wiki:1775_twisse_anhang_reise_durch_irrland
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| wiki:1775_twisse_anhang_reise_durch_irrland [2026/07/21 06:56] – angelegt Norbert Lüdtke | wiki:1775_twisse_anhang_reise_durch_irrland [2026/07/21 10:54] (aktuell) – [Anhang von Twiss 1777 Reise durch Irrland im Jahr 1775] Norbert Lüdtke | ||
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| + | * S. 177-202 in: [Appendix to Twiss' | ||
| + | * Reise durch Irrland im Jahr 1775. Nebst einem [[1775 Twisse Anhang Reise durch Irrland |Anhange]]\\ [Meilenverzeichnis] 142 S. Leipzig 1777: Junius. | ||
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| + | * → [[zeitleiste_reiseanleitungen_18._jahrhundert|Zeitleiste der Reiseanleitungen des 18. Jahrhunderts]] | ||
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| - | Da ich nun den größten Theil von England, Schottland, Irrland, Holland, Flandern, Frankreich, Schweiz, Teutschland, | + | Da ich nun den größten Theil von England, Schottland, Irrland, Holland, Flandern, Frankreich, Schweiz, Teutschland, |
| - | Vielleicht hält man einen Reisegefährten für eine nothwendige und angenehme Sache; allein man wird diesen Gedanken nicht völlig richtig finden, wenn man mehr ins Besondere hineingehet. Soll ein Reisegefährte angenehm seyn, so muß er mit dem Reisenden beynahe von gleichem Alter und Stande seyn, ein gleiches Vermögen besitzen, auf eine gleiche Art erzogen seyn, und mit seinem Geschmack in Ansehung der kleinen Zeitvertreibe übereinstimmen. Gesetzt, man fände nun eine solche Person, so ist es leicht moglich, daß seine Gesundheit in der Folge angegriffen, | + | Vielleicht hält man einen [[begleiter|Reisegefährten]] für eine nothwendige und angenehme Sache; allein man wird diesen Gedanken nicht völlig richtig finden, wenn man mehr ins Besondere hineingehet. Soll ein Reisegefährte angenehm seyn, so muß er mit dem [[Reisende|Reisenden]] beynahe von gleichem Alter und Stande seyn, ein gleiches Vermögen besitzen, auf eine gleiche Art erzogen seyn, und mit seinem Geschmack in Ansehung der kleinen Zeitvertreibe übereinstimmen. Gesetzt, man fände nun eine solche Person, so ist es leicht moglich, daß seine Gesundheit in der Folge angegriffen, |
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| schon hinreichen, die Fortdauer des guten Verstandnisses zwischen den Reisenden zu stören, und früher oder später ihrer Gesellschaft ein Ende zu machen. Da überdem einer vor den andern ganz naturlich mehr Gaben haben und fähiger seyn wurde, sich beliebt zu machen, so wurde die Aufnahme der beiden Reisenden in fremden Ländern sich nach diesem Unterschiede richten, und der am wenigsten vollkommene wurde blos als ein Begleiter des andern angesehen werden, welches wiederum Gelegenheit zur Uneinigkeit geben könnte. | schon hinreichen, die Fortdauer des guten Verstandnisses zwischen den Reisenden zu stören, und früher oder später ihrer Gesellschaft ein Ende zu machen. Da überdem einer vor den andern ganz naturlich mehr Gaben haben und fähiger seyn wurde, sich beliebt zu machen, so wurde die Aufnahme der beiden Reisenden in fremden Ländern sich nach diesem Unterschiede richten, und der am wenigsten vollkommene wurde blos als ein Begleiter des andern angesehen werden, welches wiederum Gelegenheit zur Uneinigkeit geben könnte. | ||
