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Auf vergessenen Pfaden von Köln nach Indien
Mit dem Escort bis zur chinesischen Grenze
Stand: Juni/Juli 1999 - von Norbert Lüdtke & Sonja Roschy


Diese Zeilen schreibend schaue ich aus dem Fenster des Hotels Osh im kirgisischen Teil des Ferghanatals und blicke auf die schneebedeckten Ausläufer des Pamir. Auf den folgenden Seiten sind die organisatorischen und reisepraktischen Informationen unserer Reise zusammengefaßt.
Davon unabhängig müßte bereits ein "literarischer Reisevorbereitungsbericht" im Trotter erschienen sein mit zahlreichen Quellen zu Reiseberichten aus vergangenen Zeiten. Ein persönliches Reisetagebuch wird parallel zur Reise im Internet geführt.
Die Idee zu dieser Reise reifte gegen Ende vergangenen Jahres: Sonja und ich beschlossen, den Spuren Marco Polos nach China zu folgen, also entlang eines wichtigen Zweiges der Seidenstraße zu reisen. Die zunächst scherzhafte Bemerkung "dann fahren wir eben mit meinem alten Escort, der ist sowieso im Juli TÜV-fällig" erwies sich bei näherer Betrachtung als durchaus durchführbare Alternative.

Reiseverlauf

Buch
Neu! 3. Auflage (2001)

dzg
Deutsche Zentrale für Globetrotter e.V.

Wir entschlossen uns, die Südroute der Seidenstraße zu nehmen, also südlich des schwarzen Meeres und des Kaspischen Meeres durch die Türkei und den Iran zu reisen. Bis Taschkent sind das exakt 10.000 km auf unserer Strecke (Detail siehe unten). Ein anderer Zweig der Seidenstraße umging die genannten Meere im Norden, kreuzte Dnjepr, Don und Donau. Die kürzeste Strecke von Köln nach Taschkent durch die GUS-Staaten ist 6.500 km lang.
Die Straßen auf unserer Route waren durchgehend asphaltiert, die Versorgung mit Diesel war immer sichergestellt (unsere 2x20 liter Reserve waren nicht unbedingt nötig). Selbst die höchsten Pässe waren schneefrei, dafür war die Hitze an manchen Tagen kaum auszuhalten.
Der ADAC erarbeitet für seine Mitglieder detaillierte Routen (Straßenbezeichnung, Orte, Entfernungen, Gebühren) bis zur Grenze Türkei/Iran und schickte uns vier Varianten, davon aber nur drei grundverschiedene:

    1. Köln-Schweiz-Italien-Griechenland-Türkei
    2. Köln-Österreich-Slowenien-Kroatien-Jugoslawien-Bulgarien-Türkei
    3. Köln-Österreich-Ungarn-Rumänien-Bulgarien-Türkei
In erster Linie wegen des Kosovo-Krieges entschieden wir uns für die erste Variante. Damit verbunden sind die wenigsten Grenzübertritte, die besten Straßenverhältnisse und die höheren Kosten sowie das Gefühl, der Marco-Polo-Route weitgehend zu folgen.
Straßengebühren: Schweizer Vignette 50 DM, Italien Autobahn 50 DM, Hafengebühr Brindisi 30 DM, Überfahrt Brindisi-Igoumenitsa mit fragline (gebucht über ADAC) inclusive Kabine mit Bad (Übernachtung an Bord) 220 DM.

Zeitplanung
Wir fuhren am 1.6. in Köln los. Das Thermometer zeigte in Italien bereits 36 Grad, in Turkmenistan und Uzbekistan zwischen 40 und 48 Grad. Draußen im Schatten natürlich. Im Pindargebirge, im anatolischen Hochland und den iranischen Gebirgen kann aber auf den Pässen noch lange Schnee liegen, so daß eine Fahrt im April oder Mai zu Problemen führen kann, aber nicht muß: Bei Erzurum ist ein Pass immerhin 2500 m hoch, im Iran weisen Straßenschilder auf Schneeketten hin!
Gleichzeitig begannen dieses Jahr die Sommerferien in Nordrhein-Westfalen und in der Türkei (Ist das ein Zufall?) - die daraus resultierende türkische Heimreisewelle sollte man besser hinter sich lassen.
Die iranische Grenze ist freitags geschlossen, da sollte man besser nicht Donnerstag abends ankommen. Die großen Märkte Zentralasiens finden häufig Sonntags statt (Aschgabad, Kashgar, ...)
Die chinesische Botschaft teilt auf ihren Anträgen auf Visaerteilung mit, daß Visa frühestens 50 Tage vor der Einreise bearbeitet werden. Davon ausgehend planten wir also 50 Tage für die Strecke Köln-Torugart Paß (kirgisisch-chinesische Grenze) ein. Als wir das Visum dann erhielten, galt es drei Monate bis zur Einreise - wir hätten also auch ganz anders planen können.

