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www.gfbv.de am: 08.04.2002

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Archiv zur Geschichte des Individuellen Reisens AGIR
www.reisegeschichte.de
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  Die "Gesellschaft für bedrohte Völker"
   

 

 

1968: Krieg in Biafra (Nigeria). Die Weltöffentlichkeit ist schockiert von Bildern des Elends. Zwei Millionen Ibos sterben durch Hunger und Krieg. Die Sowjetunion und Großbritannien versorgen die Zentralregierung mit Waffen und machen sich mitschuldig. Weltweit entstehen Biafra-Komitees, die auf die Leiden der Biafraner aufmerksam machen. Auch die Studenten Tilman Zülch und Klaus Guerke gründen im Juni 1968 in Hamburg die Aktion Biafra-Hilfe. Sie koordinieren Aktionsgruppen in der ganzen Bundesrepublik und versuchen, die Öffentlichkeit in der Hansestadt unter anderem durch die Besetztung des britischen Konsulats aufzurütteln. Doch es bleibt nicht dabei: Tilman Zülch reist nach Biafra und wird dort Zeuge eines grausamen Krieges, in dem Hunger als Waffe eingesetzt wird. Diese Erfahrungen - Krieg, Hunger und internationale Förderung oder zumindest Duldung von Völkermord - führen zur Gründung einer Menschenrechtsorganisation mit dem Anspruch, weltweit Menschenrechte von ethnischen und religiösen Minderheitengruppen zu schützen und durchzusetzen.

1970 wird die Aktion Biafra-Hilfe in Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) umbenannt (Sitz seit 1979 in Göttingen). Die Zeitschrift pogrom wird gegründet. Seit April 1993 hat die GfbV als Nichtregierungsorganisation (NGO) beratenden Status beim Wirtschafts- und Sozialrat (ECOSOC) der Vereinten Nationen.

  Das Selbstverständnis

Unabhängig und überparteilich - kaum ein Medium, das nicht mit dieser gängigen Formel hausieren ginge. Doch wer sich wie die GfbV für die Rechte von Völkern und Minderheiten einsetzt, muß politisch unabhängig bleiben und darf auf keinem Auge blind sein. Im Osten wie im Westen und in den Ländern der sogenannten "Dritten Welt" werden ethnische und religiöse Minderheiten diskriminiert, unterdrückt und verfolgt.

Die GfbV hat es immer als besondere Aufgabe angesehen, sich denen zu widmen, von denen sonst (fast) niemand spricht. Dabei hat sie unabhängig von Ideologien und politischen Lagern gearbeitet; sie hat sich nie gescheut, Schuldige beim Namen zu nennen. Kein Wunder, wenn sowohl "Linke" als auch "Rechte" oft Probleme mit unserer Menschenrechtsorganisation hatten, ließ sie sich doch nicht so einfach in derartige Kategorien einordnen. Kein Wunder auch, wenn die GfbV ihren Platz "zwischen allen Stühlen" als Ehrenplatz ansieht.

  Die Aufgaben

Weltweit werden Minderheiten unterdrückt und verfolgt. Von der Vernichtung des armenischen Volkes in der Türkei über die Gaskammern des Dritten Reiches, die Deportationen sowjetischer Kaukasusvölker sowie der Krimtataren bis hin zu den Massenmorden an Amazonas-Indianern, Biafranern, Chittagong-Bergvölkern, Kurden, Eritreern, Afghanen und Osttimoresen durchzogen Verfolgung und Vernichtung von Minderheiten das 20. Jahrhundert.

Seit der Entkolonialisierung zu Beginn der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts werden Konflikte und Bürgerkriege zunehmend in die "Dritte Welt" verlagert. Die Großmächte, aber auch die Bundesrepublik Deutschland, schüren in vielen Fällen durch Waffenlieferungen, Wirtschaftshilfe oder die Begünstigung von Militärdiktaturen Kriege in der "Dritten Welt". Die Grenzziehungen in Asien, Afrika oder Südamerika orientierten sich an den strategischen und wirtschaftlichen Interessen der europäischen "Mutterländer"; ethnische und kulturelle Zusammenhänge blieben meist unberücksichtigt. Völker wurden so zwischen verschiedenen Staaten geteilt - wie beispielsweise die Kurden, die in vier verschiedenen Staaten des Nahen Ostens leben und um Autonomierechte kämpfen.

Neben kontinuierlicher Presse- und Medienarbeit konzentrierte sich die GfbV auf großangelegte Kampagnen. Schon seit Beginn der 70er Jahre hat sie unentwegt bundesdeutsche Waffenlieferungen an Diktaturen der „Dritten Welt“ (auch solche der ehemaligen DDR) kritisiert. Seit 1987 hat sie sich vor allem gegen die Beteiligung deutscher Firmen an der Produktion von chemischen, biologischen und atomaren Waffen im Nahen Osten gewandt, die dem Irak beispielsweise den Einsatz von Giftgas und damit die Ermordung von mehr als 15.000 Kurden und assyrischen Christen ermöglichte. Zweimal versuchten deutsche Gerichte, diese Menschenrechtsarbeit durch einstweilige Verfügungen zu unterbinden. Gegen die Lieferung von 39 deutschen Kriegsschiffen an Indonesien protestierte die GfbV vehement und forderte gleichzeitig den Rückzug der indonesischen Armee aus dem besetzten Osttimor.