| - | Gouverneurs oder Hofmeister auf Reisen scheinen nur wenig nutz zu seyn, denn insgemein sind sie entweder pedantische oder unwissende Geistliche, die selbst einen Bärenführer ((Ein allgemeiner Name, den man Personen in England giebt, die junge Leute auf Reisen führen. d. Ueb.)) nöthig haben, und wegen ihrer Dürftigkeit leicht beredet werden können, die schlechte Aufführung ihrer Untergebnen zu übersehen, oder gar die Augen dabey zuzuthun: folglich sind sie üble Anführer zur Erwerbung von Kenntnissen. ((Ich habe nie einen Hofmeister, auch nur auf klei nen Streifereyen, | + | Gouverneurs oder [[hofmeister|Hofmeister]] auf [[Reisen|Reisen]] |
| - | Wenn ein junger Mensch die Reise durch Europa allein macht, und sich unanständig beträgt, so können seine Eltern oder Vormünder, den ihn hier und dort gemachten Credit leicht einziehen; oder hat er schon über sein Vermögen freye Hand, so wird ers vermuthlich bald verschwenden, | + | Wenn ein junger Mensch die Reise durch Europa allein macht, und sich unanständig beträgt, so können seine Eltern oder Vormünder, den ihn hier und dort gemachten Credit leicht einziehen; oder hat er schon über sein Vermögen freye Hand, so wird ers vermuthlich bald verschwenden, |
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| - | allemal das beste, wenn sie nur nicht zu theuer erkauft wird. Die gewöhnliche Art unserer jungen Herren, gleichsam auf der Post Frankreich und Italien durchzustreifen, | + | allemal das beste, wenn sie nur nicht zu theuer erkauft wird. Die gewöhnliche Art unserer jungen Herren, gleichsam auf der Post Frankreich und Italien durchzustreifen, |
| Doch gesetzt, man fände es durchaus nöthig, einem jungen Reisenden einen Hofmeister zu geben, sollte nicht ein älterlicher Officier geschickter dazu seyn, dessen Weltkenntniß, | Doch gesetzt, man fände es durchaus nöthig, einem jungen Reisenden einen Hofmeister zu geben, sollte nicht ein älterlicher Officier geschickter dazu seyn, dessen Weltkenntniß, | ||
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| - | oder vielmehr wie undienlich ein Geistlicher als Hofmeister auf Reisen seyn mag, lehrt Sterne in seiner Predigt vom verlornen Sohn sehr nachdrücklich: | + | oder vielmehr wie undienlich ein Geistlicher als Hofmeister auf Reisen seyn mag, lehrt '' |
| - | ,,Wenn die Weisheit in keiner andern Sprache, als in der griechischen oder lateinischen reden kann, wenn man durch die Mathematik ein artiger Mann wird, oder wenn die natürliche Philosophie nichts anders lehret, als eine Verbeugung zu machen, so kann er einige Dienste leisten, aber wenn es um und um kommt, wird es gemeiniglich da hinaus laufen, daß der unglückliche Jüngling in denjenigen Fällen, wo es am nothwendigsten ist, sich schicklich zu betragen, den Hofmeister, wenn er ein bloßer Büchergelehrter ist, führen muß, und nicht von ihm geführet werden kann." | + | //"Wenn die Weisheit in keiner andern |
| - | Noch ist hiebey anzumerken, daß bey den Römischcatholischen eine große Anzahl der berühmtesten Gelehrten Priester sind; deren Umgang sich ein steifer englischer Prediger nicht nur entziehen wird, sondern auch sich und seinen Untergebenen durch seine thörichte und hartnäckige | + | Noch ist hiebey anzumerken, daß bey den Römischcatholischen eine große Anzahl der berühmtesten Gelehrten Priester sind; deren Umgang sich ein steifer englischer Prediger nicht nur entziehen wird, sondern auch sich und seinen Untergebenen durch seine thörichte und hartnäckige |
