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Lob und Fluch des Reisens

EINE LITERA-TOUR

mit weit über 200 Zitaten

von Philosophen und Reisenden, Schriftstellern und Dichtern

aus Tagebüchern und Liedern, Sprichwörtern und Katalogen

sowie einem  Autorenindex
Teil 2
 

Verwendung einzelner Zitate nur mit Quellenangabe AGIR. Belegexemplar erbeten.
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© 1996 by
Archiv zur Geschichte des Individuellen Reisens - AGIR
 
 
 Mehr Zitate in Teil 3
 

Was willste, o Freund, in der Wüste,
Dir strömt nur der Schweiß von der Büste
Ich rate dir drum,
Geh lieber drum rum,
Denn biste erst drinnen, verglühste.

ZEIT - Magazin
 

Unser Leben gleicht der Reise eines Wanderers in der Nacht...

Johann Jakob Wehrli
 

... ich höre nachts die Lokomotiven pfeifen, sehnsüchtig schreit die Ferne, und ich drehe mich im Bett herum und denke : "Reisen. . ."

Wer die Enge seiner Heimat ermessen will, reise. Wer die Enge seiner Zeit ermessen will, studiere Geschichte.

Laß das Steuer los. Trudele durch die Welt. Sie ist so schön: gib dich ihr hin, und sie wird sich dir geben.

Entwirf deinen Reiseplan im großen - und laß dich im Einzelnen von der bunten Stunde treiben. Die größte Sehenswürdigkeit, die es gibt, ist die Welt - sieh sie dir an.

Man sollte jedem Deutschen noch fünfhundert Mark dazu geben, damit er ins Ausland reisen kann. Er würde sich manche Plakatanschauung abgewöhnen, wenn er vorurteilslos genug ist, die Augen aufzumachen.

Schön ist nur, was niemals dein. Es ist heiter, zu reisen, und schrecklich, zu sein.

Kurt Tucholsky 1890-1935
Schnipsel
 

Ach, wohin soll ich nun noch steigen mit meiner Sehnsucht? Von allen Bergen schaue ich aus nach Vater- und Mutterländern. Aber Heimat fand ich nirgends: unstät bin ich in allen Städten und ein Aufbruch an allen Thoren. Fremd sind mir und ein Spott die Gegenwärtigen, zu denen mich jüngst das Herz trieb; und vertrieben bin ich aus Vater- und Mutterländern. So liebe ich allein noch meiner Kinder Land, das unentdeckte, im fernsten Meere: nach ihm heiße ich meine Segel suchen und suchen.

Friedrich Nietzsche 1844-1900
Also sprach Zarathustra
 

. . .die Leute, die aus Unruhe oder Neugier weite Reisen machen, keine Beschreibungen oder Berichte davon verfassen, ja nicht einmal Schreibtafeln bei sich führen; welche reisen, um etwas zu sehen, und doch nichts sehen, oder vergessen, was sie gesehen haben; welche einzig neue Türme und Kirchen kennenlernen und Flüsse überqueren möchten, die nicht Seine oder Loire heißen; die ihre Heimat verlassen, bloß um wieder dahin zurückzukehren; denen es Vergnügen macht, verreist zu sein und eines Tages aus weiter Ferne heimzukommen.

La Bruyère 1645-1696
 

Reisen, mein Freund, ist eine schöne Sache; aber man muß seinen Vater, seine Mutter, seine Kinder und seine Freunde verloren haben, oder nie welche besessen haben, um auf dem Globus umherzuirren. Was würden Sie von dem Besitzer eines riesigen Palastes sagen, der sein Leben damit verbrächte, treppauf, treppab zu eilen, vom Keller zum Dachboden, vom Dachboden in den Keller, anstatt sich ruhig im Kreise seiner Familie niederzulassen? Das ist das Bild des Reisenden. Dieser Mensch hat keine Moral, er wird von einer Art natürlicher Unruhe geplagt, die ihn entgegen seinem Willen von Ort zu Ort treibt.

Denis Diderot 1713-1784
franz. Schriftsteller u. Pilosoph
 

Bevor wir die Reise um die Welt beginnen, sollten wir die Reise um uns selbst beendigen.

Denis Diderot 1713-1784
franz. Schriftsteller u. Pilosoph
 

Neugierde ist nur Eitelkeit. Meistens will man nur etwas erfahren, um davon zu sprechen. Sonst würde man nicht über das Meer fahren: wenn man nie etwas davon berichten dürfte, allein aus der Freude am Sehen, ohne Hoffnung, jemals etwas davon mitzuteilen.

