wiki:fremdes_essen
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+ | ====== Fremdes essen ====== | ||
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+ | »Oysters are alive. I don't eat live food. | ||
+ | I want my food dead. Not sick, not wounded. Dead.« | ||
+ | Woody Allen: Don’t Drink the Water. 1969 | ||
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+ | ===== Sich auf Fremdes einlassen ===== | ||
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+ | Dass der Appetit beim Essen kommt, ist unterwegs nur eingeschränkt richtig (→ [[wiki: | ||
+ | Nutzer eines touristischen Systems - also Clubreisende ebenso wie Backpacker in ihren Hostels - sind nach dem ersten Blick in die Speisekarte gut dran, aber die wenigsten entkommen [[wiki: | ||
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+ | * Eating in the Train | ||
+ | * Canned dishes for travel (late 19th century – 1939) | ||
+ | * Eating at the coaching inn: The Italian Central Alps in the 19th and 20th centuries | ||
+ | * Cooking and eating in Antarctica | ||
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+ | ===== Appetit & Ekel ===== | ||
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+ | * //Asketen// (»Hungerhaken«), | ||
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+ | Zum Problem wird das Ekelgefühl, | ||
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+ | ==== Als Ausländer in Deutschland essen ==== | ||
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+ | Mit der englischsprachigen Ausgabe //Germany// des Reiseführer-Giganten //Lonely Planet// unterwegs in Deutschland fährt man mitnichten ins unbekannte Deutschland. Wenn die darin angepriesenen Ziele im Niveau den Empfehlungen für // | ||
+ | - Berlin delicacy Currywurst | ||
+ | - Black Forest gateau | ||
+ | - Döner | ||
+ | - Fresh bread | ||
+ | - Sausage | ||
+ | - Asparagus (Spargelzeit) | ||
+ | - Potato | ||
+ | - Kaffee & Kuchen | ||
+ | - Apple strudel and coffee | ||
+ | - Dresden Stollen | ||
+ | Das ist natürlich ein Klischee, denn die geheimen Vorlieben der Deutschen sind völlig anders, wie die begeisterten Kommentare unter dem Beitrag der ZEIT vom 24.02.2021 [[https:// | ||
+ | * Ravioli aus der Dose | ||
+ | * Mini-Eclairs (TK) | ||
+ | * Instantramennudeln | ||
+ | * Pizza Spinaci | ||
+ | * Sahne aus der Sprühflasche | ||
+ | * Baked Beans aus der Dose | ||
+ | * Benjamin-Blümchen-Torte | ||
+ | * Fischstäbchen (TK) | ||
+ | * Pommes | ||
+ | * Croissants (TK) | ||
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+ | ===== Die Küchen anderer Länder ===== | ||
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+ | ==== Ost- und Südosteuropäische Küche ==== | ||
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+ | Irina Georgescu | ||
+ | Carpathia. Eine kulinarische Reise durch Rumänien | ||
+ | Ars Vivendi Cadolzburg 2020. 224 S. | ||
+ | In der rumänischen Küche finden sich Einflüsse der griechischen, | ||
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+ | ==== Vorderer Orient zwischen Türkei und Israel ==== | ||
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+ | Yotam Ottolenghi | ||
+ | Simple. Das Kochbuch | ||
+ | Dorling-Kindersley-Verlag, | ||
+ | »Simple« bedeutet hier nicht primitiv, stattdessen lassen sich die Kriterien für die von der israelisch-arabischen Küche geprägten Rezepte auf das Kochen im Reisemobil übertragen: | ||
+ | * schnell zubereitet, also Zutaten mit kurzen Garzeiten | ||
+ | * eine begrenzte Anzahl von Zutaten (Kräuter, Gewürze) | ||
