dichterdasein. Als er einmal einen Aristokraten kennenlernt, | Winnig ist Handwerker, sucht aber seine Identität stärker im Dichterdasein. Als er einmal einen Aristokraten kennenlernt, | ||
| - | Pfarre und Schroeder dagegen finden kaum Arbeit und merken schnell, wie leicht man ins Vagabundenmilieu abrutschen kann:// „Und es ist so leicht, auf die Landstraße zu gehen. Man tritt aus seiner Wohnung und wandert. Aber wie kommt man von der Landstraße wieder ab? wenn man keine Arbeit findet, wenn man kein Zuhause mehr hat? Die Eltern haben, sind glücklich; die keine haben, abgebrannt sind und sich in keiner Stadt festsetzen können, - die werden Speckjäger. ... Jeder hier hat etwas Rauhes und Hartes an sich, doch keinem ist der Grimm angeboren; alles ist aufgelegt, aufgesetzt, von der Landstraße, | + | Pfarre und Schroeder dagegen finden kaum Arbeit und merken schnell, wie leicht man ins Vagabundenmilieu abrutschen kann:// |
| - | Auch für ungelernte Saisonarbeiter ist nur geringer Bedarf und die wenigen guten Stellen sind schnell fort. Obwohl das Arbeitsamt voller Arbeitssuchender ist, meldet sich niemand auf die ausgeschriebenen Stellen als Hopfenzupfer - das ist einfach zu schrecklich! Arbeit und Geld waren knapp und wurden immer knapper. Die Mechanisierung und Industrialisierung im [[wiki:reisegenerationen#Ab dem 19. Jahrhundert|19. Jahrhundert]] führte zu Arbeitsverlust. Handwerksburschen durchstreifen mit Saisonarbeitern, | + | Auch für ungelernte Saisonarbeiter ist nur geringer Bedarf und die wenigen guten Stellen sind schnell fort. Obwohl das Arbeitsamt voller Arbeitssuchender ist, meldet sich niemand auf die ausgeschriebenen Stellen als Hopfenzupfer - das ist einfach zu schrecklich! Arbeit und Geld waren knapp und wurden immer knapper. Die Mechanisierung und Industrialisierung im [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#Ab dem 19. Jahrhundert|19. Jahrhundert]] führte zu Arbeitsverlust. Handwerksburschen durchstreifen mit Saisonarbeitern, |
| - | Daß für die Gesellschaft Wandern nicht gleich Wandern ist, erkennt Hasemann schnell:// „Ist es doch Modesache jetzt, die Wandervögelei. Man hilft ihnen, obgleich sie nur bis Fürstenwalde laufen mit vielerlei Kochtöpfen, | + | Daß für die Gesellschaft Wandern nicht gleich Wandern ist, erkennt Hasemann schnell:// |
| ===== 4 Zwischen Tippelschickse und Kalle ===== | ===== 4 Zwischen Tippelschickse und Kalle ===== | ||
| Die Beziehung zu [[wiki: | Die Beziehung zu [[wiki: | ||
| Bei allen zeigt sich das Bedürfnis nach Nähe und Zärtlichkeit, | Bei allen zeigt sich das Bedürfnis nach Nähe und Zärtlichkeit, | ||
| - | Frauen waren nur selten unterwegs. Pfarre erwähnt eine Helene Weil, die als Kalle ((Kalle ist die Braut, Freundin, Geliebte ...und wird aus dem jidischen kal=leichtfertig abgeleitet)) einen Malerkunden begleitet. Der Maler hatte sie in der Breslauer Herberge zur Heimat kennengelernt, | + | Frauen waren nur selten unterwegs. Pfarre erwähnt eine Helene Weil, die als Kalle ((Kalle ist die Braut, Freundin, Geliebte ...und wird aus dem jidischen kal=leichtfertig abgeleitet)) einen Malerkunden begleitet. Der Maler hatte sie in der Breslauer Herberge zur Heimat kennengelernt, |
| Auch Schroeder und Winnig erwähnen hier und da eine [[wiki: | Auch Schroeder und Winnig erwähnen hier und da eine [[wiki: | ||
| Faber hört im Iran von einem „Pärchen deutscher Wandervögel, | Faber hört im Iran von einem „Pärchen deutscher Wandervögel, | ||
| Das Wort „Schickse“, | Das Wort „Schickse“, | ||
| - | // | + | // |
| - | Da gibt es für die überwiegend männlichen Kunden nur wenig Möglichkeiten, | + | Da gibt es für die überwiegend männlichen Kunden nur wenig Möglichkeiten, |
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| ===== 5 Die Hierarchie der Landstraße ===== | ===== 5 Die Hierarchie der Landstraße ===== | ||
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| ==== Bettler und Fechtmeister ==== | ==== Bettler und Fechtmeister ==== | ||
| - | Auch Schroeder fällt das Betteln schwer: // | + | Auch Schroeder fällt das Betteln schwer: // |
| ==== Speckjäger ==== | ==== Speckjäger ==== | ||
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| ==== Kunden und Vagabunden ==== | ==== Kunden und Vagabunden ==== | ||
| Die Bezeichnung Kunden wird oft wahllos benutzt und meint alle Gruppen. Kunde heißt eigentlich Kundiger, im altniederrheinischen war der //cunde// ein Späher und Kundschafter. In jedem Fall weiß er mehr als andere, ist also ausgezeichnet gegenüber anderen. Das wird deutlich, wenn sich zwei Kunden auf der Straße begegneten. Der Frage // | Die Bezeichnung Kunden wird oft wahllos benutzt und meint alle Gruppen. Kunde heißt eigentlich Kundiger, im altniederrheinischen war der //cunde// ein Späher und Kundschafter. In jedem Fall weiß er mehr als andere, ist also ausgezeichnet gegenüber anderen. Das wird deutlich, wenn sich zwei Kunden auf der Straße begegneten. Der Frage // | ||