Blaise Pascal 1623-1662
Gedanken
 

Daß man die größten Wunder zu Hause erlebt, das lernt man erst in der Fremde erkennen.

Wilhelm Raabe 1831-1910
Alte Nester
 

Die Weltmenschen halten sich für frei, weil sie in der Welt hin und her laufen, und mit überflüssigen Sorgen beschweret sind; und sie nennen ihr Herumirren eine Freiheit; wie die Kinder, die frei zu sein glauben, wenn sie, aus dem väterlichen Hause entwischet, herumlaufen, ohne zu wissen, wohin sie gehen. Schändliche Freiheit der Welt, die uns keine Zeit läßt, auf uns Acht zu haben!

Jacques Bossuet 1627-1704
 

Was bleibt mir sonst denn noch zu tun,
als abzureisen Knall und Fall,
vielleicht erblüht mir bald ein neues Huhn
in einem abgelegenen Bauernstall,
vielleicht auch reise ich mit einem Ruderboot
nach dem gelobten Lande Samarkand
nähr mich von Affen- und Johannisbrot
und werde zwischendur ch auch Elefant.

Francois Villon 1431-1463, Das kleine Testament
 

...ihr Gemüth durch Ansehung so vieler Veränderungen und verschiedener lebendiger und lebloser Dinge ergötzet, ihr Verstand in einem so großen Buch als der Erdenkreyß ist, je länger je mehr bewandert, eröffnet, geschärffet und erleuchtet, das zu Hauß durch die dahin gehende und darzu dienende Studia gefaßte, um so viel mehr bewähret, die Sitten und Affecten besser regulieret, der Leib durch die auf Reisen uns zustoßende Fatiguen gehärtet, die Gesundheit befestiget, und das Gute so man an Gütern des Verstandes auf solchen Reisen erworben, künfftig hin dem Vaterlande bey glücklicher Retour mitgetheilet werden möge. . . . Der viel Städte und Länder mit Nutzen und guter Application durchreiset, der wird dadurch ein künfftig wohl zu gebrauchender Mann.

Paul Jacob Marperger
Auserlesene kleine Schriften
 

Ich möchte Weltbürger sein, überall zu Hause und, was noch entscheidender ist, überall unterwegs.

Erasmus von Rotterdam 1469-1536
 

Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen.

Johann Wolfgang von Goethe 1748-1832
 

Tabi-ni haji-o tsutete.
Auf Reisen braucht man kein Schamgefühl.

japanisches Sprichwort
 

Welches Land ist das schönste der Welt? ist eine falsch gestellte Frage, auf die es keine Antwort gibt. Ebenen, Wildwasser, Wasserfälle, Wälder, Berge. Was lieben Sie? Sie können wählen. Hier eine sengende Hitze, dort ein warmer Boden, hier ein eisiger Himmel, dort ein stets aufgewühltes Meer; was ziehen sie vor? Sind sie Lappe, Spanier, Papua, Neuseeländer? Sagen Sie es mir, wenn Sie wollen, daß ich Ihre Frage beantworte. Glauben Sie mir, wir sind Sklaven der Gewohnheit, die Gewohnheit ist unsere unzertrennlichste Freundin und unser stetigster Feind; die Gewohnheit ist eine zweite Existenz, die wir bekommen wie die erste, ohne etwas dagegen tun zu können. Um diese Wahrheit richtig zu begreifen, müßten Sie wie ich gereist sein. Sie sind zu Hause geblieben? Oh! dann glauben Sie mir aufs Wort. Sie sind nicht fähig, mich zu widerlegen. Was ich von Ihnen verlange? Daß Ihr lässiger Geist gewohnt ist zu gewähren. Haben Sie nicht jeden Kampf mit der Überlegung untersagt! Reisen ist Denken, und Sie verlassen Ihren Lehnstuhl nicht. Man reist nicht nur, um durch die Welt zu stürmen. Selbst wenn man jeden Tag ein anderes Land besucht, kann der Körper unbeweglich bleiben, während der Geist die ganze Welt umfaßt; dieser interessiert sich für die Architektur des Menschen, jener für die Kochkünste der Völker, ein Dritter wühlt in der Geschichte der Jahrhunderte und baut sich eine neue Welt auf den Resten einer von der Zeit verschlungenen Welt. Einer studiert die Philosophen der Menschheit, um sich nach seiner Vorstellung ein Lebensbild zu schaffen; ein anderer, mutiger vielleicht, entreisst Gott seine Geheimnisse am Ort selbst, an dem er inmitten seiner flammenden Bälle thront, deren Farbe, deren Größe und Bahnen ihm kein Geheimnis mehr sind. Auch sie reisen, und, ich schwöre Euch, ihr Weg ist weit und mühsam.