Als 1991, nach 46 Jahren Frieden in Europa, nur 200 Kilometer südlich der deutschen Grenze im zerfallenden Jugoslawien Krieg ausbrach, setzte sich die GfbV massiv dafür ein, daß der serbische Angriffskrieg gegen Kroatien und Bosnien, der Völkermord an den bosnischen Muslimen und die Massenvertreibung auch der kleineren Volksgruppen, von serbischen Truppen begangen, gestoppt werden. Die Politik Kroatiens, das Teile Bosnien-Herzegowinas für sich beanspruchte, kritisierte die GfbV ebenfalls scharf. Auch im neuen Jahrtausend haben wir unsere Lobby-Arbeit für die Opfer des Bosnienkrieges, später des Kosovokrieges und heute der Vertreibungen und Menschenrechtsverletzungen radikaler Kosovo-Albaner gegen nicht-albanische Bevölkerungsgruppen des Kosovo, vor allem Roma, Aschkali und Kosovo-Ägypter, fortgesetzt. Auch das Leid der Zivilbevölkerung Tschetscheniens, die im vergangenen Jahrhundert unter Stalin, Jelzin und Putin drei Mal Opfer von Massakern und Vertreibungen wurde, haben wir immer wieder angeprangert und öffentlich gemacht. Weitere Schwerpunkte lagen auf unserem Einsatz für Menschen- und Minderheitenrechte der Tibeter, Uiguren, Mongolen und Demokraten, die von Peking immer wieder grob verletzt werden, oder in der Unterstützung der  Menschenrechte für Osttimoresen, die Völker West Papuas oder der Molukken im indonesischen Machtbereich.  [weitere Arbeitsgebiete können Sie sich über den GfbV-Index oder die Stichwortsuche erschließen].

Im Kolumbusjahr 1992 machte die GfbV  mit einem internationalen Indianer-Kongreß in Dresden und zahlreichen anderen Proetstaktionen zugunsten der Apachen und Blackfeet-Indianer auf die andauernde Verletzung der Menschenrechte indianischer Völker in den Staaten Nord-, Mittel- und Südamerikas aufmerksam. Zentrales GfbV-Thema im UN-Jahr der Indigenen Völker 1993 war die Situation der fast 70 Millionen indischen Ureinwohner, der Adivasi.

  So hilft die GfbV

Der Einsatz für bedrohte Völker, wie ihn die GfbV betreibt, ist nur möglich, weil sie unabhängig von Parteien und staatlichen Institutionen ihre Arbeit allein durch Mitgliedsbeiträge und Kampagnenspenden finanziert. Fast 8.000 Mitglieder und rund 30.000 Förderer gewährleisten ihre politische Unabhängigkeit. Die GfbV ist so die größte Menschenrechtsorganisation in Deutschland nach amnesty international; mit ihrer besonderen Themenstellung ist sie sogar einzigartig im deutschen Sprachraum. Im Göttinger Bundesbüro sind 20 hauptamtliche Mitarbeiter beschäftigt. Bundesweit arbeiten ehrenamtlich rund 20 Regionalgruppen. Darüber hinaus gibt es noch Sektionen in Österreich, Luxemburg, der Autonomen Region Südtirol, der Schweiz und Bosnien Herzegowina sowie ein Kontaktbüro in Paris.

Zu den Schwerpunkten der GfbV-Arbeit gehört die kontinuierliche Information über die Situation verfolgter und bedrohter Völker. Mit Presseerklärungen und -konferenzen, der Zeitschrift pogrom, dem Kampagnenblatt Bedrohte Völker Aktuell, mit Aufrufen, Demonstrationen und Aktionen, die Sie auch auf unseren Websites finden können, schafft das Göttinger Büro Öffentlichkeit. Minderheitenvertretern ermöglicht die GfbV, auf Pressekonferenzen, Tagungen oder Podiumsdiskussionen öffentlich aufzutreten.

Diese politische Menschenrechtsarbeit wird ergänzt durch Einflußnahme auf Abgeordnete, Regierungen, Parteien, Kirchen und Institutionen. Viel Raum nimmt auch die Beratung von Journalisten, Publizisten, Verlagen, Rechtsanwälten und Hilfswerken ein. Die GfbV hilft politischen Flüchtlingen von Minderheitenvölkern bei der Erlangung von politischem Asyl durch das Erstellen von Gutachten und Hintergrundmaterial für Rechtsanwälte und Gerichte.

  Kontakt & weitere Informationen

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