Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


wiki:hodoeporicon

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

Beide Seiten der vorigen RevisionVorhergehende Überarbeitung
Nächste Überarbeitung
Vorhergehende Überarbeitung
wiki:hodoeporicon [2019/12/28 15:38] Norbert Lüdtkewiki:hodoeporicon [2026/02/15 00:07] (aktuell) Norbert Lüdtke
Zeile 1: Zeile 1:
 ====== Hodoeporicon ====== ====== Hodoeporicon ======
-  - Das altgriechische ὁδοιπόρικος hodoipórikos meint „zur Reise gehörig“, zusammengesetzt aus //ὁ·δός (hodos)// für den Pfad zwischen zwei Orten, Weg, Straße, Reise und //πορεύομαι (poreuomai)// für das Hingehen im Sinne von //zur Reise aufbrechen.// 
-  - Mit Hodoeporica (Mehrzahl) wird eine Reisegattung bis zur frühen Neuzeit bezeichnet, die Reisedichtung, [[wiki:reisebuch|Reisebeschreibung]] und [[wiki:itinerar|Itinerarien]] umfassen kann. Ihre Eigentümlichkeit erhält diese Gattung durch die gleichzeitige Bedingtheit äußerer und innerer Reise, von Reiseschilderung und Selbsterfahrung, -erkenntnis und -verwirklichung als [[wiki:lebensreisestil|Lebensreisestil]]. 
-  - Im Unterschied zum mittelalterlichen-klerikalen Denken ist darin zweierlei Neu: (1.) Reisen kann Erkenntnis bringen und (2.) Das Ich des Reisenden wächst durch seine Erfahrungen. Damit bilden Hodoeporica die Wurzel für die »humanistische Gelehrtenrepublik« und für die [[wiki:bildungsreise|Bildungsreise]], aber auch für die literarische Gattung der [[wiki:biographien|Autobiographie]]. Stellvertretend dafür steht das [[wiki:odeporicon|Odeporicon]] von ''Johannes Butzbach'' (1505/06). 
-  - Der Erfolg der Hodoeporica und ihrer Nachfolger wurde erst möglich mit der Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg im 15. Jahrhundert, denn bis dahin wurden Schriften nur in Klöstern handschriftlich kopiert und waren so einer Auswahl unterworfen. Die klösterlich gepflegte [[wiki:stabilitas_loci|stabilitas loci]] war mit Reisedichtung kaum vereinbar. 
  
----- +  Das altgriechische ὁδοιπόρικος hodoipórikos meint „zur Reise gehörig“, zusammengesetzt aus //ὁδός hodos// für den [[wiki:weg|Weg]] zwischen zwei Orten, [[wiki:strasse|Straße]], [[wiki:reisen|Reise]] und //πορεύομαι poreuomai// für das Hingehen im Sinne von //zur Reise aufbrechen.// 
-''Hermann Wiegand''\\  +  Mit Hodoeporica (Mehrzahl) wird eine [[wiki:reiseliteratur|Reiseliteraturgattung]] der frühen Neuzeit bezeichnet, die Elemente von Reisedichtung, [[wiki:reisebuch|Reisebeschreibung]] und [[wiki:itinerar|Itinerarien]] umfassen kann, siehe auch die [[wiki:zeitleiste_reiseanleitungen|Zeitleiste der Reiseanleitungen]]. Ihre Eigentümlichkeit erhält diese Gattung durch die gleichzeitige Bedingtheit äußerer und innerer Reise, von Reiseschilderung und Selbsterfahrung, -erkenntnis und -verwirklichung als [[wiki:lebensreisestil|Lebensreisestil]]. Frühe Hodoeporica bezeichnen daher auch Biographien als Lebensweg: »Hodoeporica sive Itinera Sanctorvm Patriarcharvm: Abrahami, Isaci, Lothi, & Iosephi: Scripta carmine Elegiaco« ((''Bollinger, Ulricus''\\ //Hodoeporica//\\ Tubingae 1595: J. Kircher)). 
-//Hodoeporica\\  +  - Das vielleicht früheste Hodoeporicon als Beschreibung einer tatsächlichen Reise dürften die //Versus Marini// des ''Amalarius von Metz''/Amalarius Fortunatus (etwa 775 - 850) sein. In seiner Zeit als Bischof von Trier (809-814) begleitete er 813 im Auftrag ''Karls des Großen'' den Abt ''Peter von Nonantola'' nach Konstantinopel zu ''Kaiser Michael I''Sein Hodoeporicon in lateinischer Gedichtform in 80 Hexametern ist weniger ein Bericht als eine erlebnisorientierte Reisebeschreibung ((MGH, Poetae I, S. 426-428\\ ''Marx, Jacob''\\ //Geschichte des Erzstifts Trier ... bis zum Jahre 1816//\\ Bd. 1.1, Trier 1858, S. 406-407\\ ''Cabaniss, Allen''\\ //The Literary Style of Amalarius: A Note//\\ Philological Quarterly; Iowa City Bd. 31,  (1952) 423\\  
-Studien zur neulateinischen Reisedichtung des deutschen Kulturraums im 16Jahrhundert\\//  +''Bobrycki, Shane''\\ //A Hypothetical Slave in Constantinople: Amalarius's Liber Officialis and the Mediterranean Slave Trade//\\ Haskins Society Journal 2015. 26: 47-68.)) einer //via longa, laboriosa, periculosa//, also lang, mühsam und gefährlich. 
-Mit einer Bio-Bibliographie der Autoren und Drucke\\  +  Im Unterschied zum mittelalterlichen-klerikalen Denken ist darin zweierlei Neu:\\ 1. Reisen kann zu Erkenntnis führen und\\ 2Das Ich des [[wiki:reisende|Reisenden]] wächst durch seine Erfahrungen.\\ Damit bilden Hodoeporica die Wurzel für die »humanistische Gelehrtenrepublik« und für die [[wiki:bildungsreise|Bildungsreise]]aber auch für die literarische Gattung der [[wiki:literaturliste_biographien|Autobiographie]]. Stellvertretend dafür steht das [[wiki:odeporicon|Odeporicon]] von ''Johannes Butzbach'' (1505/06). 
-Saecula spiritaliaBand 12KoernerBaden-Baden 1984+  Der Erfolg der Hodoeporica und ihrer Nachfolger wurde erst möglich mit der Erfindung des Buchdrucks durch ''Gutenberg'' im [[wiki:reisegenerationen#Ab dem 15. Jahrhundert|15. Jahrhundert]], denn bis dahin wurden Schriften nur in Klöstern handschriftlich kopiert und waren so einer Auswahl unterworfen. Die klösterlich gepflegte [[wiki:stabilitas_loci|stabilitas loci]] war mit einer weltlichen Reisedichtung kaum vereinbar. Außerhalb der Klöster fanden sich Kleriker, die sowohl reisten als auch schreiben konnten, als [[wiki:pilger|Pilger]], [[wiki:vaganten|Vaganten]] und [[wiki:scholar|Scholaren]]. 
 + 
 +→ [[literaturliste_reisekunst|Literaturliste Reisekunst]] 
 +{{tag>Reisekunde}}
wiki/hodoeporicon.1577547500.txt.gz · Zuletzt geändert: von Norbert Lüdtke

Donate Powered by PHP Valid HTML5 Valid CSS Driven by DokuWiki