Jacques Arago
 

Alles Unglück des Menschen kommt daher, daß er nicht ruhig in einem Zimmer verweilen kann.

Blaise Pascal 1623-1662
 

Um Mitternacht war es, da nahm Zarathustra seinen Weg über den Rücken der Insel, daß er um den frühen Morgen an das andere Gestade käme: denn dort wollte er zu Schiff steigen. Es gab nämlich allda eine gute Rhede, an der auch fremde Schiffe gern vor Anker gingen; die nahmen manchen mit sich, der von den glückseligen Inseln über das Meer wollte. Als nun Zarathustra so den Berg hinanstieg, gedachte er unterwegs des vielen einsamen Wanderns von Jugend an, und wie viele Berge und Rücken und Gipfel er schon gestiegen sei. Ich bin ein Wanderer und ein Bergsteiger, sagte er zu seinem Herzen, ich liebe die Ebenen nicht und es scheint, ich kann nicht lange stillsitzen.

Friedrich Nietzsche 1844-1900
Also sprach Zarathustra
 

Keine Eitelkeit ist lächerlicher als die der Leute, die aus Unruhe oder Neugierde auf Reisen gehen.

La Bruyère 1645-1696
 

Wenn geschäftslose Leute ihre Heimat verlassen und mit Grund und Gründen auf Reisen gehen: so kann man solche aus einer von diesen allgemeinen Ursachen herleiten ....

Gebrechlichkeit des Körpers,

Schwachheit des Geistes, oder

Unumgängliche Notwendigkeit.

Unter die beiden ersten gehören alle Reisenden zu Wasser und zu Lande, welche an Hochmut, Neugierde, Eitelkeit oder Milzsucht laborieren, an einem oder an mehreren dieser Gebrechen, nach allen den unendlichen Unterarten derselben und ihren unendlichen Verbindungen untereinander. Die dritte Klasse begreift das ganze Heer wandernder Märtyrer in sich, ganz besonders derjenigen, welche `cum beneficio Cleri' ihre Reisen antreten, entweder als Verbrecher, unter der Aufsicht von Hofmeistern, welche die Obrigkeit empfiehlt . .. oder solche junge Herren, die von ihren grausamen Eltern oder Vormündern auf Reisen verbannt werden, unter der Aufsicht von Hofmeistern, welche die Universitäten Oxford, Aberdeen und Glasgow empfehlen. Es gibt eine vierte Klasse; ihre Anzahl ist aber so gering, daß sie keine besondere Abteilung verdiente, wenn nicht die Notwendigkeit in einem solchen Werke wie dieses die größte Genauigkeit und Richtigkeit erforderte, um alle Verwirrung in den Charakteren zu vermeiden. Und diese Männer, von denen ich rede, sind solche, welche übers Meer gehen und sich in einem fremden Lande aufhalten, mit der Absicht, aus verschiedenen Gründen und unter verschiedenem Vorwande Geld zu sparen: allein, da sie sowohl sich als anderen ehrlichen Leuten einen großen Teil unnötiger Mühe ersparen können, wenn sie ihr Geld zu Hause sparen wollten .... und da ihre Gründe fürs Reisen einfacher sind als die aller übrigen Emigranten: so nenne ich diese Herren 'Simple Reisende' . Dergestalt kann man den ganzen Zirkel von Reisenden unter folgende wenige Rubriken bringen:

Müßige Reisende,

Neugierige Reisende,

Lügende Reisende,

Aufgeblasene Reisende,

Eitle Reisende,

Milzsüchtige Reisende.

Dann folgen die

Reisenden aus Notwendigkeit:

Der seiner Sündenschuld wegen Reisende,

Der unglückliche und unschuldige Reisende,

Der simple Reisende.

Und ganz zuletzt - wenn Sie´s nicht übelnehmen wollen!

Der empfindsame Reisende, - womit ich mich selbst meine - der ich gereist bin und nun mich hinsetze, um Rechenschaft davon abzulegen ... und ebenso gut aus Notwendigkeit und `besoin de voyager' gereist bin als irgendeiner aus der Klasse.
... Wissenschaften und Kenntnisse sind allerdings zu erlangen, wenn man die Reisen mit Boots- und Postknechten zu diesem Endzwecke anstellt; ob aber nützliche Kenntnisse und wahre Wissenschaften, das ist eine bloße Lotterie . . ..