Der Kampf um die Visa
...von Iran, Turkmenistan, Uzbekistan und Kirgisistan. Alle vier Länder stellen Touristenvisa nur dann aus, wenn eine Einladung aus dem Land vorliegt oder ein Hotelvoucher (Uzbekistan) oder wenn die Reise über ein Reisebüro (also mit einer Gruppe) gebucht wird.
Manche spezialisierten Reisebüros vermitteln jedoch die Visa, ohne gleichzeitig eine Reise mitzuverkaufen. Spomer & Deck in Bad Honnef (Tel. 02224/5061, Fax 75863) besorgten uns Touristenvisa für Uzbekistan (14 Tage Aufenthalt, 160 DM) und Kirgisistan (30 Tage Aufenthalt, 120 DM), Bearbeitungszeit jeweils 10 Tage. Übrigens waren die im Selbstreisehandbuch genannten Visa-Agenturen nicht in der Lage, diese Visa zu besorgen, es sei denn, wir hätten eine Einladung vorweisen können! Eine äußerst schwache Leistung, wie ich meine.
Alle vier Länder stellen problemlos Transitvisa aus, jedoch muß natürlich das Visum des Ziellandes jeweils vorliegen. Mit dem uzbekischen Visum erhielten wir das turkmenische Transitvisum (3 Tage, verlängerbar im Land auf maximal 7 Tage, Bearbeitungszeit 14 Tage, 60 DM) und das iranische Transitvisum (5 Tage,verlängerbar um mindestens 5 Tage, Bearbeitungszeit 3 Wochen, 70 DM).
Die Bearbeitungszeiten addieren sich auf 9-10 Wochen plus Postlaufzeiten. Drei Tage vor der Abfahrt beantragten wir mit demselben Paß das chinesische Visum und konnten es am nächsten Morgen abholen (Express, kostet aber mehr). Geichzeitig beantragten wir mit einem zweiten Paß das Visum für Indien inklusive des Permits für Sikkim (kann ohne zusätzliche Kosten am gleichen Tag abgeholt werden, gilt 6 Monate - unabhängig vom Tag der Einreise).

Der Wagen
Sonja Konstantinopel Der alte Escort Diesel (Bj. 85) machte auf den nun fast 11.000 km keine besonderen Probleme, lediglich ein Wackelkontakt und ein Kurzschluß sorgten für Ärger, bis die Ursache gefunden war. Ersatzteile hatten wir nicht dabei, lediglich Werkzeug, Kleinteile und das, was im Selbstreisehandbuch empfohlen ist. Die Türkei trägt den Wagen in den Paß ein, der Iran verlangt ein Carnet, in den 'tans wird der Wagen vom Zoll nicht weiter beachtet. Alle Hotels verfügten über einen Platz, auf dem der Wagen auf die eine oder andere Art bewacht war.

Hinweise zu den einzelnen Ländern:

Italien
Zentrale Straße in Brindisi ist der Corso Colombo mit zahlreichen Restaurants (maßlos überteuert), Fähragenturen, Wechselstuben, Grenzabfertigung. Im "embarcation office" wird die Fährbuchung durchgeführt (obwohl bereits reserviert), Hafengebühr entrichtet (je 10.000 Lira pro Person und Fahrzeug), dann zur Polizei (die stempelt sozusagen die boarding card ab) - das Ganze geht innerhalb einer halben Stunde. Die Anlegestellen sind teils weit außerhalb und schlecht ausgeschildert.

