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Archiv zur Geschichte des Individuellen Reisens AGIR
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Michael Müller Verlag
   
  Städtchen abseits ausgetretener Touristenpfade, malerische Strandtavernen mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis und bequeme Übernachtungsmöglichkeiten mit Familienanschluss – die "Geheimtipps" im Süden Europas konnte man vor mehr als 20 Jahren nur von guten Freunden oder hilfsbereiten Einheimischen bekommen. In den 70er Jahren brach in der alten Bundesrepublik eine ganze Generation auf, Europa zu entdecken. Egal, ob per Anhalter, mit Bus und Zug oder sogar mit dem eigenen Auto – bei der mediterranen Entdeckungsreise blieben die staubtrockenen Kulturführer der Eltern ungelesen zu Hause. Der Wunsch nach kritischen, aktuellen und hintergründigen Reiseführern blieb allerdings zunächst noch unerfüllt.

 

 

Als im Frühjahr 1979 der junge Reisejournalist Michael Müller, der sich bereits seine ersten Sporen in Südamerika und Griechenland verdient hatte, seinen Verlag in seiner fränkischen Heimatstadt Ebermannstadt aus der Taufe hob, hatte er genau diese Leserschaft im Sinn. Eine Kugelkopf-Schreibmaschine und ein Kopf voller Ideen waren das Startkapital des Ein-Mann-Unternehmens.
Die ersten Reisebücher zu Portugal und zur Toscana brachen mit allen Konventionen der Branche: mit der Schreibmaschine produziert, gespickt mit Informationen, Hintergrundstorys und Tipps, dazu selbst gemalte Karten und lustige Zeichnungen zur Unterhaltung. Kitschige Postkartenfotos suchte man hier vergebens.

Die selbst verlegten Bücher von Michael Müller fanden reißenden Absatz. Endlich konnte eine junge Generation Land und Leute kennen lernen, und zwar unbeeinflusst vom anachronistischen Bildungsideal der Eltern. Die jungen Reisenden wollten mit wenig Geld so lange wie möglich den alten Kontinent zwischen Nordkap und Gibraltar entdecken. Als Eberhard Fohrer, der bereits an den ersten beiden Verlagstiteln Portugal und Toscana mitgearbeitet hatte, 1982 sein Kompendium Interrail vorlegte, lernten Tausende von Lesern mit der Bahn halb Europa kennen. Es bildete sich eine wahre Fangemeinde, die den Autor mit zustimmenden Leserbriefen überschüttete, und binnen kürzester Zeit wurde der Titel zur geschätzten "Bibel" der deutschsprachigen Interrailer.

Als Ferienreisen innerhalb Deutschlands als spießig und antiquiert galten, kamen Michael Müller und der junge Journalist Hans-Peter Siebenhaar auf die Idee, den roten Chianti mit dunklem Kellerbier zu vertauschen und auf Heimatsuche abseits gängiger Klischees zu gehen. So entstand mit dem Buch Fränkische Schweiz 1982 der erste praktische Reiseführer zu einer deutschen Ferienregion, der sich auch kritisch mit der Heimat auseinandersetzte und nicht nur die Schönheit der Landschaft pries. Diese neue Art des kritischen Reisejournalismus, gepaart mit der Präsentation unzähliger praktischer Informationen, die vor Ort von den Autoren gesammelt wurden, machten den überraschenden Erfolg dieses Buches aus. Der später mehrfach neu aufgelegte Titel war gleichzeitig Start der Deutschland-Reihe im Michael Müller Verlag.

Die achtziger Jahre sorgten für eine technische Revolution im Verlagswesen. 1983 wurde eine Triumph-Adler-Kugelkopfmaschine angeschafft, mit der das Speichern von einzelnen Seiten möglich war. Schon vier Jahre später dann die nächste Innovation: die ersten Bücher (Griechenland und Griechische Inseln) wurden mit dem Personal Computer und einem Laserdrucker hergestellt. Das Büchermachen selbst war plötzlich viel einfacher geworden und nahm vor allem nicht mehr so viel Zeit in Anspruch. Im Ergebnis bedeutetet das: mehr Zeit für die Recherche und die Aktualisierung der Titel.