Laurence Sterne 1713-1768
Yoricks empfindsame Reise durch Frankreich und Italien
 

Diese sogenannten "Kakerlaken-Touristen" sind auch interessant. Sie werden später reich und kommen dann vielleicht als Studienreisende wieder.

Ägyptisches FVA zum Rucksack-Tourismus
 

Die wahren wandrer aber sinds die reisen
Nur um zu reisen - federleichter hauf!
Sie können nie ihr schicksal von sich weisen.
Sie wissen nicht warum und rufen: auf!
Der sonne glanz auf veilchenfarbnen meeren
Der glanz der städte wenn die sonne sinkt
Entzündete in uns ein heiß begehren
Nach einem himmel der verlockend winkt.

Charles Baudelaire 1821-1867
Die Reise
 

Ich kann Dir nicht sagen, wie angenehm mir dieses Leben ist. Ich bin frei wie der Vogel in der Luft!

Hermann Fürst von Pückler-Muskau 1785-1871
 

Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.

Alexander von Humboldt
Kosmos
 

Wer hat euch Wandervögeln
Die Wissenschaft geschenkt
Daß ihr auf Land und Meeren
Nie falsch den Flügel lenkt
Daß ihr die alte Palme
Im Süden wieder wählt
Daß ihr die alten Linden
Im Norden nicht verfehlt

Grabinschrift auf dem Friedhof Berlin-Dahlem
 

Selten hat man etwas versäumt, wenn man nicht dort war, wo alle waren.

Nico Dostal
 

Die Leidenschaft des Reisens ist das weiseste Laster, welches die Erde kennt.

Bruno H. Bürgel 1875-l948
 

Fremdlinge, sagt, wer seid ihr? Von wannen trägt euch die Woge?
Habt ihr wo ein Gewerb, oder schweift ihr ohne Bestimmung
Hin und her auf der See, wie küstenumirrende Räuber,
Die ihre Leben verachten, um fremden Völkern zu schaden?

Homer 8. Jh. v. Chr.
Odyssee, IX, 252-255
 

Die meisten Leute reisen freilich mehr aus Langeweile als aus dem Drange, sich neue Kenntnisse zu sammeln. Zu diesen Reisenden gehöre ich nicht; ich bin neugierig, unermüdlich und erkenne jeden Tag zu meinem Bedauern, daß in der Welt nichts seltener ist als - Verschiedenheit. Die Ähnlichkeiten bringen den Reisenden zur Verzweiflung.

Adolphe Louis-Léonor de Custine
Russische Schatten
 

Trudele durch die Welt. Sie ist so schön, gib dich ihr hin, und sie wird sich dir geben.

Kurt Tucholsky 1890-1935
 

Und sehr zu befürchten ist, daß wir ohne Sehnsucht existieren werden, in einer Welt, die total verplant ist.

Eugen Drewermann
Theologe, Schriftsteller
 

.. . die Sehnsucht nach dem Unendlichen . ..

Unbekannt
 

O reiserei, du harte speis,
wie tust du mir so we im pauch!
im stro so peißen mich die leus,
die leilach sind mir viel zu rauch.
ich tumer gauch
warumb tu ich das?

Unbekannt
 

Ich habe nur von einer Art zu reisen Begriff, die noch angenehmer ist, als zu Pferde zu reisen: nämlich zu Fuß zu gehen. Man reist zu seinem Augenblicke ab, man hält inne, wenn man dazu Lust hat, man macht sich so viel oder so wenig Bewegung als man will. Man bemerkt das ganze Land; man beugt ab zur Rechten und zur Linken; man untersucht alles, was einem lockt, man steht bei allen Aussichten still. Sehe ich einen Fluß - ich wandle sein Ufer hinab; einen dickbelaubten Wald - ich gehe in seinen Schatten; eine Grotte - ich begebe mich hinein; einen Schacht - ich untersuche das Gesteine. Überall, wo es mir gefällt, bleibe ich. Den Augenblick, wenn ich Langeweile fühle, gehe ich. Ich hänge weder von Pferden noch von Postillonen ab. Ich habe nicht nötig, mir gebahnte Wege zu wählen; ich gehe überall durch, wo ein Mensch durchkommen kann; ich sehe alles, was ein Mensch sehen kann; und da ich von niemand als von mir selbst abhänge, genieße ich aller Freiheit, deren ein Mensch genießen kann.