Griechenland
Sonja Lichnos Beach Für unsere Route durch Nordgriechenland haben wir die betreffenden Seiten aus dem soeben neu aufgelegten Reiseführer aus dem Michael Müller Verlag kopiert, werden jedoch oft enttäuscht. So steht dort, daß Tankstellen selten sind - wir finden im Schnitt alle 5-10 km eine (Wann war der Autor zuletzt hier?). Gut fanden wir den Tip zu "Lichnos Beach", wir blieben zwei Nächte an dem schönen Fleck. Die 276 km quer durch's Pindargebirge bis Meteora über einen 1700 m-Pass verlangen fast 8 Stunden anstrengender Fahrt auf schlechten und kurvenreichen Straßen. - Diesel 1 DM/liter gegenüber Italien 1,50 DM/liter.

Türkei
Griechische Grenzabfertigung 10 Minuten, türkische 2,5 Stunden, doch ohne Ärger, eben normaler Papierkram. Diesel 0,90 DM/liter.
Autobahn in deutscher Qualität bis Bolu, dann Landstraße bis Safranbolu (äußerst anmutiges "Museumsstädtchen", lädt zum Bleiben ein). Danach wird die Straße extrem schlecht, insbesondere vor Cide, bis Inebolu fast nur im 2. Gang, aber sehr schön, ein bißchen wie am Gardasee bevor es Autos gab.
Das Tagebuch meint zur Schwarzmeerküste: "Die Landschaft zwischen den Orten ist sehr schön". Über die Orte schweigen wir lieber. Bei Samsun haben wir genug und schwenken wieder ins Landesinnere, nach Amasya. Endlich wieder ein Städtchen, das zum Bleiben einlädt (Hotel Ilk ist sehr schön!). Spätestens in Erzurum kauft die reisende Frau ihre Ausstattung für den Iran, die türkische Variante des Tschador heißt hier "Chafchaf", ist zweiteilig und kostet knapp 30 DM im Bazar. Sonja empfiehlt allerdings den Mantel, der ist kühler. Übernachtung im Hotel Polat (sehr gut, DZ 40 DM). Einige zwanzig Kilometer hinter Erzurum die erste Straßensperre in der Türkei, wir erreichen kurdisches Gebiet, die Soldaten warnen uns, kontrollieren aber auch flüchtig das Gepäck.
Die Ausreiseformalitäten sind dieselben wie zur Einreise: Abfertigungsschein beim Betreten des Grenzbereichs besorgen. Der muß von Arzt, Polizei und Zollbehörde abgestempelt werden, dabei wird auch das KFZ aus dem Paß ausgestempelt. Zuletzt guckt jemand vom Zoll noch in den Wagen, beim Verlassen des Grenzbereichs wird der vollgestempelte Abfertigungsschein abgegeben. Während der Mittagspause läuft natürlich nichts. Auch wenn die Grenze ganztägig geöffnet ist, kann die Zollbehörde für das KFZ nur tagsüber geöffnet haben.
Die Abfertigungshallen der Türkei und des Iran sind nur durch eine garagengroße Stahltüre voneinander getrennt. Wer seine Stempel hat, darf passieren, der Fahrer des KFZ bleibt jedoch zurück, bis das KFZ zollmäßig erledigt ist. Zwischenzeitlich gibt's natürlich keinen Kontakt zum G'spusi und den anderen Reisegefährten.

