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wiki:ferien

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wiki:ferien [2025/12/13 10:27] – angelegt Norbert Lüdtkewiki:ferien [2026/11/08 07:44] (aktuell) – [Ferien und Urlaub] Norbert Lüdtke
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 ====== Ferien ====== ====== Ferien ======
  
-Parallel zur Bedeutungsverschiebung von '[[urlaub|Urlaub]]' entwickelte sich eine Vorstellung von [[wiki:Ferien|Ferien]] aus anderer Wurzel, die sich aber bereits im 19. Jahrhundert mit dem Bedeutungsgehalt von Urlaub berührte. +Etymologisch wurzelt 'Ferien' im lateinischen feriae 'Feiertage, Feste'. Im [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#Ab dem 15. Jahrhundert|15. Jahrhundert]] wurde das lateinische //feriae// eingedeutscht. Linguistisch ist das Wort Ferien ein neutrales Pluraliatantum, es kommt nur im Plural vor. 
- insbesondere an Schulen und Universitäten gab es Ferienordnungen:+ 
 +Bis in die Frühe Neuzeit wurden feriae sacrae (Oster-, Weihnachtsferien, gleichbedeutend engl. //holiday//) und feriae profanae (Ernteferien) unterschieden. In dieser Zeit ruhte das öffentliche Leben, also Gerichte, Universitäten, Schulen. Ferien waren ein Gebot des Landesherrn und wurden geregelt. Ferienordnungen bestimmten die Einzelheiten. 
 + 
 +Gleichbedeutend sind französische //vacances//, italienisches //vacanza// usw., doch bezeichnet dies ursprünglich die 'Vakanz' der in dieser Zeit nicht besetzten öffentlichen Stellen. Auch das griechische //οι διακοπές// bezeichnet einen "Zeitraum ohne Schule und/oder Arbeit; Urlaub, Ferien" (Wictionary).
   * "ferien, schulfreiheit; feriae u. nomenclator hamburg. (1634) 286; gerichtsferien Staub-Tobler 3, 960; vacantie nl. wb. 11, 126, 2b: wen man dan in der schul als am donstag und samsztag urlob hatt, gieng ich zum frowenminster Th. Platter 38 B. frühlings-, herbst-, hundstags-, ernteurlaub; urlaubtag, urlaubszeit Staub-Tobler 3, 959 f.; Fischer 6, 299. auch für ferienaufgaben Staub-Tobler 960. nicht mehr schriftsprachlich, doch ähnlich: ich geniesze nun in meinem haus den völligsten u. Göthe IV 11, 85 W.; vgl. IV 8, 357 W." ((„urlaub, m.“, Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/25, <[[https://www.woerterbuchnetz.de/DWB?lemid=U14291|Online]]>, abgerufen am 13.12.2025.\\ Referenz zur gedruckten Ausgabe: Anfang des Artikels: Bd. 24, Sp. 2466, Z. 60; Originalausgabe: XI. Band, 3. Abtheilung, Lfg 16. ureigenthümlichkeit — urstoff. Erscheinungsjahr: 1935. ))   * "ferien, schulfreiheit; feriae u. nomenclator hamburg. (1634) 286; gerichtsferien Staub-Tobler 3, 960; vacantie nl. wb. 11, 126, 2b: wen man dan in der schul als am donstag und samsztag urlob hatt, gieng ich zum frowenminster Th. Platter 38 B. frühlings-, herbst-, hundstags-, ernteurlaub; urlaubtag, urlaubszeit Staub-Tobler 3, 959 f.; Fischer 6, 299. auch für ferienaufgaben Staub-Tobler 960. nicht mehr schriftsprachlich, doch ähnlich: ich geniesze nun in meinem haus den völligsten u. Göthe IV 11, 85 W.; vgl. IV 8, 357 W." ((„urlaub, m.“, Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/25, <[[https://www.woerterbuchnetz.de/DWB?lemid=U14291|Online]]>, abgerufen am 13.12.2025.\\ Referenz zur gedruckten Ausgabe: Anfang des Artikels: Bd. 24, Sp. 2466, Z. 60; Originalausgabe: XI. Band, 3. Abtheilung, Lfg 16. ureigenthümlichkeit — urstoff. Erscheinungsjahr: 1935. ))
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 +===== Ferien und Urlaub =====
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 +Ferien und Urlaub sind einzig und allein verbunden durch die [[musse|Auszeit]], die sie gewähren, ansonsten waren sie lange Zeit grundverschieden.
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 +Während Ferien ein öffentliches Gebot waren, wurde //[[urlaub|Urlaub]]// im Einzelfall gewährt, es war die //Erlaubnis//, sich aus einem Abhängigkeitsverhältnis zu entfernen verbunden mit der //Pflicht//, zurückzukehren. 