Jean-Jacques Rousseau 1712-1778
Frei
 

Du wunderst dich darüber, daß du durch eine so lange Reise und so vielfachen Wechsel des Ortes dennoch den Trübsinn und die Schwermut nicht verscheucht hast. Denn Sinn mußt du wechseln, nicht den Himmelsstrich. - Magst du über das weite Meer schiffen, mögen dir, wie unser Vergil sagt, Länder und Städte entschwinden: Wohin du auch immer kommst, deine Fehler werden dir folgen. Zu einem, der über ganz dasselbe klagte, sagte Sokrates: "Was wunderst du dich, daß deine Reisen dir nichts nützen, da du dich selbst mit dir herumschleppst ?" Derselbe Umstand, der dich forttrieb, verfolgt dich. Was kann dir die Neuheit der Länder frommen? Was das Bekanntwerden mit Städten und Gegenden? Vergeblich ist dieses Umhertreiben. Du fragst, warum dir diese Flucht nichts hilft? Du fliehst mit dir selbst. Die Last deiner Seele muß erst abgelegt werden; eher wird dir kein Ort gefallen.

Seneca 4v. Chr.-65 n. Chr.
 

An einem schönen warmen Herbstmorgen kam ich auf der Eisenbahn vom anderen Ende Deutschlands mit einer Vehemenz dahergefahren, als käme es bei Lebensstrafe darauf an, dem Reisen, daß doch mein alleiniger Zweck war, auf das allerschleunigste ein Ende zu machen. Diese Dampffahrten rütteln die Welt, die eigentlich nur noch aus Bahnhöfen besteht, unermüdlich durcheinander wie ein Kaleidoskop, wo die vorüberjagenden Landschaften, ehe man noch irgendeine Physiognomie gefaßt, immer neue Gesichter schneiden.

Joseph von Eichendorff 1788-1875
Erlebtes
 

Stadt am Ende der Straße und Straße als Fortsetzung
der Stadt: wähle nicht eines oder das andere, sondern
eines und das andere im wohlabgewogenen Wechsel.
Berg, der deinen Blick begrenzt, ihn zurückwirft und
festhält, den die runde Ebene freigibt.
Überspringe mit Freuden Felsen und Stufen; aber verweile
an Stellen, wo der Fuß flachen Halt findet.
Ruhe aus vom Lärm in der Stille, und von der Stille
kehre zurück zum Lärm.
Nur wenn du es kannst, wenn du fähig bist, allein zu
sein, mische dich bisweilen unter die Menge.
Wähle sorgsam eine Ruhestätte. Glaube nicht an die
Tugend einer dauerhaften Tugend: Würze sie mit starkem
Gewürz, das brennt und beißt und selbst der Fadheit
Geschmack verleiht.
So, ohne Rast und Fehltritt, ohne Halfter und Stall,
ohne Verdienst und Mühe, wirst du, mein Freund, nicht
etwa den Sumpf der unsterblichen Freuden erreichen,
sondern den Strudel des großen Flusses Mannigfaltigkeit.

Victor Segalen 1878-1919
Stèles
 

Wer von weither kommt, hat leicht lügen.

Voltaire 1694-1778
 

Die Welt ist ein Buch, von dem man nur die erste Seite gelesen hat, wenn man nur sein Land gesehen hat.

Fougeret de Monbron
 

Du hast mich noch nicht gefragt, wohin ich gehe: weiß ich es selbst?
Ich will versuchen, Länder zu sehen, die ich nicht gesehen habe.

Gérard de Nerval 1808-1855
 

 

Auf die Berge will ich steigen,
Wo die frommen Hütten stehen,
Wo die Brust sich frei erschließet,
Und die freien Lüfte wehen.

Auf die Berge will ich steigen,
Wo die dunklen Tannen ragen,
Bäche rauschen, Vögel singen,
Und die stolzen Wolken jagen.

Lebt wohl, ihr glatten Säle,
Glatte Herren! Glatte Frauen!
Auf die Berge will ich steigen,
Lachend auf Euch niederschauen.

Heinrich Heine 1797-1856
Reisebilder
 

Geschäftslose Lustwandler sind äußerst selten. Der Grieche ist kein Fußgänger. Wer seine vier Wände satt hat, macht so lange Besuche, bis er wieder Heimweh fühlt.

Herr Thiez 1834
 

 
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