+ | * die Zutaten lassen sich vorbereiten | ||
+ | * das fertige Gericht schmeckt auch aufgewärmt am nächsten Tag | ||
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+ | Marie Fadel, aufgezeichnet von Rafik Schami | ||
+ | Damaskus. Der Geschmack einer Stadt | ||
+ | (=Oasen für die Sinne), Sanssouci im Carl Hanser Verlag München 2002 | ||
+ | Pappband 11,5x21 cm: 208 Seiten, Textabb., mit Register | ||
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+ | So entstanden Kapitel wie //„Die Freude oder Von heiligen, verwinkelten Gassen und gut gelaunten Salaten“// | ||
+ | So erschließt sich vom Osttor, dem //Bab Scharki//, das Ostviertel. Flanierend führen die Autoren ein in das Metier eines dort lebenden Teppichflickers, | ||
+ | Dieses langsame Verfertigen des Salates beim Denken muß man mögen. Schami hat sein Handwerk im Griff und doch ist die Gratwanderung zwischen Poesie, Kochbuch und Essay ständig spürbar. Das so entstandene Werk spricht eher den [[wiki: | ||
+ | Die Rezepte sind sorgfältig beschrieben, | ||
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+ | ==== Taiwan, China & Japan ==== | ||
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+ | Q-Textur (Hokkien khiū, Chinesisch 𩚨) ist ein kulinarischer Begriff vergleichbar dem italienischen Al Dente, der im Englischen auch mit chewy, springy, bouncy übersetzt wird, also den Widerstand der Speisen gegen den Biss beschreibend. Weniger kulinarisch ausgedrückt liegt die Konsistenz also zwischen zäh und elastisch und ermöglicht eine Bandbreite zwischen Q und QQ. Bei Nudeln (jian mian 碱面) erreicht man das durch Zugabe einer Lauge, bei Fisch- und Fleichbällchen mit Stärke oder durch Tapioka für Boba-Balls. | ||
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+ | ==== Südasien ==== | ||
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+ | ==== Amerika ==== | ||
+ | Sean Sherman, Beth Dooley | ||
+ | Der Sioux-Chef | ||
+ | Indigen kochen. | ||
+ | Aus dem Amerikanischen von Sabine Franke. | ||
+ | 232 S., Kanon-Verlag 2023 | ||
+ | Der indianische Spitzenkoch vom Volk der Ogalala-Sioux suchte nach den traditionellen Nahrungsmitteln und Zubereitungen seiner Vorfahren. Diese hat er zeitgemäß aufbereitet und in neue Rezepte integriert - ohne Gluten, ohne Milch, ohne Raffinadezucker. Das liest sich lecker, ohne sich ideologisch gesund zu präsentieren. Vorbilder für dieses Buch gibt es kaum, so dass vieles an indianischen Kochstellen recherchiert wurde: | ||
+ | * Vieles klingt für uns erstaunlich normal, weil zahlreiche Lebensmittel im 16. Jahrhundert und später nach Europa kamen und hier zuvor unbekannt waren, etwa Kartoffeln, Mais, manche Kürbissorten, | ||
+ | * Anderes wurde bereits in modischen Küchenszenarien als Superfood beworben wie Quinoa und Amaranth. | ||
+ | * Und aus Not- und Katastrophenküchenzeiten kennt man junge Triebe und Sprossen von Nadelbäumen, | ||
+ | * Hinzu kommen Wildreis, Ahornsirup und Sonnenblumenbutter, | ||
+ | * Zum Würzen dienen wenig überraschend Bergamotte, Minze, , Salbeiblätter, | ||
+ | * Andere hier angewandte Verfahren wie Trocknen und Dörren sind auf dieser Seite an anderer Stelle bereits erörtert. | ||
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+ | Manches gilt es neu zu entdecken und einzuordnen. Geschmorte Sonnenblumenköpfe (oder Topinambur) schmecken wie Artischocken. Und aus Mais lässt sich mehr machen als Maisbrei. Das indianische Verfahren, Maiskörner mit Holzasche | ||
