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Pressespiegel Deutsche Zentrale für Globetrotter dzg Autor

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AP 1999 von Elke Heß

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Archiv zur Geschichte des Individuellen Reisens AGIR
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  "Dieses prickelnde Gefühl des Unterwegsseins"
   
  Die Deutsche Zentrale für Globetrotter feiert ihr 25jähriges Bestehen - Von "Außenseitern" zum "Kuriosum"

 

 

Frankfurt/Main (AP) Sie radeln zwei Jahre lang mit dem Fahrrad um den Globus, durchqueren die Wüsten Afrikas mit dem Landrover oder zuckeln mit ihrer "Ente" von Deutschland bis zum Himalaja, Blasen am Fuß und Blutegel am Bein bringen sie nicht aus der Fassung, und wenn sie zu Hause sind, planen sie in Gedanken schon die nächste Reise. Globetrotter sind Menschen, die "immer unterwegs" sind, sagt Norbert Lüdtke, der sich selbst zu dieser Spezies zählt. Menschen, für die das Reisen ein zentraler Teil ihres Lebens ist. Den "Durchschnitts-Globetrotter" gebe es nicht, meint Lüdtke. "Was uns verbindet, ist dieses prickelnde Gefühl des Unterwegsseins."

Ein Forum für Individualreisende und solche, die es werden wollen, ist die Deutsche Zentrale für Globetrotter (DZG). An Pfingsten feiert sie ihren 25. Geburtstag. Der DZG gehören heute rund 700 Mitglieder an, die Altersspanne reicht von 18 bis 88. Minimalanforderungen für die Mitgliedschaft gebe es nicht, versichert Lüdtke, der in dem Verein für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. "Aber jemand, der mal sechs Wochen unterwegs war, wird sich bei unseren Treffen vermutlich nicht wohl fühlen." Ein bißchen mehr darf's schon sein. Lüdtkes längste Reise führte ihn durch Afrika, sieben Monate war er unterwegs. Im Juni wird der 42jährige wieder für längere Zeit seinen Rucksack packen und mit seiner Lebensgefährtin auf dem Landweg nach China und Tibet reisen - "open end". Im Globetrotter-Verein gibt es keinen, der damit ein Problem hätte: "Man muß bei uns auch keinem erklären, warum man mal zwei Jahre mit dem Fahrrad um die Welt geradelt ist."

Die Ziele der DZG sind heute noch die selben wie vor 25 Jahren: Kontakte zu anderen Reisenden und gleichgesinnten Vereinen im Ausland herzustellen, sich gegenseitig bei der Vorbereitung von Fernreisen zu helfen, den Mitgliedern nach längeren Reisen die Wiedereingliederung in Deutschland zu erleichtern und die Völkerverständigung zu fördern. So steht es in der Satzung. Was sich geändert hat, ist der Status des Globetrotters. Wer in den 70ern mit Sack und Pack gen Indien oder Marokko zog, war laut Lüdtke "eher ein Außenseiter in der Gesellschaft, in einer Ecke mit arbeitsscheuem Gesindel und Gammlern". Heute werde man "zwar immer noch als Kuriosum angesehen, aber nicht mehr so diffamiert".

So verschieden die Motive auch sein mögen, der Heimat für längere Zeit den Rücken zu kehren, daß sie irgendwann zurückkommen, steht für die meisten außer Frage: "Unsere Mitglieder sind alle sehr realistisch. Da sucht keiner das Paradies woanders", versichert Lüdtke. Solche Fälle habe er zwar auch schon kennengelernt, sie seien aber Ausnahmen.

  Folgenlos reisen geht nicht

Und noch einem Klischee widerspricht der ehemalige Lehrer, der die Beschäftigung mit dem Reisen - wie viele der DZG-Mitglieder - inzwischen zum Beruf gemacht hat: dem des "Alternativreisenden". "Das ist ein Begriff aus den 80er Jahren, den ich heute nicht mehr verwenden würde." Damals hätten viele noch die Vision gehabt, etwas ganz anderes zu machen. "Ich glaube nicht, daß, wer heute ernsthaft darüber nachdenkt, das heute noch von sich behauptet." Norbert Lüdtke ist bewußt, daß die Globetrotter von damals vielerorts die Trampelpfade schafften, auf denen später die Massen folgten. Goa oder Ko Samui sind nur zwei Beispiele für Orte, die vor gar nicht so langer Zeit noch als "Geheimtips" von Individualreisenden galten; heute fliegt auch Neckermann dort hin.

Wie also reist man am besten und am schonendsten für Land und Leute? Einfache Antworten darauf gebe es nicht, sagt Lüdtke. "Für mich wäre die Lösung, langsam und bescheiden zu reisen und zu vermeiden, in kurzer Zeit hohe Ansprüche zu stellen. Dann vermeide ich große Schäden. Folgenlos reisen kann ich nicht. Folgen gibt es immer, ich kann sie nur minimieren."

Menschen, bei denen das Fernweh stärker ist als das Bedürfnis nach materieller Sicherheit, hat es im übrigen schon immer gegeben, wie das von Lüdtke aufgebaute "Archiv zur Geschichte des individuellen Reisens" (AGIR) dokumentiert. Es umfaßt Reiseberichte und andere Dokumente aus 300 Jahren, darunter 5.000 Bücher wie Franz Heinrichs "Mit Knotenstock und Ränzel" über eine Reise von Westfalen nach Jerusalem aus dem Jahr 1911 oder die in den 50er Jahren sehr beliebten Reiseberichte des Globetrotters Heinz Rox-Schulz, Begründer des "Abenteuer-Museums" in Saarbrücken.

(Redaktionen: Weitere Infos über die DZG sind im Internet unter www.dzg.com oder gegen acht Mark in Briefmarken bei der Deutschen Zentrale für Globetrotter e.V., c/o Thomas Simoneit, Postfach 800 463, 81604 München zu erhalten. Für die Planung einer längeren Reise ist das von der DZG herausgegebene "Selbstreise-Handbuch" - Frankfurt: Peter Meyer Reiseführer - eine Fundgrube.)

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