| - | Obwohl Kunden und [[wiki: | + | Obwohl Kunden und [[wiki: |
| ==== Schieben und Balance ==== | ==== Schieben und Balance ==== | ||
| - | Vom Fechten über das Betteln führt der soziale Abstiegskampf zur sogenannten Schiebung ((Jedes heimliche und rasche Bewegen und damit auch fragwürdige Handelsgeschäfte, | + | Vom Fechten über das Betteln führt der soziale Abstiegskampf zur sogenannten Schiebung ((Jedes heimliche und rasche Bewegen und damit auch fragwürdige Handelsgeschäfte, |
| ==== Karrner ==== | ==== Karrner ==== | ||
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| ==== Mähändis ==== | ==== Mähändis ==== | ||
| - | In der Türkei und in Persien lernt '' | + | In der Türkei und in Persien lernt '' |
| ==== Trimards ==== | ==== Trimards ==== | ||
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| Man kann spekulieren, | Man kann spekulieren, | ||
| ==== Der Tramp ==== | ==== Der Tramp ==== | ||
| - | Auch Kurt Faber hat so seine Erfahrungen mit dem fahrenden Volk: //„Jedes Land hat seine [[wiki: | + | Auch Kurt Faber hat so seine Erfahrungen mit dem fahrenden Volk: //„Jedes Land hat seine [[wiki: |
| Die amerikanischen Tramps wurden als Massenphänomen etwa ab 1873 bemerkt, als durch eine Wirtschaftskrise zahllose Arbeitssuchende von der industrialisierten Ostküste in den Westen zogen, entlang der amerikanischen Hauptverbindungswege, | Die amerikanischen Tramps wurden als Massenphänomen etwa ab 1873 bemerkt, als durch eine Wirtschaftskrise zahllose Arbeitssuchende von der industrialisierten Ostküste in den Westen zogen, entlang der amerikanischen Hauptverbindungswege, | ||
| ==== Der Kardasch ==== | ==== Der Kardasch ==== | ||
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| ===== 8 Und heute? ===== | ===== 8 Und heute? ===== | ||
| - | Die große Zeit der Handwerksgesellen ist spätestens seit dem 1. Weltkrieg vorbei. Mit der Aufhebung der Zünfte und der Einführung der [[wiki: | + | Die große Zeit der Handwerksgesellen ist spätestens seit dem 1. Weltkrieg vorbei. Mit der Aufhebung der Zünfte und der Einführung der [[wiki: |
| - | Vereinzelt wandern Handwerksgesellen noch heute mit // | + | Vereinzelt wandern Handwerksgesellen noch heute mit // |
| - | Und die andere Seite, die Vagabunden, Berber, Landstreicher? | + | Und die andere Seite, die Vagabunden, Berber, Landstreicher? |
| - | Was hat sich da schon viel geändert in den letzten 100 Jahren? Selbst Entromantisierung, | + | Was hat sich da schon viel geändert in den letzten 100 Jahren? Selbst Entromantisierung, |
| ===== 9 Überblick: Kennzeichen der Walz ===== | ===== 9 Überblick: Kennzeichen der Walz ===== | ||
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| ===== 10 Biographien ===== | ===== 10 Biographien ===== | ||
| - | Die biographische | + | |
| + | Die biographischen | ||
| ==== Arminius Hasemann ==== | ==== Arminius Hasemann ==== | ||
| - | * 6.9.1888, Bildhauer und Graphiker, stammt aus Berlin ((Hasemann, S. 5)) und lernte dort an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbes, | + | * 6.9.1888, Bildhauer und Graphiker, stammt aus Berlin ((Hasemann, S. 5)) und lernte dort an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbes, |
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| - //Eros Thanatos, ein Totentanz. 12 Original-Holzschnitte// | - //Eros Thanatos, ein Totentanz. 12 Original-Holzschnitte// | ||
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| - //Der Zirkus. 20 Holzschnitte// | - //Der Zirkus. 20 Holzschnitte// | ||
| ==== Franz Heinrichs ==== | ==== Franz Heinrichs ==== | ||
| - | (* ca. 1879) reist von Juni 1896 bis Oktober 1898 von Münster durch Österreich, | + | (* ca. 1879) reist von Juni 1896 bis Oktober 1898 von Münster durch Österreich, |
| ==== Alfred Pfarre ==== | ==== Alfred Pfarre ==== | ||
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| Seine Erinnerungen an die Walz schreibt er erst nach mehr als zwanzig Jahren aus der Erinnerung auf, sein Wandertagebuch ist teils weggeworfen, | Seine Erinnerungen an die Walz schreibt er erst nach mehr als zwanzig Jahren aus der Erinnerung auf, sein Wandertagebuch ist teils weggeworfen, | ||
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| - | **//Das Buch Wanderschaft// | + | **//Das Buch Wanderschaft// |
| Winnig hat darüber hinaus etwa 30 weitere Bücher geschrieben, | Winnig hat darüber hinaus etwa 30 weitere Bücher geschrieben, | ||
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