Michael Müller veränderte die Branche, denn seine Bücher zählen zu den ersten alternativen Reiseführern überhaupt. Doch schnell entwickelte der Erlanger Verleger seine Reiseführer weiter: aus praktischen Begleitern für Rucksacktouristen wurden verlässliche Invidualführern für alle Altersgruppen. Der Erfolg wurde bald auch außerhalb des deutschen Sprachraums registriert, und einige Verlagstitel erschienen in schwedischer, englischer und spanischer Übersetzung.

Bereits Mitte der achtziger Jahre avancierte das Individualisten-Ziel Griechenland zu einem Schwerpunkt des Verlags. Das Autorenteam, bestehend aus Eberhard Fohrer, Hans-Peter Siebenhaar und Peter Kanzler, reiste viele tausend Kilometer kreuz und quer durch ganz Hellas. 1985 entstand der Kreta-Führer (Eberhard Fohrer), 1986 folgten die Titel Peloponnes (Hans-Peter Siebenhaar) sowie Nord- und Mittelgriechenland (Peter Kanzler) und schließlich 1987 die beiden Sammelbände Griechenland und Griechische Inseln – die umfangreichsten praktischen Reisebücher zu dem populären Mittelmeer-Reiseziel.

Reisen, Recherchieren, Schreiben waren die Hauptaktivitäten – "gemanagt" wurde der Verlag fast nebenbei. Als Firmensitz diente die Erlanger Privatwohnung von Michael Müller. Das Wohnzimmer war Besprechungszimmer, Schreibbüro, Redaktion und Produktionsstätte in einem. Das zehnjährige Verlagsjubiläum brachte schließlich die Professionalisierung. 1989 bezog der Verlag moderne Büroräume am Rande der Erlanger Altstadt. Der Vertrieb wurde vom GeoCenter auf eigene Handelsvertreter umgestellt. Judit Ladik, heute Ehefrau des Verlegers, stieß zum Verlagsteam und erstellte am Apple die ersten digitalen Karten und Stadtpläne. Mit der Kreta Infokarte wurde nur ein paar Jahre später (1994) ein völlig neues Produkt entwickelt. Denn die dreiteiligen Karten mit Texten auf Vorder- und Rückseiten, mit Routentipps und praktischen Adressen sind eine ideale Kombination aus Individualreisebuch und verlässlicher Karte.

Bestimmten über viele Jahre handgezeichnete Illustrationen und Schwarz-Weiß-Bilder die Optik der Bücher, wurde 1991 mit Fränkische Schweiz erstmals ein durchgehend farbiger Reiseführer publiziert. Das Konzept bewährte sich. Heute werden viele Bücher farbig bebildert. Doch nicht nur die Entwicklung vom alternativen Reisebuch zum Individualreiseführer wurde in der neunziger Jahren vollzogen; es kam auch zu einer schrittweisen Ausweitung des Verlagsprogramms. Neben den Schwerpunkten Griechenland und Italien wird heute der gesamte Mittelmeerraum, aber auch West- und Nordeuropa abgedeckt. Und auch der Sprung auf andere Kontinente ist mit Ecuador und Tunesien längst vollzogen. Um sich besser auf die redaktionelle Arbeit konzentrieren zu können, vergab Michael Müller die Auslieferung an die renommierte Hamburger Firma Petersen. Zu den Innovationen des Verlag gehört auch eine neue Städteführer-Reihe, die mit den Titeln Paris, London und Lissabon.

20 Jahre Michael Müller-Verlag: Trotz Expansion und Professionalisierung handelt es sich noch immer um ein kleines Unternehmen. Freundschaftliches Miteinander, konsequentes Qualitätsdenken und kontinuierliche Aktualität bestimmen die Firmenphilosophie. Und trotz aller Zugeständnisse an die Bedürfnisse des Marktes, der Michael Müller Verlag bleibt wie seine Bücher – individuell.

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