Iran
Sonja Iran

Die Horrorgeschichten aus dem Lonely Planet können wir nicht bestätigen - in einer guten Stunde war alles erledigt! Ein freundlicher Mensch der iranischen Tourismusbehörde führte mich von Polizei zu Zoll usw., das Carnet war im Nu abgestempelt und der Zollbeamte fragte nur zaghaft, ob wir pornographische Zeitschriften oder Alkohol dabei hätten, begnügte sich mit meinem "Nein". Im Paß fand ich dann einen streifenförmigen, nach nichts aussehenden Zettel, der aber unbedingt bei der Ausreise abgegeben werden muß - also gut aufbewahren!
Die erste Tankstelle ist nur wenige Kilometer weiter: Diesel kostet 3-5 Pfg., ist problemlos zu erhalten. Da private PKW nicht mit Dieselmotoren arbeiten, führen viele innerstädtische Tankstellen aber kein Diesel (gasoil, motorin). Die Straße bis Teheran war super, die meisten anderen Straßen gut, die Straße durch die Kewir-Wüste und Bergstraßen sind OK, haben aber manchmal Macken (Bodenwellen, abbröckelnde Seitenstreifen, fehlende Markierungen).
Die Verlängerung des Transitvisums war in Esfahan einfach und schnell, ein Formular ist auszufüllen (möglichst lange Verlängerung beantragen), Paß und Paßphoto abgeben, Gebühr (14.000 Rial ~ 5 DM), eine halbe Stunde warten - auch dies ist viel einfacher, als im LP beschrieben. Übrigens ist auch das Touristenbüro in Täbris nicht mehr da, wo es laut LP sein sollte - man zog gerade um: aber wohin?
Briefe und Pakete aus dem Iran trafen zuverlässig und schnell in Deutschland ein. Pakete dürfen maximal 10 kg wiegen und werden auf der Post von Beamten professionell gepackt. Was man verschicken darf, hängt von den Beamten ab, in der nächsten Stadt ist wieder alles anders.
Empfehlenswert in Teheran: Das Teehaus im Keller des Golestan-Palastes und die Anlage des letzten Palastes des Schahs im Norden von Teheran (Sa'abad). Empfehlenswert in Isfahan: Als Treffpunkt für Reisende dient der Teppichladen "Nomad" am Emam-Khomeini-Square, Inhaber Hussein hilft in vielen Situationen.
Eine Katastrophe fanden wir neben dem Verhalten im Verkehr auch die Ausschilderung der Straßen insbesondere hin zu Fernzielen. Da war auch der LP oft keine große Hilfe, also unbedingt Stadtpläne besorgen!
Wegen der großen Hitze fuhren wir häufiger nachts, so auch durch die Kewir nach Norden. Das war nie ein besonderes Problem.
Mehrere Grenzübergänge nach Turkmenistan sind geöffnet: in Pol am Kaspischen Meer - doch zehrt das am knappen 3-Tage-Transit wegen der langen turkmenischen Fahrstrecke; in Sarakh - doch gilt das als vielbefahrener TIR-Übergang mit schikanösen Zöllnern und steinewerfenden Kindern auf turkmenischer Seite; in Loftabad - doch soll die Straße dorthin schlecht sein und schließlich im nur wenige Kilometer entfernten Badj-Giran.
In der Nacht, als wir diesen Übergang erreichten, lief unser Visum ab. Wir übernachteten daher unmittelbar am Grenzübergang und ich lief nachts hinein, damit zumindest Grenzbeamte sehen konnten,daß wir rechtzeitig dort waren und ein Polizist sagte dann auch, daß geschlossen sei.
Leider war das nur die halbe Wahrheit und am nächsten Tag kostete uns dieses verspätete Erscheinen einige Stunden Ärger. Richtig wäre es gewesen, hinter dem Grenzeingangsbereich 2 km weiter zu fahren bis zu einem Polizeiposten, sich dort zu melden und am nächsten Morgen zurückzufahren, um die Zollangelegenheiten zu regeln.

Literatur:
Christian Riedel: 13.000 km für 56 DM. Iran abseits der Transitroute. tours 1/1996, 8-16
Günter C. Vieten: Die Arier Gottes. Geo 9/1978

Für uns war der Iran das bisher schönste und angenehmste Land auf dieser Reise und wir werden ihm und seinen Bewohnern sicher einen zweiten und deutlich längeren Besuch abstatten.
Es gab weder eine Devisenkontrolle noch eine Devisendeklaration; der Schwarzmarktkurs beträgt etwa das dreifache des Bankkurses.
Eine KFZ-Versicherung wurde uns angeboten, nötig war sie nicht; auch nach der grünen Versicherungskarte wurde nicht gefragt. Wegen des andauernden Embargos gibt es mit dem Iran offiziell keine Verrechnungsmöglichkeit für Geldüberweisungen, doch hat die deutsche Bank eine "Repräsentanz" (Argentinia Square, Alvand Ave., 35th Street No. 25, Teheran).