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+ | ==== Afrika ==== | ||
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+ | Youssou N’Dour | ||
+ | Senegal. Die Küche meiner Mutter | ||
+ | Aus dem Französischen von Helmut Ertl. München: Christian 2004 | ||
+ | Pappband mit Umschlag 20 x 25,5 cm: 192 Seiten, durchgehend farbig illustriert | ||
+ | Der bekannte Musiker beschreibt in 53 senegalesischen Rezepten die Küche seines Landes. Er entstammt einer Familie von //Griots//, den Überlieferern der Landesgeschichte. Ebenfalls überliefert sind die hier vorgestellten Gerichte, die er seiner Mutter abgeguckt hat, also mit Zutaten vom Markt und mit haushaltüblichen Mitteln zuzubereiten.\\ | ||
+ | Und so erinnert sich der Autor einleitend ausführlich an seine Kindheit, erzählt von Mutter und Familie, vom Dorfleben und vom Markttreiben, | ||
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+ | Kazuko Winter | ||
+ | Wir kochen afrikanisch | ||
+ | Afrikanische Kochrezepte von Afrikafreunden in Bayreuth | ||
+ | 82 S., Rüdiger Köppe Verlag Köln 1989 ISBN 3-927620-75-0 | ||
+ | Rezepte aus 22 afrikanischen Ländern, die ein großer Freundeskreis zusammengetragen hat: | ||
+ | ollof Rice, Hammelgulasch, | ||
+ | Spinat mit Räucherfisch, | ||
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+ | Dorah Sitole | ||
+ | Afrika Kochbuch | ||
+ | Die 160 besten Originalrezepte vom Kap bis Kairo | ||
+ | 144 S., Christian Verlag München 2002 ISBN 3-88472-826-1 | ||
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+ | ==== Nicht so praxisnah ==== | ||
+ | »Schlangen, | ||
+ | als etwa Weinbergschnecken, | ||
+ | Rohe Eier, aus dem Leib der Schlangen entnommen, Ameisen besonderer Art, | ||
+ | in Schokolade eingeschmolzen, | ||
+ | das alles sind heute schon begehrte Delikatessen vieler Menschen« | ||
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+ | Peter Lund Simmonds | ||
+ | The Curiosities of Food | ||
+ | Or the Dainties and Delicacies of Different Nations Obtained from the Animal Kingdom | ||
+ | 357 S. London 1859 | ||
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+ | Jaacki Passmore | ||
+ | Genießer unterwegs: China | ||
+ | Rezepte & kulinarische Notizen | ||
+ | (=Genießer unterwegs …) | ||
+ | Aus dem Englischen von Helmut Ertl. München: Christian 2003 | ||
+ | Pappband mit Umschlag 21,5x33 cm: 256 Seiten, durchgehend farbig illustriert. | ||
+ | Übersichtskarte, | ||
+ | //„In einem bacchantischen Roman aus dem [[wiki: | ||
+ | Mit diesem Bild vor Augen hätten mir 1986 sicher auch die Entenfüße im Zug von Kanton nach Wuhan geschmeckt. | ||
+ | So allerdings verfüge ich über drei miteinander unvereinbare Vorstellungen der chinesischen Küche: einmal die von mir in vielen Monaten bei mehreren Reisen erlebte Küche in China (die immer nahrhaft, oft gewöhnungsbedürftig, | ||
+ | Dann lese ich auf Seite 80: »Das Fleisch spülten sie mit Unmengen Kumiss hinunter, einem alkoholischen Getränk aus vergorener Stutenmilch. Glaubt man Marco Polo, ähnelte das Gebräu in Farbe und Qualität gutem Wein.« | ||
+ | Kumiss gibt’s in Kirgisistan aus Ziegenbälgern am Straßenrand oder auf dem Markt aus Plastikeimern. Letztere haben den Nachteil, die bräunliche, | ||
+ | So sind auch die hier vorgestellten Rezepte sehr kultiviert und verlangen danach, zubereitet zu werden. Doch idealisiert, | ||
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+ | ==== Die Küche der Anthropophagen ==== | ||
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