| - | Eine andere Gattung von Hofmeistern lieset man gemeiniglich unter abgedankten schweizerischen Kammerdienern auf; der etwa schreyet, er habe die Reise durch Europa mit gutem Erfolg gemacht: das ist, wie Sterne fortfährt, “ohne daß er oder sein junger Herr den Hals gebrochen haben. Dieser weiß allemal auf einen halben Pfennig, was eine jede Poststation von Calais bis Rom kostet; er weiß wo. die besten | + | Eine andere Gattung von Hofmeistern lieset man gemeiniglich unter abgedankten schweizerischen Kammerdienern auf; der etwa schreyet, er habe die Reise durch Europa mit gutem Erfolg gemacht: das ist, wie Sterne fortfährt, |
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| - | Untergebenen einen Liver weniger, als wenn er die Reise allein gethan, und für sich ausgezahlt hatte. Und hier hat sein Stolz, seine Kenntniß und seine Nutzbarkeit ein Ende." | + | Untergebenen einen Liver weniger, als wenn er die Reise allein gethan, und für sich ausgezahlt hatte. Und hier hat sein Stolz, seine Kenntniß und seine Nutzbarkeit ein Ende. |
| Endlich gesetzt, der junge Mensch ist mit Empfehlungsschreiben gut versehen, und erhält dadurch zu den besten Gesellschaften Zutritt, so drückt sich Sterne darüber in folgenden Worten aus, zu denen man so wenig etwas hinzuthun darf, als man dawider Einwendungen machen kann: | Endlich gesetzt, der junge Mensch ist mit Empfehlungsschreiben gut versehen, und erhält dadurch zu den besten Gesellschaften Zutritt, so drückt sich Sterne darüber in folgenden Worten aus, zu denen man so wenig etwas hinzuthun darf, als man dawider Einwendungen machen kann: | ||
| - | „Gesellschaften, | + | //„Gesellschaften, |
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| - | ihre Besuche stören zu lassen. Beide Parteyen werden in solchen Fällen gemeiniglich mit einem gleichstarken Ekel für fernern Besuchen erfüllet; und dies hat die Wirkung, daß der Jüngling, der sich in seiner Hoffnung betrogen sieht, eine angenehmere Gesellschaft sucht, und da der Zutritt in schlimmere Gesellschaften allezeit offen ist, so ist die Reise bald zu Ende." | + | //ihre Besuche stören zu lassen. Beide Parteyen werden in solchen Fällen gemeiniglich mit einem gleichstarken Ekel für fernern Besuchen erfüllet; und dies hat die Wirkung, daß der Jüngling, der sich in seiner Hoffnung betrogen sieht, eine angenehmere Gesellschaft sucht, und da der Zutritt in schlimmere Gesellschaften allezeit offen ist, so ist die Reise bald zu Ende."// |
| Ich will nicht hoffen, daß ich mich wegen Anführung obiger Stellen so wohl, als der gleich folgenden werde entschuldigen dürfen, besonders da sie aus Predigten genommen, und daher jungen Leuten vermuthlich nicht so bekannt sind, als sie es zu seyn verdienen. | Ich will nicht hoffen, daß ich mich wegen Anführung obiger Stellen so wohl, als der gleich folgenden werde entschuldigen dürfen, besonders da sie aus Predigten genommen, und daher jungen Leuten vermuthlich nicht so bekannt sind, als sie es zu seyn verdienen. | ||
| - | Die Hauptabsicht der Reisenden sollte dahin gerichtet seyn, die Sprachen, Gesetze und Gebräuche anderer Nationen zu lernen, von ihrer Regierung und Interesse Kenntniß einzuziehen; | + | Die Hauptabsicht der Reisenden sollte dahin gerichtet seyn, die Sprachen, Gesetze und Gebräuche anderer Nationen zu lernen, von ihrer Regierung und Interesse Kenntniß einzuziehen; |
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| - | Ohne diese ungeduldige Begierde zu reisen, würde der Verstand auf immer bey dem gegenwärtigen Blatt einschlummern, | + | Ohne diese ungeduldige Begierde zu reisen, würde der Verstand auf immer bey dem gegenwärtigen Blatt einschlummern, |