Turkmenistan

Krasser kann ein Übergang kaum sein - bereits der Empfang ist russisch. Beim Anblick der langen Schlange vor der Zollabfertigung schwant uns nichts gutes, dabei ist die Paß- und Visakontrolle überhaupt kein Problem. Dann kostet der Stempel der Ärztin 5 US$, die KFZ-Versicherung 50, die Einreise mit dem PKW 30, weil's ein Diesel ist, nochmal 27, hinzu kommen Bank- und Beamtengebühren, insgesamt 118 US$ für den 3-Tage-Transit! Alles offiziell mit amtlichen Listen und gegen Quittung - Plünderung im Namen des Turkmenbashi wie vor 100 Jahren, als die Reisenden vor den räuberischen Tekke-Turkmenen zitterten. Die Aufforderung, den Wagen restlos zu leeren und uns mit allem Gepäck in die Schlange einzureihen, überhören wir dreimal, irgendwann genügt dann auch ein flüchtiger Blick des Beamten ins Innere. Eine Beamtin fordert uns unwirsch auf, die Deklaration zu unterschreiben und nimmt nur nach längerer Zeit Kamera und iranische Souvenirs auf. Bei der Ausreise kann alles beschlagnahmt werden, was nicht deklariert ist oder für Turkmenistan kulturell bedeutsam ist. Damit unterliegt man leicht der Beamtenwillkür (im Internet gibt's gleich vielfache Warnungen davor, auch unterwegs kursierten abenteuerliche Berichte). Nach mehrstündigen Diskussionen und Zahlungen weist uns der Beamte bei der Abfahrt noch darauf hin, daß wir in Aschgabad Ärger mit der Polizei bekommen können, weil der Wagen so schmutzig sei. Ein DAAD-Beauftragter in der Hauptstadt bestätigt uns das am nächsten Tag.
Hier gilt ebenso wie in den nächsten 'tans, möglichst alle Papiere in Ordnung zu haben, lieber einen Stempel und eine Bescheinigugn mehr vorzulegen und alle üblichen Regeln zu befolgen,auch wenn's sonst niemand tut. Zahlreiche schlecht bezahlte Polizisten suchen ständig nach einem Anlaß. ein paar Dollar zu kassieren. Zahlreiche Kontrollen in allen 'tans - mal mit, mal ohne Schlagbaum - bieten dutzendfach Gelegenheit, den Umgang mit den Uniformierten zu üben: immer schön freundlich, immer gelassenbleiben. Wenn das Wörtchen "Dollar" auftaucht, Papiere vorlegen, deutsch reden, verwundert gucken, nix verstehen können,immer wieder auf Angaben und Daten in den Papieren verweisen mit der Frage: "Nix OK?" Irgendwann geben die anderen immer entnervt auf. Unter vier Augen wird es besonders kritisch. Einem usbekischen Grenzbeamten sollten wir dann die Dollars vorzählen. Bei 2000 $ gab er auf, da wir uns bei den vielen kleinen Scheinen immer wieder verzählten...

Die Städte Turkmenistans kann man getrost vergessen. Die Orientierung ist noch schwieriger als im Iran, Straßenschilder und Hinweisschilder sind selten. Überdies werden in den 'tans nach 1990 viele Straßen umbenannt. Alte Straßennamen sind dann schon übermalt, für neue reicht das Geld nicht, auch kennen viele Einwohner die neuen Namen nicht.
Katastrophal war die Durchfahrt durch den Grenzort Shardzev - wir brauchten über eine Stunde für das mittelgroße Städtchen und es gibt keinen einzigen Hinweis auf die uzbekische Grenze. Hinter dem Ort ist dann nochmal eine "Brückengebühr" fällig. Die Pontonbrücke mit respektvollem Abstand zu LKW's überqueren, sonst kracht's unterm Wagen.
Laut ADAC kann man das Transitvisum in Aschgabad bis zu 7 Tage verlängern - wir haben es nicht versucht.
Alternativ ist die Einreise nach Turkmenistan auch von Aserbaidschan aus möglich, mit der Fähre von Baku nach Turkmenbashi.
In Aschgabad können wir das Hotel Ahal empfehlen, DZ 50 US$, aber eine Leistung, die andernorts das Dreifache kostet.
Devisenerklärung muß ausgefüllt werden, an Schecks ist man nicht interessiert. Der Schwarzmarktkurs beträgt das dreifache des Bankkurses, doch müssen viele Leistungen ohnehin in Dollar bezahlt werden.
Die Deutsche Bank hat eine Repräsentanz in 744001 Aschgabad, Prospekt Magtum-Guli; Überweisungen sind möglich über State Bank oder Foreign Economics, 74400 Aschgabad, Asubalyk Street. Visa wird akzeptiert. Diesel 0,10 DM/liter.