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 +Obgleich sich das Wort ursprünglich in allen germanischen Sprachen findet, wird es im modernen Sinn nur im Deutschen verwendet, bekannt ist es auch im Niederländischen (//verlof//) und Polnischen (//urlop//); sinnverwandt ist Russisches отпуск (otpusk) und französisches //congé//.
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 +Weder Ferien noch Urlaub wurden ursprünglich mit 'Reisen' verbunden. Der Begriff 'Ferienreise' erscheint im Schriftdeutschen zuerst 1799 ((Naturforschende Gesellschaft in Zürich: An die Zürcherische Jugend auf das Jahr ... 1799, S.7)), 'Urlaubsreise' ab 1788 ((Historisches portefeuille, 7. Stück, Juli 1788, Wien, S. 252)).
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 +Im [[unterwegs_im_19._jahrhundert|19. Jahrhundert]] wurde die Auszeit für beide als [[freizeit|Freizeit]] des [[einzelne|Einzelnen]] verstanden, die insbesondere der Erholung zu dienen hatte als [[sommerfrische|Sommerfrische]], [[tour|Tour]] in die Berge, [[fahrt|Fahrt]] ins Bad oder [[liste_strand-abc|Strand]]urlaub. Diese Bedeutungsverschiebung verband sich mit dem gesellschaftlich gewünschten Ziel der gesundheitlichen Stärkung (Erholung) für alle und der [[reisen|Reise]] als geeignetem Mittel dazu, hin zu den zeittypischen Zielen Badeort, Landluft, [[bergwelt|Berg]], Meer und [[Strand|Strand]].\\ Dies näherte den Sinn beider Begriffe an. Das Verständnis von 'Urlaub' kehrte sich gar um: er wurde ursprünglich gewährt, heute wird er genommen.
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 +===== Literatur und Verweise =====
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 +  * ''Stefan Keller''\\ //Vorwärts zum Genuss. Von Arbeiterferien und Arbeiterhotels//\\ 150 S. zahlr. Abb. Zürich 2014: Rotpunkt. [[https://d-nb.info/1050834488/04|Inhalt]]
 +  * ''Richez, Jean-Claude'', ''Léon Strauss''\\ //Généalogie des Vacances Ouvrières.//\\ Le Mouvement Social, 150 (1990) 3–18. [[https://doi.org/10.2307/3778648|Online]]\\ Mit einem Kapitel zur Semantik von Congé, Vacation, Ferien, Urlaub.
 +  * ''Heinz Friedrich Schniggenfittig'' (Ltg. Autorenkollektiv)\\ //Handbuch für das Betriebsferienlager//\\ VEB Tribüne Berlin 1976\\ Bundesvorstand des FDGB, Abt. Bildung 2.A. (21-40. Tsd.) 261 S. 
 +  * ''Beatrice Schumacher''\\ //Ferien – Interpretationen und Popularisierung eines Bedürfnisses. Schweiz 1890–1950//\\ Zugl.: Univ. Basel 2000: Diss. 418 Seiten, [6] Blätter.  Literaturverz. S. 385 - 397 Wien 2002: Böhlau. [[https://d-nb.info/962872989/04|Inhalt]]
 +→ [[ausstellungsliste_fernweh_reisefieber_reiselust|Ausstellungsliste Fernweh, Reisefieber, Reiselust]]\\ 
 +→ [[literaturliste_fernweh_reisefieber_reiselust|Literaturliste Fernweh, Reisefieber, Reiselust]]
 +  * [**1777**] //Auf des Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn, Herrn Carl, Regierenden Herzogs zu Braunschweig und Lüneburg ... Befehl, fügen Wir Vice-Rector und Professores auf der Herzogl. Braunschweig-Lüneburgischen Jvlivs-Carls-Universität; Jedermänniglich, ... Helmstedt, den 9. Januar 1777//\\ Braunschweig-Lüneburg, Herzog, Karl *1713-1780*. [[http://diglib.hab.de/drucke/q-141c-4f-helmst-4s/start.htm|Online]] [4] S.\\ Ferienordnung für Professorren und Studenten für (1.) die 14-tägigen Osterferien mit der "Marterwoche"; (2.) die Michaelisferien Mitte Oktober vom Michaelistag bis zum Juliustag; (3.) die Weihnachtsferien vom Tag vor Heiligabend bis zum Tag nach Neujahr und (4.) keine Ferien mehr an den Messetagen.
 +  * **1933** ''P. Wyr''\\ //Wie weit komme ich in den Ferien für 10 Mark?//\\ Uhu, 10 (Juli 1933) 68-72\\ 111 S. Berlin 1933: Ullstein
 +  * **1953** //Die Ferien des Monsieur Hulot// (Les Vacances de Monsieur Hulot)\\ Film von und mit ''Jacques Tati'' (Frankreich, 110 min)
 +  * **1982** //Pauline am [[liste_strand-abc|Strand]]// Film, Regie: ''Eric Rohmer'' (Frankreich, 94 min)
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 +{{tag>Liste_Reisestile_im_Deutschen zeit_musse}} 
wiki/ferien.1765621639.txt.gz · Zuletzt geändert: von Norbert Lüdtke

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