| - | Viele, die nie aus ihrer Heymath gewesen sind, bilden sich vielleicht ein, daß mit Reisen ungemeine Gefahren und Beschwerlichkeiten verknüpft sind; so wahr ist es, wie ein alter Reisender angemerket hat, daß Unwissenheit und Faulheit uns alles schrecklich machen; wir wollen nicht, weil wir nicht dürfen; und dürfen nicht, weil wir nicht wollen. Es ist möglich, außerhalb Landes zu ertrinken, den Hals zu brechen, ermordet zu werden, in eine Krankheit zu fallen; aber alle diese Möglichkeiten können uns auch daheim betreffen. ((Folgende noch niemals unternommene Reise würde denjenigen, die sie zu unternehmen Lust hatten, ver muthlich viel Vergnügen gewähren. Gesetzt, vier bemittelte Personeu wollten sie unternehmen, | + | Viele, die nie aus ihrer Heymath gewesen sind, bilden sich vielleicht ein, daß mit Reisen ungemeine |
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| Man siehet es leicht ein, daß die Ausgaben für Gemälde, Bücher, Statuen, die er Lust zu kaufen haben möchte, in obiger Summe nicht begriffen sind, so wenig als wenn er ausschweifend spielt, oder das Frauenzimmer ihn viel kostet. | Man siehet es leicht ein, daß die Ausgaben für Gemälde, Bücher, Statuen, die er Lust zu kaufen haben möchte, in obiger Summe nicht begriffen sind, so wenig als wenn er ausschweifend spielt, oder das Frauenzimmer ihn viel kostet. | ||
| - | Wenn er jährlich fünfzig bis sechzig Pfund auf eine vernünftige Art in Kleinigkeiten anlegt, so kann er sich den Nuhm der Freygebigkeit erwerben, der ihm in vielen Stücken vortheilhaft seyn kann. | + | Wenn er jährlich fünfzig bis sechzig Pfund auf eine vernünftige Art in Kleinigkeiten anlegt, so kann er sich den Ruhm der Freygebigkeit erwerben, der ihm in vielen Stücken vortheilhaft seyn kann. |
| - | Es ist rathsam, daß ein Reisender gleich nach seiner Ankunft in einer Hauptstadt dem Gesandten oder Minister seines Landes aufwarte. Hat er Empfehlungsbriefe an denselben, oder eine persönliche Bekanntschaft | + | Es ist rathsam, daß ein Reisender gleich nach seiner Ankunft in einer Hauptstadt dem [[gesandter|Gesandten]] oder Minister seines Landes aufwarte. Hat er Empfehlungsbriefe an denselben, oder eine persönliche Bekanntschaft |
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| die sie gerichtet sind, Erkundigung einzuziehen, | die sie gerichtet sind, Erkundigung einzuziehen, | ||
| - | Die Erfahrung lehrt, daß die Einwohner der südlichen Gegenden insgemein auf ihre Geliebte, nicht aber auf ihre Weiber eifersuchtig sind; und man dort, so wie allenthalben, | + | Die Erfahrung lehrt, daß die Einwohner der südlichen Gegenden insgemein auf ihre Geliebte, nicht aber auf ihre Weiber eifersuchtig sind; und man dort, so wie allenthalben, |
| - | Auch hat der Reisende sich in allen Ländern in Acht zu nehmen, daß er nicht mit jungen Leuten zu vertraute Bekanntschaft macht, denn es könnte ihm in viele Schwierigkeiten verwickeln. Vor allen Dingen aber bedenke er, daß er allenthalben, | + | Auch hat der Reisende sich in allen Ländern in Acht zu nehmen, daß er nicht mit jungen Leuten zu vertraute Bekanntschaft macht, denn es könnte ihm in viele Schwierigkeiten verwickeln. Vor allen Dingen aber bedenke er, daß er allenthalben, |
| - | Parole douce et main au bonnet\\ Ne coute rien et bon est. ((Ein gutes Wort, und den Hut in der Hand, kostet nichts, und hilft allemal.)) | + | //Parole douce et main au bonnet\\ Ne coute rien et bon est.// ((Ein gutes Wort, und den Hut in der Hand, kostet nichts, und hilft allemal.)) |
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