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James Salter

Ein Spiel und ein Zeitvertreib

Roman

2. Aufl. (EA 1967), Deutsch v. Beatrice Howeg, Berlin: Berlin 1998 Jahr. 13x21,5: 216 S. 38 DM

James Salter lebte Anfang der 60er Jahre in Frankreich und schrieb 1964 diesen erst jetzt erschienenen Roman, ein Reisebuch der besonderen Art.

Der Protagonist Dean ist eigentlich ein Sextourist: Gelangweilt vom großbürgerlichen Leben reicher Amis, an der Elite-Uni unterfordert, fährt er in einem geliehenen 52er Delage durch Frankreich, mit der 18-, damals also noch minderjährigen, Französin Anne-Marie, die aus ärmlichen Verhältnissen stammt. Essen und Trinken, Sex in verschlafenen Provinzstädtchen und die Landstraße unter den Rädern der Nobel-Karosse liefern Zerstreuung, keine Lebensfreude. Da sucht ein Melancholiker die Erfahrung des Lebens, hoffnungslos und unfähig, das Schöne in Menschen und Dingen zu finden.

Anne-Marie findet Erfüllung: »Ich verstehe jetzt, daß man an der Liebe sterben kann.« Ihm aber ist es peinlich, sie den Freunden seines Vaters zu zeigen, sie ist ein Teil des Spiels und des Zeitvertreibs. Seine äußere Welt verlangt nach Stil und dafür braucht man Geld. Als alle Geldquellen versiegen, fährt er alleine nach Amerika und stirbt wenig später bei einem Auto-Unfall.

Über Anne-Maries Zukunft erfahren wir: »Sie ist verheiratet. Wahrscheinlich hat sie Kinder … Sie besuchen Freunde, reden, gehen abends nach Hause, tief in dem Leben, das, wie wir alle finden, so ungemein ersehnenswert ist.«

Dean versuchte der Held seines Lebens zu sein, doch das ist ein Tanz auf dem Grat zwischen abgründigen, nebligen Wirklichkeiten »im Zentrum der Leere«. Er wollte das Seine tun; jedoch traute er nicht den Träumen, der Intuition, dem Glaube als »Skelett aller Wirklichkeiten«.

Dean vagabundiert nicht, er verliert sich in der Leere des Flaneurs, dem die Zuschauer fehlen; er reist nicht, sondern bewegt sich stilvoll, doch ruhelos durch die Welt. – Es geht auch anders. Einige Jahre zuvor schrieb Jack Kerouac »On the road« und da findet sich diese unbändige Lust am Leben, gesteigert durch Drogen, wild in gestohlenen Autos durch Amerika jagend, im Rhythmus des Herzschlags durch Amerikas Jazz-Clubs, mit dem Saxophon um die Wette brüllend, bis zur Erschöpfung, im selbstvergessenden Stakkato das großbürgerliche Amerika provozierend und doch unangreifbar, denn das war Leben mit jedem Atemzug. NL

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