Literatur:
Dr. Norbert Falser: Wüstenabenteuer an der Seidenstraße. Off Road in Turkmenistan. Folge 1 in tours, 2/1999, S. 10-20
Michael Thumann: Lächelnd in die Armut. Die Zeit 9.7.98, S. 10
Dietrich Kohlmannslehner: Moscheen werden noch gebaut. FR 29.8.98, M6


Uzbekistan

Norbert Buchara

 

Sonja Samarkand

Nach den ziemlich schäbigen turkmenischen Grenzbauten erwartet uns auf usbekischer Seite ein Klotz von Gebäude, neu und modern, doch mit gleichfalls umständlicher Grenzabfertigung. Ein Offizier beschäftigt sich eine Stunde mit unseren Pässen; eine Ärztin schaut mal wieder kurz in die Augen, dafür werden die Reifen des Escort desinfiziert. Der Zollmensch will ständig Dollar, Zigaretten & Wodka, kriegt er aber nicht und solange seine Kollegen in der Nähe sind, fertigt er brav ab und stempelt auch die Devisenerklärung. Anschließend hält dann doch noch der Staat die Hand auf, eine "ökologische Straßenbenutzungsgebühr" kostet 20 US$. Durchschnittlich wurden wir in Usbekistan alle 30 km kontrolliert; mal reichte der Paß, dann sollte es auch der KFZ-Schein sein, 2-3 mal mußten wir die Devisendeklaration zeigen, einmal die "Ökobescheinigung".
Übernachtungstip Buchara: Saschas & Lenas Bed and Breakfast ist super. Zu dem im LP angegebenen B&B ist ein weiteres im Zentrum gekommen (30 bis 60 US$ pro DZ mit riesigem Frühstück; Kaffee und Tee frei).
Die Straßen sind besser als in Turkmenistan, die Orientierung ist ähnlich schlecht. Wieder muß eine Devisendeklaration ausgefüllt werden, doch werden die Beträge nicht überprüft. Der Schwarzmarktkurs ist dreimal so hoch wie der Bankkurs. Repräsentanz der Deutschen Bank in 700003 Taschkent, Turob Tula, Kutschasi 1; National Bank for foreign economics in 700084 Taschkent. Hotels und viele andere Leistungen werden in Dollar abgerechnet.

Literatur:
Renate Haller: Land der Karawanen. Die Zeit 18.10.96, S. 73
Jutta Stössinger: Picknick am Amu Darja, FR 16.5.98, M1
J. Kalter: Aus Steppe und Oase. Bilder turkestanischer Kulturen. edition mayer, Stuttgart 1983

Kirgisistan
Norbert Ferghanatal Zwischen Kirgisistan. Usbekistan und Kasachstan herrschen besondere Verhältnisse - diese GUS-Staaten haben so eine Art "Schengener Abkommen". Zwar wird man kontrolliert, doch gilt weiterhin die bei der Einreise nach Usbekistan ausgefüllte Devisendeklaration, eine Zollkontrolle besteht aus einem flüchtigen Blick und auf kirgisischer Seite genügt ein Blick in den Paß. Wir erhielten nicht einmal Aus- bzw. Einreisestempel. Sicherheitshalber ließen wir uns daher in Bischkek bei OWIR, der polizeilichen Registrierungsbehörde, registrieren und hatten dann auch unseren Stempel im Paß. Bishkek ist in mehrere "Rajons" unterteilt und jeder Rajon hat seine eigene OWIR-Behörde - im LP ist nur eine einzige angegeben. Auf einer speziellen Bank in der Nähe von OWIR (dort vorher nachfragen) müssen 50 Sum (~2 DM) Gebühren eingezahlt werden. Dieser scheinbar einfache Vorgang kostete uns fast 3 Stunden. Die Formulare in dreifacher Ausfertigung mußten wir zweimal neu ausfüllen (kyrillisch): einmal wegen eines Schreibfehlers, einmal, weil wir nicht am linken Rand zu schreiben begonnen hatten! Da fehlte uns einfach die nötige Kader-Disziplin. Auf dem Amt werden die Belege auf ein Blatt aufgeklebt, die Personalien darunter notiert, natürlich wieder kyrillisch - das war's.
Wir fuhren ins Ferghana-Valley, reisten bei Ferghana nach Osten aus. Bei der Deutschen Botschaft riet man uns von dieser Route ab, da es seit 1991 des öfteren bewaffnete Unruhen gegeben habe, doch unsere Fahrt verlief völlig ungestört. Die Straße von Osch nach Bishkek verläuft an zwei Stellen kurz durch usbekisches Gebiet, das ist zumindest lästig. Bei Khanabad muß man das in Kauf nehmen (15 km), bei Kochkor-Ata zweigt 100 m vor dem Schlagbaum rechts eine Schotterpiste ab, die Usbekistan umgeht (9 km). Hinter Tasch-Kömur löst sich die Straße allerdings zunehmend auf. Die alte Straße ist durch Regenfälle und Witterungsschäden stark beschädigt, eine neue wird derzeit gebaut. Trassierungs- und Dränagearbeiten verschlimmern aber in dieser Phase den Straßenzustand noch. Die zweite Hälfte dieser Strecke ist derzeit (Juli 1999) nur nachts befahrbar, tagsüber sind einige hundert Baumaschinen im Einsatz. Zwei Pässe waren ohne Probleme zu bewältigen (3100 bzw. 3600 m). Für 400 km benötigten wir rund 16 Stunden Fahrzeit. Davon abgesehen ist die Fahrt durch das Maryntal und durch das Hochtal zwischen den Pässen traumhaft schön. (Alternativ läßt sich Bishkek von Taschkent aus auch über Kasachstan erreichen (2-3 Tage Fahrt), allerdings dürfte diese Strecke in jeder Hinsicht erheblich langweiliger sein.)
Der Bankkurs wurde an den Schwarzmarktkurs angeglichen und flotiert, DM werden überall akzeptiert und sind teilweise sogar etwas besser im Kurs als Dollar.
Unsere Empfehlung für Kara-Kol am Issyk-Kul: Valentine Yak-Tours (Gagarina 10), nicht nur als Travel Agency, sondern auch mit sehr billiger Unterkunft und sehr gutem Essen und dem besten Know-How dieser Gegend.

Kirgisistan-China via Torugart-Pass

Von Bishkek bis Naryn gibt's öffentliche Verkehrsmittel, danach muß man sehen, wie man weiterkommt. An der kirgisischen Grenze (spätestens) ist kein Weiterkommen ohne eine Bestätigung aus Kashgar, daß man abgeholt wird. Die chinesische Grenze ist etliche Kilometer weiter, Grenzformalitäten werden in Kashgar erledigt. Wer vor Ort improvisieren möchte, liefert sich den nahezu erpresserischen Forderungen der wenigen Fahrer aus, die teils mehrere hundert Dollar fordern. Es gibt keinen Transitverkehr, selbst LKW's werden umgeladen. Nur kirgisische Fahrer mit besonderer Lizenz dürfen die Strecke zwischen den Grenzen befahren.
Die Travel Agencies in Bishkek machen dann folgende Rechnung auf: Transport bis Torugart-Pass mit PKW, Minibus oder 4WD (250-450 Dollar pro Wagen) plus eine Übernachtung (meist in Jurte bei Naryn). Hinzu kommt die Rechnung des chinesischen "operators": 200 Dollar für die Fahrt Torugart-Kashgar für den Wagen plus 20 Dollar für die "permission". Die Wagenpreise werden umgelegt auf die Anzahl der Passagiere, gefahren wird nach Bedarf, mindestens 5 Tage Vorbereitung benötigt die Travel Agency. Am Wochenende und an Feiertagen ist die Grenze geschlossen. Fahrtzeit 2 Tage. Je nach Wetter ist der letzte Abschnitt nur mit 4WD zu befahren, dieses Jahr lag im Juni noch Schnee auf dem Paß.


Buch
Neu! 3. Auflage (2001)

dzg
Deutsche Zentrale für Globetrotter e.V.

Alle Angaben verstehen sich als Ergänzung zum Selbstreisehandbuch bzw. zum Lonely Planet "Central Asia" (neue Auflage vermutlich 99 - einer der Autoren reiste zur gleichen Zeit wie wir für die Recherche).
Die meisten Literaturangaben befinden sich in dem eingangs genannten Bericht, hier sind lediglich ergänzende Angaben gemacht.

Literatur:
Elsbeth Blzoni: Kurt Weilemann: Auf alten Karawanenpfaden ..., Globetrotter (Schweiz) 51, Sommer 1998, S. 12-27
Anatol und Marianne Habel: Durch die GUS nach China. tours 6, 1995, S. 82-86
Detlev Prümm, A. Borchert, Ch. Teröde: Auf neuen Wegen. Kathmandu-Berlin über Land. tours 2, 1994, S.14-23


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